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„Da hört Satire auf!“ – Von den Grenzen der humoristischen Kritik

„Satire“, das ist für viele nur ein Wort, das irgendwas mit Gags zu tun hat, für deren Verständnis man in den letzten 6 Monaten die Tagesschau gesehen haben muss. Doch dass hinter den Kulissen – und manchmal sogar davor – häufig ein Kampf darüber entbrennt, was humorvolle Kritik eigentlich darf, bekommt der durchschnittliche Laberaugust meist gar nicht mit. Zukunftia.de zählt also heute 2 ½ jüngere Fälle auf, die nachdenklich machen. Allerdings nur die Blöden unter uns. – Die anderen wissen natürlich OHNE Nachdenken, welche Seite richtig liegt…


Die heutige Preisfrage ist also: „Was darf Satire?“. Zusätzlich möchte ich von Euch wissen, WENN sie überhaupt etwas dürfen sollte: „Wer unterschreibt ihr dafür die Genehmigung?“ – Wer diese beiden Fragen korrekt beantwortet, gewinnt eventuell

– 1x Neues Demokratieverständnis (Hauptpreis)
– 5x Meinungsfreiheit (Einzulösen bei Eurem Chef oder Lebenspartner)
– 10x Totale Toleranz in Tüten, 5 Liter/Beutel (42,5% Alc. Vol)

Der Grund für unser heutiges Preisausschreiben ist: Gerade in letzter Zeit gab es einige Möglichkeiten, sich über dieses Thema eine Menge ernsthafte(!) Gedanken zu machen. Die Themen lauteten „Katholische Kirche“ und „Moslemischer Glaube“. Beide verstehen in der Öffentlichkeit bekanntlich nur so viel Spaß & Kritik wie Guido Westerwelle bei Schwulen- und Lobbyistendiskriminierung.

Gut, dass ihr da UNS habt! Wir lassen die letzten satirischen Meldungen Revue passieren und sagen Euch abschließend, was Satire eigentlich darf. – Hinweis für alle deutschen Richter: Unsere Fazits zu jedem der folgenden Themen sind für die weitere Rechtssprechung bindend!


Vorkommnis 1: South Park 5.05+5.05

In zwei brandneuen South Park-Folgen wird der Prophet Mohammed in einem Bärenkostüm gezeigt (Besonders stilsicher hierbei die heraushängende Zunge, hihi!). Allerdings – SPOILER! – stellt sich am Ende heraus, dass Mohammed sich gar nicht im Kostüm befand!

Die Geschichte an sich ist tatsächlich uneingeschränkt genial und lässt mich staunend zurück, wie gut die Macher das schwierige Thema verpackt haben, ohne dabei WIRKLICH zu weit zu gehen. Eigentlich geht es nämlich nicht darum, ob der Prophet präsentiert wird, sondern um die Angst, die mit dem Thema einhergeht. Während Buddha, Moses und Jesus schon mal koksend und feixend gezeigt werden (Motto: WIR machen uns über ALLE Religionen lustig!), entlädt sich um Mohammed ein Gewitter an Anspielungen darauf, dass die Southparkianer selbst nicht so genau wissen, wie weit sie gehen dürfen.

Ob Mohammed nun per Bleistiftzeichnung skizziert wird („Sooo könnte er heute aussehen.“ – Alle: „NEEEEIN!“) oder sich angeblich in einem verschlossenen Lieferwagen befindet („Ist DAS okay?!“ – „Wir werden sehen.“): Stets geht es nur darum, den Irrsinn der Angst aufzuzeigen, der seit dem Karikaturenstreit in den Niederlanden schwelt.

Der Aufhänger für die ganze Handlung sind übrigens Promis, die in den letzten 200 Folgen von „South Park“ verarscht wurden. Sie rotten sich hier unter der Führung von Tom Cruise zusammen und zwingen die Southparker per Klageandrohung dazu, Mohammed in die Stadt zu holen.

Warum? Sie wollen seine geheimnisvolle „Macht“ per Maschine abzapfen, welche es auch den Promis ermöglichen soll, dass sich niemand mehr über sie lustig macht. NIE WIEDER!

Die Reaktionen:

… kamen in Form von als „Warnung“ verkleideten Drohbriefen: Die beiden Köpfe hinter South Park mögen doch bitte an den islamkritischen Filmemacher Theo van Gogh denken, der 2004 auf offener Straße umgelegt wurde. Der zweite Teil der Doppelfolge wurde vom Sender zensiert ausgestrahlt (Balken über Mohammed, dazu „Überpiepung“ des Prophetennamens plus ganzer Sätze!) und wird nun nicht mal mehr auf der Seite southpark.com zum Ansehen angeboten, wie sonst üblich. – Bei Filesharingprogrammen sieht es natürlich anders aus.

Die Macher, Matt Parker und Tray Stone, ließen folgendes verlautbaren:

„In the 14 years we’ve been doing South Park we have never done a show that we couldn’t stand behind. We delivered our version of the show to Comedy Central and they made a determination to alter the episode. It wasn’t some meta-joke on our part. Comedy Central added the bleeps. In fact, Kyle’s customary final speech was about intimidation and fear. It didn’t mention Muhammad at all but it got bleeped too. We’ll be back next week with a whole new show about something completely different and we’ll see what happens to it.“

Die „Simpsons“ – obwohl Zeichentrickkonkurrenz – sendeten sogar eine Sympathiebekundung. Eine Künstlerin in Seattle rief gar zu einem weltweiten „Zeichnet Mohammed“-Tag auf. Kollege Sparkiller? Würdest Du mal gerade?

