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Star Trek DS9 – 1.01 & 1.02 – „Der Abgesandte“ („The Emissary“) Review

„Ja! Es war rund, konnte fliegen und machte ein Geräusch, das ein bisschen nach ‚Habmichlieb’ klang!“ – Sobald bei uns ein Beitrag zu DS9 veröffentlicht wird, nehmen die UFO-Sichtungen deutlich zu. Was natürlich daran liegt, dass wir euch die fliegende Felge in den letzten Jahren nicht sehr nahe gebracht haben. Bitte nehmt zu unserer Entschuldigung nun den Dampfhammer des Pilotfilms an! (*Diskette rüberreicht und im letzten Moment wieder wegzieh*) Haha! Ihr hättet mal eure Gesichter sehen sollen! Ihr dachtet wirklich, es gäbe HIER DS9-Reviews, harhahar!

Wagemut in Serie…

Bereits der Teaser zeigt, dass „Die Neue“ alles andere als ein nettes Mädchen ist: Während die Borg den alten Spruch „Teile und herrsche“ auf die Molekularstruktur von Siskos Schiff anwenden, hüpft die Handkamera verwegen um das Lagerfeuer auf der Brücke herum. Der Rumpelstielschen-Satz „…und übermorgen nehm’ ich dem Roddenberry sein Kind!“ wäre hier gar nicht so unangebracht.

Wer – wie ich – zuvor sehr viele TNG-Folgen (damals wie heute) konsumiert hat, könnte ob des düsteren Endzeit-Gemäldes durchaus erschrecken. War man von TNG doch eher den röhrenden Hirsch über dem Wohnzimmersofa gewohnt.

Benjamin Sisko. – Dieser Mann hat definitiv schwerer als leicht, und seine Familie ebenso: Siskos Frau ist tot (gut, vielleicht hat sie es DOCH leicht), Jake ist quasi ein Wesley ohne Informatikunterricht und Ben selber erlebt den Tod seiner Frau in Gedanken immer und immer wieder. Was sich durchaus läppern kann. Ein hübscher Running Gag, über den wir gerne noch etwas länger gelacht hätten, der jedoch leider bereits im zweiten Teil des Pilotfilms durch die Wurmlochwesen austherapiert wurde. Ein locker gefragtes „Warum existierst du HIER?“ und Sisko schon stellt die Trauerarbeit der letzten Jahre kritisch in Frage und ist plötzlich auch ganz froh, dass sein Telefon nicht mehr ständig besetzt ist.

“Wenn du willst, dass ich dich räche, sterbe einmal für JA oder zweimal für NEIN!“ – Augen zu, Schädel auf und durch: Als Sisko das Schild „Hier kostenlos Sperrmüll entsorgen“ vor seinem Haus montierte, hielt er das noch für einen gelungenen Scherz. Immerhin konnte sich seine Frau darüber totlachen. Oder doch eher schrottlachen? Auch drei Jahre später wird Benjamin jeden Tag an ihren Tod erinnert. Sogar Farben und Gerüche erinnern ihn ständig daran! Um wenigstens letztere zu beseitigen, erwägt er nun, ihren Körper irgendwann mal abholen zu lassen…

Aber ich greife nicht nur wieder mal vor, sondern ich nehme auch den Pilotfilm nicht ernst genug. Doch da dies das erste DS9-Review seit der Abschaffung des einstelligen Mehrwertsteuersatzes ist, will ich diesmal alles ANDERS machen und zwischendurch häufiger die Clownsperücke abnehmen. (*Sparkiller behutsam von Kopf heb*) – Schließlich glauben viele von euch inzwischen felsenfest, dass ich DS9 mehr hasse als dieses Flunderschiff mit diesem entsetzlichen Koch. Ich will heute mal nicht drüber reden…

– Doch diese Auffassung stimmt nicht (mehr)! DS9 bietet zwar in den späteren Staffeln so viele Kritikpunkte dar, dass ein dampfhammersches Plattklopfen als handwerkliche Ausbildung gezählt werden müsste, doch insgesamt betrachtet ist diese Serie immer noch die tiefgehendste von allen. Als Beweiststück Alpha rufe ich hierzu nun den Pilotfilm in den Zeugenstand:

