Film- und Serienkritiken

Das ernsthafte Magazin für Kritiken zu Film und Serie.

Gastartikel: „Star Trek – The Animated Series“ (+ die besten Folgen)

Unser renitentest… treuster Gastautor Tobias H. hat wieder nach- und mir eine weitere Mail ins Nest gelegt. Diesmal geht es um ein Thema, an das ich mich aus gesundheitlichen Gründen schon länger nicht herantraue: Es geht um Bewegung. Genauer gesagt um TAS und das Fehlen eben jener Kinetik. Ich selbst konnte mir dieses animationsgestörte Daumenkino für Fingerlose ja nie ansehen, da ich nach 2 Minuten stets glaubte, ich hätte das Videosignal falsch angeschlossen. Man stöpselt doch den alten Schallplattenspieler an den HDMI-Eingang, oder?

Trotzdem finde ich es sehr visionär, dass Tobias H. nur wenige Stunden(!) vor der Bekanntgabe der neuen Animationsserie des Rick&Morty-Machers einen Artikel zu TAS einsandte. Es ist, als hätte er einen Draht zu Alex Kurtzman, was ich an seiner Stelle mal ärztlich untersuchen lassen würde. Aber jetzt mal ohne Spaß: Die drei Tipps zu den BESTEN TAS-Episoden finde ich sehr hilfreich! Dann weiß ich in Zukunft nämlich genau, welche Folgen der Trickserie ich einen Hauch weniger ignorieren muss.


Ein Gastartikel von Tobias H.

TAS – The Animated Series ist der wenig einprägsame Name des vielgescholtenen Serien-Kinds von Star Trek. Gene Roddenberry höchstpersönlich hat diesen Nachfolger von TOS (diese Abkürzung erkläre ich nun nicht) aus dem Star Trek-Kanon gestrichen. Es klingt auch mehr als gerechtfertigt: Wir reden hier über eine Science Fiction-Zeichentrickserie aus dem Jahr 1973. Damals wurde das World Trade Center eröffnet und die Welt blickte auf den schon damals erschütterten Nahen Osten, in welchem der Jom Kippur-Krieg tobte.

(Anmerkung von Klapo: Ach, deswegen kann ich seit 30 Jahren kaum noch eine Serie kritikfrei genießen! Es ist der verdammte … Krieeech!)

Die 22 Episoden kommen mit sehr sehfreundlichen 25 Minuten Laufzeit daher. Ich habe sie alle gesehen und muss sagen: TAS ist nicht so schlecht, wie sein Ruf es verkündet.

Der Anfang war dabei sehr holprig, denn die Serie sieht reichlich billig aus, auch wenn sie das damals nicht wahr. So bewegen sich die Figuren überhaupt nur, wenn es nötig ist. Daraus machte man aber eine Tugend, denn immer wieder geraten die verschiedenen Charaktere in Situationen, in denen man sich nicht bewegen kann – das reicht von klassischen Fesseln über ein Stasisfeld bis hin zu tiefer Bewusstlosigkeit. TAS hat somit keine Rothemden, aber gelähmte Allfarben-Hemden. Ob dieser Running-Gag (hier ein Widerspruch in sich) beabsichtigt war, sei mal dahingestellt. Für heutige Sehgewohnheiten ist das Gezeigte aber nur schwer verdaulich. Es braucht Zeit – und ja, auch etwas Wohlwollen, bis man die abgehackten Bewegungen zu tolerieren lernt. Immerhin: Mit nur wenigen Strichen wurden die Figuren und ihre Gesichter gut getroffen. Chekov ist übrigens nicht dabei, sondern wurde gegen Lt. Arex ausgetauscht – der dreibeinige Dreiarmer wirkt übrigens weitaus kompetenter als sein menschlicher Vorgänger.

