Film- und Serienkritiken

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The Orville – 2.06 – „A Happy Refrain“ – Kritik

Beziehungen mit elektronischen Helferlein haben eine lange und hochseriöse Tradition. Sagt jedenfalls Star Trek – und Beate Uhse. Auch „The Orville“ möchte bei so viel Update-Hunger im Liebesspiel-Segment nicht hintenanstehen und präsentiert erstmals eine Folge, in der zwei grundverschiedene Wesen sich lieben lernen. Äh… Wobei eine der Personen gar nicht lieben kann. Und die andere nur ein seltsames Experiment verfolgt. Und nein, ich weiß SELBER nicht, auf wen der beiden diese Beschreibungen mehr zutreffen!

Inhalt: Doktor Finn bemerkt, dass sie sich nach dem Shuttleabsturz in Staffel 1 zu Isaac hingezogen fühlt. Und so beginnt sie mit ihm eine Beziehung. Doch kann ein Roboter überhaupt eine führen?

Besprechung:

Sehen wir hier also eine warmherzige Kult-Episode um einen Roboter, der Gefühle lernt? Ist das nicht jene Art von Geschichten, bei denen interne Höchstwertungen quasi „vorprogrammiert“ (= haha, Androiden-Metapher) sind?

Nein. Denn so wirklich überzeugt hat mich die Story jetzt nicht. Dabei erinnert die Geschichte sehr an „Datas erste Liebe“, die ich sehr schön finde. Allerdings gibt es beim Vergleich mit dem Original ein paar dezente Unterschiede, bei denen mein duftender Rosenstrauß leicht zum müffelnden Rosenkohl mutierte…

„Ich trage ja sonst keine Hemden. Nur das eng anliegende Korsett der Logik.“ – Besser Hose lose als Schraube locker: Optische Gags passen in eine solche Episode so gut, dass ich den bisherigen Spitzenreiter (= Nackte Moclans in einer Sexsucht-Episode) leider herabstufen muss. Jetzt fehlt nur noch (*auf Zettel schau*) eine Art Borg mit Haushaltsgegenständen am Gesicht…

Data war eigentlich jederzeit ein halber Gefühlsmensch. Ja, denn auch wenn ihm angeblich ein Gefühlschip fehlte, so mogelten ihm die Macher ständig Mitgefühl, Demut, Traurigkeit (Tashas Tod!) und andere Reaktionen unter, die ihn vollkommen anders als z.B. den Schiffcomputer agieren ließen. Und das war auch okay so, wenn wir mal kurz vom Nitpicking- in den Dramaturgen-Modus umschalten.

Der TNG-Blechmann wollte immer und uneingeschränkt ein Mensch sein, interessierte sich für jeden langweiligen Hansel, der sich vor seine Tür verirrte („Es ist sehr interessant, dass Sie ihren Schlüssel suchen. Ist dies eine menschliche Eigenschaft?“), ließ sich mit jedem Gespräch auch noch die dümmsten menschlichen Eigenschaft schönreden und hatte mehr menschliche Hobbys (Malen, Musizieren…) als alle berufstätige Menschen, die ich kenne.

Doch kommen wir nun zu Isaac. Wir wissen fast nichts über diesen Heini. Er hat keine Hobbys, empfindet sich den Menschen als vollkommen überlegen (und sagt das auch ständig), könnte die meiste Zeit in einem Pappkarton „schlafen“ und sieht die Liebelei mit Dr. Finn als interessantes „Projekt“, das man nach drei Tagen abschließen kann, wenn genug Daten gesammelt wurden. Wobei man dieses „Abschließen“ dann auch gerne auf eine komödienhafte Art betreibt (= fleckige Unterwäsche anziehen, um Frau zu verschrecken), weil’s für den Zuschauer lustig ist. Und weil die beratenden Berufsdödel aus dem Kommandostab das für passend hielten.

Sorry, aber wem das hier warmherzig, romantisch und liebenswert erscheint, hat möglicherweise bisher nur Comichefte und Sahnetörtchen geliebt, nicht aber… schnief… richtige Menschen. Wie deeen hier (*Sparkiller reinzerr*). Und ja, ich habe das süßliche Ende sehr wohl vernommen! Doch das roch mir etwas zu sehr nach klassischer Komödien-Formel, wo man beim finalen Kuss auf dem Flughafen schnell abblendet – bevor die Frau merkt, dass Adam Sandlers Figur IMMER NOCH total hirnamputiert ist.

„Gefällt Ihnen meine Erscheinung, Doktor?“ – „Ich weiß nicht, Isaac, es geht hier ja eigentlich darum, dass Äußerlichkeiten nicht wichtig sind und… Ach, weißt du was? Ich find’s hammergeil! Hat deine holografische Hose einen Eingriff?“ – Gesichtsunterricht: Dafür, dass es hier um eine eher intellektuelle Anziehung geht, wird mir fast zu viel Zeit auf Körperlichkeit verwendet.

Konnte ich bei „Datas erste Liebe“ noch verstehen, dass seine Freundin den Androiden sehr schätzt, so fällt dies hier schon sehr viel schwerer. Was auch daran liegt, dass Isaacs „Androiden-Reaktionen“ noch viel heftiger ausfallen als beim großen Vorbild: Nur für den Gag steht der gute „Mann“ beispielsweise nachts mit einem Kuchen vor dem Bett der Doktorin, obwohl ein Crewmitglied durchaus wissen dürfte, dass Quartiere nicht ohne Erlaubnis betreten werden dürfen.

Klar, Isaac lässt es auf der Brücke regnen (was wir jetzt mal nicht weiter kommentieren, vor allem nicht das belustigte Hinnehmen des Captains), recherchiert gewissenhaft alle Vorlieben der Doktorin und überlegt sich sogar einen holographischen Körper. Aber am Ende des Tages kommt das stets als „Projekt“ rüber. Am Anfang der Folge, in der Mitte der Folge – und irgendwie auch am Ende.

Und so konnte mir die Story nicht gaaanz verkaufen, warum Doktor Finn ausgerechnet diese Psychopathen-KI so mochte. Denn Holo-Penis, Klavierstunden und Neugier an menschlichen Interaktionen mal außen vor gelassen: Der Typ ist ein manipulativer, indiskreter, verschlossener, überheblicher, kurzfristig denkender und vielleicht sogar gefährlicher Gesichtsloser (Er soll Daten für seinen Heimatplaneten sammeln und erst dann zurückkommen? Riecht fast nach Invasion!).

Klar findet man seine optische Verwandlung in einen Menschen rührend, aber auch nur deswegen, weil wir uns die fröhliche Doktor Finn ansehen und die Musik so süßlich düdelt.

