Das ernsthafte Medienmagazin

„We need YOU!“ – Von Dokusoap-Anwerbern im SF-Milieu.

In dem Star Wars-Forum meines lieben Freundes Sparkiller gab es vor einiger Zeit einen hilfesuchenden Eintrag einer deutschen Produktionsfirma. Diese suchte niemanden Geringeres als eine der üblichen Mediennutten, die für ein paar Euro „Moralabgabeentschädigung“ in einer dümmlichen Fernsehschau als Vollspast und Lachnummeranreicher herhalten sollten. Praktischerweise wurde in dem Gesuch aber von Anfang an klargestellt, dass hier alles so seriös ist, wie es eine Kandidatensuche über ein nerdig-langweiliges Star-Wars-Forum(!) vermuten lässt.

Hier der komplette Eintrag von Mitte Juli:

Liebe Star Wars Fans,

Für das Magazin „SAM“ auf Pro7 planen wir derzeit eine „Mini-Gaming Show“ über Sammelobjekte. Die Story des Film soll in etwa so aussehen: Ein leidenschaftlicher Sammler hat sein Haus voll stehen mit Krempel. Dadurch gerät er immer wieder in Konflikt mit seinem Lebensgefährten, seiner Familie o.ä. Unser Trödelpacker-Kommando räumt die wesentlichen Zimmer leer (in der Regel zwei), packt den ganzen Trödel in eine Lagerhalle und streicht die Wohnung neu. Überall, wo Möbel und Sammlergegenstände standen, kleben jetzt Fragezeichen auf dem Boden/an der Wand.

Unser Moderatorenduo stellt dem Sammler nun an jedem Fragezeichen-Symbol Fragen zu dem Objekt, welches sich vorher dort befand. Wenn der Sammler die Fragen richtig beantworten kann, kriegt er sein Objekt zurück. Bei den Sammlerobjekten sind die Fragen natürlich schwerer, als bei einfachen Möbeln wie Tischen, Sofas etc. Am Ende kommt ein Trödelexperte, er sagt, was der Kram, der nicht zurück erspielt werden konnte, insgesamt wert ist. Der Sammler muss sich nun entscheiden: nimmt er das Geld oder seine Sammlerobjekte zurück. Natürlich kriegt der Sammler in jedem Fall seine Wertsachen zurück, wie das beim Fernsehn heute nunmal so ist, werden einige Sachen gestellt.

Wenn Du Dich als Sammler in diesem Projekt siehst, und Lust hättest, gegen ein Honorar mitzuspielen, kannst Du mich gerne anrufen oder zurückschreiben. Dabei können wir auch alle Fragen klären.
Infos über unsere Firma findest Du unter Home – Joker Productions


Ja, endlich wurde das Unterschichtenfernsehen nun also auch noch unterkellert: Nachdem wir seit Jahren gefühlten 102.293 Redakteuren und 80 Millionen Laiendarstellern bei der intellektuellen und glaubwürdigkeitstechnischen Selbstdemontage zugeschaut haben, entfremdet sich der Dokusoapwahn inzwischen in immer abstruseren Formaten von jeglichen Resten menschlicher Mentalaktivität.

In lieblos (dahin)gestellten Formaten nimmt das Privatfernsehen eine Hürde nach der anderen und wirft nebenbei die Frage auf, wie die Nanotechnologie eigentlich derartig kleine Hürden herstellen konnte. Die neuen Shows der Dokuseifenschläger heißen „Kidnapper – Aus dem Leben eines Kindesentführers“, „Gerontisches Grabesgeflüster“ (Drei Familien graben ihre Opas aus und müssen den richtigen am Geruch erkennen) oder „Familienduell 2.0“ (Mehrere Sippen hauen sich sinnfrei aufs Maul und bekommen danach alle neue Zähne aus Gold vom Sender gestellt).

