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Star Trek Enterprise – 2.xx – Dampfhammer-VISION

Das Schöne an Dampfhammer-Reviews ist: Selbst 1er-Folgen werden vor der Notenvergabe fast militärisch gedemütigt und niedergemacht. Das System aus völlig belanglosen Kritikpunkten („NATÜRLICH gibt Archer als Captain wieder mal den Ton an. – Pfui!“) ist inzwischen derartig ausgereift, dass wir uns für unsere Verrisse nicht mal mehr die Episoden anschauen müssen…

Mit fortschreitender Dauer von ENTERPRISE haben wir nämlich zunehmend das Gefühl, die Reviews schon anhand der Vorabinformationen schreiben zu können… Oft las ich beispielsweise schon Kurzzusammenfassungen à la „Enterprise stößt auf Prä-Warp-Planeten und verlässt gegen Ende den Orbit“ und – Tataaa: Eine überdurchschnittlich innovative Folge erwartete mich. Wie schon vorher geahnt…

ST-E.de glaubt sich daher in der glücklichen Lage, alleiniger Eigentümer der sprichwörtlichen und vielbeschworen „ST-Vision“ zu sein. Mittels meiner Kristallkugel (einem gefüllten Weinbrand-Glas) werde ich unserer Seite daher als WELTPREMIERE Reviews zu ungezeigten und – NOCH weltpremieriger! – noch nicht mal verfilmten Folgen verhelfen!

Diesmal handelt es sich sogar – Überraschung, Überraschung – um Zusammenfassungen, die wir uns mal NICHT selber ausgedacht haben…

Los geht`s:

2.15 – Cease Fire

Bisher bekannter Inhalt: Die Andorianer bitten Archer zu Kaffee und Kuchen auf eine ihrer Kolonien… Doch, oh weh, böse Falle: Ein Shuttle, in dem T`Pol und ein vulkanischer Botschafter sitzen, scheint von den Andorianern abgeschossen worden zu sein. Unterdessen muss sich Tucker mit einem vulkanischen Trotzköpfchen herumschlagen, das weder Sensorlogs noch weitergehende Informationen zur geplanten Rettungsoperation weitergeben will. So viel Misstrauen tut weh…

Während die Vulkanier Gewalt anwenden wollen, arbeitet Trip mit Hoshi und Reed also an einer eigenen Rettungsoperation.

Dampfhammer-VISION:

Wo war Archer? Mitsamt den eingetunkten Butterkeksen im Milchkaffee abgetaucht? Die Konferenz bei den Andorianern hätte ein interessanter Einblick in die ersten Gehversuche sternenflotter`schen Bibber-Diplomatie sein können. Warum „Bibber“? Nun: Wer nur EIN nennenswertes Raumschiff sein eigen nennt, dürfte darauf bedacht sein, seinem Gastgeber mit peinlicher Genauigkeit die Schuhe zuzubinden…

Statt dessen beschränkt sich die lahme Handlung auf endlose Diskussionen zwischen Tucker und dem vulkanischen Captain, die meist darauf hinauslaufen, dass einer von beiden jeweils wortlos zur Tür hinausstapft und in seiner jeweiligen Sprache von „Fuckin` Bitches“ zu murmeln beginnt.

Dass die Andorianische Regierung das Shuttle letztendlich doch nicht abgeschossen hat, lag bereits schon frühzeitig auf der Hand und rührte sich nicht. Die Erklärung mit den böswilligen Rebellen auf dem Blaunasenplaneten erschien mir jedoch an den Antennen herbeigezogen, wenn nicht sogar -geschlumpft…

Das Ende hat mich sehr enttäuscht: Trotz der sorgsam geplanten Planungsaktion sehen wir wieder einmal Phaserkämpfe zwischen den Fässern eines andorianischen Weinkellers. Dass die Bösen sich wohl an diesem vergriffen und somit einen in der Krone haben, fällt wohl sofort jedem auf, der die strahlgewordenen Bananenflanken aus deren Pistolen länger als einen Wimpernschlag lang ertragen muss…

Da zielen Männer ja noch beim Pinkeln besser! Und das will schon was heißen…

Note: 4 +

2.16 – Crash Landing

Die ENTERPRISE findet ein abgestürztes Raumschiff aus der Zukunft, in dem ein toter Mensch ausgiebig damit beschäftigt ist, tot zu sein. Plötzlich taucht ein kleines Sulibanschiff auf und erhebt Anspruch auf das Schiff… Der Captain ziert sich jedoch auf jungfräulichen Niveau und wird prompt von dem Sulibansoldaten bedroht…

Trip und Mayweather entfernen unterdessen eine Art „Mikrowelle“ aus dem zerstörten Schiff und untersuchen sie im Maschineraum.

