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Star Trek Enterprise – 2.10 – „Vermisst“ („Vanishing Point“) Review

„Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!“ – Dies gilt umso mehr, wenn unsichtbare Asiatenmäuschen im bauchfreien Top durch meine Einbauküche geistern und sich nach mir verzehren. – Und je länger ich darüber nachdenke, desto wahrscheinlicher erscheint mir diese Möglichkeit… *Mit Wünschelrute durch Wohnung stapf*

Wie gut, dass unsere Redaktion damals so schnell Stellung für Hoshi Sato bezogen hat! Ansonsten würdet ihr diese Rezension in eurem hermetisch von der Außenwelt abgeriegelten T’Pol-Schrein wohl glatt verpassen…

Ich persönlich sehe diese Folge als direkten Terrorangriff auf die 3 Grundfesten unserer Seite, wenn es um Episodenkritiken geht: Enttarnte Logikfehler, vollkommen übertriebene Stimmungswiedergabe durch Politik-, Jahrmarkt- und Sexmetaphern und zu guter letzt erlogene Hintergrundinformationen, lückenhaftes Detailwissen und Glühwein im Kopp.

Unpassende jahreszeitliche und sonstige tagesaktuelle Anspielungen nicht zu vergessen!

Doch wie soll man sich (und andere) anständig lustig machen können, wenn wir am Ende der Folge erfahren, dass unsere liebe SPOILER! alles nur geSPOILER!t hat und rein gar nichts der RealiSPOILER! entsprach?

Das muss bereits die Rezension, Quatsch: REZESSION sein… Wir müssen alle das Kraftfeld enger schnallen. Keine Gewerkschaft des Universums, die für MEIN gottgegebenes Recht kämpft, mich über einen körperlosen Pseudogeist lustig zu machen, dessen Astralhintern sich aber problemlos auf alles setzen kann, solange nur die Waagerechte dort ihren Zivildienst verrichtet hat. Wie gerne hätte ich angesichts dessen vorgeschlagen, doch den Buckel eines Crewmitglieder `runterzurutschen oder Atemstillstandstheorien zu erproben, indem nächtlich ruhende Brustkörbe als 4-Buchstaben-Ablage missbraucht werden!

Da hätte man das unsichtbare Herzchen schneller entdeckt, als Hoshi in der nachfolgenden Transporterheilbestrahlung „FLUPP!“ gemacht hätte!

Andererseits war die hier gewählte Storyverwurstung in gewisser Weise genial. Eine plumpe Wiederholung der TNG-Folge „So nah und doch so fern“ oder eines gewissen Kinohits wäre wohl mächtig in die unsichtbare Hose gegangen. Bezüglich Plots wie dieser hat der geneigte Zuschauer ja inzwischen einen gewissen Sixth Sense entwickelt…

“Ich fass’ es nicht!“ – Zu Recht! Wer klaut schon Radios im 60er-Jahre-Stil?

Psychologisch nicht gänzlich uninteressant ist die Angst vor dem Beamen und die dadurch verursachten Halluzinationen: Ein Blick in den Spiegel enthüllt, dass der „Gläsernde Patient“ längst Realität ist, sonst freundlich grüßende Crewmitglieder besinnen sich auf deutsche Nachbarschaftstugenden, man fühlt sich ermattet, ausgepowert und unkonzentriert und befürchtet molekulare Verschiebungen, die einen vollends in ein ENT-Drehbuch mutieren lassen und das Duschwasser verleiht einem das Gefühl, ein erwischter Ladendieb in arabischen Gefilden zu sein. Da liegt es auf der Hand (sofern vorhanden), dass einem da Klassiker wie Barkleys „Todesangst beim Beamen“ in den benebelten Sinn kommen!

Im Moment befindet sich ENTERPRISE sowieso in einer heißen Phase, wenn auch aus der Sicht eines Polarkreisbewohners: In harmlos anmutenden Folgen wie diesen werden nämlich die Weichen gestellt! Nein, nicht Mayweather! – Bahnweichen!
Denn Erfahrungen wie diese prägen die ENT-Techniknutzung und bestimmen, wie viel weniger glaubhaft als eh schon der Transporter zukünftig NICHT genutzt wird.

