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Doctor Who – 5.04 – „The Time Of Angels“ Review

Bitte nicht verwechseln: Wenn man in dieser Episode nicht lange genug hinschaut, stirbt man. Wenn man hingegen bei „Stargate Universe“ ganz genau hinschaut, tritt der Hirntod ein. – Steven Moffat erntete einst viel Lob für seine Folge „Blink“, in der unheimliche Geschöpfe den Doctor bedrohten. Da ihm die Stelle mit dem späteren Lob wohl besonders gut gefiel, bekommen die Statuen von einst nun einen eigenen Zweiteiler. Doch kann der neue Showrunner an den Erfolg anknüpfen und eine neue Kultgeschichte stricken, oder hat er nachträglich den Faden verloren?


So ganz kapiert habe ich jetzt ja noch nicht, wie diese „Hell’s Angels“ funktionieren. Bislang war die ganze Geschichte für Physiker mit Phantasie ja noch irgendwie logisch („Quantenversiegelte Lebensform. Wenn du sie anschaust, können sie sich nicht bewegen.“), aber langsam wird’s/war’s doch etwas merkwürdig: Das bloße Bild eines Angels kann also nun ebenfalls zum neuen Steinbeißer werden!? Dramaturgisch ist das natürlich klasse aufgebaut, lässt dies doch für spätere Folgen eine schöne Erklärung zu, warum nachträglich irgendwo mal einer von denen auftaucht. Motto: „Scheiße! Ich wusste nicht, dass meine Digicam einen Cache selbst für gelöschte Bilder hat!“

Logisch ist das aber höchstens so konsistent, wie die Idee, meinen Monitor abzubauen und Sparkiller zu bringen, damit er alle Filme schauen kann, die ich auf dem Rechner habe. Und irgendwie scheint der Glaube der Menschen ebenfalls eine große Rolle für diese Rasse zu spielen. So verwandelt sich Amy Pond langsam auch in einen „Gucknich“ (= Stammen die Angels von Angehörigen südländischer Straßengangs in Deutschland ab?), allerdings nur, solange sie nicht das Gegenteil glaubt. Das ist dann wohl ein interessantes Feld für Motivationsgurus („Taschakaaa, du hast kein Herz aus Stein, believe it!“), könnte aber auch rasch ins Nervige abdriften, wenn es demnächst häufiger mal heißt: „You are human! Flesh and blood and so on!“

„Wieso weint sie? Haben wir ihr etwas getan?“ – „Heidi Klum hat ihrer Show gesagt, dass die Angels sooo hässlich sind, dass sie sie nicht mal ansehen würde, wenn ihr Leben davon abhinge.“ – Eine Runde Augentropfen für alle: Beim neuen HD-VHS-Signal der Zukunft mögen zwar die Bilder nicht mehr scharf sein, doch die ZÄHNE werden es, verdau… vertraut mir!

Überhaupt muss man langsam aufpassen, die Betonköpfe nicht zu mächtig werden zu lassen, siehe ihre nicht minder betonköpfigen Verwandten in der Politik. – Das wird bestimmt noch (verneinend) erklärt, aber WENN es demnächst ausreichen würde, an irgendeinem anderen Ort auch nur an die Statuen zu denken, um selber einer zu werden oder eine herbeizurufen, ist das Konzept wohl etwas aus dem Ruder gelaufen. Aber: Läuft es überhaupt wirklich aus dem Ruder, wenn man als Kritiker nicht so gaaanz genau hinsieht? (Mildtätigkeit, in die Seriendramaturgie eingebunden. Mann, bin ICH gut!)

Eigentlich fehlte hier nur noch, dass der Doctor überall Knallererbsen ausstreut und dann mittels eines Flipcharts erklärt: „WENN wir wegschauen, der Untergrund es den Angels aber unmöglich macht, sich lautlos zu bewegen, sind wir ebenfalls sicher. Denn solange wir sie HÖREN können, können sie sich nicht bewegen!“ – „Doctor, einer der Angels hat sich in die Hose geschissen, da er sich vor uns erschrocken hat!“ – „Thaaaat’s greaaat! Solange wir sie riechen können, können sie uns nichts tun!“ – Wobei ich diese Schiene schon fast wieder gut und logisch konsistent fände. Hätte mir als neue Idee und zusätzliche „Kampftaktik“ prima gefallen!