„Was ich mir gerade im Fernsehen ansehe? MacFarlane-Komödien der 2010-Jahre. Sieht man das nicht?“ – Männerklischees, Die Serie: Bei „The Orville“ hat sich die Menschheit zwar über Geld, Plumpheit und Konsumwünsche weiterentwickelt (siehe letzte Folge), aber wenn’s dem Humor dient, darf alles wieder so aussehen wie in Comicstrips aus dem Jahre 1960.

Vielleicht hätte es sogar geholfen, Isaacs Stimme aus dem Off zu hören, was ja auch bei Data („Datas Tag“) toll geholfen hat? Denn so mancher Satz hätte die Geschichte sicherlich besser gemacht: „Auch wenn ich nicht auf menschliche Interaktion angewiesen bin und dies als kurzfristiges Experiment betrachte, bleibt doch eine gewisse Neugier in mir. So erscheint Doktor Finn von allen Crewmitgliedern am geeignetsten, die Vor- und Nachteile einer eher langfristige Beziehung zu erforschen.“

Aber okay, wir bekamen ja auch noch die schöne, zu 100% von Data geklaute Erklärung mit auf den Weg, dass man Daten „vermissen“ kann, wenn sie erst mal ins System eingegangen sind…

Und ich will nicht verhehlen, dass der umgestoßene Tisch im Restaurant, der Anblick der Unterwäsche und einige andere Momente eher witzig waren. Schlecht war die Geschichte jetzt nicht, aber… sagen wir es mal so: Eine B-Handlung (gerne mit Planeten, Weltraum und so’n Zeug) hätte als zusätzliche Würzung jetzt nicht geschadet. Oder kann man Bortus‘ Abenteuer um seinen Schnurbart schon so bezeichnen?

In jedem Fall mochte ich den Fokus auf klassische Musik, die großen Orchester und die offene Herangehensweise an speziesübergreifende Liebe. – Oder, geliebter Blumentopf-mit-Pflanze-drin? Was meinst du dazu? – Hm… Verstehe. Und wenn ich dir jetzt einen Kuss gebe?


Fazit: Am Ende des Tages kann man alle Kritikpunkte mit den drei Sätzen „Doktor Finn mag halt Arschlöcher“, „Wo die Liebe hinfällt“ und „Ist doch nur eine Komödie, Klapo“ verwerfen. Und das ist auch okay, denn all das STIMMT ja auch. Und langweilig ist es eh schon mal keine Sekunde lang.

Trotzdem weigere ich mich aber, hier gleich „Kult“ zu rufen, nur weil die olle Nummer mit der emotionslernenden Lebensform eine vermeintlich totsichere darstellt.

Hörst, du, MacFarlane? So einfach bin ich nicht zu haben! Da musst du mich schon noch ein bisschen länger umwerben, jawoll! Ihr „Witzigen“ seid doch alle gleich! (*Im Abendkleid aus der Redaktion renn*)

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM
SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Wie ein formschöner Schnurrbart mit Krümeln drin
Was für eine Achterbahnfahrt der Gefühle dieses Wochenende doch war. Auf der einen Seite Discovery, symbolisiert durch einen dunklen Raumschiffkorridor, an dessen Ende Freddy Krueger einen abgesägten Kopf in die Luft hält. Auf der anderen The Orville, repräsentiert durch ein SciFi-Furzkissen mit einem draufgemalten Smiley-Gesicht.

Denn wohlig sorgenfrei ging es bei letzterer Serie auch dieses Mal ab. Bortus malt sich einen Schnurrbart auf die Oberlippe, während Isaac in seine versiffte Unterbuchse furzt. Ein typischer Tag auf der Orville also.
Und, wie sollte es anders sein, auch auf der Enterprise vor bereits 28 Jahren (Wow!), wo Data in der Episode „Datas erste Liebe“ seine erste Liebe kennenlernte. (Top-Arbeit, liebes Sat1-Synchronteam. Top-Arbeit!)

Doch während bei TNG der Romantik-Plot noch Nebensache war, wurde hier das Treiben zwischen Doc und Isaac zur Chefsache erklärt. Nicht mein Ding, aber das Humor- und Gefühl-Potential wurde immerhin ausreichend ausgenutzt. Sorgte doch die „Bier und Unterhose“-Szene sowie das gemeinsame Isaac-Dissen auf der Brücke für ein amüsiertes Kräftig-durch-die-Nase-ausatmen. Auch die ernsteren Momente kamen gut rüber, was die wie immer dolle (und dieses Mal auch mal an TOS erinnernde) Musik noch verstärken konnte.

Ja, das war es für mich dann auch schon. Kurze Kästen = wenig Aufreg, was ja auch irgendwo etwas Gutes ist. Gut, dass große Staunen des Docs über Holo-Isaac mit Gesicht hat mich etwas verwundert. Hat man ja auch nicht erst Gestern in der Zukunft erfunden, diese Technik, oder? Und dass die Existenz eines Gesichts für Finn bereits für unverzügliches Ficki-Ficki ausreicht war vielleicht ein biiiischen oberflächlich von ihr? Müssten sich dann nicht ALLE auf dem Schiff ein wenig Sorgen machen? Und kann ich mir das Gesicht nicht auch mal ausleihen?!?

Fazit: Nach der psychologisch anstrengenden Disco-Folge 2.03 kam Orville mit dieser sanft-anspruchslosen Dating-Comedy gerade richtig und sichert sich dadurch auch einen fetten Bonuspunkt. Für mehr reicht es dann aber doch nicht, so richtig teur… tolle Top-Wertungen gibt es dann nur noch von Autoren, welche Bücher wie „Es lebe Orville!“ verfassen. Aber wer würde solche Leute schon Reviews schreiben lassen, ha-ha-ha!?

Wertung: 6 von 10 Punkten


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von Klapowski am 02.02.19 in Serienkritik

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Kommentare (31)

  1. Klapowski sagt:

    Hut ab, Kollege Sparkiller! Den letzten Scherz musste ich erst mal ein paar Sekunden reifen lassen. Das ist aber schon ein echter Insider-Feinschmecker-Gag. Njam.

  2. Zuse sagt:

    Seth Trek at it’s Best!

    Leicht und flockig, dazu schöne Shots vom Schiff. Das Orchester, das jede Folge super musikalisch untermalt, darf mal mitspielen.

    Dazu eine lustige Nebenhandlung und der Hauptplot stellt Fragen in Richtung Beziehung von Menschen zu KI etc. – und diese richtig gut!

    Wow – Süttler bei Serienjunkies hört endlich auf mit der „Plagiatsauflistung“ und Klapo und Killer hier fangen erst richtig an.

    Verderbt Euch doch nicht selbst das Seth Trek Erlebnis!

    Orville ist gute, alte SciFi-Unterhaltung, eigentlich für das Star Trek Universum angedacht und folgt natürlich alten Denkmustern und Umsetzungen (mit etwas Family Guy untergerührt).

