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Interview mit Regiewunder Roberto Orci über „Star Trek 3“

Roberto Orci ist ein Mastermind seines Fachs! Ob Unterwäsche, Schuhe oder alte Rechnungen, seine Schreibtischfächer hat der untalentierte Drehbuchschmierfink eben stets im Griff. Doch was die Storys seiner Filme angeht, sind viele Leute geteilter Ansicht: Viele finden sie billig und zu mainstreamig, andere wiederum sagen: „Ey, wen dir dahs nicht gefält, waruhm kuckst du es dann?!?!“ – Nun soll der Autor vermutlich sogar zum Regisseur aufsteigen und den nächsten Trek-Film verbr… eiten. Wir luden ihn zum Interview und er KAM tatsächlich. – Das war vielleicht schöne Bescherung auf unserem Redaktionsteppich…

Frage: Herr Orci, ist es für sie eine schwere Bürde, das Star-Trek-Franchise zu „verwalten“? Oder anders gefragt: Was unterscheidet für sie Star Trek von anderer SF, an der sie bereits gearbeitet haben?

Orci: Natürlich macht es für mich als Autoren keinen Unterschied, zu was ich schreiben soll. Ob Zukunft, Vergangenheit oder ganz normale Fanfiction: Ich bin zufrieden, wenn man meine Ideen zu all diesen Themen hören möchte – Und die Poststellen der großen Studios sich von meinem hochpreisigen Briefpapier und den Explosions-Aufklebern blenden lassen.
Meine Fähigkeiten habe ich mit „Transformers“ und „Mission Impossible 3“ bereits bewiesen, wo ich mich SEHR gefreut habe, dass ich dafür arbeiten durfte. Meine Freu-Fähigkeiten sollten also außer Frage stehen. Freuen kann ich mich, aber hallo! Beides waren übrigens Filme, die auch irgendwie mit Science Fiction zu tun haben, also auch so etwas wie Star Trek, nur halt tiefgründiger!

Frage: Stimmt es, dass sie sich als anspruchsvoller Autor in der Riege des großen Kammerspiels sehen? Als ein Mann, der tiefe Emotionen selbst in großen, actionreichen Geschichten immer noch hervorragend herausarbeiten kann?

Orci: Ich will mich ja nicht selber loben, aber auf meine Figurenzeichnung in „Cowboys vs. Aliens“ bin ich einigermaßen stolz! Cowboys! Aliens! Beides in EINEM Film! Das ist crazy, verrückt! Wie sagt ihr Germans? „Verruckt“? Es war schwer, diese beiden Welten zu verweben und dabei die reale Lebensweise eines 1860 geborenen Büffelhirten nicht völlig außer Acht zu lassen (*streift sich symbolisch Schweiß von der Stirn*).

Frage: Fast alle ihre Drehbücher haben sie zusammen mit ihrem Kollegen Kurtzman verfasst. Nun trennen sich ihre Wege. Hat es Streit zwischen ihnen gegeben?

Orci: Darüber möchte ich nicht reden. Damit sollen sich Hollywood-Geschichtsbücher, die sich mit verdienten und hochtalentierten Ausnahmetalenten beschäftigen, später mal auseinandersetzen. Nur so viel: Natürlich gibt es auch schon mal kreative Spannungen. Zum Beispiel, wenn ein gewisser Höörr Kollöööge meint, eine gelbe Explosion sähe besser aus als eine rote. Um nur ein Beispiel zu nennen.

Frage: Sie sind den Genrefans schon seit vielen Jahren bekannt. Sie waren an „Xena“ und „Hercules“ beteiligt, ebenso an „Alias – Die Agentin“. Was konnten sie besonders aus diesen Jahre für Star Trek mitnehmen?

Orci: Diese Erfahrungen haben mir sehr geholfen, glaubwürdige Figuren zu erschaffen, echte Menschen, mit denen man mitleidet! Ich kann ihnen an dieser Stelle sogar verraten, dass Kirk auf den Notizen und Character-Sketches von Lucy Lawless (= Xena) basiert! Beide haben große Verluste erlitten, sind Kämpfer und Anführer, die auch mal fragwürdige Entscheidungen treffen. Viel ändern musste ich daran eigentlich dann nicht mehr, weder in meinem Kopf noch auf dem Papier. Nur die Bezahlung war für den Film deutlich höher (*lacht lange und hört gar nicht mehr damit auf*)… Im Ernst, die haben sie ja nicht mehr alle!

