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Pommes Rot-Weiß für Farbenblinde

Dass Frittenfett dem Hirn schadet, ist ja nicht erst bekannt, seitdem man so um die Mittagszeit herum mal geschaut hat, wer bei McDonalds so in der Schlange steht. Doch auch die Verkäufer scheinen durch die Bedampfung von Kartoffelstreifen in Mitleidenschaft gezogen zu werden, was mich sprachlich und sachlich zum Mitleidenden macht.

So besteht in jeder Pommesbude Deutschlands ein Schwarzes, wenn nicht gar rot-weißes Loch, das jegliche Nebensätze aus unserem Raum-Zeit-Kontinuum tilgt. Folgendes Gespräch wurde sicherlich auch schon oft von Euch geführt:

„Eine Pommes bitte!“

Der Verkäufer nickt und fragt dann mit aller dienstbeflissenen Dankbarkeit, die ein Mittelständer mit Realschulabschluss seinem Kunden angedeihen lassen kann: „Mit Ketchup oder Majo?“

„Majo bitte.“

So weit, so gut. Jedoch 2 Minuten später, die goldenen Streifen haben sich nun in einer schmackhaften Hülle aus Acrylamid verpuppt, heißt es kurz vor dem fachgerechten Serviervorgang (Im Fachjargon auch „Klatsch“ genannt) erneut: „Mit Majo oder Ketchup?“

Alzheimer? Ist es dem Wirt gar egal? Ich habe dieses Phänomen beobachtet und bisher nur wenige Imbissbuden gefunden, bei denen es dem Verkäufer gelingt, zwei verschiedenfarbige Substanzen über einige wenige Minuten im Kopf zu behalten. Gerade hier hätte ich persönlich ja wenig Probleme, mir mit Eselsbrücken auszuhelfen. So könnte man sich Kunden blutend oder gar eiternd vorstellen, um die Soßenbestellung wirksam mit dem Auftraggeber zu verknüpfen.


pommes.jpg

Rot? Weiß? Gar zu einem zarten Schweinchenrosa verquirlt? Die optimale Gelbstengel-Zubereitung erfordert viel Konzentration. Auch beim Kunden, denn ein wütendes Herumtoben mit anschließender Reduzierung des Mittelstands lässt sich oft nur schwer verhindern…


Kürzlich machte ich die Probe auf’s Exempel. Bei der zweiten Nachfrage änderte ich meinen vorherigen liquiden Beilagenwunsch einfach. Der Verkäufer nickte müde und brummelte irgendwas von „Sie wissen aber auch nicht, was sie wollen, oder?“, um sich in der nächsten Minute dann erschrocken mit der Hand auf den Mund zu schlagen. „Verdammt!“ entfuhr es ihm, zusammen mit einer Schmeißfliegenwolke von hinten links (es handelte sich um einen Freiluftstand). „Bitte verraten Sie mich nicht, dass ich mich verplappert habe! SIE würden mich töten!“

Ich versprach ihm zu schweigen. Dennoch kann ich es mir seitdem nicht verkneifen, bei einer Bestellung die erste Beilagenfrage stets mit einem „Warten wir doch noch einen Moment und sehen, was sich so ergibt“ und einem übertriebenen Augenblinzeln zu beantworten. So habe ich übrigens auch meinen Freund, den Manni, kennengelernt.

Man mag gar nicht glauben, dass ein so grobschlächtiger, kittelbeschürzter Mann homosexuell sein soll…


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von Klapowski am 10.02.07 in All-Gemeines

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