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„Matrix Resolution“: Die Trilogie & der hochauflösende Fernseher

matrix-klein.jpgErst mal muss ich mich bei Euch entschuldigen: Ich war in letzter Zeit ein bisschen komisch drauf! Und das beinhaltet exakt alle Jahre zwischen 2001 (Gründung dieser Homepage) bis heute! Denn dass es hier bis eben keinen Artikel zu dem ersten Matrix-Teil gab und wir sogar 2003 verstreichen ließen, ohne mit einem Wort auf die zweifache Wiederkehr des Grünstichigkeits-Rekordmeisters einzugehen, ist fast als Verbrechen an der Menschheit anzusehen! – Kann ich mit diesem Dreier-Review eventuell noch die Vorladung zum Erscheinen bei Den Haag abwenden?

„Matrix“

Den ersten Matrixfilm mit „Kult“ zu umschreiben, wäre fast schon zu wenig der Ehre. Man müsste eigentlich ein unverbrauchteres Wort als „Kult“ erfinden, um den Streifen angemessen zu würdigen. Wie wäre es mit… „Knarl“? – Okay, war ja auch nur ein Vorschlag…

Vor 10 Jahren setzte der erste gelungene(!) Virtual-Reality-Film so viele Maßstäbe in Sachen Design, Tricktechnik, Plotstruktur und Klopperszenen, dass bestimmte Elemente (Schüsse in Zeitlupe – Gähn!) jahrlang rauf- und runterparodiert sowie -kopiert wurden. Zuletzt leider auch in Komödien, deren Humorgehalt sogar noch den üblichen Gesichtsausdruck des „Auserwählten“ unterbot.

Und tatsächlich hat die moderne Popkultur den ersten Film unglaublich altern lassen, wie ich kürzlich mit dem Schrecken eines Fanboys feststellen musste, der seinen Lieblungsfilm unaktuell werden sieht. Das grundlegende Matrix-Konzept (Alles Illusion, ganze Realität ist Programm, man kann Regeln umgehen) ist inzwischen so in das kollektive Cineastengedächtnis übergegangen, dass man sich heute fast ein wenig beleidigt fühlt, wenn man die Matrix den halben Film lang erst mal ERKLÄRT bekommt.

Hatten die Autoren damals noch Probleme, einen Produzenten zu finden, weil man das Publikum für zu doof(!) hielt, um die verschiedenen Ebenen der Geschichte zu kapieren, fragt man sich heute doch ein wenig, was die Doofies auf der Mattscheibe da eigentlich minutenlang veranstalten. Und ich darf das sagen, habe ich „MATRIX 1“ lange Jahre doch abgöttisch geliebt. Wenn nicht sogar „abmessiastisch“, um mal holprig auf die Erlöserrolle von Neo anzuspielen.

Doch trotz so mancher Länge und einigen billig aussehenden Spezialeffekten (Die Wächterdronen sehen teilweise doch ein wenig nach einer PS3-Zwischensequenz aus) ist der Film natürlich noch immer ein grandios durchdachter Haufen Spaß, der sich trotz der vielen potenziellen Fehlerquellen nur wenige Blößen in Sachen Logik gibt. Gekonnt spielt er auf der Klaviatur (so was wollte ich schon immer mal schreiben, ähm… verbrechen) verschiedener Archetypen, Legenden und Menschheitsängsten.

matrix1

„Duhuuu? Mister Smith? Wenn du sogar Pistolenkugeln ausweichen kannst, warum kann ich dich dann überhaupt schlagen?“ – „Halt die Schnauze und tanz mit mir!“ – Ringelpiez mit Anfassen: Kaum zu glauben, dass uns an dieser kurzen Stelle damals einer abging! Heute fragt man sich bei diesem Anblick hingegen: „Cool! Gab es in den 90ern vor den eigentlichen Actionsequenzen eigentlich IMMER so langweilige Vorfilme?“

Ist es nicht tatsächlich so, dass die „Maschinen“ uns schon heute unterjochen (eine versklavungstechnische Betätigung, die ich meinem heißgeliebten LCD-Fernseher aber durchaus zugestehen würde)? Und haben wir nicht wirklich das Gefühl, als könnten die Geheimdienste aus austauschbaren Sonnenbrillenträgern bestehen, die tatsächlich die wahren Herrscher der Welt sind (In Deutschland wären die „Agenten“ der Matrix aber wohl auch nur dickliche Sauerkrautfresser mit Coolnessdefizit)?