„Oh nein, ein Alien-Flugsaurier! Wir können uns nicht von der Stelle rühren. Wegen IHM.“ Der Einfallsreichtum der Bewegungslosigkeit ist bisweilen recht beachtlich.

Langsam entfaltet TAS durch so etwas wie Lt. Arex auch seine Stärken, denn viele Dinge, die man gerne in der Originalserie gemacht hätte, aber aus 1.) fehlendem Budget und 2.) fehlender Tricktechnik nicht machen konnte, wurde hier kostengünstig gezeichnet. Eine wundervolle Form der Sparsamkeit, die durch die minimale Dynamik der Figuren noch vergrößert wird. Ja, womöglich wurde TAS von den Ferengi gezeichnet?
So tauchen plötzlich fremde Aliens auf, die wirklich als fremd durchgehen können und auch die Crew macht einiges an Mutationen (Verfischung, Vergrößerung…) durch. Selbst neue Raumschiffe (auf echtem Film ein Kosten-Alptraum) kommen hier zuhauf vor. Es machte mir viel Spaß, mir die jeweilige Episode als Realfilmfolge vorzustellen. Man bekommt hier mit etwas Fantasie tatsächlich eine 4. Staffel TOS geliefert. Bis man das aber erkennen und vielleicht sogar schätzen lernt, dauert es etwas.

Sehr positiv ist aber der Sound zu bemerken. Die Original-Schauspieler und die Original-Synchronsprecher haben den Figuren ihre Stimmen geliehen. Das Star Trek-Feeling wird dadurch enorm gesteigert. Auch musikalisch passt die Serie hervorragend zum großen Original. Dass man diverse Musikstücke immer wieder nutzte, störte mich wenig.

Was die Storys angeht, muss ich sagen, dass es wirklich viel Müll im TAS-Weltall gibt. Etliche Handlungsbögen lassen einen das Fremdschämen in das Gesicht steigen und ich würde jemanden, der Star Trek nicht kennt, TAS wahrlich nicht vorsetzen. Andererseits gilt das auch für etliche Folgen von TOS. Somit kann ich nicht sagen, die Qualität der Serienhandlungen wäre insgesamt schlechter. Es gibt, abermals wie bei TOS, aber auch einige echte Highlights, die mein Fanherz höher schlagen ließen.

Daher nun meine TAS-Top 3:


Das Zeitportal: Man lernt etwas über Spocks Kindheit und seinen verstockten Vater. Vulkanische Städte sieht man erstmals aus der Nähe und auch Spocks Haustier (ein Sehlat) taucht zum ersten Mal auf. Eine wirklich gute Folge, die sogar erklärt, woher unser Lieblingsvulkanier den vulkanischen Nervengriff lernte.

Mehr Trouble mit Tribbles: Harry Mudd und seine flauschigen Verkaufsschlager schafften es auch in das TAS-Universum. Diese Folge passt perfekt als Abschluss zu dem berühmten TOS-Vorgänger. Den Erzfeind der Tribbles, den Glommer, kann man sich sogar kaufen!

Auf der Suche nach Überlebenden: Superintelligente Schnecken betätigen sich als Zoowärter und sperren Menschen hinter Glas. Diese Folge ist eine gelungene Variante eines typischen Star Trek-Themas rund um Missverständnisse und Mitgefühl.

„Was für entsetzliche Wesen! Die laufen auf ihren Hintergliedmaßen und einer trägt Gummiohren!“ Im direkten Vergleich kann TAS mit vielen „echten“ Aliens punkten. Die hier gezeigten Schnecken sind derartig gebildet, dass selbst Spock nicht alles sofort via Verschmelzung lösen kann.

