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Star Trek Enterprise – 1.26 – „Die Schockwelle I“ („Shockwave I“) Review

Rumms! Einmal die falsche Scheibenwischerflüssigkeit, schon ist der Planet im Arsch… Warum man danach bei einer Zeitreise genügend Erfrischungstücher benötigt, den Koffer Logik aber daheim lassen kann, erfahrt ihr hier!


Besonders gut gefiel mir ja die Kollektivscham zu Beginn der Folge… „Schuldgefühle auf Warp 6, Captain!“ – Das ist SF, wie ich sie mag: Spannung durch Verspannung! Wer braucht schon „Raumkämpfe“ in der Aldischlange? Wer außer masochistischen Medienkritikern verlangt schon Antimaterie im Fernseher? – Geht doch alles auch ohne billige Action!

Die aufgeregte „Sind wir schuldig und wenn nein, warum trotzdem?“-Selbstgeißelung liegt in meiner Rangliste gleich hinter dem emotionalen Moment, bei dem Tucker in Folge 1 sein altes Maschinenöl in T`Pols Bauchnabel zu entsorgen versuchte! Tja, die versehentliche Tötung von zigtausenden Zivilisten verhagelt eben jedem die Plasmapetersilie, der nicht vorher als amerikanischer Präsident auf den Bush klopfen durfte…

Umso verständlicher wirkt Archers deprimiertes und todessehnsüchtiges Dauergeschmuse am kläffenden Busbahnhof für Hundewürmer. Auch wenn wir bereits messerscharf vermuten, dass der Captain seinen Posten vermutlich doch nicht aufgeben wird und die nächste Folge NICHT unter dem Arbeitstitel „Steckrüben, wachst! – Der Captain`s Chair im Schrebergarten“ laufen wird. Psychologisch interessant ist es trotzdem, die Menschheit mit dem Ende der ersten Staffel dabei zu beobachten, wie sie sich vom dunklen Raum mit den hellen Lichtpunkten gnadenlos überfordert fühlt. Schließlich kann dieser auch viel ungefährlicher mit einer über den Kopf gezogenen Steppdecke oder Mamas Rockzipfel simuliert werden…

Doch manchmal kommt es anders als man denkt…

Doch dank

a) gesundem Menschenverstand

und

b) dem allgemeinen Reviewverband

trifft dieses nicht auf diese Folge zu. Plötzlich geschieht eine Zeitreise, die sich so mancher Langschläfer sehnlichst wünscht, der auf seinen heimischen Sandsack längst einen Wecker aufgezeichnet hat:

Mehr oder weniger (un)überraschend räkelt sich Archer nämlich 10 Monate, bevor es richtig spannend wurde, in seinem Bett. Nachdem er sich einigermaßen aklimatisiert hat und die Muskeln seines Oberkörpers sämtliche Kombinationen aus Licht und Schatten über sich haben ergehen lassen müssen, tritt der altbekannte „Future Guy“ aus dem Hundekorb. Die Siedler hätten zeittechnisch eigentlich gar nicht gedünstet werden sollen, die Suliban haben das Shuttle manipuliert und wenn Archer jetzt nicht schleunigst seine Mission fortsetzt, ist die Zeitlinie vom Aktienindex am Neuen Markt bald nicht mehr wirklich zu unterscheiden…

Zurück in der Zukunft wirft Archer dann mit dem neu erworbenen Fachwissen um sich. Future Guy hat ihn über Stuhlgang und grippalen Infekten der beteiligten Suliban genauestens informiert, so dass einer Selbstmordmission nicht mehr viel im Wege steht, wenn man Crewman Menschenverstand erst einmal auf Landeurlaub in`s Schwarzen Loch geschickt hat.