    • Klapowski sagt:

      Ganz ohne „Plagiatsauflistung“ geht es nun mal nicht. MacFarlane ist ein bisschen wie der Bettler an der Straßenecke, der sich für den Spruch „Haben Sie mal einen Teuro?“ feiern lassen will, weil er das lustige „T“ am Ende erfunden hat.

      Ich mag den Seth-Kram ja auch inzwischen, aber die Mischformen machen mir manchmal noch Angst.

      Aber wenn Comedy das (sprichwörtlich) schwerste Metier ist, so ist „Comedy plus Ernst“ wohl noch eine Steigerung davon. Will sagen: Der gute Mann kann nichts dafür, dass es manchmal auch nicht sooo kultig wird. Eine falsche Nuance, ein falscher Satz, ein falsches Klapo-Grundgefühl, und schon es ist WEDER lustig NOCH ernst.

      Dafür, dass er beides meistens noch halbwegs hinbekommt, gebührt ihm in jedem Fall schon mal die höchste Anerkennung.

  3. Zuse sagt:

    Dazu fällt mir eine Simpsons-Folge ein:

    Da wird eingeblendet Plagiamisn – Dazu ein Family Guy Bild.
    Danach Plagiamisn of Plagiamisn – Dazu American Dad.

    Seth klaut sich schon immer durch die Gegend. Ted und 100 Ways to Die … waren doch auch nur zusammengeklauter Spaß.

    Und das letzte Wort eben läßt mich jetzt gerade bei Orville fast jede Abzocke verzeihen. Es macht einfach Spaß, das Zeug zu gucken.

    STD läßt Battlestar Galactica wie einen Vergnügungsdampfer wirken (Ich mochte den Depri-Faktor damals, 12 Mia. Tote sind nunmal für die letzten 50.000 Überlebenden kein Spaßfaktor). Aber das dunkelblau/graue/braune STD läßt einen nur noch abkotzen. Den ganzen Kanon-Schmonz noch dazu.

    Also bei mir jetzt freitags immer erst Orville und gute Laune und dann sehen, was Murxman wieder verzapft hat – leider bei der Orville eine Woche Pause jetzt.

  4. WKT sagt:

    Klar klaut Seth Macfarlane bei allem möglichen. Trotzdem schafft er es immer, das alles irgendwie unterhaltsam zu gestalten. Er ist ein bisschen der Sinatra der Filmbranche; der hat auch nichts selbst geschrieben, aber alles was er gesungen hat war seins. Ich war schon lange vor Orville ein Fan von Seth, aber jetzt verehre ich den guten Mann.

  5. Zuse sagt:

    Ich fand damals seine Oscar-Moderation schon genial (I see Boobs).

    Das Blöde ist, wenn man ihn in Deutsch mit der Family Guy Stimme synchronisiert. Die „echten“ Rollen stellen was Anderes dar als Peter Griffin, aber den habe ich dann meistens dominant im Kopf.

    Ach ja, die Orchester-Sache. Das hatte Seth schon bei den Cartoon-Serien immer griffbereit, soll heißen: Echter frischer Soundtrack pro Folge – wie in A Happy Refrain diesmal sogar sichtbar.

  6. Dario Cueto sagt:

    Man kann ja sagen, dass die Motive alt und „geklaut“ sind. Aber mal ernsthaft, ist nicht immer alles geklaut? Und: Nach über 750 Star Trek Folgen wurde da natürlich alles behandelt, was Science Fiction hergibt. Doch bei der Orville glaube ich zu erkennen, dass da nur die alten Themen nochmal aufgewärmt werden, die für das Hier und Heute Relevanz haben. Hier in der Folge ist es das Leitmotiv „Wie menschlich können KIs werden?“ Wenn wir darüber nachdenken, ob wir Roboter ein paar Jahren in der Altenpflege und andere soziale Bereiche einsetzen wollen, dann muss diese Frage auch einfach mal gestellt werden. Das ist doch das Schöne an der Orville: Die Folgen halten immer wieder auch philosophische Betrachtungsweisen stand und sind dennoch humorvoll und leichte Familienunterhaltung. Dieser Spagat ist heute in der Serienlandschaft einzigartig. Nennt mir mal NUR eine weitere Serie die sowas bietet. Allein das es heute ja sonst kaum Serien gibt, die sich eine ganze Familie anschauen kann, zeigt wie notwendig aus dieser Warte heraus eine Serie wie die Orville ist.

  7. BigBadBorg sagt:

    Ein B-Plot wäre echt gut gewesen, aber macht nichts. War eine solide Folge mit ein paar sehr guten Gags („We must be the weirdest ship in the fleet“).

    Und da ich Isaac und Finn beide mag hat das schon so gepasst, auch wenn ich alle Kritikpunkte nachvollziehen kann. Ich nehme es der Maschine einfach nicht ab dass sich ein paar ihrer Subprogramme so an Madam Doctor gewöhnt haben, das wirkte schon arg konstruiert. Aber anders hätte man die Folge wohl nicht enden lassen können.

    Solide Folge, oder um es anders auszudrücken „im Vergleich zu Discovery ein Meisterwerk“. (Allerdings ist auch die letzte Folge GZSZ im Gegensatz zu Discovery ein Meisterwerk, die scheren sich wenigstens um ihren Kanon)

  8. JP1957 sagt:

    Danke an BBBorg für die Erwähnung des genialen Schlusssatzes („…schrägstes Schiff der Flotte..“).

    Zum Orchesterauftritt, den ich optisch hervorragend fand: Muss man den Dirigenten kennen?

  9. Equi sagt:

    Musik im Planetarium ist schon ne tolle Sache. Aber man stelle sich vor: Orchester vor der geöffneten Luke der Shuttle Bay. Das wäre wirklich nicht zu toppen. Für diese Idee schonmal Daumen nach oben! Darauf kam bei ST bisher keiner. Bei ST STD käme man wahrscheinlich eher auf die Idee die ganze Mannschaft durch die Luke in den Weltraum wirbeln zu lassen, nachdem sie vorher durch die Antriebsdüsen eines Shuttles zermanscht wurde.
    Ich fand die vielen Twists in der Episode sehr unterhaltsam. Die Begründung, warum Isaac sich am Ende doch „verliebt“ war wohlüberlegt. Die ganze Idee „Singing in the Rain“ als Musik einzuführen um an Ende auf der Brücke mit den Sprinklern das Finale hinzukriegen – da kann man schwerlich sagen, das wäre geklaut. Nee, nee, das war ein genialer Einfall. Die Nutzung von Musik in The Orville liebe ich überhaupt.

  10. Serienfan sagt:

    Zukunftia ist einzigartig, und so gesehen ein unschätzbares Juwel im Internet. Das meine ich ernsthaft und ironiefrei.

    Das Spannende ist: Das Niveau von Zukunftia steht im direkten Gegensatz zum Rezensions-Objekt.