Wussten wir nicht immer schon, dass WIR (in Wirklichkeit meine ich aber natürlich nur MICH) den einzig wahren Blick auf die Realität haben, wie sie wirklich ist? Und dass all die anderen, die Birkenstockträger, die Nörgelrentner, die Bahnhofspunks und die keifige Nachbarin von gegenüber nicht mal über den Tellerrand der eigenen Suppenschüssel blicken können? Ahnten wir nicht schon immer, dass der Geist stärker als die Materie ist und wir mit reiner Willensanstrengung unsere liebste Fußballmannschaft zum Sieg treiben, die richtigen Lottozahlen sehen oder unsere Exfreundin killen könnten?

Und hatten wir nicht auch stets eine Ahnung davon, dass es nur noch ein weiteres Bier bedurfte, um uns durch die Häuserschluchten unserer Heimatstadt fliegen zu lassen? Oder dass wir in Wirklichkeit abgeschlafft und von Maschinen am Leben erhalten an Schläuchen hängen (NACH dem 10. Bier kann dies schneller passieren, als einem Recht ist)?

Von den religiösen Interpretationsmöglichkeiten ganz zu schweigen! Neo ist Jesus, Trinity der Heilige Geist (für Nichtgläubige: Das ist so was wie das E-Mail-Konto vom lieben Gott) und Morpheus nicht nur der griechische Gott des Traumes, sondern auch generell irgendwie der Gottvater des Ganzen. Es gibt Erleuchtungsszenen, Auferstehungsszenen, Küsse, die vom Tode erretten, buddhistische Anspielungen (Kampftechniken, Realitätswahrnehmung), Kampfdrohnen (für alle religiösen Trekkies) und Gedanken zum Begriff der Freiheit an sich.

Hier auf die paar gelungenen Zeitlupeneffekte anzuspielen, hat man als wohlwollender Kritiker inzwischen natürlich nicht mehr nötig. „Matrix Part 1“ ist ein in sich geschlossenes SF-Universum, auch wenn die Wacholsky-Brothers in der nachträglich manipulierten Realität hinter ihrer Stirn meinten, dass die Geschichte schon immer als Dreiteiler ausgelegt war.

Fazit: Okay, der erste Film ist aus heutiger Sicht ein bisschen langsam und muss jetzt schon teilweise mit dem „Kult-Bonus“ aufgefüllt werden, wenn man ihn mit den schnellen Materialschlachten der letzten Jahre vergleicht, welche auch meine Sehgewohnheiten verändert haben, ohne, dass ich je darum gebeten hätte.

Die Matrix bietet jedoch reinste AAA-Unterhaltung: Action, Abenteuer, Abwechslung sowie eine der coolsten Schießereien der Filmgeschichte (an die Lobby-Szene kamen auch die Nachfolger nicht heran). Weniger als 6 Punkte wären hier cineastische Blasphemie und müssten mit tagelanger Zeitlupe des entsprechenden Kritikers bestraft werden. Am besten beim Ausfüllen der Lohnsteuererklärung oder beim Besuch der Schwiegermutter!


„Matrix Reloaded“

Was habe ich mich damals über Teil 2 geärgert: Zu wirr, zu starker Fokus auf die Action, zu viele sinnlose Nebenfiguren, zu viel… anders als Teil 1. Und vermutlich zu viel Hype davor. Tja. Aber das alles war VOR „Transformers 2“, „CGI-Gulasch 3“ & Co! Sechs Jahre später muss ich tatsächlich mein damaliges Urteil revidieren und dem Nachfolger einen Unterhaltenswert bescheinigen, der auch heute noch riesengroß ist. (*Handflächen in Zeitlupe ganz weit auseinanderzieh*)

Action

Da konnte weder „der dritte Matrix“, noch sonst irgendein Actionfilm der letzten Jahre mithalten. Die minutenlange Verfolgungsjagd auf der Autobahn ist so ziemlich das coolste, was ich im automobilen Verschrottungsbereich je habe sehen… lassen (War so cool, dass ich dafür noch zwei Leute einstellen musste, die sich das für mich anschauen)! Und das Schönste: „Damals“, in der guten alten Zeit, in der der Euro erst 2 ½ Jahre alt war und wir uns noch an den ausbleibenden Weltuntergang vom Sylvester des Jahrtausendwechsels erinnern konnten, fand man bei den Actionszenen wenigstens noch durch:

Kein moderndes Handkameragewackel stört die engelsgleich gen Himmel entschwebenden Automobile. Schnitte werden mit Bedacht eingesetzt und teilweise sogar sekundenlang aufwendig(!) vermieden, um den Zuschauer gottgleich auf das Spektakel herunterzoomen zu lassen, wo er sich dann auch pudelwohl fühlt, weil er von hochmodernen Einstellungen (Kamera auf dem Kopf, Kamera im Kofferraum des Autos, Kamera fliegt auf dem Rücksitz herum) verschont wird. – Ein ideales Schulungsvideo in Sachen Übersicht für heutige Actionfilmer, die visuell z.B. auch „Star Trek 11“ verbrochen haben.

