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„Squid Game“ – Review der ersten drei Folgen

„Squid Game“ – Review der ersten drei Folgen

„Squid Game“ ist eine der erfolgreichsten Serien auf Netflix. Angeblich spielen Schulkinder die todbringenden Spiele bereits nach (der Scheck vom Netflix-Marketing ist unterwegs, Kids!) und Nordkorea benutzt die Serie, um auf die schlimmen Arbeitsbedingungen in Südkorea hinzuweisen. Doch ist hinter dem dystopischen Dauerlutscher auch Qualität und das Zukunftia-Siegel-of-Gutfinding vorzufinden? – Wir haben extra unser Ersch(l)ießungskommando auf dieses Review angesetzt.


Dass es hier um die Beleuchtung der kapitalistischen (Arbeits-)Welt geht, müssen wir nicht näher beleuchten, oder? – Wer das nicht mitbekommt, wird auch mit Hilfe der Zukunftia-Kommentatoren unmöglich seine Hochschulreife nachholen.

Trotzdem noch kurz ein Trailer:

Das „Friss oder stirb“-Prinzip ist nicht neu… Vor 5-10 Jahren gehörte es geradezu zum guten Ton (= genauer: ein schriller Schmerzensschrei), junge Menschen dafür kämpfen zu lassen, zusammen mit anderen jungen Menschen ihren Platz in der Zukunft zu erkämpfen. Denn erst, wenn die alten, weißen Männer in sehr neuen, weißen Laborkitteln weg sind, kann man … äh… irgendwie sich selbst finden? Irgendwo?

– Wir sahen es bereits in der grandios überbewerteten „Hunger Games“-Vielologie.
– Wir sahen es in den drei „Die Bestimmung“-Filmen, deren Darsteller und Look mich immer noch auf eine Porno-Parodie hoffen lassen.
– Wir sahen es in den drei „Maze Runner“-Filmen, in denen die jugendlichen Schweretöter sich in den Geschmacksrichtungen „Labyrinth“, „Brandwüste“ und „Todeszone“ mal kräftig aus-rebellieren durften.

Nun folgt also die asiatische Variante mit „Squid Game“. Hier treten hunderte verschuldete Menschen an, um sich bei tödlichen (und dadurch rötlichen) Spielen gegenseitig den Sieg zu mopsen. Die Spiele selbst sind dabei wie auf einem Kindergeburtstag: Zum Beispiel sich bei bestimmten Signalen nicht mehr bewegen… Wer Fehler macht, wird von den schrill gekleideten Aufsehern erschossen.

So weit, so 2013-Gut.

Um es vorweg zu nehmen: Toll gefiel mir nur das ENDE die Pilotepisode.
Der Beginn ist jedoch sehr vergurkt.

Statt das Problem von verschuldeten Menschen ernst zu nehmen, zerrt man hier den comichaftesten Trottel zutage, der an seinem Schicksal selber Schuld ist. Faul und bräsig beschimpft er seine Mutter, arbeitet nicht, klaut seiner Erzeugerin dafür aber die Kreditkarte. Und wenn der Mann nicht gerade mit Overacting beschäftigt ist (ich weiß schon: Ist bei den Asiaten üblich), verballert er seine Kohle an der Rennbahn oder schenkt seiner kleinen Tochter ein Feuerzeug(!) in Form einer Handfeuerwaffe(!). Schließlich sei sie ja ein Mädchen, und selbst die dürfen sich ja neuerdings durchsetzen, wenn sie groß seien…

„Komm, wir rauben eine Bank aus, mein Kind!“ – „Gerne. Crypto- oder Parkbank?“ – Schräg versägt: So richtig zünden die witzigen Momente nicht. Eben ein bisschen wie Zukunftia. Nur dass Kollege Sparkiller bei uns die besseren Jobs bekleidet (*Auf Kiste mit sortierten Fischabfällen zeig*)

Hier sehen wir ein Opfer, das es verdient hat, zu leiden. Ja, sogar Zuschauer, die jeden Morgen erst ihr Sahra-Wagenknecht-Poster anbeten, würden angesichts dieser Memme rufen: „Geh erst mal arbeiten, du Schmarotzer!“

Klar: Natürlich arbeitete die Serie mit überspitzten Bildern und Satire. Das tut sie aber so polterig und intelligenzbeleidigend, dass man schon nach 20 Minuten den ersten Abschaltimpuls verspürt. Muss der Kredithai z.B. wirklich damit drohen, aus dem Nasenblut seines Schuldners „eine Suppe“ zu kochen? Gab es keine kindischere Drohung? Vielleicht hätte er dem Protagonist ja einen Glasscherben-Burger anbieten können?

