Film- und Serienkritiken

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Doctor Who – 12.07 – Can You Hear Me? – Kritik

Als Companion hat man es nicht einfach: Da wird man vom Doctor rausgeschmissen, um daheim dringende Hausarbeiten zu erledigen (= divers und multikulti sein – PLUS Staubwischen), doch iiirgendwie mag dabei keine rechte Stimmung aufkommen. Nehmen wir zum Beispiel Ryan, der von heute auf vorgestern stockschwul geworden ist? Oder habe ich das falsch verstanden, als er verkniffen mit seinem „Mate“ an der Haustür rumdödelte und dabei aussah wie eine Nonne, die zum ersten Mal ein Hentai-Pop-Up am Laptop sieht?


Okay, eine spontane Verschwulung ohne Schwulsein kann man durchaus mal machen. Passiert ja auch höchstens zweimal pro Episode… ?

Allerdings habe ich nicht ganz verstanden, wie deren Beziehung funktioniert: Beide schauen sauertöpfig in die Glotze, nachdem man die Tür von innen verrammelt hat (damit die Nachbarn nicht reinkommen und „Homooo“ rufen?), zocken FIFA, kauen Chips und erwecken ungefähr so viel Freund- und Liebschaftsstimmung, als hätten sich beiden gerade erst auf der Castingcouch kennengelernt – und als wäre selbiges Sitzmöbel ohne Vorwarnung in ein Wohnhaus ausgekippt worden. Dass Ryans „Freund“ beim Erzählen seiner Alpträume ungefähr so gut schauspielert wie Angela Merkel als Hauptdarstellerin im Film „Birds Of Prey“, sorgt ebenfalls nicht gerade für Hochstimmung.

„Ich habe Angst, aber auch Angst, über meine Angst zu sprechen! Verstehst du?“ – „Hmm… Könntest du noch mal mit dem allerersten A-Wort anfangen?“ – Das gesuchte Wort lautet NICHT Anal: Was das Szenenbild, die Beleuchtung, die Mimik und die Auswahl von Oma-Möbelstücken angeht, ist Staffel 12 für mich auf jeden Fall ungeschlagen. Bei so viel (Spiel-)Freude für verrückte SF-Ideen möchte man sich glatt selbst in ein Raumfahrzeug setzen. Apollo 13 vielleicht?

Währenddessen wird der Doctor spontan von einer geisterhaften Erscheinung nach Syrien gerufen („Komm her, ich habe hier eine Story für dich!“), wo sie eines der ersten „Mental Hospitals“ der Geschichte kennenlernt. Laut einer fünfsekündigen Wikipedia-Recherche stimmt das sogar grob – die hatten damals tatsächlich die ersten Therapie-Ideen und machten was draus.

Allerdings vermutlich MEHR als das, was den Machern zu ihrem selbstgewählten Erziehungsthema dieser Episode einfiel: Im „Psychiatrischen Krankenhaus“ sehen wir eigentlich nur ein paar Palmblätter und miese Schauspieler, die ebenso auch am Bahnsteig oder in der Kinderdisco stehen könnten. – Voll knorke, Alter!

Statt „Ärzte“, Gespräche oder Therapien sehen wir lediglich zwei jungen Eierkopp-Frauen, die sich gegenseitig erklären, wie totsicher (bzw. tödlich) dieser Ort doch ist.

Im Ernst, seit ein paar Folgen habe ich das akute Gefühl, dass man einfach Leute in der BBC-Verwaltung anspricht („Du hast braune Haut! Mitkommen und Text aufsagen, sonst Gulag!“). Und wenn diese Figuren z.B. die Emotion ANGST spielen müssen, wirkt das immer so, als wären sie mit dem rechten Bein in einen Putzeimer getreten: Ein bisschen angepisst, aber trotzdem mit guter Stimmung aufgrund des nahenden Feierabends.

„Ich höre manchmal diese Stimmen! Und dann sieht ER mich an und will mich holen!“ – „Wer? Das Werwolf-Monster aus deinen Träumen?“ – „Nein, es ist … Björn Höcke!“ – Im mittelalterlichen Syrien werden psychische Krankheiten noch mit ganz anderen Mitteln erforscht. Hier versucht man es z.B. gerade mit einer Handpuppen-Therapie. Die Dame in der Mitte ist dabei die Handpuppe – und therapiert werden WIR. Aber von was? Dem „EIN“-Schalter an unserem Fernseher?

