Film- und Serienkritiken

Seriöse News & Kritiken zu Film und Serie.

Star Trek-Technik im Gestern und Heute – Teil 2

, Star Trek-Technik im Gestern und Heute – Teil 2

Im ersten Teil hagelte es bereits tolle Infos zum Thema „Wissenschaft in Star Trek? Seit wann das denn!?“… – Doch nun gehen wir noch einen Schritt weiter und klären, welche Details eigentlich für den vollen Fake-Forscherdrang im TV sorgen. Welche Serien Fehler man nicht machen sollte und wann Dramaturgie wichtiger als Logik ist. Und wieso auch schwachsinnige Ideen glaubhafter wirken, wenn die Crew mit offenem Mund dasteht, statt mit der Erklärkeule zu winken. Also: verkleinert die Browser-Schriftart und haltet das Mikroskop an den Monitor!


Bei aller Freude an medial aufbereiteter SF-Wissenschaft muss ich zugegeben:

Immer wenn die Dramaturgie zu viel „Macht“ über unbegreifliche Phänomene bekam, wurde es unspannend. So geschehen bei Discovery, wo man u.a. einfach mal eine offizielle klingonische Mondmine für Zeitkristalle(!) auf die Beine stellte, die je nach Verwendung (lutschen, werfen, in die Glühbirnenhalterung schrauben?) irgendwas bewirken sollten. Im Zweifel Visionen bei Pike…

Hier hatte sich die Science komplett der Fiction unterzuordnen.
Und nicht mal einer guten!

Ähnliches geschah seit 2017 ständig… Die Autoren zeigten uns stolz irgendwelche „Hausaufgaben“ im Bereich Forschung, hatten aber – wie wir in der Schule – einfach nur die Seite der Aufgaben ausgefüllt, die am Anfang der nächsten Schulstunde abgefragt werden könnte. Die Rückseite blieb leer.

, Star Trek-Technik im Gestern und Heute – Teil 2

„Nicht – die – Mama!!“ (*Klopp*) – Als Coronaleugner Saru zum ersten Mal von „Impfkristallen“ hörte, rastete er aus. Aber im Ernst: Besonders in Episode 1.08 wurde klar, dass diese funkenden Formationen nur hübsch aussehen sollten. Und dass hier eher schwurbelig von „Sonar in Space“ gesprochen wurde, machte es stirnrunzeltechnisch nicht besser.

Wenn wir noch einige Jahre zurückgehen, dürfen wir auch den „Temporalen Krieg“ bei ENT nicht vergessen, wo man das hochinteressante Spiel von Ursache/Wirkung einfach mal KOMPLETT aufgab.

Fortan geschahen Zeitreisen im Hintergrund, wo die eine Supermacht stets 100 Änderungen an der Zeitlinie verursachte, während die andere ihr mit 101 Abwandlungen wieder einen Schritt voraus sein musste.

Klar, Zeitreisen waren schon immer unlogisch. Aber in den 90ern bemühte man sich stets, alles trotzdem aufzudröseln – und der zerfledderte Ergebnis auf dem Silbertablett zur kritischen Betrachtung auszustellen. Dass man bei ENT (Staffel 4) am Ende eine eher unsaubere Auflösung mit Space-Nazis wählte, spricht Bände.

Doch als absolutes Negativbeispiel muss natürlich weiterhin der PILZ-Antrieb in „Discovery“ herhalten. Wobei ich das SF-Konzept von Pilzen, die „irgendwas machen“ generell für SEHR clever halte (= z.B. als Parasit oder Terraforming-Device). Nur im Bereich „Raumkrümmung“ hätte ich sie bisher weniger vermutet.

, Star Trek-Technik im Gestern und Heute – Teil 2

Anders gesagt… Ein „Bakterien-Netzwerk“ oder ein „Virus-Tunnel“ wäre fast ebenso dümmlich dahergekommen.
„Denk dran, Pilze stehen unter Artenschutz.“ – „Atemschutz, HIER? Mach dich nicht lächerlich, Tilly!“ – Die Pilzdimension ist eine Scheibe: Das hier strapazierte selbst nach den „Wurmlochwesen“ von DS9 den Geduldsfaden des Zuschauers… Oder könnt IHR mir sagen, ob das hier ein Planet oder eine 5000 Trilliarden Kilometer lange Ebene ist?

 
Okay, das Mycel-Netzwerk maaag ja in einer Paralleldimension da sein, aber warum ist es SCHNELLER, wenn ich physikalische, biologische Objekte in jener Existenzform durchdringen muss?

Klar, zusätzliche Raumdimensionen und Stringtheorien sind auch nicht jedermanns Sache. Aber immerhin entfernen sich wohltuend von Alltagskonzepten wie Pilzen, Pfützen und Pflastersteinen, die als SF-Konzept deplatziert wirken sollten.

Noch schlimmer als das Missbrauchen von Myzel-Mampf ist aber das Heranziehen von Gefühlen, Seele oder Intelligenz, die irgendwas … verändern. Auch wenn ich mich hier schwer tue, Begründungen dafür zu finden. Denn die TNG-Bretter „Phantasie oder Wahrheit“ oder „Das Experiment“ sind trotz (oder gerade?) wegen des Ansatzes sich materialisierender Gedanken extrem GUTE Folgen.

Vielleicht, weil man stets spürte, dass es auch für die Crew etwas Besonderes war, dass das eigene Brain hier die Umwelt auf Links bügeln konnte?