    Sprich: Umso blöder, idiotischer ein Film oder eine Serien-Episode, umso geistreicher, witziger, intelligenter ist Zukunftia. Es ist ein Genuss, die Texte zu lesen.

    So gesehen leben wir in für Zukunftia wundervollen Zeiten, denn Filme und Serien befinden sich auf einem beklagenswerten Niveau.

    Nur hat die Sache einen gewaltigen Pferdefuß: Leider gilt das auch umgekehrt. Je großartiger die jeweilige Folge, umso unterirdischer wird das Zukunftia-Niveau, umso banaler die Texte.

    Gut, so ist es halt.

    Allerdings muss ich doch zugeben, dass mich die aktuell hier zur Schau getragene Blindheit für das, was Seth MacFarlane hier an Kulturellem, Emotionalem und Philosophischem erreichen will, doch ein wenig fassungslos macht.

    Dabei lasse ich es mal bewenden, die Versuchung, beleidigende Redewendungen zu zitieren, ist ohnehin kaum zu unterdrücken.

    Allen Plagiats-Jägern möchte ich aber doch ans Herz legen, sich vielleicht zumindest mal das eigentliche Vorbild dieser Episode anzusehen. Das ist nämlich nicht irgendeine eine banale „Star Trek“-Episode, sondern der Filmklassiker „Singin‘ in the Rain“. Dieser farbenfrohe, witzige und zutiefst philosophische Film über den optimistischen Glauben an die tiefere Wahrheit der Illusion ist nämlich die eigentlich Blaupause für „The Orville“.

    • VerwirrterTurnschuh sagt:

      Ich lese zukunftia.de ja nur noch wegen der Beiträge von Serienfan, dir mir manchmal zwar nur zu 90%, meist jedoch zu 110% aus der Film- und Fernsehbetrachterseele sprechen (das geschundene Trekkieherz gar nicht zu erwähnen).

      So auch hier. Unterirdisches wird in den Himmel verrissen, richtig verdammt Gutes aber oft und gern wirklich nicht mal erkannt. Und zwar in aller Ehrlichkeit nicht. Denn natürlich macht es mehr teuflischen Spaß, einen Veriss als ein Liebeslied zu schreiben/esen.

      Dass der sehr geschätzte Hauptreszensent dieser Halbschatten-Oase sogar einst Star Trek II als eine Art sentimental-überschätzen Schmonzes abtat, habe ich noch immer nicht verziehen. Akutell tritt bei Orville die schon bestaunenswerte Ignoranz wieder überprächtig zutage.

      Immerhin erkennt (auch) er die Substanz, wenn nicht Witz deiner Beiträge. Ein zarter Trost in harten Zeiten …

    • Klapowski sagt:

      Moment, das muss ich mir notieren:

      – Alle Kritikpunkte zu Discovery AUSFÜHRLICH niederschreiben, aber die von Orville nicht mal kurz erwähnen.

      – Mehr das bewerten, was MacFarlane „kulturell erreichen will“. Also im Zweifel immer GUT bewerten!

      Nein, im Ernst, sooo geht das natürlich nicht…

      Trotzdem kann man auf jeden Fall eines ganz sicher festhalten:

      „Orville“ hat geschafft, dass alle üblichen Nörgelpeter – teilweise auch ich! – bei dieser Mischung an Flachwitzen (= Android in Unterhose) und sogenannter „Tiefgründigkeit“ (= Android stellt kitschigen Regen-Film nach) alle internen Logik- und Prüf-Mechanismen zur seligen Bettruhe fahren lassen.

      Wo man bei Disco nach Herzenslust darüber diskutieren kann, warum die Beziehung der beiden aktuellen (Halb-)Klingonen gar nicht funktionieren KANN, muss man hier automatisch davon ausgehen, dass das inhaltlich/psychologisch schon alles so passt. Halt wegen … Gründen!

      Wie der gute Seth das derzeit macht, erfüllt mich mit tiefer Ehrfurcht vor seinen Gehirnwäsche-Fähigkeiten.

      Plötzlich zählt dann nur noch die Story-Absicht (= irgendwie trekkig soll es sein, tolerant und warmherzig), aber nicht, ob die Figuren jetzt nachvollziehbar handeln.

      Da wird mal schnell eine Beziehung angefangen, die auf dem reinen Intellekt von jemanden basiert, bevor es dann ruckizucki in eine seeehr körperliche Ecke geht. Danach ist Frau Doktor plötzlich überrascht, dass der gefühllose(!) Roboter sich total gefühllos und eigennützig benimmt. Und dieser zudem noch ein paar Klischees aus Komödien der 90er bedient, die nicht recht in eine TNG-ähnliche Utopie passen wollen. – Das alles sind durchaus Dinge, über die man in einer Rezension sprechen darf.

      Dass wir das hier aber mit keinem Wort tun, ist schade. Denn es würde mich ja durchaus interessieren, was ich da Woche an Woche an tiefenpsychologischen Tiefsinnigkeiten verpasse. Sogar noch mehr als den Sinn (oder Unsinn) von Zukunftia.de.

      Ansonsten galt schon immer: Unsere Reviews sind „besser“, je mehr sie die Meinung der Leser treffen. Schade nur, dass das bei ein paar hundert Lesern rein mathematisch immer etwas eng wird.

    • Serienfan sagt:

      Wenn man schon im Vorfeld als gehirngewaschener MacFarlane-Fanboy vorverurteilt wird, ist das natürlich wenig einladend.

      Aber da ja dennoch angebliches „Interesse“ an meiner Meinung bekundet wird: Es hat mich noch selten jemand nach meiner Meinung gefragt, ohne sie zu bekommen (und noch seltener ohne die Frage zu bereuen :-) ).

      Die größte Tragik für „The Orville“ ist, dass die Serie ständig mit „Discovery“ in Verbindung gebracht wird. Die Unterstellung, man würde einer Serie Elemente durchgehen lassen, einer anderen nicht, sind müßig zu entkräften.

      Wenn John und Gordon zur Brücke hetzen, um den neuesten Schiffs-Tratsch zu verbreiten, kann ich mich damit sehr gut identifizieren. Bei dem albernen Getue von Tilly kann ich das nicht. Wenn das als Beweisführung reicht, erkenne ich mich schuldig.

      Ich habe immer versucht zu erklären, dass „The Orville“ sich mit seiner hellen Verspieltheit einen ganz anderen Rahmen gegeben hat, in dem sich die Serie auch andere Möglichkeiten erlauben darf. In „Xena“ kann ich mir eine Musical-Folge vorstellen. In „Game of Thrones“ kann ich mir das eben nicht vorstellen. Bin ich nun ungerecht gegenüber „Game of Thrones“?

