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„Star Trek – Lower Decks“ – Review der Folgen 3-5

, „Star Trek – Lower Decks“ – Review der Folgen 3-5

Puh. Da kommt man erschöpft von einer dreiwöchigen nicht-binären Sexparty nach Hause und findet eine Bitte von Kollege Sparkiller vor, doch bitte die letzten „Lower Decks“-Episoden zu reviewen. Etwas, was ich sehr gerne tue, dem inneren Zwang sei Dank… Um es kurz zu halten, werde ich diesmal mehr auf die moralische Grundstimmung eingehen und die „Handlung“ mal sekundär-trinär-Faulbär-mäßig abperlen lassen. Ich bin nämlich schon so geboren worden, genau!


Episode 3: „Temporal Edict“

Wenn es etwas gibt, das ermüdend wird, dann ausbremsende Dummheit bei anderen. Das gilt nicht nur im Eingangsbereich von Supermärkten („Entschuldigung, ich wollte mit meinen vier Kindern nur kurz ein Zeltlager aufschlagen.“), sondern auch bei Star Trek(-Parodien). Schon in Episode 2 fiel auf, dass das Durchschnittsalien bei „Lower Decks“ eher dem „Lower IQ“-Bereich zuzuordnen ist. Von den gewaltigen Problemen bei der Aggressionssteuerung ganz zu schweigen.

Einmal falsch angeschaut: „Kopf ab!“ Falsche Aussprache: „Kopf ab!“ Falsche Straßenseite gewählt: „Knurrrrr… Wie, Ihnen sind gerade die Köpfe ausgegangen?!“

Und auch bei Folge 3 muss man sich fragen, ob grafische Gewalt-Gags mit geistigen Neandertalern nicht gegen irgendwelche Humorregeln verstoßen… So geht der Außentrupp auf einen Planeten runter, wo man sich mit einem falschen Gastgeschenk (Holzstück statt Kristall) sofort Speerwürfe und einen Volksaufstand von Hobbysprayern(?!) einhandelt. Okay, zugegeben, die „Ist ja wie bei Kirk“-Gags wollen ja irgendwie eingeleitet werden, doch so wirklich intelligent will eine Serie nicht auf mich wirken, in der Zombies, schießwütige Wochenmarktbesucher und wahnsinnige Amethyst-Fetischisten derartig viel Zeit einnehmen.

, „Star Trek – Lower Decks“ – Review der Folgen 3-5

„Diese Rasse bekommt einen Tobsuchtsanfall! Konnte uns denn keiner davor warnen?“ – „Deanna Troi erwähnte da mal was. Irgendwas von wegen ‚Die haben irgendwie irgendwelche Gefühle‘, oder so…“ – Die Hausaufgaben hat der Targ gefressen: Alle wirken stets unprofessionell. Da ist es sogar für Beckett Schwerstarbeit, noch negativ herauszustechen.

Die Gags sind ansonsten weiterhin nichtssagend bis grundsolide. Es gilt das Motto: Auf der Bundesstraße AZ (= „Anarcho-Zeichentrick“) ist in Fahrtrichtung mit entgegenkommendem Schalkereien zu rechnen.

Tja. Und je mehr diese mit dem Original-Trek spielen, umso besser wirkt der ganze Krempel eben. Somit wirkt der Gag, dass in der Zukunft Chief O‘ Brien der „wichtigste Mensch“ überhaupt ist, deutlich besser als alle Brutalo-Entgleisungen und Baller-Penetrationen. Übrigens hätte ich mir auch eine dialoglastige Episode vorstellen können, in der – z.B. – am Ende das beleidigende Holzstück zu einem kleinen Diamanten gepresst wird, um den Ureinwohnern wieder zu gefallen.

Fast noch interessanter ist diesmal aber die kurzzeitige Abschaffung der „Buffer-Zeit“: Plötzlich sollen alle Reparaturen innerhalb weniger Minuten beendet sein, was im sozialistischen Trek-Universum zur völligen Überarbeitung und letztendlich zum anatomischen und schiffstechnischen Stillstand führt. – Hm. Einerseits ist das eine Idee, bei der ich (und meine ostdeutschen Verwandten) wissend und fachmännisch mit der Zunge schnalzen, andererseits nervt die ständige Fixierung auf Themen wie „Leistung bringen“ und „Untergebene knüppeln“ ein wenig.

Das habe ich mit Kollege Sparkiller schließlich schon den ganzen Tag!

