Film- und Serienkritiken

Der Latinum-Standard des Star Trek Universums

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„Of Boo… Gods And Men“ – Dampfhammer zu Teil 1

„Of Boo… Gods And Men“ – Dampfhammer zu Teil 1

Bereits seit über einem Jahr existiert der Trailer zu „Of Gods And Men“, Tim Russ` hochgejubelter Fanfilm-Offenbarung. Nach etlichen Verspätungen – angeblich mussten für den ersten Teil 12 Monate lang Tricksequenzen angefertigt werden, die man damals schon größtenteils im Trailer sah – durften wir uns nun die ersten 26 Minuten anschauen. – Und haben eigentlich jetzt schon keinen Bock mehr auf die Fortsetzung… „Of Gods And Men“ ist zweifellos der langweiligste und überladenste Fanfilm überhaupt. Was man ihm aber vielleicht sogar verziehen hätte, wenn Tim Russ nicht vorher den besten Film des ihm bekannten Universums versprochen hätte. Und das kennt leider nur C-Promis aus Star Trek…

Vorab:

Ich bin ja durchaus ein Fan von „New Voyages“, wenn die Macher dort nicht gerade wieder mal krampfhaft Originalschauspieler „mitspielen“ lassen, bis das Eigenlob stinkt. Und zwar nach Altenheim.

Und auch wenn es schwer fällt, so erwarte ich hier, dass die NV-Macher demnächst nicht auch noch William Shatner und Whoopie Goldberg mitmischen lassen und derartigen Anfragern die Tür oder den Telefonhörer vor der Nase zuknallen! Denn diese „Originaler als das Original“-Mätzchen untergraben nicht nur den Fanfilmcharakter, sondern lässt die einst tolle Reihe zu einem leidlich reizvollen „Guck mal, wer da spricht!“ verkommen. Es hat schon „Die Simpsons“ nicht besser gemacht, öde B-Promis, die 5 Jahre später keiner mehr kennt, mit Gastrollen auszustatten.

Mal ganz davon abgesehen, dass es nicht unendlich viele Storys geben dürfte, mit denen – nach Walter Koenig und George Takei – noch andere Originalschauspieler eingeflochten werden können: „Hier ist wieder einer seltsam gealtert, gucken sie mal!“ – (*Majel Roddenberry in ihrer alten Rolle als Schwester Chapel hereinführ*) – „Buhuuu, ich bin ja sooo alt! Wie sollen diese Augen nur je wieder eine Vene finden? Buhuuu, das ist ja alles sooo traurig!“

Tja, so ist das. Ansonsten ist es mir jedoch meist ein Vergnügen, dabei zuzusehen, wie der neue Elvislocken-Kirk, Jugendwahn-Pille und sogar Tunten-Spock den unfähigen Scotty-Darsteller an die Wand spielen, an der er bereits mit dem Rücken steht, wenn er den Mund auch nur kurz aufmacht. Gegen diesen Spaß – mit dem man sich „Will auch mitspielen!“-wollend auch noch prima identifizieren kann – können Originalschauspieler dann generell nur noch abkacken wie ein Durchfallkranker ohne Schließmuskel.

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„Es ist zu spät für Dich, Gringo! Die Narbe unter meinem Auge zeigt nämlich, dass es exakt 5 Uhr ist“ – Of Lots Of Men: Gene Roddenberry wäre sicherlich stolz auf diesen Film, in dem alle seine alten Kumpels wieder auftauchen. Allen voran die gute alte „Überdramatisierung“ und sein alter Freund, die „Kreative Selbstbeweihräucherung“.

Doch „Of Gods and Men“ treibt es einfach zu weit. Sogar „zu bunt“, wie ich angesichts der skurrilen Beleuchtung erneut feststellen möchte. – War man früher bei Fanfilmen schon froh, wenn die Kulisse toll nachgebaut war und die Computereffekte besser als auf dem heimischen PC aussahen, so muss man diese Filmchen heute tatsächlich wie reguläre ST-Folgen bewerten. Sie haben es so gewollt! Sie forderten es geradezu heraus mit ihren Massen an schwer vermittelbaren ST-Schauspielern, welche – Fan hin, Fan her – nichts besseres zu tun haben scheinen, als in einer Gratisproduktion ihrer Null-Vergütung entsprechend zu arbeiten.

