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Gastartikel: „Die Tribute von Panem“ – Prequel-Edition (2023)

Gastartikel: „Die Tribute von Panem“ – Prequel-Edition (2023)

Tobias H. hat wieder nachgelegt und MEINE Gedanken sehr gut gelesen. Denn ein Verriss zu den halb-dystopischen Einviertel-Qualitätsfilmen der Panem-Reihe ist hier schon lange überfällig. Unsere Leser „hungerten“ quasi danach – und zwar exakt so, wie in der Filmreihe auch. (*auf 120-Kilo-Zukunftia-Leser zeig*) Der korrekte Titel lautet übrigens „Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds and Snakes“. Weil im Trailer eine Schlange vorkommt, glaube ich? Wir sehen also, dass auch im Kino die „Discoverysierung“ immer mehr voranschreitet: scheiß Prequels, scheiß Titel, öde Frauenfiguren und sinnfrei antagonistische Altherren-Vereine. Hm… Was macht eigentlich Bollywood seit Jahren so?


„Die Tribute von Panem“ waren jene bekannte Roman-Trilogie und Film-Quadrilogie, welche die 2010er unsicher machten. Die Autorin Suzanne Collins hat dann noch 2020 ein quasi-Prequel nachgelegt, welches den Aufstieg von Präsident Snow beschreibt. Nun ist dieses Buch auch noch verfilmt wurden. Lohnt sich das Werk? Erreicht es die „Qualitäten“ der Vorgänger?

Eines vorweg: für ein Produkt aus der Jugendliteratur-Ecke mochte ich den Panem-Kosmos. Der spätere Einzelroman ist ebenfalls nicht schlecht und die damaligen Verfilmungen fand ich –zielgruppenkonform- solide. Hier kam man quasi miterleben, wie die Panem-Variante von Hitler zu sich selbst fand. Ein gewagtes Experiment, das im Buch aber tatsächlich geglückt ist. In der Verfilmung geht das aber weniger gut.

Im Kern geht es um den jungen Coriolanus Snow, der aus einer verarmten Oberschicht-Familie kommt und bei 10. Hungerspielen als Mentor eingesetzt wird. Das Land Panem erholt sich nur langsam von den „Dunklen Tagen“, dem großen Aufstand der Distrikte. Um diese abzustrafen, wurden die besagten Spiele eingeführt. 24 Jungen und Mädchen müssen sich zur Belustigung der Oberschicht und zur Demütigung der Distriktbewohner bis zum Tod vor laufender Kamera bekämpfen, bis nur noch einer übrig ist. Die Spiele, wie man sie später kennen soll, nehmen hier erst langsam Gestalt an und dann knistert es zwischen Snow und seiner Tributin, der Sängerin Lucy Gray Baird, dann doch gewaltig…

Links: gelangweilter Soldat, Mittig: armes Mädchen, dem Hungertod nahe, aber dafür sehr gutaussehend und erstaunlich kräftig, rechts: armer Oberschichtler, der aber mit Rock daherkommt, um dem Vorwurf, dass Panem transfeindlich ist, gleich zu entkräften. Im Ernst: bei manchen Szenenbilder waren das wohl wirklich die Skripts dazu.

Man merkt sofort den Schmonzetten-Anteil, der im Buch übrigens weit besser rüberkommt. Denn dort ist lange nicht klar, ob er sie wirklich liebt oder nur am Leben erhalten will, da er von ihrem Sieg in den Spielen massiv profitieren würde. In der Verfilmung sind die beiden aber reichlich schnell ziemlich scharf aufeinander.

Interessanter ist das Grobe und Ungeschliffene, was man hier zu sehen bekommt. So sind die Spiele noch nicht mit den hochtechnisierten Arenen der Zukunft versehen. In dieser Zeit haben sich einfach 23 von 24 Kindern in einer Art großen Halle tot gekloppt. So simpel war das in der guten, alten Zeit. Aber wie öööööde! Dass dieses Ereignis hier noch kein Medienhit ist, wird dann auch durch Snow flugs geändert, der solche Ideen wie Sponsoring oder umfangreiche Wetten mit einbaut. Nett ist auch der Reporter, der es nicht fassen kann, dass dieses Ereignis über Nacht geht und nicht schon nach 10 Minuten vorbei ist. Diese finstere Mediensatire gefällt mir gut, aber sie macht nur einen kleinen Teil des Streifens aus –schade, da wäre deutlich mehr gegangen. Mir fehlt auch die visuelle Überdrehtheit des „Running Man“ mal wieder sehr.

