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Star Trek TNG – 2.09 – „Wem gehört Data?“ („The Measure of a Man“) Review

Hat Data das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit oder gehört er selber vielleicht gefaltet? Diese sagenumwaberte Gerichtsfolge klärt endlich mal Dinge, die Sozialpädagogen mit PC-Kenntnissen wirklich interessieren! Gleichzeitig beweist sie, dass Picard mit Abstand der (geistig) wendigste Captain ist. Da kann Neandertal-Archer noch so stolz auf seinem ersten Mofa durch den Hintergrund knattern!

Gut, es ist nicht die feine englische Art, eine überdurchschnittliche TNG-Folge zu loben, indem eine völlig andere Serie niedergemacht wird. Aber andererseits prügeln sich Engländer regelmäßig durch unsere Kneipen und sabbeln dabei mit besoffenem Kopp unverständliches Zeugs…

Also. Die Episode „Wem gehört Data“ enthüllt die mentale Schwächen von Later-Trek (neuer ST-E.de-Fachbegriff, bitte notieren!) wie kaum eine andere. Denn wann immer auf der Voyager davon gesprochen wurde, dass der Doc vom Prozessorkaspar zum vollwertigen Crewmitglied geworden sei, musste ich schmunzeln wie Wesley auf dem Ponyhof! Nur notdürftig verdeckt durch das 150-seitige Gerichtsgutachten im Fall Data. – „Vollwertig“ ist schließlich auch Körnerbrot. Man weigerte sich bei Voyager jedoch standhaft, die Butter mit die Fische zu vermählen!

Jeden Rotz musste man der Serie aus der Nase ziehen: Ist des Holos Doctor denn nun wirklich und ganz in echt ein echtes Lebewesen mit Verstand, Gefühlen und Lohnsteuerkarte? Muss er mit dem 18. Jahr seiner Aktivierung den Wehrdienst ableisten? Darf er eigenmächtig seine Persönlichkeits-Subroutinen verändern, wo doch bei der Sternenflotte psychologische Eignungstests vorgeschrieben sind? Haftet bei Datenverlust die Berufsun-fähigkeitsversicherung? Gibt es vom Bund einen Zuschuss für einen behindertengerechten Arbeitsplatz oder einen Energiekostenbeitrag für die ständig laufende Holoprojektoren? Ist der Doctor eine vollwertige juristische Person und kann somit aus Versandhauskatalogen bestellen? Oder gehört er dort vielmehr auf Seite 289, Sparte Computerprogramme?

„Wesley! Jetzt zieh den verdammten Deckel deiner Tupperdose aus meiner verdammten Stirn und hör verdammt noch mal auf, mich damit zu bewerfen!“ – Böser Blick dank High-Tech-Tränensäcken… Doch die eigentliche Frage ist: Hat Data überhaupt ganz eigene Hoffnungen und Wünsche? – Er hofft bereits seit Jahren, darauf irgendwann eine Antwort finden zu können. Es ist sozusagen sein innigster Wunsch!

Sieben Jahre lang hätte man bei Voyager Zeit gehabt, einen Stuhlkreis und sich selber zu bilden. Mögliche Themen: „Tagesordnungspunkt 1: Kann der Holodoc selbstständig denken und ist somit ein Lebewesen? Tagesordnungspunkt 2: Aberkennung des Lebewesen-Status bei Neelix.“ – Das alles hätte man würzen können mit einem technischen Bericht, in dem Tuvok auf Sternenflotten-Statistiken hätte verweisen können, welche belegen, dass Holofiguren in 4,5% der registrierten Fälle starke Anzeichen von eigenem Denken vorweisen. – Bei den restlichen 95,5% wird das Hirn jedoch sofort wieder rausgevögelt…

Doch vermutlich hielt man die Zuschauer bei dieser Thematik für Anhänger der reinsten Zen-Lehre: „Ich denke nicht, also bin ich.“ – oder für unfähig, sich 45 Minuten lang Gedanken über die Definition von „Leben“ zu machen. Ein Thema, das einem naturgemäß vertrauter ist als der Sprengmechanismus eines Quantentorpedos. Das abgewandelte Sprichwort „(Vielleicht) leben und (eventuell) leben lassen!“ war die wankelmütige und unsichere Marschrute von Voyager in dieser Frage. Ja, eher ließ man den Doctor in einer gesonderten Folge „live“ vor Publikum singen, als dieses Wort endlich zu bestätigen, bevor irgendwann der Serienvorhang fiel.