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Roberto Orci, wie er schreibt und lebt. Ein Mann, der durch Talent und Intelligenz an den richtigen Voodoo-Priester geriet, welcher ihm immerwährenden Erfolg an den Hals hexte. – Vielleicht sollten wir die Kraft seines Schicksals mal testen, indem er ein Remake von „Star Trek Nemesis“ angeht?

Frage: Bei all ihren beeindruckenden Erfolgen in der Charakterzeichnung mit weiteren Werken wie „Die Insel“ (2005) haben sie noch nie überlegt, mal in das Fach der Psychologie zu wechseln?

Orci: Da sprechen sie etwas an, was ich mir tatsächlich schon überlegt hatte. Aber wissen sie: Ich möchte mich den Kollegen in diesem Fachbereich nicht anbiedern. Die sollen selber auf die Dinge kommen, die ich bereits in meinem tiefsten Inneren weiß. Außerdem könnte man meine Drehbücher zu „Fringe“ durchaus als psychologische Fachaufsätze betrachten, wenn man ehrlich sein will.

Frage: Kritiker werfen ihnen jedoch ab und an vor, dass ihre Drehbücher Ansammlungen von Nerdkultur sind, die sich mit Ironie anbiedert, damit man über die zahlreichen dramaturgischen Lücken in den Geschichten hinweg sieht.

Orci: Solche Kritiker kann ich nicht Ernst nehmen. Ich habe in den Schießszenen in der Serie „Alias“ alles dazu gesagt, was ich sagen wollte. Peng, Peng. Baddabum! Ja, ich bediene mich der Nerdkultur und vermische gerne Dinge und Gedanken, die ich auf dem Klo habe, um nur mal ein Beispiel für meinen kreativen Schaffungsprozess zu nennen. Aber heißt das, dass die Story zum zweiten „Transformers“-Film schlecht ist? (Zumindest die 50%, die von mir sind…) Ich denke, nicht!

Frage: Andere meinen, dass sie nicht genug Erfahrung mitbringen, um Regie zu führen. In ihrer Filmographie taucht nicht eine einzige Regiearbeit auf! Nicht mal eine Serienfolge ihrer recht frischen Krimischmonzette „Hawaii Five-0“ haben sie persönlich verbro… adcastet.

Orci: Das mag stimmen, aber ich erhalte ja von allen Seiten viel Unterstützung, um die Fähigkeit zu erhalten, dem Kameramann zu sagen, dass er das Ding jetzt anstellen möge! So hat mir mein Freund und Kollege J.J.Abrams z.B. mitgeteilt, dass er sich gerne mit mir regelmäßig beraten würde, damit der Look von „Star Wars“ und „Star Trek“ nicht zu sehr auseinander driftet. Wenn man einmal eine erfolgreiche Formel gefunden hat, wäre es ja auch geradezu Irrsinn, davon abzuweichen!

Frage: Wie haben sie es geschafft, so erfolgreich zu werden, obwohl sich ihre Drehbücher nicht wirklich von denen der Tausend anderen Actionautoren unterscheiden?

Orci: Da möchte ich widersprechen! Action und Anspruch gehören zusammen, und die Mischung ist schwieriger, als man denkt. Okay, 2-3 Stunden am Tag schaut einem das Marketing über die Schulter, das Exceltabellen mit Must-Have-Inhalten abhakt und bestimmte Filmszenen einfordert. Aber seitdem ich mir diese Listen alle mal auf einen USB-Stick geladen habe, weiß ich selber schon ganz genau, wann eine schlüpfrige Unterwäscheszene, eine Nerd-Anspielung oder ein popkultureller Querverweis angebracht ist.

Frage: Was bedeutet Star Trek für sie, so ganz tief innen drin?

Orci: Es geht natürlich um das große Triumvirat: Budget, Marketing und Cross-Promotion! – Haha, nein, nur Spaß! (*Zeigt mit Finger übertrieben auf Interviewer*) Natürlich hängt alles an Kirk, Spock und Pille! Spock als eher emotionaler, aufbrausender Typ, der sich schnell mal verliebt, ist da der Gegenpol zu Pille, der ja eher überlegt und bedacht auftritt. Da haben wir uns ganz an die alten Vorlagen gehalten, weil es eben den Kern ausmacht!

Frage: Gibt es denn etwas, was sie anders machen möchten als J.J.Abrams in den letzten beiden Filmen?

Orci: Zuallererst haben wir großartige Darsteller, die besten, die man bekommen kann, wenn man sich im Vorfeld auf extrem gutaussehende Leute beschränkt und den beklagenswerten Rest aussortiert! Tolle Leute, die jeden erdenklichen Sch… erdenkliche Story tragen können! Ich sehe jetzt schon langsam, dass unsere neue Titt… Uhura den Ruhm der alten langsam übersteigt, ohne den alten Darstellern zu Nahe treten zu wollen. Von daher mache ich mir um die Story mal gar nicht so viele Gedanken. Irgendwas ist mir da ja immer noch eingefallen. (*Schnippst mit dem Finger und betrachtet den Blumentopf auf seinem Schreibtisch*) Ein Pflanzenmonster hatten wir zum Beispiel noch nicht!

