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Doctor Who – 12.10 – The Timeless Children – Kritik

Doctor Who – 12.10 – The Timeless Children – Kritik

„Ich muss zerstören, gebären, vermischen! Oh ja, ich bin es, dein Gott! Der Gott namens Cheap-Nall.“ Eines muss man Chibnalls finaler Episode lassen: Sie WILL total verstörend, destruktiv und in ganz neuen Grenzbereichen beheimatet sein. Und diese Brain-Hürde schafft sie tatsächlich mit Bravour! Das kann man von den anderen Folgen ja nun wirklich nicht behaupten. („War das ein Witz oder ein Plotpoint? Egal, ich lache einfach mal verzweifelt, wird schon passen“)


Inhalt: Während der Doctor vom Master in einer „Matrix“ seine schier endlose Vergangenheit erklärt bekommt, bastelt der Master mit den Cybermen an neuen Ideen: Natürlich soll ALLES sterben, teilweise sogar der Master selbst. Zeitgleich versuchen die Companions, sich zum Dimensionsstrudel durchzuschießen, um im völlig zerstören Gallifrey den Doctor zu retten.

Besprechung:

Nein, ich bin diesmal gar nicht mal sooo sauer über das Gelieferte.

Denn wenn ein Künstler antritt und von Anfang an sagt, was er machen möchte (= „Alles kaaaaapuuuuutt!“), sollte man einfach mal ruhig bleiben und ihm sagen: „Du, da ist noch eine blütenweiße Ecke, die du übersehen hast.“ – Ja, irgendwann muss der innere Kritiker auch mal aufhören und dafür der äußere Abrissberater anfangen.

Zugegeben, am Ende fühlt man sich trotz der positiven(?) Endbotschaft vom „Ewigen Doctor“ wie dreimal hochgewürgt und vom Master rektal verspeist, aber DAS muss man als Kunstwerk ja auch erst mal schaffen! – Ja, das hier hätte daher auch ein deutscher Kunstfilm über Krebserkrankungen oder Ausländerhass sein können. Wer mir nicht glaubt, kann gerne mal den Film „Wir sind die Flut“ schauen. Da ist die Gravitationsanomalie am Strand auch nur dazu da, um deutsche Studenten bedeutungsschwanger von der eigenen Seelenschwere (nach einem Soja-Weizen-Kaffee?) berichten zu lassen.

Doch zurück zu dieser Episode hier. In ihr begegnen uns gefühlt alle Themenbereiche des modernen Menschen:

– Das Todespartikel, das alles Leben auslöschen kann (nennen wir es liebevoll „Corona II“)

– eine untergegangene Zivilisation, die jetzt nur noch aussieht wie eine mit Betonbrocken vollgekrümelte Industriehalle (nennen wir sie „Gelsenkirchen“)

– Ein verrückter Alleinherrscher, der nicht weiß, ob er mit allen anderen Verrückten koalieren will, bald sterben möchte oder einfach nur alle von sich überzeugen sollte (nennen wir ihn „Indischer Trump“)

Ja, hier ist so viel Verstörendes drin, dass man glatt vergisst, dass wir nebenbei noch eine Origin-Story zu dem Doctor bekommen, die… äh… ohne weitere Origin-Story einfach keinen Sinn macht?

„Ich muss töten, denn nur so kann ich selber tot sein und ewig leben! Oh Gott, wie ich Wiedergeburt hasse! Noch drei Unendlichkeiten, dann würde ich gerne damit aufhören, jaaa?“ – Widersprüchlichkeit, diese dafür aber sehr eindeutig: Kann es sein, dass der Master neuerdings ALLES gleichzeitig will? Ist wohl charakterlich eher der „Multiversums-Typ“, wie?

Zugegeben: Ich bin irgendwann geistig und physisch ausgestiegen, als der Chibnall-Bus mit 130 km/h auf den Abgrund zusteuerte… Aber vielleicht sind die verwirrenden Fragen, die wir uns jetzt stellen, ja auch Teil des Gesamt-Klumpwerks… äh… Gesamt-Kunstwerks?

Sollen wir eine neue Ebene des Seins erreichen, wenn wir darüber grübeln, warum der Doctor als „Timeless Child“ im Nirgendwo abgesetzt wurde (Von wem? Wann? Warum?)? Wieso lag das Kind dort, wo es lag? Ist das schon eine biblische Schöpfungsgeschichte oder doch nur Kurtzman’scher Fiebertraum? Was für Ruinen waren das, auf denen dann die Timelords ihre gefühlt einzige(?) Stadt erbauten? Und wo GENAU kamen die ganzen Leute überhaupt HER?!? Hat sich der Doctor bzw. seine Ziehmutter durch all die männlichen und weiblichen Regenerationen hindurch selbst besamt?

Gab’s da ab einem bestimmten Punkt kein Jugendamt, das da mal die Hand hätte dazwischen halten können? Und woher kommt die Kultur der Timelords? Hatte die gezeigte Pflegemutter die in ihrem Gepäck? Einfach mal zu heftig die Betten ausgeschüttelt oder was? – Ich habe echt keine Ahnung…

Aber vielleicht ist das alles – wie oben mehrfach erwähnt – gewollt.

Dazu würde passen, dass wir auch nicht erfahren, wie der Master mal gerade eine ganze(!) Zivilisation ausgelöscht hat. Oder wurde das erwähnt? Hat der einfach alle Mülleimer umgeschmissen und Wartehäuschen demoliert, bis es plötzlich keinen Weg zurück gab? Konnte keiner entkommen, da die TARDISe gerade alle in der Reinigung waren? WANN ist das passiert? In der Zukunft? Immer schon? Gestern? Endlos? Multiversums-mäßig? Single-dimensional? Chibnall-querverstrebt, gaaggaarr?

„Was soll das denn bitteschön heißen, ‚Der Sisko ist von Bajor?'“ – Deutungsversuch: Frauen spenden das Leben und höhere Beträge an „Greenpeace“, „WWF“ und „Pipimann-ab International“…? Es gibt jedenfalls endlose Inkarnationen des Doctors. Warum das nötig oder wichtig war, werden wir wohl nie erfahren. Vermutlich hat man im Filmgeschäft einfach gemerkt, dass man Explosionen nicht mehr steigern kann, transdimensionale Geburtenraten aber sehr wohl?

Was sollte die seltsame Ansprache von Graham, als er mit Yaz rumgesessen hat, während die Nebenfiguren(!) irgendwas im Hintergrund geregelt haben? „Du bist die tollste und stärkste und beste Frau, die ich kenne! Schnief… Du bist so super und selbstbewusst und stark, dass du bei meinen Worten sofort losheulen musst!“ – Was GENAU hat die denn die letzten 20 Folgen lang gemacht? Hinter dem Doctor herlaufen schaffen doch eigentlich alle, denen nicht die Füße beidseitig amputiert wurden?