Shorts zugeschissen statt aufgefressen, aber immerhin ehrlich: Die Simpsons stehen Seite an Seite mit den South Park-Machern. – Wenn auch mit dem Abstand von ungefähr 38 extremistischen Weltbildern dazwischen…

Meine Meinung:

Die Doppelfolge an sich ist wirklich klasse, weltklasse womöglich. Tiefsinniger Humor, ein Wiedersehen mit etlichen Charakteren (es handelt sich nebenbei um die 200. Episode!) und auch mit zahlreichen Seitenhieben auf Tom Cruise, der die Macher bereits vor Jahren aufgrund einer kritischen Scientology-Episode vor den Kadi gezerrt hatte.

Darf Satire also Mohammed zeigen? Die Frage ist eventuell falsch gestellt. Ich würde eher fordern: Mohammed (Sprich: Der Islam) sollte Satire zeigen! Okay, ich sehe ein, dass Humor in allen Religionen eher schwer unterzubringen ist, lebt dieser doch von aufgedeckten oder fiktiven Widersprüchen. Und die sind in den Hauptquartieren der Händefalter ungefähr so gefährlich wie Zigarettenrauchen in einem Lager für Feuerwerkskörper.

Die uralte Frage ist wieder mal: „Was darf Satire?“ – Lustigerweise in der Meinung vieler Menschen nur so viel, dass sich niemand auf den Schlips (/ die Priesterrobe/ die Zündschnur der Bombensammlung, ect.) getreten fühlt. Wie oft musste ich es schon lesen: „DA hört Satire auf! Das ist geschmacklos!“ – Nein, Satire fängt erst da an, wo der Schmerz beginnt! Sonst hieße sie ja nicht Satire, sondern „Altherrenwitz“, „Verstehen Sie Spaß?“ oder „Witzeseite BILDzeitung“!

Wenn Euch irgendetwas einen Kloß im Hals bereitet, ist die Chance sogar ganz gut, dass die Satire einfach einen wunden Punkt getroffen hat. – PENG, einfach so. Denn SIE hat die Macht!

Ein bösartiger Judenwitz ist vermutlich nicht komisch, aber ein Witz, der sich damit beschäftigt, warum man keine bösartigen Judenwitze machen darf, könnte es sehr wohl sein. Zum Beispiel: „Warum erzählen die Deutschen Witze über Polen, Amis oder Türken, aber keine über Juden?“ – Antwort: „Die Arschlöcher wollen das Heilige Volk ausgrenzen!“

„Wir haben Mo-*Piiiiep* und werden *Piiiiep*-ed niemals wieder herausgeben!“ – „Ihr dürft unseren Propheten *Piiiep*-hamed nicht zeigen! He, wieso werde eigentlich ICH als Moslem auch überpiept?! Ihr imperialistischen Besatzerschweine! *Piiiep* ist groß und wird euch strafen!“ – Nicht piepegal: Diese Änderungen wurden vom Sender vorgenommen, NICHT von den kreativen Köpfen der Serie. Wie auch immer: Das peinliche Geschnippel schmälert den Genuss des zweiten Teils erheblich. – Wobei… Realsatire…?!

Klar mag es auch geschmacklose Satire geben, aber die wird in der Regel nicht als solche erkannt und geht als „Fäkalhumor“ durch. Ein Kunstwerk, auf dem drei Stücke Scheiße im Kreis schwimmen, könnte es schwer haben, eine gesellschaftliche Aussage zu transportieren. Ist das Köttel-Schwimmbecken aber der weit geöffnete Mund des amtierenden Papstes, würde ich bereits – im Zweifel für den Kritischen – von Satire sprechen.

Meine Sympathien an dieser Stelle also für Matt Parker und Tray Stone, die trotz aller Provokation weitaus mehr Feinsinn beweisen (z.B. kommt Mohammed in der Episode 10x besser weg als die anderen Religionsfiguren!), als diese oftmals von fanatischen Flaggen-, Bibel- und Toleranzverbrennern bewiesen wird. Und müssen die religiösen Christen unter UNS nicht auch erdulden, dass wir als Ungläubige und Schweinefresser verunglimpft werden?

Trotzdem sollte man als Künstler vielleicht aus ganz ANDEREN Gründen zurückhaltend sein und um Mohammed und Allah einen so großen Bogen machen, dass ihn sogar ein muslimischer Extremist mit doppelseitiger Linsentrübung und TNT-Staub im Gesicht erkennen kann: Schließlich gehört zu der der VERHINDERUNG von Mord und Totschlag auch, dass man den potenziellen Totmachern keinen Vorwand gibt, um mal nachts unsere Frauen und Kinder in Benzin zu duschen. Wer will schon – egal, wie abstrakt – für das Leid anderer Menschen verantwortlich sein, nur weil ein solch wichtiges(?) Thema noch in einer Zeichentrickserie fehlte?

Außerdem wurde das Thema bereits in der Doppelfolge „Cartoon-Krieg“ (Die „Family Guy“-Verantwortlichen wollen Mohammed kurz in einer Folge zeigen und alle rasten aus) mindestens genau so gut behandelt. Und das ganz ohne Piep-Mätzchen!

