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„Cargo – Da draußen bist Du allein“ – Unser ganz ausgeschlafenes Review

„Cargo – Da draußen bist Du allein“ – Unser ganz ausgeschlafenes Review

Der Schweizer Science-Fiction-Film „Cargo“ trägt den schönen Untertitel „Da draußen bist Du allein“, was sich vermutlich auf das Plumpsklo im Vorgarten der angepeilten Zielgruppe bezieht. Obwohl der Streifen bei Amazon.de über die komplette Notenbandbreite bewertet wurde (Zitat: „Daumen fett nach oben.“), waren Sparkiller und ich uns jedoch sehr schnell einig: „Cargo“ mag mit seinem mageren Budget zwar viel geschaffen haben, ist aber für das Genre in etwa so wegweisend wie ein umgefahrenes Ortseingangsschild.


INFORMATIONEN:

Regie: Ivan Engler
Jahr: 2009
Budget: 5 Mio. Schweizer Franken

Poster
Das Licht geht aus, wir geh'n nach Haus...

Schlafstörungen? Die eigenen Lebenszeit vergeht viel zu schnell und am Ende wartet auch schon der blöde Tod? Schon lange nicht mehr so richtig die Gehirnmasse durchvögeln lassen, bis das graue Zeug aus den Ohren läuft? – Da gibt es doch auch was von Ratio(p)harm, oooder?

Ja, denn mit „Cargo“ erleben sie Masochismus in einer neuen (lichtlosen) Dimension! Stimmungsvolle Bilder, die sich auch nicht mehr bewegen als das angenagelte über ihrem Sofa! Dazu deutschsprachige Schauspieler, die teilweise so wirken, als würden sie die Rolle in einem „Seins-Fiktschn“-Film für einen ironischen Sketch in der Bullyparade halten. Stets hat man das Gefühl, dass gleich einer der Protagonisten laut loslacht, Rosamunde Pilcher rezitiert („Hui, das Landschloss auf dem Neptun hat ja sogar ein eigenes Weingut!“) oder jemand den Produzenten für die Seelenqual anzeigt, tatsächlich in einem niederen SF-Film mitgespielt haben zu müssen.

Lustlos und teilweise richtig schlecht gespielt schleichen die Unsympathen über die Raumschiffgänge, die praktischerweise so aussehen wie eine Industrieruine. – Nicht, dass ich den dreckigen „Alien“-Look nicht mehr schätzen würde! Inzwischen hat man diesen aber schon so oft gesehen, dass man sich schon fragt, warum alle Welt(raum) sich die Mühe macht, gigantische Schiffe zu bauen, die so wirken, als würde man die Aldifiliale SELBST zum Großhändler fahren lassen, statt diese einfach mit schlanken LKWs zu beliefern.

Und muss es im Raumschiff tatsächlich mehr tropfen, lecken und pfützen als im Keller von Oma Platuschke bei der legendären Flut der Lutter (Bielefeld) vor 4 Jahren? Im Film werden immerhin Leute in den Kälteschlaf versetzt (Ja, wieder mal. Diesmal sind die Kapseln mit 200 Litern Slimy gefüllt. Nur 129 Euro bei Toys `R us!), auf unglaubliche Geschwindigkeiten beschleunigt und mit künstlicher Schwerkraft versorgt, aber im Maschinenraum läuft die Suppe Kubikmeterweise von den Wänden und keiner stört sich dran. Dagegen gibt es doch sicher auch was im Werkzeugkoffer des Hausmeisters, oder?

„Wir transportieren… (*Bumm-Bomm-Badderbabong*) Es ist unglaublich, dass… (*Trommel, Polter, Rumms*) Die Frachtschleuse stand offen… (*Polter, Tusch, Rumpel*)“ – Wer die viel zu laute Musik (an manchen Stellen auch im Film vorherrschend) und die Schnitte ausblendet und NUR auf die gesprochenen Sätze des Trailers hört, hat schon einen ganz guten Eindruck, um was es hier geht: Um alles, was man schon von woanders her besser kennt.

