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„Predators“ – Das Review, das Dich jagen wird!

Auch in ihrem nunmehr 5. Film bleiben die Predators den Hobbys treu, die sie bereits 1987 in mein Poesiealbum kritzelten: „Menschen jagen, unsichtbar auf überdimensionierten Kräuterplantagen und Techno-Kellern abhängen und dabei beidlungig in sich hineingurgeln“. Trotzdem fand ich den Ansatz gut, den Oscar-Preisträger Adrien Brody zum Actionhelden zu machen. Nur leider wirkt die Story hier nicht wirklich praller als sein abgemagerte Jude in „Der Pianist“…


INFORMATIONEN:

Regie: Antal Nimród
Jahr: 2010
Budget: $40 Mio.

Poster
Jägar der Schreckliche
Ich war nie ein großer Fan des Franchises, waren die „Aliens“ doch stets komplexer, gruseliger und tierischer als die plumpen Maskenträger from outer Statistenrolle. Man fragt sich sowieso, warum die nicht alle längst taub geworden sind, bei dem Lärm, den ihre Visualisierungshelm stets macht (jedes neu gescannte Objekt wird mit einem lauten „Schnarz“ eingeführt). Und gingen die Aliens noch irgendwie als Horrorfilm-Bestien durch, so fragte man sich bei Predators dann doch irgendwann, warum sie riesige Raumschiffe bauen, ihre Kommunikation aber auf ein lässiges Handschütteln beschränken. An abgerissenen und weggesprengten Händen, versteht sich.

Sogar untereinander geht es hier schlimmer zu als bei den Klingonen beim Sommerschlussverkauf: Die neue Rasse, die lediglich einen größeren Kiefer besitzt (Matt Smith?), ansonsten aber auch nicht „Stricken und Kant lesen“ als Lieblingsbeschäftigung angeben würde, jagt nebenbei auch noch die kleineren Rastazopf-Predatoren. Wie die Personalpolitik eines deutschen Discountkaufhauses dem 5. Film die Frische wiedergeben sollte, ist mir ein Rätsel.

„Ja, wo sind wir denn hier? Was ist nur geschehen?“ – „Ich würde sogar fragen: Was ist passiert?!“ – „Und ich setze noch einen drauf: Was ist nur VORGEFALLEN?“ – „Verdammt, mir gehen die Synonyme aus. Ich passe!“ – Da hilft nur ein Jägermeister: Der (er)klärende Anfang des Filmes machte mich aus bislang unbekannten Gründen leicht aggressiv. Ich werde daher nun ein paar Altersheimbewohner in meinem Garten aussetzen und sie mit einer zusammengerollten Fernsehzeitschrift zu jagen versuchen…

Doch vergessen wir nicht die Menschen in diesem Film, deren Zusammenkunft nicht liebloser zusammengeschreibselt sein könnte: Kämpfer und Verbrecher aus aller Herren Länder werden mal schnell über dem Dschungel abgeworfen, fertig ist die Laube. Sie treffen aufeinander und stellen sich hübsch auf und vor („Ich bin aus Tschetschenien und habe 2 Kinder. Weitergehen?“), wobei man sich charakterlich eigentlich nur die Größe und Durchschlagskraft ihrer jeweiligen Wumme merken muss. Dagegen war die Ursprungsgeschichte von „Alien vs. Predators 1“ eigentlich schon großes Kino. DORT musste wenigstens in der Antarktis(!) noch eine Pyramide(!) entdeckt werden, zu der dann allerlei Experten verurteilt geschickt wurden.

Charaktermomente der Hauptdarsteller sind bei „Predators“ immerhin vorhanden, wirken aber nachträglich draufgenagelt und klischeehaft. Wenn harte Kerle mit Quoten-Frau und Quoten-Nichtharten durch den Dschungel laufen, ist das Anspruchsvollste gerade mal ein Dialog, der genau so auch von einem Abiturienten vor der Wehrdienstkommission vorgetragen werden könnte: „Wer als Soldat lange genug Menschen jagt, will irgendwann nichts anderes mehr tun.“ – Tja. Aber der poetischste Satz im Film war dann auch gleich abgeschrieben, wie Adrien Brody zugibt: „Ist nicht von mir. Hemmingway.“