„Wem gehört Data“ ist daher eine der wichtigsten Folgen bei Star Trek überhaupt. Nein, „Wem gehört Data“ IST Star Trek! Nicht ohne Grund wurde sie in TNG später noch so oft genannt, wenn Data seine Tanzkünste auf den Nasen diverser Admiräle vervollkommnen wollte: „Sorry, ich reiß mir doch für sie nicht den Arsch auf! – Auch wenn er einen Reißverschluss hat…“ Ja, man hätte ansonsten sogar jede einzelne TNG-Folge streichen können, ohne dass ein empfindungsfähiges Wesen das Gefühl gehabt hätte, etwas Wichtiges verpasst zu haben. Doch Datas gerichtlich anerkannter Status als Person schärfte nicht nur erheblich seinen Charakter, sondern legte auch den Grundstein für etliche nachfolgende Episoden, in denen eine Wurstpelle oder ein Schleimhaufen zaghaft irgendwelche ihrer Auswüchse hoben, wenn nach einem eigenen Willen gefragt wurde…

„Ich möchte aber nicht als ein gefühlloses, kaltherziges Ding gelten, das die Menschen um sich herum auf Distanz gehen lässt!“ – „Aber nicht doch. Höchstens 54,724% der Mannschaft denkt das von ihnen, Captain!“ – Und der Sigmund, der Freud sich: Er hat gleich zwei der beliebtesten Trek-Figuren auf der Couch. Nur darf Data sich leider nicht mehr hinlegen, da die Silberfarbe immer verflixt schwer aus der Ich-war-mal-eine-Hundedecke-Couch herausging.

Die Story darf als bekannt vorausgesetzt werden, zumal ich annehme, dass sie euch jüngeren Menschenkindern inzwischen auch in der Schule gezeigt wird… Trotzdem hier ein Schnelldurchlauf: Picard trifft auf eine ihm bekannte Richterin, die scharf auf ihn ist. Data hingegen trifft auf einen Wissenschaftler, den bösen Herrn Maddox, der Data nachbauen möchte und ihn daher auseinanderzunehmen gedenkt. Da Data seine primäre Funktion nicht als Puzzle für Nebendarsteller in der Midlifecrisis sieht, möchte er wahlweise seinen Dienst quittieren oder das Experiment verweigern. Doch darf er eines von beiden tun, wo er doch „nur“ eine Maschine ist? – Ich warte an dieser Stelle auf ein kasperletheaterartiges „JAAAAAA!“ von eurer Seite!

Gut, ganz zu Beginn muss ich aus bewert-ungspsychologischen Gründen (das Beste zum Schluss) schon mal zugeben: Die ultimative Gerichtsverhandlung hätte etwas mehr Pep gebrauchen können. MTV gab’s doch damals schon, oder nicht? Ein paar unsympathische Zuschauer wären sehr nett gewesen (klingt widersprüchlich, ist aber so), vielleicht einen durchgeknallten Gutachter mit sozialer Phobie und 5 Minuten vor Schluss einen saftigen Überraschungsgast, der sich weinend an den Kragen der Richterin hängt und ruft: „Ja, ich war es! Ja, ICH habe Data nach der Schulaufführung vergewaltigt und im Hühnerstall meiner einbeinigen Tante eingesperrt!“ – Aber vielleicht waren die 30 Minuten Barbara Salesch, die ich in den letzten 3 Jahren gesehen habe, doch schon zu viel…

