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Political Correctness in Medien – Schön oder Fremdschäm? – Teil 2: Star Trek Discovery

Agenden, Agenden, Agenden… Das wird fast jedem großen SF-Franchise in diesen Tagen vorgeworfen. Das Ziel soll es angeblich sein, den Zuschauer wahlweise zum linksliberalen „No Borders“-Aktivisten zu machen, der eine grenzenlose (Haha) Liebe zu allen hippen Lebensentwürfen hat. Es sei denn, diese gelten als zu konservativ. Auch Discovery musste sich diesen Vorwurf bereits gefallen lassen. Doch reicht ein Weltall in allen Farben der Regenbogenflagge dafür schon aus?

Auf Anhieb würde man sagen, dass DISCO politisch korrekter ist, als eine vegan lebende Lesbe mit „Grüne Parolen“-Tourettesyndrom. Man nehme alleine die Hauptfigur, die an jeder Farbtestkarte zu einem recht eindeutigen Ergebnis führen würde. Und nein, mit „Hauptfigur“ meine ich nicht nur die dunklen Kulissen und die mangelhafte Ausleuchtung der Serie.

Ja, für uns alte (= über 20 Jahre) weiße (= weniger als 25% afrikanische Gene) Männer (= höchstens zu 45% transsexuell) könnte die neue Serie aus dem Hause CB-„Autor, schreib halt irgendwas hin“-S durchaus als linke Power-Propaganda durchgehen. Doch sooo einfach wollen wir es uns jetzt mal nicht machen! Denn was ist schon „links“ und was bedeutet schon „politisch korrekt“? Kommen wir hier mit Negativdefinitionen à la „Alles, was nicht Zukunftia ist“ überhaupt weiter, oder müssen wir uns erst eine Definition suchen, die es vielleicht gar nicht abschließend geben kann?

Denn was in einem arabischen Land bereits als ultralinks gilt (= Ehebrecherinnen nur Styroporbrocken an den Kopf werfen), gilt woanders schon als rechtslastiger als ein AfD-Wähler mit Pelzmantel aus erlegten Südländern.

„Du, sind wir etwa nur Schachfiguren in einer großen schwulen Propaganda?“ – „Hm. Die Leute in der Schwulenkneipe auf Deck 5 sagen ja. Aber der Homo-Darkroom-Club auf 6 Deck meint nein.“ – Hintenrum eingeführt: Die ganze Diskussion um die beiden schnuckeligen Figuren erscheint schon recht absurd. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sogar die rechtslastigen Gegner forderten, zum Ausgleich noch einen Ex-Schwulen(!) reinzuschreiben. Das wäre selbst mir zu viel (Ex-)Popo-Party…

Nun, natürlich haben wir bei Discovery gleich 2 schwule Hauptfiguren bei 5 männlichen Figuren. Das mag für den einen schon als Linkspropaganda durchgehen, kann aber im Kölner Nachtleben als normale Spaziergängerquote gelten. Aber gut, lasst uns dieses Beispiel trotzdem mal vertiefen, denn es werde gar nicht mehr sooo viele gute folgen.

Also: Wenn wir Lorca in den letzten Folgen abziehen, beträgt die männliche Hetero/Homo-Quote sogar schon 50:50. – Wie? Was meint ihr? Das sei bereits zu viel für eine Serie? Nö, ICH sehe das anders. Diese Verteilung reicht für mich persönlich noch nicht, um von zu viel P.C. zu sprechen. Denn mit blanker Rechnerei kommt man hier eh nicht weiter. Schließlich beträgt die Quote an homosexuellen Figuren… äh… Mitmenschen in der realen Welt ca. 10%. Wenn also jemand theoretisch forderte, dass sich dies auch bei 4 männlichen Trek-Charakteren widerspiegeln müsse, so wären das gerade mal 0,4 schwule Figuren pro Führungsstab. Was dann wohl EIN Kerl wäre, der… äh… FAST ein bisschen bisexuell daherkäme… ?

Nein, mit Mathe kommen wir hier nicht weiter. Und natürlich macht es schon aus erzählerischer Sicht Sinn, dass ein homosexueller Charakter nicht alleine ist. Die arme Person soll ja nicht die ganze Zeit über frustriert sein Spiegelbild anheulen – oder gar seine heterosexuellen Kollegen umzuerziehen versuchen („Wollen sie nicht auch mal rosa Socken stricken, Captain Lorca? Sie haben doch so weiche Hände!“). Dazu kommt noch, dass Schiffsarzt Culber erst nach einigen Episoden geoutet wurde, was für Discovery-Verhältnisse fast schon als „sanfte Herleitung“ betrachtet werden darf.

„Wollten wir nicht noch mal zur Arbeit?“ – „Nicht, bevor ich die letzten Reste deiner Zunge aus meinen Zwischenräumen geputzt habe!“ – Gut aufgepasst beim Schreibseminar: Um den Alltag von Figuren zu zeigen, ist es seeehr wichtig, sie bei normalen Handlungen zu beobachten. Auf dem Plaque… äh… Flaggschiff U.S.S. Colgate wird diese Regel super eingehalten! – Fun Fact: Doktor Culber war sogar früher „Zahnarztfrau“.

Überhaupt haben sich die Autoren bei der Beleuchtung der schwulen Beziehung zwischen Stamets und Culber noch am meisten Mühe gegeben. Hier erreicht eine Figurenzeichnung zum ersten Mal das Prädikat „Durchschnittlich“, was man sonst an den wenigsten Stellen behaupten kann. So tat man z.B. gut daran, die beiden vor allem beim Zähneputzen zu zeigen. Wildes Geknutsche auf dem Toiletten-Deck wäre da schon wieder zu sehr „in your face“ gewesen. Zumindest für mich. Wobei man hier aber gerne die Frage stellen darf, ob ICH das Knutsch-Beispiel erträglicher finden würde, wenn es ein Hetero-Pärchen wäre. Und ob das dann nicht politisch total inkorrekt von mir wäre.

Ja, diese Fragen kann man stellen. Aber vielleicht ist gerade das der Irrweg? Denn die derzeitigen Endlos-Diskussionen um politische Korrektheit kranken ja gerade daran, dass man NIE an einem Ende kommt und sich zu Tode theoretisieren kann. Zum Beispiel so:

A: „Ich bin für eine Frauenquote in Führungspositionen von 50%.“
B: „Aber vielleicht wollen ja nur 30% der Frauen in Führungspositionen? Wären 50% dann nicht zu viel?“
A: „Dann frage dich mal, ob es nur deswegen 30% sind, weil sie von den Männern untergebuttert werden und es daher nicht erst versuchen!“
B: „Aber vielleicht sind – statistisch gesehen – mehr Frauen zufriedener, wenn sie NICHT Bosse sind?“
A: „Du spricht gerade allen Frauen ab, in Führungspositionen zu wollen!“
B: „Ich meinte doch nur, dass Frauen psychologisch eventuell anders ticken…“
A: „Wenn das stimmt, dann liegt das aber an der mangelhaften Erziehung und Prägung in Schule, Elternhaus und Kindergarten!“
B: „Aber wer entscheidet denn, was mangelhafte und was natürliche Erziehung ist?“
A: „Dann ist es die Aufgabe der Wissenschaft…“
B: „Aber deren Erkenntnisse würde ja nur für unseren Kulturkreis gelten?“

