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„Welt am Draht“ (1974) – Review des 3,5-Stunden-Klassikers

, „Welt am Draht“ (1974) – Review des 3,5-Stunden-Klassikers

Mit dem Satz „Die eigentliche Erfindung von Matrixkönnte man diesen deutschen Film umschreiben. Diese Bezeichnung wäre dann halt nur … falsch? – Nein, im Ernst: Natürlich hat dieser Streifen (bzw. TV-Mehrteiler) 1974 für einiges Aufsehen gesorgt. Schließlich lief damals nur so schnarchiges Zeug wie „Je später der Abend“ oder die besonders öde letzte Folge von „Bonanza“. Daher galt dieses SF-Experiment als so experimentell, dass einem der Draht aus der Welt… äh… der Mütze gesprungen ist. Doch ist das heute noch so?


Achtung, die Reihe besteht aus ZWEI Teilen. Da ich nach Teil 1 aber schon am Ende meiner Geduld war, wird der Fokus des Reviews hierauf gelegt. Schon deshalb, weil ich denke, dass heutige Zuschauer hier schon aussteigen sollten könnten.

Apropos doof: Ich selber habe erst JETZT gemerkt, dass es überhaupt einen zweiten Teil gibt – da war meine Besprechung fast schon fertig. Tja, so viel Klapo-interne Dämlichkeit gehörte natürlich mit dem selbstauferlegten Ansehen von weiteren 2 Stunden bestraft. Ächz…

An der Bewertung von Teil 1 änderte dies aber nur wenig.


Inhalt von Teil 1: Fred Stiller wird der neue Chef vom „Institut für Kybernetik und Zukunftsforschung“, nachdem sein Vorgänger unter seltsamen Umständen zu Tode kam. In diesem Institut laufen auf leistungsstarken Rechnern Simulationen, die das echte Leben abbilden. Mitsamt tausenden Menschen, die ein Bewusstsein besitzen! – Doch all das wird selbstverständlich uninteressant, als der Sicherheitschef Günther Lauser verschwindet. Sogleich dreht man diverse Plauderrunden mit Zeugen (die nix gesehen haben), Polizisten (die nix aufklären) und überschminkten Sekretärinnen (die nix erzählen).

„Wem nützt diese Welt?“, fragt eine der Figuren im Trailer. Die Antwort liegt auf der Hand: Allen, die sich schon immer eine unterdurchschnittliche TATORT-Episode mit Disketten-Streichlern gewünscht haben.

Besprechung von Teil 1 (die ersten 90 Minuten):

Rainer Werner Fassbinder hatte Anfang der 70er ein Einsehen. Endlich verfilmte er den Roman namens „Simulacron-3“. Ein astreines Ami-Werk, das bereits 9 Jahre vorher von Daniel F. Galouye veröffentlicht wurde (1964).

Davon abgesehen ist diese Adaption – so viel kann ich bereits nach der Durchsicht des Wikipedia-Artikels zum Roman behaupten – nur stellenweise gelungen. Filmklassikerbonus und Nationalstolz auf deutsche SF mal außen vor gelassen: Mir gefällt null, dass Fassbinder den Halbzeit-Twist der Buchvorlage auf das ENDE dieser 90-minütigen Schnarchfilm-Scharade schiebt. Das ist zu spät, zumindest nach heutigen Maßstäben.

Und vielleicht auch schon nach denen von 1974?

Zumal hier der eigentliche Gag ist, dass wir ZWEI simulierte Welten haben, wovon die eine (unspannenderweise) eher in Nebensätzen etabliert und vorgestellt wird, während die andere als Schlussgag herhalten muss. Vergleicht man diese Bier&Currywurst-Fassung mit dem späteren Wachowski-Werk, so sehen wir hier in anderthalb Stunden nur die ersten Minuten von „Matrix“.

Nämlich jene, in dem Morpheus dem Neo die Künstlichkeit seiner Welt offenbart. Nur dass Neo in der seppelhosigen 1974er-Verfilmung ein Firmenchef ist, der mit Hut&Schnauzer-Herren über unwichtiges Zeugs faseln muss, bis die Gegensprechanlage qualmt…

, „Welt am Draht“ (1974) – Review des 3,5-Stunden-Klassikers

„Diese künstliche Welt ist faszinierend! Ich könnte stun-den-lang darüber diskutieren, aber leider muss ich noch den Zeilenabstand der neuen Vermisstenberichte nachjustieren!“ – „Herr Direktor! Sie haben mir doch versprochen, dass ICH das machen darf?“ – Entschleunigung ist noch zu flott: Freude macht Teil 1 wirklich nicht. Und wer dabei trotzdem abgeht, ist vielleicht nur (Tadamm!) ein simulierter Zuschauer im Großrechner der Öffentlich-Rechtlichen?

Zu Beginn geht es nur hierum:

– Wer ist wann verschwunden? Wieso erinnert sich keiner dran? – Ach, wir rufen einfach noch mal die Auskunft an und fragen erneut! („Weiß ich auch nicht, tschüss.“)

– Wer hat ein Alibi bezüglich der verschollenen weißen Männer? – Ist eh egal, weil sich die Realität ständig (aber dafür auf eine uninteressante Weise) ändert.

