Das ernsthafte Medienmagazin

Neelix

 

Eigentlich war die Idee, eine extrem unkonventio- nelle Hauptfigur in die Serie zu schleusen, gar nicht so schlecht. So hatte man in den ersten Staffeln wenigstens einen kompetenten Führer („Auf dem Planeten rechts gibt`s Getreidekörner und Pusteblumen“) parat.

Ganz zu schweigen davon, dass der erste Kontakt mit anderen Punks und Schnorrergesocks extrem vereinfacht wurde. – Kein einziges Mal sah man die Voyager-Crew Warpspulen und Transporterplattformen ausladen, weil sie auf den alten „Brauche Geld für `nen Fahrschein“-Trick hereingefallen war. Neelix eben. Der Weltenbummler unter den autonomen Stehhaarträgern…

Doch nicht nur Neelix Make-Up erinnerte an Bilder von vernarbten Pitbullopfern, auch seine sonstigen Qualitäten ließen sich stets mit einem „Der tut nichts, der will nur spielen“ zusammenfassen.

Denn was genau bitte machte diese wandelnde Heulboje den ganzen Tag? – Trug als fleischgewordenes Pizza-Taxi andauernd Teigfladen und erschreckend heiße Erfrischungsgetränke durch die Gänge der „U.S.S. Oetker“. – DEM Elite-Schiff für angewandte Nahrungsmittelhortung.

Gut, Hortung rettete unsere Kinder: Trotz des anfänglich üblen Nahrungsmittelmangels plumpsten plötzlich Essensreste wie Manna vom bewölkten Voy-Himmel. Von aufgeblähten Wasserbäuchen und fliegeneierumsäumten Augenlidern war spätestens in der 3. Staffel nicht mehr viel zu sehen. Wo vorher noch jede Replikatoreinheit unbarm(sc)herzig vom Stadtwerkezähler erfasst wurde und die Spinnenweben aus Janeways Unterwäsche gefriergetrocknet gelagert werde mußten, war mit einem Mal Raum für Neelix` tollen Kreationen:

„Blähtranische Faulkugeln“ fanden sich plötzlich ebenso wieder wie „chinesische Schwanznudeln in eigener Haut“ und „Alterianisches Rabattmarken-Kotelett“. Schnell wurden die Speisen (kommt von „speien“) von Neelix zum Zuschauerkult. – Jedenfalls hofften das wohl die Autoren.

Man sah wohl direkt den typischen Voyager-Fan vor sich, wie er sich juchzend auf die Warpgondeln schlug (formerly known as „Schenkel“) und herausbrüllte:

„Jetzt kommt wieder Neelix mit dem Kochtopp! Er macht ihn auf und alle.. HAHAHA! – Alle… HUHUHU! – Alle verdrehen die Augen! Sicherlich hat das Gericht auch wieder einen ganz exotischen Namen, klingt aber trotzdem für das menschliche Gehör widerlich! Ob im Topf wohl wieder Kotze aus den Voy-Testvorführungen ist?“

Ja, was haben wir immer gelacht über diesen Neelix! Der Teufelskerl mit dem Satansbraten! Während die Crew todesmutig gegen 4 oder 40 (höchstens) Borgkuben antritt, stellt sich Küchenchef dem Kampf mit dem Brühwürfel. Oft vergingen 10 Folgen, ohne, dass man von dem sympathischen Kochlöffel-Esser auch nur eine brauchbare Dialogzeile hörte.

Durchschnittlich alle 20 Folgen hingegen durfte der Clown im allergrößten Gefecht Imbisstände auf der Brücke aufbauen, mit schneeweißen Tischdecken beziehen und desinteressierte Fähnriche heranwinken: „Wolle` Dose kaufen?“. – Schlimmer als die überschminkten Damen, die häufig in Supermärkten ungewarnte Passanten mit Probierpackungen bewerfen!

Und wenn zwischen Janeways Kartoffelbeinen plötzlich etwas Rotes aufblitzte, so war es stets Kaffee-Neelix Wunderkanne.