Später unterstützt die ENTERPRISE ein vulkanisches Schiff gegen einen Angriff der Suliban, ist jedoch dabei selber von einer bevorstehenden Enterung bedroht. – Gibt es noch einen Ausweg für unsere Helden?

Dampfhammer-VISION:

Die kleinen Spielereien mit der Zeitverschiebung im Maschinenraum haben mein kindliches Herz sowie meinen Minutenzeiger freudig hüpfen lassen… Schade, das dies nicht der Hauptplot der Folge und noch dazu sehr kurz war…

Ob der Zeitreisende nun die Zeitlinie auf`s Grausamste zerstückeln oder doch nur zum Wochenmarkt wollte, bleibt leider relativ offen. Und offen bleiben auch diverse Logiklöcher… Statt schleunigst vor der anrückenden Suliban-Flotte zu verschwinden oder wenigstens gleich nach vulkanischer Hilfe zu rufen, plaudert der Captain mit dem Sulibansoldaten über Dinge, die unsere Crew „nicht versteht“, über Anweisungen aus der Zukunft, die „keinen etwas angehen“ und Motivationen, die unsere Helden „nicht zu interessieren“ haben. – Da enthält ja fast ein chinesischer Glückskeks hilfreichere Informationen!

Man spürt deutlich, dass auch die Autoren nicht wissen, wohin der temporale Krieg eigentlich führen soll, wenn man „Sackgasse“ mal wohlwollend ausschließt. Ich sehe sogar schon deutlich „Akte-x“-Anleihen am trek`schen Serienhimmel aufziehen! – 8 Staffeln lang verschwört und vermobbt sich jeder mit jedem, ohne dass man auch nur den Schatten der Hintergründe kapiert, wenn man das Ganze nicht zufällig im Rahmen einer Doktorarbeit nachrecherchiert. Und am Ende haben die Autoren wieder einmal nachträglich einen tieferen Sinn einzubauen, der jedoch weder Hand noch Fuß noch Köpfchen hat.

Schade um die gute Grundidee…

*Mit diesem Text in der Gründungszeit von ST-E.de/STuS.de abstürz und mit dem Wissen zukünftiger Folgen brillier*

Note: 3

2.17 – Canamar

Hier trifft die Enterprise auf ein Enolianisches Gefangenenschiff… Punkt. Aus.

Ein echte Herausforderung für die Dampfhammer-VISION:

Schmutzig und Schleim. – So soll es sein! Wer will denn auch immer die desinfizierten Trek-Gefängnisse sehen? Meister Propper? Canamar beweißt, dass das Wort „Atmosphäre“ in ST nicht auf die stets atembare Luftschicht um den jeweiligen „Einheitsplaneten of the week“ beschränkt sein muss.

Dass Archer sich gegen die unmenschlichen Bedingungen an Bord einsetzt, ist zwar für den Plot eine schöne Sache, interessiert einen aber kaum einen Kakerlakensprung weit. Dafür glotzen die eigenschaftslosen Statisten in der Einheitsgummimaske einfach zu desinteressiert von ihren Fressnäpfen hoch, als Archer das erste Mal durch das Schiff geführt wird.

Richtig fiese Folterpraxen lassen sich ebenfalls nicht sehen. Nicht mal unter aufgeschlagenen Knien oder ungegelten Haaren mussten die schnarchigen Gefangenen leiden!

Dass die Handlung frühzeitig wie eine Abrissbirne auf den zu Unrecht inhaftierten Freiheitskämpfer umschwenkt, nimmt dem Plot irgendwie die (sowieso fehlende) Größe. Dass Xel`tot Archers Vertrauen missbrauchen und prompt einen Gefangenenaufstand in der Kantine anzetteln würde (Wächter, die locker durch Tabletts und fliegenden Haferbrei niedergeschlagen werden, lassen übrigens wehmütige Erinnerung an Xena aufkommen), war nicht sonderlich verwunderlich…

Fazit: Viel verschenktes Potential. Und mit Essen spielt man sowieso nicht!

Note: 4 +

2.18 – The Crossing

Tucker ist plötzlich von einem Energiewesen besessen, das prompt eine terroristische Attacke auf 3-stellige Intelligenzquotienten vollführt und ihn daher verwirrt und verblödet.

Von da an werden auch andere Crewmitglieder befallen, die daraufhin zum Kacken zu dösig werden. Die Fremden übernehmen die Körper jedoch nur, um die Erfahrung einer körperlichen Existenz zu machen…

Dampfhammer-VISION:

Energiewesen gehören zu ST wie Blitzer in Tempo-20-Zonen. – Dass die Fremden diesmal nur scharf auf den Geschmack von Mohnkuchen und Wodka Lemon sind und außer Erfahrungen nichts mitgehen lassen möchten, ändert nicht viel an der ausgelutschten Idee!

