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Star Trek Enterprise – 1.09 – „Die Saat“ („Civilization“) Review



Mit dieser Folge wagt „Enterprise“ nicht nur ein kopfüber-Tauchgang in die ST-Mottenkiste, nein! Sie jongliert hier geradezu mit Versatzmottenkugeln mit den bezeichnenden Aufschriften: „Mittelalterlicher Planet“, „Liebesbeziehung zu dortigen Bauerntrampeln (5 Minuten einwirken lassen)“ und „Finaler Raumkampf, gut abgehangen“…

„Endlich“ ist es den Machern gelungen, eine Folge zu präsentieren, die selbst allerübelste Voyager-Erinnerungen im Rückblick in „gute, alte Zeit“ verwandelt. – Bisher war die Vereinfachung der typischen ST-Storys eine Wohltat: Weniger Regeln, weniger Technik, weniger Crew-Erfahrung…

Da Berman jedoch noch einen formschönen Schredder von seinem letzten Geburtstag im Büro geparkt hatte (damals ein Wink mehrerer Trekkis, bei Voyager doch einfach die Drehbücher wegzulassen), steckte er diesmal gleich die ganze Story herein und kopierte fehlende Teile kurzerhand aus TNG („Radioaktiv“) und mehreren TOS-Folgen.

Das Ganze beginnt wie inzwischen fast jede Enterprise-Folge: Der Captain hat an der Auslage einer Supermarktkasse mehrere seltsame Computerdiagramme gesehen und zerrt T`Pol sogleich am Rockzipfel: „Will haben, will sehen, will was zum spielen!“ T`Pol legt schnell noch eine Familienpackung „Geduld“ in den Einkaufswagen und erklärt: „Diesen bewohnten Paneten? Nein, mein Junge! Der ist doch voll mit allerfeinster Hintlerwäldlerkeit. Den fass` mal lieber nicht an, sonst machst du ihm die noch kaputt!“

Doch Archer zerrt selbstbewußt seinen Lieblingsoffizier von der Comicauslage zu sich herüber. „Mein Freund Tacka will aber aaaauch! Dürfen wir? Dürfen wir? Dürfendürfendürfen wir??“

Da die erste Direktive noch nicht jedem Sternenflotter ausreichend auf`s Pausenbrot geschmiert worden war und Picard noch nicht für die moralische Verpflegung zuständig ist, setzt sich Archer natürlich mit einer Außenmission durch. – Obwohl die Scanner jeden kleinsten Steinhaufen auf der Planetenoberfläche in Breitbild und Dolby-Surround darstellen können und Hoshi im Schiff(!) sogar die Bewohner belauscht(!!). – „Akustic Relais“ – Aha. Alles klar! Freuen wir uns schon jetzt auf „Geschmacksknospen-Relais“ und die ersten, durch geniale Scannertechnologie übertragenen Geschlechtskrankheiten!

Schnell trägt auch jeder einen Universaltranslator mit sich, der freundlicherweise bereits in der Beta-Version 0.22 lippensynchron übersetzt und überhaupt durch seine Plug&Talk-Architektur jede Menge Freu(n)de macht…

Nun denn: Phlox tackert kurzerhand die abgepellte Gummierung eines fachmännisch zerlegten Fahrradreifens auf die Denkerstirne… Und schon hampeln unsere Freunde (vor allem mal wieder T`Pol, Archer und Tucker) auf dem fremden Planeten herum. Getragen von mysteriöser Buhu-ist-das-fremd&unheimlich-Musik mitten durch unspektakuläre Freiluft-Suppenküchen, Marktstände und der Fußgängerzonenbegrünung. – Immerhin: Die Zahl der Statisten scheint an manchen Stellen die Menge an verfügbaren Marktplatz-qm zu überschreiten…

Ach ja, ein „Mysterium“ (Episodenankündigung) wartet ja auch noch auf die Mannschaft! Und zwar ein Reaktor, der fröhlich in`s All hinausstrahlt und in der Besenkammer eines ortsansässigen Händlers zu stehen scheint. Angesichts der Tatsache, daß zahlreiche Bewohner unter fiesen Pockenpickeln leiden, ist man wohl ein Schelm, denkt man sich Böses dabei…

Klugerweise(?) hat der Besitzer des Ladens, in den man kurzerhand einbricht, ein Kraftfeld vor dem jeweiligen Raum aufgehängt. Logisch: Da hat jeder neugierige Besucher etwas, vor das er laufen kann, um dann im engsten Bekanntenkreis von blauen Prickelpartikeln, Geisterzauber und Miniatursternen berichten zu können…