– Was sagt die Öffentlichkeit eigentlich zu dem Simulationsprogramm, an dem der Held arbeitet? – Steht das kurz vor dem Halbzeit-Abspann eventuell in einer der gezeigten Zeitungen?
 
95% der Handlung bestehen daraus, dass der Protagonist seiner Sekretärin beim Stillsitzen zusieht. Danach wird entweder der Systemadministrator des Simulacron-Computers genervt („Alles auf Blau, Cheffchen. Wir müssen nur das Breitband-Kupfer auf Links zwirbeln!“) oder der Klischee-Regenmantel des Kriminalkommissars bestaunt.

Im Ernst, wurde der Columbo-Look damals etwa ERFUNDEN?

, „Welt am Draht“ (1974) – Review des 3,5-Stunden-Klassikers

Eigentlich soll diese Einblendung der Hauptfigur (= Herr Stiller) sagen, dass sie aufwachen soll. Doch sie teilt auch dem Zuschauer mit, wie er aus diesem Film herausgehen wird. Deutlich stiller nämlich. Vielleicht sogar komatös.

Die eigentlichen Szenen in der „Matrix“ gehen in Teil 1 gerade mal 5(!) Minuten. Und sind so spannend wie ein Themenabend in der „Sendung mit der Maus“ – aber in der Edition für geistig Minderbeklatschte…

Klar, die Simulation SOLL ja nicht spannend sein, aber eine gammelige Hotellobby (Genauer: ein Flur, der zu einer Hotellobby gehören könnte) ist nicht gerade das, was sich ein Location-Scout in den Lebenslauf schreiben sollte.

Schon hier wird festgelegt: Weder optisch noch künstlerisch weicht die Omikron… Simulacron-Welt von der unsrigen ab. Okay, der dicke Mann hat knallroten Lippenstift drauf… Aber das würde ich aus heutiger Sicht eher achselzuckend mit „Na und? Dann ist der Mann eben eine Frau!“ kommentieren.

, „Welt am Draht“ (1974) – Review des 3,5-Stunden-Klassikers

„Von wegen langweilig! Gerade ist ein Guppy und ein Wels an meiner Nase vorbeigeschwommen.“ – Eine Idee mit Knoff-Hoff: Dieser Mann hat zur Aufpeppung der Simulation drei Liter Wasser in seinen Helm laufen lassen. Bei mir waren es leider nur zwei Dosen mit Löwen-Bräu…

Gerne hätte man FRÜHER mehr über das Programm namens „Einstein“ erfahren, das als einziges weiß, dass es kein echter Mensch ist. Doch bis auf einen traurigen Blick und gequältem „Weiß nix“-Gemurmel ist hier nichts zu holen. Alleine hiermit hätte man viel Zeit füllen können – oder gar müssen?

Unverständlich ist auch, wieso der Held nur 5 Minuten am Stück in der Simulation verbringen kann, sich gleichzeitig aber die Redegeschwindigkeit eines 100-jährigen Bundespräsidenten angewöhnt hat. – Gefühlt geht er beide Male nur deswegen in die Simulation, um die Weckfunktion des Administrators zu testen. („Rein, dann gleich wieder raus! Schnell-schnell! Die Vorbesprechung mit Ihrem Herrenfrisör steht in vier Stunden an!“)
Auch missachtet der Film jede „Show, don’t tell“-Regel. Beispiele:

– Es gibt eine „Computer-Explosion“, die den Helden aus der Simulation zurückruft. Leider hat es aber nicht mal für einen Haufen Schrott, einen Soundeffekt oder einen schwarzen Fleck am Boden gereicht. Nein… Da kann man mir auch nicht mehr mit „kein Budget“ kommen. Dreck am Boden mache ich euch kostenlos!

– Die Übergänge zur Simulation wären filmisch spannend gewesen. Sieht man ein Licht, löst man sich auf, knallt man vom Himmel, wie im Vorspann zu „Mister Bean“? Die Antwort ist: Man rennt einfach ins Bild. Selbst für 1974 ist das ungenügend.

– Niemand interagiert miteinander. So schaut sich z.B. keiner beim Dialog in die Augen. Dieser Kunstgriff ist wohl gewollt („Guck mal, künstlich! Kein gegenseitiges Abklatschen am Arbeitsplatz!“), ist aber wohl dem Unverständnis des Regisseurs geschuldet, was eine simulierte Welt ebenfalls bedeuten kann. Diese DARF ja auch emotionale Aspekte anbieten?

Und dann gab es noch diese extrem seltsame Szene, in der eine Frau sinnfrei von einem Ziegelsteinhagel erschlagen wurde… Da hätte der Held sich doch wenigstens kurz bekreuzigen können, anstatt kopfschüttelnd weiterzugehen? Da fehlte echt nur noch ein Spruch wie: „Immer diese Zermatschten. Dabei ist dieser Radweg doch gar nicht für Fußgänger!“

, „Welt am Draht“ (1974) – Review des 3,5-Stunden-Klassikers

„Hm, könnte es sein, dass unsere Welt nur eine Simulation ist? In diesem Falle wären solche Dinge wie Mitgefühl oder Hilfsbereitschaft vielleicht unnötig? Hey, Sie da, unter dem Backsteinhaufen! Was ist Ihre Meinung dazu?“


 
Fazit: Nach Teil 1 bin ich fast zu enttäuscht für Teil 2.