Daher bekommt die South Park-Doppelfolge von mir einen leicht reduzierten „Satire-ist-erlaubt-Faktor“ von:


Vorkommnis 2: Titanic-Titelbild

Das Satiremagazin „Titanic“ erlaubte es sich, folgendermaßen Stellung zu den Missbrauchsskandalen der Katholischen Kirche zu beziehen:

Humoristisch festgenagelt: Das Perfide und Gute an dem Bild ist wohl, dass es OHNE die strafbaren Handlungen in der Kath-Kirche gar nicht zum hier automatisch loslaufenden „Kopfkino“ kommen würde. Völlig ohne Skandale hätte man hier wohl gedacht: „Hihihi, der Pfarrer hängt da gerade ein Kreuz an die Wand, hihihi. Mann, ist das vielleicht… hihi… gar nicht lustig?!“

Reaktionen:

Beim Deutschen Presserat gingen etliche Beschwerden gegen das Titelbild ein, mindestens 175 bislang. Außerdem wurden 18 Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft gestellt. Diese wurden jedoch abgewiesen, denn, so der Staatsanwalt:

„Der öffentliche Frieden wird durch die Zeichnung nicht gestört, da dieser durch den Missbrauchsskandal bereits gestört worden ist“

Auch das Tatbestandsmerkmal der Volksverhetzung läge nicht vor, da es sich hier um eine Institution, keine Gruppe handele.

Meine Meinung:

Schaut man in die Kommentarspalte der „Katholischen Nachrichten“, so muss man fast annehmen, die satirische Beschäftigung mit dem Missbrauch könnte schlimmer sein als der Missbrauch selbst:

„na, in deutschland habt ihr ein „nettes“ pack in der staatsanwaltschaft sitzen.“

„Unverschämt, wie schnell die Staatsanwaltschaft nicht mehr objektiv ist, damit wird ja auch gegen die Verfassung verstossen finde ich.
Ich persönlich empfinde das Titelbild als Gotteslästerung und Blasphemie, welche als Todsünde schwerer wiegt als angeblich Prügel.“

Besonders „schön“ ist es, wenn das Grundgesetz, mit deren Auslegung und Anwendung sich kluge Leute ihr ganzes Leben lang beschäftigen können, zur „Meiner Meinung nach“-Zauberbox wird. Auf was beruft sich denn nun der zweite Diktat… ähm… Zitator? Auf das hier?

„Artikel 2 (1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“

Mag sein, schließlich kann man seinem Glauben ja definitiv nicht mehr nachgehen, nachdem ein – in unseren Augen – seelisch und geistig verwirrter Zeichner ein an die Wand genageltes Speiseeis mit einem Plastikpimmel verwechselt hat. Und die Meinungs- und Kunstfreiheit des Künstlers (Artikel 5, Abs. 1) nennen wir nicht mal, um sie wenigstens kurz gegenüber der Glaubensfreiheit abzuwägen, wie Juristen es ständig tun müssen. Was interessieren uns die Bedürfnisse real existierende Kritzelheinis, wenn uralte Märchenbücher mit anklagenden Papiergeräuschen nach unserer Gefolgschaft verlangen?

Hier ein älteres Titanic-Titelbild: Zwei Themen, die nichts miteinander zu tun haben, auf gut (Provokations-)Glück miteinander verwoben. Finde ich etwas billig, gehört aber auf der Suche nach dem humoristischen Zufallstreffer dazu. Man kann ja auch nicht in JEDER Ausgabe ein gelungen-witziges Titelbild haben. Bei Titanic reicht in der Regel sowieso „Einmal im Jahr“, damit ich sie mir dann… doch nicht kaufe.

Und Gotteslästerung ist also laut Kommentarschreiber „schlimmer als Prügel“, wobei sexueller Missbrauch netterweise ausgeblendet wurde? – Da wird das Kind mit dem leicht angedellten Kopf eventuell leicht anderer Meinung sein und sich wünschen, dass Pater Pädersto lieber ein paar mal auf den Herrgott geschimpft hätte, als seine neue Eisenstange einzuweihen. Und ich traue es dem Lieben(!) Gott – sofern vorhanden – durchaus zu, dass er eine Beschimpfung gegen sich durchaus lockerer wegsteckt als zermahlenen Kinderbrei mit feinen Knochen drin. Sperma nicht mitgezählt.

Die Staatsanwaltschaft hat in diesem Falle alles richtig gemacht, wobei man fairerweise sagen muss, dass ein NOCH deutlicheres Fellatio-Bild OHNE die Flut an Missbrauchsvorwürfen möglicherweise noch mal anders zu bewerten wäre. Egal: Wer perverse Schwanzlutscher in diesem Land als perverse Schwanzlutscher andeuten möchte, sollte dies tun dürfen! Immerhin werfen die meisten Christen hierzulande keine Bomben oder schneiden Atheisten in verwackelten Homevideos die Köppe ab. Somit ist das Zeigen des obigen Titelbildes sogar NOCH viel okay’ener als die Southparkfolge um Mohammed.

Dort muss man schließlich damit rechnen, dass unbeteiligte Westler (z.B. in arabischen Ländern) demnächst mit einem spitzen Gegenstand in der Augenhöhle aufwachen, weil irgendein besoffener Sachse auf seinem Blog irgendwas gegen Allah geschrieben hat. Und dann liegen unsere Landsleute da, mit Speer in der Birne. – Mit dem zusätzlich aufgespießten Kopf von Eric Cartman darauf. Dabei mag diese Southparkfigur nicht mal Juden!

