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„Komm’se rein, könn’se rausgucken!“ – Star Trek und der Knast

Leser Jens Weißbach schreibt hier über Internierungslager in Star Trek

Liebe Mittrekis, heute geht es um Lager.

Nicht erst seit dem göttlichen Jonathan Arschkopf sind unsere Lieblinge in den verschiedenen Serien ihrer Bewegungsfreiheit beraubt worden. Schon der heilige Kirk wurde in den Knast gesteckt. Glücklicherweise gab es da immer hübsche weibliche Wesen oder Roboter, deren Herzen oder Computer Kirk zum schmelzen bringen konnte und die ihn freigelassen haben.

Die Zellen waren immer nur mit angemalten Pappmache ausgekleidete Studiowände, wie so ziemlich alle planetaren Kulissen in dieser Serie, aber es zählt die Idee. Im Gegensatz zu späteren Serien hatte man wenigstens Ideen für gute Episoden. Episoden wie „Bele jagt Lokai“ sucht man vergebens im Deltaquadranten oder zwischen Tit’Pols Titten.

Und auch im großen Abschiedsfilm der Toscrew „Das unentdeckte Land“ (er gehört immer noch zu den besten 10 Startrekfilmen) saß man im Lager fest. Kirk und McCoy wurden sogar rechtskräftig verurteilt um in Rura Pente ihren Lebensabend zu verbringen. Es kam sogar etwas Mitleid auf, als die Karawane der Verdammten durch das Schneegestöber zum Lager spazierten. Auch die Rede des Kommandanten war nicht gerade aufbauend.

Und um seinen Platzt in der Häftlingshierarchie einzunehmen war man sogar gezwungen, einem Mithäftling ins Gemächt zu treten. Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten durfte man sogar arbeiten (wenn man nicht sterben wollte).

„Willkommen in Rura Pente, dem weltbekannten Wintersportort! Ich hoffe sie genießen ihren kurzen, lebenslangen Aufenthalt!“ Aufmunternde Worte des Hoteldirektors

Und so geben wir den Staffelstab weiter an Picard.
Auch der Liebling Klapowskis wurde verhaftet. Er wurde bei einer „Geheimmission auf Celtris Drei“ festgesetzt.

Und serientypisch wurde geplaudert. Der cardassianische Folterknecht wollte wissen, wie der Aufmarschplan der Sternenflotte aussieht (seit wann haben Forschungsorganisationen einen Aufmarschplan?). Zwischenrein plauderte man noch über simple Mengenlehre, wenn der Gul zum 1984mal wissen wollte, wie viele Lämpchen brennen.

Und beim Frühstücksei (Großartig, endlich gab es mal nicht diesen für Sciencefictionfilme üblichen Gefängnisfraß aus gefärbtem Kartoffelbrei mit Haferschleim.) erzählte der Crdassianer von seiner Kindheit. Das der Familiencardassianer (ist halt kein Familienmensch) seiner Tochter noch einen Gutenachtkuß gab wirkte auch nicht befremdlich, auch wenn er vorher und hinterher den Halbglatzenträger mit einem Schmerzinduktor zum tanzen brachte, das es aussah Kirk wäre unter eine fremde geistige Kontrolle geraten.

Daß der diplomatische Franzose nach der Freilassung (wieder serientypisch durch Verhandlung und nicht mit Gewalt) zugab, geistig gebrochen worden zu sein, wirkte sich auch eher positiv auf den Charakter des Picards und die Qualität der Episode aus.

„Na Gul, wie viele Lämpchen sehen den Sie?“ Die fiese Rache eines Captains…

In der Serie um den afroamerikanischen Abgesandten traf man in den Arbeitslagern alte Bekannte, ob bajoranische Kriegshelden die ohne Kenntnis des cardassianischen Oberkommandos Zwangsarbeit leisteten oder die uneheliche Tochter eines ranghohen cardassianischen Offiziers, beide wurden von Major später Oberst Kira befreit (und spielten später noch für mindestens eine Doppelfolge eine Rolle).

„Major, ist das dieses Lager, das wir diesmal befreien sollen oder das von nächster Staffel?“ Vorbereitung ist wichtig bei militärischen Operationen, auch wenn Naomi Wildman den Befreiungsplan für Seven „Im ungewissen Dunkel“ ausarbeitet, bei DS9 sind Befreiungsmissionen noch die Arbeit von Erwachsenen.

Später plauderten noch ehemalige Geschäftspartner von Quark über ihre Zeit im Knast, die auch nicht das reine honiglecken war. Und mit dem Auftreten des Dominion saßen auch bei ihnen alte Bekannte, ganz egal ob es sich um Martok oder Garak samt Papi handelte, genetisch optimierte Ärzte oder um entehrte Klingonen.

In dieser doch etwas militärisch angehauchten Serie saß der Phaser locker und man schoß sich den Weg in die Freiheit frei. (Das mir DS9 minimal besser gefällt als TNG liegt sicher weniger an der Action als daran, das man DS9 noch nicht so oft gesehen hat, nach dem fünften mal sehen läßt der Reiz des Neuen, zumindest an den etwas schwächeren TNG Episoden, doch nach.). Selbst die virtuelle Zeit im Knast ging an dem Cheftechniker O‘Brian nicht spurlos vorbei und ich glaube nicht, das jemand hier unbedingt in dieses Gefängnis will.