Tonal kann sich die Serie nicht entscheiden, ob Fisch, Fleisch oder ein kalorienarmes Reisbällchen sein will. Nehmen wir allein die Szene, in der die Hauptfigur den Vertretertypen in der U-Bahn kennenlernt: Was geheimnisvoll beginnt (warum sitzt der da plötzlich?), wird kurz albern (Haha, Spielzeugpistole!), dann skurril (Papierumschläge aufeinander dreschen und sich gegenseitig Ohrfeigen geben) und dann wieder ernst (okay, es geht um richtiges Geld).

Ausgeleuchtet und gespielt werden all die „Nuancen“ aber wie in einer Bubble-Gum-Reklame: Nichts ist wirklich skurril oder bedrohlich, sondern muss immer noch Raum für einen anderen Ton lassen.

„Darf ich Sie für unser Sortiment begeistern?“ – „Igitt, das stinkt ja furchtbar! Was ist das?“ – „Eine feine Auswahl von Netflix-exklusiven Serien, mein Herr.“ – Endhaltestelle für Chefdramaturgen: Wie es ab hier weitergeht, ist klar? Genau: Linie Eins bis zum Bahnhof. Und dann umsteigen in Linie Drei.

Natürlich endet der Doofi-Schuldner bald bei den Squid Games.

Und hier wird es dann erstmals interessant. Nicht so sehr wegen der dümmlichen (Massen-)Psychologie der gut 400 Teilnehmer, sondern weil die Serie hier produktionstechnisch auftrumpft. Zumindest für jene, die auf diese Elemente stehen:

– Klassische westliche Musikstücke und Oldies umschmeicheln die Ohrmuscheln
– Helle Sets, bunte Kulissen, aufwändige Sequenzen, real wirkende Erschießungen (gehört in jeden guten Prospekt, oder?)
– Der interessante Kniff, dass alle demokratisch darüber abstimmen können, ob die Spiele weitergehen. Auch wenn das knappe Endergebnis nach über 50% Toten eher unrealistisch erscheint.

Getreu dem Motto „Ich habe mich schon auf andere Stockholm-Szenarien in Filmen eingelassen“ ist man plötzlich interessiert an dem Schicksal der Protagonisten.

Nein. Das ist nur die halbe Wahrheit. Man ist nicht „interessiert“. Denn eigentlich ist man als Zuschauer wie der Mann im Hintergrund, der sich bei einer Flasche Schaumwein die blutigen Spiele anschaut… Und dabei irgendwie so wirkt, als würde er selber Netflix schauen – und sich auf seinen exquisiten Wein- und Verstümmelungsgeschmack einen runterholen.

„Fürwahr, ein faszinierendes Faszinosum! Wie sagte der alte Carl Barks doch immer: Wir wollen sein ein Volk von Brüdern!“ – Elite statt Niete: Endlich dürfen wir unserem Kommentator Serienfan bei seinem Mediengenuss zuschauen. Hier hat er allerdings versehentlich von Arte weggeschaltet.

Wer von den plumpen Plumpssack-Bekleideten jetzt eine Runde weiter kommt, ist dem Zuseher nach den vorherigen Sequenzen schlichtweg egal. Dass man sich gegenseitig als Looser, Taschendiebin, Zuhälter und Schuldenkönig bezeichnet hat, war bezüglich des Mitfühlens nicht hilfreich. Im Gegenteil, ab jetzt will man die Leute GERADE deswegen sterben sehen.

Und am Ende der ersten Episode konnte ich verstehen, warum dieser Serie so erfolgreich ist. Sie macht halt das, was Horrorfilme dauernd machen. Nämlich einem mental fragmentierte Vollbratzen hinstellen, die als Spielball für einfallsreiche Lebensbeendigungen herhalten müssen…

Das ist einerseits prima, andererseits schade. Was eine tiefgründige Parabel auf den Kapitalismus und die südkoreanische Gesellschaft sein könnte, wird zu einem Abzählreim mit schönen Bildern. Ja, auch das DARF Spaß machen, ist aber am Ende nur ein ökonomisches Konzept, um sich die Zeit des Zuschauers zu „kaufen“.