„3 Stück Zucker, so, wie sie es lieben!“

„Aaaahr! Das tut gut, danke, Neelix! Wenn wir sie nicht hätten!“

Ja, was wäre dann? Niemals wurde diese drängendste aller Fragen beantwortet…

Hier nun die 10 häufigsten Dialogzeilen von Neelix:

10.) „Vorsicht, ist noch heiß!“

9.) „Schlüüürf. Schmatz. Schmatz. Mmh? Mmmmm? – MMH!“ (ist ebenfalls der Akzent der gefürchteten Biolekaner)

8.) „Ich hoffe, es ist nicht zu scharf?!“ (Witz, komm raus: Bei dieser Frage brennt die Kehle stets feurio)

7.) „Ein zeitiges Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des ganzen Tages!“

6.) „Der ganze Tag ist die wichtigste Zeit für ein Frühstück!“

5.) „Ich habe mir heute etwas ganz besonders Leckeres einfallen lassen!“

4.) „Das könnte die Moral der Crew in Mitleidenschaft ziehen!“

3.) „Darf ich mich zu ihnen setzen?“

2.) „Ich setze mich trotzdem!“

Und Platz 1.) „Mh…“ (Verschwörerisches Schieflegen dese Kopfes mit wissendem Grunzen. Einfach mal drauf achten!)

Ganz zu schweigen von all den Hundertschaften an bescheuerten Essens-Namen. Und das, wo ich doch von sinnlosen Aneinanderreihungen von Buchstaben einen fiesen Ausschlag bekomme! – „Noch Yxlokrapyische Krytzaack-Soße?“

Furchtbar gerne, Junge! Alles, was Du willst, aber nenne nur nie, NIE wieder ihren Namen, ja?

Doch irgendwann ging den Autoren ein gewaltiges Licht auf, das heller strahlte als das gleißende „Stand by“-Licht von Neelix` Mikrowellen-Armada: „Dieser Neelix ist ein Depp!“ muß ihnen in den Sinn gekommen sein.

„Wir haben erst 3 Charakterfolgen mit der Figur, davon 3 höchst misslungene!“

Ja, spätestens zu diesem Zeitpunkt muß ihnen in den Sinn gekommen sein, die Anwesenheit des Charakters auf dem Schiff zu rechtfertigen. Plötzlich war der Mann also „Moral-Offizier“. Janeway, die „Moral“ schon immer mit „Mortadella“ verwechselt hatte, konnte nach der Beförderung keinen Rückzug mehr machen… Obwohl ein derartiger Rang in der Sternenflotte nie existierte (und dessen Verleihung jeder Offizier als übelste Mobbing-Attacke aufgefasst hätte), durfte Küchenfee nun zwischen den Tischen herumwuseln und mit dem Finger an die Decke weisen:

„Ich als Moraloffizier bin für die Motivation der Crew zuständig!“

– Kein Wunder, dass der grenzdebile Talaxianer permanent wegen dieses „Jobs“ aufgezogen wurde:

„Neelix, sie sind doch Moraloffizier und somit schon irgendwie eine handbreit wichtig… Was sagt die Crew zur Frisur des Captains?“

Ich konnte mir stets vorstellen, wie Chakotay wenige Minuten im stillen Kämmerlein talaxianische Dummbrot-Krümel an die Wand prustet:

„Der dachte doch tatsächlich, ich wollte seinen Rat! Köstlich, dieser Neelix!“

Doch mit „Moral-Offizier“ war der Fundus an Kindergarten-Einfällen noch lange nicht ausgeschöpft. Die Autoren befanden, dass Neelix immer noch nicht wirklich ankam. Die Figur wirkte aufgesetzt, hatte von nichts eine Ahnung und noch dazu nichts besseres zu tun, als mit einer roten Pappnase nächtliche Klingeljagden vor Tuvoks Quartier abzuhalten…

Also ernannte man ihn kurzerhand zum Botschafter. Wer ein Tablett zielsicher zwischen zwei Tischen hertragen konnte, war also prädestiniert für Kontakte mit fremdem Spätzle, Pardon: fremden Spezies…

Stets wirkten die aufgesetzten Aufträge für den Space-Punk wie eine notdürftige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Niemals wollte sich dem Zuschauer so richtig erschließen, wieso der Trottel ab und an auf fremden Planeten herumalbern durfte. Weil der Darsteller (dessen Namen wir nur deshalb nicht vergessen, weil wir ihn nie kannten) sich langweilte und die Maskenbildnerin zu betatschen begann?

