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„Marslandung – wofür“? – Zukunftia macht den Faktencheck

Seit Jahrzehnten lesen wir davon (Okay, die Stargate Universe-Fans maximal seit ein paar Jahren): „Bald“ könne die erste Marslandung bevorstehen, sobald die letzten technischen Fragen geklärt sind. Zum Beispiel die, wie wir mittels eines künstlichen Paralleluniversums in ein Amerika gelangen, das sich die kostspielige Reise zum oberroten Planeten leisten kann. Wir von Zukunftia fanden jedoch die Lösung: Wir rechneten alle Erfahrungswerte aus den Bereichen Technik, Politik, Psychologie und Kultur zusammen und können nun einen Besuch auf dem Mars simulieren…

Die lebensechte Holo-Simulation startet direkt im Zukunftia-Redaktion, nachdem Sparkiller die Wände mit 9.400 blau reflektierenden CD-Rohlingen ausgekleidet hat.

Die erste visuelle Überraschung: Die Marsstation des Jahres 2083 ist kompakter als gedacht. Die Grundfläche ist kleiner als die des Bielefelder Rathauses, riecht aber besser und die Leute, die draufstehen, wirken nicht ganz so deplaziert. Alle paar Meter lärmt ein Lüftungsschacht, um frische Luft aus dem Aboretum in den ganzen Komplex zu blasen. Wer nicht ein Mindestgewicht von 70 Kilo auf die Waage bringt (nicht das Sternbild ist gemeint!), wird unweigerlich an die Decke geblasen und kann sich irgendwann die Radieschen von oben anschauen. Daher sind diese mit rotem Absperrband markiert. Manchmal schwebt auch ein rot-weißes Verkehrshütchen in der Luft herum.

Der „Stationsvorsteher“ (ja, das IST die offizielle Bezeichnung, da Deutschland 30% der Kosten getragen hat und 0,03% der abgebauten Marsrohstoffe erhält) begrüßt mich mit einem fröhlichen „Ja, wen hammwa denn da?“ und macht mich sogleich mit den Vorschriften bekannt.

Auf den Fluren darf nicht gerannt, gerufen, gegessen oder Kopftücher getragen werden, es sei denn, man ist nicht dienstlich unterwegs. Das Verlassen der markierten Laufflächen ist nicht erwünscht und auch nicht erforderlich, da die Laborkomplexe gar nicht betriebsbereit seien. Der Fachkräftemangel habe dazu geführt, dass man stattdessen 20 Dönerbuden installieren musste. Der Bundespräsident bereite vermutlich in dieser Minute eine Rede vor, welche betont, dass die Türkei auch ein Teil des Europäischen Marses ist.

Die Marsstation in all ihrer Pracht. Das rote Licht muss künstlich verbreitet werden, da die Bundesregierung sonst vergeblich 12 Millionen Euro2.0s für eine Studie über dessen Gefährlichkeit ausgegeben hätte. Natürlich IST das (künstliche) Licht schädlich, doch nun hat man einen Grund, die „Illuminierenden Neutralisierungs-Alkoven“ zu nutzen. 13 Jahre Entwicklungszeit hat es gebraucht, bis man merkte, das eine weiße Glühbirne in einer Pappschachtel, in welche man seinen Kopf steckt, am besten geeignet ist…

Am liebsten ist es dem Leiter aber, man würde die Flure GAR NICHT betreten, da die Plexiglaskonstruktion nicht die stabilste sei. Die Ausschreibung an Siemens und Thyssen/Krupp sei damals fehlerhaft gewesen, doch niemand im Beamtenapparat habe sich getraut, dies zu erwähnen, solange der Verwaltungsvorstand über die Anschaffung der neuen Kopiergeräte beratschlagte.

Und schließlich habe man erst 5 Jahre zuvor in den Atomausstiegsverträgen eine Klausel gefunden, die es den Konzernen erlaubte, 158 neue Kernkraftwerke auf dem technologischen Stand von 1960 zu errichten. Da wollte man die Bevölkerung der Erde nicht noch zusätzlich verunsichern.

Er zeigt mir eines der wenigen laufenden Experimente: Kressezucht bei Niedrigschwerkraft. Ich frage, ob dies nicht schon vor Jahrzehnten uninteressant geworden sei. Mein Gastgeber kann seine Verärgerung kaum verbergen: „Diese Station hat 29 Milliarden Euro2.0s gekostet! Sie glauben doch nicht, dass wir dies rechtfertigen könnten, wenn nicht an industriellen Anwendungen der Marsschwerkraft geforscht werden würde? Fragen sie lieber mal die Esoteriker von der Uni Münster, was sie da treiben!“ Er weist auf eine Gruppe Menschen in Boxershorts, die in einer Luftschleuse sitzen und stoßweise Atemluft ablassen, bis sie röcheln.