Wie gesagt, alles hätte ich lieber in echt gesehen, aber das heißt nicht, dass man mit dem, was einem da vorgezeichnet wird, keinen Spaß haben kann. Womöglich kommt die Serie auch so gut bei mir weg, da man sich bei einer schlechten Folge nur relativ kurz quälen muss. Letztere gab es reichlich: Mal setzt sich Kirk für den Teufel ein, dann gibt es noch einen Formwandler an Bord oder aber Liebeskristalle (abermals eine Handelsware von Harry Mudd) machen der übergeilen Crew das Leben schwer. Diese und noch mehr Negativ-Exzesse konnten aber meinen Gesamteindruck nicht völlig trüben. Womöglich bin ich auch etwas befangen, denn parallel dazu habe ich mich mit Discovery beschäftigt und im direkten Vergleich hatte ich hier wahrlich mehr Spaß.

Nüchtern-objektives Fazit: In die Jahre gekommene Zeichentrickserie, die keiner braucht. Würde nicht Star Trek draufstehen, würde sich keiner mehr daran erinnern.

Verklärtes Fan-Fazit: Super, mehr TOS in der typischen Qualität (ein Drittel Mist, ein Drittel Durchschnitt und ein Drittel Großartigkeit). Die ideale Serie für die aufgeschlossenen Freunde des Urgesteins!

Ob es sich lohnt, die Serie zu kaufen, muss jeder selbst wissen. Ich persönlich freue mich aber, meine Sammlung mit diesem schrillen Kleinod veredelt zu haben.


Weitersagen!

Artikel

von Klapowski am 22.11.18 in Gastbeitrag

Stichworte

, ,

Ähnliche Artikel


Kommentare (6)

  1. DerBeimNamenNennt sagt:

    Zitat:
    „TAS ist nicht so schlecht, wie sein Ruf es verkündet.“

    Vor allen Dingen bei 25 Minuten-Folgen, die man größtenteils selbst dosieren kann, verzeiht man auch mehr.

    (Auto-, nicht Diesel-)Biographischer Exkurs: Ich habe die mir mal im Marathon zu einem Silvester reingezogen. Gegen Ende war es nicht mehr so geil. Man sieht schon eindeutige Schwächen, grade was die Animation angeht. An sich kann man sich die Folgen der Serie aber mal ansehen. Die Handlung ist nicht völlig unintelligent und zum Teil regt sie sogar zum Nachdenken an.

    Zitat:
    „Für heutige Sehgewohnheiten ist das Gezeigte aber nur schwer verdaulich.“

    Für die Lesen, denen das mit den World Trade Center und so weiter oben schon gefallen hat, hier noch ein paar Hintergrundinfos:
    – LSD kam 1949 auf den Markt und war in den 1960er Jahren bei gewissen Kreisen recht beliebt.
    – Es wurde 1966 in den USA verboten verboten. Seit 1971 weltweit.

    (SCNR.)

    Zitat:
    „Diese Folge ist eine gelungene Variante eines typischen Star Trek-Themas rund um Missverständnisse und Mitgefühl.“

    Es ist vor allen Dingen eine „Alien-Zoo“-Folge, wie es sie zur der Zeit häufiger gab.

    Und lesen Sie auch beim nächsten Mal wieder den Beitrag des wohl einzigsten Kommentators, der die Dinge wirklich beim Namen nennt, auch wenn alle feststellen, dass es dazu nichts mehr zu sagen gibt…

    P.S.:
    Die Macher der Serie waren sich offenbar bewusst, dass sie mit einer Zeichentrickserie ganz bewusst auf ein kindliches Publikum zielen, haben aber deshalb nicht völlig mit Tiefe und einer gewissen Ernsthaftigkeit gespart.
    Ich meine, es gibt keine Begegnung mit dem Weihnachtsmann im Weltraum oder eine Halloween-Folge (die es in TOS bekanntlich gab…) oder man hat nicht versucht, alle Konflikte auf das harmlos-kindliche Niveau herunterzuschrauben. Ich meine, das ist bemerkenswert, vor allen Dingen für die Zeit. Die Angelsachsen sind ihren gegenüber traditionell nicht zurückhaltend (siehe „Gullivers Reisen“ oder andere Kinderbücher), es überrascht aber nicht, dass die Serie bei der ZDF-Synchronisation endgültig verstümmelt wurde. Da wird die Moral von der Geschicht am Ende der Handlung gereimt usw. Das habe ich, glaube ich, früher mal gesehen.
    Schien keinen übertrieben großen Eindruck auf mich gemacht zu haben.