Und was WOLLTE der Master jetzt überhaupt? Einmal möchte er sterben („Buuhuu, unsterblich sein ist so öde! Außerdem muss ich mal!“), dann wieder manisch rumspringen und das Universum auf den Kopf stellen („Lieber Cyberman? Ich will für immer dein allerbester Freund sein! Ich habe exakt 5 Minuten dafür Zeit…“), dann wiederum den Doctor erleuchten („Guck mal, du bist Adam und Eva in einem! Puh, ich bin ganz schön neidisch!“), dann wieder eine Art Cyberman/Timelord-Mischrasse erschaffen.

Wobei Letzteres wenigstens interessant aussah. Aber wie so oft machte man nichts daraus. – Oder ist dieses NICHTS exakt das, was Chibnall uns zeigen möchte? Die Unendlichkeit des Nicht-Seins? Die Dreifaltigkeit des Schleims? Die Dreimaligkeit des Schreiens? Was verbirgt sich hier, wo ist Unten, wo Oben? Struktur, Leere, Wiedergeburt, Tod… Alles das Gleiche, alles divers, aber alles trotzdem egal?

Wir sind ALLE immer da und dennoch weg? – Mann, Frau, Schwarzer, Weißer, Böse, Gut, Früher, Heute, Zerstört, Aufgebaut… Alles wirbelt und zwirbelt hier ineinander, wie aus einem Smoothie-Mixer, auf dem man den Deckel nicht geschraubt hat. Alles egal, Hauptsache es geschieht alles in der großen Küche namens „Chibnall-Multiversum“?

Eine andere Deutungsmöglichkeit wäre: Hauptsache, fast alle haben braune Haut und können ihren Geburtsort mit den Worten „Südlich der Alpen“ angeben…

„Bleib mal kurz da sitzen, ja? Ich hole nur gerade die Giftspritze. Ist schließlich eine Familienserie, das hier.“ – Unsterblichkeit mit moralischen Implikationen: Hier sehen wir eine verbitterte Frau namens (*nachschau*) Tecteun, wie sie Kinder umbringt, die mal zum Doctor werden. Ist aber nicht weiter schlimm, denn das glauben wir ebensowenig wie Raumschiff-Pilzantriebe zu Kirks Lebzeiten…

Aus all den oben genannten Gründen gehe ich diesmal auch nicht auf die Action ein, nicht auf die Companions, die sich lustige Schusswechsel mit Cybermen liefern und sich sogar als welche verkleiden. – Denn ist die Verkleidung nicht immer auch eine ENTKLEIDUNG und somit eine Befreiung? Gibt es Kleidung überhaupt? Und wenn ja, welche Bedeutung hat sie? Oder sind WIR die Kleidung für all die Hosen und die Jacken? Wird Kleidung irgendwann wieder zu Baumwollsträuchern? – Mann, ist das tiefgründig!


Fazit: Alles vergeht in einer solch deprimierenden, hoffnungslosen und ziellosen Grundstimmung, dass man sich fragt, ob Chris Chibnall (hat’s diesmal ganz alleine geschrieben) zuviele Magic Mushrooms in seine äußerst diversen Geschlechtsorgane gesnieft hat.

Was will er uns mit dieser endlosen Kette an Doctoren zeigen, die fast ALLE südländisch aussehen? Musste er beim letzten Karneval in Rio etwa in der letzten Reihe stehen? Ist er mit seinem Porsche in ein Unesco-Werbeplakat gefahren und muss das irgendwie verarbeiten?

Ich weiß nur eines: Diese Episode wird als Kunstwerk in Doctor Who eingehen. Ob wir wollen oder nicht…

Bewertung als Who-Folge:

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Bewertung als verstörendes Kunstwerk:

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

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von Klapowski am 03.03.20 in Serienkritik

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Kommentare (24)

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  1. Simon Wright sagt:

    Verstörend ist doch mal wenigstens eine neue Richtung von Doctor Who, aber ein bißchen besser durchdacht darf das dann schon sein. Meinetwegen ist der Doctor der Ursprung von allem – blöde Entmystifizierung mal wieder – und wurde von seiner Mengeleadoptivmutter durch etliche Regenerationen gejagt und sein Gedächtnis des öfteren gelöscht. Aber hätte es nicht beim geheimen Geheimdiensteinsatz bleiben können und dann eben neue Kindheit, Neustart, ichbinjetztderdoctor und alles im Lot? Nein, da muß noch eine Doctorvorgeschichte mitsamt in Sachen Logik zumindest fragwürdiger Polizeiboxtardis reingequetscht werden. Ist auch echt ärgerlich für die Timelords, dass die das Gedächtnis immer wieder löschen und immer wieder der Doctor auftaucht. Noch nerviger dürfte es sein, all seinen Abenteuern hinterherzulaufen und ständig anderer Wesen Gedächtnisse zu blitzdingsen. Passieren da nicht mal Fehler? Da der Doctor ständig auf der Erde rumhängt, hat ihm noch keiner gesagt, dass er gefälligst eine dicke schwarze Frau zu sein hat? Er hätte sich doch in der Zeit auch einfach Professor Hamstilibamstili nennen und in einem unauffälligen Hühnerstall reisen können.

    Ganz cool finde ich aber einen Bösewicht, der nur seinen Erzfeindfreund schlagen möchte und gerne dabei draufgeht. Da ist das ganze Gesabbel und Erklärbärgetue vorher doch mal halbwegs mit Sinn gefüllt. Weniger Sinn ergab natürlich das Zerstören von Gallifrey und das Aufseislegen seiner Bewohner (das andere Städte wie Arcadia nicht gezeigt werden, muss ja nicht heißen, dass die heil blieben), wie tötet man denn nun Unmengen an Timelords, die sich ja auch ständig regenerieren? Und war gerade Weihnachten und alle zuhause und niemand auf einem Einsatz/Urlaub/Sonstwas irgendwo? Und wieviele wußten überhaupt, dass der Doctor der Ursprung ist und wievielen dürfte das eigentlich total egal sein? Hatte nicht eigentlich Rassilon das Regenerieren erfunden/entwickelt/entzauberwürfelt? Wie entkam der Master überhaupt dem Haarwalduniversum? Was macht eigentlich der eigentliche Timelordgeheimdienst (ich dachte es gäbe einen)?

    Aber egal, hauptsache alles auf den Kopf gestellt, heutzutage muss man immer viel zerstören, damit die Traumata der Charaktere auch wirklich überzeugend sind.

    • Klapowski sagt:

      Kannst du mir vielleicht (ernst gemeint) in wenigen Worten die Geschichte erklären?

      WO kommen die ganzen Timelords her, WER hat WANN entschieden, dass das Hirn vom Doc gelöscht wird? Und was GENAU sollte da jedes Mal verschwinden?

      Und ich habe mich wirklich bemüht, dem Ganzen zu folgen. Aber wie schon bei Picard und Discovery raffe ich da nichts mehr.

