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Doctor Who – 7.02 – “Dinosaurs on a Spaceship” Review

Die Abenteuer unseres galaktischen Weltraumverbesserers waren schon immer schwer zu bewerten: „Sehr albern!“, „Voll kitschig!“ oder „Viel zu abgedreht!“ wären woanders schließlich durchaus vernünftige Gründe für eine gnadenlose Abwertung. Und trotzdem schafft es diese britische Superkinnlade immer wieder, unser abgestumpftes Rezensentenherz mit gerade solchen Elementen wieder zum Leben zu erwecken. Und wenn die Macher auch noch Dinos und eine ägyptische Königin oben drauf legen, dann ist sowieso Feierabend im Knötter-Club…

Im eigenen Bekanntenkreis verfahren wir ja ähnlich. Wenn die eigenen Stamm-Gefährten schon quasi den Ruhestand angetreten haben, dann bleibt natürlich nur eines übrig: Im Raum-/Zeit-Kontinuum flott Ersatz ranschaffen. Die Wahl geeigneter Nachfolger ist dabei logisch wie eindeutig: Natürlich die ägyptische Herrscherin Nefertiti und irgend so ein Wilderer aus Afrika. Wer denn auch sonst, hä?

Doch, halt! Kaum bin ich nach dieser temporalen Castingshow davon ausgegangen, wir würden dieses Mal ein Amy-loses Special präsentiert bekommen, da schlingert der Doc mit seiner TARDIS auch schon bei Familie Pond ins Wohnzimmer. Und Rory Senior wird dabei gleich auch noch aufgegabelt! Ja, was soll denn dieses verschwenderische Aufgebot einer Who-Mannschaft? Sind wir hier bereits im teuren Staffelfinale, oder wie?

„Mein Gott! Rieseneier, ein kompletter T-Rex und jede Menge ausgestorben geglaubtes Grünzeug im nächsten Raum. Sowas ist doch unmöglich!“ – „Stimmt, diese Kochsendungen werden wirklich immer anspruchsvoller.“ – Was passt nicht ins Bild? Die prähistorische Echse? Die ägyptische Königin? Die richtige Antwort lautet natürlich: Amys Hemd. Diese Streifen sind doch sowas von out!

Kaum ist die Truppe jedenfalls versammelt, geht es auch schon ab zur aktuellen Mission: Eine häßliche Riesen-Christbaumkugel davon abhalten, von einem indischen (?) Raumschiff via Rakete zerbröselt zu werden. Was gar nicht so einfach ist, wenn die einzigen Insassen aus knurrenden Dinosauriern, stampfenden Riesenrobotern und einem alten wie fiesen Sack bestehen. Und fies ist der alte Knabe wirklich, hat dieser nämlich die tatsächliche Crew einfach aus der nächsten Luftschleuse geworfen, um die ganze Schiffsladung aus den genannten Dinosauriern am nächstbesten Handelsposten verscheuern zu können. Hach, sowas gibt es wirklich nur bei Doctor Who!

In Sachen Aufwand gibt es mal wieder nichts zu meckern. Für die Dinos hat man nicht nur irgendwelche CGI-Modelle günstig beim „Terra Nova“-Flohmarkt abgegriffen, sondern auch auf schöne Animatronik gesetzt. Von einer Meute Pterdodactyls über einen Mini-T-Rex bis zum Triceratops wird man dem Episodentitel mehr als gerecht und auch der Spaceship-Anteil kommt ausreichend rüber. Da flackern das Licht, es knirscht die Schiebetür und die Bildschirme grieseln leise vor sich hin. Aber hohes Lob für das Kulissenteam der BBC haben wir ja bereits seit Jahren mehr als übrig. Selbst der Spar-Trick, daß das Schiff mit Wasser angetrieben wird und der Maschinenraum daher logischerweise aus einem Strand (!) bestehen muß, hat etwas von „so doof, daß es schon wieder schön doof ist“.

Lobend erwähnen kann man auch den alten Herren vom Rory, welcher ähnlich wie der Oppa von Rose wieder für diesen gewissen Staunfaktor aus zweiter Hand sorgt. Oooh, Weltraum! Ooooh, Aliens! Sowas will ich auch mal wieder erleben, könnte also mal jemand bitte die letzten 1.000 Star Trek-Folgen aus meinem Kopp löschen? (Vor allem Voyager. Dankööö!) Okay, warum er und die anderen Unbekannten überhaupt dabei waren, ist mir auch am Ende noch nicht so ganz eingeleuchtet. Amy und Gatte stehen ja oft bereits meist nur doof daneben, wenn Doc Who den Tag rettet, aber FÜNF davon war dann doch etwas arg. Beim üblichen rettenden Einfall („Moment, Doctor! Warum nicht mal DIESEN Knopf drücken?!“ – „Hach, Rory, tolle Idee! Ich könnte Dich küssen! Und mache es jetzt auch einfach mal…“ *schmaaatz*) muß ich jedenfalls meistens ein bisschen mit den Augen rollen.

„Poooh, der Doctor nimmt dieses Rauchverbot aber ernst. Und wie soll ich mir hier bitte eine anstecken, so ganz ohne Sauerstoff?! Das ist doch zum in die Luft geh— ach, MIST!“ – Eigentlich gingen Brian nur die alten Geschichten des Doc auf die Eier. Was ihn daran erinnerte, daß er doch welche in seiner Pausendose mitgenommen hatte. Na, dann Prost Allzeit!

Der eigentlichen Story sollte man dabei sogar eher noch weniger Aufmerksamkeit schenken. Spätestens nach der finalen Problemlösung („Gut, daß ich gerade zufällig dieses Raketen-umlenk-Dingsbums erfunden habe!“) sowieso nicht mehr. Und damit meine ich vor allem, daß man nicht erwarten sollte, daß Geschehnisse des Anfangs oder des Mittelteils irgendwelchen Einfluß auf den Schlußakt einer Who-Folge haben werden. Warum auch, wenn einem als Autor soviele Möglichkeiten zur Verfügung stehen. („Oh, Universum explodiert gleich. Da kommt dieses Spektral-Pflaster aus dem Handschuhfach gerade richtig. So, feddich!“).

Fazit: Und trotz allem Gemeckers hat mir diese Episode gefallen und ich bin mir auch am Ende dieser Besprechung nicht völlig sicher, warum eigentlich. Vielleicht, weil die Erzählweise so schön rund und die Ideen so liebenswert sind. Vielleicht, weil die Bewertung sogar SCHLECHTER ausgefallen wäre, wenn alles perfekten Sinn ergeben und mehr mit moderner Science-Fiction zu tun gehabt hätte. Und auf eine Dinosaurier-Verfolgungsjagd auf einem Raumschiff und alte Männer, die am Ende eines Abenteuers nachdenklich ihre Beine im Weltraum baumeln lassen, will ich dafür wirklich nicht verzichten.

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Artikel

von Sparkiller am 10.09.12 in TV-Review

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Kommentare (1)

  1. Anubiz sagt:

    der Oppa war aber von Donna ;) (die dürfte auch gern jemand aus meinem Kopf löschen!)

    tjo was soll ich sagen, rundrum unterhaltenden Folge, auch wenn alles recht sinnlos war :D
    Aber Gemecker über Logikfehler heb ich mir lieber für Abrams auf, der wird schließlich auch viel besser bezahlt!

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