Die Idee, Riker zum gegnerischen Anwalt zu machen, war zwar nach dramaturgischen Gesichtspunkten nicht von sooo schlechten Eltern, dass man das Jugendamt hätte benachrichtigen müssen, ging jedoch weit an der Wirklichkeit vorbei. Eher selten wird die Mutter des Angeklagten von jetzt auf gestern als Staatsanwältin verpflichtet, um die Todesstrafe für ihren Junior zu verfechten. Ein Grund mehr, den sogenannten ““Rechtsstaat““ in Star Trek (wegen der Vogelgrippe sind Gänsefüßchen gerade günstiger) mit Argusaugen oder zumindest einem genervten Schielen zu beobachten… „Voreingenommenheit“ ist und bleibt nun mal ein derber Verfahrensfehler. Verfahrener geht’s nur noch im Deltaquadranten…

„Gut, Data. Was sie nach dieser Verhandlung mit meinen Armen und Beinen machen werden, haben sie jetzt deutlich dargelegt… Zeigen sie mir doch bitte jetzt noch, wie sich mich auf den Boden werfen und auf mir herumtrampeln werden!“ – Eigentlich hat Riker auch in dieser Szene ein weiches Herz wie Kruppstahl. Daher biegt er vor dem nächsten Schnitt die Eisenstange wieder um 10 Zentimeter auseinander, um seine eigene Argumentation zu untergraben…

Was diese Folge natürlich vor allem auszeichnet, ist das verbale Sperrfeuer von Jean-Luc. Ganz großes Kino bzw. Sabbelwasser! Dieser Mann könnte mir auch einreden, dass ich ein transsexueller Südseepirat bin: Ich würde es ihm ohne mit der Augenklappe zu zucken abnehmen! „Wenn wir Hunderttausende von Datas herstellen, erschaffen wir dann nicht eine… neue Rasse?“ – Rhetorische Frage at it’s best! Doch es kommt noch better: „Und wird man uns dann nicht mal danach beurteilen, wie wir diese Rasse behandelt haben?“ – Das Herumwedeln mit ungeschriebenen Gesichtsbüchern kommt immer gut, sofern sie nicht zur Kühlung eingesetzt werden sollen.

Folgen wie diese machen klar, dass Sternenflottencaptains nicht die aufbrausenden Dumpfbacken sein müssen, die man in Kirk, Archer, Janeway oder Sisko sehen kann, nachdem einem diese Figuren mit einem supertoleranten Fußtritt die rosarote Brille auf der Nase zermalmt haben. Picard erforscht die unendlichen Tiefen der Rechtssprechung, vertieft sich in den juristischen Feinheiten der Muss-, Soll- und Wenn-Bestimmungen, kennt Herrn Palandt mit Vor- und die drei Grundsätze der Verhältnismäßigkeit mit Nachnamen, ja, er hätte sogar einen blassen Schimmer, von was zum Geier ich hier eigentlich schreibe.

Und wofür? Nur für Data und für Umsonst! Gut, sicher würde auch Sisko als Rechtsbeistand auf dem Tisch eines Kriegsverbrechertribunals herumspringen, um Worf von dem Verdacht reinzuwaschen, einem romulanischen Kindergarten auf’s Dach gekackt zu haben. Doch hätten wir Vertrauen in Sisko? Nein, dieses hat sich nur Picard erarbeitet! – Außerdem befragt der vor dem „Einspruch!“ nicht die zeitresistenten Wurmlochwesen, die sich an Fristwahrungen und Wiedereinsetzung in den vorigen Stand die schneeweißen Zähne ausbeißen dürften…

„Data, sie haben dargelegt, dass sie bei Tasha Yar körperlich voll funktionstüchtig waren. Würden sie dies bitte an der Richterin kurz für uns demonstrieren?“ – Alte Liebe rostet nicht. Aber ein bisschen Schmieröl hat zur Durchführung des Aktes damals Wunder gewirkt. Aus Rache an ihrem Mörder hat Data diesen sogar für diese Aktion zweckentfremdet! – Dieser Prozess wird mit allerlei angeschleppten Zeugs geführt. Nur das schnelle Urteil der Richterin sorgte dafür, dass Picard nicht die Plastikflocken von Datas Unterarm herausholen musste. Dabei hatte Geordie sie in mühevoller Feinarbeit extra in Schuppenform zurechtgefeilt…