Der gemeinsame Nenner der pränatal gemeinten Bespaßungsversuche: In jedem Format gibt es total verblödete Hobbyschauspieler, die von ihrem neuen Hobby noch gar nichts wussten, bis Pro.7 oder RTL2 ihnen geschätzte 500 Euro Schmerzensgeld und eine Kamera in die Fresse rammte. Die dröge Supernanny war ja so was von typisch für die 00er Jahre, ab spätestens 2010 wird die Dokusoap-Damelei erst so richtig kultig: So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis Mutti ihr gefilmtes Sexleben für einen Fuffi an Kabel 1 verschachert („Maria war bei dem Kauf der männlichen Sexpuppe zunächst eher skeptisch, doch dann…“) oder ein Contergan-geschädigter Kameramann bei den Titten-OPs einfach gleich mit in die Milchdrüse eingenäht wird, um den Heilungsprozess von innen zu dokumentieren!

Aber bis dahin müssen wir uns mit Aufrufen wie den obigen begnügen, wo Gewinnspiele nach Drehbuch verlaufen und der aufmerksame Zuschauer sich danach in seinem eigenen Wandschrank, dank vollendeter Verblödung. – Wenn die Pro.7-Möbelpacker Eure SF-Sammlung abräumen, kommt garantiert Freude auf, sofern diese mit roten Strichen und Symbolen im Drehbuch überhaupt eingezeichnet wurde („Hier vor Werbepause ganz doll authentisch freuen, ganz doll wichtig sein!“). Es sei denn, ihr hattet vorher gar keine Fanartikel-Sammlung, denn DANN wird diese natürlich erst vom Sender gestellt. Dann dürft ihr den Krempel immerhin 24 Stunden lang auswendig lernen, bevor die Boba-Fett-Figuren aus geplünderten Cornflakeschachteln wieder von eurem Toilettenspülkasten genommen werden.

Zur Feier des Tages werden dann also ein paar Fragezeichen an die frisch gestrichene Wand (Scheißbraun ist gerade übrig bei Pro.7, kein Wunder bei solchem „Output“) geklebt, damit der grenzdebile Kandidatendarsteller auch ganz sicher weiß, dass dort jetzt irgendwas fehlt und er vorher eine echte Blumenvase von Ludwig van Beethoven in der Zimmerecke stehen hatte. Ob der durchschnittliche freiwillige Teilnehmer an solchen Shows wohl sagen kann, was mal auf dem großen Loch im Badezimmer stand, das jetzt so verdächtig nach Fäkalien riecht?

dokusoap2

„Wir haben etwas an ihrer Wohnung und an ihren Elektrogeräten verändert und/oder entfernt. Ist ihnen denn nicht irgendwas aufgefallen?“ – „Stimmt, jetzt wo sie es fragen: Das Fernsehprogramm ist neuerdings irgendwie viel besser geworden!“ – Hohler als vorher, aber jetzt wenigstens konsequent: Endlich ist das Privatfernsehen das, was es bis 1983 noch war. Nämlich gar nicht existent. – HERRLICH!

Aber alles halb so wild: Beantworten die Kandidaten alle Fragen richtig, bekommen sie ja ihre Möbel und Sammlerstücke wieder, abzüglich einer kleinen Bearbeitungsgebühr in Höhe von einer geringen Menge „Ehre“, „Würde“ und „Gesellschaftlicher Vorzeigbarkeit“. Und selbst wenn sie NICHT wissen, dass der schiefe Turm von Pisa keine hippe Partylocation ist, erhalten sie ja ihren Krempel quasi heimlich zurück, als kleine Anerkennung dafür, die eigene Seele ins televisionäre Fegefeuer gestoßen zu haben. Denn, wie sagt es die Dame weiter oben doch so schön:

„ (…)wie das beim Fernsehn heute nunmal so ist, werden einige Sachen gestellt.“

Schön, dass das inzwischen so selbstverständlich ist! Heute wird nicht mehr der neue Flachbildschirm in das Zimmer gestellt, sondern das „Fernsehen“ an sich. Hätte Peter Frankenfeld vor Jahrzehnten seinen Zuschauern gebeichtet, dass alle Kandidaten nur Absolventen der ortsansässigen Sonderschule gewesen sind, denen man kurzfristig das rudimentäre Verstehen von Drehbüchern beibringen konnte, wäre aber etwas los gewesen!

