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Kein Scherz: „Hyperion“-Romane werden verfilmt

simmons-klein.jpgDie Seite Treknews hat es enthüllt: Die beiden Kult-SF-Bücher der 80er, „Hyperion Cantos“ und „Der Fall von Hyperion“ sollen – wieder mal – verfilmt werden. Produzent Graham King hat sich laut variety.com bereits die Rechte gesichert. Ein Regisseur und eine weitergehende Bestätigung fehlen jedoch noch. Grund genug ist dies alles jedoch bereits, Euch einmal im Schnelldurchlauf meine Liebe zu dem Romanstoff zu versichern…

Die Handlung zusammenzufassen, muss ebenso scheitern wie eine Umschreibung der Serie GZSZ, die mit der Folge 1 beginnt. Grob gesagt geht es um sogenannte Zeitgräber, die sich auf dem Planeten Hyperion langsam öffnen und von (anfänglich) 7 Hauptfiguren aufgesucht werden sollen. Warum auch immer. Dazu gesellt sich ein geheimnisvolles Wesen, das „Shrike“, das bei der hiesigen Friedhofsverwaltung angestellt und nicht an Raum und Zeit gebunden ist…

Ich selber habe alle 4 Romane der Hyperion-Saga gelesen und mit der 2.600 Seiten starken Space-Opera mehr Spaß gehabt als ein Masochist beim Schreiben einer Voyager-Rezension. Und das, obwohl ich bis zum Ende nicht so recht kapiert hatte, um was es ging – und warum eigentlich so lange. Das selbe galt übrigens auch für Hyperion…

Hier mal ein paar unsortierte Grunddaten für den interessierten Einzelgänger:

1.) Das schweigsame Monster from outer Time namens Shrike ist ein schwarzer Metallklumpen, an dem unzählige Kartoffel- und Brotmesser befestigt sind. – Ich erinnere mich daran, dass einige SF-Autoren danach auffällig oft auf ähnliche Monsternamen setzten (Sike? Shelk? Silke? – Weiß nicht mehr…). Da war wohl jemand beeindruckt?

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Sensenmann: Das Monster, das über den Planeten Hyperion wandelt, wird im Eingangsbereich von großen Kaufhäusern auch als „1.000-teiliges Küchen-Muss“ bezeichnet.

2.) Eine pervertierte Version der Katholischen Kirche hat tatsächlich einen Weg gefunden, ihren Gläubigen echte Unsterblichkeit zu schenken. Der dafür nötige Parasit namens „Kruziform“ ist sogar der interessanteste Aspekt aller 4 Bücher.

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Länger leben mit Mett: Kircheneintritt jetzt auch an der Wursttheke möglich… Ungefähr so sieht die Kruziform wohl aus. Die ewigen Erzfeinde des Christentums – die Moslems – lassen sich in noch fernerer Zukunft übrigens Ziegenkäse in den Kopf implantieren, um gleichzuziehen. Der lebensverlängernde Effekt ließ jedoch auf sich warten…

3.) … Und auch sonst wimmelt es von verrückten Ideen wie rückwärts alternden Menschen, die wieder zum Embryo zu werden drohen und riesige Raumschiffe, die eigentlich ein gigantischer Baum sind…

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„Captain? Die Idee mit dem Baumschiff war ja eigentlich eine ganz Gute, aber… meinen sie nicht, dass die Steuerzahler sich um die 17 Trilliarden Euro furchtbar ärgern werden, sobald herauskommt, dass es im Weltraum niemals regnet?“

Und das ist sogar nur der Anfang, denn Details wie Häuser, deren Räume über Dimensionstore auf mehreren Planeten miteinander in Verbindung stehen, sind in dieser Beschreibung noch nicht mal enthalten. Jetzt aber schon. Sorry. – Aber das ist es auch, was ich an den Simmon’schen Realitätsverquirlungen so mag: Das Wahrwerden fast kindlicher Phantasien, wobei die Technologie dafür nur am Rande beschrieben wird. Bei anderen Autoren ist das oft umgekehrt: Da werden Quantencomputer bis ins kleinste Detail beschrieben, aber nur, um diese dann ausschließlich für die Wettervorhersage auf Marsstation 4 einzusetzen…

Spätestens, wenn einer der Hauptdarsteller auf dem „Baum des Schmerzes“ aufgespießt wird (fragt nicht), fragt man sich schon manchmal, welche Substanzen der ehemalige Highschool-Lehrer Simmons da damals eigentlich so in der Raucherecke seiner Schule konfisziert hat… Aber trotz des latenten Irrsinns, der durch seine Bücher wabert wie eine Quallenplage durch die Atmosphäre eines Gasplaneten (fragt nicht) schafft es der kreative Wirrkopf, den Leser immer irgendwie zu fesseln.