Die Szene, in der Neo gleich mehrere Dutzend Ausgaben von Mister Smith verkloppt, beeindruckte mich kürzlich – trotz gelegentlicher Künstlichkeit – so sehr, dass ich mir diese gleich mehrmals angesehen habe. Ein bisschen hatte ich das Gefühl, dabei zugesehen zu haben, wie Terence Hill im 21. Jahrhundert wiedergeboren wurde… Wann immer ich mich in Zukunft über jemanden ärgern werde, sollte ich mir wohl ein paar Anzugträger gönnen, die von einem Laternenpfahl gegen die Hauswand geklatscht werden.

So. Und wenn Euch DAS nicht gefällt, behaupte ich einfach, dass man dafür einen total großen Bildschirm braucht. Ha-ha-ha, was bin ich bööööse!

Musik:

Ein Klapo-Ohr kann nicht lügen, wird hier aber aus anderen Gründen feuerrot: Seit einem Jahr landet auf meinem MP3-Player immer wieder mal der Soundtrack zu „Matrix Reloaded“. Warum? Weil diese geniale Mischung aus Klassik, Techno und choralen Gesängen mir auf dem Weg zur Arbeit die Stirnhöhlen durchlüftet. In Matrix 1 und 3 sind die Stücke von Don Davis zwar ebenfalls zur Stimmungsaufhellung geeignet, doch nur bei den von mir mehrfach preisgekrönten Songs „Burly Brawl“ und „Mona Lisa“ gelingt es einem, sich die Schädeldecke in den nächsten Baum zu pusten.

matrix2

„Tut mir Leid, der Herr (*Hüpf*), aber ihr Auto scheint leider etwas defekt zu sein. Die Reparatur wird sie vermutlich einiges kosten!“ – Einen springen lassen: Dieses Sequenz mag recht interessant aussehen, doch nachdem mir EXAKT das gleiche in meinen unseriösen Lieblingsautowerkstätten passiert ist, kann ich über so etwas leider nicht mehr lachen…

Inhalt:

Okay, hier gibt es erstmals ein paar Kritikpünktchen… Um Zion vor dem Zugriff der Maschinen zu retten, muss Neo auf Geheiß des Orakels in der digitalen Weltgeschichte herumreisen und dabei kryptisch faselnde Figuren mit Fragen löchern. Und diese wiederum versuchen ihn & Anhang schon mal mit Kugeln zuzurückzulöchern. Nebenbei kommen dann Dialoge heraus, wie: „Wir sind nicht hier, weil wir frei sind. Wir sind hier, weil wir NICHT frei sind!“ – Nachdem ich diesen Satz selber ein paar Jahre verwendet habe, sobald ich morgens meine Bürotür aufschließen musste, verstehe ich den Sinn dahinter allerdings ein Stück weit besser!

Manches klang im Kino zwar noch manchmal doof, doch „manches“ ist immerhin noch erheblich weniger als viel! Inzwischen kann ich mit Sätzen wie: „Deine Wahl ist schon getroffen. Jetzt musst DU sie nur noch verstehen!“ durchaus etwas anfangen. Immerhin bin ich beim Ankreuzen des Multiple-Choice-Tests in der Führerscheinprüfung ähnlich verfahren. Es geht halt darum, was vorherbestimmt ist, bzw. ob man die Zukunft nicht – einer mathematischen Formel gleich – berechnen könnte und wir womöglich gar keine Wahlmöglichkeit haben.

Damit will ich Gespräche wie „Warum ist das so?“ – „Weil Du der Auserwählte bist. Ist doch logo!“ nicht wirklich verteidigen, aber bei den heutigen Actionfilmen kann man ja direkt dankbar sein, wenn es überhaupt Dialoge GIBT, die man Jahre später noch besprechen oder verreißen kann!

Das Schöne ist: Der von den Helden gesuchte „Schlüsselmacher“ kippt pünktlich aus den Latschen, als er nicht mehr gebraucht wird, der mysteriöse „Merowinger“ hat immerhin ein paar coole Sprüche zu bieten („Wir sind alle Opfer der Kausalität: Ich habe zu viel Wein getrunken, also muss ich jetzt pissen gehen!“) und der Architekt der Matrix wohnt immerhin in einem trashig-amüsanten Fernseher-Fuhrpark.

Absoluter Tiefpunkt ist allerdings die minutenlange Höhlendisco im Stil eines Sprite-Werbespots.