Mal abgesehen davon, dass auch in der 2010er-Blu-Ray-Remastered-Version das Bild blass, ekelerregend und provinziell aussieht, verhält sich dieser Film zu „Matrix“ ungefähr so wie ein Kaugummiautomat zu einem Restaurant.

Und selbst, wenn man ihn nicht mit etwas anderem vergleicht, ist es unverständlich, warum man stundenlang irgendwelche Verschollenen sucht („Herr Inspektor, der Herr Kraxelhuber hat immer noch nicht existiert! Tun Sie doch was!“), statt den philosophischen Fragen etwas Raum zum Atmen zu geben.

Da hilft auch keine bloße Erwähnung von „Einstein“, „Programmierung“ oder „Vorausberechnung“. Hier wäre mit jedem SF-interessierten Taxifahrer der 1960er-Jahre ein interessanteres und anregenderes Gespräch möglich gewesen.

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Besprechung von Teil 2

Dramaturgisch fährt der zweite Teil immerhin bereits auf Stützrädern – und trotzdem mitten ins Erdloch.

Gerade diskutiert die Hauptfigur endlich darüber, dass man sich ebenfalls in einer Simulation befindet (Ich: „Ja, weiteeer! Weiter! Du kannst es schaffen, kleiner Prinz!“), doch plötzlich sitzt Meister Hutständer wieder nur an einem Tisch und wundert sich, dass ein Zeitungsartikel spurlos verschwunden ist. – Halt genauso wie die bereits „gelöschten“ Personen.

Wollte man diese Herangehensweise auf einen Krimi übertragen, so müsste man im TATORT die Leiche nach einer Stunde wieder auftauen und testen, ob sie wirklich tot ist. Getreu dem Motto: „Irgendwas kommt mir hier komisch vor. Graue Haut, eiskaltes Fleisch, überall Maden… Vielleicht lebt der Typ ja noch?“

, „Welt am Draht“ (1974) – Review des 3,5-Stunden-Klassikers

„Sehen Sie mal! In der gestrigen Zeitung steht 19.032 mal der Satz: ‚Server Error. Please Reconnect‘? Was könnte das bedeuten?“ – „Hm. In der Kneipe ‚Zum gähnenden Hirschen‘ soll ein Mann sitzen, der schon mal ein englisches Wörterbuch besessen hat.“ – Und so beginnt es … erneut. Dagegen ist die „Der Hobbit“-Trilogie fast ein Musterbeispiel an Progression?

Die Dialoge bewegen sich gefühlt weiterhin auf diesem Niveau. Kleine Enthüllungen und philosophische Gedanken werden stets gekappt.

Stattdessen guckt man (z.B.) in einer simulierten Welt – in einer ebenfalls simulierten Welt – dem dort simulierten TV-Programm zu. – Äh… Was zugegebenermaßen schon wieder modern ist, da „Matrix 4“ auch so funktioniert?

Weitere Highlights an Dialogen:

– „Was?“ – „Was was?“ – „Was Was?“
– „Was man sich vornimmt, kann man auch TUN.“ – „Das stimmt nicht.“ – „Hm. Stimmt auch mal wieder.“

Klar, das alles SOLL künstlich wirken, so wie das komplette Schauspiel. Am Ende betreiben aber auch die interessanten Fragen wie „Vielleicht ist in der echten Realität der Kaffee lila?“ nur Zeitschinder-Schindluder.

Die Realität der Welt wird hier selten hinterfragt, sondern einfach in einen extrem schlechten Thriller umgewandelt. Erkenntnistheorie gibt es zwar, allerdings nutzt das wenig, wenn man sich auch nach 3(!) Stunden noch immer fragt, ob der Stuhl nun wirklich ein Stuhl ist (=Nein). Und ob eine Straße vorhanden ist, wenn sie noch nicht programmiert wurde (=Nein).

, „Welt am Draht“ (1974) – Review des 3,5-Stunden-Klassikers

„Hm. Irgendwas habe ich vergessen? Was kann es nur sein? Ach ja, Sterbend umfallen.“ – Alles für den Sch(l)ießmuskel: Das alles mag theoretisch kunstvoll sein, ist aber so unästhetisch gefilmt, dass jegliche Wirkung verloren geht. ICH brauche jetzt jedenfalls ein 1080p-Katzenvideo, jawohl!

Hier fehlt der Fokus auf das, was den Roman sehr interessant klingen lässt: So z.B. die Liebesgeschichte mit Jinx, der Technikerin der „übergeordneten“ Realität. Und der Kampf gegen den „Großen Simulatroniker“, der die Welt des Helden zerstören will. Am Ende des Buches hätte der Protagonist dann seinen Körper in einem (simulierten) Aufstand verloren, während sein Geist den Kopf des Simulatronikers übernimmt.

Das alles gibt es hier auch, aber anders, als es sich hier liest. – Lückenhaft. Gedehnt. Gestrichen.

