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„Ach, du Aanst es nicht!“ – Das Interview

Erinnert ihr euch noch an G.G.Hoffmann? Meinen Ex-Chefredakteur, Ex-Frührentner und Ex-Expensionär? An den Mann, der diese Seite gegründet hat und dies in Gedanken auch heute noch täglich tut (Scheiß Alzheimer)? Ich auch nicht. – Nach langer Zeit können wir aber glücklicherweise mal wieder einen Artikel von Lars Moritz Aan – dem einstigen Mentor und Ziehvater von Hoffmann – begrüßen. Und eine Einleitung voller vernarbter Wunden (*spritz, klecks*). Denn als Aan seinem Freund Hoffmann Anno 1999 gestand, dass er Star Trek hasst, kam es zum großen Zerwürfnis…

Noch heute, ziemlich genau… 7 Jahre nach 2006 und ihrer Trennung mailen sich die beiden demonstrativ falsch adressierte Mails zu, die an benachbarten Servern grußlos aneinander vorbei flitzen. Und sobald sich doch einmal zwei Mails der beiden in meinem Postfach zu nahe kommen, kann es sein, dass in irgendeinem Land der Erde vorübergehend der Erdboden aufreißt. Die Natur hat nun mal ihre eigenen Wege, um gegeneinander gerichtete Kräfte auszugleichen…

Doch all dies ist gar nicht das Thema…

Sie hören daher nun: Einen Artikel von Lars Moritz Aan. Gute Unterhaltung.


Ein Artikel von Lars Moritz Aan (ach?!)

„Am 16. September ist Weltuntergang, wir leben nicht mehr lang, wir leben nicht mehr lang, wir leben nicht mehr lang.“

-Was für eine Aufmerksamkeit heischende Einleitung ist das schon wieder – wird sich unser lieber Leser (Hallo, Herr Müller-Schluppenhauer) denken. Aber ehrlich, dies ist mal eine Information, die jedem die Schuhe ausziehen wird (und das mit den Füßen durch die Sohlen zuerst), der auch nur ansatzweise gedacht hat, nach dem geradezu lawinenartigen Niedergang des Star Trek Franchise durch die Serie Enterprise, sei jetzt endlich mal Ruhe im Puff von Paramount eingekehrt.

Denn am 16. September 2006 soll die original Star Trek Serie aus den 1960er Jahren erneut über die Bildschirme flimmern und Angst und Panik ob der schlechten Storys und Effekte verbreiten. Gut, dass dieser Müll nun schon wieder wiederholt wird, ist ja im Laufe der letzten Jahrzehnte nicht wirklich überraschend, nicht wahr? Aber in dieser Form hat noch kein menschliches Auge Roddenberrys Ethervision der Zukunft erblickt. Ich hatte die Gelegenheit mit dem Team zu sprechen, welches für diesen Genozid menschlicher Gehirnzellen verantwortlich zeichnet, dem Ehe- und Geschwisterpaar Michael und Denise Okuda. Hier nun das Interview:

Lars Moritz Aan: „Mr. und Mrs. Okuda, was haben sie nur angerichtet?“

Michael Okuda (lachend): „Wir haben der Welt und der Fangemeinde von Star Trek das gegeben, wonach sie sich schon seit Voyager sehnlichst verzehrt haben.“

LMA: „Die abgetrennten Köpfe von Braga und Brannon?“

Denise Okuda: „Mit Nichten. Wir haben der Originalserie des ganzen Franchise einen neuen Anstrich gegeben.“

LMA: „Ich hoffe doch, dass sie Bleifarbe verwendet haben. Ich hoffe nur, dass die ausreicht, um eine weitere Ausstrahlung zu verhindern.“

Michael Okuda: „Wo denken Sie hin, Mann? Es sind die Effekte, die wir durch hoch moderne CG Animationen aufgemotzt und ersetzt haben.“

Denise Okuda: „Somit kommen die Zuschauer in den Genuss der alten Geschichten, gekleidet in ein hybermodernes Gewand.“ (zieht vor Begeisterung eine alles entstellende Grimasse)

LMA: „Weil wir das alte Geseiere noch nicht oft genug ertragen mussten, richtig. Warum hat man sich bei Paramount eigentlich noch nicht dazu durchgerungen, die alte Serie ad acta zu legen und mit neuer Besetzung neu zu drehen, wie es jüngst (2003) geplant wurde. Hochkarätige Schauspieler, wie Matt Damon, hätten dauerhaft mitgewirkt und die Storys wären wirklich mal von guten Science Fiction Autoren verfasst worden.“

