Das ernsthafte Medienmagazin

Das Medien-ABC, diesmal: W – Z

Und schon haben wir die gesamte Medienwelt durchkartographiert. Eigentlich schade, reichen mir meine Mitarbeiter (2 Neuronen, die ich Tom & Jerry nenne) doch gerade wieder neue Ideen für einen neuen Durchgang ab Buchstabe A ein: Assi-TV, Betamax, Chinesisches Fernsehen, Diercke Weltatlas, Home-Cinema… Schade eigentlich, dass mir das Konzept so spät eingefallen ist, denn jetzt heißen wir ja schon „Zukunftia“ und nicht „Stichwort-Brainstormingia“. Aber was nichts ist, kann ja immer noch… nichts mehr werden!

W wie Wiederholung (im Sinne von „Homogenes Fernsehprogramm“)

Dass Sendungen auf einer Art Speichermedium gelagert und dann mehrfach gezeigt werden können, um z.B. in der Sommerpause (die Zeit von März bis November) den Zuschauer ruhig zu stellen, das ist bekannt. – Daher wollen wir uns mit einer anderen Art der (inoffiziellen) Wiederholung beschäftigen: Dem Nachmittagsprogramm! Hier gibt es jeden Tag Tierpfleger, die gestörten Zooaffen Apfelstücke in Eisblöcken einfrieren, um deren Resthirnkapazität bei 5% stabil zu halten (Nein, ich meine damit nicht „Britt“!), dazu irgendwelche Teenie-Abenteuer auf Sat.1 („Wir begleiteten Lucy beim Schuleschwänzen mit 14 versteckten Kameras.“) und andere Formate, die nach spätestens 20 Episoden so ausgelutscht sind, dass selbst Dolly Buster ihren Brechreiz wiederentdeckt.

Gefühlte(!) Wiederholung, das ist der Hauptbestandteil des Programms bis 20:15 Uhr. Wie im Finanzamt oder am Fischgräten-Sortierband der Firma Iglo kann die Produktionsfirma da bequem mit Halbtagskräften, Praktikanten und interessierten Rentnern völlig unkreativ Dokusoaps, Dokus und Soaps nach Schema F(ix) zusammenstöpseln. Täglich von 8 bis 4.

Allerdings hat die RICHIGE, klassische Wiederholung auch etwas Gutes: Man kann sich tolle Hollywood-Filme mit weniger Werbung (dafür mit mehr Masturbationsanregungen) sonntagnachts um 3 Uhr ansehen! Der Produktivitätsausfall am darauf folgenden Arbeitstag („Gähn!“) dürfte mit ca. 26,82 Euro jedoch höher sein, als die entsprechende DVD bei Amazon an Kosten verursacht hätte (4,98 Euro)…

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Mein neuer Hochleistungs-PC (an die NASA: Bezahlt endlich Eure Simulationszeit für Juli bei mir!) hat sämtliche Nachmittagsformate zusammen gefasst und dieses Bild als absoluten Durchschnitt daraus errechnet: Wir sehen hier eine Kochshow (der Typ vorne schlägt sich gerade die Eier auf), die Daily Soap „Landstraßen zum Glück“, sowie 2 Schulschwänzer, 1 Sozialhilfeempfänger und die warmen Luftmoleküle, die in 10 Jahren „Britt“ rausgeblasen worden sind.


X wie „X-Diaries“:

Eine gescriptete RTL2-Urlaubssendung um (Zitat) „Love, Sun & Fun“. Eigentlich gehörte noch „Run“ und „Nun“ dazu (= besoffene Nonnen am Sangriaeimer), aber da der Titel „X-Diaries“ sowieso schon so passend war wie „Y-Notizen“ auf eine Fußballsendung oder eine Häkelshow, verzichtete man auf weitere Irritationen. Diese Show ist jedenfalls eX(!)trem erfolgreich, verbindet sie doch schöne Landschaften (0,9%) mit kulturell wertvollen Reisezielen (0,1%) und einem Hauch Assi-Talk mit 5-Sterne-Fremdschämgarantie (99%).