Das Simmons-Universum ist halt etwas Besonderes. Und der Ausdruck „Simmons-Universum“ ist hierbei eigentlich schon Lob genug für einen SF-Schriftsteller, wenn man diesen Ausdruck als Kritiker wie selbstverständlich verwendet, ohne nur die inflationäre Wiederholung des Wortes „Macher“ oder „Schöpfer“ vermeiden zu wollen. Trotz total kranker Nebenschauplätze wie der Android, der mit den Persönlichkeitsengrammen des Dichters John Keats ausgestattet wurde (1795-1821), bleibt man gebannt bei der Sache(n). Was bleibt einem auch anderes übrig? Schließlich ist man bereits nach 200 Seiten davon überzeugt, dass SIEEE überall sind und uns beobachten… (*auf völlig normales Muster der Wohnzimmertapete zeig*)

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Das Shrike. Das Grasmeer. Elektrobäume. – Wem diese dahingeworfenen Begriffe nichts sagen, sollte sich trösten: Dafür wird derjenige vermutlich Chancen beim weiblichen Geschlecht haben und Grundkenntnisse einer skuriellen Parallelwelt namens „Real Life“ besitzen…

Wie auch immer:

Schon oft munkelte man davon, dass die Saga verfilmt werden sollte, jedoch konnte dem Etikett mit der Aufschrift „Unverfilmbar“ auch bislang nicht mal mit Tonnen von Waschbenzin und Nagellackentferner zu Leibe gerückt werden. Ich weiß: „Der Herr der Ringe“ galt ebenfalls als unverfilmbar. Aber mal ehrlich: Gruppen von Menschen, die von A nach B latschen und zwischendurch den einen oder anderen K(r)ampf zu überstehen haben, können unmöglichkeitstechnisch wohl kaum gegen einen Bösewicht anstinken, der bei jedem Überlichtsprung zu Brei zermatscht und danach wieder – wie nebenbei – zusammengesetzt wird…

Auch frage ich mich, wie man bei einem streichanfälligen Medium wie dem Film überhaupt noch etwas von der Story kapieren soll, nachdem man bei den Büchern am Ende auch nur maximal 75% der Hintergründe kapiert hat. Und ist unsere CGI-Technik wirklich schon so weit, glaubwürdig eine riesige Sphäre aus Grünzeug darzustellen, die auf der Entfernung der Erdumlaufbahn um eine Sonne kreist? Will man solche Sachen überhaupt in „Echt“ sehen, oder sollte man sich nicht besser auf seine Phantasie verlassen?

Andererseits haben aber auch die HdR-Leser am Anfang gemeckert, dass ihnen im Film die Maserung der Blätter nicht erläutert und der schwule Bewegungstherapie-Tänzer Tom Bombadil vorenthalten wurde…

Trotzdem: Nicht mal Steven Spielberg würde ich es zutrauen (nicht mal dem ERSTEN, der dann in den 90ern gegen seinen minderbemittelten Klon ersetzt wurde), ein Abenteuer zu verfilmen, in dem auf den ersten 800 Seiten alle 7(!) Hauptdarsteller erst mal ihre Vorgeschichte erzählen, während sie zu den Zeitgräbern auf Hyperion aufbrechen.

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„Hyperion? Kein Problem, das verfilme ich! Gebt mir einen Friedhof und ein paar Armbanduhren, und ich präsentiere Euch ‚Zeitgräber‘, nach denen ihr euch alle 10 Finger lecken könnt. Und DIESEN Daumen hier!“ – Bisher ist nicht bekannt, welcher Regisseur die Verfilmung vornehmen soll. Dr. Uwe Boll, eventuell zusammen mit Till Schweiger als Shrike, wäre jedoch eine denkbare Möglichkeit…

An dieser Stelle sollte ich vielleicht auch damit aufhören, Euch mit dem Stilelement der rausgefischten Abstrusitäten schocken zu wollen, denn die Romane sind wirklich großartig! Die Atmosphäre der zahlreichen Lokalitäten wird so dicht beschrieben, so dass man irgendwann wirklich daran glaubt, in einer Seilbahn zwischen Himalaya-ähnlichen Gebirgszügen herumzuschwingen oder in einer schwebenden Wasserblase neben einem Raumschiff herumzuplantschen, das sich mit Überlichtgeschwindigkeit bewegt. Sämtliche Bücher anderer Autoren, die ich ebenfalls vor 6 Jahren gelesen habe, haben nicht so viele kranke Bilder in mein Unterbewusstsein eingepflanzt wie diese 4 Simmons-Kracher. Noch heute habe ich manchmal das Horrorbild eines Untoten vor Augen, der Jahrzehnte an einen elektrisch geladenen Baum genagelt war, ohne sterben zu können. Kein Wunder, dass mich in Gartenmärkten seitdem immer ein gewisses Zittern überkommt…

