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Viel Asche um nichts

James Doohan ist tot. Das ist an sich kein Grund zum Lachen, aber inzwischen auch nicht mehr zum Heulen. Oder, wie ein älterer Nachbar es Gestern mir gegenüber ausdrückte, als wir am Treppengeländer eines Dreifamilienhauses lehnten und seine verwehte Zigarettenasche mich irgendwie an Scotty erinnerte: „Der Tod… gehört zum Leben dazu.“ – Eben eine typische Oktoberplauderei, die im Hochsommer irgendwie unangebracht wäre, wenn sich halbnackte Inline-Skaterinnen unter den Schirmen des Eishändlers versammeln.

Dass der Tod keinen Spaß macht, ist jedem klar, der als Kind erfahren mal musste, dass Kaninchen Morle nicht aus Gründen der Nagersatire so penetrant auf der Seite liegt. Doch auch die ehrwürdige Bestattung an sich kann problematisch sein, wenn das übliche Loch um 180 Grad gedreht werden soll und nur in Luftschichten gemessen werden kann.

Natürlich geht es hier um Doohans Wunsch, nach seinem Tod in’s All geschossen zu werden, wo er hingehört. Quasi „Asche zu Asche, Staub zu… Tschüss!“ – Schon aus Gründen der Naturverachtung kann ich das gut nachvollziehen. Wer will schon in einen ewigen Kreislauf eingespeist werden, irgendwann biologisch verwurstet von halbhohen Friedhofsfichten oder gar piefigen Sträuchern, die man schon als Kind nicht ausstehen konnte?

Schließlich gibt es für einen Trekkie keine romantischere Vorstellung, als im Vakuum rumzudüsen! Ab Minus 200 Grad wird einem erst richtig warm um’s Herz, bzw. um den Herzanteil von 0,4%, der in 8 Gramm Gesamtasche noch enthalten ist. Da ist es dann auch ganz egal, ob 99% meines Körpers, die nur noch als Demonstrationsmasse in der Staubsaugerreklame zu gebrauchen sind, auch weiterhin ihrer evolutionären Bestimmung als Homo Humus nachgehen.

Nun, was hat das alles mit dem Mann zu tun, der einen Stromkreis noch mit ’nem Zirkel ziehen konnte? Unser Ex-Chefredakteur G.G. Hoffmann machte mich unlängst darauf aufmerksam, dass ich einen SPIEGEL-Artikel übersehen habe. Und tatsächlich: In Ausgabe 42/06 (ich zitiere in Auszügen) kann man auf der richtigen Seite (90) aus dem Lachen nicht mehr herauskommen, was auch immer man da drin überhaupt wollte.

Doohans Asche liegt demnach in einem lippenstiftförmigen Behältnis in Housten. Allein diese Vorstellung kann den irren Leser zu allerlei Assoziationsketten verleiten, an deren Ende immer ein Werbeclip in Schwarzweiß steht, der stets mit den Worten endet: „Oil of Doohan – Und ihre Lippen verheißen die Ewigkeit“

„Die fliegt aber hoooch!“ – “Ich sagte Dir doch, dass unsere Oma noch sehr vital ist!” – Der Weltraum, unendliche Stäube: Wer genug Geld hat, kann sich schon heute im Orbit bestatten lassen. Vorteil: Die Grabpflege macht auch den jüngeren Familienmitgliedern wieder Spaß („Ich werde Astronaut!!“) und die Älteren können Fronleichnam demnächst vom eigenem Hochhausdach begehen.

Der Firmengründer von Celestis, der wohl auch ohne Rakete zum Schießen aussieht, hat vermutlich den Internet-Hype um 1999 knapp verpasst und verströmt in diesem Artikel die Seriosität eines dreiarmigen Taschendiebes. Er soll James demnächst in’s All schießen, wo er ein paar Runden um den Pudding dreht, bevor sich die Schwerkraft mit ihren gierigen Griffeln eine Dose Scotty pflückt. Der ganze Pustekuchen wird dann zu etwas, bei dem man sich angeblich was Tolles wünschen soll, wenn man es sieht. Nämlich völlig Schnuppe. Also ein echtes Natur-Ereignis. Ein No-Tour-Ereignis ist es aufgrund von Terminverschiebungen (Das Weltall ist bekanntlich nur einmal im Jahr in Sichtweite der Erde) ja schon länger…