Fragmentiert. In die Länge gezogen.

Doch ist eine gezogene Länge noch eine Länge? Oder geht sie über die Länge hinaus – und ist dadurch bereits etwas ganz anderes?

Gibt es überhaupt so etwas wie Länge?
Nun ja, BREIT bin ich nach dem Gucken schon mal…


Fazit: Nicht gegen verquasteten Kunstgenuss mit Überlänge, aber diese 3,5-Stunden-Trümmerwiese der LEGO-Philosophie war selbst für mich zu hart.

Zumal man auch mit sehr vielen Retro- und „Aber früher war das doch Kult!“-Argumenten nicht weiterkommt.

Selbst die (damals wie heute) vielgelobte Ästhetik habe ich nicht auffinden können. Da haben „Super 8“-Videos von Hochhaussiedlungen – gedreht von einer Schildkröte mit Kamera auf dem Rücken – ebenso viel Stil.

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

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Artikel

von Klapowski am 28.01.22 in Filmkritik

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Kommentare (31)

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  1. Zuse sagt:

    Total Off-Topic: Das Millionenspiel (1970)

    Mit Dieter Thomas Heck!

    Und total bekloppter fiktionaler TV-Werbung – Damals war real GEZ only in Absurdistan.

    Habe ich durch Zufall vor 2 Jahren oder so bei tagesschau24 mal gesehen. Wird scheinbar nur alle Trillionen Jahre mal versteckt versendet, um die Rechte zu halten.

    Leider nicht wie anderes altes Zeug bei youtube.

    • JP1957 sagt:

      Kannst Du im Interesse der Mitglieder Deines Volkes nöcht die doitsche Sprache verwenden?

      Wer soll denn sonst Deinen Satz „Damals war real GEZ only in Absurdistan“ verstehen?
      Oder deute ich das schon richtig, dass Du für die Plutofizierung unserer Fernsehlandschaft eintrittst?

      Deine Recherchefähigkeiten jedenfalls sind arg beschränkt.
      Das Millionenspiel findest Du in voller Länge unter https://www.youtube.com/watch?v=OWua6ddsEb4

      Tipp: Man muss sich bei YouTube nicht durch alle 5 Milliarden Videos klicken, es gibt da so ein Suchfeld, da kann man den gesuchten Filmnamen eingeben!

      Antworten
  2. Hayos sagt:

    Als die Bluray-Fassung frisch rauskam, hatte ich mich auch mal rangewagt. Kameratechnisch (Kadrierung) fand ich das schon hübsch und handwerklich gut gemacht. Aber nach so einer halben Stunde stellte sich doch Müdigkeit ein und so richtig was nun eigentlich los ist, habe ich auch nicht gerafft…also dachte ich, ok, falscher Zeitpunkt vielleicht, später nochmal probieren, hab ja mit Laaangsamkeit eigentlich sonst keine Probleme.

    Tja. Das ist jetzt schon ein paar Jahre her. Und die obigen amüsanten Zeilen lassen mich jetzt dieses Vorhaben ganz begraben. Jaja ich Schlafschaf, ohne eigene Meinung. „Unwissenheit ist ein Segen“ sagte Cypher ja so schön.

    Und hey Klapo, du hast uns Nackedeis verschwiegen ;)
    https://youtu.be/QeqoD7swQpI?t=4543

    • Klapowski sagt:

      Danke für diesen Kommentar. Eigentlich dachte ich, dass mir heute Morgen drei Kommentare à la „Klapo! Man muss es aber als Kind seiner Zeit bewerten!“ entgegenstrahlen. Nach dem Motto: „Was damals neu war, kann heute nicht schlecht sein.“

      Ich finde es aber schwierig, etwas (komplett) nach den Regeln alter Zeiten zu bewerten. Bei den 80ern kriege ich das noch hin, aber bei den 70ern wirds dann auch schwierig. Schlaghose und Schnauzerparade habe ICH nun nicht mitgemacht.

      Wobei ich diese Sichtweise sogar für nützlich halte, denn so trennt sich klassikertechnisch die Spreu vom Weizen.

      Und sooo wichtig scheint Gehirnakrobatik dieser Art das auch nicht zu sein („Gnaah! Muss gutfinden, da Matrix-Vorläufer, gnaaah!“), denn „Alien“ (1979), „Die Körperfresser“ (1978), „2001 – Odyssee“ (1968) und „Alarm im Weltall“ (1956) sind bis heute einfach knackiger, unterhaltsamer und subjektiv (oder sogar objektiv?) besser.

      „Das Millionenspiel“ liegt hier auch seit Jahren auf DVD rum. Ist auf meiner Liste.

      Ebenso wie „The 13th Floor“ (1999), der „Welt am Draht“ noch mal neu erzählt. Roland Emmerich hat’s sogar produziert. Da kann ich auch davon ausgehen, dass die oben erwähnte Explosion eines Computers mindestens über mehrere Häuserblocks geht, jaaa?