Bewertung als Trek-Folge:

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Bewertung als generische Trickserie:

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Episode 4: „Moist Vessel“

Weiterhin ist alles beim Alten auf dem Kahn der mental Minderbemöllerten:

– Ein Alien und der Captain erklären etwas rund um ein gestrandetes Generationenschiff? – Beckett Mariner gähnt sich dabei die (Marie Sue-)Seele aus dem Leib. (Motto: „Sieht der/dem Zuschauer ja sicherlich ähnlich“)

– Mariner verhält sich falsch und zeigt wenig Respekt? – Statt sie zu überzeugen, soll sie durch Drecksaufgaben zum Jobwechsel „überredet“ werden. (Motto: „Psychologie ist Zeit- und Diktatur-Verschwendung“)

– Menschen versuchen in einem Raum zu meditieren? – Das Mandala wird zerstört und alle brüllen rum. (Motto: „Die Besserwisser waren anscheinend eh nicht ruhig und ausgeglichen“)

Ja, intelligenter Humor hier nur dann zu finden, wenn man den permanenten „Gegenteil-Tag“ generell zum Schießen findet. Zugegeben: „Lower Decks“ hat seine spaßigen Momente, was aber vor allem daran liegt, dass man sich immer wieder kurz in der altmodischen Erforscherstimmung fallen lässt – bevor der ironische Bruch dann so rrrrichtig reinsemmeln kann. Mitten in die Fresse, für den unverfälschten, inhaltlich wertfreienvollen Satire-Genuss.

Doch wenn man irgendwann weiß, dass aus jedem liebevoll gemalten Bild ein rauchender Schrotthaufen wird, jede Moralansprache in einem bumsfideln Saunaclub endet und jeder vernünftige Ansprechpartner unweigerlich zum geifernden Irren mutiert, geht der Parodie-Spaß auf Tauchstation.

, „Star Trek – Lower Decks“ – Review der Folgen 3-5

„Gäääähn… Zuhören und dabei NICHT aufs Tablet gucken? Was kommt als nächstes? Hose anziehen zur Dienstbesprechung?“ – Bei Trek-Handlungen vor Frustration auf den Bauch fallen und sich beim Arbeitgeber unter dem Stichpunkt „Doppelter Winterschlaf“ krankmelden? Hier kommen ganz klar die autobiografische Elemente aus Alex Kurtzmans Leben ins Spiel!

Der Kern der Story ist diesmal übrigens, dass Nervbolzen Mariner befördert wird und durch Pokerturniere, Endlossitzungen und Protokollarbeiten erfährt, wie öde das Leben als leitender Offizier ist. Klar, im „Lower Decks“-Universum ist das so sehr Kanon wie die Kacke-Abkratz-Ausbildung für Nachwuchskräfte. Aber auch hier muss man fragen: Kann eine solche Serie nur witzig sein, wenn in JEDER Folge das Befolgen von Regeln als gleichbedeutend mit der Beschwörung Satans angesehen wird? (Was hier vermutlich eine gute Sache wäre, da „edgy“ und „crazy“)

Könnte man es nicht z.B. so drehen, dass mal die „harten Kerle“ und „arroganten Chefs“ das Nachsehen haben und „Normalos“ ab und an die Gewinner sind? (Siehe „Die Simpsons“) – Nur für den Fall, dass die sklavische Niederknüppelung von IRGENDEINER Minderheit überhaupt immer drin sein muss?

Aber okay: Am Ende bekommt die Handlung im Angesicht der Todesgefahr – die Idee einer Art Genesis-Effekt auf einem Raumschiff ist tatsächlich toll! – tatsächlich ein paar positive Drehungen in Richtung „Freunde = gut“.

Zusammenarbeit ist plötzlich für ein paar Minuten nichts, was man mit dem Phaser aus dem heiligen Tempel rauspeitschen muss, während Liebe kurzzeitig als Ersatzprogramm zum sonst üblichen 24/7-Runterputz-Marathon taugt.

Was natürlich am Ende wieder nur für ein paar ironische Rückwärtsdrehungen benutzt wird. Am Schluss sorgt halt der Reset-Button dafür, dass das unwitzig… unwichtigste Raumschiff der Föderation es auch weiterhin … bleibt. Eben „Familie Flodder“ statt „familiäre Flotte“.

Weil die Fans es den Machern eben wert sind.

Bewertung als Trek-Folge:

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Bewertung als generische Trickserie:

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Episode 5: „Cupid‘s Errant Arrow“

Willkommen auf der „USS Sozialneid“, wo die unteren Ränge mit den höheren tauschen wollen und manchmal sogar UMGEKEHRT (= eine der eher witzigeren Sub-Plots in dieser Geschichte).