Schön auch, dass man dem Zuschauer nicht sämtliche Leserei zwischen den Zeilen abnimmt! Als Riker im Wahn des konstruktiven Vandalismus vorschlägt, Data einen Arm abnehmen zu dürfen, ruft Picard etwas zu eifrig „Einspruch!“… Sekunden später kann man an seinem Gesichtsausdruck ablesen, dass er dadurch nur die oberflächliche, an Äußerlichkeiten festgemachte Sichtweise der Gegenseite unterstützt hat. Bei den letzten ST-Serien hätte man den Captain danach mindestens mit Fleischfetzen zwischen den Zähnen gefilmt, um deutlich zu machen, dass sich dieser sich in der Zwischenzeit vor Wut in den Arsch gebissen hat.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle noch etliche Zitate der Folge herausstellen (und zusätzlich einen Stimmenimitator engagieren), die sich aus irgendeinem Grund für die nächsten 2 Stunden nach dem Genuss dieser Folge in mein Gedächtnis eingebrannt haben werden… waren. – Und sei es nur, weil einige wenige Sätze fast einen Hauch zu pathetisch klingen. Oder so altmodisch und abgedroschen, dass sie ein Fall für den Pathologen sein könnten. Was ist denn von Picard-Sätzen zu halten, wie: „Ein Gerichtssaal ist wie ein Schmelztiegel, in dem alle Zweifel weggebrannt werden, bis das reine Produkt der Wahrheit zurückbleibt, für alle Zeiten!“ – Was war da denn los? Droht er unterschwellig mit einer Brandbombe auf das Richterpult, sollte er nicht Recht bekommen?

Doch sollte ich weitere Zitate hervorkramen, wüsste ich wegen der Vielzahl an nennenswerten Exemplaren keine auszuwählen. Und so verbleibe ich an dieser Stelle mit: „Sie sind ein weiser Mann, mein Freund!“ – „Noch nicht. Aber mit ihrer Hilfe (Pause) – werde ich es vielleicht.“ (Schlussfanfare)

SIE, Mr. Maddox, haben mit Data sogar gestern auf Brüderschaft getrunken und ihm die Patenschaft für ihre drei zukünftigen Kinder angeboten!“ – Mund zu, Augen auf und durch: Dieser Wissenschaftler versucht noch unter Schmerzen, den ersten Teil seiner Strategie in die Tat umzusetzen. Aber Picards Verteidigung ist halt einfach zu ausgefeilt! Und die Spikes an Jean-Lucs Schuhen, mit denen er in diesem Moment auf Maddox` Füßen steht, sind schlichtweg zu angefeilt…

Gut: Rein dramaturgisch ist die Folge leider(?) nicht mehr auf dem neuesten Stand. Das erkennt man auch daran, dass die Handlung ganze 25 Minuten und 17 lüsterne Picard-Blicke der Richterin benötigt, um endlich in die Gerichtsverhandlung zu münden… Andererseits ist es erfrischend, das völlige Vertrauen der Autoren zu ihren Dialogen zu sehen. Kein Funken Action, keine ablenkende B- oder C-Story ist zu erspähen, nicht mal ein auflockerndes Stolpern über den Teppich.

2,5 Minuten gemeinsames Kartenspielen zu Beginn sind jedoch eindeutig zu lang für eine Folge, in der ich jeder Minute Rechtsverdreheraction zurufen möchte: „Nimm dir ruhig Zeit. Ich habe gestern für zwei Wochen eingekauft!“ Stattdessen wird rumgesessen und ohne Bier, Zigaretten, Geld oder Terence Hill öde rumgepokert! – Da hätte man sich doch eine etwas weniger Thrombose-gefährliches Spiel einfallen lassen können, um Datas Sympathie-Sta(t)us bei der Mannschaft aufzuzeigen, oder? „Twister“ oder „Wahrheit oder Pflicht“ wären doch auch möglich gewesen! Wo Datas rotierende Birne stoppt, wird wild der Hemdkragen des anderen gerichtet! Ist doch wahr, ey: Wenn ich emotionslose Gesichter und versteinerte Minen sehen will, kann ich mir auch die ENTERPRISE-Darsteller beim Ablachen vorstellen.