      Ich will mich gar nicht groß verteidigen. Wenn bei „Discovery“ gefühlt 90 Prozent aller Dialoge geflüstert mit glasig-tränigen Augen geführt werden, um mir zu zeigen, wie „deep“ die Serie ist, dann mag es tatsächlich an meiner Voreingenommenheit liegen, wenn diese Szenen bei mir nicht den gewünschten Effekt haben.

      Du sagst, Claires Verhalten sei unnachvollziehbar.

      Ich habe die Folge nun viermal gesehen, und in wirklich keiner einzigen Szene empfand ich das so.

      Die Serie hat sich viel Zeit gelassen, die Annäherung zwischen Claire und Isaac in vorherigen Folgen vorzubereiten. Claire hadert mit sich, und dann ist es ein erstes Date, das aber nicht gut läuft. Danach möchte sie es beenden. All das ist in einem Rahmen, den ich verstehen kann. Auch wie sie darüber mit Kelly spricht, wie sie sich sehr wohl selbst analysiert, am Ende läuft es auf ein für mich nachvollziehbares „versuchen wir es doch einfach“ hinaus.

      Wie du dabei auf die Idee kommst, die Botschaft sei gewesen, dass das „körperliche“ nicht wichtig sei, verstehe ich nicht. Kelly kommt sofort darauf zu sprechen (was mir gefiel). Claire sagt, sie habe darüber noch nicht nachgedacht. Doch sie erkennt sehr schnell, und zwar nach dem ersten Date, dass das Körperliche sehr wohl fehlt. Das erste Date geht auf emotionaler Ebene in die Hose. Claire sieht nun plötzlich gar keine Gemeinsamkeiten mehr, weder emotionale noch körperliche, daher ihr Satz „ich kann dich nicht einmal küssen“.

      Nur stellt sich heraus, dass die körperliche Barriere sehr einfach zu lösen ist, und zwar auf technische Weise. Und über das körperliche empfindet Claire auch eine emotionale Verbundenheit. Gefällt mir! Die oft vollzogene Trennung zwischen Körperlichem und Geistigem habe ich nie verstanden. Ich finde es gut, dass die Folge keinen Hehl daraus macht, dass beides verschmilzt.

      Danach will Isaac die Beziehung beenden, weil es für ihn nichts mehr Neues zu entdecken gibt, was ich als sehr gelungene Parabel auf die Befriedigung durch One-Night-Stands sehe. Auf Johns Rat hin will er Claire vergraulen, was sie aber sofort durchschaut. Was ist da unnachvollziehbar? Claire verhält sich hier sehr intelligent. Dass sie dennoch verletzt ist, kann ich ebenfalls nachvollziehen. Natürlich sind nun ihre Gefühle verletzt, nachdem sie sich geöffnet hat. Aber sie sagt zu ihm, dass er nichts dafür kann. „Deswegen hasse ich Sie auch nicht.“ Aber sie will dennoch so wenig freie Zeit wie möglich mit ihm verbringen. Unnachvollziehbar?

      Und am Ende kommt diese wunderbare Szene in Anspielung auf „Singin‘ in the Rain“. Darin gibt es eine Szene, in der Gene Kelly seine Liebe gestehen will. Dafür aktiviert er auf einer Studio-Bühne alle Scheinwerfer, und die Windmaschine. Erst im Rahmen dieser Illusion kann er der Frau sagen, was er empfindet. Das gleiche tut Isaac, indem er die Brücke der Orville zu einer Bühne umwandelt.

      Hier geht es doch um ganz fundamentale Fragen: Ist die Beziehung zwischen Claire und Isaac eine Illusion? Machen sich beide etwas vor? Oder liegt nicht die Wahrheit stets in der Illusion?

      Der Film „Singin‘ in the Rain“ ist farbenfroh, unglaublich witzig, vergnüglich, aber er stellt genau diese philosophischen Fragen. In „Singin‘ in the Rain“ geht es um die Macht der Illusion, aber auch um den Blick hinter die Illusion. Beides tut diese Episode, indem sie uns zum Beispiel das Soundtrack-Orchester und die wahren Schauspieler von Isaac und Yaphit „sichtbar“ macht.

      In der jüngsten Folge erzeugt Isaac von sich eine Illusion. Er wird zum Menschen. Dieser Mensch wird aber von dem tatsächlichen Schauspieler verkörpert. Was also sehen wir hier? Eine Illusion? Oder die „eigentliche“ Wahrheit?

      Und jeder kann sich fragen: Führt hier die Illusion zu einer tieferen Wahrheit? Oder wird sich Claire im Grunde stets etwas vormachen? Ist die Vereinigung zweier Individuen nicht generell eine Illusion?

      Seth MacFarlane fühlt sich weniger der „Next Generation“ als großen Film-Klassikern verpflichtet, die mit viel Musik, Tanz und Lebensfreude doch zugleich die großen Fragen des Lebens behandelten. Und ihm ist es gelungen, mit „A Happy Refrain“ eine inhaltsstarke und bis ins kleinste durchkomponierte Episode über die Macht der Illusion, die verbindende Kraft der Musik und über die Wahrheit hinter dem Vorhang zu liefern, ohne dabei auf irgendeine Form von Leichtigkeit zu verzichten.

      Das scheint auch das Thema der Staffel zu sein. Ein simulierter Stern führt für die Regorianer zu einer neuen „Wahrheit“, nämlich ein neuer Blick auf die Giliac. Eine weibliche Krill gibt sich als Mercers Geliebte aus, und rettet ihm dann mehrfach das Leben; indem Mercer an der Illusion festhält, macht er sie zur positiven Wahrheit.

    • Equi sagt:

      Serienfan, das hast Du wunderbar zusammengefasst und begründet! TO: Real vielschichtig vs. STSTD: aufgeblasen düster – in meinen Worten.

    • Klapowski sagt:

      Na, DAS nenne ich doch mal eine Kritik.

      Für mich vielleicht zu wenig zynisch und kritisch, aber diese Sichtweise kann ich durchaus verstehen. Natürlich teile nicht alles… Für mich ist vieles eben einfach drin, weil es witzig, optisch interessant oder einfach nur bequem ist. Und nicht, weil es schlau ist.

      So hätte ich es mutiger gefunden, das ganze Ding etwas offener enden zu lassen, um zu zeigen, dass diese Mensch/Maschine-Kluft doch deutlich größer ist. Es muss ja nun nicht alles wie eine 30-minütige Tralala-Komödie enden, oder? – Gerade nicht bei einem (theoretisch) so schwierigen Thema.

      Die Regenszene fand ich z.B. sehr manipulativ. Auch dem Zuschauer gegenüber, der nur allzugerne auf den Schmonzes reinfallen will. ABER: Isaac hat halt nur „zugehört“ (= Regen für Doktor Finn gut!) und das dann logisch umgesetzt. Oder sich für die einfachsten Dinge erneut einen Rat geholt.