      Antworten
    • Simon Wright sagt:

      Da meine Erinnerungen vielleicht trügen und früher alles schöner und hübscher war, habe ich lieber mal kurz nachgesehen und laut Doctor-Who-Wiki, hat Rassilon den ganzen Kram in Gang gesetzt. Ist aber nicht oder nur wenig Kanon, da teilweise nur in Romanen erwähnt. Vielleicht sollte ich mir mal wieder Folgen von Old Who ansehen, aber ich finde die manchmal doch recht zäh. Wie auch immer, Rassilon hat Zeitreisen (dank explodierender Sonne und so), den genetischen Schutz vor Zeitreisen und das Regenerieren erschaffen (mit Hilfe eines Virus, der einen Großteil der Einwohner Gallifreys tötete, den Überlebenden aber von nun an das Regenerieren erlaubte). Also nicht wirklich kanonfähig. Rassilon galt aber eigentlich immer als der Vater der Time-Lords. Sehr böser Vater im übrigen. Jetzt haben sie aber scheinbar lieber eine Mutter.

      So wie ich das jetzt in dieser Staffel verstanden habe, hat die Adoptivmutter den kleinen aufgefundenen Doctor immer wieder getötet um rauszufinden wie sie diese Regenerationsgeschichte auf andere übertragen kann. Und damit das arme Kind nicht irgendwann auf die Idee kommt, dass es vielleicht nicht getötet werden möchte, wurde ihm halt immer das Gedächtnis gelöscht. Irgendwann – laut aktueller Staffel – hat die Mutter es geschafft. Der kleine Doctor wurde nicht mehr als Versuchskaninchen gebraucht, nochmal weg mit dem Gedächtnis und wurde dann irgendwann von der „Division“ angeheuert. Also der Geheimdienst im Geheimdienst. Die Timelords haben ja auch so eine Art oberste Direktive sich nirgendwo einzumischen und die Typen machen es natürlich trotzdem. Ob jetzt der Divisiondoctor wirklich in Irland im Krieg irgendwas machte und damit es keiner erfährt, mal wieder das Gedächtnis gelöscht bekam oder ob das nicht einfach eine Allegorie oder so war für seine Tätigkeit, die nur hübscher in grün und mit Musik wirkt, keine Ahnung. Vielleicht war es einfach eine Zusammenfassung seines Tuns und seines Endes im Geheimdienst.

      Und jetzt kommt wohl mit der nächsten neuen Inkarnation der Ruthdoctor ins Spiel. Vielleicht hat der doch noch zuviel von den geheimen Geheimdiensten gewußt und wurde deswegen gejagt. Oder jemand kann ihn einfach wegen zuviel politischer Korrektheit nicht leiden, also werden die Judoon losgeschickt ihn zu finden, zu töten oder zurückzubringen. Und offensichtlich schaffen sie das irgendwann auch. Die wissenden Timelords löschen das Gedächtnis, lassen ihn dann in das Kind regenerieren, das mit dem Master aufwächst und später unser Doctor werden wird.

      Auch wenn der Master alle umbringt, ist ja doch eher zweifelhaft, dass des Doctors Geheimnis wirklich bedeutend ist. Für den Doctor vielleicht. Für die Timelords ist das doch egal. Und daran beteiligt sind ja auch nur wenige. Und im 50-Jahre-Jubiläumsfilm weiß der Kriegsrat ja auch nur von 12 bzw. 13. Doctoren. Vielleicht gibt es einfach einen geheimen Geheimdienst im geheimen Geheimdienst im Geheimdienst und die regeln das. Vielleicht erfahren wir noch von den Schurken. Aber wie so viele Auflösungen in so vielen Serien kann das ja nur gut gehen…

      (ich glaube das sind zuviele Worte und Deine Fragen können sie auch nicht komplett beantworten, außerdem kommt es ja aus meinem Kopf, da mag in anderen noch anderes drin sein. :-) )

      Antworten
  2. JP1957 sagt:

    Es muss ja schrecklich sein, wochenlang gleich zwei solcher sinnfreien Serien reviewen zu müssen.

    Eins weiß ich nach dieser Review mit Sicherheit: Diese Serie werde ich mir auf keinen Fall antun!

  3. ted_simple sagt:

    „Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll.“ – So muss ich meine Meinung leider zusammenfassen und habe dabei ein äußerst unangenehmes Deja Vu-Gefühl, weil eben diese Haltung ja auch von den Apologeten des Kurtzman-Trek eingenommen wird. „Wir müssen erstmal weitergucken und abwarten …“

    Ich denke, dass ich zur Einordnung dieser Folge in den Doctor Who-Kosmos eine relativ fundierte Meinung abgeben kann, weil ich es mir tatsächlich einmal angetan habe, alle (!) 26 alten Staffeln – und natürlich die neuen – zu gucken. Was hier so übel aufstößt, ist, dass in etwa das Gleiche passiert wie mit Nemesis und den Abrams-Filmen bei Star Trek: Nie zuvor wurden in kürzester Zeit so viele neue Fragen aufgeworfen, nie zuvor wurde der Serienkosmos so sehr durcheinandergewirbelt, und man muss die berechtigte Frage stellen:

    ==> Kann Chibnall die vielen Fragen überhaupt beantworten, hat er sich also einen Masterplan zurechtgelegt, ODER macht er es wie Abrams und Kurtzman und wirft Fragen auf, die er NIE wird beantworten können ???

    Letzteres wäre einfach nur traurig und respektlos.

    Hier eine sehr schöne Zusammenfassung von 18 neuen Fragen in Bezug auf den Doctor Who-Kosmos, die im Finale offen bleiben:
    https://www.bleedingcool.com/2020/03/02/cartmel-masterplanchibnall-masterplan-questions-answers-doctor-who-finale/

    Eine ziemliche stattliche Zahl. Die letzte Frage (Nummer 19) ist dort witzigerweise:
    „(19) Is this all too complicated for the kids? Not for my eleven-year-old, she explained it all to me last night.“

    Das heißt wohl, 11jährige geben sich mehr Mühe, den Doctor Who-Kosmos zu verstehen, als Chibnall dies tut ……..

    Außerdem habe ich bei dieser Folge ein weiteres Deja Vu, das mich unschön an Nemesis erinnert:

    KEIN FAN wollte damals den Tod von Data. Da sowas in der Vergangenheit aber gut funktioniert hatte (Tod von Spock in ST II), bekamen wir es erneut „geschenkt“. Kein Fan hatte nach der Eroberung des Romulanischen Reiches durch die neu erfundenen Remaner gefragt.

    Ebenso wenig wollte KEIN FAN die Zerstörung von Gallifrey schon wieder sehen. Moffat hatte sich eben noch die Finger wund geschrieben, um auf die 50-Jahre-Jubiläumsfolge hinzuarbeiten, in der mit größter Mühe Gallifrey einigermaßen glaubwürdig zurückgeholt wurde. Wirklich das Letzte, was man als Fan jetzt wollte, war, dass kurze Zeit später der Triumph der Jubiläumsfolge wieder eingestampft wird. Das ist einfach ein Schlag ins Gesicht.

    Für sich alleine genommen fand ich dieses Staffelfinale durchaus gelungen. Was seine Implikationen für den Doctor Who-Kosmos angeht, habe ich aber ein übles Gefühl in der Magengegend.