[Und so kann man sich bis zu Adam & Eva zurückdiskutieren]

Ich will damit abschließend sagen, dass ich das schwule Pärchen an Bord der Discovery eher nicht als „linke Propaganda“ angesehen habe. Auch, wenn viele das bereits so empfinden mögen. Auch, wenn es so gedacht gewesen sein sollte. Für mich überwiegt da aber der Faktor „War mal an der Zeit“ vor allen möglichen Hintergedanken. Und am Ende ist es halt „nur“ eine Beziehung, keine politische Aussage, kein moralisches Statement, ja, nicht mal was sehr Langfristiges! – Wenn Culber allerdings bald wieder magisch wiedererweckt aus der Sporenwolke fällt, dann muss man noch mal schauen…

Vielleicht bin ich hier aber auch etwas milde gestimmt, weil es die einzige Beziehung ist, die man ernst nehmen kann, aber das liegt auch daran, dass Michael Burnhams und Ash Tylers heterosexuelle Romanze so beknackt und fragmentiert geschrieben wurde („Waaaah! Klingonen-Flashback-Epilepsie in 3… 2… 1…“), dass man hier schwer sagen kann, was ideologische Absicht war – und was nicht.

Dass Michael Burnham einen männlichen Vornamen trägt, gehört ebenfalls in diese Kategorie. Das ist bei dem Amis nämlich durchaus üblicher als bei uns (Siehe Joey Potter bei Dawson‘s Creek). Auch wenn es „natürlich“ die Vermutung unterstützt, dass wir hier noch saaanft eine Geschlechtsidentitätsfrage reingedrückt bekommen. Im Zweifel gehe ich aber davon aus, dass die Autoren selber noch nicht wussten, ob sie mit diesem Detail noch mal irgendwas anfangen werden. Oder wie es dazu kam. („Vulkanische Meldebehörden arbeiten eher schlampig. Ich sollte eigentlich Chantalle heißen.“)

Endlich mal eine stinknormale heterosexuelle Beziehung zwischen einer Frau mit Männernamen und einem Mann mit körperlicher Identitätsstörung. – Haha, ich mache mir nur ein kleines Späßchen. Wer nach sexueller „Propaganda“ sucht, wird natürlich immer irgendwie fündig. Dabei wäre z.B. Jadzia Dax mit ihrem quasi-lesbischen Kuss ein weit besseres Beispiel, das damals auch deutlich mehr wirkte.

Wenn wir Saru ebenfalls betrachten wollen, so ist die Sache kompliziert.

Der repräsentiert jetzt nicht unbedingt irgendeinen Menschen- oder Männer-Typus. Schließlich dürften die wenigsten von uns Leute kennen, die nur für die Jagd gezüchtet worden sind (Nein, liebe Ossis. Dunkelhäutige gehören nicht dazu!) oder sogar Todesgefahren in ihren Halskiemen spüren können. Andererseits hat er auf dem Schiff eine wichtige Position inne, so dass sich ein genaueres Hinsehen eventuell lohnt. Schließlich ist er als Wissenschaftsoffizier von Anfang an dazu da, um ständig von Michael Burnham weggeschoben zu werden, damit SIE die besten Science-Vorschläge machen kann. Und obwohl Saru immer gaaanz viel Angst hat und beinahe erstarrt, wird er am Ende der ersten Staffel beinahe zum regulären Captain der Discovery.

Wohlgemerkt: Ein eher schlabbrig-inkompetenter Mann, KEINE kompetentere Frau. Allein hier hätte man sogar noch viel P.C.-mäßiger sein können! Aber man sollte diese Sequenz wohl nicht überbewerten. Denn es bereitet den Discovery-Autoren bekanntlich große Mühe, neue Personen an Bord zu etablieren oder von der nächsten Sternbasis einfliegen lassen. Lieber schaufelt man die gerade Verstorbenen einfach wieder aus einem Paralleluniversum nach – wie aus einem gut gefüllten Kohlekeller. Und zur Not bekommt eine inkompetente, nervige Person eben neue Motive, Stärken und Interessen auf den Leib geschrieben (= Tilly), die dafür sorgen, dass sie an die gewünschte Stelle rutscht.

Für mich hat es wenig mit P.C. oder Nicht-P.C. zu tun, wenn Lorca dem frisch gefundenen Ash Tyler (=Mann) plötzlich ALLE Aufgaben überträgt, Burnham (=Frau) aber NOCH mehr zutraut, bevor er dann doch wieder „nur“ in sie verknallt ist (= Paralleluniversum) und Tilly trotz ihrer Inkompetenz in der Klingonenbasis am Ende den Frieden bringt.

Man mag hier wegen der Fülle an Frauenfiguren vielleicht an eine P.C.-Agenda denken, da Klingonin und Imperatorin ja auch noch rumkrauchen, am Ende ist‘s aber nur ein beliebig herbeigeschriebenes Ende mit Frauenüberschuss. Nicht falsch verstehen: Ich gehe tatsächlich stark davon aus, dass hier – und in der gesamten Serie – viele feministische Gedanken am Werk gewesen sind. Aber die Autoren haben es niemals geschafft, sie so zu festigen, dass ich mich überhaupt drüber lustig machen möchte. Denn am Ende ist es so mies geschrieben, dass man sich eher für die ruhigeren Männer wie Dr. Culber oder Saru begeistert.

Ja, Discovery hofiert starke Frauen. Allerdings empfinde ich diese als so überzeichnet, schrill und schlampig geschrieben („Was, er hat Schlampe gesagt?!“), dass sich der Effekt fast ins Gegenteil verkehrt. Viele hätten lieber den „guten“ Lorca aus dem normalen Universum zurück und würden dafür glatt Michael Burnham sterben lassen. Und ja, diese fiktiven Umfragewerte sind hochseriös! Denn ich habe die Befragung in meinem Geiste von der Zeitschrift „Emma“ durchführen lassen – mit dem selben Ergebnis.

Aber um noch mal auf den Wissenschaftsoffizier zurückzukommen: Nein, Saru ist KEIN positiver Charakter für mich. Und vor allem keine positive Männerfigur, mit der man mitfühlen kann. Wo TOS den angenehm bodenständigen McCoy als heterosexuelle Identifikationsfigur hatte, TNG die eher klassischen Führungsfiguren Riker und Picard besaß, DS9 uns den Prototypen Miles O’Brian einsetzte und VOY und ENT auch noch irgendwelche Penisträger erfand, da macht es uns Discovery schon deutlich schwerer. Okay, es mag an dem Unvermögen der Autoren liegen, aber ICH würde Saru oder Stamets niemals mit gutem Gefühl mein Leben anbieten. Auf mich wirken sie durchtrieben, wankelmütig, teilweise sogar inkompetent oder gar komplett hysterisch. Letzteres zum Beispiel, als Burnham ihrem Saru gestand, dass Kelpianer im Spiegeluniversum gegessen werden – und der Offizier darüber einen halben Nervenzusammenbruch erleidet und kaum noch einsatzfähig erscheint.