Rein optisch war ich trotzdem angetan. Man erlebt das später so strahlende Kapitol in einer recht kaputten Verfassung. Überall sind Kriegsschäden zu erkennen und auch die Technologie ist noch angenehm „unfunkelnd“. Klasse: das wuchtige Leipziger Völkerschlachtdenkmal wurde als Kulisse genutzt. Mit seinen martialischen Figuren passt es auch super in die hier gezeigte Welt. Es gibt auch Rückblenden in die Kriegszeit, die mit zu stärksten Momenten des Films zählen. Was die Ausstattung und die Optik angeht, habe ich nichts zu monieren.

Nur um dann umso zu meckern, wenn es an die Figuren geht. Beide Hauptdarsteller sind noch recht unbekannt, was ich für eine geschickte Idee halte. Sie bemühen sich redlich und Tom Blyth, der hier Snow verkörpert, kann auch meistens abliefern. Blasser ist da aber schon Rachel Zegler, die Lucy Gray Baird mimen soll und völlig vergisst, dass taktierende Element einzubauen, welches im Text so schön rüberkommt.

Ihre Beziehung bekommt ihre Dynamik auch daher, dass BEIDE Schachspieler sind, deren wahre Motive stets fraglich bleiben. Daneben gibt es noch schier endlose Gesangseinlagen. Die sind im Buch auch wichtig, aber hier wirken sie gekünstelt und sind schwer auszuhalten. Ganz allgemein passt das nicht zu der Welt, die man hier aufbauen will. Von dem allgemeinen Problem der Verfilmungen – die Distriktbewohner sind insgesamt zu wohlgenährt und hübsch für den Hunger und die harte Arbeit, die sie erleiden – will ich gar nicht anfangen.

“Klasse: der Kinosaal direkt nach der Premiere! Das Publikum hat getobt!“ Die Arena fügt sich nahtlos in das junge Panem – dieser „Destroyed“-Stil ist dort recht in Mode.

Dass diese Liaison natürlich scheitern muss, ist von Anfang an klar, aber immerhin übernahm man das Element, Lucy Gray’s Ende offenzulassen.
Apropos endlos: der Streifen ist lang (157 Minuten im Kino) und er fühlt sich durch die Musikstücke sogar noch länger an. Wo man sonst alles in 2 Teile zersenst (siehe Panem 3.1 und 3.2), verzichtet man hier darauf. Leider ist das Werk dadurch übervoll. Man bekommt Snow als Kriegskind, Schüler, Mentor und am Schluss als Friedenswächter zu sehen (er schummelte bei den Spielen und wird dafür verbannt), bevor er dann wieder in sein geliebtes Kapitol zurückkann.

Das ist schlicht zu viel und dafür sind die beiden Hauptdarsteller auch zu wenig überzeugend. Die Nebenfiguren sind auch eher vergessenswert: da bleibt höchstens Sejanus hängen. Das ist der moralisch hehre Freund von Snow, der aber seinerseits aus einer wohlhabenden Familie mit Distriktwurzeln kommt. Peter Dinklage ist auch mit dabei und spielt einen sinisteren Lehrer, der stets auf Drogen ist. Zum Schluss erfährt man dann noch, dass die abwegige Idee der Hungerspiele das Ergebnis eines feuchtfröhlichen Abends zwischen ihn und Snows Vater war.

Als im Grunde alle anderen Figuren tot sind, beginnt dann Snows eigentlicher Aufstieg zur Macht. Man hat also nur die Vorgeschichte. Das haben Buch und Film auch gemein.

„Äh, kann ich die patriotischen Kinokarten zurückgeben???“ Dann doch besser Live-Entertainment via Gladiatoren.

Fazit: was war hier los? Haben uns die Distrikte sabotiert? Da bekommt man eine hübsch-kaputte Welt mit vielen Details serviert, aber der Inhalt nervt dann eher? Quasi ein Marvel-Film mit guten Kulissen und keinem schlechtem CGI. „Das Lied von Vogel und Schlange“ bleibt leider deutlich hinter der guten Romanvorlage zurück. Für Panem-Fans und Leute mit viel Sitzfleisch und einer hohen Schmerztoleranz gegenüber mieser Musik und aufgesetzter Romantik könnte der Film aber… nein, eigentlich kann er auch das nicht.

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Artikel

von Klapowski am 30.05.24 in Gastbeitrag

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Kommentare (3)

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  1. frank sagt:

    wegen dir (bzw. wg des artikels) schaue ich gerade wieder folge 1, aka ‚the hunger games‘, von 2012…

    jassas, waren die da alle jung! :D

  2. bergh60 sagt:

    tach auch !

    Sehr schöne review. (Bis auf das ihn statt ihm :-) )
    Ich stimme in allen Punkten überein.
    (Huch !!!!!!)

    Zusammengefasst war die Handlung un der Film zu bemüht.

    Gruß BergH

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