Nett ist am Rande immerhin die sexuelle Fixierung auf den Captain, die ich durchaus charmant und stilsicher bezeichnen würde, wenn ich selber in den letzten Jahre die Mess-„Latte“ nicht so abgrundtief hoch gelegt hätte! Da sagt die Verfassungsrichterin doch glatt solche Dinge, wie: „Sie dürfen mich zum Essen einladen!“ oder „Immer noch der selbe Mann… Der immer noch sehr sexy ist!“ – In der prüden Welt der Sternkutscher kann man derlei Wortwahl nur für eine umschriebene Bitte halten, zusammen Sexualpraktiken zu entwickeln, die in den Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat…

“Oh, Captaaain! Schön, dass sie neben all dem Ärger auch etwas Zeit gefunden haben, sich mir zuzuwenden! Ist ihr Bizeps in den letzten Jahren etwa noch größer geworden?“ – „Pssss… Schatz! Ich bin mitten in meinem Schlussplädoyer!“ – Die Richterin ist unschuldig, Frau Richterin: Ihre Großmutter hat nun mal in den höchsten und schrillsten Tönen von Picards Qualitäten als Liebhaber geschwärmt. Die arme Cathrin hat sich vor lauter Wollust daher auch wenige Jahre später im Deltaquadranten verfranst…

Eine Gerichtsverhandlung bei der Sternenflotte wird wohl wirklich erst dann wegen Voreingenommenheit abgeblasen, wenn Richter, Angeklagten und Staatsanwalt eine siamesische Lebensgemeinschaft nachgewiesen werden kann.

Interessant ist wie so oft zu Beginn von TNG das großzügige, ja fast krösuseske Ausschütten von technischen Fehlinformationen. Dieser sagenhafte „technische Berater“ entwickelte sich bei Star Trek zunehmend zu einer mythologischen Figur: Keiner weiß so recht, ob es ihn wirklich mal gegeben hat…

So kann man laut Data die Daten eines positronischen Gehirns überspielen / bewahren, die persönlichen Erfahrungen jedoch nicht. – Na klar. Denn im persönlichen Bereich werden Nullen und Einsen nun mal besonders groß geschrieben. Die passen durch keine Datenleitung… Intellektuell ganz schön hohe Hausnummern für jemanden, der als Strom-An-Strom-Aus-Marionette durch’s All tingelt… Wollte man uns da etwa eine Proto-Seele unterjubeln, jenseits von Gut, Byte und Böse? Nicht messbar? Einfach da? – Wenn das wirklich funktioniert, verzichte ich nicht mal dankend auf den Quantencomputer und verlange den Seelen-PC mit null Hardware! – Nur der anwesende Voodoo-Priester müsste ausreichend gekühlt werden, damit’s im Hintergrund nicht gar so arg trommelt…

“Wusste ich es doch! Ihre Ausführungen haben weder Hand noch Fuß!“ – Schon wieder mehr Arme in Deutschland: Nicht nur Picard, nein, auch Datas Chiropraktiker hatte vor dem Trick mit der gebogenen Eisenstange starke Bedenken. Immerhin musste Riker sich gleich danach eine Rüge der Richterin gefallen lassen, nachdem er dem Arm am rechten Ohr des Androiden wieder befestigt hatte… Schon allein deshalb, weil dort der offizielle Tonbandmitschnitt der Verhandlung angefertigt wird.