Da man viele Feinheiten zu Beginn noch nicht wusste, fragte man sich auch, warum die Truppe überhaupt in die Höhle gegangen ist. Dann lieber nackt eine Horde Taliban nach dem Weg fragen und dabei einen munteren Mohammed-Scherz auf den Lippen tragen! – Eigentlich hätten alle Beteiligten schon dreißigmal tot sein können, als sie auch nur einen Fuß in die Gruft der Geröllheimers setzten. DAS zerrte dann auch ein wenig an der Glaubwürdigkeit und Horrofaktor: Einerseits steht Amy laaange vor einem Angel und darf nicht zwinkern, andererseits gehen die Soldaten alleine(!) durch die Gänge, wobei ich definitiv im Hinterkopf keinen Augen oder zusätzliche drei bis sechs Taschenlampen gesehen habe.

„Nehmen sie die blöde Taschenlampe aus meinem Gesicht! Ich bin keine hirnlose, halbtote, mörderische Statue!“ – „Sagen sie das nicht, Sir! Wenn ich das richtig beurteile, sind sie ein immerhin Nebendarsteller, Soldat uuund in einer ausweglosen Situation!“ – Starr-tuen, wohin man auch starrt: Bei den Gesellen links fehlt noch etwas der letzte Schliff, bzw. „Hau“. Aber vielleicht ging des Steinmetzen in dieser Episode auch einfach die Zeit aus: „Was?! Noch 3 kaffeetrinkende Statuen und eine beim Federballspielen? Doch nicht für 5.000 Brutto!“

Gerade etwas weiter hinten merkt man deutlich, dass die „Sonnenbrille-zu-dunkel-und-du-bist-tot“-Idee deutlich an Schwung verliert und leichte Versteinerungstendenzen zeigt. Gehört wohl zu den vielen Dingen, die nicht wirklich spannender werden, je häufiger man sie zeigt. Mal sehen, ob die Fortsetzung noch eine Steigerung bringt oder man dort nur noch wegen der eigenen Genervtheit Probleme mit der Zwinkerverbot bekommt. – Augen verdrehen zählt ja sicher ebenfalls als Wegschauen?

Schön fand ich aber den Beginn der Folge, als der Doctor im Museum(!) einen an ihn gerichteten Notruf gefunden hat und er mal eben eine alte… ähm… ZUKÜNFTIGE Bekannte in der Vergangenheit retten durfte. Ich liebe so etwas! Jaaa, die Zeitlinie muss mächtig missbraucht werden, das dreckige Luder will es doch auch! (Finger weg von der Standuhr, Pater Päderasto, ich habe sie zuerst gesehen!)

Etwas ernüchternd war für mich allerdings seine – vermutlich – zukünftige Frau. Okay, die sah sicher früher mal knackiger aus („Wieso nennst du mich immer ‚Martha‘ und willst, dass ich mir beim Sex Schuhcreme ins Gesicht schmiere?“), jedoch war der Schabrackenfaktor nicht nur dem postmenstruellen Erscheinungsbild geschuldet. Dieser „Ich hab alles immer im Griff“-Habitus nervte nach einer Weile nämlich schon ein wenig, wurde aber gottlob weniger, als die Statuen alle (unbezwinkerten) Blicke auf sich zogen.

„Ich glaube, ich weiß schon, warum ich mich in sie verlieben werde.“ – „Sind es ihre Brüste, die sich nur durch deinen Sonic Screwdriver aufpumpen lassen?“ – „Nein. Sie ist die einzige Frau, die jemals alle 26 Hundekuchen bei ‚Nintendogs‘ freigeschaltet hat!“ – Liebe auf dem zukünftigen ersten Blick: Schön ist sie nicht, dafür aber schrill. Praktisch „Schreckschraube meets Screwdriver“…

Auch Amy Pond hält sich ganz wacker und benutzt eigenständig ihr ganzes Weltraumlaientum, ohne zu viele doofe Fragen zu stellen („Duuu? Ich und der Zuschauer haben vergessen, wie das hier alles funktioniert!“). Teilweise rettet sie sich ja sogar selbst und hat wunderschöne Ideen, passend zu ihrem Aussehen. Wenn ich da an Donna Noble denke – was ich besser nicht tue, sonst erwacht sie in meinem Kopf womöglich zu neuem Leben (*Grusel*) – gefällt mir die Gesamtmischung hier einfach besser.


