Film- und Serienkritiken

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„Geostorm“ – Die Kritik im Wasserglas

Wenn der Kumpel von Roland Emmerich einen Katastrophenfilm macht, der sich mit dem Kampf der Urbanisierung gegen die Kräfte der Natur beschäftigt, so horche ich erst mal auf – schon wegen der zu erwartenden Bässe. Immerhin halte ich „Independence Day“ für ein Standardwerk des dadaistischen Destruktivismus. Und wenn der Film dann auch noch „Geostorm“ heißt, so erwarte ich nicht weniger als einen Wirbelsturm, der mindestens 50 Geologen in die Stratosphäre bläst.

Inhalt: Eigentlich schien es eine gute Idee zu sein, das globale Wetter mit einem gigantischen Satellitensystem zu steuern. Doch als böse Hacker dieses unter ihre Gewalt bekommen, kann nur noch EIN Mann die Erde retten. Nämlich Rüdiger. (Glaube ich)

Besprechung:

Leider hat dieser Katastrophenfilm mehrere Probleme. Dazu zähle ich aber nicht die Tatsache, dass wir im Look einer Jahr-2010er-Zukunft die Satellitentechnik einer Jahr-2100er-Zukunft dargeboten bekommen. Das ist voll okay in einem Genre, das ich – entsprechend des Bildungsgrades des angepeilten Publikums – auch einfach „Johnrää“ schreiben könnte. Und ja, auch mit genialen „Wissenschaftlern“ habe ich gerechnet, die breitmäulig zum Weltenretter aufsteigen, aber kein einziges Mal einen Laptop, einen Bleistift oder wenigstens den Satz „Ich hab da mal was ausgerechnet“ vor sich hertragen.

Kurz: Dass dies ein Fest der Doofigkeit wird, das wusste ich vorher. Dass es allerdings mehr Dialog als Krachbumm gibt, das hatte ich nicht erwartet. So werden erhebliche Teile des Films damit gefüllt, dass die Hauptfigur mit der Leiterin der Raumstation herumfaselt („Wir müssen Sachen heil machen.“ – „Oh, Sie sind wohl sehr klug?“). Wobei diese Tante unglücklicherweise von der resttalentbefreiten deutschen Schauspielerin Alexandra Maria Lara gespielt wird. Spezialfähigkeit: Pupillen-Slalom auf der Froschaugen-Abfahrt. Selten hat sich eine Chefin(!) derart naht- und betonungslos in den Bildschirmhintergrund eingefügt. Warum deutsche Schauspieler sich selbst synchronisieren müssen, müsste ich eh noch mal ausführlich recherchier… – Oh, das – geht – aber – gerade – nicht. – Da – kommt – eine – grausige – Gefahr – auf – uns – zu.

Von den Katastrophen auf der Erde bekommt man eh wenig mit. Ich erinnere mich nur noch an einen Jungen, der im Slum-Schlamm für 10 Sekunden seinen Hund vermisst (Spoiler: Er findet ihn!) und an einen Araber, der geschockt aus dem Wolkenkratzer schaut, während das Meerwasser an der zwanzigste Etage anklopft. Alle Wetterereignisse sind zudem sehr kurz (Monsterwelle in drei… zwei… eins… – vorbei), geschehen manchmal sogar ungesehen („Oh, ein Wüstendorf wurde vor dem Vorspann eingefroren!“) oder werden selbst in den größten Actionszenen nicht richtig ausgereizt. Was bringen mir z.B. dreitausend Blitzeinschläge im Hintergrund, wenn die Autoverfolgungsjagd in überdachtem Terrain stattfindet? Richtig, nur ein nerviges Nachglühen auf der Pupille.

„Alexandra, nur wir können die Menschheit retten!!“ – „O-Okaaay. Das bringe ich mit Method Acting rüber. Ich denke einfach d-daran, wie ich meinen Kindern damals helfen musste, damit ihr Birnen-Leinsamen-Smoothie gelingt?“ – Schweighöfers Trümmerfrau: Wenn man mal drauf achtet, wie unauffällig sie sich immer in den Hintergrund verdrücken muss, kann man durchaus Spaß haben. Nur das Ding mit der Fallgrube und dem heruntergelassenen Greenscreen war vielleicht eeetwas zu viel?