Doch bei derlei deutschen Heim-Produktionen ist man da ganz offen und auf der vollen Linie mit den anderen Jungs von Joker Productions, DER Produktionsfirma für den gehobenen Anspruch. Denn wer für gefakten Käse wie „U20 – Deutschland, Deine Teenies“ noch Darsteller finden will, muss womöglich ziemlich viele Leute… ansprechen.

Ja, das ist also das Fernsehen im Jahre 2009: Alles, was nicht ausgewiesenermaßen in einer parallelen Dimension spielt, kann in der unsrigen als „Doku“ verkauft und wild weggesendet werden. Und wenn den Darsteller-Darstellern und Schauspiel-Arschgeigen auch noch ein Stück Seife in den Anus geschoben wird, damit dieser für die reingeschobene Kamera auch schön geschmeidig ist, haben wir dann auch das Wort „Soap“.

Sprich: „Doku-Soap“, der täglichen Alternative zum Hütchenspieler in der Seitenstraße oder dem netten Callcentermitarbeiter, der direkt aus Sing-Sing seine selbstgeklebten Plastiktüten an uns verscherbeln will. – Schade um unser demokratisches Abendland und unsere Fernsehkultur. HIER wäre eine gut platzierte Bombe islamischer Terroristen aber wohl schon wieder zu viel verlangt, oder?

Aber vermutlich freuen die sich alle schon viel zu sehr auf „Allah for all“ (Islamische Großfamilien tauschen den Koran drei Wochen lang gegen feuchtes Toilettenpapier und stimmen am Ende per anonymer Selbstsprengung ab, auf was sie eher verzichten könnten).

SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Die menschliche Dorfbühne

Danke an dieser Stelle an Klapo für diese unerwartete Berichterstattung. Da erwähnt man obigen Vorfall nur am Rande in einer Mail und schon meldet sich in meinem Kollegen das Reporter-Gen. Freut euch also schon jetzt auf ein Review des menschlichen Verdauungssystems, wenn ich ihm das nächste Mal von meinen tierischen Blähungen erzähle!

Dem Artikel kann ich eigentlich nur wenig hinzufügen. Amüsant ist höchstens vielleicht noch das Detail, dass die im obigen Aufruf gesuchte Star Wars-Sammlung liebevoll als „Krempel“ bezeichnet und am Ende vom „Trödelexperten“ untersucht wird. Soviel Respekt vor seinen Opf… Kandidaten muss man erst einmal haben, jawoll!

Mir absolut unbegreiflich ist übrigens auch das Promotion-Video der Joker Productions. Ist es dem eigenen Image wirklich förderlich, dafür die negativsten und unzufriedensten Aussagen der eigenen Kunden zu sammeln? So sagt zum Beispiel der Smudo ohne auch nur mit einem Hauch von spürbarer Ironie: „Meine erste Produktion mit Joker und die sind schon total besoffen, können nix, labern nur und kosten Geld! Also, den Fehler mach ich nicht nochmal!“.

Ich bin ja nun wirklich kein PR-Experte, aber sollte man in so einem Video nicht die POSITIVEN Äußerungen aufzählen? Oder ist das jetzt „in“? Dreht man die nächste McDonalds-Werbung dann im Krankenhaus beim Magenauspumpen?


Weitersagen!

Artikel

von Klapowski am 04.08.09 in All-Gemeines

Stichworte

,

Ähnliche Artikel


Kommentare (10)

  1. Flutschfinger sagt:

    Großartig geschrieben. Da weiß ich wenigstens wieder, warum ich schon seit Jahren keinen Fernseher mehr besitze. Den Artikel sollte man mal der Frau [Zensiert] schicken. Damit sie ihn auch liest, und nicht gleich wieder wegklickt, würde ich bestimmte, die gute Frau beschreibende Schlagwörter, deutlich hervorgehoben. [Hier mussten wir zensieren, da zu beleidigend! – Klap.] Natürlich kommen viele dieser Beleidigungen im Artikel gar nicht vor, wie das beim Internet heute nunmal so ist, werden einige Sachen gestellt.

