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Star Trek Enterprise – 1.21 – „In sicherem Gewahrsam“ („Detained“) Review

Wer hätte das gedacht? Bis vor kurzem wurden ja in ENTERPRISE die 1995er Eieromeletts noch sehr sparsam aufgetragen. Was dafür sorgte, dass jedes Erscheinen der Suliban einen inhaltlichen Wendepunkt der Serie markierte… Doch schon mit dieser Folge lernen wir die Pfannekuchengesichter von einer anderen Seite kennen! – Und eines steht fest: Es ist NICHT die, auf der Luft ungesiebt ist…

Denn Archer und Tucker (stümperhaft in dieser Rolle: Fähnrich Mayweather) sind nach den letzten Gefangenschaften zur Abwechslung mal in Gefangenschaft geraten. Pfeifend trotten sie also durch eine Bundeswehrkaserne, die nicht nur Ökos und andere Biolehrer zu ausgiebigen Wandertouren einlädt… Denn so richtig unliberal ist das FDP-geführte Gefängnis eigentlich nicht: Die inhaftierten Suliban besuchen sich nämlich gegenseitig in ihren Zellen, um gemeinsam über die laschen Disziplinierungsmaßnahmen abzulachen…

Wie z.B. Isolationshaft, erhältlich in den Größen „Spielfilmlänge“ bis „Na dann bis Morgen früh!“… Um dem Zuschauer dennoch zu beweisen, dass dieser Knast doch nicht ganz das Gelbe vom Ei ist, zuckt ab und an ein kleiner Blitz aus dem Motivations-Merchandising in das Sitzfleisch der Anwesenden. – Ungefähr so mächtig böse und brutal wie Reizgas auf’s Hühnerauge…

Was ich damit sagen will: Dieser Knast langweilt… Da haben wir in den letzten Jahrzehnten Fernsehgeschichte doch schon Ansprechenderes gesehen! Vor allem die Wärter sind hier nicht mal sadistisch und (ganz wichtig!) vertrottelt genug, um sich gegenseitig mit ihren Elektrostäben zu penetrieren! Üble dramaturgische Schnitzer

Die Folge: Man fürchtet nicht wirklich um die beiden Crewmitglieder… Weder Einzelhaft noch Prügel bekommen wir hier wirklich zu/in’s Gesicht. Ab und zu schnarrt nur die Deckenlampe motzend auf die Anwesenden herunter, die sich dann sogleich in’s Treppenhaus stellen und auf das umherstreifende Hausmeisterteam warten…

Mit ein wenig mehr Pepp, Düsterstimmung und (nach Erfurt) unangemessen brutalen Gewaltszenen hätte man aus dieser Folge auch mehr Atmosphäre herauskitzeln können. So bleibt es größtenteils bei harmlosem Geplänkel mit dem Gefängnisdirektor, der nicht wirklich auf „Informations“ abzufahren scheint, da Archer sich recht ungefoltert auf dem Besucherstuhl herumlümmeln darf…

Tucker (in dieser Folge miserabel verkörpert von Travis Mayweather) gelingt es diesmal nicht, so etwas wie Persönlichkeit aufflammen zu lassen und wirkt trotz Milka-Teint erstaunlich blass. Nett, aber inkonsequent ist die Szene kurz vor Schluss, als er sich lautstark über den ungenießbaren Brei in den ansonsten schmackhaften Serviertellern echauffiert… Statt dem vorlauten Gefangenen nun wenigstens mehrere Achselhaare zu brechen, betreten die herzensguten Wächter lieber eine Explosion und schlagen die Staubwolkentür von innen zu…

Und schon brennt der Bildschirm: Tucker2 zerlegt mit seinem Shuttle die Kanonentürme im Kasernengarten. – Command & Conquer.

Doch was ist so eine filmische Apokalypse schon wert, wenn sich zwischen einstürzenden Garderobenstangen nicht Gut gegen Böse die Köppe einschlagen? – Nicht mehr als eine rhetorische Frage ohne Antwort… Jedenfalls packt Archer nicht nur die Gelegenheit, sondern auch den Gefängnisdirektor am Kragen. Nachdem der Stoff im Halsgebiet vorschriftsmäßig nach den Regeln der Rache zerknittert wurde, entfliehen alle Statisten die neben ihrem Maul auch einen Steuerknüppel halten können…

Und wieder einmal geht eine überraschungsarme, inhaltlich simple Folge in den Ruhestand… Ausbruch – ja bitte, aber nicht auf Seiten der Kreativität? – Immerhin muss man dem Autoren zugute halten, dass die Gefangenen KEINE Hologramme waren. Aber ansonsten bewegt sich die Folge im absoluten Mittelfeld.

Dabei hätte eine düstere Knastatmosphäre mit gegensetzlichen Charakteren durchaus für jene „kammerspielartige Atmosphäre“ sorgen können, von der man in „Cinema“ immer so viel Gutes liest. Schade: Zumindest hier spielt die Kammer wohl doch nur verstecken…

Das einzige, was wir mitnehmen, ist die schnarchige Erkenntnis, dass es auch bei den Suliban freundliche Zivilisten gibt, die einfach nur ein friedliches und gelbes Leben führen wollen…

Also alles nichts, was diese Episode gegenüber den Simpsons irgendwie auszeichnen würde. – Letztere hatten in ihrer 21. Folge immerhin noch Humor aufzubieten…

Note: 3-


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Artikel

von Klapowski am 26.04.02 in Star Trek - Enterprise

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