      Antworten
    • Hayos sagt:

      Ich bin ja in jüngeren Jahren an „Blade Runner“ und „2001“ gescheitert und um sie dann in meinen späten 20ern in meine Top 10 zu schieben. Danach hatte ich mich dann erfolglos „..am Draht“ versucht. Daher vermute ich, dass es mir wie dir gehen wird: glaube ich auch nicht, dass sich da meine Sichtweise in 10 Jahren noch einmal um 180 Grad wenden wird…

      Antworten
    • BigBadBorg sagt:

      @Klapo

      The 13th Floor ist ein echt guter Film! Ich hatte das große Glück damals weder das Kinoplakat zu kennen (Spoiler) noch die Story. Es war wirklich Glück, so wurde mir der Twist nicht versaut! Das er von Emmerich produziert wurde wusste ich nicht, und das merkt man auch nicht. Viel Action hatte er nicht, und sonderlich spektakulär war sie wenn sie denn vorkam auch nicht. Die Atmosphäre war aber klasse! Und die Szene in der Wüste hatte Gänsehautgarantie (weil man bereits ahnte was jetzt kommt – womit wir wieder beim Spoiler-Kinoplakat wären).

      Und das Millionenspiel ist so durchgeknallt, und heute noch wesentlich absurder vom Stil her, den sollte man wirklich gesehen haben. Langeweile kommt da auch nicht wirklich auf.

      Antworten
  3. Michel sagt:

    Ich habe zwar (noch) nicht alles von RWF gesehen, kann aber ohne rot zu werden sagen: Der Mann wurde und wird einfach maßlos überschätzt.

  4. Ichwieder sagt:

    Kenne diese Verfilmung hier nicht und werde sie mir jetzt auch nicht mehr geben. Sehr schade eigentlich, da ich den Stoff, bzw. die Idee dazu in einem so frühen Werk ja schon beachtlich finde. Eine solche Vorstellung zu haben in einer Zeit, wo hausgrosse Computer im Vergleich zu heute jedem Pokemon-Ei unterlegen waren…

  5. Serienfan sagt:

    Was ist denn mit Klapo los?

    Die DVD-Sammlung eines arbeitslosen Theaterwissenschaftlers mit abgebrochenem Masochismus-Studium geerbt oder was?

    Ich glaube, ich muss hier mal wieder dringend das Niveau senken. Auf ARTE lief kürzlich die ungekürzte Fassung von „Zombie 2 – Das letzte Kapitel“, obwohl eigentlich sogar die gekürzte Fassung in Deutschland noch immer beschlagnahmt ist.

    Der blutige Science-Fiction-Endzeit-Horrorfilm befindet sich noch die kommenden vier Wochen in der ARTE-Mediathek. Schön restauriert und, wie ich finde, unterhaltsam blöd und trashig, aber auf jeden Fall mit jeder Menge Blut:

    https://www.arte.tv/de/videos/036170-000-A/zombie-2-das-letzte-kapitel/

    Gegen die Tiefpunkte von Fassbinder tausche ich George A. Romero jederzeit. Auch wenn Fassbinder ein paar Perlen wie „Angst essen Seele auf“ gemacht hat, von Science Fiction hätte er sich aber besser ferngehalten. Roland Emmerich verfilmt ja auch nicht Theodor Fontane.

    Und die „Öffentlich Rechtlichen“ hätten lieber noch ein paar Folgen von „Raumpotrouille“ in Auftrag gegeben, anstatt dieses zähe Zeug, das schon damals am Massengeschmack des Publikums vorbeiproduziert wurde.

  6. Mikrobi sagt:

    Habt hier nicht schon mal so eine alte Klamotte verrissen (2001) und dann einige Zeit später nachgebessert? Lernt ihr denn nie daraus?

    Zudem wundert mich da die Wertung von Solaris, 4 Sterne. Da dachte ich tastsächlich, ihr seid auf dem Weg der Besserung.

    Mal ein Beispiel: Ich hab letztens versucht, Metropolis anzugucken. Versucht, denn so zirka zur Hälfte hab ich aufgegeben, weil dieses stumme, theatralisch gestikulierendes Filmschauspiel mich irgendwie nicht mitreißen konnte.

    Aber würde ich jemals auf die Idee kommen, ihn deswegen zu zerreißen? Nein! Und Warum nicht? Nun ja, weil dieser Film eine enorme geistige Größe hatte, die seiner Zeit weit voraus war; die sich jedoch, auf der andere Seite, aufgrund seiner Machart kaum in die kleingeistigen Hirne, meines eingeschlossen, unserer heutigen Zeit transportieren lässt.

    Ist Walt am Draht deswegen ein ganz großer Klassiker? Soweit würde ich nicht gehen – aber auch kein Schund. Was ich faszinierend an ihm fand, war erst recht die Tatsache, dass er eine ganz andere Perspektive auf jene Thematik gab, welche dann später auch bei Matrix aufgegriffen wurde.

    Dieses Spiel mit der Realität in einer Realität in einer Realität, dass kann letztlich nur bekloppt werden. Wie in einem schlechten Traum, bei man stutzig wird und sich denkt, irgendwas stimmt hier nicht, aber auch nicht in der Lage ist, dem nachzugehen oder gar daraus auszubrechen.

    Und dieses Gefühl konnte Welt am Draht auf seine Art transportieren, also zumindest in mein Hirn. Etwas, was Matrix nicht konnte.

