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„Moonfall“ – Das Review mit dem Doppelwumms

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Kollege Sparkiller ist ein Freund leiser Filmkunst. Eben von Werken, bei denen man etwas über sich selbst erfährt. Somit empfahl er mir – zu Studienzwecken zur Volumenvergrößerung meiner Halsschlagader – den Film „Moonfall“. Dies ist das jüngste Werk eines jungen, aufstrebenden Homosexuellen, dem nach dem Film „Stonewall“ (2015) eine große Zukunft in Hollywood prophezeit wurde. Daher mischte ich mir ein „Chips-in-Rotwein“-Müsli und ließ mich auf diesen unkonventionellen Kunstgenuss ein.


Hier ein paar Impressionen des Intellekt-Intermezzos:

Um die Einleitung kurz zu halten: Ja, es wäre einfach, sich über diesen Film humorig zu beömmeln. So einfach, dass ich keinen Bock drauf habe.

Merke: Sich über Roland Emmerich aufzuregen, das zählt selbst unter Filmkritikern unter die Kategorie „Sich über Behinderte lustig machen“.

Daher erwähne ich gleich einfach mal, was POSITIV an „Moonfall“ ist! Und damit meine ich nicht die (ironisch) positive Bemerkung, dass hier der Greenscreen mal ausgeklopft wird. Oder dass ich nun ganz dringend einen LEXUS© kaufen möchte, um in der Apokalypse vor einer KASPERSKY©-Schriftzug rumzudüsen.

, „Moonfall“ – Das Review mit dem Doppelwumms

„WAS? Ich hatte hier oben mit der Freiheitsstatue gerechnet. Geht’s Emmerich gesundheitlich nicht gut?“ – Gibt es eigentlich einen Grund, dass gewisse Spezialeffekte immer so aussehen, als wenn jemand mit zu hellen Wachsmalstiften gearbeitet hat? Bei so was will ich immer auf den Fernseher springen – und der Kontrasteinstellung die Sporen geben. Hühaaa.

Also… Das erwähnte Positive findet ungefähr 15 Minuten lang statt, gegen Film-Ende. Nämlich als wir ein nettes SF-DESIGN©… äh… oder halt SF-Design innerhalb des Mondes erleben. Kurz dachte ich, dass dies eine gute Idee für eine etwas schrägere Trek-Folge wäre. Der Grund (SPOILER):

Wir erleben einen ausgehöhlten Mond, der von einer fortschrittlichen Rasse zurückgelassen (und getarnt) wurde, um eine böse KI zu täuschen. Die dann aber unpraktischerweise im Mond WOHNT(?), obwohl sie sich normalerweise nur für Technologie mit LEBENSFORMEN drin interessiert.

Okaaay, zugegeben, bezüglich der Details und Logiklücken müsste man noch mal mittels Schwarzen Löchern dran rumstrecken und nachjustieren. Aber der Grundplot hat zu 30% eine gewisse Qualität, bei der ICH persönlich das große Kopfkino bekomme. („Und dann… Und dann… Lechz… Ist der Mond eigentlich eine Nanobot-Gottheit, die in einem anderen Universum durch ein Slipstream-Triebwerk… Oh Gott, wo ist eine vierarmige Stenotypistin, wenn man sie dringend braucht?!“)

Positiv erwähnen sollte man in diesem Zusammenhang auch, dass zu Beginn zumindest einige physikalische Gesetzmäßigkeiten erwähnt werden. Zum Beispiel der Punkt, ab dem der Mond einfach auseinanderbricht, weil er der Erde zu nahe kommt; die sogenannte “Roche-Grenze“. Doof nur, dass man derlei Dinge irgendwann vollkommen über Bor(e)d wirft – und der Verblödungsfaktor ähnlich hohe Sprünge unternimmt wie die Autos in der finalen Verfolgungsjagd.

