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„Moon“ – Der Mann im Mond trägt Feinripp

„Moon“ – Der Mann im Mond trägt Feinripp

Na, seid Ihr auch nicht so ganz taufrisch? Vielleicht sogar schon über 30 und mit dem Sensenmann bereits beim gleichen Hausarzt in rheumatischer Behandlung? Sind Euch die modernen SF-Filme zu sehr wie „9/11, 2001“, aber Ihr hättet gerne mal wieder so etwas wie „Bob, der Baumeister“ (nicht die Al-Qaida-Episode) im Weltraum? Reicht es Euch, wenn es – äh, gewissermaßen – nur EINE Hauptfigur gibt, keine wirklich nackten Weiber mitspielen und sich die einzige Action auf einen Auffahrunfall wegen Übermüdung beschränkt?

Dann willkommen zu „Moon“! So spartanisch wie der Titel kommt nämlich auch der Inhalt daher, was aber gar nicht mal böse gemeint ist. Standort: Mondbasis. Figur: Verschnarchter Überwacher eines automatisch ablaufenden Helium-3-Abbaubetriebs. Problem: Verrate ich erst mal nicht, da ein bisschen Ungewissheit dem Filmgenuss durchaus gut tut. Aber ich sag’s mal so: Wenn man plötzlich NICHT mehr alleine auf der Station ist, fragt das eigene Hirn schon mal nach einer Notausstiegsprozedur, so rein schädeltechnisch.

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„Wisst ihr, was ich wirklich, wirklich hasse? Wenn die Scheiben von INNEN beschlagen und mir die dreckigen Unterhosen zum Sauberputzen ausgegangen sind!“ (*auszieh*) – Ein großer Tritt in den Schritt… äh… für die Menschheit: Dieser Herr, dessen Wagen von Innen exakt so aussieht wie meine 16 Jahre alte Reisschüssel, ist inzwischen ein wenig sonderbar geworden. Aber dass ist auch kein Wunder, denn schließlich ist heute VOLLMOND. Irgendwie sogar dauernd.

„Moon“ ist ein altmodisch gefilmter Low-Budget-Grusler. Die Kulissen (und die künstliche Intelligenz auf der Station!) hätte mir ihren angesifften Weißtönen wunderbar als urinfleckige Version von Stanley Kubricks „2001“ herhalten können. Die Kamera hält schon mal etwas länger drauf, wartet aber eigentlich nie den Moment ab, an dem man sich bereits ein gerahmtes Landschaftsbild auf dem Fernseher festnageln möchte, weil man Gang X nur wirklich nicht mehr länger ertragen kann, so rein optisch.

Die dann doch etwas einseitige Augenkost reduziert den Wiederseh- und Nochmalstaunwert zwar schon ein wenig, aber dafür muss man nach dem Schauen auch nicht darüber nachdenken, ob die Effekte eventuell das Geschehen überlagert haben. Und, um es mal so ausdrücken: Genau DAS ist ebenso wenig möglich wie ein rotes Zimmer mit einem Eimer Milch weiß zu pinseln…

Astronaut Bob freut sich also nach seinem fast 3 Jahre währenden Vertrag auf die Rückkehr zur Erde, wo seine Frau und sein frischgebackenes (oder wo kommen sonst all die Babys her, hä?) Kind auf ihn warten. Schade nur, dass ihm sein Arbeitgeber so einiges verschwiegen hat und nun ganz gerne möchte, dass Bob in Zukunft das selbe tut. Nur halt in der – biologisch betrachtet – zuverlässigeren Version des Langzeit-Schweigens.

Somit sind alle dramaturgischen Pforten weit geöffnet, um genau diese Figur (wer auch immer der Darsteller sein mag), die größtenteils aussieht wie ein Nerd auf Counterstrike-Entzug, in das eigene Herz zu schließen. Man will unbedingt wissen, wie seine Geschichte ausgeht und wie er die eigentlich unlösbaren Probleme bewältigt. – Vertraut mir. Ich weiß, was ich hier schreibe… (*treuherziger Kritikeraugenaufschlag*)

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„Luft. Wasserzufluss. Strom. Gesichtscreme… Verdammt, dieses Chaos hier ist ja zum depressiv werden! Welches Kabel ist denn jetzt noch mal zum Erhängen?!“ – The Cable Guy: Wer sich seit Monaten mit zwei blanken Stromkabeln „rasiert“, indem er sein Gesicht dazwischen hält, reagiert auch nicht mehr auf wohlmeinende Durchsagen von der Erde, wie: „Ehrlich. Ich Frau wartet daheim auf sie! Wir müssen nur noch herausbekommen, warum eigentlich.“