, Star Trek-Technik im Gestern und Heute – Teil 2

Um noch ein Positivbeispiel zu zeigen: Das gefährliche Kristallwesen aus TNG wurde weder zu Tode erklärt, noch vergöttert oder verteufelt. Fast wie ein Bär oder Wolf, der einer Siedlung zu nahe gekommen ist. – Man stelle sich nur vor, was DIESE Lebensform bei SNW oder Discovery erzählen müsste? („Bin als Kind mit dem Kopf in meiner Schultüte hängen geblieben, buhuu!“)

Irgendwann bemerkten die Zuschauer, dass total abgefahrene Ideen, die wenige Jahre vorher noch frisch wirkten, in der Wiederholung extrem gammelig wurden. So wiederholte z.B. DS9 das Konzept von „Phantasie oder Wirklichkeit“ mit einer anderen Raumstörung. Was dann u.a. zu Märchenfiguren auf der Station führte.

Weil man hier aber bereits auf die mysteriöse Musik von TNG oder grelle Lichter verzichtete (ja, die viel gescholtene TNG-Staffel 1 hat das noch gemacht!), wirkte es bereits wie „Business as usual“.

Halt die Anomalie der Woche.

Besonders fehlte mir sowieso dieses schweigende Grauen, das man bei TNG zu Beginn noch kannte. Siehe den doppelten Picard in der Folge „Die Zukunft schweigt“ – die ich in Teil 1 dieser Artikelreihe bereits lobte!

Gerade Voyager wurde später berühmt-berüchtigt dafür, einen regelrecht mit neuen Raumkrümmungen zuzuballern, die aber von einem Fähnrich(!) Kim schnell ausgeglichen wurden.

Äh… Wäre es nicht damals schon klug gewesen, mal einen QUANTENPHYSIKER oder ASTRONOMEN auf die Brücke zu setzen? Zumindest fände ich das spannender als laufende Kochmützen (= Neelix, Pike), nervige Verwandte (= Jake, Wesley) oder total seltsame Hauptfiguren, die neuerdings alles machen dürfen. (= die neue Chapel)

, Star Trek-Technik im Gestern und Heute – Teil 2

In der fünften Staffel von VOY verabschiedete man sich komplett vom Konzept, dass man Technik und deren Material irgendwo „bauen“ muss, wofür es sogenannte „Experten“ gibt. Oder gar so verrückte Dinge wie „Raumstationen“… So klatschte man später das halbe Schiff mit Borg-Technik zu – oder schickte den Delta Flyer (wie hier im Bild) mit einigen Änderungen von Chef(-Laien)-Ingenieur Tom Paris auf Tauchstation.

Bei Voyager könnte ich heute nicht mehr sagen, wie viele intelligente (oder anderweitig ungewöhnliche) Weltraumnebel es überhaupt gab. Was daran lag, dass man die Phänomene NUR noch als dramatisches Element wahrnahm – und nicht als hochinteressantes Event.

Da muss ich fast schon die lahme TNG-Folge „Masks“ (7.17) loben, die ich damals zwar null verstanden habe, aber sich immerhin einer dramaturgisch durchgestylten Betrachtung verweigerte. Hier trat die Wissenschaft zurück, um etwas GANZ anderes auszutesten.

Und trotzdem tat man nicht so, als wenn die Crew zu 100% versteht, was gerade geschieht.

Und wie wir ja wissen, heißt Wissenschaft auch, total neue und (vermeintlich) widersinnige Dinge zu untersuchen, bis sich das Dunkel langsam lichtet.

Oder vorher das Hirn schmilzt…


Bleibt dran für den dritten Teil unserer uninteressanten Reihe! Ihr wollt altes Star Trek? Dann schüttelt mein Gehirn und fegt die rausfallenden Krümel zusammen.

Bei neuen Artikeln sofort informiert werden? Jetzt deine E-Mail-Adresse rausrücken und ab geht's!

Weitersagen!

Artikel

von Klapowski am 22.07.23 in Star Trek

Stichworte

,

Ähnliche Artikel


Kommentare (2)

nach unten springen
  1. jcneal sagt:

    1.
    Huch, wo sind denn alle anderen hin?
    Ist hier ja fast genauso wie auf anderen sozialisierenden Zusammenkünften aka Partay…

    Ich: „COMPUTER! WIE IST DIE NATUR DES UNIVERSUMS?“
    Computer: „Nein.“

    Bei dieser Fokussierung auf Pilze und Kristalle darf man wirklich mal die Frage stellen, was die Autoren von Nu-Trek sich dauernd reinziehen. Power of Meth?

    Eine Frage konnte mir noch nie jemand beantworten:
    Warum drehen sich Segmente der Discovery-Untertassensektion vor dem Pilzwarp-Sprung?
    Wobei das ja gar keine „Untertasse“ mehr ist, sondern eher nur konzentrische Ringe. Die demnach auch kaum nutzbar sind – oder werden dort jede Menge Kotztüten bevorratet? Wie wird der Übergang zu den übrigen Sektionen des Raumschiffes geregelt?

    Als geübter Praktiker stelle ich mir folgende Situation vor:
    Cpt. -wer-auch-immer-gerade-gelost-wurde: „Schwartz-Alarm. Funghi-Time! Pilz-Warp!!“
    Computer: „Nein.“
    Cpt.-was-auch-immer: „Whatt?? Damage report!“
    Computer: „Mushroom offline. Sorry, Lt.jr.grade Linus führt gerade seine 2-wöchentliche Geburtstags-Polonaise durch die Korridore der Diskuss-Sektion an. Halbierung von Crewmitgliedern wird nicht empfohlen. Unable to compute!“

    • Kazairl sagt:

      „Bei dieser Fokussierung auf Pilze und Kristalle darf man wirklich mal die Frage stellen, was die Autoren von Nu-Trek sich dauernd reinziehen“

      Vielleicht Magic Mushrooms?

      Antworten

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Brandneues
Gemischtes
Büchers
Jenseits Zyklus
Arschiv
Zum Archiv unserer gesammelten (Mach-)Werke.