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Star Trek Enterprise – 1.03 – „Freund oder Feind“ („Fight or Flight“) Review



Wirklich ungewöhnlich…

Wäre diese Geschichte an Bord der Voyager erzählt worden, sie hätte eigentlich schon nach 15 Minuten abgeschlossen sein müssen:

Die Crew entdeckt ein fremdes Schiff, welches tot im Weltall herumtreibt. So, erst mal bis hier hin! Was wäre zu diesem Zeitpunkt in der Vorgängerserie geschehen? – Richtig: Spätestens kurz nach dem Vorspann würde ein Außenteam auf dem fremden Schiff herumstaksen, den Hauptcomputer und die Lebenserhaltung einfach durch konzentriertes Anschauen der unbekannten Computerkonsolen wieder in Betrieb nehmen und hätte noch immer 40 Minuten Zeit, den Rest der Folge mit sinnlosen SF-Versatzstücke zu bepflastern…

Nicht so bei „Enterprise“.

Die ersten 20 Minuten werden hier erst einmal dafür genutzt, um Diskussionen und Vorbereitungen zu dokumentieren, die die abgebrühten Crews des 24. Jahrhunderts gar nicht erst durchgeführt hätten. Kein Zweifel: Das Tempo von „Enterprise“ ist für ST-Verhältnisse unglaublich herabgesetzt. „Heiner Bremer Nachtjournal“-Star Trek statt „Explosiv“-SF. Denn bevor hier irgendwer an Bord eines düsteren Grusel-Schiffes geht, werden erst einmal peinlichst genau die Hände an den Schoß gelegt und Risikoanalysen verbreitet. So ist T’Pol erst mal prinzipiell gegen alles, was die Story weiterspinnen könnte, während Hoshi, die Übersetzerin, aufgrund ihrer Platzangst lieber auf der geräumigen Brücke herumstolzieren würde, als auf unheimlichen Flugkörpern ihren Tod zu riskieren. Eine Einstellung, die ich als eingefleischter Wehrdienstverweigerer und Verpissersau durchaus nachvollziehen kann… So fliegt die Crew sogar erst einmal schulterzuckend weiter, bis Archer am gedeckten Tisch mit Tucker und T’Pol seinem üblen Gewissen Ausdruck verleiht…

Doch ich will die ersten 10 Minuten der Episode nicht unterschlagen: Denn bevor das fremde Schiff überhaupt erst einmal entdeckt wird, haben wir bereits 10 Minuten beobachten können, wie die inkompetente Neu-Crew sich an Torpedo-Schießübungen versucht und dabei kläglich versagt. Die jämmerlich aussehenden Raketen, die irgendwie U-Boot-Feeling verbreiten (Schön: Man sieht, wie sie gelagert, vorbereitet und in den Schacht geschoben werden) sausen erst einmal konsequent an dem auserkorenen Meteoriten vorbei. Ja, eine verspürt sogar einen plötzlichen Anfall von Irritation im großen, bösen, dunklen All und schickt sich an, wieder Kurs auf ihr Schiff zu nehmen, das sie da gerade zu verheizen versuchte…

Doch zurück zur eigentlichen Geschichte:

Nachdem das Ent-Shuttle einnehmend langsam und bedächtig an den Alien-Kahn angedockt hat, latscht das Außenteam in Raumanzügen durch die verdunkelten Gänge. An dieser Stelle wurde ich glatt ein wenig an „Alien“ erinnert, wo ein derartiger Lichtmangel schnell zu bösen Atembeschwerden und Völlegefühl in der Magengegend gesorgt hätte… Die allgemeine Verunsicherung (nicht die Band!) findet dann auch gleich ihr Ventil im schrillen Organ Hoshi’s, die sich äußerst intolerant gegenüber Aliens zeigt, die halbtot von der Decke hängen und mittels Höllenmaschinerie eine schleimige Flüssigkeit aus ihren Körpern tropfen lassen.

Die Atmosphäre schleicht zum diesem Zeitpunkt konsequent um eine Horde verschüchterter Adjektive herum: Kalt, unsicher, fremdartig, düster, bedrohlich. Und das zu Recht.