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„Na, hättet ihr auch wirklich alle verkannt?“ – Ja, wo laufen sie denn: Die meisten Darsteller sind dem Fan bereits geläufig. Sogar Cirroc Lofton (alias Jake Sisko) kehrte wieder! Der Hof vor der Einfahrt von Tim Russ musste ja auch mal wieder gefegt werden… Nur die unsympathische Hackfresse als Vierter von rechts kann ich nicht zuordnen. Meines Wissens nach ist der jedoch ein Kumpel von Walter Koenig…

Wir zählen mal zusammen: Da wäre einmal Nichole, die Tatter-Uhura spielt, welche natürlich zwischenzeitlich zur Frau Kapitän aufgestiegen ist. Genau wie Sulu (spielt hier nicht mit, musste kurzfristig absagen) und natürlich Chekov (spielt hier mit), die beide ebenfalls – bar jeder Wahrscheinlichkeit – zu den Königen aller Deckschrubber, Segelsetzer und Smutjes aufgestiegen sind. Wenn Hierarchien gemeinhin wie Pyramiden aufgebaut sind, an deren Spitze die wenigen Anführer sitzen, so haben die ägyptischen Bauwerke bei Star Trek wohl einen hässlichen Knubbel oben herum… Wenn hier einer „Captain! Captain! Captain!“ ruft, ist das keine dramatische Überspitzung durch bloße Wortwiederholung, sondern einfach die formelle Begrüßung eines Raumes voll mit Ex-Fähnrichen und Ex-Steuerrad-Festhaltern.

Auch Captain Harriman spielt mit. Ja, der stotternde Versager aus ST7, der Kirk einst in den Tod getrieben hat, indem er bei einem Notfall dümmlich pfeifend ein Spinnenetz an der Decke fixierte und dabei eine alte Seemannsweise vor sich hinsummte. Wollte man diesen Mann je wiedersehen? Noch dazu mit seinem Kopf auf den Schultern, dort makellos angewachsen und ohne dazu gezwungen worden zu sein, seinen eigenen Unterschenkel aufzuessen, damit es Morgen schönes Wetter im Nexus gibt? Nö. Im Leben nicht. Auch wenn die kümmerliche Existenz dieses Schauspielers und seiner Figur die Bezeichnung „Leben“ nicht wirklich rechtfertigen…

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„Misses Uhura! So sicher, wie in diesem Garten zwei Tribbles über uns hängen, wird die reine Logik stets der Rächer der Enterbten sein. Hugh!“ – Selbstzufrieden ist er schon, fehlt nur noch die Fremdzufriedenheit: Regisseur Tim Russ überwacht hier den Dreh der berühmten Gartenszene auf Vulkan, welche schon jetzt Kultstatus bei den Fans weltweit hat. Man beachte auch das gut gefüllte Storyboard an der Bretterwand.

Außerdem mimt Fähnrich Kim hier einen langhaarigen Zottel. Desweiteren ließ sich die Darstellerin von Leeta (DS9) einfach mal grün anmalen, da es mit dem Webcam-Filmgeschäft wohl doch nicht so lief, wie wir vor 5 Jahren ja schon mal vermutet haben. Ich bin mir sicher, dass diese „Für lau arbeiten“-Rolle mit mächtig viel Make-Up und den letzten Zuckungen des „Bald zu alt für sexy“ ihr noch mal zu GANZ großer Berühmtheit verhelfen wird. Vielleicht kann sie ja, wie Uhura aktuell, noch in 40 Jahren von ihrer damaligen Rolle als Dabo-Mädchen bei DS9 profitieren und beim Tabledance im Altenheim mit alten Männerschlüpfern und Urinbeuteln beworfen werden. Wer weiß?

Ethan Philips alias Neelix, der sprechende Kochbeutel mit der patentierten Reinschlag-Lasche, ist auch mit von der Antipathie! Schon zu Beginn des Films sitzt er in einer untrekkig dunklen Raumstation mit einem grün-braun-gescheckten Military(!)-Tarnanzug herum, der ungefähr so sehr zu Star Trek passt wie Darth Vader in einen blauen Bademantel. Was sollte denn diese Farbwahl bitte bedeuten? Wie oft muss man als Sternenflottentechniker denn feindliche Raumschiffbrücken infiltrieren, auf denen die Topfpflanzen des klingonischen Captains die Steuerkonsolen in ein Dschungelartefakt verwandelt haben?

Und warum spielt Ethan so unglaublich mies, als ein unbekannter Rentner ihn tatsächlich mittels Darth-Vader-Luftwürgetrick auszufragen beginnt, wo denn bitte Kirk zu finden sei und warum er von dort denn nie eine Grußkarte schreibt?