Wer sich bewegt, darf im Fegefeuer weiterzucken… Die einfachen Spiele sind clever gewählt. Dagegen wirken die „Hunger Games“ mit ihren überkomplexen Dschungelgefahren („Was? Mit dem Bogen auf’s Krokodil und dann ins Riesenrad?!“) störend intellektuell.

Blutspratzerei geht eben immer. Vermummte Unterdrücker auch. Gefangenendramen schreiben sich quasi von alleine. Und absurde Kinderspiele (später mit dabei: Kekse ausstechen!) lenken einen auch schon mal 5 Minuten von ALLEM ab, was einem missfallen könnte…


Fazit Folge 1:

Erst mit dem Spiel „Rotes Licht/Grünes Licht“ hatte die Serie meine Aufmerksamkeit geweckt. Daher schaltete mein persönliches Ampelmännchen nur knapp auf „Weitergucken“.

Doch WENN es erst mal zur Sache geht, ist „Squid Game“ kompromisslose Trottel-Unterhaltung, bei der das Blut genau so spritzt, wie es die Regeln der Ästhetik verlangen. Und Regeln sind hier ja besonders wichtig.

Die Dialoge kann man jedoch nur in die Pfeife kloppen – oder in der Tonne rauchen. Sie sind plump und neigen zum dramaturgischen Komasaufen.

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Fazit Folge 2:

Überraschend kehren alle Teilnehmer noch mal zu ihren Familien zurück. Besonders spannend ist das aber nicht…

Erst jetzt wird thematisiert, wie wichtig Krankenversicherungen sind (Spoiler: Sehr wichtig!), dass chronische Krankheiten kostspielig daherkommen (Ach?) und man als Arbeitgeber besser alle paar Monate den Lohn auszahlen sollte. – Eben diese kleinen Nuancen des Lebens, wo wir alle noch was lernen können…?

All das sind jedoch Dinge, die man statt (z.B.) der Pferderennen und Kredithaie bereits in Episode 1 hätte zeigen können.

Zwar funktioniert diese kurze „Pause“ von den Squid-Spielen als weitere Motivation, ist am Ende aber eine Wiederholung von Kapitalismus-Klischees. Mir wäre vor Schreck darüber fast mein Börsengewinn von dieser Woche aus der Hand gefallen!

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Fazit Folge 3:

Geldsorgen hin oder her… Dass fast ALLE der Entkommenen freiwillig zur Schlachtbank zurück kommen, schadet der Glaubwürdigkeit der Serie sehr. Dabei hätten 20 statt fast 200(!) Leuten durchaus glaubhaft gewirkt.

Auch störte es mich, dass man die faszinierende Welt, welche vor allem von maskierten Einheitssoldaten lebt, bereits vor dem ZWEITEN Squid-Game aufzudröseln beginnt. So sehen wir nicht nur die Transportfähre, die Lieferwagen, den bürokratischen Entführungsablauf und die „Entkleidungshalle“, sondern bekommen bereits mit, dass die Maskierten auch nur Befehlsempfänger sind. Und z.B. „seekrank“ werden.

Bei so was werde ICH ja immer „dramaturgiekrank“.

Oftmals werden die Spiele schon vorab entschieden. Zum Beispiel mit der Auswahl eines Symbols oder einer Herangehensweise… Hier sehen wir z.B. Armin Laschet, wie er sich vor Monaten auf die Flutopfer im Ahrtal vorbereitete.

Besonders anstrengend ist jedoch das sinnfreie Verbrüdern („Wir erklären dir alle Kinderspiele, mein Freuuund. Lass dich knuddeln, du bist mir in den letzten 5 Minuten total ans Herz gewachsen!“) und das sinnfreie Gestreite („Hey, du Schlampe! Nur weil ich pinkeln darf, darfst DU nicht auch pinkeln!“).

Hier kommt einfach kein psychologisch nachvollziehbares Worldbuilding zustande, das Spaß machen würde.

Und was wird in der vierten Folge passieren, um die Prämisse zu entzaubern? Ich tippe darauf, dass die Squid-Veranstalter eine eigenen Krankenversicherung anbieten werden („Sehen Sie, mit winziger Extraprämie für Verstümmelungen!“) oder alle Spieler erkennen, dass Privatinsolvenz doch nicht die „Hölle“ ist, zu der sie hier gemacht wird. – Sondern NOCH viel schlimmer wirkt?