      Aber er ist und bleibt halt eine KI. Nur, weil er die Brücke flutet, hat er nicht plötzlich Gefühle, ist er nicht plötzlich verliebt, wie Menschen es wären. Er will keinen Sex (warum auch?), will auch bisher kein Mensch sein und „leidet“ höchstens, weil er sich neuerdings mal wegen der neuen „Beziehungs-Bytes“ verrechnet.

      Und gerade diese Komplexität von künstlichen, simulierten und realen Gefühlen fehlt mir bei der derzeitigen SF generell. Da bog nur der letzte „Blade Runner“ halbwegs in eine tiefgründige Richtung ein…

      Bei Folgen wie diesen reicht schon EINE filmreiche Entscheidung, EIN Gespräch mit einem Menschen oder ein PAAR schlaue Dialogsätze… Und schon sind alle Androiden mit einem nasepopelnden Biertrinker gleichzusetzen – von der Erde natürlich. Von wo auch sonst?

      Jahrhunderte alte Maschinenintelligenz, für die unsere Sexualität einfach nur triebgesteuerter Blödsinn sein kann, wird dann vom Tisch gewischt, weil ein Mensch sich – mehr oder weniger sinnvoll – zu einem Blechkameraden hingezogen fühlt. Und weil der Autor und das Publikum das gemeinhin rührend findet.

      Schon beim Holodoc auf der Voyager bekam ich förmlich Anfälle, dass der Doc nur behaupten musste, sich weiterentwickelt zu haben. Und alle irgendwann einfach nur nickten und ihm das abnahmen. Sogar Affen setzt man hundertfach vor einen Spiegel, um ihre Selbsterkenntnis immer wieder neu zu testen. Doch einer SF-Serie fällt etwas ähnliches leider nicht mal ein. Und damit meine ich nicht nur „The Orville“.

      Man stelle sich mal vor, Doktor Finn hätte sich in die Welt von Isaac versetzen müssen, damit sie sich auch mal auf SEINE Weise vereinen. Stundenlange Fließkommaberechnungen, Graviationswellenanalysen und saugeile Algorithmen…

      Ihr versteht schon, worauf ich hinaus will: Am Ende ist halt doch nur der Mensch (bzw. die weibliche Lust) der Nabel der MacFarlane-Welt. Und wenn wir das total weise und geil finden, dann nur, weil wir am Ende nur UNS selbst gespiegelt haben wollen. Und keine total absurde SF-Lebensform. Und ja: Das hat selbst TNG schon besser gemacht.

      Äh, soll ich nicht doch wieder „banale Texte“ schreiben, wie weiter oben von dir erwähnt? Wäre für uns beide doch entspannender als DAS hier?

    • Serienfan sagt:

      Banales sollte man nie schreiben „wollen“. Zukunftia sehe ich wie „The Orville“. Der Rahmen ist gesteckt. Abgefahrener Humor schließt Ernsthaftigkeit keineswegs aus.

      Nur Banalität, das geht gar nicht.

      Der Begriff „manipulativ“ erscheint mir übrigens im Zusammenhang mit Filmen generell witzlos. ALLES ist in Filmen „manipulativ“. (Ein ähnlicher hohler Begriff ist „verherrlichend“, oft vermischt mit Krieg oder Gewalt. Film „verherrlicht“ alles, vom Tod bis hin zu Geburtsszenen.)

      Aber ich lasse mich auf die Frage natürlich ein, die ich wie folgt umformulieren möchte: Ist diese Szene, als Isaac es auf der Brücke regnen lässt, nur ein billiger (Lach-)Effekt, oder hat diese Szene eine darüber hinausgehende Bedeutung.

      Für mich hat sie sogar mehrere Bedeutungen. Sie definiert natürlich auch die Art der Serie an sich, denn eine solche Sequenz wäre in der „Next Generation“ kaum möglich gewesen. „The Orville“ hat sich aber durch seinen Humor den Rahmen für eine solche Szene geschaffen.

      Hier steht aber der Regen für die gesamte Botschaft der Episode.

      Wichtig ist dabei, was der Regen für Claire bedeutet. Bei dem ersten Date erzählt sie, dass sie den Regen auf der Erde vermisst, dass aber der simulierte Regen auf sie nicht die gleiche Wirkung hat.

      Das sind zwei wichtige Aussagen. Jemand, der den Regen liebt, sagt damit aus, dass er sich vom Durchschnitt abhebt, dass er etwas Reizvolles in etwas sehen kann, das andere eher unangenehm oder lästig finden. Das zeigt, dass Claire einen anderen Blick auf die Realität hat als die meisten Menschen.

      Zugleich lehnt Claire aber die reine Simulation ab.

      Das ist natürlich spannend, weil Isaac ja Gefühle nur simulieren kann.

      Als es Isaac am Ende regnen lässt, ist das zugleich eine Aufforderung an Claire, sich auf etwas Künstliches einzulassen. Die Idee dahinter ist, dass in jeder Simulation auch etwas „Reales“ steckt. Deswegen zeigt uns Seth MacFarlane in dieser Folge gleich mehrfach die realen Schauspieler, die sonst hinter Masken verborgen oder gar nicht zu sehen sind, und er zeigt uns das ansonsten unsichtbare, reale Soundtrack-Orchester.

      In dem (diesmal besonders jämmerlichen) Kommentarbereich von Serienjunkies wurde behauptet, hier würde sich nur Isaac verstellen, um der perfekte Liebhaber für Claire zu werden. In Wahrheit aber ist das Ende ein großer Schritt für Claire, sich auf einen künstlichen Regen einzulassen und den Versuch zu wagen, das Authentische in der Simulation zu finden.

      Am Ende sagt Isaac erstmals etwas Authentisches. Und das tut er im Rahmen eines künstlich erzeugten Regens. Es ist eine Aussage wie: So viel Echtheit steckt in diesem Regen, das kann ich anbieten.

      Ich finde das spannend, vor allem wenn im Kino so ein Dreck wie „Ready Player One“ läuft, der sein Publikum mit einem geradezu lachhaft banalen Geschwafel wie „nur das Reale ist real“ noch weiter verblöden möchte. (Als ob in Athen nicht schon genug Eulen wären.) Seth MacFarlane hat hier einen völlig anderen Ansatz. Der Regen ist für einen Verliebten etwas anderes als für andere. Die Realität bestimmen wir mit unserer Betrachtungsweise. Wir können mit unserem Optimismus eine neue Realität schaffen.

      Man darf ausschließen, dass die Geschichte hier endet. Es wird vielleicht Konflikte mit Claires Sohn Marcus geben. Es wird vielleicht doch noch neue Krisen geben. Oder es geht in eine völlig andere Richtung. Eine Folge, die auf Isaacs Planeten spielt, soll ja in jedem Fall noch kommen. Ich würde hier sogar eine Hochzeit nicht ausschließen.

      Und genau diese Unberechenbarkeit ist das Schöne an „The Orville“.