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„Platz da, hier kommt die Kavall… Krawall-eri!“ – Fahrgemeinschaft für die planetarische Restbevölkerung: Bei den Rettungsmissionen hätte ich gerne mehr interessante Details gesehen. Der Verkehrsamt-Leiter hätte doch z.B. kurz den Off-Text einsprechen können?

Wobei der lullige Verbrechersohn von einem der Hauptfiguren die letzte Person ist, die einen interessiert hat? Wen juckt es denn, ob der mal zu schnell gefahren ist, während JETZT alle Straßen als Origamikunstwerk in Richtung Erdtrabant entfliehen? Fehlte nur noch, dass der sich um ein Stück Brot prügelt, während 5.000 Weizenfelder von der Erde abgepellt werden – und man selber ebenfalls. Halt nur 5 Minuten später.

(Ist das jetzt ein Denkfehler meinerseits, oder fliege ich NICHT in den Weltraum raus, wenn der Mond in einigen Kilometern Entfernung über mich drüberbrettert? Sollte ich dann nicht einfach nur um ein Sechstel LEICHTER werden?)

Am Ende kratzt der stellare Trümmertrabant buchstäblich den Schorf von den Berggipfeln – und eiert im Tiefflug über die Erde, um mal gerade die halbe Atmosphäre wegzulutschen. Und sie dann gleich wieder zurückzuschicken. Vermutlich auch in der richtigen Reihenfolge und Position? („Hey, Ozonloch ÜBER Australien. Das gibt ein Fleißsternchen!“)

Als man dann am Ende darüber diskutierte, ob ein Mond, der bereits die Schaumkronen auf dem Ozean abrasiert(!), mit Atombomben(!) gesprengt werden sollte, bin ich geistig ausgestiegen. Um mich bei der Deutschen Bahn um einen Anschlusszug zu bemühen, der MINDESTENS 45 Minuten Verspätung hat.

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Schon das Cover zeigt uns, was wir zu erwarten haben: Das persönliche Drama eines Mannes, der vom Matriarchat davon abgehalten wird, als dickster Mensch der Welt in die Geschichtsbücher einzugehen.

Die Effekte sind übrigens (noch) okay, stellen allerdings keinen Guck-Grund dar. Marvel hat hier in den letzten Jahren so viel Künstlichkeit abgeliefert, dass man sich über die flache Beleuchtung und „aufgeklebte“ Charaktere gar nicht mehr ärgern kann. Schließlich gibt es ja keinen Film mehr (mit dieser Menge an Effekten), den man als Positivbeispiel herauskramen könnte. Okay, vielleicht noch „Dune“, aber diese Schweine haben ja tatsächlich in der Wüste gedreht und eignen sich daher nicht für den Vergleich. Höchstens für einen unfairen.

Dramaturgisch wirkt alles unfertig und grob geschnitzt. Zum Beispiel der Beginn, bei dem mal gerade die ganze Stadt geflutet wird. Was die Charaktere nicht sonderlich juckt, die später faul im Hotelbett abhängen und aus dem Fenster glotzen. Wobei der Zuschauer den Ausblick gar nicht erleben darf. Kurzer Zoom nach Draußen, auf ein paar ROTES KREUZ-Mitarbeiter mit fettigen Haaren? – Nada.

Denn Emmerich hatte kein Geld für farbige Armbinden. Oder ein Stück Butter für die Frisur.

Ebenso muss man verzichten auf Technologie (die NICHTS mit Raketen zu tun hat), jammernde Zivilisten („Buhuuu. Ganze Lunge voller Salzwasser, aber keine bunten Fische dabei!“) oder einige Kamerafahrten, die Szenen miteinander verbinden.

Klar, bei „Independence Day“ sah man auch vor allem einige Hauptfiguren, die abwechselnd ihre Kinder, eine Schnapspulle oder die Air Force One gestreichelt haben. Aber das wirkte globaler und haptisch vorhanden. Dort hat man z.B. noch das Gefühl, dass man in eine Stadt rein- oder rausfahren muss. – HIER hingegen trampelt man gefühlt von einem Greenscreen-Dschungel in den nächsten und labert sprunghaft von Kids, Klumpeneinschlag und Krachbumm-Missionen.