Denn äußerst kalt wird unsere Neo-Crew von einem gigantischen Alienschiff erwischt, das sich gerne die extrahierte Bioschlacke abholen möchte, welche inzwischen schon recht reichhaltig zusammengetropft war. Auffällig: Es zeigt sich kein Gummistirnträger aufmerksamkeitsheischend auf dem Hauptbildschirm. Niemand meldet sich. Das fremde Blutsaugervolk bleibt komplett im Dunkeln. Ein kleines Novum in ST der letzten Jahre, in dem ja immer überdeutlich enthüllt und gelangweilt wurde. Ja, wo jedes fremde Alien alles daran setzte, im ZDF-Fernsehgarten in der ersten Reihe zu sitzen, um zwischen all den anderen Rentnern blöde grinsend in die Kamera zu winken…

Auch schön: Die „Enterprise“ hat nicht die geringste Chance und kann den entbrennenden Kampf unmöglich alleine gewinnen…

Wann gab es das mal in Voy- „ich nehm’s mit allen auf“ – ager?

Man kann diese Folge übrigens am Rande fast als Hoshi-Charakterfolge bezeichnen, da sich konsequent die zierliche Japaner-Maus ins Bild mogelt und gegen Ende doch glatt ihre Versagensangst besiegt und alle zusammen durch bloßes Köpfchen rettet. Zwar ist der Schluss in gewisser Weise unspektakulär, versöhnt aber durch eine logische Einfachheit, wie wir sie seit TNG nur noch selten zu sehen bekommen haben…

Eine Art Ritual scheint hingegen das gemeinsame Futtern in Archers Quartier mit T’Pol und Tucker zu werden. Und wie wir das schon aus unseren eigenen Familien kennen, ist der, der das Sagen hat, auch der Tyrann zwischen Butter und Vollkornbrot. Da wird bei der Nahrungsaufnahme auch schon mal lautstark gestritten und rumgenölt… Wie auch schon im Pilotfilm! – Sehen wir das jetzt öfter?

Heißt es in 7 Jahren in ST-Parodien plötzlich: „Er ist tot, Jim. Faszinierend. Beam’ mich rauf, Scottie. Machen sie’s so. Wir sind die Borg.“ und dann noch: „Reichen sie mir bitte den Aufschnitt“? – Wir werden sehen…

Sehr unsicher und fast unfreiwillig komisch wirkt die Ansprache Archers bei der versuchten Kommunikation mit dem treibenden Schiff. Er wirkt ein bisschen so, als würde er auf einen Anrufbeantworter sprechen und hätte Angst davor, Telefonnummer, Namen und Anlass des Anrufes nicht narrensicher auf’s Band zu sprechen. „We come from the planet earth“. Sehr niedlich vorgetragen! Wirklich putzig!

Allgemein ist der Weltraum hier irgendwie relativ düster. Die Schiffe leiden unter akutem Farbenmangel und irgendwie sieht alles ein bisschen aus wie zugeschissen. Auf KONSTRUKTIVE und NEUE Art und Weise zugeschissen, wie ich bemerken möchte…

Die Story-Idee an sich ist nichts wirklich Neues. Freche Blutsaugeraliens hatten wir schon bei Kirk… das einzige, was die Handlung schmackhaft macht, ist wirklich das andere Agieren und Reagieren von Crew Hasenfuß.

Ich befürchte aber fast, dass die ersten, unsicheren Vorstellungsrunden mit der Zeit in langweilige Trek-Professionalität münden werden. Ja, NOCH spielt der Transporter keine Rolle und die Crew muß noch mühselig am treibenden Schiff andocken, aber was ist, sobald die Offiziere Vertrauen zu der Technologie entwickelt haben? – Spätestens dann, wenn der Transporter für irgendeinen Plot mal eben gerade benötigt wird? -Zack. „Enterprise“-Bonus reduziert.

Unendlich wertvoll ist auch das „Nix verstehn’“-Element. Wenn der fremde Computer nur Buchstabensalat verbalisiert und keiner weiß, wo der Frosch die Locken hat und was zum Henker die anderen überhaupt wollen, macht es doch gleich viel mehr Spaß… Hoffen wir, dass der sich am Staffelhorizont abzeichnende (jederzeit funktionierende) Universaltranslator noch für ein Weilchen seine vorlautete und entmystifizierende Fresse hält!

Aber was passiert eigentlich, wenn die Crew irgendwann selbstbewusst und erfahren genug ist, um ihr eigenes Schiff in den Griff zu bekommen, nicht mehr überfordert auf ihre Konsolen starren und dem Captain vor Angst in die Arme fallen möchten? Kann die Serie noch mehr bieten, außer Unsicherheitselementen, die sich mit der Zeit abschwächen?

Warten wir erst einmal die nächste Folge einfach ab! Hier! Bei ST-Enterprise.de! Nächste Woche! – Bleiben sie also dran bei der besten und kritischsten Homepage des bekannten Universums…

Note: 2


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Artikel

von Klapowski am 01.01.03 in Star Trek - Enterprise

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