Humor und Ironie: Müssen vom Zuschauer selbst erjagt und erlegt werden. Tolle Action und Effekte: Sind eher auf Fernsehfilm-Niveau. Klassisch-schön, aber heutzutage doch auf der „Seit 15 Jahren gibt es besseres“-Skala ganz weit oben. Schöne Landschaften: Es dominiert grauer(?) und schmuddeliger Dschungel, der in „Crysis“ irgendwie noch hübscher aussah. Musik: Hatte versucht, zwischenzeitlich drauf zu achten, musste aber dann vom örtlichen Popkorndealer wegen lauten Schnarchens wachgerüttelt werden. Innovative Kameraarbeit: Einheitsmampf ohne große Ideen. LOST sieht besser aus. Irrsinniger Veteran, gespielt von Laurence Fishburne („Morpheus“): Spricht vorschriftsmäßig mit sich selbst und stirbt, bevor der Zuschauer auch nur das Wort „Kult“ denken kann.

„Glaubt ihr, ich habe so lange überlebt, weil ich mich mit verständlichen Lautäußerungen gemeldet habe? Ganz im Gegenteil! – Mammamu, raus bist du! Bleistiftspitzen müssen schwitzen! Helau!“ – Sprechprobe: Die Rolle von Onkel Laurence ist eher eine Undankbare. Es sei denn, man hat nur für drei Drehtage Zeit, während man auf „Matrix 4“ wartet. Dann kann man für diese sehr, sehr einfache Möglichkeit zur schnellen Gastrollenkohle sehr wohl seeehr dankbar sein.

Und so schleichen sie alle durch den Dschungel, einem Ziel (= Ein Schiff der Predators entführen UND steuern) entgegen, das auch für Liebhaber phantastischer Filme zu abgehoben sein dürfte. Einer nach dem anderen lauscht der Stille des eigenen Herzschlages, bis endlich ein halbwegs vorzeigbarer Verteidigungsplan umgesetzt wird. Warum haben sich eigentlich nicht gleich alle mit Schlamm beschmiert, nachdem sehr früh klar war, dass dies die Alientechnologie stört?

Viel mehr fällt mir zu dem Streifen auch tatsächlich nicht ein. Die Story ist in ihrer bewährten Dämlichkeit völlig ausreichend, bietet aber nichts, was man woanders nicht schon gesehen hätte. Der Hauptdarsteller macht seine Sache gut, steht aber weniger im Fokus als einstmals unser Arnold. Und da er kein Problem damit hat, jedes Teammitglied jederzeit zurückzulassen, muss man die Heldenverehrung auch auf die Kinotrailer beschränken, die VOR diesem Film gezeigt werden.

Logikfehler:

– Ein einzelner Mann baut mehr Fallen auf als MacGyver beim mehrtägigen Werkunterricht.
– Die Predators sind zu blöd, seit 10 Jahren einen riesigen, stillgelegten Bohrer nach Morpheus – oder anderen Menschen – zu durchsuchen („Die Menschen schlafen bestimmt alle draußen, das macht denen nix.“)
– 7 Leute mit Schnellfeuerknarren schaffen es nicht, sekundenlang anrückende Predator-Jagdhunde schnellstmöglich über den Haufen zu ballern.
– Dass der Arzt von der Gruppe vor ihm getrennt werden konnte, kann ich mir nur mit einem epileptischen Anfall seinerseits erklären, der nachträglich rausgeschnitten wurde. „He, so sind denn alle plötzlich?! Vor einer Sekunde stand ich noch auf den Hacken des Tschetschenen! Hat der sich etwa die Schuhe ausgezogen?“
– Wieso bewegte sich erst die Sonne nicht, bevor es am Ende des Films dann doch eher lichtlos wurde? „Lost“ your mind, oder watt?

Zwischendurch wird die Monsterhatz sogar richtig laaaaangsam und gemächlich, wodurch die Story schnell mal zum Wanderausflug der Floskeldialoge verkommt. Ich jedenfalls fühlte mich nur zu 50% geistig ausgelastet, so dass ich mental schon mal runterspulte, warum man dem recht unterhaltsamen „Alien 4“ damals eigentlich so viel Unrecht getan hat.

