Film- und Serienkritiken

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„Ready Player One“ – Das Review aus den 80ern.

Oh, dieses Ready Player One! Sooo viele popkulturelle Anspielungen, die einem den Film versüßen, wenn man schon nicht den schmackhaften Nektar einer tiefgründigen Geschichte naschen darf! Und wisst ihr was? Das ist für mich auch vollkommen okay, denn wenn ich einen inhaltlich guten Steven-Spielberg-Film sehen möchte, baue ich mir eine verdammte Zeitmaschine, statt im Jahr 2XXX ins Kino (oder auf die 99-Cent-Aktion bei Amazon Prime) zu gehen.

Inhalt: Den virtuellen Vergnügungspark namens „Oasis“ wird derjenige erben, der die Easter-Eggs des verstorbenen Erschaffers entschlüsselt. Doch das wollen auch die Bösen, weswegen ein Junge namens Heldi McHeldenstein ganz schön viel rumrennen muss.

Endlich mal keiner dieser generischen BLockbuster-Filme, die man nach 10 Minuten schon wieder vergess… – WAH! Wo bin ich? Was reviewe ich hier?!

Besprechung:

Diese Retro-Nummer mit bekannten Franchises ist wirklich toll gelungen!

Da wären zum Beispiel die krassen Star Trek-Bezüge… nicht. Oder diese tollen Verweise auf Phänomene wie Star Wars… nicht. Und da wäre da noch ganz viel von den Ghostbusters, das weggelassen wurde. Aber gut, das sind womöglich Dinge, die lizenzmäßig nicht zu bezahlen waren? Ja, zugegeben, “Raumschiff Galactica”, “Breakfast Club” und “Ferris macht blau” werden aufgrund einer reflexhaften Dialog-Zuckung kurz erwähnt, aber das sind für mich keine Franchises, die man in einem Millionen-Dollar-Quiz der Marke “Nennen Sie die 10 bekanntesten 80er-Kulte” nennen würde. Es sei denn, man steht nicht so aufs Gewinnen…

Im Ernst: DAS war die hochgejubelte, hochkritisierte Abfeierung von popkulturelle Ikonen der 80er – inklusive Dinge aus dem Games-Bereich? Wir sehen kein Super Mario, kein Tetris, keine B-Klassen-Kultserie wie “McGyver”, “A-Team”, “Zurück in die Vergangenheit” oder “Schrecklich nette Familie”… Stattdessen werden wir mit “Mega-Godzilla” erfreut – nur echt aus der Untersekte fehlgeleiteter Asia-Nerds. Oder aber mit dem “Giganten aus dem All”, DEM absoluten Kultfilm für Leute, die alle anderen 200 Kultfilme (“Gremlins”?) bereits genannt haben. Quasi 80er-Jahre-Nostalgie für Leute, bei denen erst in den 2000ern die Krankheit ADHS diagnostiziert wurde.

Mein Problem mit dem Film ist: Statt irgendwelche coolen Ballerspiele/-filme/-autorennen zu sehen, hätte ich lieber gesehen, wie die Hauptfiguren die Fallen in „Kevin allein zu Haus“ umgehen, während sie auf der Unterseite des „Weißen Hais“ einen weiteren Hinweis finden. Aber so einfallsreich ist „Ready Player One“ nicht. Trotz aller Vorlagen setzt er nämlich nur auf Massenschlachten, Autorennen und Schusswechsel. Statt zum Beispiel über den toten Körper einer „Alien“-Queen zu flüchten („Wah, war das in den Filmen auch so glitschig?“), sehen wir in einer Szene nur ein Baby-Alien als Handpuppe.

Da hätte man für den selben Retro-Effekt auch 10 DVD-Cover in die Kamera halten können…

„Sie haben uns erwischt! Was sollen wir tun?“ – „Was hältst du davon, wenn wir dreizehn unbekannte Kinderserien zitieren? Und dabei langsam mit dem Laufen beginnen?“ – Nicht gerade der Renner: Wirklich spannend ist keine einzige Szene des Films. Sollte es also jemals eine reale Oasis geben, so wird man „Ready Player One“ dort wohl nur erwähnen, wenn die Hälfte von IMDB schon durchzitiert wurde.

Okay, wirklich nett war das “(Er)Scheinen” von Kubricks “Shining”. Wobei man aber getrost vergessen kann, was einer der Nebenfiguren dazu pflichtschuldig anbrachte: “Der war sooo gruselig, da musste ich mir die Augen zuhalten.” – Klar, wer 2035 auf einem ultimativen Holodeck rumspazieren kann, fängt bei 50 Jahre alten 2D-Filmen naturgemäß das Flennen an. Aber gut, so könnte Spielberg wenigstens einen Film seiner Ikone Stanley Kubrick unterbringen, nachdem er seine eigenen(!) einfach mal außen vor gelassen hat: Ich erspähte weit und breit kein “E.T.”, kein “Indiana Jones”, keine “Goonies” und nicht mal den amüsanten Teeniefilm „Schindlers Liste“.

