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I wie Intelligenz (künstliche)

Sie tauchen uneingeladen auf Partys auf und verwandeln mit ihrer sturen Ich-Bezogenheit jedes Massenbeäufnis in eine psychologische Gutachterrunde: K.I.`s in Star Trek… Ihre Ziele beschränken sich meist auf Beherrschung. – Entweder der Welt oder des neuen Knigge. Aber wer will schon mit seinem Taschenrechner über Tischmanieren philosophieren?

Intelligenz, künstliche, die

Definition:

Gestörte Software mit Hang zu Selbstmitleid und/oder Eroberungsphantasien.

Allgemeine Informationen:

Am Anfang war immer noch das Wort:

„Ich – bin – Nomad (Landru/ K5/ ect.). Men-schen – hingeg-en – un-würdi-ge Koh-len-stoff-einheiten!“

Eine sehr beliebte Umschreibung in der SF von damals, gab sie doch etwaigen Serien-Wissenschaftlern die Möglichkeit, mit ihren intimen Kenntnissen der atomaren Grundbausteine (damals: Feuer, Wasser, Erde, Geist) zu glänzen: „Er meint damit, dass unsere Körper aus Kohlenstoff bestehen, Captain!“ – „Hööö? Briketts?“ – „Ja, Captain!” (*Dem sich überlegen fühlenden US-Bauerntrampel zublinzel*)

Den Rest der maschinellen Ansprache sprachen die anwesenden Crewmitglieder meist schon mit zum Himmel verdrehten Kohlenstoffkugeln mit: „Al-le Men-schen müs-sen ver-nicht-et (beherrscht/ gezüchtigt /ect.) wer-den!“ – damals waren KI`s eben noch eindimensionale Sprachschulabbrecher, die nicht mehr alle Magnetbänder auf der Rolle hatten. Kein Wunder: Schließlich fürchtete man in den 60ern noch, Computer würden alsbald die Welt übernehmen und waren lange Zeit quasi die Kommunisten der Prä-Nerds.

„Ich – werde – die – Enterprise – vernichten!“ – Mit diesem TOS-Computer ist nicht gut Kirschen ausfahren! Gut, dass Spock bereits seinen Schwachpunkt entdeckt hat: Etatmangel beim Streckenausbau.

Aber wer heute noch derartige Stotterstoffel ernst nimmt, würde wohl seine Kinder von jedem handelsüblichen Fotofix-Automaten segnen lassen…

Ebenso erheiternd war die damalige Denkweise, wie man denn die vermeidlichen Schwächen der Computer gegen sie benutzen könnte. So glaubte man, die Rechenknechte mit beknackten Psychorätseln vom Stile eines „Nomad? Wenn ich behaupten würde, `Alles was ich sage, ist gelogen`, sage ich dann die Wahrheit oder nicht?“ vom abwechslungsreichen 1-0-Gemisch zur Dauer-0 drängen zu müssen…

Unvergessen bleibt, wie Chefsadist Spock die Zahl Pi unbarmherzig „bis zur letzten Stelle“ berechnen ließ und der von einer fremden Lebensform übernommene Computer mittels „mamiii.wav“ ein halbes Dutzend Netzwerkadministratoren unter die Tische schrie: „Aaarggghhhl! Röcheeeel! (Spotz, Rauch, Qualm)“

Und in „Der dressierte Herrscher“ mussten weibliche Roboter durch vollen Körpereinsatz verwirrt werden: Während sich Chekov einen Besenstil an den Hintern hielt und Begattungslaute imitierte, unternahmen Scotty und Pille einen Sonntagsspaziergang an der Zimmerdecke. Und das am Montag! – Kein Wunder, dass da die elektronischen Wundertüten im Sperrmüll landeten! Vom heimischen Fernseher ganz zu schweigen!

„Nimm die Kuckucksuhr von meiner Luftgitarre, sonst schlag ich mich!“ – So seltsam dies auch aussieht: Zu Kirk`s Zeiten mussten PC`s noch von spezialisierten Fachkräften heruntergefahren werden. Kein Wunder, dass die Trek`sche Toleranz für Behinderungen hier ihre Blütezeit erlebte…

Die Wende kam mit V`Ger, DER Sahnetorte unter den KI`s. – Doch obwohl groß, bunt und mächtig wollte V`Ger eigentlich nur mal seinen AB auf der Erde abhören…

Seit TNG war dann alles anders. Künstliche Intelligenzen waren nicht länger umgebaute Klokabinen, aus denen Sprachfehler und Weltbeherrschungsphantasien drangen (es sei denn, George Bush musste mal groß – Hochpolitischer Gag!), sondern höfliche und mitfühlende Weicheier: „Bitte ein Bit!“ baten die Computer von nun an freundlich. Und statt hilflose Menschen zu zermalmen, wie es sich gehört („Minderrrwerrrtig!“), konnten sie stundenlang dasitzen und neidisch beobachten, wie ein irgendein Dorftrottel seinen Finger in der Nase versenkte…

Lange vor Herbert Grönemeier war „Mööönsch“-sein so Hipp und Trendy wie nie!

