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Der Latinum-Standard des Star Trek Universums

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Star Trek DS9 – 1.05 – „Tosk, der Gejagte“ Review

Star Trek DS9 – 1.05 – „Tosk, der Gejagte“ Review

Warum spoilert der Episodenname eigentlich das Ende der Episode? „Der geheimnisvolle Tosk“ hätte schließlich auch gereicht, was höchstens der Folge „Der geheimnisvolle Garak“ ein phonetisches Wiederholungsproblem beschert hätte. Noch besser wäre natürlich nur das Wörtchen „Tosk“ gewesen, was wohl dem derzeitigen amerikanische Titelstyle entspräche. Oder, wie es wohl auf Sat.1 hieße: „Tosk – Missbraucht und gewürgt. Tatort Echsenstrich“.

Inhalt: O’Brian repariert das Schiff eines durchs Wurmloch trudelnden Tunichtguts. Nach kurzem Beschnuppern werden sie so etwas wie Freunde. Doch warum ist Tosk da? Warum wird er gejagt? Werden wir es je erfahren?

Besprechung:

Eine Episode, die auf dem ersten Blick nichts zu bieten scheint: Die meiste Zeit rätselt die Besatzung über die Motive des Mutlosen, zeigt ihm Bar, Andockrampe und heimlich den Vogel, weil sich der Fremde merkwürdigst verhält. Eben eine typische „Geheimnisvoller Gast hat dunkles Geheimnis, rückt aber erst damit heraus, wenn der dritte Akt am Start ist“-Episode. Ein Konzept, das vor allem von TNG sehr bekannt ist, wo wir viel über alternative Gesellschaftsordnungen lernten (Rentner umbringen, Evolutionierende umbringen, Datas Mutter den Arm abschrauben, etc.).

Nicht das neueste Konzept, aber immer wieder für kleine Laber-Perlen gut. In diesem Fall wurde Tosk eben für die Jagd gezüchtet. Quasi ein freilaufendes Reh aus Shuttle-Haltung. Zu sehr hinterfragen sollte man das vielleicht nicht (95% der Jagden dürften damit enden, dass das Schiff abgeschossen wird – laaangweilig?), aber darum geht es beim reptiloiden Fremden gar nicht.

„Was ist das nur für eine Lebensform, O’Brian?“ – „Wir nennen sie Barkeeper.“ – „Oh. Ist sie für das Überleben ihrer Spezies von grundlegender Bedeutung?“ – „Nur im Ruhrpott und in Teilen Sachsen-Anhalts.“ – Spendierhose: Um den Besucher zu begrüßen, hat Quark es sich nicht nehmen lassen, ihm eine Kleinigkeit zu spendieren. Nämlich einen warmen Stein in der Sonne und eine flügellahme Fliege mit Petersilie in den Ohren.

Besser als Türkeiurlaub – Die erste Hälfte des Besuchs verströmt mehr „Sense of Wonder“ (auf Deutsch: „Sense der Wunden“), als die siebenjährige Abgasuntersuchung der Voyager. Tosk scheint hochgradig irritiert von den Menschen auf der Station, von den Quartieren und dem angewachsenen Tribble auf O’Brians Kopf. Man staunt buchstäblich durch seine Augen – mehr ist vom Schauspieler eh nicht zu sehen…
Grüner Knollennasling – Das Design von Tosk hatte durchaus was: Aufwendig, stimmig und mit schönen „Ich hab Rücken“-Bewegungen garniert. Hier gibt es nicht eines dieser Aliendesigns, wo die Gesichtsevolution aus irgendeinem Grund den Mund zuwachsen(!) lässt oder alles etwas nach Heißklebepistole und aufgeplatztem Müllsack aussieht. Sogar agil hochspringen sehen wir Tosk einmal! War nach dem steifen Gezuckel aber auch nötig.
Moral nach Picard-Art – Kurz wähnt man sich wieder im Philosophieunterricht des alten Kant-Verstehers: Darf ein Wesen versklavt und gejagt werden, wenn es das selbst wünscht? Und hat O’Brian bei der Fluchthilfe nun Mist gebaut, oder den Jägern am Ende einen Gefallen getan? – Die Antworten auf diese Fragen könnten darüber bestimmen, wie IHR zukünftig leben wollt!
Moral nach Cunt-Art – Leider bleibt am Ende keine Zeit für Diplomatie. Die eben noch übermächtigen Jäger stolpern wie ein vergaster Hühnerhaufen über das Promenadendeck und lassen sich nicht nur durch den Helm(!) KO schlagen, sondern werden sogar durch sanftes Umschubsen dem seligen Koma-Schlaf übergeben. Hier hätte Sisko den Besuchern Stützräder und Gummiwände anbieten müssen!
Seid ihr noch ganz bei Tr… Tosk? – Im Ernst, das Design der Jäger wirkt wie eine Mischung aus 60er-Jahre-TOS und 90er-Jahre-TOS-Parodie. In grellroten Anzügen sollte man eben nur auftreten, wenn man „es“ tragen kann – also die Schmach nach einem derartigen Pyjama-Auftritt.
Mehrfache Einbahnstraße – Mal was Allgemeines: Das Wurmloch wird jetzt schon 5 Folgen alt, aber noch immer hat man keine Expedition gesehen, die nicht am überbelichteten Kaffeetisch der Wurmlochaliens geendet ist. Auch scheint auf der anderen Seite kein Schiff und keine Begrüßungsboje der Föderation auf den Umstand hinzuweisen, dass am anderen Ende des Blauschlauchs nicht mehr öffentlich geraucht werden darf.