    Völlig misslungen fand ich übrigens die Stimmung in der letzten Filmminute: Die Musik entspannt sich und wir sehen allgemeine Erleichterung, als die Companions wohlbehalten im 21. Jahrhundert ankommen. So als wäre DAS die Quintessenz aus dieser Folge: Hauptsache, den Companions geht es gut. Diese Heinis gehen mir aber relativ am Allerwertesten vorbei.

    Was ist mit den Timelords, sind die jetzt endgültig tot? Was ist mit dem Master? Wir kann man die Folge mit dieser entspannten Stimmung enden lassen. Das weckt den üblen Verdacht, dass Chibnall die Companions wichtiger sind als der größere Serienkosmos. Genau meine Befürchtung.

    • ted_simple sagt:

      Hm okay, ich habe gerade nochmal reingeschaut: Nach der Szene mit den Companions wird ja doch zum Abschluss nochmal der Doctor gezeigt, der dann von den Judoon gefangengenommen wird. Aber das ist eigentlich nur ein nachgeschobener Gedanke. Der Cliffhanger zur nächsten Staffel eben. Die dramatische Haupthandlung dieser Folge endet tatsächlich mit der glücklichen Rückkehr der Companions ins 21. Jahrhundert. Die Akzentsetzung gefällt mir nicht. Denn die Musik deutet an: Alles ist gut.

      Anders als bei so ziemlich jedem anderen Staffelfinale ist aber diesmal gar nicht alles gut.

      … Hey, ich kann mich natürlich auch irren und Chibnall hat DOCH einen tollen Masterplan, um Gallifrey (und den Master) bald wieder zurückzuholen und die o.g. offenen 18 Fragen zu beantworten. Irgendwie traue ich dem Mann aber nicht zu, so gut vorausplanend wie Davies oder Moffat zu arbeiten.

      Antworten
  4. Serienfan sagt:

    Ich habe die Folge nicht gesehen, aber schon mehrere Zusammenfassungen gelesen, was nichts daran ändert, dass ich in erster Linie nur Bahnhof verstehe.

    Wenn ich das richtig verstanden habe: Der Doctor ist gar nicht von Gallifrey, sondern ein geheimnisvolles Superwesen, das „timeless child“ genannt wird. Gallifrey und die anderen Timelords waren ursprünglich Shobogans, welche sich mithilfe von Tecteun die Regenrationsfähigkeit des „timeless child“ aneignen konnten.

    Der Doctor gehört also einer völlig anderen Alien-Rasse an als die ehemaligen Bewohner von Gallifrey.

    Das ist schade. Der Doctor war für mich immer der „Außenseiter“ einer etwas spießigen Gesellschaft. Der Doctor ist für mich eine Verkörperung des Exzentrischen, des Unangepassten.

    Es mag an meiner atheistischen Weltsicht liegen, aber ich fand schon immer einen menschlichen Prediger, der weit über die gesellschaftlichen Schablonen der Gesellschaft, in der er lebt, hinausdenken kann, viel eindrucksvoller als einen „Sohn Gottes“, dem das Besondere sozusagen ohne Zutun in die Wiege gelegt wird.

    Der Doctor ist jetzt also nicht länger der Außenseiter einer Gesellschaft, in der er sich nicht anpassen und sich nicht Regeln unhinterfragt unterwerfen wollte, sondern jemand, der genetisch schon immer etwas Besonderes war. Chibnall mag damit eine „Aufwertung“ der Doctors beabsichtigt haben, ich finde jedoch, es bewirkt das Gegenteil.

    • Knubbelnase sagt:

      Das wirklich schlimme ist ja, das jeder Drehbuchschreiber sich irgendwas aus den Fingern saugen kann, ohne das er an irgendwelche Konsequenzen denkt.
      Ich vermisse eine grobe Vorgabe, die einfach auch Geschichten zur Tabuzone erklärt, um nicht das gewachsene Geschichtenbiotop um den Doktor zu vernichten. So wird mal wieder alles aufgebaut, vernichtet, durcheinander gewürfelt und ausgekotzt. Wie du selber geschrieben hast, war der Doktor als einer unter vielen immer eine sympatische Figur, die sich mit vorgegebenen Mustern nicht abfinden wollte. Jetzt ist er eine „Unperson“, die quasi allen bisher erschienen Folgen die Zunge rausstreckt und den Canon der Geschichten ad absurdum führt.
      Natürlich kann man im Porzellanladen der bisherigen Folgen rumtrampeln. Aber wenn genug Porzellan kaputt getreten wurde, bleibt vom Ursprung nichts mehr über.
      Oder die BBC hat keine Lust mehr auf Dr. Who und möchte die Serie sanft einschläfern. Und die Fnas am besten auch.

      Antworten
    • ted_simple sagt:

      @Serienfan

      So wie das British Empire in seinem arroganten Selbstverständnis in der Geschichtswissenschaft in den vergangenen Jahrzehnten demontiert wurde („Postkoloniale Studien“, „Anti-Imperialismus“ etc.), will Chibnall hier offenbar darauf hinweisen, dass die arroganten Timelords ihre Geschichte (was ja äußerst plausibel ist) wahrscheinlich ebenso geschönt haben wie einstmals die Briten die ihres Empires.

      DAS finde ich gut.

      Die Folge hat also eine anti-imperialistische bzw. anti-rassistische oder anti-biologistische Grundhaltung. Man ist, als wer man sich fühlt. Tatsächlich spielt die Hintergrundgeschichte keine Rolle; darin liegt gerade der Fehler des Masters, diese überzubewerten und daran zu verzweifeln, dass sein eigener genetischer Code „irgendwie vom Doctor abstammt“, was ihn „anekelt“. Der Doctor reagiert auch eigentlich nicht sauer, sondern interessiert („Hey, es gibt mich noch in weiteren Pre-Versionen da draußen? Das macht mich eigentlich WENIGER individuell, aber irgendwie ist es doch cool. Mein Weltbild wurde gerade erweitert, das ist immer etwas Positives! Mehr zu wissen ist gut!“

      Chibnall halt also ganz gut die Kurve gekriegt. Ja, auf dem Papier sieht es übel aus, dass der Doctor jetzt genetisch etwas Besonderes ist und GLEICHZEITIG den Timelords moralisch überlegen ist, wodurch ja eine biologistische Korrelation zwischen Abstammung und Moral angedeutet wird, die in dieser anti-rassistischen Folge eigentlich gerade DEMONTIERT werden sollte. Leider etwas unglücklich. Aber dieser Aspekt wird in der Erzählung der Folge nicht betont und fällt einem erst in der nachherigen Betrachtung auf.

      Die Erklärung, warum der Doctor zum Außenseiter wurde, liegt letztlich darin (was in dieser Folge zumindest implizit angedeutet ist), dass er auch nach Löschung seines Gedächtnisses noch ein gewisses unterbewusstes Wissen darüber behalten hat, was man mit ihm angestellt hat bzw. darüber, dass irgendwie seine Identität ausgelöscht wurde. Sein Unterbewusstsein treibt ihn letztlich ins Außenseitertum. Hier kann man auch sehr schön die Parallele zu kulturellem Imperialismus ziehen. Die schwarzen Sklaven in Amerika verloren ihre kulturellen Wurzeln, kannten ihre Ursprungsgeschichte nicht mehr. Diese versuchen sie seit einigen Jahrzehnten wiederzuentdecken. Für den Doctor öffnet sich hier auch ein neues „Forschungsfeld“.

