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Star Trek Voyager – 5.01 – „Nacht“ („Night“) Review

501-night-klein.jpgDer Letzte macht das Licht aus. Als die Voyager einen Punkt im Weltraum erreicht, wo Gott plötzlich keinen Bock mehr hatte und deswegen einfach seinen Werkzeugkasten zuklappte, stellt sich bei der Crew (und dem Zuschauer) schnell Langeweile ein. Aber natürlich bietet bei Star Trek auch ein galaktischer Ozean voll „Nichts“ jede Menge Material für Abenteuer und Spannung, was man in der Berman’schen Ära glücklicherweise noch geschickt zu umschiffen wußte.


Gute Nacht, Star Trek. Am Anfang erschien mir diese Folge ja auch noch recht vielversprechend. Vor allem die Cpt. Proton-Einlagen hatten etwas sehr Frisches und Lustiges an sich, erinnerte mich das Ganze doch sehr an das gute, alte, dumpfe TOS…

Aber der Keim der Peinlichkeit war bereits in diese Folge gesäht und wartete nur noch darauf, aufzugehen. Statt packender Dialoge gab es wieder nur gestörte Crewmitglieder: Neelix durfte als Einziger mal wieder den Deppen spielen, nach Luft röcheln und ängstlich vor sich hinflennen, während Janeway`s Zyklus sich mal wieder bemerkbar machte: In einer Folge die unerschütterliche Kämpferin, dann plötzlich wieder die stille Mütterliche, die im dunklen Quartier ihren Depressionen freien Lauf lässt.

Wenigstens sah man aber mal, was passiert, wenn man den ST-Crews die wahnsinnig interessanten Sterne und Planetensysteme entzieht, die sie immer mit so viel Forscherdrang und Interesse scannen und vermessen… Wie gut, dass diese Folge dann doch zu einem krönenden Abschluß (Oooh, wie schöööön…) gebracht wurde und es ab jetzt wieder genug Sterne und Nebel zu kartografieren gibt, auf das dieses Wissen der Sternenflotte einmal ganz außergewöhnlich weiterhelfen wird…

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„Die Zuschauer, Harry! Ich sagte, die Zuschauer müssen wir endlich mal wieder fesseln können! Verdammt, dafür werden wieder Köpfe rollen. Da kann ich mich ja gleich vor eine übergroße Dartscheibe stellen! Ups…“ – Zielsicher. Wenn Voyager eine Homage an trashige Science-Fiction-Serien vollführt, dann möchte man dies direkt als Fallbeispiel für den VHS-Kurs „Ironie für Fortgeschrittene“ verwenden.

Als dann die ganzkörpergetarnten Träger mieser Kostüme auf dem dunklen Schiff herumstreunten und der böse Müllmann an Nicht-Profil gewann, vermisste ich mal wieder ganz stark die subtilen und leisen Töne von TNG… Denn das war weder spannend noch geistreich, geschweige denn mit den guten alten TOP zu vergleichen („The original Picard“)…

Denn der Müllfrachterkapitän sitzt natürlich auf einem verrosteten Kahn, aus dem es an allen Ecken und Enden furchtbar qualmt und raucht. Und auch der Typ selber musste natürlich gänzlich subtil als fettes Stinke-Alien angedeutet werden… Hässlich, mit blätterndem Gesicht wie ein Australier nach Extreme-Sonning, alt, zerzaust und ungehobelt wie ein Steineklopper sowieso… Nein, liebe Kinder und werberelevante Zielgruppe, dieser Mann ist kein gutes Alien, er macht das All schmutzig! Also denkt daran: Immer schön den Müll trennen und vorher nach braunen Gestalten in der Tonne suchen. Denn: Es ist sehr, sehr wichtig, auf andere Wesen Rücksicht zu nehmen. Jaha! – Wenn schon nicht für uns, so dann dürfte diese Erkenntnis wenigstens für Tante Cathy eine völlig Neue gewesen sein…

Kurz: Eine blöde, völlig überzogene Umwelt-Botschaft, die da äußerst platt in die Folge eingewoben wurde.

Haltet eure Umwelt sauber.

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„Wie sagte schon meine Großmutter Häßlicherseits: Eigenurin am Morgen, verhindert Kummer und Sorgen! Und ich hatte schon Angst, daß mir nichts mehr für die Suppe am Donnerstag einfällt.“ *schlürf*

Dies alles wäre auch als Einspieler im ARD-Kinderprogramm durchgegangen. Da rotzen sie einem ja auch ständig in kleinen Bilder- und Realgeschichten die Notwendigkeit von Fahrradhelmen hin… – Die Charakterzeichnung sollte sich recht schnell als kompatibel erweisen.