Wie machen die das nur? Selbst der Trailer wirkt wie aus 14 älteren SF-Schockern (so um die 1,5 Volt, schätze ich) zusammengestoppelt. Okay, soooo schlecht ist der Film nun auch wieder nicht, aber beim zweiten Ansehen wird einem sicherlich selbiges… Kann man sich beim Gähnen eigentlich eine gefährliche Sauerstoff-Überversorgung einfangen?

„Predators“ wiederholt somit einfach nur den Urfilm mit noch mehr Blutern und Hirni-Gelaber. Dagegen muss man „Predator 2“ fast schon die Tapferkeitsmedaille für den mutig-anderen Plot verleihen. Die Action ist teilweise zu statisch inszeniert (Aus einem Schwertkampf kann man einfach mehr rausholen!), teilweise zu sehr „gar nicht da“ und kann sich erst im letzten Fünftel zu „sehenswert“ hinaufmalochen, wenn Adrien Brody den Predator nach Strich und Faden vermöbelt. Kultig aussehende Action wird im Kinozeitalter von „300“ und 2012“ (wo)anders gemacht. Die Bilder hier sind, von Ausnahmen abgesehen, ungefähr so einprägsam wie ein Wasserfleck im Heizungskeller.

Da kann auch die nette Enthüllung am Ende nicht viel ausrichten, die uns sagen soll (seit wann sprechen Zaunpfähle, wenn sie mir vor die Stirn geschlagen werden?), dass der Mensch eine nicht minder grausame Bestie als die Sabberkiefer-Förster ist. – Mag richtig sein. Aber dafür sind wir auch im Drehbuchschreiben manchmal nicht besser als eine Ameisenstraße auf einem leeren Blatt Papier.

„Ha! Ich habe meinen blutigen Brustkorb auf deine Handklingen gespießt! Es wird eine Ewigkeit dauern, bis Du das wieder runtergeputzt hast! Na, WER lacht hier jetzt?“ – „Öh. Lachen? Ist das etwa das Konzept, wegen dem wir in diesen Keller gegangen sind?“ – Achtung, der Spieß kommt: Die ganze Geschichte ist eher unironisch bis unlustig. Dafür wird das wahnsinnige Kichern aber umso lauter, wenn man bedenkt, dass die Fans seit 1990(!) auf diese schale Stümmel-Story gewartet haben…


Fazit: Beim nächsten Predator-Film bitte etwas weniger Präindustrielles. Warum nicht ein paar mehr abgestürzte Raumschiffe, Gruselsequenzen im stillgelegten Riesenbohrer oder in Tropfsteinhöhlen? Warum gab es keine außerirdischen Forschungsanlagen oder Basislager, die aus mehr als einem Totempfahl mit angeschlossenem Lagerfeuer bestehen? Wieso musste alles wieder im Dschungel spielen, der außerdem ziemlich unspektakulär aussah und das Auge nicht mehr verwöhnte als der Teutoburger Wald im November?

Die Antwort auf all diese Fragen lautet: Weil der Regisseur den optischen Feinschliff einfach nicht draufhatte. Die Story mit dem abgestandenen Geschmack von Reaktorkühlwasser hätte ich wohl noch verzeihen können, die transusige Tuntenoptik und den zwischenzeitlichen Mangel an Action aber nicht.

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Artikel

von Klapowski am 10.07.10 in Film-Review

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Kommentare (6)

  1. Talon sagt:

    Soll da wirklich (schon wieder) ne neue Pred-Rasse eingeführt worden sein. Das letzte Bild lässt vermuten, dass der Kommentar am Anfang keine Ironie war.

    Was den Jungel angeht… direkt nach AvP2 wollte ich zur Abwechslung mal, dass die Story in ner Wüste spielt.

  2. Will Smith sagt:

    Der ärgste Logikfehler der mich gestört hat:

    Wieso haben Adrien Schwächling Brody und die Tussi voll den Durchblick?

    Er (riecht an einem Stück Dreck): Sie jagen in Dreiergruppen…es ist eine Treibjagd…ihr Lager ist östlich von hier…wir sollten dorthin…

    Sie: Ja, ich weiß ganz genau was ein Predator ist. Habt ihr noch nie was von dem Vorfall mit dem Killeralien in Südamerika gehört? Gehört zum Standardwissen eines israelischen Soldaten.