Erst nach und nach erschließt sich hier dem ganz und gar nicht geneigten Zuschauer (zumindest traf dies bei der Erstausstrahlung auf mich zu), die volle Tragweite seiner Entscheidung, der brandneuen ST-Serie eine allerletzte Chance zu geben. Die ganz große Politik quillt aus allen Poren und wird einen schmierigen Film hinterlassen, auf dem viele Zuschauer in den ersten beiden Staffel durchaus ausrutschen werden. Auch ich konnte zu Beginn nicht gleich meine Schlittschuhe aus der Ecke friemeln, da sich die neue Serie offensichtlich anschickte, mich zu verwirren und zu überfordern. Dabei waren es nicht mal so die verwirrenden Kuttenträger, die schrebbelige Bajoranerin, die rauchende Müllkippe auf der OPS-Zuwegung und ein seltsamer Kerl namens „Kai“ und seinem nicht minder unverständlichen Kollegen, dem „Übergangsregierung“, die mir Kopfschmerzen bereiteten.

“Na, warte du nur, du gemeiner Dieb!“ – „Aber… Aber… Ich habe doch gleich noch einen wichtigen Termin!?“ – Wie man’s „nimmt“: Hätte der Räuber geahnt, dass sich Odos hübsche Damenhandtasche hinter der nächsten Ecke in das Geschlechtsorgan eines Formwandlers verwandelt, hätte er sich stattdessen nur selbst davongestohlen. Und das alles nur wegen der undeutlichen Aussprache von Sisko: Eigentlich wollte er keinen Kleptomanen, sondern nur einen Klempner… Und der sollte dann auch kein „No-Brain“ sein, sondern auf den Namen O`Brian hören.

Nein, die größte Verwunderung erwischte mich beim Blick in den Rückspiegel, als Serien-Geburtshelfer Picard plötzlich eine sehr intellektuelle Version von „die Biege“ machte und mich auf einer fliegenden Radnabe im Nirgendwo zurückließ. „Jean-Luc, lass mich hier nicht allein!“ wollte ich ihm lauthals zuschreien, und der skeptische Blick meiner ehemaligen Nachbarn mir gegenüber deutet darauf hin, dass ich es damals tatsächlich getan habe. „Hier gefällt’s mir gar nicht, nein, gar nicht! Der Transporter reagiert nur mit Fußtritten, die Mitte dieser „OPS“ sieht aus wie etwas, das demnächst mit Beton ausgegossen werden soll und ein zerlumptes Waisenkind auf dem Proletendeck (oder wie das heißt) hat mir auf meine Slipper gebrochen! Flieg nicht so weit, mein kleiner Freund, ja? Hier bleibe ich maximal drei (Spät-)Folgen, Jean-Luc. Hast du gehööört? Im Namen unserer Liebe: Ich hasse diiiich!“

Als das Echo nach 2 recht unbeeindruckenden Nanometern in den Tiefen des Alls verhallt war, machte ich zusammen mit Sisko meinen ersten Rundgang im stationären Kreisverkehr. Auch wenn meine Angst noch immer übermächtig war – meine Finger gruben sich aus Angst vor Straßenräubern ganz tief in meinen Brustbeutel und auch in die von Dax – kam doch eine gewisse Faszination auf. Denn die Stammbelegschaft war bunter zusammengewürfelt wie eine Borg-Parade am Christopher-Street-Day!

Da war ein Typ, der sich mittels mittelmäßiger Morpheffekte in einen Terminator mit Orangengeschmack verwandeln konnte, ein Ferengie, der einen IQ-Test von Esspapier unterscheiden konnte, ein Arzt in der Pubertät, eine Rebellin mit Windspiel am Ohr, der gute alte und – vor allem – mir bestens bekannte O`Brian (mindestens 5 Folgen hing ich bibbernd an seinem Bein) und… ein Traum in Schwarzblau! Ein engelsgleiches Wesen, den Sternen gleich! Ein Lächeln, das eine Supernova überstrahlt! Beine von hier bis werweißschonwohin! – Schwebend spannte sie das Netz, in dem sie mich seitdem gefangen hält!