Dass die Dialoge lahm, kitschig und spießig daherkommen: Geschenkt. Aber dass es davon so viele gibt, dass man jeden Satz mit der Frage „Und WANN genau sind die alle tot!?“ erweitern möchte, ist schon ungewöhnlich. Statt also die „Helden“ zu zeigen, die sich 2 Stunden lang mit allen Mitteln der Hack- und Weltraumklischees gegen die Katastrophe stemmen, hätte man lieber ein paar wichtige Schlaubi-Schlümpfe zeigen sollen, die an einem bestimmten Ort ankommen müssen. Nur, dass VOR diesem Ort halt ein Tornado, sieben Kaltzonen (hmm… Calzonen?) und zwei frische Binnenmeere warten.

Aber vielleicht reichten auch einfach die CGI-Mittel nicht, um natürliche Szenarien zu zeigen. So sehen die Szenen im All ganz nett aus (natürlich aus der Reihe „Metallgewitter – wer die tausendste Dose findet, darf sie behalten“), der Elemente-Tango auf der Erde aber gar nicht so. Die hätte selbst Andi Serkis um drei Uhr nachts noch besser animiert. Das sah bei Emmerichs „2012“ irgendwie schon mal wuchtiger aus. Schon alleine von der vierten Dimension her.

Und die Darsteller gefielen mir auch nicht. Ich hatte mir da irgendwie plakativere, klischeehaftere Gestalten vorgestellt. Der Hauptwissenschaftler ist z.B. kein verkommener Alki, der aber als letzter Mensch die Erde retten kann. Und der Disput mit seinem Bruder hätte mit einem sinnfreien Faustkampf wenigstens noch einen gewissen Schauwert gebildet. Die Tochter schwadroniert nur am Anfang und am Ende über die Verantwortung der Menschheit, der Bösewicht hält mir nicht genug erklärende Monologe und sinnfreie SF-Technologie habe ich bei Discovery auch schon mehr gesehen.

„Das finde ich voll gut, dass man Filme mal wieder mit altmodisch gemalten Kinoplakaten bewirbt!“ – „Äh… Das ist keine Buntstiftzeichnung, das sind die Wassereffekte im Film.“ – Wasserspülung mit Aha… mit RAHAH!-Effekt: Um die Wellen richtig hinzubekommen, sind mehrere Computer-Inder für drei Tage ans Meer gefahren worden. Schade nur, dass sie es durch die Gitterstäbe nicht richtig sehen konnten.


Fazit: Ich erwartete ein angenehme Hirn-aus-Party für alle Liebhaber des leergeschlürften Weißblechs. Leider bekam ich nur eine „Wir müssen unbedingt dem Präsidenten am Hintereingang auflauern“-Fete mit anschließendem „Und hier fallen drei Hagelkörner vom Himmel“-Daumenkino. Wenn schon doof, dann aber bitte richtig. Discovery schafft das doch auch!

Ein klassisches Beispiel dafür, dass man mit 50 Dialogsätzen weniger und 50 Millionen Dollar MEHR durchaus „besseres“ Kino hätte produzieren können.

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Artikel

von Klapowski am 04.09.18 in Filmkritik

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Kommentare (2)

  1. G.G.Hoffmann sagt:

    Wann läuft der denn auf Tele5?

  2. Kai Hawaii sagt:

    Ein Film der Gattung „Gratis-zum-Gucken-wenn-kein-Schlaf-auf-Langstreckenflügen“. Wenn man dann doch einnickt und irgendwann wieder aufschreckt, hat man den Handlungsfaden nach 5 Sekunden wieder. Auch für Kurzsichtige sehr empfehlenswert, da die Astro- oder was auch immer Nauten GANZ GROSSE NATIONALFLAGGEN auf ihren GRASSGRÜNEN Overalls tragen. Wahrscheinlich ist Angie immer noch Bundeskanzlerin und der Jogi Bundestrainer in dieser Zukunftsvision für Teletubbies.

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