An dieser Stelle muss ich auch endlich mal einen Aprilscherz des Jahres 1987 auflösen: Der Androide hatte bereits damals haufenweise Emotionen und war schon immer mindestens so gefühlsecht wie Jean-Luc Picard, der alte Pariser! Zwar tragen beide nicht unbedingt ihr Innerstes nach außen (es sei denn, Datas TÜV-Prüfer besteht darauf), doch war für mich schon immer klar, dass der Blechaugust mehr empathisches Feingefühl besitzt als ein tätowierter Fernfahrer mit geistigem Achsenbruch. Jahrelang schlich das manisch-depressive Häuflein Elend bekümmert durch’s Schiff und wurde von anwesenden Alienbotschaftern und Holodeckfiguren gepuckert: „Bitte nicht mehr weinen, mein Prinz. Du kannst doch nicht dafür, dass Du keinerlei Gefühle kennst! – Noch’n Taschentuch?“

Kam eigentlich nur mir das höchst merkwürdig vor?? Auch in dieser Episode haut Data wieder einen sentimentalen Spruch nach dem anderen raus und schraubt die Gefühlsduselei auf Hysteriker-Niveau hoch. Zitate: „Niemand bedauert diese Maßnahme mehr als ich!“ – Falsch! Es müsste richtig heißen: „Diese Maßnahme widerspricht meiner Programmierung! Diese Anwendung wird jetzt geschlossen.“ – Außerdem brummelt Data: „Ich möchte nicht teilnehmen.“ und „Sie werden mir sehr fehlen!“

Ich will, ich möchte, gib her, hab mich lieb, geh nicht, drück mich, will Heia, gibt’s heute Eis?

Wenn das keine Anzeichen für lebende, fühlende Wesen sind, kann man nervigen Nachwuchs eventuell demnächst in die Altkleidersammlung geben…?

“Gääähn… Der Frust darüber, dass ich keine menschlichen Verhaltensweisen besitze, macht mich immer sooo müüüde!“ – Ausgemachter Blödsinn: Riker schaltet Data mit einer einzigen Handbewegung einfach aus und hält dies für etwas Besonderes. Dabei gelingt das Millionen für gewalttätigen Ehemännern jeden Tag mit ihren Frauen. Leider hat es Data jedoch verpasst, diese Demonstration für seine eigenen Zwecke zu nutzen. So hätte er nach dem Einschalten doch immerhin begeistert von einem Nahtod-Erlebnis berichten können!

Inzwischen ist es auch ein Running Gag bei Informatikern mit Star-Trek-Erfahrung (dieser Personenschlag lacht allerdings auch in der Kantine, indem er leibhaftig „LOOOL“ ruft), Data für sein lächerlich überschaubares Gehirn maximal den Status einer mobilen Spielkonsole zuzubilligen. So benennt er in dieser Folge seine Kapazität mit 800 Billiarden Bits = 91.000 Terrabyte. Das menschliche Gehirn hat laut Google jedoch zwischen 1,4 bis 3 Petabyte aufzubieten (bei Bundeswehrrekruten ungefähr ein Drittel davon), wie viel Hektoliter mehr das auch immer sein mögen… Ich selber allerdings nehme das jetzt mal nicht allzu ernst, ansonsten müsste ich meine Hardware wohl bei meinem zuständigen Fabrikanten umtauschen. 3 Petabyte sind verdammt viele Petas für jemanden, der seine vierstellige Geheimzahlen nur mit einer Esels… – wie heißt doch gleich der zweite Teil des Wortes? – auswendig lernen kann.

Und nun muss ich etwas tun, was ich normalerweise nur tue, wenn ich einem schneidezahnabstinenten Tattergreis mit Lese-, Rechtschreib- und Teleprompterschwäche zuhöre: Nämlich die Synchronisation geißeln! Maddox spricht in der deutschen Fassung wie Wesleys kleiner Bruder, und wenn ich sage „klein“, meine ich unter 1 Meter! Da kommt doch keine Bedrohung durch diesen Mann auf, wenn man ihn von einem Liliputaner sprechen lässt! Oder auch direkt von Lili, da bin ich mir nicht so ganz sicher…

Fazit: Eine der besten ST-Folgen aller Zeiten! Nicht nur Data darf sich nach ihrem Genuss lebendig wie noch nie fühlen, sondern auch Star Trek an sich und seine Zuschauer, die in den letzten Jahren ja eher an Fäulnisgeruch gewöhnt wurden… Diese Folge kann man immer wieder sehen, diese Dialoge immer wieder hören! – Kein Wunder, DVD macht’s möglich.