    • Serienfan sagt:

      Sorry, aber, nö!

      Nicht alles verdient die Bezeichnung „Klassiker“. Auch nicht alles, was Fritz Lang gemacht hat.

      Wenn Du allerdings „Metropolis“ fad findest, liegt es an Dir.

      Wenn Du hingegen Fassbinder fad findest, liegt es fast immer an Fassbinder.

      Antworten
    • Klapowski sagt:

      „Habt hier nicht schon mal so eine alte Klamotte verrissen (2001) und dann einige Zeit später nachgebessert? Lernt ihr denn nie daraus?“

      Nach dieser Logik dürfte man aber NIE eine Wertung für irgendwas abgeben. Egal ob „öde“, „mittelmäßig“ oder „ganz gut“: Nach 20 Jahren könnte es immer sein, dass man es BESSER findet.

      Ich finde „Star Trek – Nemesis“ heute z.B. auch (etwas) besser als Anfang der 2000er. Was vor allem an Kurtzmans und Abrams‘ „wertvoller Arbeit“ liegt. Sollte ich daher in Sack und Asche herumlaufen, weil ich mich damals „geirrt“ habe? Nö. So weit geht der Selbsthass nicht.

      Diese Webseite gibt es nun mal seit über 21 Jahren, das zugrundeliegende Internetforum sogar noch länger. Natürlich ändert sich da wertungstechnisch auch mal was.

      „Welt am Draht“ wird sich aber vermutlich in meinem Kopf niemals ändern. Wie oben schon mal angedeutet, bewerten wir nun mal nicht NUR die tollen „Ideen“ oder dass etwas „zuerst“ da war.

      Du schriebst:
      „Ist Walt am Draht deswegen ein ganz großer Klassiker? Soweit würde ich nicht gehen – aber auch kein Schund. Was ich faszinierend an ihm fand, war erst recht die Tatsache, dass er eine ganz andere Perspektive auf jene Thematik gab, welche dann später auch bei Matrix aufgegriffen wurde.“

      Auf die Gefahr hin, dass ich mich in 20 Jahren korrigieren muss (was für alles im Leben passieren kann), lehne ich mich aus dem Fenster: DOCH, es ist Schund. Dieser Film ist sich selbst nicht mal treu.

      Stellvertretend dafür steht dieses künstlerisch verquarzte Segment ( https://youtu.be/PoVWURQlmn8?t=7160 ), bei dem man sich fragt: Die haben doch davor und danach NORMAL geredet – sowohl am Bildschirm als auch in der Matrix drin?!

      Sowohl technisch, als auch psychologisch, als auch filmästhetisch, als auch dramaturgisch, als auch längenmäßig ist der Film ein einziger egomanischer Überhöhungsversuch, der aber zu besoffen für irgendwas ist – und ständig über die eigenen Füße fällt.

      Enttäuschtender kann es kaum sein… Dass er ZUERST da war (lassen wir den Roman mal außen vor, der 10 Jahre vorher kam), ist übrigens schon mildernd in die Wertung eingeflossen. Sonst wäre es nur ein halber Stern gewesen.

      Ich freue mich aber, dass du Spaß dran hattest und wünschte mir, dass ich auch so „druff“ wäre. Dann könnte ich in Zukunft nämlich wirklich JEDE alte Kamelle sehen und mich solide unterhalten. Wäre auch irgendwie schön.

      Antworten
    • Mikrobi sagt:

      Gut, dann warte ich halt ein paar Jahre/Jahrzehnte darauf, hier eine 5-Sterne-Wertung von Welt am Draht stehen zu sehen. Vielleicht schaff ich es bis dahin auch, Metropolis zu Ende zu gucken.

      Antworten
    • Serienfan sagt:

      Was mich an dem, was ich bislang von „Welt am Draht“ gesehen habe, so nervt, ist das Avantgardistische. Es ist dieses: „Super! Da hat er die Szene durch eine Glasscheibe gedreht! Das ist total subtil und originell.“

      Nö! Ich bin da draußen. Ich halte das auch für überhaupt nicht kreativ, wenn in einer modernen Opern-Inszenierung der Fliegende Holländer mit dem Schlauchboot daherkommt. Jeder Depp kann sich so einen Schmarren ausdenken, dazu braucht es kein Talent.

      Aber es freut natürlich den eifrigen Kritiker, der geistig irgendwo auf dem Niveau der Textanalyse der zehnten Klasse stehen geblieben ist. Jetzt hat er was zu schreiben, und kann dabei noch so schön auf den verständnislosen Pöbel strafend herabblicken.

      Und dann endet die Kritik mit der Standard-Plattitüde: „Doch wer sich auf diese Sehweise einlässt, erlebt nicht nur exzessives Körper- und Bildertheater, sondern eine erschreckende, düstere Parabel unserer Leistungs- und Konsumgesellschaft.“

      Nö! Dann doch lieber „Zombie 2 – Das letzte Kapitel“. Ein Film, den man heute nicht zuletzt aufgrund der Pandemie neu entdecken kann, auch wenn er – da braucht man sich nix vormachen – enorme Schwächen hat.