Dazu sieht die Hauptdarstellerin aus wie eine Soziologiestudentin im 97. Semester. Ihre Erwähnung, dass es im Schiff total kalt ist (auch das noch!), führt außerdem dazu, dass sie die ganze Zeit mit einem Schal herumrennt, für den viele Rentnerinnen auf dem Winterschlussverkauf mit Gehhilfen um sich schlagen würden. Nichts gegen „normal“ wirkende Charaktere und kultige Elemente, aber so ein bisschen Recht haben die Amis ja vielleicht doch, wenn sie ihre Schauspieler stets in teuren Kostümen und erst NACH teuren Gesichtsoperationen in ihre Filme schicken.

Und da wir gerade noch mal bei den Schauspielern sind: Der komische „Sky Marshal“ dachte wohl, nachträglich eine Rolle wie die von Data übernehmen zu müssen. Mit Sätzen wie „Nöin… Die Költöschlafzeiten müssen auf jöden Fall eingehalten werden.“ (Synchronsprecher können’s irgendwie besser) wird da schon mal emotionslos und mit auf dem Rücken verschränkten Armen durch das dunkle Raumschiff gegeistert. Die Regieanweisung dazu lautete fraglos: „Hey, Jannicke Paulenhofer-Lüdemeier! Geh mal ganz stark in das unsympathische Ich deiner Figur! Du musst es spüren, wie die Kälteschlafzeiten unbedingt eingehalten werden müssen!“

Der bärbeißige Filmopa ist ebenfalls nicht spannender als ein Kühlschrank mit überschrittener Eiszeit. Mit tonlos gesprochenen Sätzen wie „Ich will hier nicht übernachten.“ (seine Stimme sagt etwas anderes) oder Technobabble, das lustlos auswendig gelernt klingt, empfiehlt er sich gleich wieder für die Volksbühne in der Detmolder Turnhalle, aus der ihn wohl nur das Geld für diesen „Seihnz-Fitzschhn“-Film gelockt hat. „Okay, ich mach’s!“, hört man ihn fast im Vorfeld sagen, „Aber diese Raumschiffkacke darf nur zum Abgreifen der Fördergelder sein, wenn DAS einer in einem richtigen Kino sieht, bin ich vor meinen Kumpels im Kleingartenverein geliefert!“

„Eisberg voraus, Cheffchen!“ – „Verdammt, ich hasse diese aufgesetzten Filmverweise, die sich partout nicht umschiffen lassen!“ – Der Rote Korsar: „Cargo“ bietet absolut nichts Neues, bekam aber immerhin viel Lob dafür, dass es für 5 Millionen Schweizer Franken immerhin genau so langwei… äh, interessant ist, wie ein amerikanischer Direct-to-DVD-Sparfilm.

So geht es eigentlich immer weiter: Der weibliche Captain ist unsympathisch bis an die Grenze zum Selbsthass, die namenlosen Arbeiter und Schweißer haben so viel Grips wie eine Tube Zahnpasta (ohne Streifen) und die Dialoge sind so gestelzt, dass die Spannung nur deswegen um die Ecke schaut, um allen Anwesenden mal mächtig eins in die Fresse zu zimmern! Die Hauptgefahren sind:

– fehlende Geländer an fitzeligen Laufstegen (*Im Suff runterfall*)
– automatisch schließende Schotts, die zur Todesfalle werden können (ich überlege bereits, die Widerstandssensoren und Lichtschranken aus den Fahrstühlen in unserem Redaktionsgebäude auszubauen, damit Kollege G.G.Hoffmann schneller zum abendlichen „Klosterfrau Melissengeist“-Einlauf erscheint)
– beknackte Führungspersonen mit moralischer Vollverstrahlung

Das Schlimmste ist jedoch die halsbrecherische Langsamkeit, in welcher der verbotene(?) Transusen-Transport von Menschen im Kälteschlaf geschildert wird. Man könnte zwischendurch bequem die Wohnung (eines anderen!) aufräumen und bekäme trotzdem alle Storyteile mit, auf die es ankommt, wenn sie denn mal ankommen. Schon 1989 gab es ausgefeiltere Geschichten bei TNG zu sehen, welche dann auch NICHT 100 Minuten brauchten, um einen Haufen Asbergerpatienten auf dem steinigen Weg der passenden Stimmbandnutzung zu zeigen. An der Betonung mangelt es nämlich bei allen Figuren gewaltig. Aber immerhin hat „Cargo“ somit schon mal die neuen Synchronstimmen für die Roboter in „Transformers 3“ gefunden…