Ach ja: Das zweite Todesspiel mit dem Ausstechen von Zuckerkeksen war nett inszeniert. Mehr nicht.

Ich bleibe daher Fan von „Rotes Licht/Grünes Licht“, so!

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Ob ich die Serie weiterschaue, kann ich noch nicht sagen. Gefühlt habe ich alles gesehen, was sie mir bieten kann. – Gebt ihr mir grünes Licht? Oder rotes?

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von Klapowski am 22.10.21 in Serienkritik

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Kommentare (14)

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  1. JP1957 sagt:

    Ich habe Mitte der zweiten Folge unterbrochen und hatte mich noch nicht entschieden, ob ich weiterschaue.
    Nach dieser Kritik werde ich es lassen … ich fand alles bestätigt, was ich zwischendurch selber dachte/ fühlte.

    Rotes Licht fürs Weitermachen.

  2. Serienfan sagt:

    Ich muss zugeben: Das Serienfan-Bild ist gut getroffen. Bei mir wären es ein bisschen weniger Haare und deutlich mehr Alkohol, aber ansonsten …

    Leider hat der wie immer unterhaltsame Klapo, der unerschütterliche Fackelträger vor dem Lastenzug zäher Kommentare, hier meine Ratlosigkeit über das Squid-Phänomen nur noch gesteigert.

    Ich möchte (aus dem Zusammenhang und unvollständig, versteht sich) zitieren: „Und am Ende der ersten Episode konnte ich verstehen, warum diese Serie so erfolgreich ist. Sie macht halt das, was Horrorfilme dauernd machen.“

    Dummerweise ist aber genau das der Grund, weshalb mir der Erfolg dieser Serie nur umso rätselhafter ist. Denn einen Horrorboom haben wir ja nun wahrlich nicht.

    Ich stehe hier wirklich vor einem Rätsel! Jetzt mal ganz unabhängig von dem Phänomen, dass sich die Netflix-Kunden sogar während einer noch immer nicht überwundenen Pandemie deprimieren möchten, ist das, was hier läuft, ja noch nicht einmal ansatzweise neu, sondern eher etwas, das sogar mir, der die ganzen vergleichbaren Serien nicht kennt, zum Hals raushängt!

    Gut, ich gebe ja zu, dass die Netflix-Generation jetzt nicht gerade „Das Millionenspiel“ aus dem Jahr 1970 kennt, aber DIE Idee ist doch nun wirklich bärtiger als bärtig, und ich sehe vor meinem geistigen Auge bereits irgendwelche Streamingdienst-Programmchefs hektisch rumrennen und plärren: „Wer hat zurzeit die Rechte an Kings ‚The Running Man‘? Da müssen wir unbedingt eine Serie draus machen!“

    Seit nachsichtig mit mir, ich wechsle rein prophylaktisch schon mal in den Panikmodus, denn ich bin mir sicher, dass bald ganz viele Analysen kommen werden, in denen es heißt, dass die Serie „offenbar“ irgendeinen „Nerv“ getroffen hat.

    Übrigens: Wenn mein Zahnarzt bei mir den Nerv trifft, schreie ich sehr laut Aua und verlange nach einer Betäubung. Aber gut, ich scheine da wohl aus der Reihe zu tanzen.

    • Klapowski sagt:

      „Dummerweise ist aber genau das der Grund, weshalb mir der Erfolg dieser Serie nur umso rätselhafter ist. Denn einen Horrorboom haben wir ja nun wahrlich nicht.“

      Wirklich nicht? Ich finde aber doch.

      Wenn ich mir mal anschaue, was an mittelprächtigen Horrorfilmen seit Jahren rausgehauen wird (Annabelle, Empty Man, Conjuring, The Nun, Quiet Place 1+2, …), muss ich dem widersprechen. Sie mögen zwar nicht verstörend oder mutig sein, aber Horror ist doch „gerade“ der ganz „heiße Scheiß“?