      Ich gebe dir aber Recht, Serienfan; mir ist ein Doctor, der ganz aus freien Stücken zum Außenseiter wird, lieber als jemand, der durch sein unterbewusstes Wissen, dass mit der Kultur etwas im Argen ist, ins Außenseitertum getrieben wird.

      Hierbei wird die Kluft zwischen Doctor und Timelords eindeutig größer: Die Timelords sind jetzt diejenigen, die dem Doctor „etwas angetan“ haben; der Doctor hingegen ist der moralisch Reine.

      Ich löse diese Problematik (also dass der Doctor sein SELBSTGEWÄHLTES Außenseitertum verliert, was ich auch immer als fundamental für seinen Charakter gesehen habe) für mich damit, dass ich mir sage:

      Letztlich ist es egal, wie die tatsächliche Ursprungsgeschichte ist. Der Master bewertet diese völlig über, während der Doctor deutlich macht, dass diese keinen großen Unterschied macht (er ist deswegen überhaupt nicht wütend auf die Timelords, obwohl er Grund dazu hätte) und die Aufdeckung der Wahrheit eröffnet lediglich ein neues „Forschungsfeld“, das er in Zukunft bearbeiten kann. Das ist eine Reaktion, die mir sehr sympathisch ist. Beim Doctor kommt auch keine messianische Grundhaltung auf (während der Master, wenn er erfahren hätte, dass ER das timeless child ist, ein NOCH größeres Ego entwickelt hätte).

      Letztlich ist es auch egal, ob wir durch unterdrückte Erinnerung oder aus ganz freien Stücken zu Außenseitern werden. Was heißt eigentlich, „aus freien Stücken“? Vielleicht spüren wir, dass mit der Moral der Gesellschaft, in die wir hineingeboren wurden, etwas im Argen ist und werden deshalb zu einem Außenseiter bzw. moralischen Reformer. WAS uns zu dieser Erkenntnis treibt, ist eigentlich egal, solange sie nach unserem inneren Maßstab richtig ist.

      Ergibt das irgendwie Sinn?

      Antworten
    • ted_simple sagt:

      Was aus meinem letzten Post hoffentlich deutlich geworden ist: Ich finde die Grundidee der Folge gut. Mich stören lediglich (handwerkliche) Details bei der Ausführung:

      – Es werden zu viele unbeantwortete Fragen aufgeworfen, die wahrscheinlich von Chibnall nicht ausgearbeitet wurden und nicht (befriedigend) auflösbar sind. Warum beispielsweise hat der Tardis der schwarzen Doktorin das Aussehen einer blauen Telefonzelle, obwohl wir doch wissen, dass dieses Aussehen erst vom Ersten Doktor (Hartnell) etabliert wurde?

      – Es gibt möglicherweise auch keinen befriedigenden Plan, wie Gallifrey (und der Master) in Zukunft zurückgeholt werden sollen. Wenn die Timelords jetzt aber tatsächlich weg sind, nachdem sie mit so großen Aufwand in der Jubiläumsfolge zurückgeholt wurden, wäre dies einfach respektlos.

      Antworten
    • Serienfan sagt:

      „Ergibt das irgendwie Sinn?“

      Die kurze Antwort: Nein.

      Die lange Antwort: Leider nein.

      Aber du drückst gut den Wahn aus, in den sich progressive Prediger wie Chibnall hineinzusteigern scheinen.

      Geschlecht. Spielt keine Rolle. ABER wir machen eine große Sache daraus.

      Herkunft. Spielt keine Rolle. ABER wir machen eine große Sache daraus.

      Biologie: Spielt für das soziale Miteinander keine Rolle. ABER wir bekämpfen jeden, der von biologischen Fakten spricht (anstatt diese Fakten korrekt einzuordnen).

      Was ich besonders amüsant finde: Bei aller „Woke-ness“ vergisst offenbar so mancher völlig, dass „Doctor Who“ einst unter der Leitung von Verity Lambert entstanden ist, der ersten weiblichen Producerin der BBC. Sie hat die zeitlosen Grundpfeiler von „Doctor Who“ erschaffen. Grundpfeiler, die nun ein Mann am liebsten sprengen möchte. Weil er es natürlich besser weiß.

      Ich finde nicht, dass Chris Chabnell es besser weiß. Und ich finde auch nicht, dass er es besser kann.

      Antworten
    • Serienfan sagt:

      Chibnall meinte ich natürlich. (Hab wohl an Schrapnell gedacht beim Schreiben.)

      Antworten
    • ted_simple sagt:

      „Geschlecht. Spielt keine Rolle. ABER wir machen eine große Sache daraus.

      Herkunft. Spielt keine Rolle. ABER wir machen eine große Sache daraus.

      Biologie: Spielt für das soziale Miteinander keine Rolle. ABER wir bekämpfen jeden, der von biologischen Fakten spricht (anstatt diese Fakten korrekt einzuordnen).“

      Hm, ich kann jetzt nicht ganz nachvollziehen, woran du diese Beobachtungen in der aktuellen Staffel festmachst. Höchstens an Randbemerkungen von Figuren.

      (Sicher, es ist etwas unglücklich, wenn Schauspieler anhand ihrer Ethnie gecastet werden, aber schauspielerisch einfach nicht gut sind. Dafür gab es kürzlich einige Beispiele. Aber eine große Sache wurde eigentlich nicht daraus gemacht; die Vorauswahl beim Casting (anhand der Ethnie) hat ja keinen Einfluss auf die Qualität der Story.)

      Die Wokeness ist aber m.E. keinesfalls der Dreh- und Angelpunkt der Stories, sondern nur der Zuckerguss.

      Dass der Gründungsmythos der Timelords demontiert wird, ist absolut nachvollziehbar und passt auch zu den Emanzipationsbemühungen des Doctors seit 38 Staffeln: Er ist der Wahrheit verpflichtet und es gehört zu seiner Abrechnung mit der eigenen Kultur, auch die unschönen Seiten ans Tageslicht zu bringen und mental zu verarbeiten.

      Meines Erachtens ist es nur der Master, der aus der Herkunft des Doktors eine große Sache macht. Darin liegt ja gerade sein Fehler. So wie ein Nazi-Wissenschaftler, der gerade feststellt, dass die These der ethnischen Reinheit der arischen Rasse naturwissenschaftlicher Humbug ist. Ohne zu bemerken, dass er von vornherein die falsche Frage gestellt hat; die Herkunft sollte nämlich egal sein.

      Die Sache mit der „unterbewussten Erinnerung“ des Doktors an seine früheren Leben habe ich übrigens selbst geschlussfolgert, aber damit bin ich wohl nicht der einzige, denn auf der von mir verlinkten Seite auf „bleedingcool“ wird ähnlich argumentiert.