Dax! Die erste, einzige und vorletzte (ich gebe noch immer nicht die Hoffnung auf, Cameron Diaz mal als Captain zu sehen!) Frau bei Star Trek, die puren Sex mit einem einzigen Stirnrunzeln versprüht. Woanders ist es höchstens Botox (Seven, T`Pol). Und dann gibt es noch Frauen, die völlig überbewertet werden (Troi, Kes, Ezri) oder hässlich wie die sternenlose Nacht sind (B’ellana, Dr. Crusher, Janeway). Freche Mayweather-Nacheiferer wie Hoshi und Hartz IV-Frührentnerinnen wie Tasha Yar mal außen vor gelassen.

– Jadzia! Ich fress das Trill aus deiner Hand und bin auf ewig dein Vögelchen, oh Flecki mein! Warmherzig, hübsch, sexuell aufgeschlossen ist sie! – Und trotzdem lässt sie ihren Busen nicht zufällig auf die Konsole klatschen, um den Zuschauer zu einer ungesund nahen TV-Sitzposition zu verführen! Genau SO müssen selbstbewusste Frauen bei Star Trek sein, dann klappt’s auch mit dem Nacktbaden! Habe nach ihrem Serientod ganze 54 Minuten nichts gegessen! Jadzia, nimm dieses bescheidene Geschenk deines unwürdigen Dieners an! *Seven of Nine auf Guillotine leg*

“Nein, es ist vorbei, mein Lieber! Ich kann nicht mehr mit dir schlafen! Du bist einfach nicht mehr der Alte!“ – „Sie sollten vielleicht generell aufhören, in mir immer nur Curson Dax zu sehen, Commander!“ – Sein Park ist stark: Sisko wollte seinem alten Freund ursprünglich die Sterne vom Himmel holen. Oder alternativ ein Wurmloch bepflanzen. Nur will Curson plötzlich nichts mehr von den alten Tagen wissen. Er hat jetzt nämlich die in rot…

Wo war ich? Ach ja: DS9 füllte endlich eine Alltagslogik mit Leben, welche besagt, dass Lebewesen in der Regel viel mehr Vergangenheit als Gegenwart besitzen. Zumindest mehr, als dass man diese erst in einer Charakterfolge in der zweiten Staffel enthüllen sollte („Unglaublich, Riker! Sie haben einen VATER?!“). Die Vergangenheit der meisten DS9-Figuren war schon zu Beginn reichhaltig vorhanden. Selbst mittelmäßige Autoren konnten nicht verhindern, dass das enorme Potenzial auch hinter Alltagssätzen herauslugte. Aus einem Kira’esken „Ich muss mal!“ wurde so schnell im Geiste des Zuschauers ein „Cardassianer töten? Bomben legen? Lächeln? Mal wieder auf den Entsafter-Mönch?“

Heute hat sich das selbstverständlich gelegt, doch damals war ich erschüttert angesichts der Zustände auf der Raumstation: Odo schmuggelt sich mal gerade auf ein Cardassianisches Schiff, O`Brian drischt auf Konsolen ein, Sisko taucht auf dem Promenadendeck in Metallschrott, während man Picard höchstens das Raussuchen von nicht ausgespülten Joghurtbechern zugetraut hätte, Kira ist feindseliger als ein takalerianischer Grizzly (Metapher-Generator der Trekautoren©) und Siskos Wangenknochen passen kaum noch in den 2km/h-„Turbolift“, wenn er sich mal wieder über irgendetwas ärgert.