Simmons spielt virtuos mit Erlöserphantasien, literarischen Figuren, Urängsten, tiefer Liebe und blanker Gewalt, wie es Mozart auf einem regenbogenfarbenen Klavier getan hätte. Eine Verfilmung wird jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit zu dem tiefen Hass der Romanfans führen, während der Rest danach so verwirrt aus dem Kino torkeln wird, dass der normale Straßenverkehr im Umkreis von einem Kilometer zur Sicherheit unterbunden werden müsste.

Ich befürchte allerdings, dass die erworbenen Rechte auch dieses Mal wieder ungenutzt in einen Dornröschenschlaf fallen werden. Wer will schon 1.500 Seiten (= Roman 1 + 2) in einen Film pressen und geschätzte 300 Millionen Dollar für eine Geschichte bereitstellen, die 95% der Menschheit überfordert?

Letzteres klappt ja mit dem Musikantenstadl auch zu einem Bruchteil des Preises…


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Artikel

von Klapowski am 06.04.08 in All-Gemeines

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Kommentare (11)

  1. Armleuchter sagt:

    Ich bin ein großer Fan der Hyperion-Reihe. Wie es sich für einen Fan gehört, halte ich aber die Erzählung – oder besser Erzählungen, denn es sind ja einige – nur bedingt für verfilmbar. Ich lass mih aber gern vom Gegenteil überzeugen.

    Vielleicht wird’s ja was, wenn jemand ne Menge Asche übrig hat und ein paar schöne Frauen engagiert werden. Man darf nicht vergessen, dass in den Geschichten auch ordentlich und oft „all in“ gegangen wird.

    Jetzt hab ich wieder Bock auf die Bücher…

    Zwei Fragen an Klappo oder wen’s interessiert:

    1. Was heißt hier „soll mal wieder verfilmt werden“? Wurde das schon mal versucht? Gerüchte zu diesem Thema gibt’s ja schon ne Weile. Ich glaub das erst, seit Simmons selbst vor einem Jahr oder so etwas dazu gesagt hat.

    2. Endymion war Mist. Wie kann ich diese Fortsetzungen ökologisch korrekt entsorgen?

  2. miz sagt:

    Ich wusste gar nicht, dass Hölderlin eine Fortstzung geschrieben hat.

  3. Klapowski sagt:

    1.) Ich meinte damit die schoooon wieder kursierenden Gerüchte, die ja nicht erst seit einem Jahr unterwegs sind…

    2.) Endymion gefiel mir fast noch besser als die ersten beiden Teile. Ohne diese Nachfolger ist die Saga einfach nicht rund und abgeschlossen. – Gerade die vielen verschiedenen Orte, die später aufgesucht werden sowie die romantischen Aspekte (die Floßfahrt, die Liebe zu einer Heilsbringerin, ect.) gaben dem Ganzen doch den richtigen Pfiff.

    Darüber zu meckern, ist für mich in etwa so, als würde man die HdR-Saga nur für den ersten Teil loben…

    Und in den etwas tumben Hauptdarsteller konnte ich mich sowieso besser hineinversetzen als in irgendwelche Keats-Cybriden. Die meiste Zeit weiß er nämlich genau so wenig wie der Leser, was Sache ist. – Auch wenn die Geduld, mit der er Aenea folgt, ohne in bester LOST-Manier auch nur eine vernünftige Frage zu stellen, nicht wirklich realistisch wirkt.

    – Hat eigentlich mal jemand hier die Olympos/Illium-Bücher gelesen?

    • hyperion_x sagt:

      100 % Zustimmung! Als ganzes ist das Werk doppelt so brillant!

      Olympos hab ich schon gelesen! Erinnerungen an Hyp/End kamen auf, aber echt nur gering!

  4. Armleuchter sagt:

    @miz

    Der Titel bezieht sich nicht auf den Hölderlin-Briefroman, sondern auf ein Lang-Gedicht von John Keats. Es geht um olympische Titanen und so nen Kram. Endymion ist auch ein Keats-Opus, wenn ich nicht ganz falsch liege. Hab’s nie gelesen.