Erlebt diesmal, wie Boimler seine große Liebe auf einem WICHTIGEN Schiff findet. Eine Frau, die natürlich nicht freiwillig mit so einem LOSER zusammengekommen ist. – Keine Sorge also wegen eventueller Positiv-Vibes, Leute. Denn am Ende ist der ehrliche Träumer natürlich wieder der Dumme. Lasset uns also hinknien und beten: „Danke Drehbuch, für diese gottgleiche Macht, die du dir gegen hast, wie im Himmel, wie auch in der Kurtzman-Hölle. Bis dass der bald wechselnde popkulturelle Trend uns wieder scheide…“

Im Ernst: Die Geschichte, dass Boimlers extrem nette Freundin vielleicht nur ein Parasit oder Formwandler ist, ist durchaus zackig und amüsant erzählt. Doch nach dem Gucken bleibt irgendwie dieser Ekel-Geschmack auf meinem Teppich zurück, was ich mir nur durch den gerade erst rausgewaschenen Kotzfleck erklären kann.

So ist Beckett Mariner erneut die Siegerin, weil sie ein paar Jahre mehr Weltraumerfahrung hat – und ihr sympathisch-kommunikativer Mobber-Charakter fast jedes Gegenüber SOFORT von sich einnimmt. Hier muss man sich ernsthaft fragen, ob man in einer lustig bunten Trickserie eigentlich JEDE Ideologie vertreten darf, oooder man bei solchen vermeintlich harmlosen Shows nicht besonders aufpassen muss, welche Botschaften man hier jede Woche in Äther rülpst.

, „Star Trek – Lower Decks“ – Review der Folgen 3-5

„Warte erst mal ab, bis du meinen Markenschulranzen siehst!“ – Cool Dukat wäre neidisch: Um hipp zu wirken, geht man modisch gerne mal 200-300 Jahre in die Vergangenheit. Daher reiße ICH meine Girls nur noch mit Zylinder und poliertem Elfenbeingehstock auf.

Natürlich wollen wir nicht päpstlicher als der Hass… äh… Papst sein, aber trotz der teils netten Wortspiele und Wendungen fällt schon auf, wie zynisch es teilweise in Serien wie diesen zugeht. In Serien, die sich mit „Ist doch für Erwachsene“- und „Im Zweifel ist eh das Gegenteil gemeint“-Argumenten von jeder Gaga-Schuld reinwaschen können.

Da wird aus der seltsamen Beziehung von Boimler halt ein SF-Gag mit beinahe beliebigem Ausgang (= spacige Hormon-Beeinflussung statt echte Gefühle), damit man bloß keinen nachhaltigen Gedanken formulieren muss. Und nebenbei bekommen wir erneut bestätigt, dass die Figur, die am meisten nach klassischen Trek riecht, total unbeliebt ist – und eh keine abkriegt.

Somit verspürt man – trotz aller Relativierungen und Scherze – auch noch Stunden später dieses geeewisse Unbehagen. Ganz so, als hätte man gerade einen Haufen Geld an eine Wohltätigkeitsorganisation gespendet. Für das man aber vorher drei Jungfrauen auf dem Friedhof verbrennen musste…

Die eher standardmäßigen(?) Nackt- und Hose-Runterzieh-Witze will ich hier nicht näher betrachten. Wichtig ist, dass die Serie bei allen Einfällen und Qualitäten ungefähr so viel Herz und Charme besitzt wie ein Klingone neben einem chronischen Kriegsdienstverweigerer. Da hilft es auch nicht, dass Mariner sich „Sorgen“ um Boimler macht, am Ende aber zugibt, dass er einfach nur ihr Lieblingstrottel ist. – Klaaar, das kann man natürlich sooo interpretieren, dass sie es nicht SAGEN kann, dass sie ihn mag. Aber warum eigentlich nicht? Wollen die Leute etwa ihre hart verdiente Raubkopier-Kohle von den Machern wiederhaben, wenn nicht alle 20 Sekunden ein abwertender Spruch kommt?

Ja, geschmunzelt habe ich (innerlich) ein wenig. Aber was bleibt einem „Versager“ wie mir im mittleren Einkommenssegment der Gesellschaft auch anderes übrig? Wenn Utopien neuerdings ihre eigene Demontage in Auftrag geben (und nichts anderes ist „Lower Decks“), dann bleibt einem eh nur noch (G)Algenhumor.