Fazit:

Konnte ich der Handlung vor einigen Jahren noch nicht sonderlich gut folgen („Viel zu schnell!“), erscheint mir das Tempo 6 Jahre später genau richtig zu sein („Hey, Story und Action in perfekter Ying&Yang-Balance!“). Und: Der Film ist noch immer stylisch bis ins Mark. Und das sage ich bei weitem nicht oft!

Bleibt nur die Frage: Wer ist eigentlich dieser Mark?

(Kleines „Fazit-Wortspiel“. Super, oder?)


„Matrix Revolutions“

Ich weiß schon, was ihr sagen werdet! Auch ich bin nicht müde (höchstens komatös) geworden, es jahrlang zu behaupten: Der dritte Teil sei ein pseudophilosophisches Pannemann-Kabinett, das aus dem etablierten Matrix-Universum ein Kasperletheater gemacht hat. Doch nachdem ich jahrelang rumgeheult habe, weil das Ende nicht ganz den hohen (und unerfüllbaren) Erwartungen gerecht wurde, kann ich heute achselzuckend sagen: „Na und? Shit und bad end happens“

Okay, als der „Trainman“ in der Handlung auftauchte und Neo in einer dritten(!) Realität zwischen(!) Matrix und dem Normaluniversum herumlief, habe ich das Drehbuch in Gedanken auch erst mal mit ein paar coolen Slow-Motion-Moves verdroschen. Der Trainman war ein siffiger Fahnenschwenker (und zwar oral), der im Pennerlook mit irgendwelchen Zügen zwischen den Realitäten umherfuhr, um nicht näher bezeichnete „Dinge“ zu transportieren. Eine Konsistenz der Handlung kann es aber eigentlich nicht gewesen sein.

Dieser U-Bahnschacht war quasi eine weitere Zwischenwelt für geistig Minderbehämmerte. Nach dem Schlüsselmacher und dem Merowinger, Seraph, dem lieben Gott… ähm: dem lieben Architekten und dem Orakel brauchte man nicht wirklich noch eine Verkörperung eines Programms, das sich im Datenstrom zu lange nicht mehr gewaschen hat.

Ganz zu schweigen davon, dass es selbst in der Matrix-Symbolwelt etwas zu viel wurde, einen Inder samt Frau vorzustellen, die beide ein Programm sind, aber trotzdem ein karmisches Programm in Form eines kleines Mädchens „geboren“ haben. Es hätte nicht viel gefehlt und es wären wohl noch sonnenbebrillte Nannies (Supernanny?!) herumgelaufen, die als Pflege- und Defragmentierungsprogramm der künstlichen Realität hätten herhalten müssen.

Auch die Tatsache, dass Neo außerhalb der Matrix unglaubliche Fähigkeiten entwickelte, stieß mir übel auf. „Miiister Andersooon!“ hatte ich an dieser Stelle immer wieder drohend in Richtung Mattscheibe gerufen, doch eine vernünftige Erklärung (also eine, die NICHT bei Astro-TV verwendet werden würde) für dieses Wunder blieb bis zum Schluss aus.

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„Ich hatte ja nach der wirren Handlung wirklich mit vielem gerechnet (*Hipps*), aber dass die Maschinen in ihrem Hauptquartier ein eigenes Oktoberfest abhalten, hätte ich nun nicht erwartet, börps!“ – Jesus Christ Superneo: Ursprünglich wollte Neo den Matrix-Bossen den blechigen Hosenboden strammziehen. Aber nachdem er erfuhr, dass die manipulative Scheinwelt nur deswegen entstand, weil die Telekom einen weiteren Datenschutzskandal vertuschen wollte, ließ er sich widerstandslos abführ… -füllen.

Der Hauptteil der Handlung spielte nun auch – eher ungewohnt – in der harten und realen Welt. Tausende von fliegenden Robotern ersetzten nun das übliche Akrobaten-Affentheater im grünstichigen Virtual-Reality-Szenario. Heraus kam eine Materialschlacht, die ein wenig kalt und überladen wirkte, aber trotzdem durchaus ihre manipulativen Momente besaß. Wenn ein riesiger Bohrer krachend die ver(ab)schieden(d)en Ebenen von Zion durchschlägt, ist das durchaus mitreißender als der Byte-Brei bei „Transformers“, um mal wieder mein negativstes Lieblingsbeispiel zu nennen.