      Bei „Star Trek“ gab es diese Unberechenbarkeit in dieser Form schlichtweg nicht, was sich ja gerade an der eher schwachen Folge „In Theory“ zeigt. Die sehe ich auch nicht als „Vorlage“ für die Episode, sondern als eine weitere, aber völlig witzlose Variante des klassischen Science-Fiction-Themas des Menschen im Bezug zu einer künstlichen Intelligenz.

      Den Holodoc fand ich übrigens bei Weitem spannender als Data. Data hatte ja eindeutig ein Bewusstsein. Er hatte nur keine Emotionen, das heißt, er konnte sinnliche Eindrücke nicht mit körperlichen Reaktionen verbinden. Der Holodoc aber ist die Simulation eines Menschen, im Grunde ist er wie ein NPC in einem Videospiel. Beim Holodoc ging es um die spannende Frage, ob ich nicht dort Reales unterstellen muss, wo ich die Simulation nicht mehr von der Realität unterscheiden kann. Wenn der Doctor die perfekte Simulation einer realen Person ist, warum sollte man ihn dann nicht wie eine reale Person behandeln?

    • Sparkiller sagt:

      „mal das eigentliche Vorbild dieser Episode anzusehen. Das ist nämlich nicht irgendeine eine banale „Star Trek“-Episode“

      Gut, man kann sich alle Ereignisse der Orville-Folge natürlich schön interpretieren. („Die versteckte Unterstützung Isaacs durch LaMarr ist ohne jeden Zweifel eine Anspielung auf ‚Cyrano de Bergerac‘, wo der namengebende Charakter seinem Freund Christian umschmeichelnde Worte zuflüstert, um das Herz von Roxanne zu gewinnen. Mensch, dieser Seth. Einfach genial!“)

      Und hier einmal der Vergleich zwischen „Refrain“ und der banalen TNG-Folge:

      https://www.youtube.com/watch?v=kfoLq4V2eWI

    • Klapowski sagt:

      Hey, das ist sich ja NOCH ähnlicher, als ich es in Erinnerung hatte.

      Nur halt ernsthafter, origineller (da selbst erfunden) und glaubwürdiger. Schade. Aber nicht schlimm, die nächste Seth-Folge wird bestimmt wieder gut…

      HEY, einen Moment mal! Diese hier haben wir ja schon quasi GUT bewertet! Mann, sind der Sparki und der Klapo immer nett!

    • Sparkiller sagt:

      Nicht zu vergessen die Nebenhandlung, in welcher Picard ein Toupet ausprobiert und alle Kritiker herausfordernd anstarrt.

      https://i.imgur.com/eGuQyEm.jpg

    • Equi sagt:

      Ich finde die Ähnlichkeiten sind eben nicht so groß wie uns das der Zusammenschnitt glauben machen will:
      – Data „verliebt“ sich „absichtlich“ indem er sein Programm ändert. Isaac stellt fest, dass sich seine Algorithmen selbständig gemacht haben und er sich „ungeplant“ und „unabsichtlich“ verliebt hat. Das ist doch ein gewaltiger Unterschied. Wahre Liebe sozusagen.
      – Am Ende gelingt die Romanze
      – Das große Orchester spielt in der geöffneten Shuttlebay – ich finde das immer noch genial. Kein Vergleich zur „spießigen“ Hausmusik bei TNG
      – Isaac nimmt für Doktor Finn eine menschliche Gestalt an – natürlich nur im Holodeck, auch das ein Twist den TNG nicht hatte
      – Die romatische Idee mit Singing in the Rain setzt nochmal eines oben drauf
      – Die lustige Reaktion der Crew … das kann man so nur überzeugend bei TO bringen

      Also, wer Ähnlichkeiten zwischen 2 Folgen sieht, in der sich 2 Personen verlieben sollte nicht überrascht sein.
      Die Details sind trotzdem deutlich unterschiedlich.

      Die Tatsache, dass wir hier diskutieren, ob eine gute Star Trek Folge besser als eine gute The Orville Folge ist oder nicht – das ist doch ein Ereignis, das man wirklich mal feiern sollte. Es gibt eine Serie, die sich zu einem würdigen Nachfolger entwickelt. Es wird ganz großartig…

    • Serienfan sagt:

      Nicht zu vergessen: Seth MacFarlane hat natürlich nur deshalb bei dieser Folge Regie geführt, weil bei der großen „Next Gen“-Vorlage damals Patrick Stewart Regie geführt hat.

      Der größte Unterschied ist halt nun einmal, dass die TNG-Folge dort versagt, wo „The Orville“ erfolgreich war. Das fängt schon bei den dürftigen Motiven an, weshalb Ensign D’Sora überhaupt eine Beziehung mit Data beginnen will.

      Auch die Dialoge sind dann doch eher dünn. Data betont mehrfach, dass er seine Kleidung immer nach Art und Farbton sortiert (was angesichts der Tatsache, dass Data NIE etwas anderes als seine Uniform trägt, nicht einmal hier bei der Verabredung oder wenn er im Orchester spielt, ohnehin wenig beeindruckt). Data beginnt immer, wenn er in D’Soras Quartier ist, damit, aufzuräumen, weil Androiden sowas halt angeblich tun.

      Auch die SF-Nebenhandlung, in welcher Picard dann die Enterprise über ein Shuttle steuern muss, ist eher witzlos. Da gefällt mir der Ansatz von „The Orville“ besser, einfach mal auf einen SF-Plot zu verzichten.

  11. JP1957 sagt:

    Herrlich, wie Serienfan und Klapowski sich hier beharken.
    Herrlich, wie ernst ihr beide eine Serie,diese Serie nehmt.

    McFarlane hätte seine Freude dabei (oder würde er sich einen ablachen?)

    Macht bloß weiter so!!!

    • Klapowski sagt:

      Auf jeden Fall ist es unterhaltsamer, als Klingonen beim Wattebäuschekauen zuzuhören, möchte ich behaupten.

      Aber gewöhnt euch nicht dran; wir müssen ja irgendwann auch mal „arbeiten“.

      (*Webseite mit aktuellen Kurtzman-Gerüchten aufmach*)

    • Serienfan sagt:

      @JP1957: „Beharken“ halte ich für einen übertriebenen Begriff für einen normalen Meinungsaustausch.

      So ernst, wie MacFarlane eindeutig seine Serie nimmt, würde er ganz sicher nicht lachen.

      Und so sehr mir „The Orville“ Spaß macht, so lohnt es sich, diese Serie Ernst zu nehmen und sich im Detail mit ihr auseinanderzusetzen. Das ist für mich nichts, wo der Spaß aufhört, da fängt er für mich erst an.

      An dieser Stelle kommt meist – so sicher wie das Amen in der Kirche – der Einwand: „Aber es will doch nur unterhalten.“ Das ist aber doch genau der Punkt, dass es doch gerade überhaupt nicht unterhaltend ist, wenn eine Serie einem näheren Blick nichts zu bieten hat.