Eine ausgewählte Delegation von Hauptfiguren entert daher schnell ein einst getarntes Sulibanschiff, grabscht sich die illegalen Datenträger mit der Aufschrift „My own MP3-Remix + JPG-Clipshow: How we destroy a colonie“ und verlassen – die Leichen der übertölpelten Suliban sind noch warm und dehnbar – das Schiff… Wenn Future Guy unseren Archer nicht (nur?) 2 Stunden instruiert hätte, hätte ich an dieser Stelle wieder die chronischen Genieschübe gegeißelt, die alle Trek-Charaktere seit Kirk stets anfielen, wenn sie es mit fremder Technologie zu tun hatten.

– Ich persönlich würde im Notfall ja noch nicht mal einen Feuerlöscher bedienen können und im Zweifelsfall mit der ganzen Gaskartusche den Brand auszuschlagen versuchen. Mit sinnlos futuristischem Konsolendesign einer fiesen Kriegerrasse kann wohl kaum jemand etwas anfangen, der nicht vorher mit der amerikanischen Tastatur ausgiebig geübt hat…

Was ich nun überhaupt nicht kapiert habe, war die ungestrafte Verschwiegenheit Archers: Da fragt sein Vorgesetzter untertänigst, mental schon seine Zunge quer über Archers Stiefel schleckend, wo er denn bitteschön all die süßen kleinen Informationen und Koordinaten her hat, die ihn da anfielen, als hätten die „Kleinen Preise“ aus dem Plus-Werbespots einen Wanderausflug auf der Brücke unternommen… „Ach, ich habe da einen Freund ganz oben!“ raunt Archer da nur, worauf Cheffe schief aus dem Monitor grinst. „Ach sooo. Na dann… Tschüssi!“ – Wie toll und glaubwürdig, dieser Informationsaustausch! Leitet in der Zukunft der Bundesnachrichtendienst die Sternflotte, oder was?

Da hätten CIA und FBI aber nicht lange gefackelt und Archer die „Informationen gegen den Terror“ aus dem muskulösen Leib gefoltert, bis die auflösenden Worte „Future Guy!! Future Guuuy!!“ schmerzverzerrt durch dunklen Bunkergängen hallen! Ist ja nicht so, dass das Ganze irgendwie unwichtig oder gar völlig „PDS“ (Passt Dann Schon) wäre…

Der drohende Angriff der fliegenden Killertomaten hat dann noch mal die Spannung vom Beginn der Folge zurückgebracht. Auch wenn ich überhaupt nicht verstanden habe, wie Archer in die Zukunft gelangen konnte, während die Zeitreisemaschinerie gerade damit beschäftigt war, in der Vergangenheit zerstört worden zu sein (hö?)… Und nur Future Guy steht noch immer zwischen Katzenklo und senkrechten Stahlträgern bereit, um das sowieso schon zutiefst unlogische und unverständliche Konzept vom „Temporalen krieg“ noch ein wenig unlogischer und unverständlicher zu gestalten…

Hat eigentlich irgendwer verstanden, warum T`Pol so vehement gegen die Existenz von Zeitreisen gewettert hat? Wurde ihr beim ersten Auftritt des Zeitreisenden noch die Sauerstoffzufuhr durch simulierte 40 Bar unterm Ganzkörperoutfit abgeschnürt oder woher weht hier der Wind des Wahnsinns?

Dafür kann ich als jemand, der den 2. Teil dieser Folge noch nicht gesehen hat, wenigstens eines mit Sicherheit verkünden: Da kommt der gute Captain nie mehr raus! Da hat er sich aber knietief in die Chrontonenscheiße geritten! Rettung unmöglich! Endlich mal ein Cliffhanger mit Unhappy End! Kann`s gar nicht erwarten, wie er in der Fortsetzung hungernd zusammenbricht, nachdem er sich ein kannibalistisches Duell mit Herrn Guy geliefert hat…

Fazit: Eine Folge, die zu Beginn emotionalisiert und zum Ende hin mit einem interessanten Dilemma aufwartete, so doof es auch immer herbeigeführt sein mag. Ein trotz kleinerer Mängel gelungener Spaß für alle Alterklassen von jung bis Hoffmann!

Note: 2

(dk)


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Artikel

von Klapowski am 05.10.02 in Star Trek - Enterprise

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