Dass ich hier so sehr auf dem fehlenden Kultinhalt rumhacke, hat übrigens einen Grund: Die Geschichte ist furchtbar. Die Charaktere finden in jedem liegengelassenen Taschentuch verborgene Hinweise vom Oasis-Gründer und wissen nach wenigen Sekunden, wo sie als nächstes zu suchen haben. Was dann irgendwie mit Episoden aus dem Leben des verstorbenen Obernerds erklärt wird.

So ist der Hinweis “Sprung nicht geschafft” die Aufforderung, von einer Tanzfläche zu springen, einen alten Kinofilm zu sehen, mit Zombies zu tanzen oder eine alte Liebschaft zu küssen. Denn natürlich(?) kann der „verpasste Sprung“ nur eine verpatzte Rumpop-Chance vor einigen Jahrzehnten gewesen sein. Mit was anderem sind Multi-Milliarden-Dollar-Firmengründer bekanntlich nicht beschäftigt.

„Da! Das ist San Gurko aus dem Serie ‚Dragon Falls‘! Und dahinter der Samurai aus ‚Der Samurai dahinter ‘! Oh Gott, mir läuft der geballte Kult schon in weiß aus dem Pipimann raus!“ – Symbolbild: Der ganze Film lässt sich ungefähr mit diesem Screenshot zusammenfassen.

Eine echte Schnitzeljagd ist das nur, wenn man es im realen Leben auch toll findet, wenn die eigene Freundin einem zu “Test der goldenen Eier” schickt – und am Ende auflöst, dass sie einem nur mal wieder zum Urologen schicken wollte.

Und auch sonst feuert der Film alles an Idiotie ab, was wohl niemals Retro werden wird:

– Der Bösewicht klebt z.B. gerne vor versammelter Belegschaft sein Deppen-Passwort auf den Cyber-Stuhl.

– Die netten Kids freunden sich bereits nach Sekunden an; manche Nebenfiguren sind gefühlt einfach per Zufalls-Algorithmus reingetrudelt.

– Die gesamte Welt darf man keine 10 Sekunden lang hinterfragen. (Regierung tut nix? IP-Adressen sieht keiner? Es ist noch NIE jemand beim Autorennen rückwärts gefahren?)

– In der bösen Firma einbrechen ist leichter, als „Candy Crush“ einen Lutscher zu klauen.

– Es wird pathetisch auf das wirklich nicht schlimme Feuermal der Hauptdarstellerin gezeigt, damit man sie dann „trotzdem“ lieben kann. Na, da hätte ich mir mal eine hübsch fehlende Nase gewünscht, um uns und den Helden mal richtig zu testen!

– Der schnarchige Endkampf entfaltet in 10 Minuten weniger Stil, Spannung und Atmosphäre, als ALLE im Film gezeigten Filme in den 80ern verströmten. Und zwar in wenigen Sekunden.

– Die Botschaft am Ende: Irgendwie ist die reale Welt total wichtig, aber nicht sooo richtig dolle. Außerdem sollte man die Macht über die Oasis nicht anstreben, aber doch irgendwie ihr megareicher Besitzer werden. Und das verstorbene Genie ist irgendwie nur halbtot. Und der Bösewicht hat auch keinen Bock, im großen Finale seine Pistole einzusetzen. Und Simon Pegg hatte irgendwie keine Funktion. – Gegen dieses Beliebigkeits-Bullshit-Bingo ist Schrödingers Katze ja fast schon ein Festlegungs-Wunder!

„Ich habe 3 dieser Schlüssel in einer gigantischen Welt versteckt. Und hier der erste Hinweis: Ich war schon mal im Zoo!“ –„Oh, dann ist der erste Schlüssel wohl in Donkey Kongs Popo?“ – „Hey, wenn ihr alles so schnell löst, habe ICH ja gar keinen Spaß daran!“ – Osterei süß-sauer: Wer auf kultige Rätsel und gewitzte Auflösungen steht, sollte während des Films unbedingt ein Kreuzworträtsel rausholen.

Die Effekte in der Oasis sind okay, aber halt (gewollt) computerspielig. Wobei man an zwei Stellen aber tatsächlich auf reale Kulissen ausweicht, weil es gerade passt („Shining“) oder sogar inhaltlich notwendig ist (= Bösewicht täuschen). Und in diesen Momenten wird einem erst klar, wie gerne man die Oasis lieber im Look der „Matrix“ oder der realen Straßenecke gegenüber gesehen hätte. Denn auch, wenn der Look durch das Drehbuch gerechtfertigt ist, so sieht er am Ende des Tages einfach nur billig und bunt aus. Viel Spaß dabei, sich in 3 Jahren noch an konkrete Filmszenen zu erinnern.