Michael Okuda: „Aber hochkarätige Schauspieler waren doch schon immer in Star Trek zu sehen. Ich sage nur mal so einschlägige Namen, wie William Shattner oder Scott Bakuda…“

LMA: „…(ein Würgen unterdrückend)“

Denise Okuda: „Ja, oder dieser Dingens da, der, der immer so gemacht hat (knotet sich die Finger einer Hand zum Vulkangruß auseinander). Den kennen doch ganz viele Menschen.“

LMA: „…(kommt nur schwer zu Atem)…richtig, den kennen ganz viele Menschen. z. B. Napoleon, Julius Cäsar oder Der Rosa Riese und noch einige mehr aus der geschlossenen Anstalt. Aber zurück zu ihrem W(ü)ir(g)ken. Warum nur, warum?“

Michael Okuda: „Was soll diese unqualifizierte Frage? Warum hat man einen elektrischen Korkenzieher erfunden? Warum wird nächstes Jahr die Mehrwertsteuer in ihrem Heimatland um 3% erhöht? Warum wurde die Atombombe gebaut? Ganz einfach, weil es möglich war.“

LMA: „Aber war es auch nötig? Immerhin ist diese Serie nun knapp 40 Jahre alt. Warum lassen sie sie nicht endlich in Frieden in den Archiven verrotten und nehmen sich stattdessen andere Erfolgsserien vor, z. B. Andromeda? So einige Fressen könnte man da mit Computereffekten aufmöbeln (nötig wär’s ja mal, wenn auch unbezahlbar).“

Denise Okuda: „Also erst mal ist Star Trek nun mal ein riesiges Ding, ich meine, es ist mal schon ein Stückchen größer, als Sie, Herr Aan. Und dann ist Andromeda ja bereits mit CGI ausgestattet, da kann man nichts besser machen.“

LMA: „ Doch, zum Beispiel einen wunderschönen, schwarzen Balken quer über das Bild legen und einen schrillen Pfeifton hinterlegen, sobald ein Charakter irgend etwas von sich gibt, das nicht der rückwärtigen Körperöffnung entwichen ist. Aber wie weit reicht denn nun eigentlich der Irrsinn ihrer Idee genau?“

Michael Okuda: „Wir haben große Mühen auf uns genommen, alle 79 Folgen der alten Serie zu bearbeiten und zu verändern. Aber wir haben nicht einfach drauf los gewütet, sondern uns gefragt, was Roddenberry wohl mit der heutigen Technologie angestellt hätte.“

LMA: „Ich schätze, er hätte sie mit seinem Kot beworfen, weil sich kein Pfleger mehr finden ließ, der ihn noch hätte versorgen wollen.“

Michael Okuda: „Er hätte die Enterprise zum Beispiel in einem detailreicheren Aufbau gezeigt und für mehr Leben in den so öde wirkenden Kulissen, wie Raumstationen, Raumschiffen und Städten gezeigt. Auch die Planeten hätten einen realistischeren Look bekommen.“

LMA: „Schön, dass sie der Serie neues Leben einhauchen wollen, aber die Fantasie, die dahinter steckt wird dadurch auch nicht lebendiger. Wie meinen sie das mit dem „mehr Leben“ eigentlich? Haben sie etwa vor, William Shatners Toupets als neue Lebensform auftreten zu lassen? Für meinen Geschmack ein wenig ZU lebendig.“

Denise Okuda: „Nein, Mr. Shatner verband diesen Vorschlag mit der Einführung einer weiteren Figur in die Serie, der des James T. Kirk aus der fernen Zukunft, der darüber wacht, dass alles seine geordneten Bahnen geht. Also auch die Planeten und so. Wir haben dann aber abgelehnt und mussten uns von dieser Idee verabschieden.“

LMA: „Sie sehen mich erleichtert. Also, was genau soll den jetzt wie lebendiger werden?“

Denise Okuda: „Ja, also, auf den Raumstationen werden wir Menschen in den Hintergrund einblenden und Planeten werden so realistisch aussehen, wie dies heute mit Computereffekten machbar ist. Und wir werden zumindest ein Toupet pro Folge einblenden. Zwar nicht das von Shatner, aber immerhin einen Nährbodenträger, auf dem sich Bakterienkulturen ansiedeln können. Das gibt der überarbeiteten Star Trek Serie den letzten Touch. Ach ja, und in der Folge „The Naked Time“ hat Scotty doch versucht mit seinem Phaser durch eine Barrikade zu schießen. Der Strahl war nicht zu sehen. Das ist jetzt nicht mehr der Fall.“