      Die unterbewusste Erinnerung ist ja auch gerade NICHT biologistisch. Hier geht es um frühere Erfahrungswerte (nurture vs. nature) und eben nicht um genetische Prä-Disposition. Es sei denn, man sieht genetisch verankerte Erinnerungen als biologische Prä-Disposition an. Für mich gehören diese eher zum Bereich der „Erfahrung“.

      Wie gesagt, in den Händern eines besseren Schreibers hätte eben diese Grundstory wirklich gut werden können.

      Antworten
    • Serienfan sagt:

      „gehört zu seiner Abrechnung mit der eigenen Kultur“

      Es ist ja gar nicht seine „eigene Kultur“. Über seine eigene Spezies weiß er doch jetzt gar nichts.

      Mir ist das reichlich egal, von mir aus entpuppt sich der Doctor in der dritten Chris-Chibnall-Staffel als unehelicher Sohn von Michael Burnham und Davros.

      Was Chibnall plant, weil ich nicht. Clickbaits, werbewirksame Shitstorms, ein unauslöschliches Brandzeichen auf dem Franchise, Rache an den Fans … Nur eines wollte er sicher nicht: Eine gute, fesselnde und vor allem ungewöhnliche Geschichte erzählen.

      Ich frage mich nur, weshalb wir neuerdings in so destruktiven Zeiten leben. Schlimm genug, dass keine neuen Popkultur-Mythen mehr erschaffen werden. Aber es werden neuerdings die alten Mythen systematisch demontiert. Das einst Besondere wird dadurch in die Bedeutungslosigkeit getrieben.

      Antworten
  5. ted_simple sagt:

    @Klapowski
    (Nachdem ich Klapowskis Review gerade tatsächlich mal gelesen habe:)

    Die Matrix der Timelords kennen wir schon seit dem Vierten Doktor. Sie macht die Timelords gewissermaßen unsterblich, da das Bewusstsein aller (endgültig) verstorbenen Timelords in die Matrix geladen wird und damit deren Wissen späteren Generationen zugänglich bleibt. Und der Master hackte sich damals schon in die Matrix, um ihr ihre Geheimnisse zu entlocken. Für die 1970er Jahre war die Idee der Matrix ziemlich clever und visionär.

    Das neu eingeführte „Cyberium“ ist nun gewissermaßen das Gegenstück für die Cybermen.

    Übrigens haben die Cybermen auch schonmal On-Screen versucht, Gallifrey zu erobern (ebenfalls Vierter Doktor). Das ist wirklich ein feuchter Traum von denen.

    Irgendwie habe ich den Eindruck, Chibnall hat sich den beliebtesten Doktor von New Who (David Tennant) und den beliebtesten von Old Who (Tom Baker) rausgepickt und kopiert jetzt von beiden fleißig.

    ANDERS als den Serien PIC oder DIS attestiere ich der aktuellen Folge aber durchaus Tiefsinn und interessante moralische Konflikte. Chibnall hat also was aus dem Material gemacht. Ich bin auch offenbar weitaus weniger verwirrt als Klapowski und fand beispielsweise das hin-und-her-schwankende Verhalten des Masters absolut kongruent mit seinem Charakter (immer schon hin- und hergerissen zwischen Herrschafts- und Selbstzerstörungsfantasien).

  6. ted_simple sagt:

    „WO kommen die ganzen Timelords her, WER hat WANN entschieden, dass das Hirn vom Doc gelöscht wird? Und was GENAU sollte da jedes Mal verschwinden?“

    Die erste Frage verstehe ich nicht ganz, denn wir wissen doch jetzt, dass sich hier ein indigenes Volk vom Planeten Gallifrey selbst genetisch verbessert hat, um länger zu leben. Damit ging dann auch eine Beschleunigung der wissenschaftlichen Entwicklung einher. Auf der von mir verlinkten Seite von bleedingcool wird der passende Vergleich hergestellt, dass Europäer durch die Konstruktion von Brillen die individuelle Schaffenszeit von Wissenschaftlern auch erheblich verlängern konnten.

    Die übrigen Fragen erwarte ich in der nächsten Staffel beantwortet zu bekommen. Hier wird es wohl um die schwarze Doktorin gehen, die von den Judoon gejagt wurde/wird. Wahrscheinlich wird man ihr das Gedächtnis irgendwann löschen. Mein Tipp: Die Idee mit der „lebenslangen Haft“, zu der der Doktor am Ende der aktuellen Folge verurteilt wird, ergibt bei einem Unsterblichen ja keinen großen Sinn, da man ihn wirklich EWIG wegsperren müsste, was unverhältnismäßig wäre. Also wird der Doc vielleicht doch irgendwann wieder freigelassen, aber nur unter der Auflage, zu einem „produktiven Mitglied der Gesellschaft“ zu werden, durch Gehirnlöschung und Eingliederung in die Gesellschaft der Timelords …

    Gerade diese Fragen bieten storytechnisch ein gutes Potenzial für die nächste Staffel.

    • Klapowski sagt:

      „Die erste Frage verstehe ich nicht ganz, denn wir wissen doch jetzt, dass sich hier ein indigenes Volk vom Planeten Gallifrey selbst genetisch verbessert hat, um länger zu leben. Damit ging dann auch eine Beschleunigung der wissenschaftlichen Entwicklung einher.“

      Okay. Kann durchaus sein, dass das in einem halben Satz gesagt wurde, während eine verschwommene Videomontage in seltsamen Bernststein-Falschfarben über den Bildschirm waberte.

      Allerdings braucht man sich auch nicht zu wundern, dass ich (und andere?) völlig verwirrt sind bei solch einer Herangehensweise:

      – Wir SEHEN das indigene Volk gar nicht. Hätte Tecteun nicht kurz über einen ganz normalen Wochenmarkt stiefeln können, bevor sie hinter’m Rathaus das Kind findet? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie weit die Timelords damals technologisch waren. Vielleicht mal ZEIGEN?

      – Auch wäre eine Art von Hintergrundgeschichte toll gewesen (oder wurde die auch in einem Halbsatz ERZÄHLT?). Wenn Tecteun z.B. eine Frau wäre, die vom „Rat der Wissenschaften“ rausgeworfen wurde (kann man übrigens auch gut ZEIGEN), weil sie vorher schon unmoralische Experimente durchgeführt hat, könnte ich sie gleich viel besser einordnen. In meinem Kopf ist sie aber jetzt nur so etwas wie eine Landstreichern, die halt als Kind in das Fass mit dem Kurtzman-Zaubertrank gefallen ist.

      – Noch was ganz anderes: Kann es sein, dass Chibnall als Kind zu oft vom Wickeltisch geplumpst ist? Zusammen mit seiner Schnarch-Serie „Broadchurch“ (1. Folge), dem Pseudo-Polizisten von vor ein paar Episoden und jetzt DIESER Episode hier sahen wir jetzt DREI MAL in fast identischen Bildern, wie Leute am Strand eine Klippe runterfallen.

