„Der Astronaut – Project Hail Mary“ – Review

Ursprünglich wollten wir – Schildhilde und ich – diesen Film sogar im Kino sehen. Doch nach der Durchsicht der Trailer kamen erste Zweifel auf: Ist diese Bildsprache wirklich die Speerspitze moderner Science Fiction? Oder doch nur eine postmoderne Annäherung an alte Klassiker, die am Ende den Geist eines LEGO-Movies atmet? Und ja, Regisseur Chris Miller hat zwei Klemmbaustein-Filme (2014 + Drehbuch 2019) tatsächlich gedreht. Aber gut, vielleicht atmet das fertige Werk ja eher den wissenschaftlichen Dunst(kreis) des Buchautoren, statt „nur“ ein Blockbuster zu sein…
Und ja, ich wollte diesen Film lieben – ein Verriss kam für mich ursprünglich nicht in Frage. Eher ein versöhnliches „Zumindest gibt es mal wieder so etwas“ am Ende. Denn wie hat es einmal ein kluger Mann gesagt: Ernsthafte SF mit Massenwirkung & positiver Botschaft ist der Schlüssel für cooles Schlaubi-Dasein.
(Wenn ich mich korrekt an mich selbst erinnere)
Angeheizt von Versprechungen von „Wissenschafts-Overkill“ und „Menschlichem Forschungsdrang“ erwartete ich ein Werk, bei dem einem förmlich die Tränen auf die Philosophie-Bände platschen.
Der Plot und um eine Weltraum-Substanz, die innerhalb 30 Jahren die Sonne und Erde verdunkelt, war da schon kein schlechter Start. Auch die Idee, dass Dr. Ryland Grace der einzige Überlebende an Bord ist, der nur durch die Zusammenarbeit mit einem Silizium-Außerirdischen zum Ziel gelangt, hatte massig Potential.
Um es kurz zu machen: Der Zappelphilipp liefert nicht.
Die Figur von Ryan Gosling wird uns als Multifaktor-Genie verkauft, das wahnsinnig nerdig mit verschiedenfarbigen T-Shirts durch ein Raumschiff purzelt. Quasi die fliegende Man-Cave mit Linsengeruch und allerlei Bastelgeräten (es fehlte nur der Satz: „Schon mal ein Rasperry Pi für die Lichtsteuerung verwendet?“), damit sich der halbgebildete Jungzuschauer wie ein „Bro“ im Geiste fühlen darf.
„Wo bin ich nur? Und wieso habe ich das Bedürfnis, alleine eine Rakete zu steuern, während ich ein Star-Wars-Shirt trage?“ – Gedächtnisverlust: Für das bekannte Videosiel-Stilmittel „Alles vergessen“ muss man zu Beginn vermutlich sogar dankbar sein. Ansonsten hätte der Mann wohl NOCH fixer den Tag gerettet.
Eben so eine Art allwissender Michael Burnham, nur halt mit der Fähigkeit, hochkomplexe physikalische, biologische und chemische Probleme in der Burrito-bekleckerten Unterhose zu (er)klären. Der Schweiß, die Mühe, der Zeitaufwand und die intellektuellen Knotenauflösung, die für die gezeigten Probleme notwendig sind, kommen – für mich persönlich – null rüber.
Mühelos und humorvoll bastelt sich der Ryland Grace z.B. ein Übersetzungsprogramm, eine verbale Datenbank (wie auch immer man dem Alien „Rocky“ erklärt hat, was ein „Movie“ ist?), erstellt interstellare Flugpläne und regelt im Alleingang alle anfallenden Aufgaben. Klar, dieses „Auf-sich-gestellt-sein“ ist der „Witz“ des Films, aber die Probleme ergeben sich nie intellektuell, sondern immer nur auf Slapstick-Ebene. Zumindest legt die Optik dies nahe.
Und ja, die Geschichte gibt sich wahnsinnig Mühe, irgendwie klarzumachen, warum der Hektiker (der zuletzt eigentlich nur als Pädagoge für Kinder arbeitete) der einzige ist, der die Mission durchführen kann.
Tja, MICH hat’s nicht überzeugt… Auch die stellenplanmäßig „bereinigende“ Explosion kurz vor dem Start reichte mir da nicht.