Ein hysterisches Verhalten, das wir klassischerweise aus uralten Filmen kennen, in denen Frauen bevorzugt mit Riechsalz und nassen Waschlappen wieder alltagstauglich gemacht wurden – nachdem die Maus unter dem Tisch sie gerade in Todesangst versetzt hat. ABER: Ich würde Burnham ähnlich charakterisieren. Vielleicht sogar noch schlimmer, weil sie von allen am unlogischsten handelt, obwohl sie die vulkanischste sein soll. Hier werden persönliche Eigenheiten und Schwächen so sehr mit mangelhaften Drehbüchern vermischt, dass am Ende nur noch EINE Geschlechter-Agenda zu sehen ist: Als Autor am Ende einen schönen Fußball- bzw. Mädelsabend zu haben, ohne länger an einem glaubwürdigen Drehbuch arbeiten zu müssen.

Professionelle, militärisch anmutende Gefühlskälte, die man klassischerweise als männliche „Stärke“ betrachtet, besitzt eigentlich nur Lorca. Aber der ist ja auch der Bösewicht, weil er im Spiegeluniversum geboren wurde. – Der wird übrigens so sehr zelebriert und in den Mittelpunkt gestellt, dass es am Ende keine abschreckende Männerfigur ist. Dafür klebt wieder zu viel Fanfiction-Sabber an seiner Personalisierung. Ja, die Autoren finden diese gewalttätige Figur spürbar komplex, geil und interessant.

Was wohl als „schlimmer Mann“ gedacht war, wird zum Hoffnungsträger der Autoren. An keiner Stelle wird die Figur wirklich gebrochen oder durchleuchtet, an keiner Stelle ihr männlicher(?) Größenwahn sanft seziert, konterkariert oder relativiert. Im Gegenteil: Sogar ER findet starke Frauen mächtig knorke, so dass er nicht mal als Patriarch durchgeht, den es zu überwinden gilt. Am Ende sagt dieser Typ im großen P.C.-Gebilde also GAR NICHTS mehr aus. Da war ein Gul Dukat noch deutlich interessanter.

Den öden Saru, den durchtriebenen Lorca, den falschen Tyler und das homosexuelle Pärchen MUSS man aber jetzt nicht dahingehend interpretieren, dass die Autoren uns absichtlich brauchbare Männerfiguren vorenthalten haben. Schließlich haben sie ja auch die Frauen auf der Brücke (Metallfresse und die schwarze Stumme) niemals charakterisiert. Daher glaube ich, dass sie beim gegenseitigen Masturbieren („Oh, geil! Wir haben gerade den Schwarzen Alarm erfunden!“) bestimmte politische Aspekte aus den Augen verloren haben. Denn dass man sich zumindest zu Beginn vornahm, divers und politisch korrekt zu sein, kann man durchaus annehmen. Am Ende ist aber fast das Gegenteil dabei heraus gekommen. Denn die Frauen wirken wie Parodien, wie eine schlechte Satire auf Political Correctness.

Das gilt jedoch nicht für die Abläufe hinter den Kulissen!

Besonders hingewiesen sei an dieser Stelle auf eine erstaunliche Aussage von Robert Duncan McNeill (Tom Paris), der Interesse an einem Regieposten hatte, jedoch nicht genommen wurde, da:

„Ich wollte bei Discovery Regie führen und habe mich mit ihrem Produktionsleiter getroffen. […] Um die Frage zu beantworten: Bei Discovery gibt es nur eine limitierte Anzahl an Folgen und sie wollen in erster Linie Frauen und Regisseure mit mehr Diversität. Für Leute wie mich gibt es also weniger Job-Gelegenheiten.“

Und:

„Ich produziere auch, stelle also selbst viele Regisseure ein. […] Das, was früher normal war – nämlich viele weiße Typen [im Regiestuhl] –, ist heute nicht mehr der Fall, um ehrlich zu sein.

Das finde ich dann schon interessanter als die schrägen Drehbücher bei Discovery. Denn wer sich von Anfang an festlegt, welches Geschlecht seine zukünftigen Mitarbeiter haben sollen, gerät schnell in die Lage, nicht mehr nach Qualität zu beurteilen. Wirkliche Gleichberechtigung sollte darüber hinausgehen, nach dem Motto „Wir brauchen mehr Frauen/Männer“ vorzugehen. Für mich würde nur die Qualität der bisherigen Arbeit zählen – und sonst nichts. Und auch, wenn McNeill sich verständnisvoll äußerte, so hinterlässt die obige Aussage einen extrem faden Beigeschmack.

Und wenn man böse und oberflächlich wäre, so könnte man glatt in seine Bierflasche beißen und knurren, dass das Mehr an Frauen in der Produktion ja nicht unbedingt geholfen habe. Aber das wäre eh Quatsch, denn der Chef-Versager ist immerhin Alex Kurtzman, dessen Inkompetenz fernab von jeglichen Geschlechter- oder Realitätsfragen betrachtet werden muss. Da müssen wir als GESAMTE Menschheit zusammenstehen, falls Aliens ihn kopfschüttelnd beobachten…

Vulkanier, die sich wie machtbesessene Romulaner verhalten und angeblich „logisch“ erzogene Figuren, die bei jeder Gelegenheit Fehler machen. Aber immerhin widerstand man der Versuchung, uns eine weibliche Sexbombe aufzudrücken. Denn Zuleser wie unser BergH, der gerne mal Kurzreviews der Marke „Die Folge war gut, denn das Mäuschen war schnuckelig“ schreibt, DAS sind die wahren Beauty-Rassisten unserer Zeit. – Und das sage ich nicht nur, weil ich hässlich bin.

Denn Michael Burnhams Hautfarbe und Geschlecht lasse ich da mal ein Stück weit außen vor, da sie in P.C.-Hinsicht nur eine nervigere Mischung aus Sisko und Janeway ist. Es ist müßig, sie an dieser Stelle in den Mittelpunkt zu stellen. Sie ist keine Darstellerin in einer versteckten politischen Agenda, sondern wurde offen und ehrlich in Richtung Diversität gewählt. Das finde ich okay. Schlimmer fände ich halb verborgene oder sehr plumpe Erziehungsversuche, oder auch konsequent gut (= Frau) und schlecht (= Mann) gezeichnete Figuren.

Ihr seht, ich eiere etwas herum. – Äh, sind irgendwelche Eier unter euch, die sich davon angegriffen fühlen?

Denn einerseits hat Discovery alle Merkmale einer plumpen Erziehungs-Schau mit all ihren „starken“ Frauen, den schwulen oder bösen Männern oder der Tatsache, dass man die Klingonen ernsthaft als Trump-Anhänger designet hat (kein Witz).