      Aber mir war ein Film, der mehr ist, als er sein will, schon immer zigmal lieber als ein Film, der mehr sein will, als er ist.

      Antworten
    • JP1957 sagt:

      „Aber es freut natürlich den eifrigen Kritiker, der geistig irgendwo auf dem Niveau der Textanalyse der zehnten Klasse stehen geblieben ist.“

      Da ich in dieser Branche tätig bin, möchte ich dem Autor gegenüber mein Befremden äußern!
      Wer die Kommunikation in sozialen Netzwerken (auch in diesem hier) verfolgt, der kann nur davon träumen, dass der Dreischritt „Wahrnehmen (was im Text steht) – Deuten – Beurteilen“, der Schülern spätestens in der Mittelstufe versucht wird, näherzubringen, hier denunziert wird!!

      4-

      Antworten
    • Serienfan sagt:

      Ob man auf diese Art etwas „näherbringt“ oder nicht eher befremdet, lasse ich mal offen.

      Wenn ich allerdings sage, die Geschichte eines Autors sei auf dem Niveau einer Erlebniserzählung der fünften Klasse, dann sehe ich hier auch noch nicht gleich eine „Denunzierung“ von Klassenarbeiten oder Unterrichtsmethoden.

      Antworten
    • JP1957 sagt:

      Uff … die Schulzeit scheint lange her zu sein. Und mein Post nicht verstanden.

      Von der Art und Weise des „Näherbringens“ ist nirgends im Post die Rede … da wäre dann die Didaktik gefragt, damit wollte ich niemand hier quälen.
      „Nähergebracht“ (ich schreib jetzt nicht vermittelt, weil Schule ja ständig scheitert) wird Schülern spätestens in der Mittelstufe ein analytischer Umgang mit Texten.

      Der (also die von Dir erwähnte „Textanalyse“) besteht nicht in einer „Erlebniserzählung“ (mein Rechtschreibprogramm weist mich übrigens daraufhin, dass es diesen Begriff gar nicht gibt), sondern in der Wiedergabe des Inhalts des Textes, der Deutung/ Interpretation des Textinhaltes und schließlich (und erst dann) der Beurteilung der inhaltlichen Aussagen/ Behauptungen des Autors.

      Auch wenn Textanalyse zu den unbeliebtesten Dingen in der Schule gehören, ist sie fundamental nicht nur für den Umgang mit Geschriebenem, sondern die Trennung der drei Analyseschritte auch fundamental wichtig für das Gelingen zwischenmenschlicher Kommunikation.

      In der Klasse 10 ist das (klar – nur angestrebte) Niveau dabei schon – mit Blick auf die kommunikativen Abgründe in sozialen Netzwerken – recht hoch.
      Du solltest das also nicht in einem abschätzigen Kommentar verwenden.

      Um „Klassenarbeiten“ oder „Unterrichtsmethoden“ ging es nirgends in meinem Post, sondern um eine Kulturtechnik.

      Amen.

      Antworten
    • Serienfan sagt:

      Die Botschaft höre ich wohl. Aber vielleicht hatte ich auch einfach nur extrem miserable Deutschlehrer.

      Avantgardistische Symbolik eignet sich leider schön zum schablonenhaften Abarbeiten. Das gilt für die Schule wie für Feuilleton-Artikel. Mein Eindruck ist, dass manche Rezensenten so eine Art Dankbarkeit verspüren, weil der Künstler es ihnen so leicht machte, die Rezension mit der geforderten Anzahl an Buchstaben zu füllen.

      Mag sein, dass man als Lehrer überempfindlich wird, bis man nicht mehr unterscheiden kann, was Kritik an Schule ist oder was nur wie Kritik an der Schule aussieht. Mag auch sein, dass die Schule zu gerne als Negativbeispiel geführt wird, schließlich wird jede misslungene Theaterinszenierung gerne mit der Floskel „Niveau einer Schulaufführung“ bedacht.

      Aber eine „Textanalyse“ der Schule ist keine Zeitungskritik. Soll sie auch nicht sein. Darf sie nicht sein.

      Nur liest sich manche Zeitungskritik so. Oder sie liest sich wie die unzutreffende Klischeevorstellung einer Textanalyse.

      Was ich bislang von „Welt am Draht“ gesehen habe, scheint mir dieses Machwerk geeignet, Schüler zu quälen, weil ja so wahnsinnig viel „Symbolik“ und „Zeitgeist“ enthalten ist, mit der dann die Analyse-Fähigkeit geübt werden kann.

      Und ob das jetzt wirklich „Denunzierung der Schule“ oder eher traurige Wahrheit ist, sei dahingestellt. Aber ich fürchte, so mancher Lehrer präsentiert fahrlässig diesen „Fassbinder zum Abgewöhnen“, weil sich dazu ja so schön so viel sagen lässt.

      Antworten
    • JP1957 sagt:

      Überempfindlich?

      ICH BIN NICHT ÜBEREMPFINDLICH!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

      ERST CORONA!

      DANN DER MARSIANER NUR AUF PLATZ 24!!

      UND JETZT NOCH KRITIK AN DER SCHULE VON JEMANDEM, DER DAS WORT „ERLEBNISERZÄHLUNG“ ERFINDET!!!