Das Ende war mal wieder das, was man von Voyager erwartet und was man nach all` den Super-Duper-tollen Doppelfolgen schon kennt: Unter ganz tollen Spezialeffekten muß mal wieder ein Spalt verschlossen, auf Warp gegangen, ein gegnerisches Schiff kampfunfähig gemacht werden und die Voyager gehört mit ein paar Druckwellen natürlich auch noch heftig durch die Gegend gestoßen… Diese übertriebene Effekthascherei hat mich schon bei den öden Doppelfolgen (bei ausnahmslos allen!) nicht mehr angeturnt, ganz zu Schweigen davon, dass Lösungen dieser Art (Spalt durch Explosionen verschließen, Druckwellen, ausgefallene Antriebe…) schon seit über 10 Jahren pausenlos im ST-Universum zu sehen sind. Der Schimmelkopf mit dem Schrottkahn (der seltsamerweise stärker als die Voyager war) war natürlich im Unrecht, denn obskure Wesen vergiften, die aus irgendeinem Grund im Dunklen herumgurken und wer weiß von welchem Planeten dort gekommen sein mögen, das ist doch einfach nicht richtig, oder? Nein, ich glaube nicht…

Der Anspruch vieler aktuellen Voy-Folgen liegt inzwischen irgendwo zwischen „Halli-Galli“ und „Baywatch“…

Note: 5

(Einleitung und Bild-Untertitel vom Sparkiller.)


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Artikel

von Klapowski am 18.11.08 in Star Trek - Voyager

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Kommentare (7)

  1. BigBadBorg sagt:

    Ich oute mich jetzt: Ich mochte Voyager.

  2. Hiramas sagt:

    Ich bin mit Voyager aufgewachsen was soll ich erst sagen?

  3. Donald D. sagt:

    @ Hiramas: Sag´am besten gar nichts. Laß Dich gleich Zwangseinweisen, um schlimmeres zu verhindern.

  4. bergh sagt:

    tach auch !
    Ich fand Tante Kathy in Season 1 nicht völlig unscharf.
    Zumal in den bunten Harlekin Klamotten sah sie nett aus.

    Gruss BergH

  5. Exverlobter sagt:

    So schlecht ist die Folge auch nicht. Das Nacht Konzept ist gar nicht so schlecht. Leider wird die interessante Ausgangslage durch ein vorschnelles Action Ende wieder zunichte gemacht. Sowas hätte als Doppelfolge doch eine tolle Folge werden können um mal die CHaraktäre richtig weiterzuentwickeln. Schließlich gibt es in so ner Folge nicht Sätze wie: Ich scanne Anomalie XYZ, da sowieso nix da wäre.

  6. Kuang sagt:

    Ich habe mir die Folge gestern noch einmal angeschaut, und mich richtig darüber aufgeregt wieviel Potential hier verschenkt wurde. Da baut man am anfang schon gekonnt diese trostlose Stimmung auf und bringt etwas licht in den Moralischen Zustand der Besatzung (für Voy Verhältnisse sogar recht viel) und dann der Murks mit dem Frachter und die inkosequente Umsetzung der Nachtjungs. Warum sehen die? Was sehen die? Warum haben sie so kleine Augen? Warum haben sie nicht einfach 100 Schiffe genommen und den Frachter zerschossen? Oder den Eingang dieses Wurmloches für arme vermint?
    Was mich am Meisten getört hat, war der Schluss. Erst mitten in der Tinte und plötzlich ist alles voller Astrowölkchen und Planeten… als währen sie aus ner Nebelbank geflogen.
    Hätten die Sterne nich eher langsam am Horizont erscheinen sollen? TSTSTS

  7. Sephiroth sagt:

    Ich muss mal generell sagen, dass der Autor doch einen recht skurilen Geschmack hat… ich mochte Kirk noch nie sonderlich, war wohl einfach zu spät, als ich die tos folgen sah, als sie noch wirklich gut zu finden…
    TNG habe ich geliebt, so wie auch DS9, VOY und ja sogar ENT!

    Ich mochte sogar Nemesis oO ich raff einfach nich, wie so viele, so viel Gutes aus dem Star Trek Universum schlicht weg ablehnen, wobei ich allerdings die Spaltung bei Star Trek 11 etwas nachvollziehen kann, da dort doch gewagte Wege bestritten wurden (rein auf die Handlung bezogen).

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