In Germany kann man Religionen hingegen kritisieren. Daher gibt es für das Titanic-Titelbild einen „Erlaubt-Faktor“ von:

P.S.: In 4 Tagen kommt diese CD(?) heraus. Ich vermute, dass es sich hierbei um „Scherz“Anrufe bei der Missbrauchshotline der Katholischen Kirche handelt. Könnte spannend werden:

„Hallo, ist da die Missbrauchshotline?“ – „Ja, mein Sohn, was kann ich für dich tun?“ – „Wieso fragst du mich das? DU musst das geile Rollenspiel doch beginnen. War ich unartig? Muss ich bestraaaaft werden?“ – Lauert hier schon der nächste Skandal auf uns? Ich höre sie schon rufen: „Die Titanic verdient sich mit dem Leid der Opfer eine goldene Nase! WIR hingegen haben uns mit einem imateriellen Orgasmus begnügt!“


Vorkommnis 3: Papst-Satire im britischen Innenministerium

Mit „Amtsflur-Satire“ wollte sich ein junger Staatsdiener im britischen Außenministerium beliebt machen. In einem internen Gag-Memo schlug er unter anderem vor, der Papst solle bei seinem Besuch doch eine Homo-Ehe segnen, eine Abtreibungsklinik eröffnen, Benedikt-Kondome auf dem britischen Markt einführen oder zwielichtige Bischöfe rausschmeißen.

Reaktion:

Als das Memo an die Zeitung gelangte, wurde der Mitarbeiter „mit anderen Aufgaben betraut“. Der Außenminister entschuldigte sich persönlich.

Meine Meinung:

Hier muss man unterscheiden zwischen einer (erlaubten!) Meinungsäußerung und der Arbeit des Beamten. Abgesehen von dem geringen Witzfaktor, der allerdings für die rechtliche Bewertung keine Rolle zu spielen hat (sonst würde ICH ja juristisch immer gewinnen, haha!), finde ich die Aussagen des Briten Okay. Im privaten Rahmen.

Leider hat der gute Mann aber vergessen, wo er arbeitet, womit auch in Great Britain die Meinungsfreiheit deutlich beschnitten sein dürfte. ICH darf ja auch nicht die Geschäftspartner meines Chefs verunglimpfen, indem ich unflätige Witze über deren lahmarschige Fertigungsanlage mache und diese ein wenig zuuu breit streue.

Außerdem waren die Sprüche auch inhaltlich leider zu brav. – Der satirische Vollprofi hätte z.B. gefordert, dass der Papst öffentlich eine Diaphragma-Fabrik eröffnet. Und zwar mit Diaphragmas, die von der Größe her für den After eines Kindes geeignet sind. Irgendwie so was.

Sympathien erhält der verhinderte Witzbold, der mich an mich erinnert, natürlich trotzdem von mir, weil er den Finger auf die richtige Wunde hält. Arbeitsrechtlich war’s aber ein Schuss in den (Do)ofen!

„Erlaubt-Faktor“:

(Privater Gag)

„Erlaubt-Faktor“:

(Dienstlicher Gag)


Fazit:

Eine Welt ohne Satire wäre wie eine Katholische Kirche ohne Missbrauch: Man denkt immer, man kommt irgendwie ohne aus, spürt aber immer wieder, wie nötig man es von Zeit zu Zeit hat.

Gerade die Kath-Church hat jedes Recht auf eine pflegliche „Aha. Hmhm. Soso.“-Behandlung am Drehkreuz zur Himmelspforte verzockt. Daher: Seid meine Judasse! Zeigt dem Papst, wie bitter Geschmacklosigkeit schmecken kann… Und was gewisse moslemische Kreise angeht: Allah ist doch groß, oder? Muss er denn dann NOCH größer wirken, indem man alle anderen zu Zwergengröße zurechtzustampfen versucht? Mit ein paar Streicheleinheiten (und nein: NICHT mit der Reitgerte!) und 29 Dezibeln Geschrei weniger würde ich mir das mit dem Konvertieren ja womöglich noch mal überlegen…


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Artikel

von Klapowski am 26.04.10 in All-Gemeines

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Kommentare (29)

  1. dröhn sagt:

    Was für ein pseudopsychologisches Schwachsinnsblabla, welchen Sinn soll das hier haben wenn doch schon klar ist was der Betreiber der Seite hiermit bezweckt.

    Fazit: Unnütz, sinnentleert und hohl.

  2. Kaba sagt:

    Vorfall 4:

    Jetzt darf man die Arschlöcher von der BKA nicht mal mehr so nennen.

    http://www.lawblog.de/index.php/archives/2010/04/25/meinungsverbrechen/

  3. Klapowski sagt:

    Der Sinn? Erschließt sich aus dem Text, oh Dröhnender. Und wenn du meinst, ich führe damit die fluffige Stargate-Universe-Konversation weiter, muss ich dich enttäuschen: Nicht alles auf der Welt dreht sich um eine fragwürdige Raumschiffserie. – Die zu dunkel ist. Und doofe Musik hat. Und blöde Charaktere. (hihi)

    ICH finde es halt interessant, wo die Grenzen von Satire und Kritik in der Öffentlichkeit liegen. Sinnentleertes Thema? Sicherlich. Wenn man die RTL2-Nachrichten mag.

    Aber auf dieser Seite kann ja nicht alles so tiefgründig, tiefenpsychologisch und diskussionswürdig sein wie Reviews über unsere Vakuum-Bubis.