Aber: Die Schwächen der Show retten sie davor, überhaupt als P.C.-Instrument wahrgenommen zu werden. Hier wird z.B. jeder Konflikt am Ende mit Gewalt, Einschüchterung oder Betrug gelöst. Menschen, die grausame Taten begangen haben (Tyler, Imperatorin), dürfen ziehen gelassen werden, weil sie 1-2 nette Dialogzeilen hatten – oder einfach im Mittelpunkt stehen. So wie Trump tun und sagen kann, was ihm gefällt, so kommt auch hier jeder davon, der im „System TV-Serie“ wichtig genug erscheint. Warum auch Konsequenzen ziehen, wenn man einen der Lackaffen noch für irgendwas benutzen kann?

Wenn man „den Linken“ unterstellt, eher auf Gleichheit und Gerechtigkeit zu pochen, so kommt das bei Discovery nicht zum Vorschein. Die Sternenflotte befiehlt erst z.B. die Sprengung von Chronos, merkt aber dann, dass Burnham es irgendwie mit einer anderen Idee geschafft hat, den Krieg für 5 Minuten enden zu lassen. Also werden die potenziell Massenmörder zu netten Menschen, die sich und Michael groß dafür feiern, es doch anders gemacht haben. Irgendwie, irgendwo. Man lobt sich quasi dafür, Glück und Kurzsicht bewiesen zu haben. Solange die neue Chefin der Klingonin für ein paar Tage auf unserer Seite ist, wird schon alles gut sein.

Auch das ist trumpischer, als es den selbsternannten Diversitätsfreunden bei CBS lieb sein sollte.

„Wie, ich soll abgeholt werden? Aber ich bin doch ein netter, putziger Gauner! Beweisstück: TOS!“ – Könnte man auch als P.C.-Agenda sehen, ist mir aber zu blöd: Nachdem sich Mudd mit Mord, Folter, Sabotage, einem gequälten Wal und Zeitreisen(!) über Wasser gehalten hat, muss er am Ende klein beigeben, weil eine Zwangsheirat(!) auf dem Plan steht. Bei einer weiblichen Figur hätten sich das die Autoren niemals getraut…


Fazit: Befolgt Discovery eine Agenda, um uns Politische Correctness näher zu bringen? Ich würde sagen: Ja!

Allerdings tat Star Trek das zu allen Zeiten, nur eben mit anderen, zeitgemäßeren Agenden (LaForge = Behindert, Chekov = Russe, Janeway = Frau als Captain, Sisko = Schwarz).

Und Discovery scheitert daran, erzieherisch wirklich eine Linie zu fahren und Dinge so stehen zu lassen, wie es sich die Autoren wohl gedacht hatten.

Ja, man betont immer wieder mal, dass man divers, offen und politisch korrekt sei, verrennt sich aber in seinen eigenen Panikideen und sagt am Ende … gar nichts mehr aus. Teilweise wirkt die Serie sogar wie eine Reklame für Diktatoren, riskante Einzelgänge (die Kriege zur Folge haben können) und Selbstjustiz. Angesichts dessen von den „netten Schwulis“, dem Geschlecht oder der Hautfarbe von irgendwem zu faseln, ist Blödsinn.

Am Ende ist dies ein sehr männliches Produkt, mit männlicher Action, männlicher Gewalt, männlich-hartem Design, männlich agierenden Frauen und männlichen Motiven.

Und gerade die beiden „Shot Treks“ haben bewiesen, dass Frauen eher mal bei Musicals abschluchzen oder als Prinzessin(!) dämlicherweise weglaufen, wenn es mal Probleme gibt.

Somit ist es unfair, diesem Medienprodukt vorzuwerfen, dass es zu P.C. sei. Ja, Discovery mag teilweise eine linke Agenda haben, aber diese wird so konterkariert und sabotiert, dass man am Ende drüber schmunzelt.

Da hat die Serie sehr viel mit einem Künstler gemein, der sich mit den Worten „Ich bin Jesus“ auf den Tisch stellt und stolz einen dicken Kackhaufen hinterlässt.


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von Klapowski am 24.11.18 in All-Gemeines

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Kommentare (18)

  1. DerBeimNamenNennt sagt:

    Zitat:
    „Das Ziel soll es angeblich sein, den Zuschauer wahlweise zum linksliberalen ‚No Borders‘-Aktivisten zu machen, der eine grenzenlose (Haha) Liebe zu allen hippen Lebensentwürfen hat“

    Als hätten phantastische Stoffe wie Scifi niemals politische Botschaften oder als wären die Autoren neutral gewesen. Da kann ich nur mit den Augen rollen.
    Wer damit ein Problem hat, der sollte mal Heinlein lesen oder Dick.

    Zitat:
    „Ja, für uns alte (= über 20 Jahre) weiße (= weniger als 25% afrikanische Gene) Männer (= höchstens zu 45% transsexuell) könnte die neue Serie aus dem Hause CB-‚Autor, schreib halt irgendwas hin‘-S durchaus als linke Power-Propaganda durchgehen.“

    Wie schön, dass ich wegen meines Alters, meines Geschlechtes und meiner Hautfarbe bereits in einer Kategorie gelandet bin, aus der ich nie wieder herauskomme, egal was ich mache. Ich bin immer Agend des Patriarchates.
    Ich finde das wirklich toll, weil, bisher musste ich mir immer solche dämlichen Fragen stellen wie „Wer bin ich? Was macht meine Identität als Person aus?“ und wurde mit nervtötenden Aufforderungen konfrontiert wie „erkenne dich selbst! Werde, der du bist!“ etc. Damit ist jetzt endlich schluss. Blick in den Spiegel: „Tja, eben ein typischer Weißer“. Tag ist gerettet.
    Ab da an gehts dann zur weiteren Frage, „wo gibt es die besten Wiener Schnitzen“? (In Remember Douglas Adams).

    Zitat:
    „Schließlich beträgt die Quote an homosexuellen Figuren… äh… Mitmenschen in der realen Welt ca. 10%.“

    Langweile uns doch nicht mit Faken, die sind eh alle sozial konstruiert.

    Zitat:
    „Nein, mit Mathe kommen wir hier nicht weiter.“

    Perfekt.

    Zitat:
    „Auch, wenn es so gedacht gewesen sein sollte.“

    Sorry, bei dem Satz falle ich ein bisschen aus der Rolle.
    Hier ist NICHTS als linke, rechte oder „kauf CBS-Aktien“-Propaganda gedacht gewesen. Die Wahrheit ist, dass sich da überhaupt niemand irgendwas bei gedacht hat. Die Marketing-Abteilung hat beim Morgen-Meeting irgendwas gelallt, dass man die Zielgruppe der Katzenliebhaber, Homosexuellen und der Leute mit ernsthaften Hautproblemen nicht gut ansprechen kann.
    Beim Produzent ist hängen geblieben, dass er unbedingt einen homosexuellen Katzenliebhaber mit ernsthaften Hautproblemen als Figur haben will, weil „womit identifizieren sich diese Schwuchteln mehr als mit rumschwuchteln“ (natürlich wird man das korrekter ausgedrückt haben).
    Beim Meeting am Nachmittag waren sich der Produzent und die Drehbuchautoren dann einig, dass man einfach ein homsexuelles Pärchen einführt. Dabei halfen ihnen die anwesenden Assistenten, die auf der Uni neben „Geschichte des kreativen Schreibens“ auch „Gender Theorie“ gehört hatten. Komisch, denen haben bei der Ausarbeitung der Idee zum Teil die Ohren geblutet, fanden aber immer alles ganz toll, was der Chef auch gut fand.