Auch der Martok-Darsteller darf nicht fehlen (jedenfalls denkt er das anscheinend immer noch, obwohl meine schriftlichen Einverständniserklärungen, die ihn vor weiteren Auftritten freistellen, inzwischen den Briefkasten verstopfen dürften) und spielt abermals Geige. Und zwar die zweite.

Damit das Ganze aber auch wirklich so krank wird, dass man sofort eine Quarantäne über das Set verhängen möchte, kommen auch noch die Darsteller aus der geschätzten „New Voyages“-Reihe dazu. Vermutlich als kleiner Liebesgruß (Bussiii, Schwuli-Spock!) an diese Fanfilmcrew, die immerhin die Kulissen zur Verfügung gestellt hat. Der Kirk-Darsteller spielt hier nämlich… den Neffen von Kirk, was nicht nur verwirrend, sondern auch völlig unnötig ist. Und wer hat eigentlich verfügt, dass Verwandte sich derartig ähnlich sehen müssen? Okay, auch ich wurde schon mit meinem 30 Jahre älteren Vater verwechselt, Spaß hat’s aber nicht gemacht.

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“Warum ich erneut in die Rolle der grünblütigen Sklavin vom Orion schlüpfe? Nun, ich fand, dass man aus ihrer Figur bei DS9 durchaus noch etwas mehr hätte herausholen können.“ – Bei all den sexistisch-dumpfen Rollen, die Chase Masterson bislang spielen durfte, darf man auch ruhig mal was verwechseln. Auf die Frage, was denn das Schwerste am Dreh war, antwortete sie: „Das Tragen von diesem perlenbesetzten Stringtanga, den man auch auf diesem Bild hier sieht. Für diese Prozedur musste ich jeden Tag um 5 Uhr am Set, wo Tim Russ höchstpersönlich 4 Stunden lang das Ding anpasste! Komisch nur, dass die das mit dem grün Anmalen dann in fünf Minuten geschafft haben.“

Nebenan sitzt auch noch der Spock-Darsteller stumm an der Konsole, und – weil er zufällig der Regisseur ist – kehrt auch Tim Russ als vulkanisches Schwarzblut zurück. Haben wir alle? Ja? – Na, dann haben die sie wohl nicht alle!

Nichts gegen einen guten Cast, aber wenn auf „Rollstuhl-komm-raus“ zwanghaft etliche C-Promis aus dem Trek-Univerum aufgefahren werden, wirkt das Ganze gezwungener, als es die Ketten und Streckwerkzeuge am Bildesrand eh schon erscheinen lassen. Vor allem, da es storymäßig genauso wirr weitergeht, als hätte ein Fanautor sich hier nicht nur seinen großen Traum erfüllt, sondern gleich ALLE nächtlichen, die irgendwann mal mit Star Trek zu tun hatten!

Und natürlich muss die Story mal wieder um Kirk gehen, dessen Geburtsverhinderung… verhindert werden muss. Selbst die Fanfilmer scheinen also keine Lust mehr zu haben, neue Universen und Zivilisationen zu erkunden, solange 2 bis 3 Personen der Sternenflotte nicht schon so ausgelutscht sind, dass sie fast an anderer Leute Speichel ertrinken… Okay: das Aufgreifen von alten TOS-Folgen, wie zum Beispiel hier den Zeitreise-Schmalzkringel, ist prinzipiell nett gemeint. Trotzdem ist dieser aber nur genauso bekömmlich wie die weihnachtliche Aufforderung von Tante Elisabeth, doch noch ein 8. Stück Torte zu verdrücken, einfach weil die Stücke da sind und es heute Abend nicht mehr sein sollen.

Auch der allmächtige Charlie aus der TOS-Folge „Der Fall Charlie“ spielt nun wieder mit, liebevoll zurechtgealtert (ist das etwa ebenfalls der damalige Schauspieler?) und obernerdig in die Handlung getackert. Dieser springt in den Zeitkringel und kündigt an, Kirks Geburt zu verhindern, obwohl dieser zu diesem Zeitpunkt längst im Nexus ist und allgemein für tot gehalten werden müsste. Vermutlich denkt er sich, dass so eine Ab(t)reibung im Nachhinein viel spaciger… äh, spaßiger daherkommt und das diabolische Kopfnicken, mit dem Charlie seine Zauberkunststückchen einleitet, perfekt unterstreicht.

Aber solche Logik-Feinheiten werden in dieser Produktion gar nicht erst beachtet. Hauptsache, Full House am Set. Schon Sekunden, nachdem Charlie bedrohlich auf eine offensichtlich schwangere Frau im Zeittor zugestapft ist (hier hätte man wenigstens einen gewissen Gore-Faktor etablieren können), findet sich der Betrachter in einem Paralleluniversum wieder.