      UND WAS ZUM TEUFEL HAB ICH MIT HERIBERT FASSBINDER ZU TUN?????????

      DAFÜR BIN ICH NOCH GANZ RRRRRRUUUUUUHHHHHHIIIIIGGGGGGGG!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

      Antworten
    • Serienfan sagt:

      Ich schlage vor, die Klasse beruhigt sich wieder und schreibt übers Wochenende einen Aufsatz mit dem Thema: „Mein schönstes Erlebnis mit Star Trek: Disocvery“, wahlweise auch „Warum Fassbinder visionärer war als Roddenberry“!

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    • Serienfan sagt:

      Jesses!

      Raumpotrouille, Disocvery…

      So fängt es an.

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    • JP1957 sagt:

      Die Rechtschreibung hat jedenfalls nicht die Qualität einer 10. Klasse :-)))

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    • Serienfan sagt:

      Weil sie noch immer weit darüber liegt? :-)

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    • Kuhbaert sagt:

      Zu Rainer Werner, ich glaube die faszination die damals von seinen Filmen ausging (zumindest wird das immer so impliziert) ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

      Ich kann mich erinnern, das ich in den Wiederholungen der ÖFR in den 80ern die Filme irgendwie spannend fand. Heute halte ich keine 15 Minuten davon mehr aus.

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  7. verwirrter Gast sagt:

    Fassbinders Filme sind „meditativ“ – hab‘ ich mal gelesen.
    Schlafwandlerisch würde ich es ja vielmehr nennen, denn alles passiert gefühlt wie in einer Zeitlupen-Einstellung. Es wird langsam und ruhig geredet … und Kaffee getrunken … und bedächtig an die Decke gestarrt – für mehrere Minuten … und die Füße werden hochgelegt … und es wird wieder geredet, aber natürlich gaaanz langsam …
    Aber dann, ganz plötzlich – also so nach 3 Stunden – passiert auch mal was: Die Kaffeetasse fällt plötzlich runter und der ganze Kaffee macht einen riesigen braunen Fleck auf dem Teppich! … Und dann wird wieder geredet, ganz langsam … und es wird wieder geredet, ganz ganz viel geredet und es wird noch mehr geredet … Und wenn dann so richtig viel geredet wurde, nach vielen, vielen Minuten kommt es dann aber – le grande Finale:
    Selbstredend in völliger Ruhe – ergießt sich ein wohliger Schauer an Tiefsinnigkeit über die Zuschauer!!!
    Unglaublich, es ward vollbracht! Und es ist tatsächlich ein intellektuelles Meisterwerk geworden – ruhig und tiefsinnig. So ruhig und tiefsinnig wie das tote Meer!

    Und der Zuschauer ist dann auch wie das tote Meer – tot, tot und an Langeweile gestorben … Auf der Couch sitzen leider nur noch zu Staub zerrieselnde Mumien … Aber bei Gott, was für ein Film!!!

  8. Tabularius sagt:

    Super, den Film hab ich zufällig vor ein Paar Wochen das erste mal gesehen.

    Mir ging es aber exakt wie Klapo. Es war nicht mal die Langsamkeit (auch wenn er die Geduld weiss Gott, bis aufs äußerste strapaziert). Er hat aber leider auch sonst nichts zu bieten. Die Prämisse ist super keine Frage aber was daraus gemacht wird ist einfach Murks.

    Anstatt sich auf die Parallelwelt ideen oder Paradoxien zu konzentrieren, oder sich interesante Ideen zur Inszenierung auszudenken, ist es langweiliger als jeder Tatort.

    Besonders entäuscht war ich vom Ende, die echte, echte Welt sieht genau aus wie die Matrix Lvl1 ?? Was eine Verschwendung.

    Selbst mir sind beim schauen ein Paar lustige Ideen gekommen die man auch damals locker hätte Umsetzen können. Die „echte“ welt in 36mm drehen, Lvl1 in 16 und Lvl2 in 8 z.b. das wär visuell cool gewesen. Colorfilter ala Matrix gabs auch in den 70ern schon. Oder Mal was in schwarz weiss ?

    Eine Szene in der jemand versucht die Limits der Simulation auszutesten wäre auch sehr angeraten gewesen.

    Ich hab vor jahren übrigens the 13. Floor gesehen und fand den zimlich gut. Er wird zwar durchgängig verissen und angeblich ist Welt am Draht ja so viel besser. Aber mMn könnte nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein.

  9. Halbnerd sagt:

    Da ich viel für alte Sachen übrig habe, kenne ich diesen Film auch. Wobei der Begriff Film übertrieben ist, denn man sieht hier gefühlt nur ein Standbild. Bei aller Liebe zum Thema: das war nichts. Der ähnlich alte Roman „Der Futorologische Kongress“ von S. Lem hat das weit besser und witziger umgesetzt. Es mag sein, dass dieser Film einer der ersten seiner Art war, aber der Funke springt halt nicht über. Zumal moderne Zuschauer schon bei der ersten Erwähnung wissen, was „simuliert“ bedeutet, das muss man nicht etliche Male erklären. Ein vergessenswertes Werk.

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