    Wieso wird der Schwächling überhaupt als Oberhaupt der Gruppe angenommen?

    Die Effekte sahen deshalb so primitv aus weil das Budget für einen Actionfilm extrem klein war, sogar weniger als beim Ur-Predator von Anno Tobak (Wertverlust durch Inflation lässt grüßen).

    Und es war auch wieder ein Film wo im Trailer gezeigte Szenen NICHT im Film vorkamen! Was soll das denn?

  3. bergh sagt:

    tach auch !

    Ich bin eindeutig nicht die Zielgruppen für so einen Schwachfug.
    (Und damit meine ich den Film, nicht die Rezension,
    denn die sagt mir Finger, Geld und Augen weg davon.)

    Gruss BergH

  4. AL Bundy sagt:

    Als großer Fan des ersten und des unterschätzten zweiten Teiles, fand ich den Film echt großartig. Der Film ist fast ein einziges Filmzitat. Ganz kann der Film mit den früheren Teilen nicht mithalten, alleine die Besetzung, irgendwie glaub ich nicht, dass aus Predators 2 Gouverneure hervorgehen. Leider ist der Film etwas kurz geraten, darunter leidet auch die Charakterzeichnung, eben auch wegen des großen Ensembles.
    Die Effekte sind gut gelungen, endlich mal wieder richtiges Handwerk anstatt 2. klassiger CGI. Zum Dschungel lässt sich nur sagen, dass der echte dichte Dschungel im ersten Film wesentlich reizvoller war, aber im großen und ganzen doch in Ordnung.
    Ich weiß ja gar nicht was hier alle wegen Logikfehler rummotzen, die großen sind mir eigentlich nicht wirklich aufgefallen, ist nichts im Vergleich zu manchen Star Trek Filmen.
    Jedem Predator und B-Movie Fan zu empfehlen, der Rest kann sichs anschauen wenn er Lust auf ein bisschen Spassaction mit Blut hat.

  5. Donald D. sagt:

    @ Al Bundy: Jawoll!!! Die Predatoren sind mir ebenso sympathisch wie ein gewisser Schuhverkäufer.
    Völlig egal wie beknackt die Filme noch werden mögen, ich freue mich jedesmal, wenn die Rastatypen sich tarnen und enttarnen und auf Jagd gehen. Wobei mir der Film ganz gut gefallen hat. Nicht so gut wie Predator 1, Alien I und II, AvP I, aber besser als der Rest und damit meine ich auch Star Trek XI-XXX!!!
    Es ist nur schade, daß Fox den Predator-Charakter ein wenig stiefmütterlich behandelt. Die ganze Kohle wird teilweise zu unrecht in die Alienreihe gepumpt und III und IV waren wirklich Schrott. Man könnte mehr die Kultur der Predatoren erforschen und mal ihrem Heimatplaneten einen Besuch abstatten. Meines Wissens haben die, zumindest nach den Comics, sogar einen eigenen Namen für ihre Rasse. Die Krönung wäre ja endlich ein AvP Film, der weder im Dschungel, Arktis oder Wüste spielt, sondern im All. Das coole Predator Raumschiff aus AvP I könnte dann einen Weltraumkrieg gegen die Aliens vom Zaun brechen, das sich Klingonen und Jedis in ihre Höhlen verkriechen müßten. Wobei das das absolut Größte wäre: ein gigantischer Crossover namens „Aliens vs. Predator vs. Klingons vs. Jem´Hadar vs. Roman Legion (vs. German Wehrmacht)“

  6. Will Smith sagt:

    Das erste Script für einen dritten Predator-Film handelt ja davon dass die Predators sich mit Mutterschiffen auf den Weg zur Erde machen und versuchen diese zu erobern.

    Die Armee kämpft auf der Erde gegen die Predators, im Weltraum versucht eine Spezialeinheit das Predator-Mutterschiff zu infiltrieren – mit dem lächerlichen Budget das für die Reihe zur Verfügung gestellt wurde wäre dies natürlich nicht zu realisieren gewesen.

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