In diesem oberpraktischen Alternativuniversum, in dem sämtliche Trek-Darsteller von TOS bis Voyager in abermals abgewandelten(!) Rollen über Friede, Freiheit und Patriotismus reden, ist auch schon gleich die Höhle los: Dicht gedrängt steht man auf der Brücke und berät darüber, ob man nur oberflächlichen Dünnpfiff reden (den „Klingon Way of Death“ ertrage ich nur noch unter – wohl gewollten – Schmerzen) oder so mies schauspielern soll, dass sich einem sogar das Shatner-Poster an der Wand aufrollt.

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„Opa, jetzt leg den Verschluss vom Urinkatheter schon weg! Wir glauben Dir ja, dass Du mächtig böse bist, wirklich!“ – Darauf hat die Fanwelt gewartet: Endlich wird das Geheimnis um den weiteren Werdegang von TOS-Charlie gelüftet! Aber nachdem die Fans eine Nase voll mit dieser staubigen Story genommen haben, würden sie wohl jede Art des Lüftens willkommen heißen…

Die schauspielerischen Untiefen („SCHNAUB! HA! Ihr seid Terroristen, nichts weiterrrrr! HA!“), die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen, kennen dabei kein Erbarmen: Wenn DAS professionelle Schauspieler sein sollen, hat man mir für meine Darbietung in „Sol Faktor II“ wohl erheblich Unrecht getan. Gerade der Harriman-Darbieter wirkt so, als habe er seit ST7 keine Kameralinse von außen mehr gesehen. Sein trotzig-besserwisserisches Gehabe lässt klar erkennen, dass er tatsächlich den schlechten Ruf seiner Figur im genannten Kinofilm auszumerzen versucht; entsprechende Interviews existieren dazu ja auch bereits.

Alleine für diese unprofessionelle Kindergarteneinstellung sollte man „Of Gods and Men“ eigentlich ignorieren, zumal ich hier die „Götter“ gar nicht gefunden habe und ich daher sogar im Titel eine leichte Selbstüberschätzung verspüre…

Tja. Und eigentlich ist das Ganze auch nur eine bekannte Spiegeluniversums-Geschichte mit einer eher unguten Föderation, jedoch wurde diese Story mühsam auf die ständigen Nachlieferungen von Gaststars wie Leeta und Fähnrich Kim hin ausgerichtet… Umso erstaunlicher erscheint es, dass Russ auf dem hohen Ross sitzt und in Interviews tatsächlich verkündet: „Dies ist kein Fan-Film! Viel zu professionell! Das ist ein 90-minütiger Spielfilm, jawollja!“

Doch, ein Fanfilm ist er sehr wohl! Und, um dem kindischen Grundkonzept des Filmes Rechnung zu tragen, wiederhole ich es gerne noch mal: „Ist er wohl, ist er wohl, ist er wooo-hoool! Ätschibätsachi-Ausgelacht!“ – Fanfilmiger geht es gar nicht! Allein diese bescheuerten, verwackelten Schwenks mitten in die Schauspielerfressen wirken so aufgesetzt, als wolle man in den dermatologischen Grand Canyons der versammelten Faltenlandschaft nach der Lebenslinie des Franchises suchen. Hier muss wohl auch der Kameramann aus „New Voyages“ rekrutiert worden sein, was als Entschuldigung aber nicht reicht, wenn Möchtegern-Regisseur Tim-„Kein Fanfilm“-Russ hier das Sagen gehabt haben will. Und so klein sind die Kulissen doch wirklich nicht, dass man der Uhura von unten unter die Perücke zoomen müsste, um das fehlende Studiodach zu kaschieren. Was sogar draußen, in der recht netten „Vulkanischer Stadtpark“-Kulisse passiert.

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Von links nach rechts: Der Knallcharge… äh, Knallercaptain Harriman, gleich daneben die Fernsprechanlage der Galaxis, Uhura. Rechts davon finden wir den beliebten und unübertrefflichen Neffen(!) von Kirk, den schönen Peter. Und dann wäre da noch Chekov, der sich angesichts dieses Kompetenz-Überangebots bedächtig die Gastritis streichelt. – Wohl verkomm’s!