Noch schlimmer ist da fast, dass diese Serie trotzdem noch besser als STD und Picard ist. Haaach… Welch ironievolle Ironie der Ironischen!

(*wild mit eigenen Gefühlen jonglier und dafür eigene Zirkusnummer bekomm*)

Bewertung als Trek-Folge:

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Bewertung als generische Trickserie:

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

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Artikel

von Klapowski am 04.09.20 in Star Trek

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Kommentare (9)

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  1. rikerswampe sagt:

    dann lieber die ersten staffeln futurama nochmal gucken. viel sympathischer und dabei witziger als diese hassfressen von star-trek leugner und logikverweigerer klutzman. nach dem zuführen von std und stp habe ich nun als hartgesottener sadomaso-dadaist hier nach folge 4 abgebrochen. das war zu viel. seit picard 2002 im baby-buggy auf gummirädern durch die wüste wüste ballerte (hier hat star trek den shark gejumpt), ist star trek nur noch ärgerliche unterhaltung zum argen rumärgern. daß es nach den film-reboots stetig noch weiter bergabgehen konnte – ist schon fast wieder kunst! zum heulen alles.

  2. MrAnderson sagt:

    Den Shark gejumpt!? Das ist ja sowas von 2007! Der Spruch wurde im Mai 2008 offizell vom Thron gestoßen. Das muss jetzt „hier hat Star Trek den fridge genuked“ heißen. :-)

  3. JP1957 sagt:

    „Wenn Utopien neuerdings ihre eigene Demontage in Auftrag geben (und nichts anderes ist „Lower Decks“)“

    Ich werd mir das nicht antun.

  4. Torim2010 sagt:

    Optisch vielleicht ok aber selbst als Parodie kann ich nicht viel damit anfangen. Dafür ist Discovery und Co schon zu sehr eine Parodie und das find ich halt überhaupt nicht Lustig.

  5. Serienfan sagt:

    Nachdem den Binären in der ersten TNG-Staffel einseitig viel Raum gegeben wurde, finde ich es super, dass in der dritten Discovery-Staffel endlich auch die Nicht-binären eine Repräsentationsfigur erhalten, auch wenn der nicht-binäre Androiden-Picard, der ja am Ende todesmutig die „es müssen immer zwei sein“-Willkür-Binär-Regel durchbrach, durchaus beeindruckende Vorarbeit geleistet hat.

    Das deutlich größere Problem erscheint mir allerdings, dass in ALLEN Filmen und Serien ausnahmslos nicht-dezimale Charaktere (stets verkörpert von nicht-dezimalen Darsteller*lingen) auftauchen. Die in Hollywood unverhohlen zur Schau gestellte Dezimal-Phobie ist für mich der eigentliche Skandal unserer aktuellen Zeit, an dem sich unter einem Präsidenten Trump wahrscheinlich auch nichts ändern wird.

    • Rick-Berman-Apologet sagt:

      Danke. Ich schließe mich diesem Beitrag an, um meine moralische Hochwertigkeit zu signalisieren.

      Antworten
    • Ben3000 sagt:

      Hmm, wenn man von Burnham nur 0,1 (=10%) zu sehen bekäme, wäre das glatt ein Grund für mich wieder in STD rein zu schauen. Aber bis dahin eher nicht.

      An Lower Decks, Picard und Dicovery interessiert mich inzwischen nur noch wie das gesamte Franchise gegen die Wand gefahren wird. (Siehe den StarWars-Effekt…) Aber dafür muss man den Rotz nicht sehen, sondern kann sich auf die Stimmen aus der Community verlassen. Eine Staffel Picard und zwei Staffeln Discovery haben gereicht! Dafür ist mir meine Zeit zu wertvoll.

      Antworten
  6. bergh60 sagt:

    tach auch !

    So langsam beginnt Lower Decks mir zu gefallen.
    Immerhin ist die Hauptdarstellerin attraktiver, als Michael Burnham.
    Und die Stories sind jetzt auch wieder nicht sooooo schlecht. Eigentlich wird es sogar langsam gut.

    Gruss BergH

    P.S. Wieder eine Menge EasterEggs um zum Suchen in dieser Folge

  7. BengelEngel sagt:

    Die ersten zwei Folgen waren furchtbar, einfach nur furchtbar. Die darauffolgenden sind nichg gut, aber um es mit einem alten „Zukunftia“-Zitat zu sagen: „Scheisse, aber zum abschalten, nicht scheisse genug“.

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