An dieser Stelle möchte ich Euch jedoch nicht die Worte meines Kollegen Hoffmanns vorenthalten, der die Situation bereits treffend zusammenfasste:

„Ich war ja so kurz davor, eine Anzeige wegen Leichenschändung zu erstatten, konnte aber vor Lachen die Tastatur kaum halten bei der Vorstellung, daß ein Fläschchen mit 4,7 Gramm Scotty-Asche mit einer Art Feuerwerks-Rakete in die Luft geschossen wird, anschließend unspektakulär auf einem ALDI-Parkplatz zerschellt und vom Wind zwischen die Altglas-Containern verteilt wird. Wie unwürdig! Da hätte er sich auch gleich von B`Elana ins All schießen lassen können, da wäre er im Zweifel auch versehentlich in der Müllanlage gelandet.“

Tatsächlich scheinen Weltraumurnen eine erstaunliche Vorliebe für Supermarkt-parkplätze und Laichgründe zu haben. Der letzte Transport für mächtig Asche… äh, MIT Verstorbenen-Asche (kleiner Versprecher. Da kommt meine Liebe zum unternehmerischen Mittelstand durch) startete laut SPIEGEL in 2001. Zwar nicht in’s All, aber dafür in`s Meer. Immerhin sollen sich Sterne ja schon mal auf Wasseroberflächen gespiegelt haben. Ist ja auch schon was.

“Ascheregen? Im Hochsommer? Ist etwa ein Vulkanier verstorben, harhar?“ – Sich regnen bringt Segen: James Doohans Reise scheint einfach kein Ende zu nehmen… Diese verdammten Medien sind aber auch so verdammt weitläufig! War da nicht noch in Australien eine Gazette, die nicht über seinen raketenhaften Aufstieg berichtet hat?

Doohan sollte zwischenzeitlich von einer Insel im Westpazifik starten, was den Angehörigen für die ergreifende Abschiedszeremonie („…und so möge er nun seinen Frieden finden…“ *Donner, Braus* „Seinen waaaas?“ – „Seinen FRIEEEEDEN!“) jedoch verständlicherweise zu weit entfernt war. Gut, dass er nicht dabei war, denn das Ding stürzte nach 30 Sekunden ab. Schade, dass er nicht dabei war, denn Scotty hat in 28 Sekunden schon ganze andere Triebwerkprobleme behoben…

Am 21. Oktober sollte Doohan sich dann mit einem Earth-Return-Service in den Weltraum erheben. Nachteil: Nach dem atemberaubenden Weltraum-Panorama, für das anständige Tote sogar zu sterben bereit wären, kommt die Rakete wieder runter. Wenn schon sonst niemand anderes, so kann aber doch immerhin die Hoffmann’sche ALDI-Angst beerdigt werden: Das Ganze würde/wird/wurde an einem Fallschirm vollzogen. Danach würde/wird/wurde die Asche wieder eingesammelt und Onkel Benno und Tante Erna für den Kamin überreicht. Praktisch die Unendlichkeit für Schnellficker. Das ist ungefähr so toll, als würde man einen Ferrari nur unter der Voraussetzung geschenkt bekommen, dass man ihn mit 5 Promille nach Hause fährt.

Ob Scotty nun wirklich seinen Weg in die Tiefen des Bestattungskommerzes gefunden hat, konnte ich bisher leider nicht herausbekommen. Man munkelte kurz vorher noch von technischen Problemen bei den letzten Raketentests, bei denen Fallbewegungen und plötzlicher Wellengang zu den Hauptproblemen gehört haben sollen.

Wir halten Euch jedoch auch weiterhin auf dem Laufenden.

Aber bitte nicht verwechseln: Nicht zum Narren. Das machen schon die Weltraumfutzis.