Das Ende ist allerdings wirklich nichts für Realisten und andere Objektivitäts-Phantasten: In einem schwer zu durchschauenden Twist opfert sich Neo, zerstört alle Ausgaben von Mister Smith, bringt Frieden mit den Maschinen, startet nebenbei die Matrix neu und wird als tote Jesus-Kopie abtransportiert (durchaus passender Kommentar vom Maschinengott: „Es ist vollbracht!“). Wer’s mehrmals schaut, durchschaut’s. Wer’s das erste Mal sieht, sieht rot. Vermutlich hatte man einfach ein weiteres Klopperende erwartet, in dem Neo erneut den Kundenservice von Fielmann mimt und unserem Mister Smith die Brille wieder gerade rückt. Aber das gab es ja schließlich schon in Teil 1 und 2, so dass die esoterisch-verquarzte Schlusslösung vielleicht sogar interessanter ist als ein erneuter Martial-Arts-Mumpitz.

Der Endkampf in der Matrix kann leider auch nicht mehr ganz halten, was unsere unstillbare Erwartungshaltung uns versprochen hat: Smith und Neo knallen ein paar Mal im Regen gegeneinander, bis die Druckwellen beinahe Ecken bekommen, finden aber keine neuen Massagetechniken, um das Kaputtnik-Festival aus Teil 2 noch zu übertrumpfen.

Zugegeben: Am peinlichsten sind die Momente, die emotional sein sollen, es aber partout nicht sind. Selbst als Neo und Trinity aus den Latschen kippen, kommt der Grundgedanke der Matrix rüber: Es fühlt sich tatsächlich ein bisschen so an, als hätte man hier nur gerade den Papierkorb von Windows geleert. Richtig böse kann ich der Trilogie dafür aber auch nicht sein! Wir reden hier immerhin von Figuren, die mit Sonnenbrillen im Keller herumkreuchen und häufiger von „Auserwählten“ hauchen als die Satanistensekte Eures Vertrauens.

Und wenn wir noch kurz von „Premium-Peinlichkeit“ reden wollen: Der kurze Abstecher zur Gasmasken&Fetischisten-Disco am Anfang des Filmes hat sich weder action- noch kaputtlachtechnisch amortisiert.

Fazit:

In der Rückschau mag ich auch den 3. Teil nicht wirklich hassen, obwohl es genug Gründe für nur DREI lumpige Gummiohren gegeben hätte. Doch der Style (bitte hier Fantasie-Geste aus der Rapperszene dazudenken) ist und bleibt megacool und in die Matrixszenen so schön grün wie eine sommerliche Frühlingswiese im Herbst(?!).

Außerdem schaue ich mir lieber 5x „Matrix Revolutions“ an, als mich mit schlecht gemachter Science Fiction (Star Trek 9-11), schlechter gemachter Science Fiction (Star Wars Episode 1+2) oder total schlecht gemachter Pseudo-Science-Fiction (sämtliche SF-Filme der letzen Jahre) herumzuärgern.


Gesamt-Fazit:

Die Matrix-Trilogie hat so viel visuellen und akustischen Drive, dass man für so einen kurzen Artikel bereits Schwierigkeiten hat, aus dem Überangebot an coolen Bildern ein paar zur Illustration auszuwählen.

Die hier verwendeten Themen wie Liebe, Freiheit und Fressen einschlagen sind universell und können an jedem beliebigen Sonntag Nachmittag auf die Menschheit und ihre LCD-Fernseher losgelassen werden!

Allerdings muss man sich vor dem Genuss der Trilogie im klaren sein, dass jeder Teil einen anderen Schwerpunkt setzt und es ab Teil 1 schon mal vorkommen kann, dass man das eigentliche Ziel aus den Augen verliert („Ach sooo, die wollen ja Zion retten. Und ich dachte, es ginge darum, mit einem alten Japaner auf dem Motorrad herumzudüsen!“). Wer dieses, ein paar überflüssige Figuren (Trainman, go home!) sowie das komischen Ende vorab einplant, erlebt eine „Tour de Krach“, wie man sie im Kino nur alle paar Jahre so ausgeklügelt erlebt.

Daher:

Trotz gelegentlichem Dünnpfiff aus diversen Darstellermündern: Ansehen! Und zwar WIEDER MAL!

Gesamtwertung:


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Artikel

von Klapowski am 30.10.09 in Film-Review

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Kommentare (17)