Fazit: Eine aussagekräftige Bewertung kann wohl erst nach dem zweiten Teil erfolgen.

Die Prämisse ist allerdings immer noch gruselig und kultig und bietet frische Infos zum Thema „Mama, wo kommen eigentlich die ganzen Horrorgestalten her?“. Die neuen Ideen können aber nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass es mittelfristig schwierig ist, abwechslungsreiche Geschichten über Wesen zu erzählen, die nur irgendwo rumstehen. – So lange noch alles „gut“ läuft. Aber immerhin haben die Anglezisten jetzt auch die Stimmen der Getöteten, wodurch das Ganze nun entfernt an die Steven-Moffat-Folge „Silence in the Library“ erinnert.

1 Ohren1 Ohren0 Ohren3+
SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Dreh Dich nicht um, der Engelbert geht um!
Für solche temporalen Spielereien wie in dieser Who-Folge bin ich ja immer zu haben: Frau Song überfällt ein Raumschiff und ist sich dabei felsenfest sicher, dass der Doktor ein paar Tausend Jahre später in einem offenbar gut sortiertem Mega-Museum von EXAKT diesem Moment eine Aufzeichnung sehen wird. Sehr beeindruckend für einen Typen wie mich, der sich schon freut, wenn am nächsten Morgen die Socken noch an der selben Stelle hängen.

Okay, die Museumswächter sahen merkwürdigerweise aus wie stinknormale Streifenpolizisten (Erzählte man nicht etwas von kopflosen Mönchen?), was aber im gleichfalls vor Normalität stinkenden Military-Look der „Pfaffen-Streitkräfte“ konsequent fortgeführt wurde. Mensch, ich erwarte doch nicht viel. Aber ein bisschen Silberfolie oder ein paar Blinkelichter für die Mode der Zukunft muss doch noch im Budget drin sein, oooder?

Vielleicht war aber auch schon das Geld verplant für die (ja, ich weiß, ich wiederhole mich) schönen Kulissen und netten Effekte. Allein damit kann man bei mir ja schon Anti-Bestnoten verhindern, wenn sich jede Folge wie ein eigener kleiner TV-Film anfühlt. Das, und die vielgelobte Spannungsmucke mit ihrem wuchtigen DA-DA-DADADA-DA… da.

Außerdem muss ich zugeben, dass diese Steinengel es erneut trotz ihrer simplizistischen (Hui-jui-jui!) Darstellung schaffen, mir einen unwohligen Schauer über den Rücken zu jagen. Sehr toll daher auch die Szene mit Amy Pond und der Engel-Aufzeichnung im „Wohnwagen“. Und vielen Dank auch, dass ich wohl die ganze Nacht den kitschigen Gartenzwerg im Vorgarten nicht aus den Augen lassen werde.

Das Ende dieses Zweiteilers war dagegen nicht so der Knüller, dafür wirkte der abschließende Abschuß des glühenden Schwabbelballs durch den Doc doch etwas unspektakulär. Immerhin, die „Who ist stinkig“-Stimmung und die Actionmucke reißen das Ganze wieder gut raus.

Dieser wirkte übrigens erneut wieder etwas machtlos, was ich NOCH sehr begrüße. So langsam könnte man aber doch mal auflösen, wer denn diese River Song ist. Schon nach „Silence in the Library“ (vierte Staffel) war dieses ewige Ins-Tagebuch-glotzen ja bereits etwas abgenudelt. Aber wenn iiiich mal raten dürfte: Bei der Tante handelt es sich um die ältere Version der Tochter vom Doctor, welche wir bis jetzt ja nur in einer Folge („The Doctor’s Daughter“) zu Gesicht bekamen. Kann mir doch keiner erzählen, dass man die nicht wieder aufgreift!