    Da ist überhaupt nicht gedacht worden, das war eine Mischung aus dem Output der Uni-Kultur der USA, Marktbeobachtung und den Wunsch, sich bei Generation Schneeflocke anzubiedern.

    Zitat:
    „Wo TOS den angenehm bodenständigen McCoy als heterosexuelle Identifikationsfigur hatte […]“

    Sorry, Kirk?
    Ne, bei McCoy denke ich als letztes an eine „hetrosexuelle Identifikationsfigur“. Der war einfach eine Art humanistisches Gewissen.

    Zitat:
    „Auf mich wirken sie durchtrieben, wankelmütig, teilweise sogar inkompetent oder gar komplett hysterisch.“

    Hier könnte man aber in der Tat eine Agenda unterstellen. Man will den „klassischen Mann“, der als Held den Tag rettet, abschaffen und dafür eine psychisch labile, weinerliche Figur etablieren, die erst von der Frau gezeigt bekommen muss, wo es langgeht.
    Siehe den letzte Star Wars-Teil mit Luke.

    Klar kann man das einmal machen, aber wenn die Figuren mit diesen Charakteristika durchgehend so dargestellt werden, dann haben wir es mit einer Absicht zu tun.

    Zitat:
    „Ja, die Autoren finden diese gewalttätige Figur spürbar komplex, geil und interessant.“

    Kirk und Co. haben auf Gewalt zurückgegriffen, aber sie hatten sich mehr oder weniger unter Kontrolle und waren keine latent gefährlichen Psychos.
    Das ist vermutlich auch wieder so ein Unterschied. Psychische Instabilität wird mit charakterlicher Vielschichtigkeit verwechselt. Klar kann ein instabiler Charakter auch komplex sein – und er wird es vielleicht sogar eher sein als ein normaler Sternenflotten-Offizier, aber dennoch bleibt es letztlich eine innerlich zerbrochene Figur. Ein Picard dagegen ist, selbst wenn es unrealistisch sein sollte, psychisch vollständig intakt und dennoch komplex. Weil er als Archiologe sehr viel studiert hat und dann doch in die Raumflotte ging, weil er auf Familie und Nähe zugunsten seiner Autorität verzichtet, weil er sich selbst beherrscht und das der Schlüssel für ihn dafür ist, auch von anderen Gehorsam zu fordern.

    Gut, die anderen Figuren in TNG sind dagegen eher langweilig, vor allen Dingen Crusher und Geordi, aber auch andere Figuren haben nur wenig Ausleuchtung bekommen.

    Zitat:
    „[…] und sie wollen in erster Linie Frauen und Regisseure mit mehr Diversität. Für Leute wie mich gibt es also weniger Job-Gelegenheiten.“

    Das kann zwei Gründe haben:
    1. Die wollten ihn einfach nicht und haben diesen Quoten-Quatsch als Ausrede herangezogen.
    2. Die glauben echt an die Quote und wollen keinen Weißen usw. Mann ranlassen.

    Beide Fälle schüren den Haß auf PC.

    Zitat:
    „Für mich würde nur die Qualität der bisherigen Arbeit zählen – und sonst nichts.“

    Das sind deine hetronormativen, patriachalischen Leistungsideologien, die die Minderheiten unterdrücken, du, du… Mann, du!

    Zitat:
    „Die Schwächen der Show retten sie davor, überhaupt als P.C.-Instrument wahrgenommen zu werden.“

    Propaganda ist schon okay, solange es schlechte Propaganda ist?

    Zitat:
    „Am Ende ist dies ein sehr männliches Produkt, mit männlicher Action, männlicher Gewalt, männlich-hartem Design, männlich agierenden Frauen und männlichen Motiven.“

    Da beiß ich doch gleich in die Tastatur… Liegt wahrscheinlich daran, dass ich ein Mann bin. Mir sind psychisch labil und machen sowas…

    Und lesen Sie auch beim nächsten Mal wieder den Beitrag des wohl einzigsten Kommentators, der die Dinge wirklich beim Namen nennt, auch wenn es wohl klüger wäre, zu schweigen…

    P.S.:
    Trek hatte immer eine, wenn auch z. T. halbherzige, „linksliberale“ Botschaft.
    Das Problem sind daher nicht „starke Frauenfiguren“ oder eben homosexuelle Männer oder sowas.

    • Klapowski sagt:

      „Die Schwächen der Show retten sie davor, überhaupt als P.C.-Instrument wahrgenommen zu werden.“

      Propaganda ist schon okay, solange es schlechte Propaganda ist?

      —————————–

      Ich muss zugeben, an diesem Punkt auch sehr verunsichert zu sein. Und ich bin da immer noch nicht fertig in meiner Meinungsbildung. Vielleicht sollte ich noch ein paar Monate die Sonne meiden, um dadurch NOCH älter, weißer und männlicher(?) zu werden.

      Wie geschickt muss Propaganda sein, damit man sich ohne Metaebene oder Augenzwinkern über eben jene „Propaganda“ aufregen sollte? Muss man sich über Sarrazin aufregen, wenn er besoffen am Bahnhofkiosk rumgröhlt, oder sollte man nicht warten, bis sein Buch im Handel rauskommt und millionenfach Beachtung findet?

      Wobei ich Discovery EXAKT in der Mitte dieser beiden Extreme verorten würde.

      Und sollte man schlechte und durchsichtige Propaganda IMMER anprangern, damit auch die Dümmsten noch mal drüber nachdenken? Oder sollte man die Aussagen einer kaum geschauten, kaum ernst genommenen SF-Randerscheinung nicht noch pushen, indem man ihre widersprüchliche, billige Rhetorik mit ernsthaften Argumenten aufwertet?

      „Hier könnte man aber in der Tat eine Agenda unterstellen. Man will den „klassischen Mann“, der als Held den Tag rettet, abschaffen und dafür eine psychisch labile, weinerliche Figur etablieren, die erst von der Frau gezeigt bekommen muss, wo es langgeht.
      Siehe den letzte Star Wars-Teil mit Luke.“

      Eine Agenda – oder nennen wir es „Neues Bewusstsein“ – kann man da sicherlich schon unterstellen.

      Ich bin aber etwas vorsichtig, das SOFORT, ULTIMATIV und LAUTSTARK anzuprangern. Denn sonst müsste man tatsächlich mit dem Zählen und der Mathematik anfangen, wenn man das mit dem Meckern richtig machen will.