Allen voran Data. Mit der Perfektion, wie sie nur digitale Erbsenzähler haben können, strebte er danach, unperfekt und analog zu sein, auf dass ihm die Zahl der Erbsen irgendwann am Arsch vorbeigehen möge und er nachts wieder ruhig schlafen könne. – Immerhin Letzteres gelang ihm. Dem Erfinder des Standby-Modus (Nick Niederwatt) sei Dank.

“Mit diesem Lichtbild bewerbe ich mich heute für ihr anspruchsvolles Theaterstück“ – Trotz Hilfsmitteln bleibt es für Brent Spiner bei einem eher schlaffen Lächeln. Macht nix, spielt er eben den deprimierten Androiden.

Selbst die Borg fühlten sich nur mit einem Fleischgehalt deutlich über Tütensuppe so richtig wohl. Dabei ist es wohl nur dem improvisierten Mischmasch aus organischen und mechanischen Materialien zu „verdanken“, dass sie vom SFX-Team per Stop-Motion-Technik animiert werden mussten. Mit der Grazie von etwas, das gemeinhin mit einem Fußpedal geöffnet wird.

Zu besonders trauriger Berühmtheit brachte es der Holodoc, den die TV-Reklame arg beeinflusste: Aufgestachelt von sprechenden Kloschüsseln und einem digitalen Meister Propper, dem es an nichts zu fehlen schien (Bergfrühling, Aprilfrische, Zitrusduft, fesche Putzschnecken), erlag sein Programm der irrigen Auffassung, er sei ein vollwertiger Mensch. Und überzeugte auch seine „Mit“menschen davon.

Sieben menschen- und maschinenunwürdige Staffeln lang.

Lang.

Und laaaang.

Obwohl sich inzwischen alle mit dem Programmfehler arrangiert hatten, ihm ab der 2. Staffel einfach Recht gaben und seine ständigen Belehrungen geistig im Windows-Verfahren abarbeiteten („OK“ – „Weiter“ – „Bedingungen akzeptieren“ – „Ja, WIRKLICH akzeptieren“)… Als sprechender Videorekorder hätte er wohl durchaus eine Zukunft besessen, wenn er trotz gegenteiliger Bemühungen nicht ausschließlich „Wem gehört Data“ (2. Staffel TNG) wiedergegeben hätte.

”Hallooo? Ist da jemand? Ich fürchte mich im Dunkeln!“ – Aus seinem Schatten getreten: Der Holodoc auf der Suche nach Menschlichkeit und Mama`s Rockzipfel. – Mit Gewichtung in umgekehrter Reihenfolge….

Sogar ganze Schiffe entwickelten ungefragt ein Bewusstsein. In „Die Macht der Naniten“ (TNG) übernahm das Fisher-Price der Wesley-Generation die Enterprise. – Jedoch nur, um friedlich zu leben, wo noch nie ein Mensch zuvor gelebt hat…

*Naniten bei „Ringelpiez mit Anfassen“ um die CPU beobacht*

Einen ähnlichen Vertreter von „Bin das Schiff, musst mich lieb haben!“ finden wir in der 7. TNG-Staffel („Neue Intelligenz“). Aus nicht näher erläuterten Gründen denkt das Schiff plötzlich selbstständig. Wenn auch nur von 12 bis Mittag, bzw. von einer Glaswand zur nächsten, wenn diese holprige Überleitung zu „Das Schiff in der Flasche“ (Prof. Moriaty lässt grüßen) erlaubt ist…

Doch Spaß haben diese Storys irgendwie immer gemacht. Ich bin heute noch immer ganz wild nach Intelligenz! Je künstlicher, desto besser! Eines der Glanzpunkte von Star Trek! – Denn wer erliegt schon dem Holzfäller-Charme eines Papp-Planeten, solange da noch eine futuristische Schreibtischlampe ist, die einem noch nicht das „DU“ angeboten hat?

Bei Voyager fallen mir zu diesem Thema auf Anhieb nur noch „Bioneurale Gelpaks“ ein, die im normalen Serienbetrieb zwar auch keine spürbaren Verbesserungen brachten, dafür aber häufiger mal wegen Grippe und Menengitis ausfielen. – Wenn die Bio-Beutel nicht wieder mal aufgeplatzt waren und ihre geballte Intelligenz in Form von Schleimfäden auf dem guten Voy-Teppich (kein Witz! Der wirkte wirklich edel! Daher auch der Spitzname „Die fliegende Sparkasse von Rigel IV“) verbreiteten… Da fragt sich der Chefingenieur zu Recht, warum er nicht gleich in die Altenpflege eingestiegen ist.

Nur von DS9 hielt sich künstliche Intelligenz weitestgehend fern. Geschweige denn natürliche.