„Ja, wir gehen manchmal raus, aber nur für Pressefotos.“ – Stolz zeigt mir der Marsstationsleiter die ersten Bilder von der erfolgreichen Besiedelung des Planeten. Weitere praktische Anwendungen erhofft sich nach dem Eintreffen einer Großkontingents an „Schäufelchen und Eimerchen“.

Mein Führer holt erneut aus: „Nachdem die Bachblütentherapie, die Rosenquarzfernheilung und die Extreme-Homäopathie (= noch weniger Wirkstoff pro Tablette als Schwedische Kunstfilme im Universum) von den Krankenkassen als alleinige Heilmittel zugelassen wurden, da diese extrem günstig sind, sucht man hier nach neuen Anwendungen von spinnerten Wahnsinnsaktionen. Der Sauerstoffentzug und das Platzen der Zellen in der Mars-Atmosphäre soll Erkältungen vorbeugen, die Leber glätten und das Bindegewebe entspannen. Etliche Heilpraktiker haben sich das Verfahren bereits bei gegenseitigen Gesprächen bestätigt.“

Ich nicke und wir gehen weiter. „Was genau ist für sie das Erhebende, auf dem Mars zu sein?“, will ich von Rainer Möller-Beck wissen, der ein paar Kilos zu viel mit sich herumträgt.

Er macht eine wegwerfende Handbewegung und sagt: „Den Mars sieht man hier eh nicht. Wie sie sehen, sind die Fenster alle zugehängt, weil diese keinen ausreichenden Strahlenschutz boten. Der TÜV München hatte bei den damaligen Testreihen nur Schokoriegel gegen die Scheiben geworfen. Ein Verständnisfehler. Die Techniker sollten die MARS-Tauglichkeit testen.“

„Aber die Menschenheit!“, rufe ich aufgebracht. „Sie hat es endlich geschafft! Einen anderen Planeten betreten! Star Trek ist Wirklichkeit geworden! Unsere kühnsten Träume! Nichts kann uns jetzt noch stoppen!“ Ich will ausholen, um einen schweren Bronzeglobus zu umarmen, dessen Transport den Steuerzahler 23.100.000 Euro2.0s gekostet hat (Der SPIEGEL berichtete darüber).

„Okay, dann lassen wir jetzt soooo viel Wasser in den Raum und sehen dann, was mit der Versuchsperson passiert!“ – Gegen eine hohe Gebühr darf Pro.7 die „megamagische Marsatmosphäre“ in der Versuchsstation für die große „Kriegsgott-Mystery-Show“ verwenden. Hier sehen wir den Enkel von Löffelchenstellung-Legende Uri Geller!

„Vorsicht, der nächste Bereich steht unter Wasser“, unterbricht mich mein Führer. „Der Druck des Marsgesteins hat die Rohre verengt, so dass das Wasser mit zu großer Kraft herausschießt. Mit dem nächsten Versorgungsflug sollten Ersatzteile eingeflogen werden, aber die entsprechende Firma kann momentan das Material nicht liefern, da nach dem Zusammenbruch von Opel im letzten Jahr die Industrie von ganz Deutschland brachliegt. Sie versuchen jetzt Teile aus Griechenland zu beschaffen, aber aufgrund der neuen Sparmaßnahmen streiken dort die 500.000 Rikschafahrer und die arbeitslosen Organhändler blockieren die Nebenstraßen.“

„Aber… Das ist ja alles Fürchterlich! Was tun wir dann überhaupt hier? Was haben wir von dem Projekt?“

„Nun, Gestern hat eines der Erkundungsfahrzeuge vier Kilo Marsgestein gebracht.“

„Aber wissen wir darüber nicht schon längst alles?“

„Auf Astro TV wollen sie es für 500 Euro das Gramm verkaufen. Heilt angeblich Liebeskummer und Zahnfleischbluten. Haben sie gesehen, dass der Sohn von Walter Freiwald neuerdings als Kriegsgott verkleidet auftritt?“


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Artikel

von Klapowski am 12.08.11 in All-Gemeines

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Kommentare (1)

  1. Exverlobter sagt:

    Klar, heutzutage macht das wenig Sinn da hoch zu fliegen. Aber wenn gigantische Sonnenspiegel den Planeten soweit aufgeheizt haben, dass Menschen im Zuge des Terra-Forming dort leben können, lohnt es sich vielleicht in 300 Jahren. Schließlich brauchen wir ja eine menschliche Kolonie falls das Armageddon/Deep Impact-Szenario Wirklichkeit werden sollte

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