Dagegen wünscht man sich als Zuschauer bei diversen anderen pseudo-moralistischen Episoden schon fast ebenfalls einen androiden AUS-Knopf im Lendenwirbelbereich…

(Höchstwertung!)


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Artikel

von Klapowski am 07.04.06 in Star Trek - TNG

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Kommentare (10)

  1. nakedtruth sagt:

    Daumen(schrauben) hoch für den Artikel.

    Nur hätte Picard in seine Argumentation "neue Datarasse" noch einfügen können "Und was wenn wir dieser von uns erschaffenen Rasse ein X für ein O vormachen und die uns dann bis auf 45.000 und ein paar zerquetschte vernichten, die dann angeführt von Kraterfresse auf seinem rostigen Kahn zur Erde fliegen?"

  2. olf sagt:

    öhm naja datarasse kann sich nich fortpflanzen (mit lal is ja irgendwie schiefgegangen) das mal an die andresse von nakedtruth

    artikel ist wie immer gelungen

    folge ist geil

    bleibt die frage warum identische debatte später nochmal um das mhn modell1 geführt wurde

  3. nakedtruth sagt:

    das mal an die adresse von herrn/frau olf

    wenn menschen bauen datarasse industriell was datarasse davon abhalten sich selbst zu bauen

    (der Kommentar sollte eigentlich eine Anspielung auf BSG sein von wegen Data als Zylone löscht die Menschheit)

  4. Vanquish sagt:

    das kapitel ENT scheint ja abgeschlossen zu sein, aber da gibt es ein sehr merkwürdiges review:

    http://alexander.trost.com/projects/projekt%20st-enterprise.htm

  5. bergh sagt:

    tach auch !

    INwiefern merkwürdig ?
    Das der Typ versucht den (Miss-) Erfolg von ENT soziologisch zu erklären ?

    Nach all den Reviews hier, kann ich dem Alexander ein ganzes Stück weit folgen.
    Vieles was er anspricht sehe ich, sieht wohl Klapowski, genauso.
    Insofern danke für den Link.

    Gruss BergH

  6. KERNELpanic sagt:

    @BergH: Danke dass du meinen Post getippt hast ;->

  7. Mist sagt:

    An Nakedtruth von 6 einträgen vor mir.

    Glückwunsch für die tolle BSG andeutung, aber die 45000 und paar zerquetschten Menschen werden garnicht von Kraterfresse sondern von Lehrerin als Präsident angeführt. und wenn man es ganz genau nimmt werden sie alle von Gott und seinem himmlichen Plan geführt. (so erzählen es zumindest die Zylonin in Gaius Baltars Kopf und die heiligen Schriften die ständig wiederholt werden.

    "Das alles ist schon mal passiert, dass alles wird wieder geschehen"

    *mit finger zeig: machen sie`s so*

  8. Exverlobter sagt:

    Toller Artikel, doch der klischeehafte Verweis bezüglich Bundeswehrrekruten hätte nicht sein müssen. Schließlich betrifft mich das ja momentan selber.( Ja, es gibt auch Trekkies die zum Bund eingezogen werden und nicht nur Alkoholiker, Hauptschüler, und Arschlöcher).

  9. Depp sagt:

    wollte noch was Inhaltliches bemerken: Sollte Data wirklich "800 Billiarden Byte" gesagt haben (waren es nicht eher Milliarden?), wären das 89 Petabyte, also wesentlich mehr als das menschliche Gehirn.

  10. DJ Doena sagt:

    Ich hab nie verstanden, wie diese Gerichtsverhandlung je zustande kommen konnte?

    Wurde Data von der Föderation in Dienst gestellt? Oder hat er sich an der Akademie beworben und durch die Prüfung sein Offizierspatent erhalten?

    A? B? Frage beantwortet, Fall abgeschlossen.

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