LMA: „Also sieht man den Strahl jetzt?“

Denise Okuda: „Nein, wir haben die Szene rausgeschnitten.“

LMA: „Hätte man das nicht auch mit jeder anderen Szene in der Serie tun können? Das wäre eine echte Verbesserung gewesen. Eine Frage habe ich noch. Wird nur die Optik der Serie gepimped oder haben sie auch noch Schlimmeres vor?“

Michael Okuda: „Jetzt kommt das Beste zum Schluss.“

LMA: „Warten Sie, ich bereite mich kurz auf die Offenbarung der Apokalypse vor…“ (zieht einen Revolver aus der Tasche und richtet sie sich an den Kopf) „…bin bereit.“

Michael Okuda: „Wir haben ein großes Orchester aufgetrieben, welches die Titelmusik neu interpretiert spielt. Außerdem gibt es einen neuen Sänger, der den textlosen Part intoniert.“

LMA: „Sie meinen also, es bleibt im Prinzip alles beim Alten? Das furchtbare Geschrabbel? Das unterträgliche Gejammer und Gejaule? Nur noch lauter?“

Michael Okuda: „Wir wollten möglichst dicht beim Original bleiben. Da fällt mir übrigens ein, dass William Shatner auch hier ist und gerne seine Meinung zu der überarbeiteten Fassung von Star Trek äußern würde…“

LMA: „…BLAM…BLAM…“

Denise Okuda: „Wie hat er es geschafft, sich zwei Mal hintereinander mit der Waffe in den Kopf zu schießen?“

Michael Okuda: „Werden wohl die zuckenden Nerven gewesen sein. Schade, dass ich ihm nicht mehr sagen konnte, dass auch Leonard Nimoy gleich noch vorbei kommt, um sein neues Buch über seine Eindrücke zur überarbeiteten Serie vorzustellen…“

LMA: „…BLAM…BLAM…BLAM…BLAM…KLICK…KLICK…KLICK…“

Sie hörten: Einen Artikel von Lars Moritz Aan in D-Moll. Tschö dann!


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Artikel

von Klapowski am 31.08.06 in All-Gemeines

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Kommentare (6)

  1. Gast sagt:

    Netter Artikel, der Mann war mir bisher fremd.

    Besser, als immer irgendwelche unsäglichen Buch-Reviews zu lesen …

  2. DerGraf sagt:

    Zweiter…
    Grundsätzlich ist das prinzip nicht schlecht.
    Mann muss nur die Serie einfach weglassen…
    Ein schwarzer Bildschirm… eine stunde lang… mit werbeblöcken…

  3. nakedtruth sagt:

    ER IST ZURÜCK! (freudig mit dem Schwanz wedel)

    Der Mann, der früher fast alle Artikel schrieb, als ein anscheinend junger und naiver, aber in Wirklichkeit machtgieriger und intriganter Daniel Klapowski eine bescheidene Rubrik mit dem Namen "Niemand fragt, Klapowski antwortet" pflegte.

    Hm, sind LMA und GGH jetzt der Kirk und Spock von ST-Enterprise.de?

  4. bergh sagt:

    tach auch !

    Aaan ?
    Waren das nicht die Exoskelet Wesen bei [Name eines bekannten SF Autors eintragen] ?

    Na egal.
    Schöner Artikel. Schade, daß uns der Autor so schnell wieder verlassen hat.
    [quote]Bum..Bum..Bum..Bum..Bum..[/quote]

    Ich weiß nicht, ob mir TOS mit aufgemotzter CGI (Pimp My Start Trek *prust*) gefallen würde. Es würde viel vom altbackenen Charme der Serie verloren gehen.

    Gruss BergH

  5. Gast sagt:

    Was mich mehr interessiert:

    Wird Klapowski auch wieder jede Folge bewerten??
    Kommt doch wie Enterprise neu raus! ;-)
    Und das in schönen Häppchen zu je 1 Folge pro Woche … und das 2 Jahre oder länger (was nebenbei auch bei TOS dazu führen müsste das die Effekte in der Serie besser werden und damit auch wieder irgendwie nicht zusammenpassen, man schaut sich das einfach mal bei Voyager an… obwohl da sie ja durcheinander senden, wird das dann eh scheiße.. egal!)

    Ich stell mir auf jeden Fall ein Klapowski-Classic-Spezial-Langohren-Bewertung nebst einer Okuda-Faust-Hammer-Bewertung vor!

    ;-)

  6. GaZ sagt:

    das wollen die nicht wirklich tun, oder? >.

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