Nach der üblichen „Da ist ein Monster!“-Feststellung präsentiert man uns ein CGI-Wesen, dessen Qualität an finstere Christopher-Eccleston-Zeiten erinnert. Sogleich sackt der Doctor die syrische „Mrs. Anti-Mimik“ ein, holt dann noch schnell ihre anderen Companions ab, die gerade unter mentalen Ausfallerscheinungen leiden (äh… was war jetzt noch mal der Unterschied zu sonst?) und landet zur Klärung des Problems auf einer Raumstation.

Und auf der zeigt sich plötzlich, dass alte weiße Männer gaaar nicht so übel sind. So ist der „fingerfertige“ Bewohner der Station (siehe Bild unten) ein recht belesener Genosse, der über die Langeweile von Unsterblichen referiert, Menschen als Spielzeug tituliert und generell alle Anwesenden so sehr an die Wand spielt, dass man aufgeplatzte Hinterköpfe befürchten müsste. Klar, das riecht etwas nach Kindergrusel in der 1980er-Geisterbahn, hat aber sofort gewisse Theater- und Kammerspiel-Momente. Da zeigt sich mal, dass man mit so etwas Abwegigem(?) wie Schauspielern in einer Serienproduktion gar nicht so viel falsch machen kann. Bisher sahen wir ja meist nur „Offener Mund-Fachpersonal“…

Doch leider fuhr man die interessante Geschichte um zwei „Götter“, die einst zwei Planeten quälten und dabei aufgehalten wurden, vollkommen gegen die Wand. Die beiden halbintellektuellen Wackeldackel stehen ab der Mitte der Folge nämlich nicht mehr für das Grausame, Unberechenbare und Ewige, sondern … für eine gebrochene Hüfte und das falsche Haarfärbemittel? – Eben noch hatten die beiden unseren GANZEN Planeten eingesackt (auf der Straße die Mülltonnen vollschwafeln reicht hierfür), im anderen Moment aber leeeider vergessen, ihre mächtigen Technik-Gadgets wegzuschließen. Und außerdem vergaßen sie auch, dass der Doctor NICHT nur alles Mögliche mit dem Screwdriver herbeiwedeln kann, sondern ihre Jacke(!) neuerdings ihren Screwdriver einen Meter in die Luft „hochwedeln“ kann.

Wer die Szene nicht gesehen hat, mag es kaum glauben. – War das etwa der patentierte Hüftschwung eines Timelords? Quasi ein „Sonic Hip-Driver“? – Oder war das der feministische Gedanke, dass Frauen sich stets ihren eigenen Penis(-Ersatz) besorgen können? Erklärt es mir bitte, denn sonst müsste ich annehmen, dass die Serienmacher inzwischen sogar zu FAUL sind, um die gefesselte Hauptdarstellerin nach Regeln zu befreien, die wenigstens mit denen der Physik lose verwandt sind. Und hier wäre echt ALLES besser gewesen, sogar das Überreden eines verwirrten Alien-Hausmeisters („Hey, willst du dir dein erstes Woke-Sternchen verdienen, mein Junge?“)…

„Dooooctooor! Ich muss mit Ihnen über diese Küchenmaschine sprechen, die Sie mir vor 200 Jahren verkauft haben. Die WÜRFTELT nämlich gar keine Zwiebeln!“ – Gott würfelt nicht (gern): Diese Alb-mächtige Mann brauchte den Doctor nur, damit die TARDIS seine Gefährtin aus einem Gefängnis holt. Hierfür musste sie dem Herrn nur 1.000.000 Bit-Coins errechnen. Schade… Für doppelt so viel Kohle hätte sich Chibnall sogar ein schönes Ende für diese Geschichte ausgedacht.

Die beiden Albtraum-Lords mit der Lizenz zum Scheißelabern haben da ihre Rechnung jedoch ohne die Ga… Hast-Geberin gemacht. Ja, die beiden mögen tatsächlich Götter für elfjährige SF-Feministen sein, aber als die Bekopftuchte in Aleppo plötzlich lernt, ihre Ängste zu lenken (WANN hat die das eigentlich geübt? Staffel 13?), war ganz schnell Schluss mit „HARHARHAR“. Im Ernst, wer hier geblinzelt hat, hat deren Niederlage fast schon wieder verpasst.

Blöd nur, dass die Episode hier noch ewig weitergeht. So erfahren wir, dass Yaz nur deswegen Polizistin wurde, weil sie vor drei Jahren als ausbrecherische 25-Jährige(?) an der Landstraße aufgegriffen wurde. Die ältere Polizistin erkannte damals schnell, was das Problem vom kleinen Regengesicht war (= Kein Ernsthaftes, der Rucksack saß nur etwas unbequem) und überredete sie quasi dazu, selbst Bulle zu werden. Äh… Auch, wenn das bis heute keiner so richtig gemerkt haben dürfte.