Es gäbe noch viel aufzuzählen. Von kurzen Momenten wie in Minute 12:28, wo die Regieanweisung lautete: „Jetzt drehen wir uns alle nacheinander ganz doll erschrocken um!“ bis hin zu den peinlichen Körperreaktionen der gerade nicht sprechenden Besatzung. – Etwa wenn Liebessklavin Leeta übertrieben den Kopf schüttelt, wenn Gammel-Chekov seinen terroristischen Standpunkt darlegt. Fehlt nur noch ein abschätziges gezischtes „Tsssseee-tssse-tsse!“, um das kollektive Schauspielversagen komplett Borg-kompatibel zu machen. Auch „Überheblich gucken“ muss man im „bösen Spiegeluniversum II“ auf Zuruf hinbekommen, ebenso wie „und jetzt mal total sexy“.

Nicht falsch verstehen: Die Effekte und Kulissen sind tendenziell auf aktuellem „Kein-Fanfilm“-Niveau, sehen also wirklich ganz gut aus. Aber in Zeiten, in denen „In the Pirkinning“ kinoreife Effekte liefert (und dabei bei weitem witziger und eigenständiger daherkommt) und auch „New Voyages“ mit durchaus ruhigen Storys aufzutrumpfen versucht, wirkt dieser Quatsch wie ein hyperaktiver Clown mit drei Köpfen, die man noch dazu alle von irgendwoher zu kennen glaubt.

Besonderes Ärgernis am Schluss: Die „Wir sprengen mal gerade Vulkan“-Sequenz, die einen kälter als Kruppstahl lässt. – Und mit dem sich ewig entfaltenden „Megamäßig-alles-puttmach“-Torpedo mächtig nach SF-Nerd stinkt.

Ja, es sind nur die ersten 24 Minuten der dreiteiligen Gesamtgeschichte und die nun folgende Note ist daher auch keine Komplettbenotung. Aber schon jetzt kann ich festhalten, dass ich definitiv lieber Parodien sehe und absolut keine Originaldarsteller in „Bin kein Fanfilm“-Fanfilmen sehen mag.

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„So, wie sie in dieser Powerpoint-Präsentation sehen können, ist die Erde einfach viel zu rund und gesund. Daher werde ich da jetzt mal runtersteigen und ihr ein paar Zahnräder aus der Geschichte prügeln. Hat einer ein Seil?“ – Verliebt in einen Hexer: Dieser Film erfüllt jedes Klischee eines Star-Trek-Fanfilms. Und die Klischees für Fanfilme zu anderen Themen gleich noch dazu!


Fazit: Dieses selbsternannte „Spielfilm-Highlight“ aus der Tim-Russ-Gedächtnisschmiede wäre nicht mal gut genug für das Sat.1-Weihnachtsprogramm. – „Of Gods and Men“ kommt mit seinen unterirdischen Kameraschwenks und den durchweg miesen darstellerischen Leistungen, bei denen bislang nur Uhura positiv auffällt, nicht mal an aktuelle TV-Serien heran. Geschweige denn, dass man eine Geschichte erzählen könnte, die man mehr als aus trekhistorischen Gründen faszinierend findet. Dieser Fanfilm wirkt neben „Pirkinning“ & „New Voyages“ (auch wenn hier ähnliche Fehler gemacht werden) einfach auf keiner Ebene überzeugend.

Pluspunkte gibt es für unfreiwillig komische Dialoge und den mutigen Schritt, die ersten drei Minuten nach allem aussehen zu lassen, nur nicht nach Star Trek…


Der Film kann über das Portal von Startrekofgodsandmen.com angesehen werden. Eine E-Mail-Freischaltung für den Anschau-Link ist erforderlich.

SPARKIS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Hollywood im Goldfischglas
So langsam kann man auf der Brücken-Kulisse des „New Voyages“-Team wirklich eine Drehtür für ranzige Trek-Darsteller einbauen. Aber ruhig eine etwas breitere, nachdem wir nun auch ein Wiedersehen mit Cirroc „Essen Sie das noch?“ Lofton in der Rolle des ersten fetten Vulkaniers feiern durften. Eine schöne Darbietung übrigens, möchte man beim Gucken doch am liebsten einen Apfel zwischen seine glänzenden Pausbäckchen schieben.

Die gruseligen Auftritte der meisten bekannten Gesichter wurden ja ansonsten schon abgehakt. Hier gilt auch ansonsten dasselbe, was ich schon zu „New Voyages“ gesagt habe. Meiner Meinung nach fehlt wohl einfach eine härtere Regie, wie sie wohl nur Darsteller erhalten, die auch auf einer Lohnliste stehen. Würde man hier beispielsweise dem Koenig ein genervtes „Boah, war das scheiße gespielt! Nochmal!“ rüberraunen, dann würde dieser wohl beleidigt seine Perücke einpacken und sich ein Taxi rufen. Während er sich bei einer richtigen Produktion wohl zugunsten der Kohlen ein solches Verhalten verkneifen würde.