Als es in der Bibel hieß, „ich werde ihre Gebeine zermalmen“, dachte wohl jemand an das nervös zuckende Gebiss von Tobsuchts-Sisko…

Der Besuch von Gul Dukat schuf schon sehr früh ein Szenario der unterschwelligen Bedrohung: „Vor zwei Wochen war das hier noch mein Büro!“ – Ein Satz, den ich vermutlich einmal allen 17 Gastautoren auf dieser Internetseite entgegenhauchen werde. Wobei dieser bei einem Cardassianer noch bedrohlicher ist, da der gute Mann sich tatsächlich mit dem menschlichen Konzept von „Wochen“ vertraut gemacht haben muss. Warum? Plant er ein Ultimatum? Die unterschwelligen Drohungen und Psychospielchen zwischen Benjamin und Akneschnäuzchen sind bereits im Pilotfilm ganz großes Hörspielkino und werden aus auch sehr lange bleiben. „Wenn sie irgendein Problem haben: Ihre cardassianischen Nachbarn haben für jedes Problem eine Lösung!“ – Unheimlich! Schauderhaft! Würde mir das ein 14-jähriger Schüler entgegenraunen, würde ich mich in Erwartung eines sofortigen Messerstiches auf der Stelle in meine Embryonalhaltung zurückziehen!

“Ich vertrete heute Gul Dukat für die liebenswürdigen Gehässigkeiten zwischen den Zeilen und soll ihnen, Sisko, folgendes ausrichten: Oh!-Sie-sind-sehr-freundlich-Captain! Ich-und-mein-Waffenoffizier-haben-sie-sehr-lieb-gewonnen!“ – Dieser Azubi hat die Kernelemente einer guten Einschüchterung immer noch nicht richtig raus: Wenn die Kamera zu hoch eingestellt ist und man selber nur springend in’s Bild gelangt, kann ein Teil der Wirkung wieder verpuffen.

Für die Verhältnisse von Pilotfilmen entfalten sich die Ereignisse hier jedoch nur mit der Geschwindigkeit eines bekutteten Bajoraners beim Hindernislauf. Was ich jedoch sehr ansprechend finde, sind Pilotfilme seitdem – nicht nur bei Star Trek – doch meist hektische Schnitt-zeljagden mit dem Anspruch, sämtliche 1.289 amtlich registrierte TV-Zielgruppen persönlich anzusprechen und am Patschehändchen in jeden einzelnen Werbeblock und wieder heraus zu geleiten.

Da läuft nichts unter 19 blöden Witzen, 6 Actionszenen, 1 Erotikszene, 5 Schauplätzen, 3 neu eingeführten Technologien, 2 brandneuen optischen Ideen („Matrix“ ist doch noch relativ neu, oder?), 1 weiblichen Hauptfigur, 1 übermächtigen Gegner, 4 innovative Kameraschwenks (aus 25 Metern von einem Kran), 2 WIRKLICH innovative Kameraschwenks (Perspektive aus dem Nasenloch des Hauptdarstellers), 1 Statisten-Massenszene, 3 neuen Alienmasken, 2 neue Schiffsklassen und einem Schluss- und Schlüsselsatz wie: „Und ich glaube, diese 296 Atomexplosionen waren erst der Anfang von allem!“

DS9 geht da relativ entspannt zur Sache – ein üblicher Vorteil, wenn’s bei Star Trek gerade gut läuft – und schreckt (nur zur Sicherheit) sogar noch ein wenig ab, als Sisko der maskulinen Ohrgrabscher-Päpstin in die Finger gerät, welche ihm sofort das Läppchen auf Kniehöhe herabzerrt. Sehr mutig von den Autoren! Dennoch spürte ich bereits hier, dass Sisko durchaus seine Berechtigung im Trekuniversum hat. Nach dem dauerprügelnden Kirmeskirk und einem chronisch-ältlichen Aristoteles tat eine Mischform eigentlich mal ganz gut. Dass mir Hautfarbe und Rasse Schnuppe ist, solange sich niemand das Straßennetz der Eifel auf die Stirn tätowiert und dann seinem tierischen Berater die Flugkontrollen überlässt, dürfte eigentlich klar sein. Ich habe ansonsten schließlich nur was gegen flachbrüstige Frauen in Führungspositionen.