GANZ große Logikfehler habe ich jetzt nicht gefunden, abgesehen von der Frage, ob der ganze diabolische Plan (der hier jetzt nicht verraten wird) des Abbauunternehmens wirklich so viel Sinn ergab. Das Kosten/Nutzen/Auffliegen-können-Verhältnis war ja jetzt nicht besonders ideal. Aber vielleicht gab es vom Staat auch einen großzügigen Zuschuss für die benötigte Technologie („Wir sichern damit 27 Arbeitsplätze + 2 Praktikantenstellen?! Wohin dürfen wir die 15 Millionen überweisen?“)…

Zumal die KI an Bord seit Jahren von allem wusste, aber nach ein bisschen Drängelarbeit („Bittöööö!“) dann doch schnell verriet, was damals zusätzlich in unsichtbarer Tinte auf den Arbeitsvertrag geschrieben wurde. Für mich ein weiterer Fall von „Verbuggte Software“, die nicht tut, wofür sie entwickelt wurde… Und, Achtung, jetzt doch mal ein massiver SPOILER: Hätte unser Astronaut nicht irgendwann etwas stutzig werden müssen, nachdem er ja fast drei Jahre lang nur vorgefertigte Antworten von seiner angeblichen Frau erhalten hat? Wie erklärt man es sich, wenn man detaillierte Fragen stellt, wie: „Lebt der Birnenbaum in Papis Schrebergarten noch? Jetzt sag‘ doch mal endlich!“, dann aber doch nur wieder eine Antwort erhält, à la „Ja, unser Kleiner hat im Kindergarten wieder mal eine Eins geschrieben. Nett, dass Du fragst!“ (Spoiler Ende)

Wer sich unsicher ist, ob „Moon“ etwas für ihn ist, sollte sich folgende Fragen beantworten und die entsprechenden Punktwerte Eurer Antworten zusammenzählen:

1.) Wie schnell sollte ein SF-Film erzählt sein?

a) Kann mich auch mal ein ruhigen Stellen satt sehen. Das Design von Plastik-Wandplatten wird in unserer Kultur sowieso sträflich unterschätzt! (3 Punkte)

b) Weiß nicht. So mittel. Bin ja kein Kultur-Dingsda. Na, so’n Banause halt. (1 Punkt)

c) Ich würde die obige Frage gerne beantworten, aber durch die Abschaffung meines Langzeitgedächtnisses nach dem geilen letzten Teil der Star-Wars-Filmreihe, kann ich mich nicht mehr an sie erinnern! (0 Punkte)

2.) Mögt ihr Antihelden und Kammerspiele?

a) Wie, gibt es denn auch tolle Filme, die von echten Helden handeln und in keiner Kammer spielen?! (3 Punkte)

b) Ab und zu ganz gerne mal. Aber ein GANZER Film dazu? Hmm… (1 Punkt)

c) Red‘ nicht so geschwollen daher! Antispieler und Kammerhelden? Was soll der schwule Schmonzes? (0 Punkte)

3.) Mögt ihr altmodisches Design in SF-Filmen, vielleicht wie in den 60ern, 70ern?

a) Ich liebe es, wenn einem nicht auf jedem Computerbildschirm die Polygone entgegenspringen! Bin nämlich schreckhaft… (3 Punkte)

b) Mir egal. Kommt doch auf die Story an! (2 Punkte)

c) 60er Jahre? Soll das ein Witz sein?! Mein Opa wurde 1960 geboren! Und jetzt lass mich in Ruhe, ich muss noch Hausaufgaben machen… (1 Punkt, damit Du doch noch was anderes lernst)

4.) Magst Du eigentlich Action?

a) Nein. Ich war mal auf einem schwedischen Kunstfilmfestival. Als da ein Film gezeigt wurde, bei dem sich die Kamera bewegt hat, ist mir sofort schlecht geworden! (3 Punkte)

b) Schon. Ja. Nein. Kann ich so nicht beantworten. Magst Du denn unnötige Fragen? (2 Punkte)

c) Kannst Du die Frage vielleicht größer schreiben? Ich kann das auf dem Monitor so schlecht lesen, wenn ich auf dem Skateboard im Zimmer auf und ab fahre! (0 Punkte)

Und jetzt zur Auswertung:

1 bis 4 Punkte: Der Film ist nichts für Dich. Ähm. Aber jetzt mal eine private Frage: Verstehst Du überhaupt, was ich hier schreibeee? Oder soll ich die Buchstaben… buchstabieren?