      (Man entschuldige meinen schlechte 90er-Jahre-Manager-Sprech. Es sollte natürlich heißen: „Zielgruppendivergenz ist auf halb 8, Roger. Das geht garantiert Social!“)

      Dass die Grundidee nicht neu ist, hat mich persönlich nicht gestört. Ich habe lediglich erwartet, dass man sie hier kompromisslos und knüppelhart durchzieht. Aber wenn man in Episode 3 bereits eine Frau sieht, die minutenlang (zur Ablenkung) über ihre Verstopfung schimpft, damit eine andere Frau ungestört in einen Suppentopf glotzen kann, ist das alles andere als Horror.

      Eher Daily Soap?

      Antworten
    • Serienfan sagt:

      Stimmt.

      Ich verdränge immer diese „huch, da kam plötzlich mit lautem Sound die Hand auf die Schulter“-Filmchen, die da so durchs Kino geistern und immer verwunderlich viel einspielen.

      Ist das ein Boom?

      Denkbar. Wie soll man es auch sonst nennen.

      Aber sind diese Filme für eine „ich habe noch nie in meinem Leben was Gruseliges gesehen“-Zielgruppe wirklich mit „Squid Game“ vergleichbar?

      Ich weiß es nicht.

      Ich weiß gar nix mehr.

      Ich weiß ja nicht einmal, warum eine südkoreanische Serie im Deutschen einen englischen Titel hat.

      Ich habe hier aber mal fünf Thesen aufgestellt, die erklären könnten, warum „Squid Game“ die bislang höchsten Klickzahlen bei Netflix erreicht hat.

      1. Es gibt einen Trailer, der tatsächlich erklärt, um was es geht. Diese sehr regelwidrige, aber letztlich dann doch hoch raffinierte Marketing-Strategie ging trotz ihrer Fragwürdigkeit vielleicht auf.

      2. Es gibt ansonsten nichts auf Netflix, weshalb sich all die Netflix-Kunden automatisch bei „Squid Game“ wiederfanden.

      3. Die schnelllebige Zeit. Früher gab’s den Hype, und zehn Jahre später fragte sich jeder: Warum gab’s eigentlich damals diesen Hype? Der Zuschauer von heute will sich diese Frage bereits BEIM Hype-Schauen stellen.

      4. Die Menschen sehnen sich in Wahrheit nach „Dalli Dalli“, und das hier kommt „Dalli Dalli“ am nächsten.

      5. 110 Millionen der 111 Millionen „Squid Game“-Zuschauer dachten sich zehn Sekunden, nachdem sie die Serie gestartet hatten: „Ach ne, das wollt ich ja gar nicht anklicken. Dieser neue Fernseher hat wirklich eine Drecks-Fernbedienung. Wie komm ich hier wieder raus?“

      Antworten
    • Zuse sagt:

      Let´s go Brandon!

      Moin Serienfan und alle Anderen,

      ich war auch mal, was Dein Nick sagt.

      Aber ist laaaaaaaaange vorbei: Seitdem man weiß, was wann gecancelt wird, ein Jahr bevor das überhaupt in Deutschland gesendet wird.

      Mein erstes und auch gleichzeitig letztes Just-in-Time Multi-Media-Serien-Erlebnis war nBSG. Da gab es gleichzeitig zur US-Ausstrahlung Blogs von Ron Moore etc., warum was in die Serie ging oder eben nicht. Das war spannend: Gesehen hatte ich die Serie über ein Programm (heute wohl App genannt), welches zig asiatische TV-Sender in Realtime streamte und halt SciFi (heute Süffi) und noch einen anderen US-Sender. Waren das tolle Zeiten! Die Deutsche Erstausstrahlung und alle Wdh. waren Katastrophen!

      Zu den jetzigen Streaming-Anbietern: Da wird ja noch schneller gecancelt! Also wird es sicherlich eine 2. Staffel mit den Playstation-Symbol-in-der-Fresse-Typen geben. Aber wenn 3 Menschen zu wenig diese dann schauen, sagt der Algorithmus: Und Tschüß!

      Selbst Top-Filme im TV ignoriere ich fast immer jetzt. Morgen kommt um 20ct The Big Lebowsky bei ZDFneo. Aber da werde ich sicherlich lieber irgendwas über/mit Musik oder Politik streamen und der Film rennt nebenbei als tonlose Beleuchtung – so wie vorhin auch Ep. 8 und jetzt Gemini (der ist in 16:9 – Ist das ein Direct to DVD-Film?), die natürlich nicht in gleicher Liga spielen.

      Antworten
    • Zuse sagt:

      „Das Millionenspiel“ von Wolfgang Menge, der auch „Ein Herz und eine Seele“ geschnitzt hat!