Fazit: Pathetisches Kinderabenteuer, das seine wohlig-warmen Retrogefühle einfach mal mit 200 Grad unter dem Nullpunkt serviert. Die Helden sind öde, die rausgepickten Überraschungen nicht so clever, wie sie tun und die Bösen so platt, dass man den kultigen Hotelteppich aus „Shining“ drüberlegen könnte.

Und selbst, wenn man einfach nur schöne Effekte oder Filmklassiker-Zitate sehen will, steht man im epileptischen Regenbogen-Gewitter immer wieder mal minutenlang doof da.

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

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von Klapowski am 28.12.18 in Filmkritik

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Kommentare (2)

  1. G.G.Hoffmann sagt:

    Welch Zufall; ich habe den Film auch gerade erst gesehen und war ebenfalls nur mäßig begeistert. Nach der Eröffnungssequenz hatte der Streifen seinen Höhepunkt bereits überschritten. Von dort an ging es stetig (und viel zu lang) bergab. Mein Eindruck ist, dass Steven Spielberg die digitale Art, Filme zu machen, nicht beherrscht. Schon BFG und „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ trugen kaum Spielbergs typische Handschrift. Vor dem Greenscreen bzw. PC sitzen und andere machen zu lassen, ist seine Sache offenbar nicht.

    Dabei hatte „Ready Player One“ so viel Potential, das aber bereits mit der Wahl des männlichen Hauptdarstellers verschenkt wurde. Weder ein smarter Typ wie Michael J. Fox noch ein echter Vollnerd, sondern die Sorte Shia LeBeouf. Simon Pegg kommt mir auch etwas zu häufig in Filmen vor, in denen er eigentlich nichts zu suchen hat (Star Trek?).

    Der Film wirkte auf mich weder modern noch nostalgisch, sondern unentschlossen und überdreht. Völlig daneben war im Hinblick auf die höchst überflüssige und deplazierte Shining-Sequenz die Altersfreigabe FSK12.

    Im übrigen habe ich, wie Klapowski, alles vermisst, was ich mit den 80ern verbinde (Demütigungen in der Schule und Misserfolg bei Frauen).

  2. Serienfan sagt:

    Der Roman zeigte zumindest anschaulich, wie gut und leicht Autoren heutzutage früher unzugängliches Nerd-Wissen recherchieren können.

    Der Film tauscht dieses vom Autor mühselig zusammengesuchte Nerd-Wissen dann lieber gegen witzlose 0815-Action.

    „Ready Player One“ ist ein Film ohne Message, der wohl daher am Ende verzweifelt mit Kalendersprüchen wie „wer Freunde hat, ist nie ein Versager“ oder „nur die Realität ist real“ um sich wirft. Am Ende kommt sogar die Forderung nach dem Internet-freien Tag. Einen fernseh-freien Tag wollte schon Helmut Schmidt, um die zwischenmenschliche Kommunikation zu fördern. Hier gibts den Oasis-freien Tag … zum rumknutschen. Auch eine nette Botschaft. Wo Helmut Schmidt den politisch aktiven Bürger wollte, soll hier also Händchen gehalten werden. Klar, sonst kommt noch jemand auf die Idee, ein System zu hinterfragen, in dem fast die gesamte Bevölkerung verarmt, während ein einzelner Programmierer über eine absurde Monopol-Stellung mal schnell eine halbe Billionen verschenken kann.

    Ansonsten herrscht in Sachen „virtuelle Realität“ die gleiche Phantasielosigkeit wie in dem unsäglichen „Tron“-Sequel. Anstatt die „virtuelle Welt“ in allen Realitäts-Facetten zu zeigen – vom fast realen Holodeck bis zum Tron-Retro-Look – herrscht hier ein einheitlicher „Final Fantasy“-CGI-Film-Stil vor, der nur mal kurz aufgegeben wird, weil man mal schnell eben einen Real-Look fürs Drehbuch braucht.

    Den Film hat Spielberg anscheinend wirklich nur gemacht, um zu verhindern, dass seine Kreationen hier verhackstückt werden. Das ist natürlich kein guter Grund, einen Film zu machen. Ich weiß aber ohnehin nicht, warum Spielberg zur Beschäftigungstherapie immer noch unbedingt Filme drehen möchte. Kreativer Ehrgeiz ist jedenfalls schon seit langer Zeit keiner mehr zu erkennen. Jemand sollte Spielberg vorschlagen, in zwei von sieben Jahren die Finger vom Filmemachen zu lassen. Irgendwer zum Rumknuschten wird sich doch wohl auch in seinem Alter noch finden lassen.

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