Das Massenbesäufnis auf der Krankenstation mag als amüsante Nebenhandlung noch gerade durchgehen, wird aber doch relativ schnell relativ platt.

Wie die Crew die Wesen nachher loswird (angehende Selbstzerstrahlung bei einen Flug in einen Quasar), gehört auch nicht gerade zu den „Stern“stunden des Exorzismus…

Note: 5 +

2.19 – Judgement

Archer wird vor einem klingonischen Gericht des Verrats an dem klingonischen Reich angeklagt. Ihm steht lebenslange Minenarbeit bevor… Sein Pflichtverteidiger zeigt jedoch wenig Interesse an einer ausreichenden Verteidigung…

Dampfhammer-VISION:

Da gibt es kein Wenn und Aber, bei Kahless: Die Gründe für die Anklage sind so hauchdünn, dass die handbreiten Bathlet-Klingen (schon damals arbeiteten die Dinger wohl schon konsequent an der „Unschärfetheorie“) nur neidisch aufblicken können…

Spannender wäre es gewesen, wenn der Anklagegrund auch den Zuschauer auf Barbara Salesch`s Elefantentrapez gehieft hätte. Ganz nach dem Motto: Entscheidet auch ihr: Kopf ab oder Friedensnobelpreis? – Doch die Unschuld Archers lag für das menschliche Rechtsverständnis so sehr auf der Hand, dass dieser Punkt achtlos verspielt wurde…

Dass ein alternder, lustloser Klingonenanwalt durch einen Besuch T`Pols zum Abendessen jedoch wieder zu Höchstleistungen motiviert werden kann, wage ich zu bezweifeln. Und ich bin immerhin ein Experte in Sachen Lustlosigkeit! – Wenn ein bisschen Geschwätz über Ehre und den ultimativen USA-Joker in diesen Fällen („Was sollen ihre Kinder einst von ihrem Vater halten??“ – Familie zieht bei den Amis immer) bei einem betrunkenen Klingonen derartig schnell ankommt, kann ich Altstadt-Punks auch dazu überreden, sich endlich einen Job zu suchen.

Fazit: Andreas Holt meets Klingonengerichte. So viel langweiliges Geschwafel haben wir seit „Stigma“ nicht mehr sehen können, ohne dabei wegschauen zu müssen…


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Artikel

von Klapowski am 11.02.03 in Star Trek - Enterprise

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Kommentare (4)

  1. CleSh sagt:

    Servus erstmal.
    Na ja vielleicht erweist sich der temporale krieg ja als das langersehnte Mittlel zum Zweck um eine einigermaßen (auf Berman-Ebene)logische Erklärung dafür abzugeben warum man später(chronologisch) so gut wie nie wieder was von den lustigen kleinen andorianischen HB-Männchen mit den Zimmerantennen Gehört hat.
    Falls nicht wird wohl eine weitere Frage dorthin vordringen wo keine Antwort zuvor gewesen ist…
    Erheben wir die "Kristallkugeln" und trinken auf Rick B.`s Gesundheit und wünschen ihm eime baldige Pensionierung
    take him out straight and steady

  2. Gast sagt:

    So weit, so lustig. Habe aber trotzdem was zu nörgeln: Heisst es nicht Folterpraktiken statt Folterpraxen? Oder meintest du tatsächlich eine Geisslungsanstalt unter ärztlicher Aufsicht? Ich weiß, ich weiß… Kleinliche Fehlersuchereien sind normalerweise nicht mein Ding, und hätte es irgend ein anderer Vollzeitlegastheniker so geschrieben hätt´s mich einen Scheiß interessiert. Aber bei Daniel "the normalerweise alles Richtigschreiber" Klapowski; Das sprang mir doch irgendwie sofort in´s Auge und ätzte dort ziemlich stark. Bin aber kein kleinlicher, pedantischer neunmalkluger Streber, ganz ehrlich…..?

  3. Gast sagt:

    Ähm Herr klapowski sie haben ihre Benotung für Judgment vergessen oder ist das etwa einer ihrer Tricks um uns völlig zu verwirren?

  4. Klapowski sagt:

    1.) Es heißt natürlich "Folterpraxen", sprich: Wortwörtlich eine ärztliche "Schmerztherapie". Und selbst wenn der Gag anders geplant gewesen wäre: Ich würde wohl auf jeden Fall flunkern und behaupten, das gemeint zu haben…

    2.) Die Endnote lautet 3+.
    Die Folge wird noch vor der inhaltlichen Bedeutungslosigkeit gerettet, weil Portos gegen Ende als überraschendes Beweismittel für Archers Unschuld seinen Auftritt hat.

    Damit hatte wohl keiner gerechnet!

    Nicht mal der Autor dieser Folge…

    Aber die Dampfhammer-VISION ist unbestechlich und irrt nie. Die Zukunft sei mein Zeuge. Amen.

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