Dieses Prinzip kann man eigentlich auch auf das gesamte Projekt anwenden. Hier muß man als Verantwortlicher wohl auch einmal mittelmäßige Ergebnisse „voll toll“ finden, damit der ehrenamtliche Mitarbeiter nicht schmollend die Biege macht. Und da beispielsweise die richtig guten 3D-Schnitzer wohl meistens mit professionellen Aufträgen ganz gut ausgelastet sind, muß man sich auch mal mit einem minderen Talent begnügen, welches die gefühlte dreistündige Reise eines Torpedos auch einmal wie ein Videospiel aus den 90ern aussehen läßt.

Nach einigem Wühlen in englischen Kommentaren bin ich übrigens zwischen den üblichen kritischen Aussagen wie „Best Trek-Movie ever… until the next one!“ und „I love everything about this film! Will watch it later.“ auf die Antwort zu Klapos obiger Frage gestoßen, ob der alte Charlie-Darsteller der selbe ist wie damals bei TOS. Ist er nicht, der originale Rentner hatte zur Zeit des Castings angeeeeblich irgendeine Operation geplant. Woran, weiß ich jetzt gar nicht mehr, aber spätestens bei den Wörtern „Fanfilm“ und „kostenlos“ hat er sich wohl sowieso nur die erstbeste Ausrede aus den brüchigen Rippen geleiert.

Und der vierte Schauspieler von Rechts aus der oberen Foto-Übersicht ist Gary Graham, welcher bei Star Trek Enterprise den Botschafter Soval mimte. Eine krampfhaft eingebaute Rolle mehr oder weniger passt bei „Gods and Men“ schließlich immer noch rein.

Fazit: Der Widerspruch zwischen dem hohen Anspruch und dem tatsächlichen Ergebnis ist bei „Of Gods and Men“ besonders groß. Auf der einen Seite wurde natürlich ein sehr großer Aufwand betrieben, welcher aber nicht nur am krampfigen „Ich mach es ja auch für lau!“-Schauspiel hapert. Mein größtes Sorgenkind ist die Story, welche man meiner Meinung nach als DAS Argument verwenden kann, warum manche Fans keine Drehbücher für ihre Lieblingsserie schreiben sollten! Denn werden diese nicht ein wenig gezügelt, packen sie auch gerne einmal hemmungslos und mit großer Kelle die Elemente von einem halben Dutzend Folgen und Filmen in einen Topf. Und ist man erst einmal in Fahrt, hält man sich auch nicht mehr mit passenden Erklärungen auf. Sowas hemmt doch nur die Dings… die Kreativität!

Alte Enterprise in der Film-Ära? Bauen wir doch einfach eine Museums-Version!

„New Voyages“-Kirk soll mitmachen? Kein Problem, der ist dann der Neffe!

Enterprise-Museum soll zum Wächter der Ewigkeit-Planeten? Das ist einfach, das Schiff (als Museum selbstverständlich voll funktionsfähig) ist natürlich wieder einmal das einzigste im Sektor!

Irgendwie sind die Macher dieses Films das Gegenteil von Rick Berman. Hatte dieser am Ende einfach keinen Bock mehr, sind diese Jungs hier schon ZU motiviert, so daß man vor lauter Begeisterung gar nicht mehr auf ein vernünftiges Endprodukt achtet. Ideal wäre da eigentlich ein Mittelding.

Note: 5

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Artikel

von Klapowski am 30.12.07 in Fan-Filme

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Kommentare (18)

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  1. bergh sagt:

    tach auch !

    Das ich das als Örster kommentieren darf.
    [Dänen aus den Auge wisch]

    Und jetzt les ich das Review.
    Ist der Film denn wirklich so schlecht ?

    Mehr von mir heute Abend.

    Gruss BergH

  2. Flutschfinger sagt:

    Ich kann Klapowski hier nur zustimmen. Of Gods and Men enttäuscht auf ganzer Linie. Es ist schon bezeichnend, dass die Laiendarsteller Kirk und Spock besser rüberkommen, als die professionellen Sackgesichter. Alleine was Neelix hier abliefert spottet schon jeder Beschreibung. Dagegen war seine Darstellung in Voyager ja schon Oscarreif. Die nächsten Teile werde ich mir sicher nur ansehen, weil ich bei Autounfällen auch nicht einfach weitergehen kann…

  3. Hey, kann mir mal einer erklären wieso das Forum nicht mehr da ist?

  4. Sparkiller sagt:

    Das Forum wurde vor einiger Zeit (mal wieder) gehackt. Zur Zeit überlegen wir uns noch einen passenden Ersatz. Falls aber überhaupt einer kommen wird. Normale Sci-Fi-Foren gibt es ja im Netz wie Sedimentgestein an größeren Salzwasseranhäufungen, da braucht es eigentlich nicht noch mehr.