      Und dann würde rasch dabei rauskommen, dass die Helden bei SW 8 mindestens so oft männlich wie weiblich sind. Ebenso wie die Bösen. Und die Nebenfiguren. Und alle sind in etwas gleich mutig/doof/heldenhaft. Ausschläge gibt es da sicherlich in die eine oder andere Richtung, aber für ganz große Wutanfälle reicht es da bei mir noch nicht.

      Wobei ich da bei den neuen „Doctor Who“-Folgen schon deutlich näher dran bin…

    • DerBeimNamenNennt sagt:

      @Klapowski
      Also hier mal mein „Kommentar zum Kommentar zum Kommentar“:
      1. Bitte verstehe mich nicht falsch. Ich passe mich in den Kommentaren ein bisschen den satirisch-witzigen Tons der Artikel an. Das ist hier ja eine Satire-Seite, die ursprünglich mit Star Trek-Parodien angefangen hat. Da muss ich bis heute z. T. noch lachen, wie du die Folgen auseinandernimmst.
      Wenn ich also irgendwas schreibe, dann ist das eine extreme Überzeichnung und parodiert sich z. T. auch schon selbst.

      2. Ich gehöre jetzt nicht unbedingt zu den Leuten, die einen Film direkt beim Sehen analysieren. Im Gegenteil, bei den guten Filmen werde ich quasi mitgerissen und bekomme viele Details nicht so mit.
      Es stimmt aber schon, dass es früher einige Filme gab, denen man ebenfalls unterstellen könnte, eine gewisse Agenda zu verfolgen. „Der Schwarze kriegt einen auf die Fresse“ oder „die Frau kreischt und muss sich retten lassen“ sind ja inzwischen solche Klischees, dass sie in diversen Filmen selbst verarscht werden.
      Nehmen wir nur die Darstellung von Janeway, die wird als Frau eindeutig völlig anders charakterisiert als z. B. Picard und z. T. kommt sie wirklich irrationaler rüber. Natürlich kann man jetzt sagen, das sei realistisch, Menschen sind eben verschieden usw. Aber da Janeway der einzige weibliche Captain in ST (zumindest auf der Glotze) ist, kann man schon darüber sprechen, dass die Macher sowas wie „Frau am Steuer“ im Hinterkopf haben. (Das soll nicht bedeuten, dass Frauen und Männer in Führungsaufgaben sich gleich verhalten oder nicht. Ich will inhaltlich dazu keine Stellung nehmen. Aber mal ehrlich, wer erwartet eine soziologische Abhandlung über weibliche Chefs bei Voyager? Da ist man doch froh, wenn man einen halbwegs roten Faden bekommt.)

      Auf der anderen Seite gibt es dann kulturwissenschaftliche Arbeiten (!), in denen man lesen kann, dass die Föderation in Star Trek die (neben den Borg) einzige imperialistische Macht sind. Da stehe ich dann auch davor und denke mir „Was?“. Da ist der Kurzschluss wohl „Entdeckungsreisende“ = „Geschichte der christlichen Seefahrt“ = „Kolonialismus“. Die Arbeiten kann man übrigens mit den entsprechenden Schlagworten im Netz finden.

      3. Warum schreibe ich das? Nun, ich habe bei einigen Filmen das Gefühl, dass die Hollywood-Leute sich quasi dafür entschuldigen wollen, dass ihre Serien und Filme Jahrzehntelang gewisse gesellschaftspolitische Vorurteile transportiert haben. Das tun sie, indem sie ins andere Extrem schwanken. Da kann man mir jetzt natürlich Gegenbeispiele um die Ohren hauen und auch zeigen, dass Hollywood im Grunde immer auch gewisse Vorstellungen mit verbreitet hat. Ja, aber es wirkt hier einfach sehr krass.
      Zudem sie ja bei früheren Generationen nichts mehr wieder gutmachen können, aber bei der heutigen einiges versauen können.

      Im alten Star Wars, das muss ich auch zugeben, hatte Laila zumindest zu beginn keine sehr aktive Rolle. Andere weibliche Figuren gab es nur in Form von Lukes Mutter und Tänzerinnen. Ja.
      Im Vergleich dazu ist das quantitative Verhältnis heute ausgeglichener und die Frauen haben eine aktivere Rolle.

  2. Zuse sagt:

    Moin von Eurem 65. Twitter-Follower!

    Das moderne StarTrek holt den plumpen PC-Holzhammer raus, obwohl gerade im SciFi-Bereich davon das Meiste schon locker gegessen ist.

    Ripley und Sarah Conner und nicht vergessen: BSG hatte unaufgeregt ein homosexuelles Paar und Admiral: Vor TV-Ewigkeiten!

    Fragt den Orginal Sulu-Darsteller, was er von der Verschwulung seiner ehemaligen Rolle in Beyond hält – Als müßten alle Rollen jeweils nach sexueller Neigung vergeben werden …

  3. Serienfan sagt:

    Plumpe Botschaften, ob man sie nun teilt oder nicht, sind immer nur eins: Plump.

    „Star Trek“ ist für mich weitaus philosophischer. „The Cage“, die erste gedrehte Folge, stellt sich der Frage: Soll man eine wunderschöne Kunstwelt der Realität vorziehen? Die Folge sagt: Nein. Witzigerweise wurde „The Cage“ dann in einem Zweiteiler verarbeitet, der dann diese Frage genau im Gegenteil beantwortete: Ja, es ist besser! Lieber eine glückliche Kunstwelt als ein reales Elend.

    Das erwarte ich von „Star Trek“.

    Wie plump dagegen der endlose lesbische Kuss in der DS9-Folge „Rejoined“. Das war deshalb so ärgerlich, weil es ja in der gesamten Serie niemals einen auch nur annähernd so langen „Hetero-Kuss“ gegeben hatte. So wirkt es für mich holzhammer-mäßig plump.

    Ich will gar keine Serie, die „Rassismus kritisiert“. Was soll man da auch kritisieren? Das ist so, als würde man „Mord kritisieren“. Ich will eine Serie, die der Frage nachgeht, wie Rassismus immer wieder entstehen kann, wie er trotz sozialer Tendenzen und einer Menschheit, die sich der Aufklärung verpflichtet, nicht verschwindet oder zumindest wenigstens auf eine nicht mehr groß wahrnehmbare Größe marginalisiert wird.

    Zuletzt kann man fragen: Wieso schafft es eigentlich „The Orville“, nicht als unangenehmes Predigen wahrgenommen zu werden, obwohl die Serie weitaus mehr auf „Moral“ setzt, obwohl diese Serie auch ein „schwules Paar“ hat, obwohl die meisten Männer als ein bisschen weniger kompetent und professionell dargestellt werden als die Frauen, und obwohl ganz klar das „stärkste“ Crewmitglied ebenfalls eine Frau ist?

    Weil man dem ganzen eine Verspieltheit erlaubt, die in sich stimmig ist. Weil hier die Botschaft nicht wie ein Springteufel aus der Story heraushüpft und einem nicht in exhibitionistischer Weise das, was man gefälligst zu denken hat, vors Gesicht hält.