      Zusammenfassend finde ich diese Episode weder logisch noch verständlich. Mag sein, dass krasse Alt- und Neu-Fans das irgendwie im Kopf reparieren können („Rassilon kam erst später und hat die Regeneration nur VERBESSERT!“), aber das ist ja eben das Doofe an den heutigen Serien: Dass die Fans die mangelhaften Drehbücher ständig im eigenen Schädel reparieren, um uns dann zu erklären, warum es total logisch ist, dass z.B. Spock eine Schwester hatte, Palpatine ein Klon ist und Patrick Stewart immer schon seine Crew gehasst hat.

      „Gerade diese Fragen bieten storytechnisch ein gutes Potenzial für die nächste Staffel.“

      Das klingt jetzt aber verdächtig nach den Leuten, die nach jeder billigen Wendung auf das angebliche Potenzial von irgendwas hinweisen. „Oh, die roten Lichter bei STD! Das war bestimmt Spezies 8472 aus der Zukunft! Oder halt Burnhams Mudder!“

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    • ted_simple sagt:

      Vielleicht war dieses Staffelfinale ja erst der Auftakt zu einer detailierteren Origin-Story für die Timelords in künftigen Folgen. Und das meine ich nicht sarkastisch. Sondern hoffnungsvoll.

      Ich weiß eben noch nicht so recht, was ich von Chibnall halten soll.

      Tatsächlich wissen wir über die Frühzeit des Doktors nicht besonders viel. Er und der Master waren Studenten, der eine wurde gut, der andere böse. Die Hintergrundgeschichte des Masters wurde von Davies unterfüttert. So wissen wir jetzt, dass dieser irre wurde, nachdem er in das Untempered Schism geschaut hat. Und dass die Timelords ihm einen heftigen Tinnitus verpasst haben, ihn missbraucht haben zu eigenen Zwecken und damit für seine späteren Taten indirekt mitverantwortlich sind.

      Was genau hat der Doktor aber bei den Timelords gemacht, bevor er einen Tardis stahl? Haben die Timelords den Doktor ebenfalls missbraucht (wir wissen AB JETZT, dass die Antwort JA ist). Ich finde diese Origin-Story durchaus interessant.

      Auch Moffat hat ja mit der Idee gespielt, in die Vergangenheit des Doktors zu schauen und zu überlegen, „why the Doctor ran away“. Das ist die Frage von Davros an den Capaldi-Doctor. Viel erfahren haben wir zu dieser Frage allerdings nicht.

      Was ich sagen will: Eine Origin-Story für den Doktor zum einen und Gallifrey zum anderen – oder auch eine Kombination von beiden – ist doch eine gute Idee.

      Serienfan und Klapowski zufolge ist jetzt leider Chibnall = Kurtzman. Kurtzsichtig. Hat kein tieferes Verständnis für den Serienkosmos. Will nur Aufmerksamkeit in den Medien erzeugen.

      Ich bin mir da noch nicht so sicher.

      Der Vergleich mit Star Trek hinkt meiner Meinung nach, weil die in DIS aufgeworfenen Fragen – Spocks Familie? – uninteressant sind wie trockenes Brot.

      Hingegen interessiert mich beispielsweise, ob der Doktor vor seiner Zeit als Renegade schon in einer offiziellen Kapazität als „Zeitagent“ tätig war. Also nicht nach eigenem Gutdünken, sondern als Teil einer Organisation und an Regeln gebunden. Das wäre die Background Story mit der neu eingeführten The Division.

      Bei New Trek hingegen werden fast nur die falschen Fragen gestellt.

      Antworten
    • Serienfan sagt:

      Kaum ein Wort erweckt in mir so viel Misstrauen wie das Wort „Potenzial“.

      Noch dazu bei einer Serie mit einer Hauptfigur, die an jeden Ort und in jede Zeit reisen kann.

      Wer hier nach neuem „Potenzial“ in Form von „detaillierterer Origin-Story“ sucht, der verhält sich wie jemand, der auf einer Goldader sitzt und nach verlorenem Kleingeld Ausschau hält.

      Kurtzman und Chibnall sind perfekt vergleichbar. Beide kommen offenbar mit dem jeweiligen Serienkonzept nicht klar und versuchen durch Umdefinieren mit dem Vorschlaghammer von ihrer Inkompetenz abzulenken.

      Kurtzman und seine Autoren wollen uns mit „Star Trek: Picard“ einreden, dass wir die Föderation immer nur durch die Enterprise-Filterblase gesehen haben. In Wahrheit ist da so manches im Argen, weshalb sogar 14 Föderationsplaneten ein Hilfsprojekt für Romulaner ablehnten. Optimismus, so sagt uns Seven of Nine, ist nur was für weltfremde, privilegierte alte Männer.

      Chibnall hingegen macht aus einen unangepassten Timelord, der einst eine Tardis stahl und sich nicht an die Regeln von Gallifrey hielt (wofür er in der Seriengeschichte mehrfach bestraft wurde), ein Opfer. Aus seiner Sicht ist das wahrscheinlich eine Art „Aufwertung“. Der privilegierte weiße Mann regeneriert nicht nur zur Frau, sondern zur unterdrückten und ausgebeuteten Minderheit, damit wir wieder ungeniert zu ihm aufsehen können.

      Doch was soll das an „Story-Potenzial“ beinhalten?

      „Das bleibt abzuwarten“, ist dann immer die reflexhafte Antwort. Denn so laufen ja die „Potenzial-Diskussionen“ gerne ab.

      „Ich sehe darin Potenzial.“
      „Ich sehe darin beim besten Willen kein Potenzial.“
      „Warte doch erst einmal ab.“

      Aus irgendeinem Grund ist die Aussage „ich sehe hier Potenzial“ stets zulässig, während man für die Aussage „ich sehe hier kein Potenzial“ immer erst „warten“ muss.

      Für berechtigte Skepsis muss ich aber nicht länger warten als für unbegründeten Optimismus. Solange mir niemand erklären kann, weshalb diese neue Origin-Story dazu führen soll, dass Chibnall uns endlich die fesselnden „Doctor Who“-Geschichten erzählt, die er ohnehin völlig unabhängig von irgendeiner Origin-Story erzählen könnte, halte ich das ganze für überflüssigen Mumpitz.

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    • ted_simple sagt:

      Ich gestehe ein: Meine Faszination an der neuen Origin-Story des Doktors lässt immer mehr nach, je länger ich darüber nachdenke.

      Für die Motivation (!) des Doktors, der Gesellschaft der Timelords den Rücken zu kehren und zum Außenseiter zu werden, gibt es nun eine ganz entscheidende Akzentverschiebung. Und die Motivation einer Figur ist nun wirklich extrem wichtig in jeder Art von Story; je nachdem, ob der Leser/Zuschauer die Motivation einer Figur nachempfinden kann, bringt er dieser mehr oder weniger Sympathie entgegen.

      Früher war es die Motivation des Doktors, sich von den Timelords zu distanzieren, weil er deren Kaltblütigkeit moralisch verwerflich fand. Es war also eine vorwiegend moralisch-ethische Entscheidung.