    Und da wir irgendwo auch Diskussionen zu den Artikeln vorziehen, reicht eben diese Kommentar-Funktion hier ja eigentlich völlig aus.

  5. Ich wünschte, mein Compputerwissen wäre groß genug, damit ich mich auch irgendwo reinhacken kann. Am anfang nichts großes, nur der Zentralcomputer der BND vielleicht…

  6. AlphaOrange sagt:

    OGAM hat mich (als großer New Voyages Fan) auch einfach nur maßlos enttäuscht. Wobei ich die Leistung der Darsteller gar nicht so schlecht bewerten würde, besonders Nichols stach positiv heraus, aber das ist Klapo ja sogar selbst aufgefallen. Problem ist halt, dass sie alle irgendwie in den Film gepresst wurden.
    Die Story wird von fast jedem Fanfilm der letzten zwanzig Jahre geschlagen (also jedem außer den „Ich verkleide mich als Spock und rede lustig“-20-Sekündern u.ä. auf YouTube), die Effekte sind echt aus der Mottenkiste und was mich vor allem schockiert hat war der unglaublich schlecht abgemischte Ton.
    Also auf zu Teil 2 – kann nur besser werden ;)

    Schöner wär’s natürlich, käme die NV-Crew selbst mal wieder in die Pötte.

  7. Wellington sagt:

    Jetzt, schauen oder nicht schauen? Solche unbeholfenen Projekte sind eigentlich nur so lange witzig, wie sie sich selbst nicht allzu ernst nehmen. Der hier scheint die Messlatte allzu hoch gelegt zu haben – um munter drunter durch zu selgeln.
    Außerdem (und überhaupt) ist die BQ (Boobs-Quote) trotz Sensorverstärkung offensichtlich kaum messbar. Regisseur Tim Russ zeigt diesbezüglich allerdings beträchtliches Eigen-Engagement, wenn ich mir das Tribbles-Foto so betrachte. Pardon, ist natürlich alles antrainiert…

  8. bergh sagt:

    tach auch !

    Es gibt oben nichts , dem ich nicht zustimmen könnte.

    Also : Gute Reviews
    Und jetzt wraten wir auf den rest.

    Gruss BergH

  9. CronosZwo sagt:

    Warten auf den Rest? Argh!

    Auf was denn?

    Auf Schmananen-Shatner?
    Auf „nennt-mich-john-conner-alles-von-terminator-geklaut“ ST:XI ?

    Neee… wir warten schon viel zu lange. Hier müssen endlich mal ein paar Typen über Bord geschmissen werden!

    ;)

  10. manatos sagt:

    Tim Russ ihm sein *jetzt-Ich* zum Beispiel über Bord (oder mal eben zu Chuck Norris schicken?) und das was die Darsteller dann machen aufnehmen und es wird ein Hit!!! :D

  11. Indigo sagt:

    Hallöle

    Hab mir das Machwerk nicht angesehen. Werde ich auch nicht tun. Ich finde, das Fanfilme den Glanz der Originale verblassen lassen (toll formuliert, was?)

    Klapo: War das dein Ernst, dass du den vierten von rechts nicht kennst? Wenn ich mich nicht irre, ist das Botschafter Spitzohr (Soval) aus Enterprise. Schließlich wollten alle Serienableger in diesem Film vertreten sein.