  4. Counselor der Einheit sagt:

    Schön, dass du die Bezeichnung „Figur“ benutzt anstatt dieses false friends „Charakter“. :)

  5. JP sagt:

    Ich gestehe, dass mich die gesamte Fragestellung des Artikels befremdet.
    Ich bin bei Discovery nach der sechsten Folge ausgestiegen, da es mich abstieß, mit welcher Beiläufigkeit die Sternenflotte Gewalt anwendete und wie unterkomplex böse (und dämlich)eine im Kanon so wunderbar entwickeltes Volk wie die Klingonen dargestellt wurden.

    In solch einem Umfeld stellte sich mir die PC Frage überhaupt nicht.

  6. Sloan sagt:

    Ich würde mich was Discovery angeht nicht an der Political Correctness aufhängen. Ich bin überzeugt wäre Trump nicht zum Präsidenten gewählt worden gäbe es diese „Serie“ in der Form nicht. Discovery hat keine einzige kompetente Figur, die Geschichte und die gezeigte Welt ist grausig schlecht geschrieben und ist komplett inkonsistent. Wären alle Figuren nur Männer oder nur Frauen wäre die Serie auch nicht besser. „The Expanse“ ist im Selben Zeitraum produziert worden und ist völlig in Ordnung, „The Orville“ genauso. Die Inkompetenz läst sich ja auch kaum verbergen, Moonves, Berg, Harberts u. a. wurden bereits geschasst, Kurzmurx wird einigen Insidergerüchten zufolge der nächste sein. Discovery wird nie den Rang einer Star Trek Serie erklimmen, selbst TAS war besser. Die Serienmacher haben keine Ahnung von Utopien, Trek, Treklore, SciFi, Philosophie, Geschichte oder Wissenschaft, man kann nicht einmal die 15 Minuten Episoden anschauen, selbst nicht die „Kraft“ Episode, wo keine Discovery Figuren auftauchen. Wenn Discovery so eine Art Propaganda sein soll um den gegenwärtigen Zustand der US Politik zu verändern, dann geht das nach Hinten los. Mit so einer Propaganda treibt man Leute buchstäblich dem Trump in die Hände. Und selbst das wird nicht funktionieren weil man warscheinlich nur liberale, sozial liberale Demokraten damit erwischt. In einer gespaltenen und polarisierten Gesellschaft wie die der USA wäre eine utopische Serie die zeigt was man zusammen alles machen kann dringen nötig, aber die zynischen CBS Leute und die idiotischen Schreiber sind nur daran interessiert „Trumpisten“ eins überzuziehen, mit dem Ergebnis das die Serie kompletter Dreck ist. Was sollen wir Trek Fans aber nun machen? Orville gucken und Gabriel Bell 2024 nominieren?

  7. WKT sagt:

    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Um solche Fragen, wie sie der Artikel behandelt aufkommen zu lassen wäre eine intellektuelle Mindestleistung der Produzenten notwendig gewesen. Leider ist DISCO weit von dieser entfernt.
    Die einzige Beobachtung on Interesse ist der Narzissmus der Produzenten, der gepaart mit deren offensichtlicher Überforderung mit Begriffen wie Logik und Konsistenz irgendwie auch humorig ist. Schade halt, dass das Ganze dann unter dem Label „Star Trek“ läuft.
    Klar bemühen sich Kurtzi und CO. ganz toll damit Botschaften an den Mann zu bringen, aber in der dargereichten Form ist das so subtil wie ein Zäpfchen und spielt damit eher Trump-Anhängern in die Hände.
    Das ironische Sahnehäubchen ist dann für mich auch die lautstark herauskrakelte Diversität, mit der die Produzenten ihre Unzulänglichkeit rechtfertigen wollen. Diese unterwandern sie aber schon in der Mitte der ersten Staffel dadurch, dass alle multiethnischen Figuren entweder abgemurkst werden oder ins Böse verkehrt werden.

  8. Re-Saulus sagt:

    Trump Bashing bei Star Trek?
    Habt ihr die Vorlaufzeit einer Serie/eines Films vergessen?
    Discovery wurde unter Obama entwickelt und gestaltet.
    Wäre diese Serie unter Trump entstanden, dann hätten wir einen Captain,
    (Mann) der sich prügelt, rumfickt und danach ne Zigarre raucht.
    Inklusive der coolen Sprüche.
    Also fast wie damals.

    DAS wäre schön.

    • Sloan sagt:

      Am achten November 2016 wurde Trump gewählt. Drehbeginn für die Serie war am vierundzwanzigsten Januar, 2017. Also zwei Monate um am Drehbuch und an den Skripten Veränderungen durchzuführen.

    • Serienfan sagt:

      Um den Satz „make the klingon empire great again“ in die Serie einzubauen, musste Trump nicht die Wahl gewinnen, das war Jahre vorher schon seit Wahlkampf-Slogan.

      CBS hat (nicht zu Unrecht) den Ruf, ein Anti-Trump-Sender zu sein. Auf dem Streaming-Dienst läuft auch „The Good Fight“, ein Spin-Off von „The Good Wife“, eine Serie, die sich extrem offen gegen Trump positioniert. Dagegen wäre ja nichts zu sagen, wenn es nicht gar so oberflächlich geschehen würde.

  9. Serienfan sagt:

    Wer sich heute für Quotenregelung, Homo-Ehe, Abtreibungsrecht, Gleichberechtigung und generell „gegen rechts“ ausspricht, schwimmt völlig gefahrlos im Mainstream. Das ist erfreulich, weil es zeigt, wie weit es der Mainstream gebracht hat. Albern wird es, wenn Leute für dieses gefahrlose Verhalten großes Lob erwarten.

    Das gleiche gilt für Serien. Das einzige, was „Star Trek“ heute noch mit einem schwulen Pärchen beweisen kann, ist der peinliche Umstand, dass man das Thema um Jahrzehnte verschlafen hat. Wenn die Moral von „Star Trek“ der Realität hinterher rennt, wirkt sie verlogen.

    Denn jetzt kommen natürlich die verklemmten Spießer aus ihren Löchern gekrochen und wollen Helden sein, indem sie sich mit gefahrlosen Taten brüsten. Indem sie sich als Sieger eines Krieges fühlen wollen, den sie selbst gar nicht gefochten haben. Da vergleichen sich selbstverliebte Moralwächter, die sich für eine Quotenregelung in Jobs aussprechen, dann tatsächlich mit Suffragetten.

    Dieser selbstverliebte „seht her wie fortschrittlich ich bin“-Wahn treibt inzwischen geradezu geisteskranke Blüten, wie es der grandiose Kabarettist Jonathan Pie perfekt zusammengefasst hat:

    https://youtu.be/p9_bI789Gog

    Dass mit dem ganzen Diversitäts-Wahn letztlich vor allem die herrschende Klasse das ideologische Ziel einer „gleichberechtigten Ausbeutung“ verfolgt, bei dem sich dann ALLE im neoliberalen Wettbewerb zum Nutzen des 1-Prozent-Clubs verausgaben können, DAS könnte man mal benennen und anprangern. Aber um das zu durchschauen, dafür fehlt es dem (rosa bemützten) Progressivitäts-Mob dann doch meist an Intelligenz.