  2. Jack sagt:

    „There’s a sucker born every minute.“

    …und eine ganze Reihe von denen arbeitet anscheinend bei Pro7…

  3. miz sagt:

    Ich freue mich schon auf die Morddrohungen von Islamisten gegen Stus wegen der Beleidigung von Muslimen im Allgemeinen und Allahs im Besonderen, über die dann Pro7 (und alle anderen) groß und betroffen berichten können.

    Mohammed-Karikaturen werden nichts dagegen sein. Das gibt Quote!

    Könnt Ihr schon mal eine Printausgabe erstellen, die dann die arabische, pakistanische und weddinger Straße verbrennen kann?

  4. Portos sagt:

    Die Printausgabe gibt es dann hier zu Kaufen:

    http://www.youtube.com/watch?v=N1_XT9uj8E4

  5. Flutschfinger sagt:

    Nachdem eine kurze Google-Suche (fünf Sekunden) diverse Bilder der Frau [Auch zensiert – Klap.] lieferte, [zensiert – Klap.], muss ich meine Meinung komplett ändern, diesen Artikel hier total doof finden [Zensiert]. Ernsthaft! Man muss eben mit der Zeit gehen. [Hier ganz viel zensiert, Klap.]

    An dieser Stelle verabschiede ich mich mit einem fröhlichen Supercalifragilisticexpialidocious

  6. Auch Irre sagt:

    ICH HABE EIN NEUES THEMA:
    WO KOMMEN DIE GANZEN VOLLHONKS HER, DIE IN IHREM ERBÄRMLICHEN LEBEN NICHTS BESSERES ZU TUN HABEN ALS SICH ÜBER SUCHANZEIGEN, TVSENDER UND DEREN MITARBEITER IHR PRIMITIVES MUNDWERK ZU ZERREISSEN.
    FLUTSCHFINGER DU BIST GENAU DER RICHTIGE FÜR’S UNTERSCHICHTENFERNSEHEN! BITTE MELDE DICH!

    AN DEN REST: WENN IHR UND EURE FREUNDE EURE PROGRAMMAUSWAHL NICHT ÄNDERT, WIRD SICH AUCH NICHT DAS FERNSEHPRGRAMM ÄNDERN.
    SCHONMAL WAS VON ANGEBOT=NACHFRAGE, NACHFRAGE=ANGEBOT GEHÖRT?
    OH SORRY, HAUPTSCHULABSCHLUSS NOCH NICHT NACHGEHOLT, MH?! MACHT EUCH NICHTS DRAUS. SELBST DIE SIND FÜR WAS GUT. (S.O.)
    UND EURE FREUNDE HIER IM FORUM WERDEN EUCH SICHER TROST SPENDEN UND FEST IN DEN ARM NEHMEN.
    LIEBE GRÜßE!

  7. DJ Doena sagt:

    Nu bin ich taub von der ganzen Krakelerei meines Vorposters…

  8. Auch Irre sagt:

    Ihr hört schon Stimmen? Unheimlich….hiermit verabschieden wir uns!
    Unsere besten Grüße an die Schwestern – eine Station höher, auf der geschlossenen, waerd ihr für ne weile sicher besser aufgehoben.
    Alles Gute!

  9. TheOne sagt:

    @ Auch Irre

    Blöd bloß, dass in Deutschland die „Angebot – Nachfrage, Nachfrage – Angebot“-Sache nicht wirklich hinhaut, da nicht jeder Haushalt so ein Gerät zur Erfassung der Quoten hat, sondern nur ein paar tausend Testhaushalte.

    Viel machen kann man da also nicht. :)

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Brandneues
Gemischtes
Newsletter
Arschiv
Zum Archiv unserer gesammelten (Mach-)Werke.
Büchers
Jenseits der Goetter

Jenseits der Macht