Insgesamt hinterlässt die Folge jedoch das gemütliche Gefühl, Zuhause zu sein und Aug in Aug mit Frau Sato einen grünen Tee zu kippen: Die Kamera klebt wie Warpplasma an Hoshis schreckensgeweiteten Mandelaugen und befindet sich mindestens in Ruf-, meistens jedoch in Wangenkussweite… Gewiefte Cineasten und Trekkenner erkennen spätestens an diesem Stilelement, dass die gezeigte Realität extrem vom subjektiven Empfinden des gefilmten Besatzungsmitglieds geprägt ist.

Hinter der harmlosen Kulisse verbergen sich dann in der Regel blutrünstige Telepathie-Aliens, parallele Dimensionen in der Familienpackung oder unbemerkte Aufenthalte im Holodeck, weil man Gestern Nacht wieder mit besoffenem Kopf in einer spannenden „Alles exakt wie mein Leben“-Simulation eingeschlafen ist… Komische Aliens eingeschlossen.

„Ich geh’ hier nicht weg, bevor nicht jemand das Skalpell unter mir entfernt!“ – Unsichtbar, durchfassbar, gepeinigt und gestresst: Hoshi tritt in den Sitzstreik. Wie gut, dass der Hintern nur leicht angebeamt wurde…

Ja, ich habe eine Schwäche für dieses Genre, das zu meinen geistigen Leibspeisen gehört, von mir liebevoll „Realitäten-Eintopf“ genannt wird und welches ich mit kultischer Verehrung abschmecke. Kein Wunder: Ich verehre ebenfalls „Täglich grüßt das Murmeltier“, vergöttere „Fight Club“ und könnte mir stundenlang anschauen, wie Trek-Offiziere in alternativen Realitäten an der Zimmerdecke spazieren gehen und ihre einstigen Frauen als tibetanische Meditationsmönche vorfinden!

So folgt man Hoshi in dieser schnuffeligen Wohlfühlfolge also gerne durch die sagenumwobene Welt des Nicht-beachtet-werdens. Eine Erfahrung, die ihr bei den Extrem-Trekkern zusätzliche Sympathiepunkte unter Leidensgenossen einbringen dürfte…

Die Effekte beschränkten sich diesmal auf Standardware. Gut so! Denn Die Hand in der Wand ist besser als die Explosion auf dem Dach. Auch wenn man sich gewünscht hätte, dass dem „unfassbaren“ Thema etwas mehr Innovation geschenkt worden wäre… Meistens steht Hoshi überfordert im Raum herum und hält sich vornehm mit „Ich geh mal durch den Kleiderständer“-Aktionen und anderen Eskapaden zurück. Fast glaubt man, einen noch unsichtbareren Gesellen in ihrem Nacken sitzen zu sehen… Nämlich dem Chef der SFX-Abteilung, der drohend mit einer schweren Registrierkasse umherwedelt.

So unternimmt sie wundersamerweise nicht einmal den Versuch, andere Crewmitglieder zu berühren, anzuschreien oder wenigstens mit demonstrativem Anhusten eine rätselhafte Erkältungswelle in Gang zu bringen… Praktisch „So nah und doch so fern“ für depressive Hektikhasser mit schizophrenen Berührungsängsten und Vorliebe für trockene Unterhaltung…

„Rick, ich weiß, dass Du das hasst! Aber ich bin weiblich! Da WILL ich mich halt ständig ausziehen!“ – Da läuft der Schweiß im Litertakt: Beamen ist nicht jedermanns Sache…

Fazit:

Nicht spannend, nicht lustig, nicht actionreich, nicht innovativ… Dafür Hoshi pur! Aber wer erheblich mehr als das erwartet, gehört eh’ nicht zur ENT-Zielgruppe…

Note:

2 –


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Artikel

von Klapowski am 15.12.02 in Star Trek - Enterprise

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Kommentare (9)

  1. Bakterius sagt:

    Nun, actionreißer ist Vanishing Point wirklich nicht. Aber trotzdem gehört sie zu meinen basoluten Lieblingsfolgen! Auch ist das Thema (relativ) unverbraucht und es wurde dringend Zeit das etwas gegen die zunehmende ver(t)polisierung (schließlich lassen wir uns nicht verarchern) dieser tuckigen Crew getan wurde.
    Ich meine : Weiter so!