(„Sie sind jetzt der einzige. Unser Mitarbeiter Bud Spencer wird ihnen daher einen Scheitel ziehen, um Ihnen das Mitkommen zu erleichtern.“)
Dass der Mann sich eher ungeschickt anstellt, ist gar nicht sooo das Problem, hat die Story aber fast im Alleingang ausreichend torpediert.
Nicht, weil ich Doofmannshumor immer blöd finde, ABER: wenn die ernsten Weltraum-Probleme dutzendmal in den Hintergrund geraten, weil Mister Loch-im-Socken – ungelogen! – dreißigmal mit dem Raumanzug irgendwo hängen bleibt, geht der Spannungsofen endgültig aus. Und nie wieder an.
Ich merkte sogar, dass ich richtig sauer wurde, wann immer ich einen ruhigen „Außendreh“ erwartete, wo man mal ein Gefühl für die beiden Raumschiffe bekommt – man aber eine Sekunde wieder in einer unspektakulären Kapsel war, von der ich 7 Tage später nicht mehr sagen könnte, wie die Farbe, der Grundriss oder die Konsolen beschaffen waren.
Das Design von „Rocky“ stellte mich nicht ganz zufrieden. Einerseits wirkt das Wesen haptisch und sogar etwas „schief gebaut“, was gelungen war. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass Silizium-Lebewesen wie zehn Felsen funktionieren, die man an einigen Nahtstellen mit Kaugummimasse verbunden hat. (Wie Vermehrung? Stoffwechsel? Wachstum?)
Eine Annäherung an das Weltall und an fremde Kulturen findet hier halt nur auf „dem Papier“ statt. Was im Buch vermutlich gut gelungen ist, wird hier zu einer wahnsinnig hektisch geschnittenen Veranstaltung für Menschen, die „Aliens“ für Wesen halten, die auf Kommunikationsanfragen ausschließlich mit einer WhatsApp reagieren.
So habe ich z.B. krampfhaft rauszufinden versucht, wie die schwarze Schnodderseuche GENAU durch den Weltraum reist, wie das GENAU mit den Frequenzen, der (Licht-)Abdunklung und den generellen Richtungsangaben funktioniert, und und, und…
Bei vielen dieser Themen bleib es bei einer achsel- und kamerazuckenden Meldung namens Fehlanzeige. Vor allem die Tatsache, dass man die Fresspartikel als Antrieb nutzt, fand ich (theoretisch) unglaublich spannend. Am Ende sorgte dieses Plot-Device nur dafür, dass das Schiff sich geschmeidiger bewegt als die Enterprise beim ADAC-Slalomfahren.
Zugegeben, vieles wird wohl mit einem Halbsatz erwähnt, während man Ach-so-nerdig die Treppe rauffällt. Trotzdem wird auf Menschen, die auf solche Details achten wollen, keine Rücksicht genommen.
Das Alien „Rocky“ wäre ebenfalls ein Fall für Kulturpessimisten: Er mag ja ganz niedlich sein, krabbeln, klettern, grunzen, fiepen und grollen, aber am Ende findet hier kein Interspezies-Austausch statt: Der Astronaut überschüttet das offensichtlich weit(!) entwickelte Wesen mit eigenen Ideen, eigener Technik und popkulturellen Gags, bis das Steinwesen einfach blödelnd nachgibt – und zu einer Art Menschenaffe mit Filmwissen wird.
Sehr hätte mich z.B. interessiert, wie das andere Raumschiff aussieht. Oder wie man versucht, die unterschiedlichen Forschungsergebnisse digital zusammen zu legen. Stattdessen konzentriert man sich auf Popmusik, während man sich im Schlaf aneinander kuschelt. Natürlich mit Plastikscheibe dazwischen, die wohl einen organisch gewachsenen Kristall darstellen soll.
Nur am Rande gefragt: Wurde das Produktionsdesign nicht allenthalben sehr gelobt? Von wem eigentlich? Ich will die Namen jener Augenlosen hören!
Selbst im Pausenmodus wirkt das fremde Raumschiff (z.B.) mit seinen goldenen Stäben nicht sehr beeindruckend. Warum auch immer es so extrem extravagant geformt ist… Die unruhigen Schnitte, bei denen die fokussierten Bildelemente, Kontraste und inhaltlichen Schwerpunkte häufig wechseln, sind daran nicht unschuldig.