  4. dingens sagt:

    Ich finde das auch interessant! Gerade wir Deutschen, die wir doch ein gefühltes Problem mit „historischen Altlasten-Themen“ haben, tun uns doch mit Satire furchtbar schwer…

    Ach ja, Stargate Universe ist doof. (Das war jetzt ein satirischer Kommentar. Auf mehreren Ebenen. Oder doch nicht? Ach je, ich tu mir so schwer mit Satire…)

    Oh und noch was: Klapowski, wo bleibt der erwähnte Button?

  5. Klapowski sagt:

    Button: Wenn Kollege Sparkiller nicht total geil auf Deine 10 Euronen ist, würde ich den Spenden-Knopp erst mal stecken lassen. ICH mache das hier ja nur aus Spaß, selbst dann, wenn ich manchmal sehr, sehr traurig werde… – Wenn ich schnöden Mammon wollte, würde ich schließlich Bücher schreiben.

    Zum Thema: Ich bin immer wieder etwas überrascht, wie wenig manche Leute Ironie verstehen. Da kann man Menschen seit 10 Jahren kennen, sich ein sehr gut zu erkennendes (beidseitiges!) Augenzwinkern zugelegt haben und seine Stimme in Ironie tränken: ABER wenn man dann einen Witz loslässt, der auch nur im Entferntesten eine Minderheit enthält (auch, wenn eigentlich deren Widersacher karikiert werden sollen), herrscht eisiges Schweigen.

    Kürzlich erst wieder erlebt:

    Ich: „Die Katholiken haben ja ganz Recht. Sind ja nur TAUSENDE von EINZELFÄLLEN, muss man nicht weiter beachten.“

    Jemand anders: „Hä? Aber wenn das Tausende sind, sind das doch keine Einzelfälle mehr?!“

    Für solche Leute werden vermutlich Büttenreden – mit erklärendem Glossar im Programmheft – geschrieben.

    Übrigens habe ich beobachtet, dass Satire in den Medien immer dann „unangebracht“ ist, wenn:

    1.) Jemand die Satire zu spät durchschaut hat („Wie, Mallorca soll nicht wirklich den Taliban übergeben werden?! DAS sollte lustig sein?“)

    2.) Wenn die eigene Religion angekratzt wird („HAHA! Mehr Mohammedkarikaturen, mehr, mehr! – Huch! Auf dem Bild daneben sitzt Jesus ja mit einem Putzeimer auf dem Kopf; das geht doch nicht!“)

    3.) Jemand die Satire zu geschmacklos findet. Ging mir mit den allerersten Southparkfolgen oder Oliver Kalkofe ja auch so. Oft ist ein schöner Kackhaufen zur rechten Zeit aber nur ein Mittel, den Zuschauer gedanklich überhaupt aus dem „Einerseits / Anderseits“-Geschwurbel des gesellschaftspolitischen Einerleis herauszulocken.

  6. Grüzi sagt:

    „Was darf Satire?“ ist in Deutschland doch durch einen wunderschönen Gummiparagraphen festgelegt:

    § 166 StGB
    „(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
    (2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.“

    Sobald sich genug Leute aufregen, ist der öffentliche Friede gestört. Laut (2) reicht für eine Bestrafung sogar, wenn nur die Möglichkeit besteht, dass der öffentliche Friede gestört werden könnte.
    Das Titanic-Titelbild wurde laut Staatsanwalt nur deswegen nicht verboten,
    „da dieser (Anmerkung: der öffentliche Friede) durch den Missbrauchsskandal bereits gestört worden ist“.

    @Klapowski
    Wo kommt eigentlich das Bild auf der Startseite für diesen Artikel her?
    („Criticism of religion ist not free speech“)

  7. Henrik sagt:

    Guter Artikel. Weiter so Klapo!

  8. E.Ellert sagt:

    Der Artikel ist einfach klasse!

  9. 655321 sagt:

    Klasse Artikel. Doppel plus.

    Ich hatte mich so sehr auf die 201 Folge gefreut, aber das gebleepe war so nervig und das die Moral auch komplett zensiert wurde war unerträglich. Hoffentlich bekommt man die irgendwann nochmal zu hören.
    Das CC so derb den Schwanz einzieht ist peinlich.
    South Park schafft es immer wieder, der Gesellschaft den Spiegel vor zuhalten und mit genialem Witz ohne über die Jahre an Qualität zu verlieren.

    Meiner Meinung nach darf Satire alles. Oft schafft nur sie es Doppelmoral und Missstände aufzuzeigen. Ob jetzt Geschmacklos oder nicht bzw „darf man das“ ist Ansichtssache, man sollte aber nicht immer so eine Welle machen wenn man sich ans Bein gepisst fühlt, gibt schlimmeres auf der Welt und davon nicht zu wenig.

  10. Marvin sagt:

    Wunderbar. So ein Artikel darf auf dieser Seite nicht fehlen, auch wenn es sich scheinbar nur um „pseudopsychologisches Schwachsinnsblabla“ handelt. Jedenfalls steigt auch mein Blutdruck, wenn ich sehe, was alles – aus welchen fadenscheinigen Gründen auch immer – plötzlich verboten sein soll.
    Aber es ist auch klar, dass Satire nicht immer als solche erkannt wird, da sowohl ein ausreichender Intellekt als auch genügend Information zum Thema notwendig sind, und die meisten einfach mal über beides nicht verfügen.

    P.S.: ein Fehler hat sich eingeschlichen, der Karikaturenstreit hatte mit Dänemark und nicht mit Holland zu tun. Dort gibt es allerdings einen Herrn Wilders. Der ist auch nicht so beliebt bei einigen Mohammed-Anhängern.