„Cargo“ wirkt somit wie ein „Worst of“ von cooleren amerikanischen Raumschiffreißern. Der Film ruht sich auf seiner Pfiff…, ähm, Siffigkeit derartig aus, als wäre das in Zeiten von „Avatar“ und „Alice im Wunderland“ noch irgendwie gefragt. Selbst moderne SF-Computerspiele wie „Mass Effect 2“ trauen sich nicht mehr mit derartig angeranzten Storys nach dem Schema „Irgendwas rappelt da im Lagerraum, ich geh‘ mal gucken“ aus der Ecke…

„Also, das ist der Plan: Wir langweilen die Zuschauer hier, hier und hier! Dann gehen wir in die zweite Ebene an den großen, überall herumschwebenden „Top Secret“-Schriftzügen vorbei und starten unsere schweizerische Geheimwaffe: Das temporale Verlangsamungsfeld, das uns alle in Zeitlupe sprechen lässt.“ – Fingerzeig zum Meinungsgeig: Bis in „Cargo“ endlich etwas Spannendes passiert, muss erst SEHR viel Wasser zwischen den Schaltkreisen herunterlaufen…

Positiv(er) zu bemerkten wären allerdings die Kulissen (befriedigend), die Computereffekte (ausreichend), die Kameraeinstellungen (ausreichend) und die Musik (befriedigend). Sehr unbefriedigend ist dafür die beknackte Miniromanze mit dem Erotikfaktor eines Dildos aus alten Wurststückchen. Der dröge Aufstand innerhalb der Crew geht einem dann zusätzlich so sehr am Arsch vorbei, dass man schon eine 100-Kilo-Kackluke besitzen müsste, damit der Film wenigstens zufällig mal irgendwas daran trifft.

Nach drei Vierteln ödete mich die neurale Schneckenpost von Regisseur und Darstellerpack so sehr an, dass auch die (sonst eigentlich immer ziehenden) Verwicklungen um eine geheim gehaltene Cyberrealität nichts mehr brachte.


Fazit: Wieder mal scheint bewiesen, dass die Deutsch(sprachig)en nur unlustige Dosenbierkomödien und Zeitlupenthriller für bestochene Kunstfilmkritiker können. „Cargo“ ist wie ein in die Jahre gekommener Künstler, der sein geliebtes Werk so sehr zugewichst hat, dass man gar nicht mehr sieht, wo unter der ganzen Schmiere eigentlich Spaß, Spannung und die interessanten Charaktere geblieben sind.

Gerade die zweite Filmhälfte ist durch die schrappigen Spackenfiguren (wer hat’s Klischee erfunden? – Die Schweizer!) eine derartige Quälerei, dass man sich ernsthaft fragt, warum manche Zuschauer den Film bereits als Alien-Konkurrenten(!) sehen. Fast jede bessere Szene ist aus anderen SF-Streifen geklaut (Matrix, Alien, 2001, ALF, Event Horizon, ect.) und lässt die Antwort auf die Frage nach der Daseinsberechtigung dort stehen, wo auch 90% der Handlung spielen: im Dunkeln…

2 Ohren0 Ohren0 Ohren6+
SPARKIS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Die Nacht der langen Schnitte

Juhuu! „Cargo“ zu Ende geguckt, ohne dabei selber in den Kälteschlaf zu fallen!

Denn sah dieser Film zu Beginn wirklich noch sehr interessant und aufwändig aus, so kam es mir nach der ersten „Oh, wir Europäer können es ja doch!“-Begeisterung doch bald so vor, als würde sich der Verlauf der Zeit um mich herum immer mehr auf ein Minimum reduzieren. Ein Effekt, wie man ihn sonst nur beim Schauen von Sendungen wie „Marienhof“ erleben kann.

So waren die Effekte zum einen wirklich sehr schön und stimmungsvoll. Nur zum anderen dann aber auch sooo stimmungsvoll, dass man vor lauter Düster-Optik nicht immer wusste, WAS man denn dort gerade schönes zu sehen bekam. Die anfängliche Raumstation hätte da beispielsweise auch problemlos als übertrieben dekorierter Christbaum durchgehen können.