Ich könnte noch auf dem Ende herumreiten, das erstaunliche Ähnlichkeit mit „Star Trek – Strange New Worlds“ hatte. Dahingehend, dass nach der Plot-Klärung noch ein Rückblick, eine Nachbetrachtung, ein ruhiger Moment, ein Trauma-Moment, ein lustiger Moment und eine allerletzte Erklärbär-Situation folgen. Da fehlte echt nur noch der dritte oder vierte Popsong im Abspann, gefolgt von einer Post-Credit-Scene.
Theoretisch müsste man dem Film sogar noch penetranter auf den Zahn fühlen, was einige Implikationen angeht (= Wer hat wann WAS entschieden? War das bloße Zurücksenden des rettenden Materials zur Erde nicht arg egoistisch, da in diesen kleinen Röhren viel unsicherer?).
Aber da vieles abgekürzt oder vereinfacht wird, kann ich mir nie sicher sein, dass nicht was an mir vorbeirauschen konnte (oder gar sollte?).
Dass irgendwas im Buch besser erklärt wird, interessiert mich da wenig. Ein Film muss inhaltlich funktionieren, auch wenn ein Rocky-Racker nur halb so niedlich wäre.
Fazit:
Ich weiß, Leute… „Hail Mary“ wird sehr gefeiert.
Wer jedoch gerade das Ernsthafte und Ruhige liebt, wird sich bei vielen (unterschwellig eingesetzten) Design- und Dialogentscheidungen die Haare raufen. Teilweise wirken die Vorbesprechungen zu der Mission sogar wie Kasperletheater, bei der man die anderen (Militär/Forscher-)Handpuppen höchst unwillig ins Bild schiebt.
Der „Coole“ ist ausschließlich Kuscheldude und Universalgenie Ryan Gosling – und nicht die Wissenschaft, fremde Lebensformen oder die Menschheit, die hier nur von zwei Lagerhallen und fünf Nebendarstellern repräsentiert wird…
Schauspielerisch wabert das Erleben hier zwischen liebenswerter Chaot aus den 90ern (Tom Hanks), Filmstar aus den 30ern (Laurel & Hardy) und Comicladen-Besitzer aus den 00ern („Big Bang Theory“) herum. – Was ich sogar schlimmer finde als das ausdruckslose Dreinschauen in vielen Klassikern („Odyssee im Weltraum“). Da BLIEB man wenigstens bei seiner begrenzten Stimmung.
Von bisher ungenannten Hilfsmitteln wie – z.B. – seeehr späte Erklär-Rückblenden ganz zu schweigen.
Aber gut, zwischen den Tränendrückermomenten, der Dudelmusik und dem ablenkenden Schnittgewitter verbergen sich durchaus 15 guten Filmminuten, die sich quer durch das Werk finden lassen.
Eben eine Schnitzeljagd für die ganze Familie Menschheit…
Im Grunde versucht Der Astronaut nichts falsch zu machen – jedenfalls nicht für ein Publikum unter 15 Jahren oder mit der Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs.
Schnelle Schnitte, eine nicht-chronologische Erzählweise und ein permanenter Erklärmodus – so hastig heruntergerattert, dass man als Zuschauer kaum hinterherkommt – sollen offenbar Tiefgang simulieren. Wer Fragen hat, bekommt einfach die nächste Hochglanz-Weltraumaufnahme serviert. Doch mich lockt so etwas jedenfalls nicht aus dem Schildkrötenpanzer.
Hierfür setzt man Ryan Gosling als drolligen Allround-Wissenschaftler mit reichlich alberner Gesichtskomik vor die Kamera.
(Übrigens: Seine Brille wird im gesamten Film offenbar nie fettig. Jeder Brillenträger weiß, wie absurd das ist. Stattdessen rutscht sie ihm gelegentlich von der Nase – „Haha, Brille runter!“ Offenbar reicht das schon als Gag. Nun ja… ?)
Dazu stellt man ihm mit Sandra Hüller eine hervorragende Schauspielerin zur Seite, die hier allerdings völlig deplatziert wirkt, und lässt den Rest der internationalen Crew zügig aus dem Drehbuch verschwinden. Denn natürlich muss am Ende der US-Amerikaner den großen Helden geben.
Die visuellen Effekte sind durchaus gelungen. Was mich dagegen permanent genervt hat, war der Soundtrack: ständiges Gedudel ohne jede Dramatik, plötzlich lustige Bongo-Trommeln, ein völlig deplatzierter Tango im Weltall – und dann wird auf der Abschiedsparty auch noch gesungen. Das hatte für mich stellenweise Disney-Niveau.