  11. Sparkiller sagt:

    Hier noch zwei schöne Reaktionen via Telefon auf das TITANIC-Titelblatt:

    http://www.titanic-magazin.de/audio.html

    Frau: „Ihr Blatt werden wir anzeigen! Wegen ihrem Titelblatt! Ich bin katholisch!“
    Redakteur: „Jaaa?“
    Frau: „Sie verstehen das alles nicht! Kein Empfinden für unsere abendländliche Kultur! Der liebe Gott lässt sich sowas auf Dauer nicht bieten!“
    Redakteur: „Aber, neeein!“
    Frau: „Da bekommt man ja den Ekel, wenn man sowas sieht! Eine Blasphemie! Allein der Gedanke, sich sowas auszudenken! Sie werden die Konsequenzen tragen!“
    Redakteur: „Ja, gerne.“
    Frau: „Gott wird Ihnen irgendwann die Verblendung von den Augen reissen. Schönen Abend noch!“
    Redakteur: „Danke!“

  12. dröhn sagt:

    Ach sorry, ich wußte ja nicht dass Du diesen Artikel mal wieder „ernst“ meinst. Hab halt nur, wie häufiger in letzter Zeit, den ersten Satz gelesen.

    Aber mal was zum Thema, sofern der Link nicht irgendwo weiter oben aufgeführt ist:

    http://blog.zeit.de/joerglau/2010/04/23/die-wahrheit-uber-south-park-und-die-islamisten_3675

  13. bergh sagt:

    tach auch !

    Satire darf alles, solange ich darüber lachen kann.
    [Klapowski den Witz über alate BergHs vom Kamener Kreuz zurückgeb‘]

    Weiter so .

    Gruss BergH

  14. G.G.Hoffmann sagt:

    Mein Eindruck ist, daß viele Menschen nur deshalb die „Titanic“ oder „South Park“ konsumieren, um sich über vermeintlich geschmacklose oder gar strafbare Beiträge aufzuregen. Welcher Moslem schaut schon ernsthaft eine schlecht gemachte US-Zeichentrickserie? Welcher Katholik fingert im Supermarkt die „Titanic“ zwischen den Rätselheftchen hervor?

    In einem hat Klapowski recht: Das Titanic-Titelbild ist objektiv betrachtet völlig unverfänglich. Nur wer über einschlägige Phantasien verfügt, kann etwas Blasphemisches in das Bild hineininterpretieren. Spricht eher gegen den Betrachter als gegen den Zeichner. Offenbar denken Katholiken, die Anstoß an dem Bild nehmen, nur an das eine, wenn sie einen Kopf in Hüfthöhe sehen. Irgendwie bezeichnend. Dabei gab es einmal ein Logo der Kirche, das unfreiwillig ganz ähnliche Assoziationen auslösen konnte.

  15. paranoid android sagt:

    Klapo, bist du sicher, dass auch der Censored-Balken über Mohammed von Comedy Central drübergeklebt wurde? Ich bin bisher davon ausgegangen, dass zumindest dieser Teil von den Machern selbst stammte. Sonst wüsste ich nicht, wie der Gag mit Tom Cruise (der nach der „Goo“-Injektion ja den gleichen Balken bekommt) im Original funktioniert hätte.

  16. wrath-of-math sagt:

    Erstmal: So gefällt mir das! Sehr schöner Artikel. Besonders die Begründung, warum Satire und Humor die natürlichen Feinde religiöser Institutionen sind, find ich sehr treffend.

    Bei den von Sparkiller weiter oben verlinkten Telefonmitschnitten find ich’s ja besonders witzig, dass die Anrufer es nicht mal über sich bringen, die Fakten in den Mund zu nehmen (ich meine damit, ein Wörtchen wie „Oralverkehr“ auszusprechen), aber dennoch genau zu wissen glauben, was auf dem Cover zu sehen ist.

  17. Klapowski sagt:

    Wenn ich ehrlich bin, habe ich immer noch nicht verstanden, wie man §166 StGB (Volksverhetzung, Öffentlicher Friede) zusammen mit Grundgesetz, Artikel 5 (Meinungsfreiheit, Kunstfreiheit) zu deuten hat.

    Rein formell ist es ganz klar: Die Meinungsfreiheit wird im Grundgesetz deutlich eingeschränkt, und zwar durch Absatz 2: „Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“

    Das klingt für mich allerdings so, als könnte man den §166 StGB noch deutlich erweitern, wenn einem die Meinungsfreiheit nicht passt. Schließlich steht im Grundgesetz ja nicht, dass die Schranken irgendwie beschränkt sein müssen, könnt ihr mir folgen? – Zur Verdeutlichung hier ein paar Fragestellungen, die ich mir ohne weitergehende Recherche/Auffrischung nicht zutrauen würde, in einer Staatsrechtsklausur sauber lösen zu können:

    —————————–

    Aufgabe 1.) Deutschland, 2020: Die NPD ist Regierungspartei. Ein linkes Blatt veröffentlicht eine Stellungnahme darüber, dass rechte Parteien total daneben sind. Da gerade alle etwas gereizt (Fußball-WM verloren) sind, regen sich 50% der Bevölkerung schrecklich auf. Rechte demonstrieren auf den Straßen, gröhlen herum, behelligen die Gerichte und geben an, dass der öffentliche Friede im Sinne des §166 StGB gestört sei. Der linke Artikel müsse verboten werden.

    Der Richter schaut kurz aus dem Fenster, sieht die Massen toben und heulen und stellt fest: „Frieden gestört, Aritkel 5 wurde ausgehebelt.“

    Hat der Richter richtig entschieden?