  1. Pherim sagt:

    Bei der Bewertung der ersten beiden Teile stimme ich vollkommen zu, der erste ist einfach Über-Kult und wird trotz endloser Parodien und Imitate des visuellen Stils immer das unverwechselbare Original bleiben. Einer der innovativsten Filme überhaupt. Punkt.
    Und beim zweiten ging es mir ganz genauso wie dir: Als ich diesen das erste Mal im Kino sah, dachte ich mir nur: „WTF?“ ums mal auf Neu-Internetisch zu sagen und konnte dem Film über Jahre hinweg nichts abgewinnen (in denen ich ihn mir allerdings unglücklicherweise nicht noch einmal angesehen hatte). Als ich mich aber Jahre später doch mal wieder dazu durchringen konnte, mir „Reloaded“ anzusehen (und diesmal hatte ich den ersten Teil gerade frisch davor gesehen) ergab vieles plötzlich einen Sinn und die mir vorher als übertrieben erschienenen Actionszenen waren plötzlich ein gewaltiger Spaß (wie war das mit den veränderten Sehgewohnheiten?). Mittlerweile finde ich den zweiten Teil fast genau so gut wie den ersten und schaue ihn mir immer wieder gerne an.
    Der dritte hatte von Anfang an einen noch schlechteren Stand: Nachdem ich damals von „Reloaded“ schon so enttäuscht war, wollte ich mir „Revolutions“ gar nicht erst im Kino ansehen, und so komplettierte sich die Trilogie für mich erst ein halbes Jahr später auf DVD (aus der Videothek), und ich war maßlos enttäuscht. Rückblickend mag das zum Teil daran gelegen haben, dass ich den zweiten Teil erst ein einziges Mal davor gesehen hatte und das war bereits ein Jahr her, also waren mir viele Aspekte der Story (die ich beim ersten Mal sowieso nicht ganz verstanden hatte) nicht mehr präsent und der dritte Teil verwirrte mich vollends. Auf der anderen Seite war ich enttäuscht darüber, dass viele Handlungsstränge (scheinbar) unzureichend abgeschlossen oder erklärt wurden und das Ende gefiel mir schon mal gar nicht. Dazu kommt die schier endlose Belagerung Zions, die ich auch heute noch zu den langweiligsten Stellen der Trilogie zähle. Eine Zeitlang ist es ja ganz lustig, aber irgendwann fühlt man sich ein bisschen wie in der neuen Star-Wars-Trilogie: Viel CGI um nichts. Da hätte man sich die eine oder andere Szene sparen oder kürzen können, das hätte dem Film sicherlich gut getan. Aus diesem Grund ist „Revolutions“ bis heute für mich der mit Abstand schwächste Teil, auch wenn ich storymäßig nicht mehr sooooo viel zu meckern habe wie vorher. Es hätte mehr Szenen in der Matrix geben können (ab der Hälfte waren ja schon alle zu Smiths konvertiert) und die Kampfszenen konnten an Innovation nicht an die ersten beiden Teile heranreichen. Viele Dialoge erscheinen mir immer noch platt und gute Ansätze werden verschenkt. Wenn ich einen kompletten Trilogie-Durchlauf auf DVD (mittlerweile besitze ich die gesamte Reihe) mache, darf der dritte natürlich nicht fehlen, aber wenn ich die Wahl habe sehe ich mir lieber noch zehnmal den ersten oder fünfmal den zweiten an. In einem Punkt muss ich dir aber (leicht) widersprechen: Nicht der Soundtrack des zweiten Teils gefällt mir am besten (wobei dieser durchaus auch seine tollen Stellen hat, vor allem die von dir genannten), aber den Revolutions-Soundtrack habe ich irgendwie von allem am häufigsten gehört… ganz im Gegensatz zu meinen Seh-Vorlieben. Aber gut, jedem das seine.

  2. DJ Doena sagt:

    Danke Klapo für das Review. Hat mich inspiriert, den ersten Teil gestern Abend mal wieder zu gucken. An die Fortsetzungen komme ich trotzdem nicht heran…

  3. G.G.Hoffmann sagt:

    Das wurde aber auch Zeit! Doch was hat das ganze mit einem hochauflösenden Fernseher zu tun? Wenn Du Dir den Film zufällig auf BlueRay und wenigstens auf einem HD-Ready-TV angeschaut hast, hätte ich dazu ganz gerne ein paar technische Hintergrundinformationen. Noch geiler? Noch grüner? Noch schärfer? Oder ein müdes DVD-Upscaling? Für Kurzsichtige wie uns ab einem Bildschirmabstand von 34 Zentimetern sowie egal?

    Und damit möchte ich den technischen Teil des heutigen Nachmittags eröffnen: in vielen Foren lese ich, daß BlueRay absolut geil aussähe, wenn man wenigstens einen 46-Zoll-Full-HD-Fernseher habe, von der Natur mit Adleraugen gesegnet sei, und man nicht weiter als 1,5 Meter vom Bildschirm entfernt sitze. Das sind alles Kriterien, die kann und will ich nicht erfüllen, zumal ich bei derart großen Fernsehern einen Abstand von weniger als 2,5 Metern wie einen Kinositz in der ersten Reihe empfinde und ein Sofa, das direkt vor dem TV steht, irgendwie doof aussieht.