“Nicht, dass ich ihre Religion nicht schätze… Aber steht das mit der Reißzwecke wirklich in den alten heiligen Texten?“ – Sisko hätte es auch schlimmer treffen können: Er könnte ein Ferengie sein. Die Kai überprüft hier die Nervenverbindung zwischen Ohr, Zunge und einem seltsamen sprituellen Konzept namens „Doofguck“. Begründung für das alles: Wenn die Propheten gewollt hätten, dass Ohren NICHT abgequetscht wären, hätten sie schließlich die Nase an ihre Stelle gesetzt.

Der DS9-Pilotfilm ist somit mehr ein Phoenix-Programmbeitrag als ein MTV-Schnipsel und tut trotz mancher Längen auch ganz gut daran. Nachdem uns TNG zwei halbe Hähnchen unterschiedlicher Bauernhöfe als vollwertigen Pilotfilm aufschwatzen wollte, Voy mit einem kunterbunten Brainstorming verstörte und ENTERPRISE zwei Storylines einführte, von denen die eine langweilig war (Stichwort „Klingonentaxi“) und die andere nie eine Auflösung fand („Öööch bin aus der Zukunft! Archer ist voll dooof!“), muss man DS9 nachträglich dann doch den Status des besten Trek-Pilotfilms bescheinigen. Und ich tu jetzt einfach mal so, als würde ich das nervende „Nein!“-Blinklicht von Christopher Pike übersehen…

Erst als Sisko auf den „Drehkörper der Prophezeiung“ trifft, wird aus dem Politthriller, der sich anschickte, das Fernsehen schon vor Kiefer Sutherland neu zu erfinden („Sisko hat nur 24 Monate, um das bajoranische Volk zu retten! – Die Serie verläuft dabei in Echtzeit!“) ein kleines Adventure! Nach dem Befehl „kombiniere glitzernde Sanduhr mit schwarzen Captain“ ist alles wieder so, wie es vor TNG mal war: Zwar untersucht Dax den Drehkörper, faselt später aber weder von Energiespitzen, noch von Subraumschlenkern oder atomaren Pollenflug. Ein Drehkörper ist ein Körper der sich dreht. Basta. Und das wird sich auch bis zum Ende der Serie nicht großartig ändern. Denn es war nach Datas wissenschaftlichen Enthüllungsjournalismus mit Scanner und Probenbeutel einfach mal wieder Zeit, den Offizieren Demut und ein P.M.-Abonnement abzuringen. Es war Zeit. Zeit, dass sich was dreht.

Inzwischen sehe ich das religiöse Gefasel in DS9 auch etwas differenzierter. Nachdem mir Visionen in Form von silbrigen Drehkörpern namens „Babylon 5-DVD’s“ zuteil geworden sind („Der Sheridan ist von Bajor!“), bin ich zu einer neuen Auffassung gelangt: Epische SF-Werke ohne Mystik und Religion sind so spannend wie die weiße Wurmlochtapete beim Einbrennen in einen Plasmafernseher zu beobachten.

“Du bist eine ausgesprochen sexy aussehende Kopie meiner toten Frau, erschaffen von mystischen Wesen in diesem Wurmloch!“ – „Ach was… Den Spruch sagen sie doch bestimmt zu jeder Frau, die sie ansprechen, oder?“ – Im Wurmloch ist die Welle los: Benjamin trifft im Wurmloch noch mal sämtliche Menschen, die ihm seit Beginn des Vorspanns sehr nahe stehen. Im Moment kann er sich auch nur schwer von Curson Dax abwenden, der sich von Locutus nackt im Sand eingraben lässt…

Auch Widersprüche machen das Ganze erst schön: Zum Beispiel die um das Volk der Bajoraner, die schon vor Jahrhunderten mit Sonnenseglern durch’s All gereist sind (habe nie verstanden, wie hell die Taschenlampe sein musste, mit dem sie das Ding in den Orbit gebracht haben), aber seitdem zu blöd waren, eine Technik zu entwickeln, die über das Schütteln von Obstbäumen herausging. Selbst Battlestar Galactika, Star Wars, Stargate und sogar Andromeda (Herkules!) mischen religiöses Hintergrund-rauschen mit dem Sirren reinigender Laser. Warum nicht auch Star Trek?