    ————-

    Aufgabe 2.) Ich beschimpfe mehrmals öffentlich alle Christen als „Arschficker, Kotfresser und Hurensöhne“, um im Sinne des Absatzes 2 verurteilt zu werden, weil ich ein Zeichen setzen möchte. Ich berufe mich auf §166 StGB, Absatz 2: Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.“

    Da sich aber trotz öffentlichen Bewerfens einer Papst-Statue mit Kot partout keiner darüber aufregen will (sprich: der Öffentliche Frieden nicht gefährdet ist), weigern sich Polizei und Staatsanwaltschaft, mir weitere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Dabei bin ich überzeugt davon, dass meine Maßnahmen grundsätzlich hervorragend geeignet wären, mein Ziel der Friedensgefährdung zu erreichen!

    Hat der Staatsanwalt richtig gehandelt?

    ———————–

    Mir ist das alles einfach zu schwammig. Kein Wunder, dass ich irgendwann aufgehört habe, mich für alles Juristische zu interessieren.

  18. Klapowski sagt:

    Hier noch ein paar Antworten:

    @Grüzi: Das Titelbild stammt… aus dem Internet. Leider finde ich es jetzt nicht mehr wieder.

    ————-

    @paranoid android: „Klapo, bist du sicher, dass auch der Censored-Balken über Mohammed von Comedy Central drübergeklebt wurde? Ich bin bisher davon ausgegangen, dass zumindest dieser Teil von den Machern selbst stammte. Sonst wüsste ich nicht, wie der Gag mit Tom Cruise (der nach der “Goo”-Injektion ja den gleichen Balken bekommt) im Original funktioniert hätte.“

    Stimmt, sie sprachen ja nur über das Gepiepse, das ihnen nicht gefiel! Könnte also sein, dass sie es doch selber waren? Allerdings habe ich die „Goo“-Injektion schon so verstanden, dass Tom Cruise einfach selber zum Mohammed-Klon wurde.

    ————-

    @Marvin „ein Fehler hat sich eingeschlichen, der Karikaturenstreit hatte mit Dänemark und nicht mit Holland zu tun.“

    Stimmt, hatte die ältere Geschichte mit den derzeitigen Querelen dort verbunden. Werde das gleich ändern.

  19. dingens sagt:

    Diese ganze Sache mit dem öffentlichen Frieden finde ich tatsächlich bedenklich. Die Formulierung geht davon aus, dass es in der Gesellschaft einen „vernünftigen“ Konsens darüber gibt, was in Ordnung ist, und was nicht. (Ich schreibe hier „vernünftig“, weil ich keine Lust habe, mir das am Besten passende Wort zu überlegen bzw. die ganze Geschichte jetzt in all ihren Nuancen auszuloten. Der geneigte Zuleser wird verstehen, worauf ich hinaus will.)

    Darüber hinaus beachtet diese Formulierung aber nicht die Möglichkeiten, dass dieser Konsens nicht wirklich definiert ist, dass sich ein solcher Konsens auch ändern kann und so. Der öffentliche Friede ist hier ein Ergebnis des Konsenses, und nicht ein Ergebnis eines konkreten Wertes.

    In einer Demokratie sollte man zwar davon ausgehen, dass ein solcher Konsens „vernünftig“ ist, aber wir kennen ja alle das Problem der Meinungsbildung und Meinungsbeeinflussung, sei es durch Medien, Politiker oder allgemein charismatische Personen, die ihre eigenen Ziele verfolgen und wissen, wie man die Massen leitet…

  20. wrath-of-math sagt:

    Ich würde ja auf Aufgabe 1. antworten, dass die Fragestellung abwegig ist, weil im Jahre 2020 keine Fußball-WM stattfinden wird…

    Gegen Juristerei hab ich auch eine schlimme Abneigung. Aber im Falle der Aufgabe 1 dürfte §166 StGB ja nicht greifen, weil die NPD keine Religion ist, oder? Gibt es auch Paragraphen, die das „Verbreiten von Schriften“ zum Wohle des öffentlichen Friedens verbieten, unabhängig von einem religiösen oder weltanschaulichen Kontext? Würde mich mal interessieren.

  21. Grüzi sagt:

    @wrath-of-math
    Woher weißt du jetzt schon, dass es 2020 unter keinen Umständen eine WM geben kann?
    Kannst du auch sonst hellsehen?

    @Klapowski

    Aufgabe 1)
    Richtig entschieden, die „Weltanschauungsvereinigung“ ist in keiner Weise definiert.
    (Andererseits darf man bei der momentanen Rechtsprechung über HartzIV-Empfänger, Scientology und die NPD soviel lästern und schimpfen wie man will?)

    Aufgabe 2)
    Falsch entschieden?
    Allerdings, sind Homöopathie und Esoterik nicht auch irgendwie Weltanschauungen? Muss man also jede Kritik an diesem Schwachsinn unterlassen, da sich der Bund der Homöopathen und Geistheiler angegriffen fühlen könnte?
    Oder andersrum, wenn ich eine Vereinigung der Skeptiker gründe, die jedesmal androht, mit Steinen zu schmeissen und Reifen zu zerstechen, wenn unsere wissenschaftliche Weltanschauung durch das Anpreisen von Zuckerkügelchen oder Bergkristallen beleidigt wird, wird dann Esoterik und Homöopathie verboten?