Alles ist immer extrem eilig, wirkt dann aber trotzdem langgezogen wie Mondkäse.

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„Wie jetzt, ‚Corona-Lockdown‘? Wir haben für die Fußball-WM in Nordkorea doch gerade erst das neue Stadion eingeweiht?!“ – Nachhaltigkeit für Nachahmer: Immerhin wurden die toten Gastarbeiter diesmal direkt in Nanobots eingegossen.

Und während man dem Radiotechniker im 1996er-Werk noch irgendwie abnahm, dass er zufällig die Radiofrequenzen entschlüsselt hat, fehlt dieses Element diesmal. Die Figur KC Houseman ist zwar ein (ausgedachter) Experte für Megastrukturen, aber warum gerade ER den Raumanzug vollkotzen musste, kommt null rüber. Wegen Magensaft-Quoten bei der NASA? Man holt ja auch keine Impfgegner ins Krankenhaus, wenn jemand nach dem Corona-Pieks einen Allergieschock erlitten hat…?

Das Ende des Films hintertließ dann auch kein besonderes Gefühl. Irgendwo zwischen „Alles ist gerettet, wir sind die geilsten!!“ und „Das Gerettete ist kaputt, wir sind gearscht!!“ pendelte sich das nachträgliche Feeling ein. Was dann halt enthüllt, das sich Emmerich trotz all der raussuppenden Familiensippen-Dramen gar kein Interesse an den Menschen hat.

Höchstens an denen, die zwischen zwei Kindergeld-Bescheiden schön filmisch schreien können?


Fazit: Statt die vielen Logikfehler aufzuzählen, sollte man an dieser Stelle generös sein und sagen: „Hey, das Glas ist zu einem Drittel voll – immerhin!“

Und damit kann man z.B. zehn Kakteen gießen. Oder sich nach dem Filmgenuss das Gesicht kalt abspritzen.

Den großen Hass habe ich beim Gucken nicht verspürt. Eher triggerte das Gesehene meine Cineasten-Sensoren, die ständig analysierten, was hieran ANDERS (meistens schlechter) als bei „Independence Day“ ist.
Quasi ‚Learning bei Facepalming‘.

Das ist jetzt keine Werbung für „Moonfall“, zeigt aber, dass er mich immerhin bei der Stange gehalten hat. Denn beim China-Movie „Wandering Earth“ bin ich geistig damals schon nach Minuten weggedriftet.

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Artikel

von Klapowski am 03.12.22 in Filmkritik

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Kommentare (3)

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  1. verwirrter Gast sagt:

    „Der Film zur Computer-Animation.“
    Genau diesen Eindruck hatte ich, als gen Ende das Film-Plakat dann Film-Realität wurde.
    Also diese Szene am Ende, wenn dann der Mond-Staubsauger über die Rocky Mountains fährt. Keine Frage, das ist wirklich toll gemacht. Visuell beindruckend! Aber das ganze drumherum, der ganze Rest vom Film, ist doch einfach nur komplett bekloppt … Wobei man aber ja genau das von Apokalypse-Emmerich erwartet: Hirn aus und Film rein. Man würde sich nur mal wünschen, wohl schon seit Independence Day, dass er sich irgendwann auch mal wieder nach oben steigern würde, statt immer nur nach unten … :(

  2. frank sagt:

    ‚moonfall‘, dachte ich, als ich die überschrift las, ‚kennste ja noch gar nicht’…

    dann las ich die kritik, und mir fiel wieder ein, daß ich den film schon vor dem abspann wieder vergessen, bzw. verdrängt hatte…

  3. Bergh60 sagt:

    tach auch !
    Alles was Frank sagt.
    Den Film hatte ich schon vor dem Anschauen wieder vergessen.
    Die Tricks waren toll, aber der Film ohne Verstand und Seele.

    Gruß
    BergH

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