Nach Babylon 5 muss man allerdings noch einen anderen Kritikpunkt anbringen: Bereits im Pilotfilm ist nicht ganz klar, wer wie wann was auf der Station zu sagen hat. Und warum wir dem überhaupt zuhören sollten. Wir fassen mal zusammen, um die Verwirrung komplett zu machen: DS9 ist eine Station der Bajoraner, verwaltet von der Föderation, geleitet von Sisko, gestellvertretet von einer ehemaligen Bombenlegerin im Außendienst. Und nun denken Sie sich bitte folgende mündliche Frage in der staatsrechtlichen Abschlussprüfung:

„Es tritt ein Notfall ein. Commander Sisko ist nicht erreichbar, Picard jedoch in der Nähe und ein Admiral der Sternenflotte per Subraum zu erreichen. Major Kira befindet sich an Bord, ebenso wie ein Angehöriger der bajoranischen Regierung. O`Brian ist der höchste erreichbare Sternenflottenoffizier. Auf dem Promenadendeck befinden sich 200 abstimmungsberechtigte Bajoraner. Die Fragen:

1.) Wer ist zuständig? Unterscheiden Sie nach sachlicher, örtlicher, finanzieller und arbeitsrechtlicher Zuständigkeit!

2.) Ist eine Volksbefragung möglich?

Bitte antworten Sie in höchstens 5 Sätzen und verwenden sie dabei mindestens 3, die aus Fachbüchern stammen, die von der hier anwesenden Prüfungskommission verfasst wurden!“

Und da wir schon gerade bei unerheblichen Kleinigkeiten sind: Siskos Besuch im Wurmloch hätte man dann doch einen Tick kürzer halten können. Klar braucht es Zeit, den Wurmlochwesen das Konzept von Zeit, Vergänglichkeit und Schneeblindheit näherzubringen. Eine kleine Straffung des Kapitels „Wenn der Zeitstrahl auf dem Strich geht: Lineare Existenz und die Folgen“ hätte dem Ganzen durchaus gut getan. Zumal man das ganze recht schnell hätte erklären können: „Erinnert ihr euch noch an das, was ich euch ganz zu Anfang erklärt habe?“ – „(Esoterische Stimme:) Ja.“ – „Wollt ihr in den nächsten Minuten noch mehr darüber erfahren?“ – „(ungeduldige Sphärenstimme:) Ja doch, ja!“ – „Wenn das so ist, wisst ihr jetzt schon alles!“ – „(Röhrende Herrenstimme:) Verdammt… Er hat uns! Ich wusste doch gleich, dass wir mit diesem Zeitlosigkeits-Quatsch bei ihm nicht durchkommen, Helga!“

Aber das sind nur Kleinigkeiten, wie gesagt…

“Guten Tag! Wir freuen uns, dass sie sich für einen Plasmafernseher unseres Fabrikats entschieden haben!“ – Der Abgesandte und schlechte Technik sind von Bajor: Sisko ist deutlich überbelichtet, was er nun durch einen genau gegenteiligen Gesichtsausdruck auszugleichen versucht. Aber der nichtlinearer Humor der fremden Wesen ist nun mal besonders schwer zu verstehen. Immerhin ist die Wartemusik ein echter Hit mit Herz! Kein Wunder, wurde er doch von einem waschechten Kardiologen eingespielt…

Dass die Cardassianer sich erst bereitwillig von Bajor zurückziehen und dann die Raumstation angreifen, sobald die Föderation mit an Bord ist, ist dann sogar noch etwas weniger glaubwürdig. Da hat der cardassianische Gul sich wohl ebenfalls von dem Konzept der linearen Zeit in’s Boxhorn jagen lassen. Eigentlich wäre bereits der erste Schuss auf die Station ein Grund für einen Krieg mit der Föderation gewesen. Möchte nicht wissen, wie oft der nochmals kurz zur Station zurückkehrende Picard („Bitte nimm mich wieder mit! In meinem Quartier machen die Deckenlampe gitterförmige Schatten!“ *Grein*) mit seiner Diplomaten-Fibel auf die Köpfe sämtlicher Admiräle schlagen musste, um diese so milde zu stimmen, dass man nie wieder etwas von dem Vorfall hörte.