„Botschafter Neelix“! Alleine der Klang dieses Titels lässt meine Nackenhaare kräuseln und ausfallen. Kinderkacke! Blödsinn! Hät`s bei Picard nicht gegeben, so was!

Unnötig, da noch auf die „Sondereinsätze“ des Charakters einzugehen… Naomi Wildman zudecken und dabei lieb gucken, sowie völlig sinnlose Küchenweisheiten von sich geben, die irgendwie immer in kulinarische Gefilde abglitten…

Anders gesagt: Wenn das Leben wie eine Schachtel Pralinen ist, so gehört Neelix wohl nicht dazu. – Da wusste man schließlich schon immer, was man kriegt…

Und nie hat es auch nur in Ansätzen gemundet…

(dk)


Weitersagen!

Artikel

von Sparkiller am 01.01.02 in Pourquoi, Gene

Stichworte

,

Ähnliche Artikel


Kommentare (14)

  1. Neelix sagt:

    Was soll ich sagen…Neelix ist doch der beste Chrarakter den es jeh gab.

  2. Stilgar sagt:

    Imho ist Neelix einfach nur ein wunderbares Beispiel für verschwendetes Potential, wie die gesammte Voyagerserie. Was hätte man nicht alles draus machen können.

  3. Gast sagt:

    Ich finde NEELIX SÜÜÜÜß ! Und ich frag mich, ob er auch so gut bumsen kann wie er kocht…na wer sooo scharfe Sachen kocht MUß einfach `ne Prachtlatte haben….

  4. Gast sagt:

    Recht so! Alles stimmt 100 %!

  5. Sped sagt:

    Ich fand Neelix von der ersten Folge an genau so nervig wie seine kleine Freundin Kes, nur bei ihr hat man wenigstens irgendwann eingesehen dass sie ein erheblicher Störfaktor ist. Hmmm…nagut Neelix wurde ja letztlich auch von der Voyager verbannt, aber leider erst in der Vor(vor)letzten Folge. Aber hey, besser spät als nie…

  6. Problem.Fall sagt:

    Nelix ist nur schlecht… Eigentlich ist das noch untertrieben…

  7. Gast sagt:

    Neelix hat mehr Ähnlichkeit mit einer Katze, als mit sonst Irgentwas.

  8. Gast sagt:

    Eine missglückte mischung aus Jarjar Binks und Chewbucca

  9. Gast sagt:

    Neelix ist der Schiffsclown der Voyager …

  10. Gast sagt:

    Die haben doch Neelix nur ins Programm genommen, weil sie noch jemanden brauchten, der den schwarzen Kaffee vom Replikator zum hyperventilierenden Captain trägt

  11. bergh sagt:

    tach auch !++Das Beste an Nekix ?
    Das er Kess mitgebracht hat, denn die war suess.
    Ihre Rolle war doof, aber als Frau war sie suess.

  12. Major Rakal sagt:

    Also… Sagt es nicht soweiso alles über einen Charakter aus, wenn selbst jemand wie Reginald Barclay seine Katze (!!!) nach ihm benennt?! Neelix the Cat… Sounds great! ;-)

  13. Gast sagt:

    Neelix ist sch***… aber ich muß mich meinem Vorposter "bergh" anschließen: Wegen Neewix…ääähh..lix kam Kes an Bord, und die hatte echt was. Der Depp war imho der einzige Störfaktor an dieser wunderbaren Serie!

  14. Gast sagt:

    Naja, nicht ganz, die ganze Serie war ein Störfaktor für sich selbst.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Brandneues
Gemischtes
Newsletter
Arschiv
Zum Archiv unserer gesammelten (Mach-)Werke.
Büchers
Jenseits der Goetter

Jenseits der Macht