      Lief letzen Sommer (2020) mal auf tagesschau24 – Ich hatte das erst kurz vor Ende durch Zappen entdeckt. Warum auf dem Kopfsteuer-Kanal?

      Antworten
    • Serienfan sagt:

      Ja, die „TV-Serien-Cancel-Culture“ sucht die Streamingdienste heim.

      Aber es gibt immer mehr alte Perlen zu entdecken, also brauche ich mein Alias nicht zu ändern, im Gegenteil. Und vieles davon findet man auf Youtube.

      So auch „Das Millionenspiel“, der natürlich keine Serie sondern ein Fernsehfilm ist. Mit einem damals noch weitgehend unbekannten Hallervorden und einem perfekt gecasteten Dieter Thomas Heck.

      https://youtu.be/OWua6ddsEb

      Genial, wie die zelebrierte deutsche Spießigkeit das ganze noch gruseliger macht.

      Antworten
    • dartsarrow sagt:

      Also so viel Rätsel kann ich in dem Erfolg von Squid Game eigentlich nicht sehen.
      Aus meiner Sicht handelt es sich einfach um eine Synthese von Klickzahlalgorythmen und Koreanischer Welle (Hallyu). Als „gesehen“ rechnet Netflix ja schon Episoden ab ein paar Minuten echter Sehzeit. Wenn dann ausreichend Hallyu-Anhänger einschalten (wovon es im fernöstlichen/ pazifischen Raum wahrscheinlich mehr gibt als Einwohner), ist man da ganz schnell bei der notwendigen kritischen Masse für einen „Serienhit“. Der Rest ist dann mehr oder weniger Blasenbildung.
      „Was, 100 Millionen in einer Woche? Muss ich sehen!“

      Meine Frage wäre jetzt eher, ob Squid Game noch zur 3. Generation Hallyu gehört – dann wäre „Parasite“ leider nur ein sehr singuläres Ereignis und die Koreanische Welle bleibt bei ihrer inhaltlichen Ebbe.
      Oder ob das schon 4. Generation ist. In letzterem Fall stünde uns in den Zwanzigern noch sehr viel gruseligeres aus Korea ins Haus als Kulissenpop.

      Antworten
  3. Raketenwurm sagt:

    Die Einleitung des Textes kann man so aber nicht stehen lassen. Hunger Games und Co. sind im Grunde alles Abklatsch von dem japanischen Film „Battle Royale“ aus dem Jahr 2000. Mit „Squid Game“ kehrt das Genre also eher nach Asien zurück, als auf den Zug aufzuspringen.
    Und erwähnen sollte man auch, dass Kultregisseur Takaski Miike 2014 den Film „As the Gods Will“ auf die Welt losließ, der in die gleiche Kerbe schlägt und sogar einzelne Szenen haben soll, die in „Squid Game“ in seeehr ähnlicher Form vorkommen. Damit ist die Serie also eigentlich ein südkoreanischer Abklatsch vom japanischen Revival zum westlichen Abklatsch des japanischen Originals.

  4. Einheitskanzler sagt:

    Also mir haben die ersten drei Folgen ganz gut gefallen. Natürlich ist Squid Game kein Meisterwerk, aber man kann es sich ganz gut angucken. Dass die Grundidee von „Battle Royale“ übernommen wurde – geschenkt. Im Grunde hat fast jede Serie die Grundidee irgendwoanders her. Game of Thrones: Rosenkriege. Die Sopranos: Mafiafilme. CSI: Die nerdigen Forensiker in anderen Serien. Usw.

    Ich fand die Charaktere auch nicht unsympathisch, mir haben sie sogar ebenfalls ganz gut gefallen: Der todkranke Opa, der Gastarbeiter, der von seinem Chef nicht bezahlt wird, die Flüchtige aus Nordkorea, die ihre Eltern nachholen will, der Manager, der sich an der Börse verzockt hat und der Hauptcharakter, ein liebenswerter Loser, der in den Tag hineinlebt. Die armen Schweine taten mir echt Leid.

    Ich wüsste noch nichtmal, ob das Schauspiel Overacting ist oder ob man sich in Korea grundsätzlich etwas theatralischer benimmt als in westlichen Kulturen. Wenn ich mir allein den Unterschied zwischen Deutschen und Italienern in der Gestik und Mimik angucke…

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