    • DerBeimNamenNennt sagt:

      Zitat:
      „Das ist erfreulich, weil es zeigt, wie weit es der Mainstream gebracht hat.“

      Genau, weil z. B. in den 1980er Jahren haben ja noch Hexenverfolgungen stattgefunden und da ist es einfach großartig, wie weit sich der Mainstream entwickelt hat.

      Zitat:
      „Albern wird es, wenn Leute für dieses gefahrlose Verhalten großes Lob erwarten.“

      Die Tatsache, dass es nicht gefährlich ist, sich für eine Ansicht auszusprechen, bedeutet nicht, dass die Ansicht nicht richtig ist und/oder keinen Lob verdient. So fair wollen wir mal sein.

      Zitat:
      „Da vergleichen sich selbstverliebte Moralwächter, die sich für eine Quotenregelung in Jobs aussprechen, dann tatsächlich mit Suffragetten.“

      Anders als gewisse Aufzählungen uns glauben machen wollen, sind Quotenregelungen vielleicht nicht das gewesen, was die alten Suffragetten wirklich wollten. Chancengleichheit bedeutet eben nicht Ergebnisgleichheit.
      Aber es wird wahrscheinlich noch zwei, drei Generationen dauern, bis sich das jetzt wieder durchsetzt.

    • Serienfan sagt:

      In bin in den 1980er Jahren aufgewachsen und habe in ihnen Abitur gemacht. Und ja: Mädchen haben sich damals völlig frei von ihrem Geschlecht überlegt, was sie studieren wollen, genauso wie die Jungs (die sich darüber hinaus überlegen mussten, ob sie Wehr- oder Zivildienst machen werden).

      Aber wenn Du jetzt wirklich glaubst, in den 1980er Jahren wäre das Thema „Homosexualität“ in den Medien genauso vorgekommen wie heute, dann bist Du dann doch extrem schief gewickelt. Wenn damals Blake Carrington auf der Beerdigung des schwulen Freundes seines Sohnes betonte, diese Liebe sei eine gleichwertige Liebe von Heteros gewesen, dann hat das ZDF eine solche Szene einfach mal rausgeschnitten. (Sie wurde später in einer Kabel1-Wiederholung nachträglich synchronisiert und wieder eingefügt.) Damals war männliche Homosexualität zum Teil sogar noch strafbar, Vergewaltigung in der Ehe war erlaubt! Wer sich offen für eine Homo-Ehe ausgesprochen hätte, wäre ganz sicher nicht im Mainstream gelandet.

      Der Mainstream HAT sich entwickelt, dafür blind zu sein ist genauso albern wie der Umstand, die Vergangenheit zu dämonisieren.

      Und NEIN, eine Selbstverständlichkeit wie das Luftholen verdient kein Lob. Da halte ich es mit Jonathan Pie: Gegen Rechts zu sein, das ist wie die Standard-Grundeinstellung bei einem Handy! „It’s the default setting!“ Es ist geradezu lachhaft, sich dafür auf die Schulter zu klopfen.

    • Tabularius sagt:

      Ich finde es keineswegs absolut selbstverständlich gegen Rechts zu sein.
      Das zeigt nur wie eine Politische Haltung verteufelt wird die in sich nicht unmoralischer ist als andere.

      Rechts bedeutet nicht Ausländer verprügeln und KZs bauen. Auch wenn Deutsche gerne von jeder rechten Idee eine direkte Linie zum Holocaust ziehen.
      (wenn man natürlich rechts nur als genau das definieren will, dann vergesst was ich hier schreibe)

      Rechts zu sein kann einfach bedeuten traditionelle (Familien)-Werte zu vertreten, Für persöhnliche Freiheit und den damit verbunden Verpflichtungen einzutreten. Sowie den Fakt anzuerkennen das nicht alle Menschen gleich sind.
      Darüber hinaus geht es darum kulturelle Eigenheiten zu bewahren und zu verteidigen und deshalb auch gegen bzw für eine restriktive Einwanderung zu sein. (usw…)

      Nur um Missverständnissen vorzubeugen. Ich zähle mich selbst nicht zu den Rechten und habe andere (als die oben genannten) Vorstellungen von einer guten Gesellschaft.
      Aber sie deshalb gleich in die (unthikable) Ecke zu stellen halte ich für ein großes Problem.

      Und nochmal kurz btt:
      Mich hat keiner der besprochenen Punkte an Discovery gestört. schwules Pärchen? bin ich dabei. weibliche, schwarze, aliens als Führungsperson. macht mir absolut nix aus. Eine herbeigeschriebene Verachtung für Männer oder gewollte diskreditierung alles männlichen? Is mir nicht aufgefallen.

      Ich geh einen Schritt weiter und würde sagen das man aus all den Punkten sogar wunderbare Storyarcs hätte machen können. Leider ist die Serie einfach Mist und alle beteiligten grosse Nieten.

      Wenn mich etwas generft hat (abgesehen von den Logiklücken und der langweiligen Handlung) Dann das Mary Sue Syndrom von Michael.
      Darin hab ich aber auch keine besonders pro linke oder feministische Position bemerkt. Das ist einfach nur schlechtes Drehbuch.

    • Serienfan sagt:

      Mit „gegen rechts“ meine ich „gegen rechtsextreme Positionen“.

      Das „Problem“ von „Discovery“ ist natürlich die Unfähigkeit der Autoren, gute Geschichten zu erzählen. Ärgerlich wird es, wenn sich dann die Autoren auch noch hinter progressiven Botschaften verstecken. Nichts von dem, was die Discovery-Autoren hier tun, ist neu, innovativ oder erfordert Mut.

      Es ist eben ein Unterschied, ob Roddenberry zu Zeiten der Rassenunruhen eine schwarze Offizierin auf das Schiff holt, oder wenn man heute, nach einer achtjährigen Präsidentschaft eines afro-amerikanischen Präsidenten, eine Person mit schwarzer Hautfarbe zur Hauptfigur macht. Das eine mag als bedeutungsvolle Tat für sich bestehen, das andere ist heute weder originell noch erwähnenswert.

      Diese Progressivität dient hier also offensichtlich als Feigenblatt für eine miserable Serie, die sich unangreifbar machen möchte. Eine blöde Serie können auch prograssive Inhalte nicht retten, noch dazu in Zeiten, in denen diese von allen Seiten geträllert werden.

  10. G.G.Hoffmann sagt:

    Interessante Diskussion. Ich schließe mich zur Vermeidung von Wiederholungen weitgehend Serienfan an, finde die Serie aber nicht blöd, sondern nur unausgereift und überambitioniert. Sie leidet vor allem unter dem „Viele Köche verderben den Brei“-Syndrom, wie bereits der Umstand verdeutlicht, dass der Vorspann ganz überwiegend aus der Einblendung von „Executive Producers“ besteht.

    Was Stamets und Culber angeht: ich fand Beziehungen und Rumgeknutsche in Star Trek schon immer überflüssig, ganz gleich welches Geschlecht die Beteiligten hatten.

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