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Artikel

von Klapowski am 24.10.06 in All-Gemeines

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Kommentare (6)

  1. Al Bundy sagt:

    Wer früher stirbt ist länger tot ..äh im Weltraum?
    Ersta!!!11elf

  2. crysis sagt:

    "Das ist ungefähr so toll, als würde man einen Ferrari nur unter der Voraussetzung geschenkt bekommen, dass man ihn mit 5 Promille nach Hause fährt." – Geile Schumi-Anspielung, habe beinahe unter dem Tisch gelegen. Mein neues Top-Zitat von dir. Den SPIEGEL-Artikel habe ich auch im Original gelesen und mich heftigst amüsiert.

    Für den nächsten Artikel wünsche ich mir übrigens die Auflösung eines der größten Star Trek-Rätsel von dir: Wie konnte der junge, schlanke Scotty nur so derbst verfetten? Steht dieses Schicksal etwa auch uns bevor? Oder noch schlimmer: MIR?

  3. Dr.Best (der mit dem Schwingkopf) sagt:

    Vielen Dank für die schnelle und gründliche Aufklärung. Hab mich doch schon gewundert, was aus der Sache eigentlich geworden ist. Also zusammengefasst:

    Scotty liegt zur Zeit a) auf irgendeinem Friedhof
    b) getarnt als Lippenstift in einem Safe in Houston
    und c) nochmal als Lippenstift irgendwo bei einer Abschuss-
    rampe in New Mexico

    Ist Leichenfledderei in den USA eigentlich strafbar? Also wenn ich meine Oma gleichmäßig über Deutschlands Friedhöfe verteilen wollte, bekäme ich sicher bald höchst amtliche Post ins Haus. Geliefert in einem eigenen Kleinlaster.

    Vielleicht wäre es jetzt langsam an der Zeit sich Gedanken was aus William Shatner werden soll, sobald er an Verfettung gestorben ist. Ich persönlich bin ja dafür ihn einzuäschern und den Kohlenstoff dann zu Diamanten zu pressen. Klein, unauffällig und mit einem gewissen Wert für die Nachwelt. Den ganz ehrlich: Wollen wir eines Tages gemütlich über einen Friedhof laufen und plötzlich Auge in Auge mit einer 20-Meter-Kirk-Statue (in heroischer Pose und zerissenem Hemd natürlich) stehen?

    Also ich jedenfalls nicht.

    Alles Gute
    Dr.Best

  4. bergh sagt:

    tach auch !

    Scotty soll verschrotet werden ?
    Unglaublich.
    Vor allem , weil die Rake Schrot ist , die ihn in den Weltraum bringen soll.
    Zustände sind das. Bei Roddenberry hätte es das nicht gegeben.

    Und jetzt auch noch Shattner ?
    Mein Gott ich dachte den hätten sie balsamiert und bei Boston Illegal in den Sessel geklebt und dann mit CGI die Lippen bewegt.

    Gruss BergH

  5. Gast sagt:

    Ham sie eigentlich Roddenberry nicht auch auffen Mond (naja fast…) geschossen?
    Ich muss mich meinem Vorrednern anschliessen, was is mit Bill "dem Tier" Shatner wenn ihn der große Chefingeneur raufbeamt? Die Trekkies werden natrlich Szehnen abziehn wuie die Nordkoreaner als deren geliebter Diktator den Klappstuhl gefaltet hat, aber werden sie der Wurst mit Gesicht eine standesgemäße Himmelfaht spendieren? Oder ihm ein Mausoleum (das wie ein 1000 Meter hohes goldenes Toupet aussieht) bauen neben dem die Pyramiden wie Maulwurfshügel aussehen? Ich denke doch schon, naja gut, bis auf die Picardfraktion. Die Sparen schon um Patric Steward eine noch viel größere goldene Bowlinkugel zu bauen.

  6. bergh sagt:

    tach auch !

    Ich frage mich dann aber schon mit Grausen welches Symbol sie den weiblichen Darsteller als Mausoleum wählen werden.
    Ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen schwebt (oder besser schwabbelt) mir da eine Szene von Woody Allen (Was Sie schon immmer über Sex wissen wollten) vor dem geistigen Auge herum.
    "Mein Gott ! Eine Riesen-T…."

    Ich kann ja noch begrenzt den Hype verstehen, den man um einen lebenden Darsteller macht.
    Diesen Totenkult halte ich aber für extremst übertrieben.

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