  5. Armleuchter sagt:

    @ Klappo: Ich hab Olympos/Illium gelesen. Ich fand’s toll, auch wenn ich mit dem Ende etwas unzufrieden war. Und es war ein bisschen wie Hyperion.

  6. Nickname sagt:

    Das nette an Simmons ist, dass er nicht damit langweilt zu erklären, wie denn die dritte Schraube im Raumschiff funktioniert. Wer hat denn heutzutage schon Ahnung, wie das ABS funktioniert. Dann will ich mir von einem Schreiberling kein Geseiere über Wurmlochquantendegöns anhören.
    Unverfilmbar ist das ganze aber dennoch, will man nicht soviel kürzen, dass man etwas völlig anderes daraus macht. Was aber ja nicht schlecht sein muss.
    Zumal in Amerika das mit den Kruziformen doch politisch niemals drin wäre und damit eh ein Kernpunkt wegfällt.

    Olympos/Illium ist schwächer als Hyperion, aber dafür schräger.
    Einige Blüten:
    1.) Biomechanoiden, die sich den ganzen Tag über Shakespears Lyrik unterhalten.
    2.) Die ewige Jüden.
    3.) Das großes Gehirn Setobos vereißt alle Städte der Erde und frisst dabei deren Erinnerungen und legt daraus Eier.
    4.) Roboter, die zur Ausrottung der Juden gebaut wurden und dies auch durchgeführt haben sind dabei alle Menschen zu töten.
    5.) Diese Menschen lebten vorher wie Eloi und konnten sich überall „hinfaxen“ lassen.
    Auch wenn sie mal wieder von Dinosaueriern gefressen wurden, wurden sie wieder heil gefaxt.
    5.) Das Monster Caliban spielt mit und frisst ab und zu jemanden.
    6.) Die Olympischen Götter, eigentlich Nachmenschen, spielen gleichzeitig den Trojanischen Krieg auf dem Mars mit dazu erschaffenen Menschen nach.
    Dabei vergisst Simmons nicht zu beschreiben, dass Zeus ein meterlanges Glied hat.
    7.) Dort leben übrigens auch kleine grüne Männchen, von Simmons KGMs genannt, die Prospero, den vorherigen Meister Calibans, verehren, und die ihm daher Osterinselstatuen erbauen.
    8.) Der Avatar der Erde, eine hübsches, nacktes, grünes Mädel, lässt ein paar mystische Sätzchen fallen.
    9.) Ein Held reist auf einer Seilbahn, die als Stützen Nachbildungen des Eifelturms hat, über mehrere Kontinente, um dann auf dem Himalaya im Taj Mahal eine Frau im Stasisschlaf zu vögeln, um sie aufzuwecken.
    10.) Zudem müssen in einem verrosteten U-boot des Kalifats die letzten Schwarze-Loch-Bomben entschärft werden.
    11.) Am Ende werden dann noch die armen verfolgten Juden befreit, die einem Lichtstrahl wie der Arche Noah pärchenweise entsteigen.

    Nur hab ich keine Ahnung mehr, wie der ganze Quark eigentlich ausging und was man mir damit sagen wollte.
    Der Sinn der Geschichte konnte sich mir auch nicht erschließen.
    Aber die wirren Ideen bleiben ne Weile hängen.

  7. corny sagt:

    Wenn 1.000.000 Unterschriften gesammelt sind, hört Uwe Boll auf:

    http://www.petitiononline.com/mod_perl/signed.cgi?RRH53888

    (Aktuell: 119.069)
    ichhab mitgemacht! ;-)

  8. kuhbaert sagt:

    und wenn er 2.000.000 Unterschriften bekommt gibt er Katja eine Hauptrolle …

  9. bergh sagt:

    Jupp !

    Katja muß mitspielen.

    Gruss BergH

  10. michbeck sagt:

    Großartiger Kommentar! Als Hyperion-Fan war ich begeistert ;-) Endlich erklären sich einige meiner Träume aus meinem Unterbewusstsein quasi von selbst und warum ich zunehmend Gedichte von John Keats lese :))

    An einer bestimmten Stelle beim Lesen dieses Romans (ich habe das Sammelband), dachte ich mir: „Mensch, die Geschichte um die rückwärts alternde Frau ist genial und gebe genug Stoff für einen eigenen Hollywoodfilm her. Mit Drama, Action und vielen Tränen.“

    Leider wurde ich mit dem Drehbuch nicht vor dem Film „Benjamin Button“ fertig…..mist.

    Gruß
    Michael

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