    Wie schon geschrieben, das ist ein Gummiparagraph, der auf Betreiben der kirchlichen Lobby zum Gesetz wurde.
    Leider konnte man nicht einfach „katholische und evangelische Kirche“ statt „Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung“ schreiben.
    Die Aufzählung ist doch verdächtig: „eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung“.
    Da hätte stattdessen auch nur „Weltanschauungsvereinigung“ gereicht, ob das jetzt eine Kirche, eine Religion oder sonst etwas ist.
    Warum denn am Anfang der Aufzählung die Kirchen und Religionen nochmal besonders betonen?
    Es waren aber ganz klar die christlichen Kirchen gemeint und der Paragraph wird in der Rechtssprechung auch eigentlich nur zu deren Schutz angewendet.

  22. ... sagt:

    Alles sehr schön, nur,

    was für ein Zufall, dass die satirischen Beiträge über das Christentum viel mehr Gummipunkte abräumen können, als die (wenngleich viel harmlosere) über den Islam. Liegt dies nur an der Gummiohrqualität der vorliegenden Beispiele oder versucht der Autor schonungslos zu sein, verzagt dann aber doch angesichts der Brisanz bzgl. der Satire über den Islam.

    Satire darf alles, solange sie keine nachweisliche Verleumdung ist. Treffende Satire ist unabdingbar, auch wenn Gewalt droht. Trotz schlagender SA-Horden haben Zeitungen in der Weimarer Republik Satire über die Nazis gedruckt, auch, wenn ihre Büros danach verwüstet wurden. Dennoch konnte die Machtergreifung nicht verhindert werden, es war eben noch zu wenig Satire. Das soll jetzt nicht fälschlicherweise als Vergleich mit obiger Thematik missverstanden werden – dies wäre blanker Unsinn -, sondern zur Konklusion führen:

    Gewalttäter dürfen der freien Gesellschaft keine Grenzen setzen.

    Was die Unterscheidung von dümmlicher blanker Hetze aller NPD, Pro-NRW etc. und treffender Satire angeht. Diese ist doch nun meist leicht möglich. Ich bin eher gegen Verbote, aber der Konsument straft dumme (Nicht-) Satire am besten gekonnt mit Nichtbeachtung, wobei die Deutungshoheit allen und keinem obliegt.

  23. Klapowski sagt:

    @“Pünktchen“:

    Dass die satirischen Beiträge über das Christentum mehr Punkte abräumten, ist natürlich KEIN Zufall. Der „Erlaubt-Faktor“ stand immerhin in Anführungszeichen und enthält somit auch das komplette irrationale Unwohlsein zu dem Thema. Ich bin ja auch nur ein Mensch und würde eher davor zurückschrecken, vor einer Moschee Mohammed-Pappaufsteller zu verteilen, als Jesuskarikaturen vor einer Kirche.

    Einmal, weil es für den durchschnittlichen Moslem wohl tatsächlich schlimmer wäre, und zum Zweiten, weil ich mir bei der Kirche eine höhere Wahrscheinlichkeit ausrechne, meine liebgewonnene Zahnsammlung im Mund behalten zu können. Wenngleich man den rechten Haken eines katholischen Metzgermeisters aber sicherlich auch nicht unterschätzen sollte.

    Die hier gemachte Punktbewertung (die man nicht zu ernst nehmen sollte), hat mit der juristischen Klärung der Grundfrage („Was darf Satire“) höchstens oberflächlich zu tun.

    Im Zweifel würde ich aber immer für das Recht kämpfen, dass jeder die Möglichkeit hat, ironisch-kritisch selbst gegen das vorzugehen, was ICH vielleicht knorke finde. Gleiches Recht für alle! Somit würde mich auch interessieren, ob die Kritiker des Titanic-Titelbildes damals FÜR das Zeigen der Mohammed-Karikaturen waren. Ich gehe mal fast davon aus, dass die Mehrheit dies begrüßt hätte…

  24. Terek sagt:

    Hmm, war es nicht der dänische (!) Karikaturenstreit?

    Kritische Auseinandersetzung mit der Rechtsproblematik folgt, wenn ich damit fertig bin den nächsten Bundeswehr – Folterritualskandal zu verursachen…

    P.S.: Ich hatte immer den Eindruck zwischen des Zeilen herauszulesen, Klapo wäre Jurist… *schäm*

  25. Will Smith sagt:

    Lustigerweise wurde Mohammed in der Folge „Superbeste Freunde“ in Southpark gezeigt. Nicht verkleidet, sondern einfach Mohammed der gemeinsam mit Jesus und Buddha gegen das Böse kämpft.

    Da hat sich aber noch niemand daran gestört.

  26. Äxx sagt:

    die south park macher heißen übrigens trey parker und matt stone und nicht wie hier geschrieben tray stone und matt parker

  27. piotr sagt:

    Stehe voll hinter eurer Meinung. Schaut euch mal das an: http://www.missionare-anschnur.org
    Es ist hinlänglich bekannt, dass selbst Weichei-Christen mit ihrem Gott-liebt-alle-Menschen-Weltbild sich von Religionssatire beleidigt fühlen. Die Reaktionen kann man im folgenden beschreiben:
    1. Der Gutmensch: politisch stark links, esoterisches Weltbild, versteht den Sinn der Religionssatire oder Mohammed-Karrikatur nicht.
    2. Der Extremist: genau das Ziel der Parodie.
    3. Der Weichei-Christ: politisch konservativ im Sinne von Sitte und Anstand und sehr leicht eingeschnappt, oft sehr dumm.

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