„Aaaargh! Stroooomschlaaaaag! Sie h-haben und r-r-eingelegt!“ – „Ich ahnte doch gleich, dass man nicht die Gabel in die Steckdose stecken muss, um den Aufzug zu holen!“ – Sch(l)ussakkord: Ein kurzes Geballer auf dem Flur darf natürlich nicht fehlen. Dass O’Brian das überlebte, hat er nur seinen katzenhaften Reflexen zu verdanken. Genauer: Jene Reflexe, wenn eine Katze einfach nur doof dasteht und irgendwas ewig beobachtet, meine ich.

O’Brian legt hier den Grundstein für viele spannende Abenteuer – mit sich selbst. Wir lernen: Der Mann schraubt gerne bescheiden an allem rum (was ihm seine Frau noch erlaubt), ist aber sofort bereit, für seine Überzeugungen zu sterben, wenn gewisse Punkte überschritten werden. Und ja, für mich ist er sowieso einer der normalsten Charaktere der Trek-Geschichte, der zudem keinerlei Agenda mit auf den Weg bekam: Er ist kein Halbblut, kein Indianer, kein Weichei und wurde als Kind nicht von pädophilen Klingonen großgezogen. Es macht durchaus Laune, ihn mit Tosk agieren zu sehen, ohne dass einer von beiden dem Zuschauer einen Schaftbolzen ans Knie labert.


Fazit: Eigentlich eine schön typische Trek-Episode, die ein (nicht ungewöhnliches) SF-Konzept endlich auch bei Star Trek einführt. Dafür zahlen wir schließlich 9 Euro Netflix-Gebühren im Monat! – Die lahmen Schauwerte und die eingedampften Diskussionen verwehren dem intimen Drama aber die Weihen mehrminütigen Fan-Jubels.

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Artikel

von Klapowski am 24.03.17 in Star Trek: Deep Space Nine

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Kommentare (5)

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  1. Onkel Hotte sagt:

    Hast du jetzt deine Star Trek Collections durch und kannst dich anderen filmischen Erzeugnissen widmen ? :)
    Sonst mach doch mal ein auf Binge-Gucken die nächsten Tage und geh dann hop hop ins Kino in den „KONG“ Film

  2. Klapowski sagt:

    Was ihr jungen Leu… Greise nur immer mit eurem Kino habt, das frage ich mich.

    Für 2 Karten à 11 Euro plus Anfahrt, Parkticket (und ggf. Popkorn) bekomme ich auf Netflix doch schon 3,5 Monate Guckvergnügen!

    Statt mir also einen Film anzusehen, der mir wahrscheinlich nicht sooo sehr gefällt, reviewe ich lieber was, das geschätzte 70% der Zuleser hier schon kennen – und seit 16 Jahren hier reviewt sehen wollen.

    Das ist eine Frage der Mathematik, nicht der Aktualität. Aber in drei Monaten, wenn „Kong“ bei Amazon für 4,99 Euro zu sehen sein wird (oder in 6 Monaten für 0,99 Euro beim „Kinofreitag“-Angebot?), dann können wir noch mal drüber sprechen. Aber vermutlich forderst du dann schon das Review zu „Klopperfield 3“ oder einem anderen Blockbuster.

    Und dann werde ICH lachen, ein Review der Folge „Noch einmal Q“ hochladen und mich sehr, sehr klug fühlen…

  3. G.G.Hoffmann sagt:

    Genau! Bitte weiterhin die schweigende Mehrheit befriedigen! Mindestens 70% des Star Trek Materials ist hier ja noch gar nicht besprochen worden. Freue mich schon auf „Chula – Das Spiel“!

  4. DerBeimNamenNennt sagt:

    Ja, das war eine Folge, die mich damals wirklich zum Nachdenken gebracht hat. Das haben alle Hirogen-Folgen aus VOY eigentlich nicht geschafft (bzw. in gewisser Weise schon, was aber nicht überraschend ist, wenn man sie zum Einschlafen anguckt…).

    Klar, es gibt Bearbeitungen des Themas, fiktional und non-fiktional, die wesentlich mehr reinhauen, aber… Es ist Star Trek. Irgendwie guckt man sich es dann doch wieder an…
    Und ja, O’brine ist sympatisch.

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