Trotzdem hält das die Episode nicht davon ab, uns Yaz beim tränenreichen Wiedersehen mit jener Polizistin von damals zu zeigen. Klar, die war damals natürlich toootal beeindruckt von der jungen Frau, die immerhin drei Zecken am Po und dazu noch miese Laune hatte. Tja, so einem grausamen Schicksal begegnet man als Ordnungshüter schließlich auch nicht an allen (arbeitsfreien) Tagen!

Noch schlimmer war da nur noch Graham, der sich dem Doctor anvertraut („Habe Angst, dass der Krebs wiederkommt.“) und dafür nur eine Antwort erhält, die wohl aufgrund der derzeitigen „Nerd-Culture“ sehr in Mode ist: „Chihiii… Ich bin ’social awkward’… Weiß nicht, was ich sagen soll. Ich gehe dann mal langsam zur Konsole rüber, okaaay?“

Getreu dem Motto: Der Doctor kann zwar Microplastic-Ausschlag heilen und Nanobots programmieren, ist mit Krebs und tröstenden Gesprächen aber leeeider überfordert. Es reicht eben doch nur für bedeutungslose „Wir haben uns alle lieb“-Ansprachen ohne Substanz. Denn leider hat sie nach Hunderten Lebensjahren keine Erfahrung in sowas irgendwas.

„Ich würde ja gerne nach Hause gehen, Officer. Aber mein WLAN geht gerade nicht und ich weiß einfach nicht, ob mein Passwort ‚Vegan_99‘ hieß oder ‚ChaiLatte_0815‘.“ – „Ich verstehe deinen Schmerz, Mädchen. Ich bin auch erst mit Ende 30 in die Pubertät gekommen, schnief.“ – Ausbruchsversuch: Es klingt immer so romantisch, dieses „Nur die Landstraße und ich“. Aber dann merkt man schnell, dass das Weiche auf dem Asphalt auch nur Gülle ist, die gestern vom Trekker fiel.

So dreht sich diese Episode dann leider nicht um echte Alpträume, begründete Ängste und Wesen wie aus dem trek’schen Q-Kontinuum. Nein, es geht um die Mini-Probleme von jungen Menschen, die plötzlich merken, dass sie nicht gleichzeitig aus der WG ausziehen und trotzdem Sex mit Mitbewohner-Topfpflanzen haben können.

Dass man das Ganze wohl auch noch als Folge über/gegen Schizophrenie verstand, obwohl man das nicht im Geringsten thematisierte, spuckte all meinen multiplen Persönlichkeiten mit Anlauf ins Gesicht. Außer Gabi und Bernd. Die waren gerade zur Geschlechtsumwandlung.


Fazit: Okay, ich mochte den tätowierten Opa kurzzeitig als Gegenspieler! Aber das hat das Produktionsteam dann wohl leider geahnt und ihm noch schnell eine recht unpassend wirkende 20-Jährige an die Seite gestellt.

Tja, so eine Durchschnittsnote muss man auch irgendwie nach unten diversifizieren, da kennen die nichts.

Am Schlimmsten war jedoch das hilflose Massengestammel am Ende. Welche seelische Qual uns das Produktionsteam da noch schnell aufdrücken wollte (= Polizisten-Homophobie in Bezug auf untätige Ärzte im Körper einer 14-Jährigen?!), werde ich wohl niemals erfahren…

Trotzdem wurde beim Abspann tatsächlich eine Anlaufstelle für Notfallseelsorge(!) beworben. Na, die hatten bestimmt „Spaß“ an diesem Abend?

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von Klapowski am 11.02.20 in Serienkritik

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Kommentare (6)

  1. oomoepoo sagt:

    „Trotzdem wurde beim Abspann tatsächlich eine Anlaufstelle für Notfallseelsorge(!) beworben. Na, die hatten bestimmt „Spaß“ an diesem Abend?“

    Du missverstehst: Das war nicht wegen den in der Folge (versucht) dargestellten Themen, sondern weil die Folge so grottig war, dass sie Depressionen verursacht hat.

    • Serienfan sagt:

      Das wäre eigentlich ein gutes Geschäftsmodell.

      Nachdem das Merchandise von dem neuen Kram keiner mehr haben will, könnte man Kooperationen mit psychiatrischen Ketten schließen, die es ja vor allem in den USA haufenweise gibt.

      Nach einer weiteren verkorksten Sendung könnte man einblenden: „Brauchen Sie psychologische Hilfe wegen Ihrer verkorksten Kindheit, nachdem wir nun erneut Ihre popkulturellen Lichtblicke demontiert haben?“ 20 Prozent der Behandlungsgebühr fließt dann einfach an die Filme- und Serienmacher.