    Aus irgendwelchen Gründen hat „Das Geheimnis von Megas-Tu“ einen gewissen Eindruck auf mich gemacht, auch wenn die Folge inhaltlich zweifellos Schwachsinnigkeiten enthält. Mal ehrlich, schwachsinniger als Q oder die diversen Superwesen aus TOS ist das auch nicht. Von ST 5, das ebenfalls in der Mitte der Galaxis spielt, mal zu schweigen. Nur die Mischung aus dem Verweis auf die jahrhundertealte Geschichte der Hexenverfolgung in den USA, den kreativen Gedanken, dass zu Beginn des Universums andere Naturgesetze gelten könnten und den Teufel als Fürsprecher der Menschen machen die Folge eigenwillig und irgendwie sehbar.
    Und „Das gestohlene Gehirnwellenmuster“ ist mir in Erinnerung geblieben.

    P.P.S.: Ich fand noch bemerkenswert, dass „Das Lorelei-Signal“ auch wirklich eine Anspielung auf die Lorelei enthält.

  2. Cronos sagt:

    Die Serie ist halt alt und langweilig. Aber sie ist kein kompletter Müll wie Discovery. Trotzdem würde ich mir TAS heutzutage nicht mehr ansehen.

  3. JP sagt:

    @DerBeimNamenNennt
    Wie bitte??????
    Q wird von Dir als schwachsinnig bezeichnet????????????????

    Eine der interessantesten Gestalten in Star Trek!

    • DerBeimNamenNennt sagt:

      Vielleicht ist „Schwachsinnig“ das falsche Wort, aber aus Sicht einiger Scifi-Fans ist es eben ein Problem, dass Q einen gottähnlichen Status hat. (Vielleicht sollte ich hinzufügen: Ich schreibe das hier in einen witzig-sarkastischen Ton. Falls ich mal einen wissenschaftlichen Fachaufsatz oder ein Essay darüber schreibe, würde das in einem anderen Ton sein. Nur würden das dann noch weiter Leute lesen.)

      Ich habe die Figur und was damit gemacht wurde auch sehr gemocht. Mein Argument lautet nur: Wenn man die Folge „Das Geheimnis von Megas-Tu“ wegen der Zauberei und ihrer Unwissenschaftlichkeit ablehnt, dann müsste man konsequenterweise auch zum selben Schluss in Bezug auf Q kommen.

  4. G.G.Hoffmann sagt:

    Ich habe es bis heute nicht geschafft, alle 22 Folgen zu schauen, weil ich die 22-25 Minuten als quälend lang empfinde. Es war zwar schön, dass kurz vor dem Tod der meisten Synchronsprecher der Originalserie noch die Neusynchro produziert werden konnte. Aber zum einen klingen die Sprecher reichlich alt auf die „jungen“ Gesichter. Zum anderen leiern sie ihren Text nur unmotiviert herunter. Keine ware Freude. Für mich gehört die Serie nicht zum Kanon. Ich könnte allerdings auch nicht eine der vielleicht 6-7 gesehenen Folgen inhaltlich wiedergeben. Warum die Serie vor 2-3 Jahren auch noch auf Blu-ray erschienen ist, erschließt sich mir nicht.

  5. teletubbed sagt:

    Dann lieber eine Besprechung von Future World von und mit James Franco.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Brandneues
Gemischtes
Arschiv
Zum Archiv unserer gesammelten (Mach-)Werke.
Büchers
Jenseits der Goetter

Jenseits der Macht

Jenseits der Welten