Wie Chief O`Brian, Kira und Dax sich mit einigen Bluffs und nur einem halben Dutzend Torpedos aus der Affaire gezogen haben, war hingegen hübsch anzusehen. Da schwingt noch der diplomatische Unterton der TNG-Macher mit, der erst später gegen andere Slogans ausgetauscht wurde. Dank der Klinkerarbeiten eines Schwarzarbeiters, der nie bei seinem vollen Namen angesprochen werde wollte (Q), ließ sich später selbst bei schwersten Invasionen kein öffentlicher Träger mehr dazu herab, auf seine Bürger zu stürzen.

Wohingegen es im Pilotfilm realistischerweise noch Metallträger regnete und sich der Boden auftat, um unachtsame Bauchladenverkäufer in der stationseigenen Sickergrube willkommen zu heißen…

Dafür gurkte die Station nach dem Pilotfilm allerdings nie wieder unter Technobabbleunterstützung im bajoranischen Sonnensystem(?) herum. Wobei gerade das in den späteren Staffeln ein hübscher Winkelzug gewesen wäre: „Was soll das heißen, die Station sei nicht da? Kennen sie eigentlich die genaue Bedeutung des Wortes Station?“ – „Mister Vorta, Mister Vorta! Die Station kommt von der entgegengesetzten Richtung sehr schnell auf uns zu!“ – „Heilige Mutter Formwandler, was soll denn jetzt diese Sch…?“ – *Rattattatta* – *Mäh* – *Dresch* – *Splitter*

Besonders gefallen mir im Pilotfilm bereits die Kulissen, die im Vergleich zu TNG deutlich teurer wirkten. In Gold gepresstes Faszinosum! Denn massive Stahlträger zeigen nun nicht mehr, aus welchem Holz sie geschnitzt sind… Wobei allerdings auch eine clevere Beleuchtung dafür sorgt, dass nicht jede Unebenheit gleich in’s Auge springt. In den ersten beiden TNG-Staffeln kann man gerade beim scharfen DVD-Bild oftmals sehen, wo gegipst, geleimt und beim Besuch der freundlichen Porta-Lieferanten überall mit den Stühlen im Flur angeeckt wurde… Die Station wirkte auf mich von Beginn an (an)greifbar und real.

“Oh, höret ihr auch dieses himmlische Klopfen?! Dies sind bestimmt die Propheten! Lasset sie ein, Brüder und Schwestern! Öffnet die Herzen und die Luftschleusen!“ – Ach, SOOO gelangt also die monatliche Kirchensteuer zu den Propheten in’s Vakuum… Wer immer noch glaubt, dass es gar nicht so wild ist, mit diesen religiösen Fanatikern auf einer Raumstation zu leben, sollte auf dem Promenadendeck mal spaßeshalber Karikaturen des Abgesandten verteilen…

Fazit: Spannung, Spaß und Kinderblockade. DS9 wirft den Zuschauer zwar nicht in’s kalte Wasser, aber einen dreckigen Tümpel muss man es dann doch schon nennen! Die ersten Charakterszenen wissen jedoch zu gefallen, Die Bajoraner tragen Kutten, die Station sieht hervorragend aus (da noch nicht aus dem Computer) und Sisko ist der Abgesandte. Was will man denn mehr, hä?

*Zuleser solange schüttel, bis die „Firefly-Reviews!“-Rufe endlich verklingen…*



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Artikel

von Klapowski am 13.06.06 in Star Trek - Deep Space Nine

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Kommentare (9)

  1. Dr.Best (der mit dem Schwingkopf) sagt:

    Um zu verhindern, dass mein ERSTER auch gelöscht wird hier noch schnell mein tiefsinniger Kommentar: Erst heute kam mir die Idee entweder Pilotfilm DS9 oder Voyager – Die Vergewal… Mist, falsche Seite. Also "Voyager, der Fürsorger – Wie das Unglück seinen Anfang nahm." Schön das der telepathische Gedankenaustausch so gut funktioniert!