    Ohne Frage kann Blue Ray unter den vorgenannten Bedingungen besser aussehen. Aber erkennt das Otto-Normal-Auge ab einem Abstand von mehr als 2 Metern überhaupt noch?

  4. Klapowski sagt:

    Tatsächlich wollte ich im Titel eigentlich nur das total clevere Wortspiel „Matrix Resolution“ unterbringen. Für den Matrix-Test habe ich mir meine alten DVDs vom Blu-Ray-Player upscalen lassen. Bringt zwar nichts an Schärfe und zusätzliche Details – sagt Sparkiller – aber zum Glück hält sich die Realität nicht an das Gerede nichtswissender Technikfreaks.

    Auch wenn natürlich(!) keine Details dazugerechnet werden können, die auf der Blu-Ray-Variante eventuell vorhanden sind, so bin ich doch sehr begeistert, was die Upscaling-Funktion aus meinen alten DVDs noch so herausholt. DVDs, die ich kürzlich am liebsten noch weggeworfen hätte, sehen nun um einiges besser aus.

    Auch ich muss allerdings gestehen, dass ich oftmals nur wenige Unterschiede (wegen Upscaling? Ich müsste meinen alten DVD-Player zum Vergleich wohl mal wieder anschließen) zwischen DVD und BluRay bemerke. Bei 3 Metern Sitzabstand ist der Unterschied zwischen überdurchschnittlich scharfen DVDs und unterdurchschnittlichen scharfen BluRays eigentlich nicht mehr zu bemerken.

    Vermutlich bräuchte man also tatsächlich einen riesig(er)en Fernseher, um bei Non-BluRays triumphierend sagen zu können: „Ha! Alles voller Pixel! Gut, dass ich schon 3 BluRays und die große Glotze habe (Würg).“

    Aber wer will das schon sagen müssen, solange HD-Inhalte nicht mal 5% (m)eines Medienkonsums ausmachen?

  5. chritz sagt:

    Seitdem Dan… Klapowski dem Technobubble verfallen ist, verstehe ich kein Wort mehr von dem, was er von sich gibt.

    HDTV, HDMI, Blu-Ray, Dolby Surround, Upscaling (wat dat denn?) – sind wir jetzt so weit, dass man sich über Technik mehr unterhält und der Film Mittel zum Zweck ist, um genau dies zu tun?

    Das funktioniert in der Politik doch auch nicht, hehe.

  6. G.G. Hoffmann sagt:

    Liegt vielleicht daran, daß Dein alter Röhrenfernseher ohnehin nur 720×576 Pixel schafft und deshalb die beste BlueRay-Disc nichts nützt? Der feine Herr hat also schon einen BlueRay-Player! Ich ringe noch mit mir. Nachdem ich einen Laptop an meinen 37 Zoll LCD (leider nur HD-Ready mit 1366 x 768 Pixel) angeschlossen und einige Film-Trailer in 720p-Auflösung angesehen habe, muß ich sagen: beeindruckend! – solange man einen maximalen Abstand von einem Meter zum Fernseher hält. Aber von der gemütlichen Sofaposition in 2,5 Metern Entfernung sehe ich beim besten Willen keinen Unterschied zu einer DVD.

    Ich fürchte daher, BlueRay lohnt sich erst richtig, wenn der 80 Zoll Fernseher zum Standard gehört. Aber wer weiß, ob bis dahin BlueRay noch State of the Art ist. Wahrscheinlich auch nur so eine Brückentechnologie, bis wir in 10 Jahren genötigt werden, kleine Speicherkarten mit der 10-fachen Auflösung einer BlueRay zu kaufen (ideal für 160 Zoll Fernseher!).

  7. HH sagt:

    Teil 1 ist schon überbewertet, die folgenden Teile kann man sich nur mit Mühe einmal anschauen.

  8. 655321 sagt:

    Wie wäre es mal mit einem Review zu Moon?

    http://www.imdb.com/title/tt1182345/

  9. Klapowski sagt:

    @Hoffmann:

    Röhrenfernseher? Verdammt, daran wird es wohl liegen!

    Dabei hatte mich der Verkäufer des BluRay-Players noch gefragt, wie groß denn mein Fernseher sei: „37!“ antwortete ich stolz wie Oskar!

    Konnte ich ja damals nicht wissen, dass er von ZOLL und nicht von Zentimetern sprach!

    Im Nachhinein ergibt es auch Sinn, warum er mich auch nach „LCD oder Plasma?“ fragte. Ich sagte etwas irritiert: „Öh. Schwarz-Weiß halt. Ganz normal!“

    Er stutzte kurz, klopfte mir dann aufmunternd auf die Schulter, packte mir meinen Player ein und lobte mich für meinen grandiosen Humor.