Da gibt es die dicke Mutti, die sich in den Animateur verliebt („Ich habe in den Talkshows daheim noch niiie einen Mann mit Zähnen getroffen!“), die betrunkenen Jungs, die vor der Kamera über den richtigen Anmach-Kotzstrahl diskutieren („Immer auf den BH, dann muss sie den ausziehen, hoho!“) und allerlei Streitereien um Dinge, die selbst einem Alienvolk nicht fremdartiger erscheinen könnten.

Das Erfolgsgeheimnis von „Diaries“ (= „Tagebücher“, aber in Druck… DRECKschrift) ist aber vermutlich die Tatsache, dass es keine gibt. Also Tatsachen. Niemand würde sich im Urlaub dauerhaft so verhalten und wenn doch, so wäre es durchaus zu überlegen, in jenen südlichen Ländern noch ein wenig despotischer zu werden. Oder die Sofort-Exekution am Strand zu erwägen.

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„Ich muss dringend einen trinken. Mein Kinderarzt behauptet nämlich schon, mein Alkoholismus habe sich leicht gebessert. Der Arsch!“ -“Love, Sun & Fun” würde zu JEDEM Format passen, in dem knapp bekleidete Bikiniständer zeigen, dass man alleine mit dem Spezialwissen um den Öffnungsmechanismus von Standardbekleidung (und Gips-BHs) Karriere machen kann. Sollte der Strand also nicht mehr laufen, so tun es sicher auch Bikini-Formate im Stadtpark, auf der Müllhalde oder bei der Besichtigung eines KZs.


Y wie Youtube:

Gratis-Videoportal, das man aber teuer mit Lebenszeit bezahlt. Es wurde zu Beginn nicht ernst genommen, weil die verfügbaren Inhalte irgendwie zwischen „Ups! Die Pannenshow“ und „Mein Lieblingswels beim Schlummern“ rangierten. Doch inzwischen gibt es fast alles bei YouTube, von illegal verwendeten Filmen, illegalen Serien und illegalen Dokus bis hin zu selbst produzierten Laberformaten, Schminktipps und stundenlang vorgespielten und sinnfrei kommentierten („Schieß! Nein! Mann! Gaah! Tot!“) Computerspielen unter dem Oberbegriff „Let’s play“.

Toll an YouTube ist, dass man illegal verbreitetes Material über diese Plattform quasi „moralisch veredeln“ kann. Auf der eigenen Webseite würde man niemals alle „Voyager“-Folgen hochladen, bei YouTube bleibt’s in den ersten 4,8 Monaten aber erst mal stehen, weil alle Beteiligten längst resigniert haben – oder mit Burnout und dicken Löschtastenfingern im Krankenhaus liegen. Kurz: Ich LIEBE YouTube!

Sogar die Werbung ist BESSER und reduzierter als im Privatfernsehen. Und das mit dem Wegklicken nach ein paar Sekunden klappt auch schon… äh… überhaupt-iger. Auch wenn ich den Kaminholz-Ofenmann langsam nicht mehr hören mag („Der XY-19 zeichnet sich durch Griffe aus, die nicht heiß werden…“)! Und warum mir ständig mit ernster Stimme die Funktionsweise eines kaufmännischen PC-Programms erklärt wird, wissen nur die Schlagwort-Götter.

Schlimm bei YouTube sind leider die Kommentare unter jedem Video. 50% aller Schreiber scheinen – wie heißt der wertfreie Fachbegriff doch gleich? Ach ja: „Geistiger Abschaum“ zu sein, wohingegen man den Geisteszustand der anderen 50% aufgrund der miesen Orthografie nicht mal schätzen kann.