  2. nakedtruth sagt:

    Was ist den Firefly? Kann man das essen?

    Aber ENDLICH wird die beste aller ST-Serien, die quasi als Prinz des Dreigestirns eine meiner Herzkammern besetzt, (eine weitere für B5, ein Vorhof für SPACE) auf dieser Seite gewürdigt.

    Weiter so. Und mit dem Schluss der zweiten bzw. Beginn der dritten Staffel nimmt die Story dann richtig Schwung auf. Der Sisko verlagert sein Haupthaar Richtung Hals.

  3. paranoid android sagt:

    Den Religionskram fand ich am Anfang der Serie auch noch ganz nett. Da wurden die "Götter" ansatzweise wissenschaftlich erklärt: Sind halt ein hochentwickeltes Volk, das auch in Milch schwimmt und sich einen primitiven Planeten als Kindergarten hält. Warum nicht? Da freut sich das kleine Wissenschaftler- und Atheistenherz.
    Erst mit der Einführung der Blah-Geister gegen Ende ging es dann los mit "Der Murks ist von Bajor".
    Eine Fortsetzung in alter Qualität und einen würdigen Abschluss gibt es übrigens in den DS9-Relaunch-Romanen. Sehr empfehlenswert und mit Trek-Insider-Nebenhandlungen nur so vollgestopft. Sogar die fiesen Parasitenviecher aus der Anfangszeit von TNG haben einen Auftritt- und bekommen eine Vergangenheit!

    Ach ja, ich bin übrigens überzeugt, dass Bajor für die Propheten eine Art Fernsehprogramm a la Big Brother darstellt. "Eure Jahrhundertaufgabe: Besiegt die feindliche Besatzungsmacht! Haben sie geschafft? OK, dann schicken wir mal unseren "Abgesandten" rein, um den Laden etwas aufzumischen, harrr harrr!"

  4. DJ Kloficker sagt:

    Guten Tag, du alte Sau! Das mit dem Unterwürfigsein haste aber keinesfalls drauf, und ein dummer Spruch über MEINE, M-E-I-N-E Seven und das war's … keiner lässt was an mein Jerilynnchen drankommen! Ach so, ansonsten ganz nett, der Artikel, aber nimm deine Wichsgriffel von Ihrer Heiligkeit!

  5. hotzenplotz sagt:

    blöd oder was?

  6. bergh sagt:

    tach auch !
    @Hotz
    Was erwartest Du bei dem Namen ?

    Ansonsten : Schöner Artikel.
    Und an MEINE Seven lasse ich nur Wasser und CD.

    Gruss BergH

  7. crysis sagt:

    @Dr. Best:

    Telepathie muss wirklich im Spiel gewesen sein, auch in meinem Kopf spuckten nur 2 Stunden vor Veröffentlichung des Artikel Bilder von Terry Farrell, wie mein Post im Artikel "Tsunkatse" beweist! "Werbung durch Gedankenkontrolle" ist ein Konzept das Fürsorger Klapowski offensichtlich aus dem TOS-Pilotfilm enwendet hat.

    @Hotz und BergH:

    Ach Jungs, was ist das schön! Endlich mal wieder ein Kommentar mit dem Sinninhalt eines DJ Ötzi Liedes, der sogar die Redaktion von StopHipHop.de vor Neid erblassen lässt. Nicht nur Klapowski wünscht sich schon seit langem wieder mehr Ärger, schließlich ist eine Satireseite immer nur so gut wie ihr Bösewicht, oder anders gesagt "Inkontinenz belebt das Geschäft".

  8. DJ Kloficker sagt:

    @Alle nach mir:
    Nix humorlos, das musste halt bloß einfach mal raus. Andererseits, wenn Bedarf nach Zoff besteht, auch gerne.

  9. Auswurf sagt:

    Ich hab jetzt irgendwie Hunger auf Tuhnfischpizza. Lecker!

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