    Habe nur leider bis eben nicht kapiert, was daran denn so witzig gewesen sein soll?

  10. G.G.Hoffmann sagt:

    Das obige YouTube-Video mit der Kampfszene ist ohne Ton sehr aufschlußreich. Ebenso wie in Spencer/Hill-Filmen sind auch hier alle Gegner darauf bedacht, erst dann erneut in das Geschehen einzugreifen, wenn Neo wieder eine Hand frei hat. Ohne Ton wirkt die Koordination der Stuntmen bzw. Animationen sogar etwas lächerlich. Wieso läßt sich Neo überhaupt auf so einen Kampf ein, ohne sofort mit einem Sprung zu entfliehen?

  11. Flyan sagt:

    Es stimmt übrigens nicht ganz, was du in der Einleitung schriebst. In dem Zweiteiler-Artikel „Pizza Matrix“ (Nobelpreis 2001) gingst du sehr wohl auf eine humoristische Weise (ich sage diesen Artikel jedes Jahr auswendig unter dem Weihnachtsbaum auf) auf zumindest den ersten Matrix-Film ein.
    Nachträglich besten Dank dafür!

  12. Wellington sagt:

    Herzlichen Dank für das Review, das wie gewohnt und ganz ohne up-/down-/hin- oder her-Scaling detailreich ist. Grund genug, mir Teil II + III anzusehen. Dies wird dank diverser Tips sicher zum TV-Genuß (z.B. Brille aufsetzen, peilich den Sitzabstand kontrollieren).

  13. Exverlobter sagt:

    Jedem der Reloaded und Revolutions gut findet, sollte sich mal dieses Video von Confused Matthew anschauen. Vielleicht überdenkt ihr eure Meinung dann mal.

    http://www.youtube.com/watch?v=mllRWv6uSXA
    http://www.youtube.com/watch?v=Ufepp68pLP8&feature=related

    Klapo, alles mögliche wird von dir verrissen. Warum findest du diesen Sch… gut??

  14. Sparkiller sagt:

    @Ex: Das Problem ist natürlich, dass die Artikel von Kollege Klap über keinen zusätzlichen Informationskasten verfügen, in welchem er u.a. auf das Werk „Nikomachische Ethik“ von Aristoteles und „Große Denker des Mittelalters“ von Frederick Copleston verweist, während er zeitgleich über einen Film referiert, in welchem weißgefärbte Rasta-Vampire einen entführten Asiaten über die Autobahn jagen…

    Klar, dass man dadurch am Ende völlig unseriös rüberkommt! Deswegen empfehle ICH ja auch immer gleichzeitig ein Buch wie „Antike Rhythmustheorien, historische Form und aktuelle Substanz“ von Wilfried Neumaier, wenn ich unter einem anderen Pseudonym meine Wrestling-Reviews schreibe. (Bzw. „Durchfall im Wandel der Zeit“ von Dina Rhö bei Voyager…)

  15. G.G.Hoffmann sagt:

    Worüber ich persönlich viel mehr enttäuscht bin, ist, daß seit nicht weniger als mehreren Stunden bereits die DVD/BR des neuen Star Trek Films in den Läden steht und wir hier noch immer keinen neuen Dampfhammer mit einem zweiten versöhnlichen Blick auf das Werk lesen können. Bin überzeugt, daß nach dem fünften oder sechsten Ansehen doch noch eine Gummiohrenflut der gerechte Lohn sein wird.

    Ich werde jetzt erst einmal daran gehen, Nimoy mit Sprachfetzen aus alten Aufnahmen seine gewohnte Stimme zu verpassen. Da-has-wIRDd-be-stimmt-ein-sound-techni-scher-Hoch-GE-nuss! Empörend, daß das Synchronstudio nicht gleich auf diese geniale Idee gekommen ist.

  16. Flyan sagt:

    … Bei jedem weiteren Gedanken an den letzten Star Trek Film steigen Wut, Verzweiflung und Verachtung für jenes Machwerk. Beim ersten sehen war es nicht so schlimm…

  17. icebär sagt:

    Mich wunderts schon ein wenig, dass hier keiner die wirklich gut gemachte, um nicht zu sagen schon geniale Super Mario-Parodie des Burly-Brawls gepostet hat:

    http://www.youtube.com/watch?v=P4lxoqAVm00

    Dabei ist das Teil schon richtig alt…

    Leider ist das Original, welches Klapo in seinem Blog-Beitrag weiter oben gepostet hat, von den Beschützern der Urheberrechtsmatrix gelöscht worden, denn erst im direkten Vergleich ist das Mario-Video wirklich cool. ^^

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