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Bessere Muschifilme als bei Youporn: Besonders gut gefällt mir, dass immer mehr Videos in HD verfügbar sind. Das ist als Argumentationshilfe besonders wichtig, wenn man Omma mal wieder erklären muss, warum eine 50.000er Internetleitung wichtiger ist als beheizbare Stricknadeln. Die Serverflächen für all diese Teta- und Exabytes an Daten müssen jedenfalls riesig sein. Und DAS für 19.000 „Let’s Play“s à jeweils 5 Gigabyte zu einem Spiel, das 1992 mal mit 0,5 MB rausgekommen ist…


Z wie Zielgruppe:

So eine Art heiliger Gral für jene Wahl-Homosexuellen, die mit dicken Hornbrillen herumrennen und wirres Zeug à la „Cross-Promo-Event mit Reichweiten-Managing“ von sich geben. Meistens umfasst die sogenannte „Referenz-Zielgruppe“ die Menschen von 14 bis 49, da ältere Menschen zu verkalkt sind, um nach dem Werbeblock den Weg in den Laden zu finden. Oder die TicTacs mit ihren Granufink-Kapseln verwechseln – und sich danach über die Zusatzkalorien wundern. – Aufsehen erregte daher Anfang diesen Jahres die Meldung, dass nun „20 bis 59“ die neue Referenz sein soll, auch wenn ich zuerst vermutete, dass dies lediglich der IQ des heute noch fleißig zuschauenden Publikums sein könnte.

Dass die 14- bis 19-Jährigen (geschweige denn die armen Würstchen DARUNTER) nun von der Werbeindustrie im Stich gelassen werden sollen, könnte ungeahnte Folgen im Bereich der Menschenrechte haben: Orientierungslose Teenies, die konsumsuchend durch Einkaufsstraßen wanken oder aber die Absetzung von typischen RTL2-Kinderprogrammen wie „24 Stunden Saufen auf Mallorca“. Die Lage ist also ernst! – Reden wir daher nicht weiter drüber…

Hier die derzeit international wichtigsten Zielgruppen laut Wikipedia:

WOOF – Akronym für Well off older Folks, besser verdienende Senioren (Kurz: In 20 Jahren diejenigen, die ihre Anträge beim Grundsicherungsamt besser gestellt haben)
Sinus-Milieus – Verortung nach sozialer Lage, Grundorientierung und gesellschaftlichen Auffassungen (Zum Beispiel: „Dorf, katholisch, CDU“ oder „Straße, betrunken, perspektivlos“)
SOHOSmall Office, Home Office (Kurz: Internet-Gebrauchtwagenverkäufer, die einen schnellen Rechner für Battelfield brauchen)
DINK – Akronym für Double income no kids, kinderlose Doppelverdiener (Kurz: Diese Typen, die die Deutschen aussterben lassen, dafür aber per Konsumausgaben bis zu 5 kleine Chinesen großziehen)
LOHAS – Akronym für „Lifestyle of Health and Sustainability“ (Kurz: Ökos, Vegetarier, Wollpulliträger und andere Menschen mit Körpergeruch)
LOVOS„Lifestyles of Voluntary Simplicity“ (Menschen, die auf Konsum verzichten und ein einfaches Leben führen, wie z.B. obige „LOHAS“, die durch ihre Ernährung aber bereits zu schwach sind, um sich im Laden neue Petersilie zu kaufen)

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Hier eine weitere „Zielgruppe“: Der „Schützenverein der goldenen Geronten-Eber“. Haha… Zielen… Gruppe… Schützen… – Kapiert? Jede Bevölkerungsschicht kann plötzlich zu einer Zielgruppe werden, sobald nur irgendwer darauf kommt, dass sich z.B. Stärkungskapseln am besten an Männer verticken lassen, die in den letzten 3 Jahren bereits Nashornextrakt aus Japan importiert haben.


Die ersten Teile des Medien-ABCs gibt es weiterhin (bislang noch kostenfrei) unter den Links hier drunter.


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Artikel

von Klapowski am 29.08.13 in All-Gemeines

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Kommentare (2)

  1. Onkel Hutt sagt:

    Habe X-Diaries verpasst. Oder gibts die Sendung noch ? Muss mir ansonsten alle Folgen auf BluRay kaufen. RTL II hat ja ein selten gutes Gespür für dramaturgisch edle und künstlerisch anspruchsvolle Formate.

  2. BergH sagt:

    tach auch !

    Also Format hat die Blondine oben, da kann ich zustimmen.
    Beim Rest, von Klappo, leider auch.
    Das deutsche Fernsehen verkommt.

    Gruss BergH

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