Frage: Das ist ja unsere Sorge. Oft wirkt das doch sehr Random, zusammengewürfelt und nicht 100%ig „rund“. Visionslose Blockbuster-Unterhaltung. Aber sie werden ja diesmal gar nicht für das Drehbuch verantwortlich sein, wie es scheint?

Orci: Das stimmt, aber mein Einfluss wird meinen Nachfolger schon entsprechend beflügeln. Und zur Not gibt es eben… (Schaut im Zimmer herum und zeigt dann wieder auf den Blumentopf) ein Blattlaus-Alien! So wie in „Starship Troopers“, nur in cool! Und was sind schon Visionen? Total überschätzt! Schreiben ist ein ganz normales Handwerk, das man in 5 Jahren locker lernen kann, wenn man nur jeden Monat eeetwas schreibt. Zum Beispiel Bewerbungsbriefe an Viacom. Das hat mir z.B. sehr geholfen. Und WENN man es erst mal geschafft hat – gerne auch durch Zufall – hinterfragt doch sowieso keiner mehr, was man fabriziert. Es wird sowieso noch 10x glattgebügelt und überarbeitet. Und zur Not gehen total infantile SF-Ideen als Hommage an die 70er oder 80er durch. Im Ernst: Ich müsste schon 80 Seiten lang auf’s Papier brechen, damit man meine Drehbücher nicht als publikumsträchtig betrachtet.
Was natürlich nicht heißt, dass meine Werke nicht trotzdem der absolute Wahnsinn sind.

Frage: Da sind wir dann wenigstens mal einer Meinung… Aber im Ernst, was dürfen wir wohl von dem nächsten Film erwarten? Einen rachelüsternen Bösewicht mit Groll auf die Föderation? Jetzt wären ja mal die Klingonen dran. Ein übermenschlich starkes Schiff dürfte da ja auch vorkommen. Und eine Neuauflage des Genesis-Projekts würde uns auch nicht wundern, wäre das doch für einige Spezialeffekte gut! Vielleicht die klingonische Variante davon, für eine düstere Vegetation? (*Interviewer zeigt auf Blumentopf*)

Orci: (*Schaut erschrocken hoch*) Sie sind sicher, dass sie nicht für uns arbeiten, mein Freund?

Frage: Ganz sicher. Vielen Dank für das Interview, Herr Orci!


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Artikel

von Klapowski am 24.05.14 in Star Trek, Star Trek - Filme

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Kommentare (6)

  1. bergh sagt:

    tach auch !
    Schönes Interview, nur leider so gar nicht lustig,
    weil es genau so kommen wird , wie Du es hier fabuliert hast.

    Siehe auch dazu :
    http://www.zukunftia.de/5661/baaad-break-back-ueber-sf-boesewichte-ohne-charisma/

    Über SF Bösewichte ohne Charisma.

    Ich glaube ich werde die Nummer 3 Neu erst einmal nicht entgegen – fiebern.
    Und SW 7 muß auch erst beweisem, dass es was kann.

    Gruß
    BergH

  2. Michael sagt:

    Nett, aber Orci hat im Interview leider gut verborgen, dass er ein Verschwörungstheoretiker der übelsten Sorte ist.

  3. Exverlobter sagt:

    Orci ist das Krebsgeschwür Hollywoods.

    • Rider sagt:

      Er ist nicht alleine dort,denn in Hollywood gibt es genug Krebsgeschwüre wie Orci

  4. Q-Quinn sagt:

    Orci ist ist wie Abrams ein Lügner in Punkte,,jaja, ich bin ein großer Fan von ST genau so wie JJ bla bla,, und ist keine verbesserung :-P Also mit Ihm wachsen meine Hoffnung schon garnicht, aber was will auch Erwarten, wenn man nur Leute aus den engsten Kreis von Abrams nimmt. Achja, das selbe gilt auch für die Drehbuchschreiber, denn da greift man auch nur auf Bad Robot zurück :-P , aber zum glück bleibt sein Vorgänger als Produzent dort :-P also da kann doch nichts mehr schief gehen

  5. bergh sagt:

    tach auch !

    Kannst Du das mal in ganzen deutschen Sätzen schreiben?
    ich verstehe nur -P

    Gruss BergH

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