Die Kulissen des Frachters, auf welchem 95% der Handlung ablief, waren ebenfalls solide gebaut und rostige Stellen sowie munter vor sich hin tropfendes Wasser demonstrierte die gewollte Gammel-Optik. Blöd nur, dass man sonst nichts Anderes zu Gesicht bekommt, ausser diesen zwei-drei Räumen und Gängen. Okay, hätte die Story überzeugen können, wäre dies kein Problem gewesen. Aber wenn das Hirn schon beim Gucken in den Energiesparmodus schaltet, dann will man wenigstens etwas für die Augen geboten bekommen.

Und ja, kommen wir zur Handlung dieses knapp 105 Minuten andauernden Werkes. Im Nachhinein würde ich das Ganze wohl als „aufgeblähte Outer Limits-Folge“ bezeichnen. Diese lebten nämlich ebenfalls meist von einem kleinen Budget und konzentrierten sich auf knorke Dialoge und eine schöne Atmossphäre. Leider gibt es hier nichts von Beidem. Eigentlich alle (der durchgehend hölzern gespielten) Charaktere wirken blass wie uninteressant, was wohl auch an den lustlos runtergerasselten Schnarch-Dialogen und viiiiel zu langen „Stimmungsaufbau“-Szenen liegt.

Letzere bestehen meist aus übertriebenen Schwenks durch das rostige Raumschiff oder, noch schlimmer, aus extrem nervigen „Doof glotz“-Momenten, wo die Kamera einfach gefühlt-endlos auf die ganzen Hackfressen draufhält. Im Ernst, mindestens 75% des Films besteht daraus! Wobei ich normalerweise nicht einmal etwas dagegen habe! Nur sind diese Personen dafür einfach nicht charismatisch genug und auch die Geschichte motiviert nicht gerade zum Mitfiebern. Höchstens zum nervösen Tappsen mit den Fingern auf dem Stop-Knopf der Fernbedienung.

Fazit: „Cargo“ ist quasi die (gleichfalls negativ-geladene) Antimaterie zu „Transformers 2“: So sturzlangweilig und langsam erzählt, dass einen höchstens die minmal-vorhandene Neugier auf das Ende (Spoiler: Diät-Matrix lässt grüßen!) zum Gucken bis zum Schluß anregt. Also, liebe Schweizer, in Zukunft bitte mehr Fleißarbeit bei den Charakteren und der Handlung. Sonst kaufen WIR nämlich NOCH eine Steuer-CD, hahaaa!

Note: 5+ (Mit Low-Budget- und Euro-Bonus.)

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Artikel

von Klapowski am 03.04.10 in Filmkritik

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Kommentare (3)

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  1. FD sagt:

    So schlecht ist der Film gar nicht. Besser gut geklaut, als schlecht erfunden. Nichts Herausragendes, aber auch nicht so typisch schlimme deutsche Filmkunst, für die man sich Fremdschämen müsste. Wenn man es nicht weiß, merken es die meisten wahrscheinlich nicht mal, das der Film nicht aus Hollywood kommt.

    Ingesamt mit Pandorum zu vergleichen, allerdings mit weniger Horror und Action, dafür mehr Thriller. Wenn man dieses Teilgenre mag, ist der Film gut anzuschauen.

    3+

    PS: Ich warte auf das Review zum neuen Doc.

  2. Will Smith sagt:

    Kann mich jemand zu Ende spoilern?

    Bin jetzt zwar neugierig auf das Ende, aber nicht bereit mir dafür diesen (anscheinend sehr schlechten) Film anzutun.

    Doch nicht etwa ein „wir träumen alles nur“ Ende?

  3. Frank sagt:

    Mir hat er gefallen, aber ich bin auch schlimmeres gewohnt. Wenn ich da an die grottenschlechten Sci-Fi Machwerke aus den 70’gern Denke, schaudert es mich noch heute.
    Dieser Film war einfach nur Unterhaltung, mehr nicht. Also sollte man auch nicht zu viel Erwarten, oder?

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