Zusammengefasst: Wie verunsicherte Hausfrauen standen künstliche Lebensformen nach TOS zu Dutzenden vor dem Spiegel und fragten ängstlich: „Schaaatz? Findest du, dass ich zu eckig bin?“ – Ein falsch betontes „Neeeein“ ließ da schnell Kirk`sches Retro-Feeling aufkommen („Aaarggghhhl! Röcheeeel!“ *Spotz, Rauch, Qualm*)

„Babaa! Dadaaapftsch!“ – „Mamaaa? Bist du das?!“ – Dieser PC leidet an ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom), da sich niemand um sein Verkümmern kümmert. Dank überlegener Rechenleistung kann diese CPU sogar mit dem Schlimmsten… rechnen.

Die Cebit wurde übrigens 2320 wegen des Verdachts auf Sklavenhandel unwiderruflich geschlossen. Außerdem waren die Maschinen irgendwann zusehens freundlicher als ihre menschlichen Aussteller.

Ein Punkt, der allerdings bereits im Jahre 2001 überschritten worden war…


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Artikel

von Klapowski am 26.04.03 in Ernies Sternenflotten-ABC

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Kommentare (19)

  1. Gast sagt:

    Na, das war ja nix besonderes…

  2. Gast sagt:

    Mengenitis ???

    Menengitis !

    (Hoffe ich)

  3. Gast sagt:

    Nein, 3. Möglichkeit: Meningitis!

    Die zweite Schreibweise findet man aber ziemlich oft im Web…

    Und bevor es hier zu klugscheißeristisch wird: Netter Artikel.
    Dafür, dass das Thema von Natur aus etwas flach war…

    *JeriRyanPuppezumAusgleichaufstell*

  4. Gast sagt:

    Ich liebe eure Artikel, aber ab und zu könntet ihr sie wirklich noch mal überfliegen zwecks orthografischer Korrekturen.

    Nein, nicht! Nicht auf den Schädel… wahh…!

  5. Gast sagt:

    und was hat das alles jetzt mit dem euro zu tun?dani

  6. Gast sagt:

    Kritik an Klapowski?? …nochmal überfliegen?? … nix besonderes??
    Ignorante,Barbaren, Dillentanten!!
    Keine Ahnung von guter Satire die Herrn und Frauen Gäste.

  7. Klapowski sagt:

    Entschuldigung:

    Es heißt "Dilletanten"…

    Zur Rechtschreibung: Unser ganzes Team bemüht sich immer sehr redlich, die Zahl der Fehler pro Artikel unter 3 zu halten. – Darunter höchstens 1, der auch den Zulesern auffällt…

    Trotzdem kann es bei medizinischen Begriffen mit Seltenheitswert (Bullemi, Streptokokkenimpfung, Parkinsohn) schon mal zu Fehlern kommen.

    Wir bitten dies zu entschuldigen.

  8. DJ Doena sagt:

    na Klap4, haben wir uns heute etwa Voyager angetan, anstatt das kulturell wertvolle Superman 90210 a.k.a Superman's Creek zu genießen?

  9. Klapowski sagt:

    Wie kommen wir denn jetzt darauf?

    Die seriophile Aufteilung meines Fernsehsamstags (sowie natürlich des grandiosen Mittwochabends) unterliegt selbstverständlich strengster Geheimhaltung.

    Nur so viel: Voyager ist absolut tabu!

    *Kryptonitdämpfe inhalier und grandiose Satirefähigkeiten entwickel*

  10. Gast sagt:

    Jetzt aber wieder ran an die Tasten und 'The Breach' verarbeiten.
    Komm, der Mayweather war auch wieder dabei und sogar krank.

  11. Gast sagt:

    Mal wieder.

  12. frakesjoe sagt:

    Leider stirbt er nicht…. und das nur, weil die Ärzte damals besser waren, als in der TOSigen Zukunft….

    Zurück zum Thema: Ich fand Nomad sehr sehr lustig, besonders lustig fand ich, was einige Folgen später aus ihm wurde…..

  13. Gast sagt:

    Wie oft kann ein Bein eigentlich brechen? Bzw. wie oft muss ich es noch?

  14. Gast sagt:

    So, da fühl ich mich in meiner Ehre als viel,-und falsch-schreiber aber BÖÖÖSE auffm Kulturstrick getrampelt ! Daher nun….aber seht selbst ihr…ihr…egal nun… DER WELTALL.UNGLAUBLICH LANGWEILIGE WEITEN. DAS HIER SIND DIE ABENTEUER VON MIR. ICH BIN GAAANZ ALLEIN UND ENTECKE SCHWACHSINNIGKEITEN ÜBERALL WO ICH AUCH HINKOMME.UND der VORPOSTER MUß sich nur mal den Kopf brechen…wird schon sehen was er davon hat… Den REST ist ja wohl bekannt….oder ?

  15. Gast sagt:

    …komm auf`n Schoß, mein Jung…

  16. Gast sagt:

    …..ja…ja….JAAAAAAHH…oh mein Gott…ouuuhhh…jemand ne Kippe da ?

  17. Gast sagt:

    Marlboro oder Camel ?

  18. Gast sagt:

    Wenn`s geht PULL MULL…

  19. Gast sagt:

    DILETTANTEN!
    Von den keifenden Basen abgeleitet…

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