  12. Lurker sagt:

    Mann..mann..mann…Nachdem ich auf einer Star Trek Kaffeefahrt von einem Klingonen genötigt wurde, eine DVD dieses Machwerks zu erwerben („So. Ich laß den Film jetzt laufen und keiner geht, bis ich nicht zumindest EINE DVD verkauft habe“) bis ich jetzt endlich mal dazu gekommen, mir das Teil anzugucken. Meine Fresse! Oder besser eher die der Darsteller. Die Zoomerei ist doch geringer ausgefallen als befürchtet. Und den Harryman-Darsteller fand ich ab dem zweiten Teil sogar recht gut spielend. Die beste Performance hat meiner Meinung nach der Gehülfe von Checkov-Ridick-oderwieerhieß) abgeliefert.
    Ansonsten schließe ich mich dem allgemeinen Tenor an: Handlung total konfus und überladen und die Effekte wirklich unter aller Sau. Ich war noch nie ein Freund ausufernder Kampfszenen, ob im All oder in Asien. Natürlich abgesehen von den klassischen Prügelszenen von Bud Spencer und Terrence Hill. Hm…DAS wär mal ein Fanfilm den ich sehen würde:
    „Cheffchen, ich hab da zwei verdächtige Typen im Transporterraum gesehen!“
    „Was soll denn das werden?“ – „Der vulkanische Nervengriff“ – „Höhö..ich zeig Dir mal meinen Griff! Schelle links *patsch* Schelle rechts *patsch* uuund gute Nacht *zack*)

  13. Lurker sagt:

    achso, was ich eigentlich noch geschrieben haben wollte:
    Nach dem Abspann von Teil III kommen auf der DVD noch making-ofs. Da ist zu sehen, dass bei den ungemein hölzern wirkenden Anfangszenen auf der Brücke in der Tat nur ein Bruchteil der Akteure überhaupt anwesend war. D.H. die Schauspieler haben desöfteren mit leeren Stühlen gesprochen. Und ich finde, das merkt man total:
    „uhura!“ – pause – „Haryman! Das ist ja lange her“ – Pause – „Ja, es kommt mir vor wie eine Ewigkeit“

  14. flyan sagt:

    Immerhin bemerkenswert: Der Fanfilmer JJ Abrams war nur der zweite (mindestens) der Vulcan gesprengt hat.

    Ansonsten sind die Schauspieler hier so wenig überzeugend, dass der Fähnrich Kim-Darsteller nicht mal negativ heraussticht.

    Wer hat eigentlich gesagt, dass Sol Faktor II schlecht wäre? Ich fand eure Produktion großartig. Sooo muss ein Fanfilm sein! Ganz im Gegensatz zu diesem verkrampften und peinlichen Altdarsteller-Theater, dass man hier zu sehen bekommt.

    • flyan sagt:

      Ich habe mir nun das komplette Kunstwerk angesehen…

      Es ist zum Heulen, wieviel Herzblut und eben auch Geld hier reingesteckt wurde. Da hätte man soviel mehr draus machen können. Klapo, könntest du nicht Drehbuch-mäßig ein wenig aushelfen beim nächsten Projekt? Und am besten auch Regie und alle Rollen übernehmen. Ich möchte sowieso schon lange ein Sol Faktor III.

      Antworten
    • Sparkiller sagt:

      „Ich möchte sowieso schon lange ein Sol Faktor III.“

      Ich auch. 2007 passte Bock-mäßig nur alles zusammen, so daß wir das Teil auch in nur ca. drei Monaten rausrotzen konnten.

      Heute hätte ich schon Probleme überhaupt den Hauptdarsteller noch einmal zu verpflichten, welcher zugegebenermaßen seine best— am wenigsten schlechte Zeit auch bereits hinter sich hat.

      Dabei könnte man schon durch die technischen Fortschritte (Kamera mit einer höheren Auflösung als 320×240!) sooooviel machen!

      Für ganz beinharte Fans (alle beide?) gibt es hier immerhin eine 6-minütige Technik-Demo von 2008 für einen dritten Teil (nicht zu verwechseln mit einem fertigen Ausschnitt!): http://www.youtube.com/watch?v=MgoPd5FHV14

      Antworten
    • flyan sagt:

      Den Clip kannte ich natürlich schon, aber trotzdem nochmal schön zu sehen.

      Wie wäre es mit einem Versuch bei einer Crowdfunding-Plattform, wo dann die Gage für Klapo Danielowski gesammelt wird? Da würden in der ersten Woche bestimmt 5€ zusammen kommen.

      Ich würde übrigens 5€ bereit stellen.

      Antworten
  15. G.G.Hoffmann sagt:

    Also ich kannte diesen Clip noch nicht. Großartig. Fantastisch! Was könnte man (also Sparki) da heute, fünf Jahre erst zusammenklöppeln? Und weshalb wirken dagegen viele professionelle Produktionen mit Megabudgets irgendwie unausgereift? O.k., die synchrontechnische Umsetzung zieht das ganze etwas nach unten und Rolf Schult würde sich im Grabe herum drehen, wenn er schon gestorben wäre. Klingt ähnlich wie der TrekCast, Raumschiff Eberswalde oder die verzweifelten Bemühungen, Phase-II ins Deutsche zu übertragen.

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