Auch war der Abgesandte mal im 21 Jahrhundert gefangen. Nachdem im vorbeigehen noch über Menschenwürde und Arbeit philosophiert wurde, stürmte Sisko mit Bashier und ein paar Spinnern ein Verwaltungsgebäude, wie weiland Lenin im Roten Oktober den Smolny (6.11. 1917), und Sisko rettete noch ein paar Geiseln das Leben.

Aber wenden wir uns nun dem beginnenden Niedergang des Roddenberryschen Nachlasses zu, Voyager. Im Pilotfilm sitzt Kleintommi Bordeaux äh Paris in einem Arbeitslager der Föderation, weil er als Söldner für Terroristen gearbeitet hat.

Der demokratische Rechtsstaat steckt seine Verbrecher halt nicht in solche Höllenlöcher, wie z.B. die Cardassianer es mit ihren Gefangenen tun. Wenn man sieht, wie menschlich z.B. die USA Gefangene behandeln, 150 km südlich auf der Insel Kuba spürt man nichts davon, z.B. Guantanamo Bay wird von Menschenrechtsorganisationen dauernd kritisiert.

Doch zurück zu Paris. Schöne Landschaft, viel Bewegung und etwas Arbeit mit technischen Komponenten lassen die Haftzeit wie im Fluge vergehen, Lt.Cmdr. Maddock saß noch in Einzelhaft, weil er ein paar Replikatoren von DS9 geklaut hatte.

Zwischendrin saß man noch in einer runter gekommenen Gefängnisraumstation, wobei man immer wieder hoffte, das SG1 Team oder die Zerstörerin der Welten zu finden. Knastexperte Paris war noch 30 Tage in der Einzelhaft, die er ohne große psychische Schäden überstanden hatte.

Aber kommen wir nun zum Knastfetischisten Archer. In keiner anderen Serie wurde so oft verfaftet, interniert und weggesperrt. In großen lichtdurchfluteten Räumen wohnt man durchaus gut (und besser als in meinem Bekanntenkreis). Das Essen ist reichhaltig aber gewöhnungsbedürftig (das ist im Urlaub nicht anders). Man kann sich außerhalb der Zellen bewegen, Familien sind zumindest teilweise zusammen, gefoltert wird nicht (zumindest in den Sulibanlagern).

Selbst eine Nacht in Einzelhaft wirkt nicht wirklich abschreckend, besonders wenn die Alternative ist, ein Zimmer mit Mayweather zu teilen.

„Aus mei‘m Laacher gabs noch NIE‘n erfolgreischen Fluchtversuch!“ Ein Käfig voller Helden im Kampf mit Enterprise. Während bei Unterhaltung und Quoten Klink und Hogan die Nase vorn haben, siegt bei Inkompetenz locker Archer.

Auch sonst wird nicht gefoltert nur mal ‘ne Ohrfeige. Während man später Schmerzindulktoren hatte, verwendet man bei Enterprise nicht mal Peitschen. Exotischere Foltermethoden wie Hoden an Autobatterien, Bambusspitzen unter Fingernägel, Vergewaltigung…. und was man nicht sonst noch in den einschlägigen Filmen lernt, kommen gar nicht zu ihrem Recht. Kein Wunder, das Archer nicht lernt.

„Ich setze ihnen die Pistole auf die Brust, was war an dem Essen nicht gut? Wir wollen ihnen doch den Aufenthalt so angenehm wie mölkich gestalten.“

Fazit: Generell wirken die Häftlinge zwar nicht wirklich abgemagert, aber es wird wenigstens erwähnt, wie viele starben. Die Todesrate liegt auch deutlich über dem Zinssatz meines Girokontos.

Aber generell läßt sich sagen, oft sind die Haftbedingungen so, das nicht mal Guido Knopp eine Reportage drüber machen würde, z.B. Hitlers Lagerverwalter Heute: Gul Dukat, oder Die Eishölle von Rura Pente oder auch Archer in Knubbelistan. Trotz allem ist der Niedergang des Star Trek Franchises auch an den Lagern festzumachen.

Oder um meinen Opi zu zitieren: „Früher war alles besser!“


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Artikel

von Klapowski am 09.11.03 in Gastbeitrag

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Kommentare (2)

  1. frakesjoe sagt:

    Jaja, die Lager….

    Häufigste Todesursache der Insassen ist auch nicht mehr "Verhungrn", sondern "Selbst herbeigeführte" Schusswunden (Nein, kein Tippfehler).

    Dennoch wollte ich noch darauf hinweisen, dass Kirk und Spock aus einem (Neo?-)Nazi-Gefängnis auf die damals noch gar nicht erfundene MacGyver-Art abgehauen sind: Flugs wird aus einem Rosshaar und ein bisschen Nasenrotz ein Laser gebastelt, mit dem die Tür aufgeschlossen wurde.

  2. Gast sagt:

    Jens, Rura Pente hätte man die Anfangsbuchstaben vertauschen können, dAS wäre auch noch leicht komisch gewese. nUnd nicht Rede des Kommandanten, sondern Kommunisten. Wenn den Klingonen wirklich sOWJETS sein sollen(murharharhar)…
    Hüpie'

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