  2. frakesjoe sagt:

    Naja, unverbraucht? Ich meine, selbst bei TOS gab es schon solche Stories, auch wenn es mehr um "Geschwindigkeitsunterschiede" ging, aber das Resultat war das gleiche. Natürlich gab es noch nicht sooo viele Folgen, wo dieses Thema verheizt wurde. Das liegt aber daran, dass es doch sehr offensichtlich wäre….

  3. Bakterius sagt:

    Gut zu TOS kann ich sehr wenig, eigentlich eher garnichts sagen. Dazu hab ich einfach zu wenig Folgen gesehen. Dennoch finde ich das Thema gut und surreale Elemente tun einer Folge immer ganz gut. Klar wären neue Konzepte besser aber mir gefällt die Folge einfach. Vielleicht liegt es an Linda die einfach überzeugt(ganz im Gegensatz zu Mr.Sato)?

  4. Benski sagt:

    Aber auch bei TNG wurde es durchgewurstet. Keine Ahnung wie der Titel ist, aber das war die tolle Tarnwaffe der Romulaner und Jordy und die Bajoranerin wurden unsichtbar. Aber der überladene Phaser hat die dann ja vor der Auflösung gerettet.

    Aber das sind so Folgen in denen man wieder altes klauen geht. Bei Voyager auch sehr offensichtlich die Folge in der sie im Kreis fliegen und ihre eigene Boje finden. Gabs in TNG auch, als die Enterprise als Versuchskaninchen beutzt wurde.

  5. Klapowski sagt:

    "So nah und doch so fern" war der Titel der TNG-Folge…

    Genaueeeer lesen, bitteeee!

    Ich "lese" mir eure "Artikel" ja auch immer durch! Auch wenn mir da meist zu wenig Bilder drin sind…

  6. frakesjoe sagt:

    Hmmm, ja, macht mal, das wir unsere Kommentare mit Bildern versehen können…. :) Ei, was wird das lustig…

    Da zeig ich dann, wie ich fünf Jungs in ST-Uniform inkl. Platik-Phaser mittels eines simplen und altmodischen Baseball-Schlägers "entwaffnet" hab….. harrharrharr

    Ich mein ja nur, dass sowas wie unsichtbar und körperlos zu sein, doch schon sehr auffällig ist (für den Zuschauer natürlich!), egal, wie es dazu kam…. ein bisschen Rumgebastel an den Ursachen verändert das Symptom nicht. Man könnte die TNG-Folge mit dem Raumschiff, dass wegen eines ähnlichen Experiments halb im Asteroiden steckt, auch dazu zählen…. wobei die dann aber wenigstens anders gelagert ist (Rutschlager).

  7. Hellspawn sagt:

    The Pegasus oder zu deutsch, Das Pegasus Projekt. ;) Das wird nix mit diesen "Artikeln".

  8. Benski sagt:

    Ich gestehe mein flüchtiges Lesen Inquisitor Klapowski. Lasset bitte Gnade mit mir walten. Und gebt uns die macht unsere irdischen Kommentare mit eurem überirdischen Bilderreichtum zu schmücken, auf das dieser euer Auge ergötzen und erquicken möge.
    Treu ergeben….

  9. Gast sagt:

    Gehen denen schon wieder die Ideen aus oder warum machen die so eine 08/15 Folge?

    Ich meine, auf der einen Seite haben wir Hoshi, auf der anderen eine Dusche. Das schreit ja förmlich nach ner Doppelfolge. Aber hören die auf mich? NÖ!

    Gruss
    Lt. Smurf

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