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„Extinction“ – Die Kritik zum Netflix-Film

Verdammt, dieses Netflix sei … verdammt! Jetzt hauen die schon wieder neue SciFi-Eigenproduktionen raus! Oder halt die eingekauften Eigenproduktionen von aufstrebenden Kunstpupsern, die es schaffen, mit 10 Millionen Dollar einen Film zu drehen, der locker nach 10,5 Millionen aussieht (= beide Zahlen geraten). Doch schafft es der Streamingdienst nach den letzten Totalausfällen aus dem „Museum of modern (f)art“, uns endlich mal einen GUTEN Film zu präsentieren? So richtig mit Story, einem Anfang, Ende und lange wirkendem Fremdschäm-Blocker?

Inhalt: Ein Familienvater träumt von einer Alieninvasion. Irgendwann startet die dann wirklich und alles geht den Bach runter. Nicht lustig.

Besprechung:

Es handelt sich hierbei um die sogenannten „Oma Platuschke“-Aliens. Also diese Art Invasoren, die zwar 3 Straßen weiter EINEN riesigen Sprengsatz explodieren lassen, danach aber anscheinend ihre mickrige Rente aufgebraucht haben. Stattdessen gibt es dann laute Störgeräusche wie aus einem defekten Hörgerät. Eben jenes metallische Schaben und Dröhnen, das wir seit Jahrzehnten in Filmen wie „Krieg der Welten“ oder „Transformers“ vernehmen. Hier wäre es ja auch uncool, sich mal NEUE Soundeffekte einfallen zu lassen, nachdem wir die alten endlich perfekt „mitsprechen“ können: „Biiiooohr… Börrörrrööö… Biooooouuu!“

Ebenfalls Oma-like erschien mir die Vorliebe, zwar einen ganzen(?) Planeten übernehmen zu wollen, dafür aber an jedem einzelnen Wohnhaus am Fenster vorbeischweben zu müssen. Denn wer eine bewohnte Welt sein Eigen nennen will, sollte sich unbedingt um verschreckte Kinder unter dem Küchentisch kümmern. Das Militär, Politiker oder sonstwie bewaffneten Organisationen sind da erst mal zehntrangig. Da aber bereits simples Ducken ausreichend zu sein scheint, um im Haus nicht entdeckt zu werden, würde ICH persönlich einfach die Jalousien runterlassen, normal weiterleben und meine Lebensmittel von der Post liefern lassen. – Denn sicherlich würden alle Menschen recht bald auf den Trichter kommen, sich in kleinen, mobilen Papphäuschen über die Straßen zu bewegen.

„Lieber Trailerzuschauer: Jeden Tag … wird auf Netflix … ein neuer Film hochgeladen.“ – „Das ist ein Alptraum, wir brauchen Hilfe!“ – „Was denn? Amazon Prime?“

Wichtig ist bei den „Oma Platuschke“-Aliens auch der eher altmodische Erzählansatz: Man darf nicht einfach einen Planeten überfallen, sondern sollte auch dafür sorgen, dass einige Bewohner bereits vorab von der Invasion träumen. Denn dies erspart uns ganze 20 Minuten Monopoly-Spielen und „Schlaf gut, Schatz“-Gespräche im kompletten ersten Akt. Und warum auch familiäre Normalität zeigen, wenn man einfach schon Ausschnitte aus dem Filmtrailer (als Traum) verwenden kann? Immerhin wissen wir so frühzeitig, dass Personen minutenlang einen Gang entlanglaufen werden, ohne dass sie von den Schurken erschossen werden können.

Es wird kein Klischee ausgelassen: Da gibt es Kuscheltiere, die im ungünstigsten Moment losquatschen, ganz viel Kindergewimmer, Festklammer/Runterfall-Orgien, Aliens in leicht zugesifften Raumanzügen (aber mit messerbewehrten Lanzen wie bei einem Soldaten aus dem Jahre 1850), abgeschmeckt mit zig Momenten, in denen die Biester stets ein paar Zentimeter zu inkonsequent um die Ecke gucken. („Hm, hier ist wohl niemand. Gut, dann müssen wir wohl nur das Haus kaputt schießen, bei dem Leute auf dem Dach stehen.“)

Ja, ich weiß, es gibt diesen einen, riiiesigen Moment in der Mitte des Filmes, wo ALLES noch mal völlig auf den Kopf gestellt wird. Und ja, auch die oben genannten Sprüche und Kritikpunkte von mir werden da noch mal stark relativiert. Aber das weiß man ja beim ersten Sehen noch nicht.

Jedenfalls wird aus der klebrigen Klischee-Invasion plötzlich etwas ganz anderes. – Oder doch nicht? Denn eigentlich ändert sich durch den krassen Twist nichts an der furztrockenen Grundstimmung aus transusigen Charakteren, Schweighöfer-verdächtigem Minimal-Schauspiel und dem simplen Motivmatsch. Auch bleiben uns natürlich die mittelguten Spareffekte erhalten. Und wirklich logischer wird die Story durch die Auflösung auch nicht. Nur erzwungener. Und lauter. Das kommt dann von der eigenen Hand, welche die Stirn in einen kokaven Zustand zu formen versucht.


Fazit: Wer beim Weltuntergang gerne noch mal zurück krabbelt, um Stofftiere zu retten, im staksigen Storchengang durch verwüstete Straßen „flieht“ und generell ein gaaanz bestimmtes SF-Modethema besonders lieb hat (fängt mit „R“ an und hört mit Philip K. Dick auf), der mag hieran Spaß haben. Ich persönlich würde für diesen Streifen jedoch das Vorschaubildchen einer riesigen, grünen Gurke wählen…

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Artikel

von Klapowski am 09.08.18 in All-Gemeines

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