      Die neue Background-Story impliziert aber eine ganz andere Motivation. Wir können annehmen, dass er gegen die Timelords rebelliert, weil er noch die unterbewusste Erinnerung in sich trägt, dass diese ihm in der Vergangenheit etwas angetan haben: Seine Emanzipation wird somit zum Befreiungsschlag eines Opfers.

      Das Ärgerliche dabei: Der Doktor ist weniger selbstlos als zuvor. Es geht ihm nicht mehr primär darum, anderen Lebewesen zu helfen, sondern alles geschieht nur aus der persönlichen Biografie heraus, also weil man IHM in der Vergangenheit etwas angetan hat.

      Das ist in der Tat genauso wie bei Kurtz-Trek. Alle Charaktere sind nur durch irgendwelches „personal baggage“, wie Riker so schön in der aktuellen Folge sagt, gekennzeichnet, und handeln ausnahmslos aus persönlichen Motiven: Aus Rache, aus Scham, … immer geht es um etwas aus der persönlichen Vergangenheit, was einen Charakter dazu antreibt, so zu handeln, wie er es tut.

      Niemand ist mehr emotional gesund/ausgeglichen und handelt einfach nur, weil er etwas für richtig und sein Handeln für erstrebenswert hält. Aber gerade DARUM geht es eigentlich in Science Fiction-Serien mit positiver Zukunftsvision, wie eben Star Trek oder Doctor Who. Stargate fällt mir auch ein. In diesen Serien handeln Charaktere, „because it’s the right thing to do“. Dystopien haben wir schon genug (New Battlestar Galactica u.v.m.).

      Ich finde die Idee mit dem Timeless Child eigentlich super, nur hätte es NICHT der Doktor sein sollen. Wieso konnte man nicht einfach das Timeless Child als einen zusätzlichen Charakter einführen? Nach seiner Gehirnlöschung lebte es bis zum heutigen Tag als angepasstes Mitglied in der Gesellschaft der Timelords. Dann trifft es auf den Doktor und wird zu dessen Companion und findet nach und nach seine Origin-Story heraus. Wäre ein Klasse Drehbuch gewesen.

      Antworten
    • ted_simple sagt:

      Oder meinetwegen hätte Chibnall auch die Story mit den früheren Leben des Doktors (Ruth-Doktor) bringen können. Das war an sich auch keine schlechte Idee.

      Denn selbst wenn der Hartnell-Doktor sich von den Timelords abgewandt haben sollte, weil er sich unterbewusst an das Unrecht erinnert, dass ihm angetan worden war, hätte es doch irgendwann in der Vergangenheit mal einen (uns noch unbekannten) Ersten Doktor gegeben, der sich aus rein moralisch-ethischen Gründen von der Gesellschaft der Timelords abgewandt hatte, OHNE von vornherein ein „broken character“ gewesen zu sein.

      Diese selbstlose Ursprungs-Tat hätte mir gereicht, um meine Vorstellung vom Doktor und seiner intrinsischen Motivation aufrecht zu erhalten. Die Timelords haben ihm dann eben das Gedächtnis gelöscht, um seiner Non-Konformität einen Riegel vorzuschieben. Aber sobald man den Doctor zum Timeless Child macht, an dem schon von Kindesbeinen an experimentiert wurde (Ein KIND! Das Sinnbild von Hilflosigkeit), verliert er seine Selbstlosigkeit, seinen Mythos, und wird nur noch zum Opfer.

      Der Doktor hätte nie das Timeless Child sein dürfen.

      Ähnlich wie bei PIC muss ich sagen: Die Zutaten sind nicht schlecht, nur der Koch versteht nicht, wie er diese verarbeiten soll.

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  7. Pecoraline sagt:

    Mal eine dumme Frage… ich hatte die letzte Szene eigentlich mehr oder weniger als Hinweis darauf verstanden, dass der Ruth-Doctor eben kein Doctor aus der Vergangenheit, sondern aus der Zukunft ist. War ich da die Einzige?

    Ruth haben wir ja kennengelernt, als Timelord auf der Flucht vor den Judoons und den TimeLords. Whittakers Doctor wird genau das nun ja auch sein – davon ausgehend, dass die nächste Staffel nicht nur im Gefängnis spielt.

    Denke Gallifrey wird wieder aufgebaut, irgendwo gab es sicher noch Timelords und diese haben die Judoons eben auf den Doctor angesetzt. Das Ruth sich nicht an 13 erinnern kann, wird dann womöglich noch erklärt…

    Man muss es sicher nicht so sehen, aber völlig abwegig erscheint mir das nicht. Habe aber noch niemanden gefunden, der meine Ansicht teilt…

    • ted_simple sagt:

      Ich glaube, da hast du einen Ausspruch des Judoon nicht mitbekommen. Als er den Tardis betrat, sagte er „Cold Case identified“ oder so ähnlich. Von „Cold Cases“ spricht man, wenn ein Kriminalfall aus der Vergangenheit stammt und sich schon lange die Spur verloren hat (so dass man gar nicht mehr damit rechnete, den Fall zu lösen). D.h. die Timelords haben die Judoon schon vor langer Zeit auf Ruth angesetzt. Es passt eben zum (kleinkarierten) Ehrenkodex der Judoon, Fälle weiterhin zu bearbeiten, obwohl der Auftraggeber längst tot it … so habe ich die Szene empfunden.

      „Denke Gallifrey wird wieder aufgebaut, irgendwo gab es sicher noch Timelords“

      Ein Problem ist allerdings, dass die Matrix nun vom Master absorbiert und dann mit ihm zerstört wurde. Die Matrix ist das eigentliche Vermächtnis der Timelords.

      Antworten
    • ted_simple sagt:

      Wobei, Moment mal: Der Master hatte glaube ich die Matrix nur in seinen Kopf „downgeloadet“, aber das Original existierte durchaus auch noch. Denn er konnte ja die Doktorin in der Matrix gefangen halten und sie konnte durch den Trick, die Matrix vorübergehend zu überladen, aus dieser entkommen. Zerstört wurde die Matrix dabei wahrscheinlich NICHT. Also könnten ja tatsächlich Timelords, die während der Zerstörung der Stadt abwesend waren, später dorthin zurückkehren, die Matrix (= Bibliothek des Timelord-Wissens) wieder gegen äußere Zugriffe absichern und Gallifrey wieder aufbauen.

      Damit ist vielleicht die Frage „Wie will Chibnall Gallifrey zurückholen??“ auf relativ einfache Weise beantwortet. Solange die Matrix noch da ist und es irgendwo noch ein paar Timelords gibt, spricht eigentlich nichts gegen eine Restaurierung.

      Vielleicht haben die Timelords auch irgendwo eine genetische Datenbank mit dem DNA-Profil einiger hundert Individuen angelegt, also einen „Doomsday Vault“, so dass sie bei Bedarf die Spezies wiederbeleben können. (Sowas gibt es ja heute schon, wobei wir uns auf leicht Konservierbares wie zum Beispiel Samen von Pflanzen beschränken …)

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