5 bis 8 Punkte: Ich glaube, Du solltest „Moon“ eine Chance geben. Das machen die anderen coole Typen nämlich jetzt auch so. Und, habe ich Dich schon überredet? – Fein!

9 bis 12 Punkte: Was sagst Du? Nein, ich weiß, er ist jetzt auch nicht anspruchsvoller als Hamlet in der afrikanischen Originalfassung. Aber wenn Du vielleicht vorher 2 Gläser Cabernet Sauvignon zu Dir nimmst, könnte er Dir durchaus gefallen, ehrlich!

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„Hmm. Die Erdbasis hat gesagt, ich soll meinen Geist trainieren, indem ich mir abwechslungsreiche Beschäftigungen suche. Vielleicht, wenn ich jetzt mal ein paar Tage an der Wand gegenüber…?“ – Tür zu, es zieht: Diese Einsamkeit kann einen ganz schön mürbe machen. Das bestätigen ihm übrigens auch Prinzessin Poponella (links im Bild) und der rote Weihnachtsmann, der kürzlich von einer alten Coladose heruntergesprungen ist (mittig).


Fazit: Da ich bei meinem eigenen Test mit total okay’enen 7 Punkten abgeschnitten habe, sehe ich mich durchaus als Zielgruppe an. Zwar ist „Moon“ kein Film, den man voller Stolz seinen Freunden ausleiht (eher schon: „Wenn’s Dir nicht gefällt, kann ich’s verstehen… Bitte dann aber nicht hauen!“) oder den man sich nach einem Jahr unbedingt als Blu-Ray-Scheibe ins Regal schieben möchte, aber zwischen all dem Lauten & Lausigen ist der Mondmann durchaus einen Blick wert.

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Artikel

von Klapowski am 04.12.09 in Filmkritik

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Kommentare (8)

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  1. 655321 sagt:

    Ich fand es erfrischend mal ein paar gute Effekte zu sehen die ganz ohne CGI auskamen. Ich hab den Film gerne anderen weiter empfohlen und mit durchgängiger positiver Resonanz da in einem Sci-Fi Film mal keine ständige Hektik vorherrschte mit krachbum und/oder Ruckelcam.

    Den Hauptdarsteller kenne ich jetzt auf die schnelle nur als Doppelkopf aus Hitchhikersguide oder Redshirt aus Galaxy Quest. Spacey mit seine Hypnose Stimme fand ich auch sehr passend.

  2. Dingens sagt:

    Mir hat er gefallen. Als ich dachte „Fühlt sich wie ein klassischer SF-Film an“ habe ich mich kurz gefreut, mich dann gefragt ob ich alt werde und mich dann einfach wieder über den Film gefreut.

    Keine Hektik, kein Technogebrabbel, keine Hochglanzcharaktere. Großartig in unserer heutigen Zeit. Jawoll.

  3. Morn sagt:

    Moin!
    Habe es mir gerade reingezogen.
    Dass Kevin Spaceys Stimme eine gute Wahl war und dem Protagonisten hilft, war im Rahmen der Softwareprogrammierung akzeptabel. Daher für mich kein Logikfehler. Aber das sich das mit den Klonen rechnen soll, würde mich jetzt etwas wundern…naja, in Star Wars rechnet sich das ja auch.

    Aber auf jeden Fall ist der Film zu empfehlen. Schöner Aufnahmen, insbesondere vom Sternenhimmel.

  4. hump sagt:

    Einer der miserabelsten Filme die ich in letzter Zeit sehen „durfte“.

    • schoenerAndi sagt:

      Tja, Klappo hat Dir extra angeboten den Text vorzulesen, aber Du
      wolltest ja nich. Allerdings ist es wirklich so, dass man den Film kein
      zweites Mal guggen braucht.
      Wenn schon Filme mit Twist wie diesem, sollte man halt auch ein
      paar falsche Fährten legen, 6th Sense-mäßig. Dann lohnt auch ein
      Wiedersehen. Also vielleicht, nicht zwingend. Oder so…
      Aber die Smileys des Computers waren cool, plus 1a-Stimme dazu.

      Antworten
    • Jabba sagt:

      Fand den auch nur zum wegschnarchen. Fuba ! Das Setting und die Besetzung sind ja schon schön aber der Plot zieht sich dann doch etwas.

      Antworten
  5. G.G. Hoffmann sagt:

    Ich fand den gut.

  6. Ben3000 sagt:

    Ich kann mich Klapo nur anschließen.
    Habe den Film erst 2018 gesehen und war begeistert, endlich mal wieder einen „echten“ SF-Film zu sehen. In den letzten Jahren hat mich nur der Marsianer ähnlich begeistern können…

    Gruss Ben3000

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