      Die Zielgruppe ist groß! Egal ob „Star Trek“, „Star Wars“, „Doctor Who“, „Terminator“, „Ghostbusters“ und sicher bald auch die Fans von MCU und DCU … Merchandise war gestern, Psycho-Behandlung lautet heute die Einnahmequelle!!!

      Damit wäre auch endlich erklärt, weshalb heutzutage wertvolle Marken so (scheinbar) untalentierten Personen wie Kurtzman oder Chibnall anvertraut werden.

  2. ted_simple sagt:

    Stimme absolut zu, das größte Problem dieser Folge war der antiklimatische Sieg über die Bösewichte 8 Minuten vor Ende der Episode. Es ging nicht nur viel zu einfach und passierte zu plötzlich, ich hab’s auch nach wiederholtem (!) Angucken einfach nicht verstanden. Vielleicht kann mich jemand aufklären?

    „Wie nimmt man Götter gefangen, Doktor?“ – „Das geht nicht! Tausend Jahre hat diese Zivilisation gebraucht, um sich halt doch irgendwas auszudenken!“ Dieser Dialog baut ja eine ziemlich hohe Hürde auf, die dann mal eben … fünf Minuten später keine Rolle mehr spielt.

    Schön, dass die Frau aus Aleppo gelernt hat, ihre Monster zu kontrollieren. Schön auch, dass die Doktorin die restlichen „Haustiere“ des Albtraum-Gottes umprogrammieren kann. Das lasse ich noch alles durchgehen. Aber …

    – Warum schreien die beiden Götter vor Entsetzen, als die Haustiere/Albträume auf sie losgelassen werden? Hieß es nicht, dass sie sich von Albträumen ERNÄHREN? Warum ängstigen sie sich plötzlich? Hätte die Reaktion nicht „Mjam-Mjam!“ sein sollen?

    – Wodurch werden die Götter in die Sphäre (= ihr Gefängnis) transportiert? Durch die Macht der Angst? Vollkommen ohne Erklärung?

    Ich hab aber auch gar nix an dieser Auflösung verstanden. Das Herbeiwedeln des Screwdrivers natürlich ebenso wenig.

    Mir gefiel die vorherige Staffel eigentlich recht gut. Schade, dass Chibnal so schnell ein Burnout hat.

    • ted_simple sagt:

      Korrektur: „antiklimaktisch“. Hat nichts mit Klima zu tun, sondern mit Climax. Anglizismus von „anticlimactic“.

  3. BigBadBorg sagt:

    Hätte alle Zutaten gehabt um endlich wieder super zu werden.

    1. Companion aus der Vergangenheit, der brav über alles staunen kann und sofort überall Magie sieht. Hat sich aber leider innerhalb von Sekunden daran gewöhnt und findet alles mehr oder weniger normalo.

    2. Der böse Opa war wirklich sehr cool und das Highlight der Folge. Nur leider am Ende dumm wie Brot, aber das lag wohl am Drehbuch.

    3. Zwei echt schöne Gags mit denen du anscheinend nichts anfangen konntest. Graham, der dem Doctor zeigen soll wo die Planeten sind und eine wunderbare witzige Antwort gibt („Ja klar, ich brauche nur eine Karte und dann nö kann ich net…“). Und dann der unsoziale Doc am Schluss, der Graham einfach abblitzen lässt. Schräg, aber so mag ich es.

    Ich weiß nicht, auch in den alten Staffeln gab es immer wieder Hänger, aber im Moment nervt mich einfach extrem diese Einfallslosigkeit, Mutlosigkeit und SJW-Getue. Es dreht sich gefühlt alles nur noch um Homosexualität und Hautfarben. Und das leider so mit dem Holzhammer, es nervt (wie in der letzten Folge, ultra cooler Cop und Astronaut müssen ja unbedingt ein Liebespaar sein, gute Kumpels wäre zu lahm gewesen?).

    Und ist der Companion-Typ wirklich schwul? Hä? Ich dachte das wäre vielleicht sein Bruder oder so? Hab aber auch manchmal am Handy gespielt während den letzten zwei Staffeln und nicht alles mitbekommen. Hab ich was verpasst?

    Mittlerweile frage ich mich ob ich nicht aussteigen soll. Nach den ersten vier Folgen der zweiten Staffel von Discovery hab ich das auch getan, und meiner Seele geht es so viel besser.

    • Grinch1969 sagt:

      Bin sowohl bei STD als auch dem Doktorle raus. Gibt auch zuviele andere, qualitativ erheblich bessere Serien. Ich habe einfach keine Zeit zu verschenken für den Crap, sorry.

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