Dummerweise wird man bei der Recherche von einer durchaus nicht unansehnlichen Schwarzlockigen überrascht. Eine Einstellung später, direkt bei dem Gespräch zwischen 4 Hormonen ahnen wir: „Aha! Archer, der alte Schwanzlurch! Verliebt sich in die Frau im Brockensammlungsoutfit und verpasst ihr sein Ding! Weiter so, du machst es, mein Junge!“

Doch ich rufe angewidert zurück: „Passiert ja gar nichts!!“ – Die gegenseitige Sympathie besitzt ungefähr die Wärme, die man nur mit einem heiteren Picknick auf dem Pluto locker rekonstruieren könnte…

Wie auch immer: Als man dem Händler wegen seines Strahlemanns in der Rumpelkammer auf den anödenden Darstellerzahn fühlen will, kommt heraus, daß auch er nur ein Besucher auf dem Steineklopper-Brocken ist. Natürlich glaubt man ihm kein Wort, als er berichtet, sich mit dieser Energiequelle nur Kleidung und Nahrungsmittel zurechtzukneten…

Archer und Schnalle beobachten dann etwas später, wie mysteriöse Kisten lustlos auf eine Waldlichtung geklatscht werden. Wenige Sekunden danach dröhnt ein Schiff herab und nimmt den Schotter mit. Nach einem kurzen Kampf zeigt sich die gute Frau von Strahlenpistolen, Traktorstrahlen, außerirdischen Echsenfressen und Raumschiffen verständlicherweise extrem irritiert. Wem würde es wohl nicht so gehen? So werden wir in der nächsten Einstellung völlig freiwillige Zeugen einer durchdrehenden jungen Frau, die soeben geistig vom Holzhacken zum Raumkacken geführt wurde:

„(Gähn, zur Tür reinstiefel) Wenn euer Schiff so viele Sterne bereisen kann, warum kommt ihr dann zu uns? (Schnarch)“

Dann ein kleine Kinderüberraschung (alle anderen Zuschauer dürften es hingegen schon geahnt haben): Unter dem Laden wird fleißig hochtechnisierter Erzabbau betrieben! Unglaublich, aber alles schon mal dagewesen! Auch hier kommt bei der lockigen Kusspartnerin der kleine Pannemann durch, angesichts dieser überfordernden, futuristischen Technik:

„Die Linien hier könnten das Energieschild darstellen. Drück mal auf den blauen Knopf da!“

Wenig später: Die „Enterprise“ kämpft gegen ein Schiff, das recht luschenhaft anmutet: Nur 10 mal so groß und mit Schutzschilden ausgestattet. Kein Wunder, daß man diesem feuernden Wrack erst einmal locker standhält, bis ein voyageranes Manöver das fremdes Schiff ausschaltet und die Funken der Verzweiflung auf das Kraftfeld treibt…

Gähn… Noch was? Ach ja: Auf dem Planeten gerät Archer und Freundin in ein Feuergefecht für Gehkranke, das die kluge Frau mit einem kleinen, physikalischen Tipp für unseren Lieblingscaptain entscheidet. Ende, aus, fertig. Jetzt noch schnell ein inniges Knutschilein und dann den Abspann. Puuh, geschafft! 45 Minuten gefüllt! War ja gar nicht so einfach!

Fazit: Gähn-TV in Vollendung. Wie immer bestätigte sich meine Abneigung gegenüber Storys mit mittelalterlichen Kapuzenträgern und steinzeitlichen Figuren, die nur ein aufgeregtes „Ugga-Bugga!“ für unsere geliebten Ausnahmetechnologien übrig haben…

Die Grundidee mit den Bergbaualiens und der trantütigen Langweilerkrankheit ist bereits so altbacken wie das Spritzgebäck vom letzte Weihnachtsfest. Sogar der Titel ist bezeichnend: „Civilisation“… Warum nicht gleich „Adventure on an planet“, „Episode 9“ oder „Problems“?

Die bereits liebgewonnen Unterschiede zum Trek-Rohrkrepierer Voyager schrumpfen zu einem kläglichen, leise wimmernden Rest zusammen, der doch so gerne wieder so groß und stark wie in den ersten 5 Folgen wäre…

Note: 5


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Artikel

von Klapowski am 01.01.03 in Star Trek - Enterprise

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Kommentare (1)

  1. Gast sagt:

    na was`n jetzt kapuztt – ich kriege das biöld oben rechts nicht mehr''' Hyp€`+

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