Fazit: Die Gargoyles zum Knu… Gruseln sind zurück, auch wenn sich der Fürchtefaktor mittlerweile etwas abgenutzt hat. Besser als ihr Dalek-Vorgänger war diese Folge aber allemal, daher von mir eine gerade-noch 2 minus. (Nach dem Zweiteiler ist jetzt aber bitte mal Schluss mit dem Best-Of der Fieslinge, ja? Bei so was ist es schließlich nur noch ein kleiner Schritt zur albernen Eigenparodie.)


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Artikel

von Klapowski am 25.04.10 in TV-Review

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Kommentare (4)

  1. wrath-of-math sagt:

    Ich find’s ja irgendwie traurig zu sehen, dass dieser Artikel hier schon seit einem ganzen Tag so einsam und unkommentiert in der Gegend rumsteht. Aber ich hätte in diesem Fall leider nur Positives und Zustimmendes beizutragen, und das wäre ja irgendwie so was wie ein Eingeständnis.

    Der Video-Engel war von der Logik her natürlich doof („Von der Logik her doof“ ist ja aber sowieso der Untertitel von Dr. Who). Dennoch war’s für mich der beste Moment der Episode. Schön gruselig, noch dazu weil nicht Soldat XYZ bedroht wurde, sondern die schnuckelige Amy. Gut (bei The Ring) geklaut, ist halb gewonnen.

  2. Raketenwurm sagt:

    Ich fand den Cliffhanger eigentlich gerade gut, weil eben nicht wieder zum dem Standard gegriffen wurde, den Doctor in eine aussweglose Situation zu bringen und ihn die erst in den ersten 5 Sekunden des nächsten Teils zu lösen – womit sowieso jeder rechnet, sondern das gleich schon ans Ende mit heranzupacken.
    Ansonsten kommt die Folge bei mir noch ein bißchen besser weg, als bei Euch, wenngleich so schön gruselig wie Blink wird es tatsächlich nicht mehr werden.

    Übrigens gibt es von der allerersten DoctorWho-Folge nun eine deutsche Spaß-Synchro:
    http://www.myvideo.de/watch/7427101/The_Travelophoners_Teil_1_Doctor_Who_Fansynchro
    – mein Humor ist es nicht, aber wer schon immer mal die erste Folge sehen wollte, aber immer nach 5 Minuten gelangweilt ausgeschalten hat, für den ist das wirklich prima…

  3. Vanquish sagt:

    Das liest sich fast so, als erinnert sich der Autor an Silence in the Library nur wegen der Stimmen und nicht wegen der mysteriösen Hauptperson, die den Doktor so gut kennt. Zugegeben, ich habe die Folge erst vor ein paar Monaten gesehen und die Haarfarbe war eine andere. Dafür gehört die Note aber noch gesteigert.
    War nämlich wieder schwer gruselig, auch wenn ich es diesmal geschafft habe, das Lich in der Wohnung auszulassen. Als Amy anfing, abwechselnd zu blinzeln, das war echt genial. Ich werde das für die nächste Folge trainieren.
    Und habe ich das richtig mitbekommen, der Doktor ist über 900 Jahre alt, 800 davon mir der TARDIS unterwegs und er hat noch nicht rausgekriegt, dass man die Handbremse lösen sollte? Kein Wunder, dass die TARDIS ihn immer dahin bringt, wo es gefährlich ist, die will ihn loswerden. Ist schließlich sowas wie ein lebendes Wesen, oder?

  4. bergh sagt:

    tach auch 1

    Soweit so gut.
    Der Gag mit der Handbremse war wirklich etwas mau.
    Aber sonst war es solides Doctor Who.
    ich weiß noch nicht, ob ich den neuen mag., Gut spielen tut er aber und die neue Companion ist wirklich gut.

    Schabarcke fand ich jetzt etwas hart für Alex Kingston,
    die ich seit der ersten Folge in ER mag . (Also die erste Folge wo sie auftritt.)

    Aber gut ich bin ja auch älter .

    Gruss BergH

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