      Und so ist es freilich bei „Discovery“. Das einzige, was ich der letzten Disco-Folge an Substanziellem zuerkennen kann, ist der Umstand, dass sich die Autoren offenbar mit der berechtigten Frage auseinandersetzen, weshalb eigentlich Spocks menschliche Mutter Amanda nie irgendeinen Einfluss auf Spocks Erziehung genommen hat und weshalb sich Amanda nicht mehr dafür eingesetzt hat, dass sich Spocks menschliche Hälfte entsprechend entwickelt. Ich fürchte aber nur (ja, ich bin voreingenommen), dass die Autoren mir hier eine Antwort liefern werden, die tief im Bereich des Schwachsinns angesiedelt sein wird.

      Würde ich „Discovery“ auch nur ansatzweise so Ernst nehmen wie „The Orville“, würde ich wahrscheinlich in kürzester Zeit glauben, dass jene, die von der Notwendigkeit von Exorzismen ausgehen, so falsch offenbar doch nicht liegen. Ob darüber dann ein Kurtzman lachen würde, weiß ich nicht.

    • VerwirrterTurnschuh sagt:

      Anhand von STD und TO lässt sich durchaus schön demonstrieren, wie „Unterhaltung“ aussieht, wenn die Macher mal ein „ist ja eh nur“ oder ein „wir wollen gute“ davorsetzen.

      JP1957, du würdest dich wundern, wenn du wüsstest, wie ernst große Unterhaltungskünstler (im weitesten Sinne, in jedem Genre und Medium) ihre Profession nehmen. Und welche Freude und Ehre es für ebenjene ist, wird der Wert ihrer „Arbeit“ (die nie so wirken soll) vom Publikum erkannt und geschätzt.

      Und überhaupt: Wie leer wär das Leben, wenn sogar (!) die Unterhaltung noch leerer daherkäme!

    • G.G.Hoffmann sagt:

      „Das ist aber doch genau der Punkt, dass es doch gerade überhaupt nicht unterhaltend ist, wenn eine Serie einem näheren Blick nichts zu bieten hat.“

      Da möchte ich widersprechen. „The Orville“ entzieht sich meines Erachtens einer ernsthaften Analyse mit Maßstäben wie man sie – natürlich ebenfalls nur spaßeshalber – an Star Wars oder Star Trek anlegen mag, weil viele Szenarien bewusst absurd sind und die Serie zwar eine Verbeugung vor TNG, aber letztlich doch nur eine Komödie ist.

      Das erschwert eine zukunftiamässige Rezension, weil es naturgemäß leichter ist, eine Serie sarkastisch zu verreißen, die sich selbst ernst nimmt, aber unfreiwillig komisch ist, als eine Parodie, die jede ernste Situation selbst mit einem Gag auflockert.

      Ich fühle mich von „The Orville“ bestens unterhalten, mache mir über die einzelnen Episoden aber keine tieferen Gedanken. Die Serie ist für mein Empfinden am ehesten vergleichbar mit „Galaxy Quest“; immer wieder lustig anzusehen, aber kein Gegenstand ernsthafter Betrachtung – außer vielleicht im Hinblick auf das Ausfindigmachen der parodistischen Elemente.

  12. JP1957 sagt:

    Ich habe letzte Woche Bully Herbig in einem Filmgespräch vor 200 Schülern live erlebt und fand deine Aussage bestätigt.
    Ich kenne Farlane aber nicht genug, um einzuschätzen, ob er tatsächlich ein „großer Unterhaltungskünstler“ ist und die Szenen, die hier diskutiert wurden, tasächlich so viele Bedeutungsebenen aufweisen.

    Nichtsdestotrotz ist es wahrscheinlich schon ein Qualitätsmerkmal, wenn sich so intensiv über eine Folge diskutieren lässt.

  13. bergh60 sagt:

    tach auch !

    Ich behaupte ja Klapo (und ein wenig Sparki) haben das Firefly Syndrom.
    Wie GGH oben andeutete ist es leichter etwas schlechtes, bemühtes, unfreiwillig komisches usw. satirisch auseinander zu nehmen, als etwas Gutes.

    STD ist eher das Erstere und The Orville eher gut und eben besserer Trek als Trek selber.
    Auch bei Firefly fiel es Klapo eher schwer dazu im gewohnten Stil etwas zu schreiben.
    Firefly war eher gut , genauso wie The Orville.
    Natürlich kann man über die Schwächen herziehen, wenn es denn ausreichend davon gibt.

    Ich fand die Folge eher auch so 5-6 von 10,
    da eine Romanze zwischen einem Cpomputer und einer charmanten Lady nicht so in mein Weltbild passte.
    Data war eben ein Android (Definition : Nachgebauter Mensch).
    Isaac ist das eben nicht. (so)

    Ansonsten ist die Diskussion hier seit langem mal wieder auf einem Niveau,
    das es eine Freude ist.
    Gruß BergH

  14. Anonymus (Bosch) sagt:

    Zwei kurze Anmerkungen noch meinerseits:

    1. Was ich, im naheliegenden Vergleich zur TNG Folge, erwähnenswert fand, ist der umgedrehte Fokus. erzählt wird eben nicht aus Androidenperspektive wie damals, sondern vom Doktor aus (was immer das bedeuten mag.

    2. bin ich mir nicht sicher, ob das Orchester auch für die anderen Folgen den Soundtrack eingespielt hat (kann durchaus sein), weiß dafür aber, dass es sich beim im Abspann zu lesenden „John Wilson Orchestra“ um das wohl großartigste und professionellste Ensemble für Filmmusik der Welt handelt. Spezialisiert auf den Sound der alten Hollywoodorchestren sind die schon seit mindestens einem Jahrzehnt regelmässig auch bei den britischen Proms mit einem Konzert vertreten, und dort übrigens auch schon mit McFarlane als Sänger zu hören gewesen… Und ratet mal, welches Stück er da (u.A.) gesungen hat??? ;-)
    https://www.youtube.com/watch?v=kcGhw504jw4

    • Serienfan sagt:

      Ja, dieses Orchester kommt stets bei „The Orville“ zum Einsatz.

      Sie werden wohl auch den Soundtrack zu Episode 9 (Star Wars) einspielen.

      Jon Cassar, der auch den in einer Woche beginnenden Zweiteiler inszeniert hat, hat in einem Interview mit dem „Planetary Union Network Podcast“ bestätigt, dass er zurzeit keine Serienproduktion kennt, die so viel Aufwand bei der Produktion von Soundtracks betreibt wie „The Orville“. (Was natürlich so manch Unbelehrbare nicht von ihrer Überzeugung abbringen wird, „The Orville“ sei eine „recht billig produzierte Parodie“.)

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