Rocky mochte ich dagegen wirklich sehr.
Die Figur hätte enormes Potenzial gehabt. Umso mehr hat mich gestört, dass er trotz seiner Intelligenz stellenweise eher wie eine verniedlichte, affenartige Kreatur wirkt als wie eine wirklich fremde Spezies.
Für mich ist Project Hail Mary / Der Astronaut eine typische, weichgespülte, vorhersehbare Hollywood-Produktion ohne Seele und ohne echte Alleinstellungsmerkmale. Vieles wirkt wie ein Sammelsurium bekannter Ideen, anstatt etwas Eigenständiges zu erzählen. Über weite Strecken erfüllt der Film einfach die Erwartungen, ohne jemals zu überraschen oder Risiken einzugehen. Das Ganze erinnert eher an austauschbare Familienunterhaltung: „Ein Hund namens Rocky im Weltall“ – „Oh, haha, was haben wir gelacht.“ Das ist weniger anspruchsvolle Science-Fiction als vielmehr eine bewährte Hollywood-Kuschelformel.
Besonders nervtötend fand ich, wie oft der Film versucht, Emotionen zu erzwingen: Freundschaft und Zuneigung, Trauer und Verlust. Und was bitte sollte diese merkwürdig „lustige“ Beerdigung? Szenen wie diese werden in vorhersehbaren Sequenzen inszeniert und mit einem permanent anschwellenden Soundtrack unterlegt. Statt Gefühle natürlich entstehen zu lassen, drückt der Film ununterbrochen auf die emotionale Knopfleiste. Ich fühlte mich eher manipuliert als berührt.
Immerhin: Wäre Rocky gestorben, hätte ich den Film vermutlich sofort abgebrochen. Er war/ist wenigstens eine Figur, die mir wirklich sympathisch war.
Und dann dieser kindische Biolehrer™?, der natürlich am Ende zum großen Helden wird. Ernsthaft? Wie billig und vorhersehbar kann ein Drehbuch eigentlich sein?
Mit „Der Marsianer“ – ebenfalls nach einem Roman von Andy Weir – oder „Arrival“ von Denis Villeneuve kann „Der Astronaut“ für mich nicht mithalten. Diese Filme nehmen ihr Publikum ernster, verzichten auf derart offensichtliche Gefühlsmanipulation und entwickeln ihre Figuren und ihre Spannung deutlich subtiler.
Fazit:
Ich hatte ohnehin keine besonders hohen Erwartungen an den Film. Trotzdem hat er mich am Ende mehr enttäuscht als das – meiner Meinung nach – furchtbar kitschige Finale von „Interstellar“.
Ja, „Der Astronaut“ ist technisch ordentlich gemacht und wird sicher viele Zuschauer glücklich machen – vorzugsweise in der Sonntags-Familienvorstellung. Für mich bleibt er aber ein austauschbarer Hollywood-Wohlfühlfilm, dem der Mut fehlt, wirklich fremd, unbequem oder überraschend zu sein.
Wie schafft man es eigentlich, fast zweieinhalb Stunden Film zu drehen und dabei so wenig nachhallen zu lassen? Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ beweist, dass Langsamkeit kein Selbstzweck ist. Dort wächst mit jeder Einstellung das Staunen, die Ehrfurcht und dieses wunderbare Gefühl kosmischer Ohnmacht. Der Astronaut verwechselt dagegen Tempo mit Tiefe und Dauer mit Bedeutung.
So… der Dampf ist nun endgültig aus meinem Panzer verzischt.
„Bump fist!“
(Ja, Rocky – ich weiß. Eigentlich heißt es „fist bump“. Aber „bump fist“ klingt einfach steiniger.)
Bewertung: 2 von 5 Sternen





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Ich gehe ins Kino um unterhalten zu werden und tolle Bilder zu sehen. Das alles liefert dieser Film. Ryan Gosling liefert wie immer ab und die Story ist ok. Wer jetzt bei solchen Hollywood Popcorn Streifen erwartet, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu bekommen, der ist buchstäblich im “ falschen Film“ . Andere Personen, die diesen Film mögen als 15jährige mit derAufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs zu bezeichnen, ist an Arroganz und Dummheit kaum zu überbieten. Geht mal wieder ordentlich kacken oder ficken.