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„Primer“ – Review / Weiver / Viewre

„Primer“ – Review / Weiver / Viewre

Der Mathematiker Shane Carruth erstellte 2004 – quasi im Alleingang als Musiker, Regisseur, Cutter und Hauptdarsteller – einen prämierten SF-Film, der gerade mal 7.000 Dollar gekostet hat. Tja, wenn man etwas WIRKLICH Verwirrendes erschaffen möchte, muss man eben alles selber machen. Alles Stümper, diese „anderen“! Denn dieser Zeitreiseschinken ist so kompliziert, dass man schon in der ersten Filmhälfte auf Notizen zurückgreifen muss. Nämlich die der eigenen Krankenkasse, was bei psychatrischen Einweisungen zu beachten ist. Sparkiller und ich wagten das Experiment mit der eigenen Zurechnungsfähigkeit und waren auf 3 Zeitlinien (plus Überholspur!) verwirrt…

INFORMATIONEN:

Regie: Shane Carruth
Jahr: 2004
Budget: $7000

Poster
Hefte raus, wir schreiben eine Klausur!
Inhalt: Zwei Genies bauen an einem… „Ding“, das sich plötzlich als Zeitmaschine entpuppt. Sie beschließen, diese Gerät in groß nachzubauen und durch Aktienspekulationen reich zu werden – OHNE ein Paradoxon hervorzurufen…

(Start des Reviews in Klapos Haus, 12:30 Uhr) Die Darsteller sind so blässlich und austauschbar, dass Tick, Trick und Track dagegen fast wie hochpreisige Charakterdarsteller wirken. Kulissen und Ausleuchtung erinnern an schwedische Krampf-Kunstkrimis, bei denen es so sehr auf die lahme Handlung ankommt, dass der Rest ruhig oberlahm aussehen darf. Die Musik erinnert an einen angeschossenen Straßenmusiker, der sich an seiner Automatik-Geige verschluckt hat – oder wahlweise eine CD mit dem Titel „die schlechteste Filmmusik aller Zeiten“ aus dem Schrank geangelt hat. Sprich: Die letzte „Frauentausch“-Episode auf RTL2 sah irgendwie weniger nach Dokusoap aus.

(Laptop, Öffentliche Toilette, Sturzdurchfall, Bielefeld, 02:09 Uhr) Und auch inhaltlich gibt es durchaus Lücken von der Größe einer Regierungserklärung. So haben weder Sparkiller noch ich beim Sehen kapiert, was die Jedermann-Jungs am Anfang ursprünglich bauen wollten. Klang etwas nach „Wir haben kein Geld, schnell, erfinden wir was Kultiges!“. Gut: Dass wir das nicht kapierten, ist wahrscheinlich dem Schnellfeuer-Gefasel dieser Betonungs-Abstinenzler zuzuschreiben („Schnell, Mikrowelle kaufen und mit Auspuff und Kühlschrank zusammenschrauben; bringst du mir einen Donat mit? Aber schnell, wir sind doch aaaarm!“), besser wird der Beginn dadurch aber auch nicht.

„Gummibänder. Check. Tesafilm. Check. Fäkalieneimer. Checkcheck!“ – In 80 Tagen um die Zeit: Zeitreisen benötigen viel Zeit, rein zeitlich gesehen. So müssen die Protagonisten immer wieder in dieser blaustichigen Bude – optisch zwischen Serverfarm und Waschküche angesiedelt – herumsitzen. Eine gute Idee, wie ich finde! So bin ich kürzlich eine Stunde in die Zukunft gereist, indem ich mich 60 Minuten lang an eine Autobatterie angeschlossen habe…

(Waschanlage, München, 14:33 Uhr) Leichte Spannung kommt dann erst auf, nachdem die Studenten(?) seltsame Messwerte an ihrer verkabelten Metallkiste erhalten: Ein Brummton hört erst Sekunden zu spät auf. Ja, so simpel muss man sich die Erfindung einer Zeitmaschine wohl realistischerweise vorstellen, wenn man sich Doc Browns Sturz vom Lokusdeckel in „Zurück in die Zukunft“ wegdenkt. So funktionieren große Entdeckungen normalerweise: Dr. X möchte einen Massagestuhl bauen, entwickelte aber die kalte Kernfusion, was erst nach 18 verpufften Rückenknochen auffällt. That’s Science! Die Geschichte der domestizierten Nebenwirkungen.

(Doppelgängernotiz aus digitalem Videotagebuch, London 1827) Doch nachdem die beiden Jungs bemerken, dass mit ihren Uhren etwas Seltsames geschieht, freuen sie sich nicht darüber. Sie wirken so vorsichtig, gehemmt und depressiv, als würden sie sich jetzt schon vorstellen, dass der Nobelpreis unter Strom stehen oder fürchterlich zugesifft sein könnte. Nichts gegen realistische Zweifel, aber dieses bekümmerte Zeitlupen-Gezaudere mit Dialogen à la „Verspricht mir, dass du mir nicht versprichst, dass wir da an etwas sind, was nicht vielversprechend ist“ lässt einem durchaus den Zeiger an der Armbanduhr verwelken.

(Alternative Realität, 666 Uhr 63) Und obwohl die beiden nur in einer verkabelten Garage sitzen und zeitreisen, hat mich dieser Umstand bereits etliche Gehirnwindungen gekostet. Und noch immer habe ich es nicht ganz kapiert: Wer fährt wann von außen oder innen die Maschine hoch oder runter? Wie genau gehen sich die doppelt vorhandenen Menschen aus dem Weg, um bloß kein Paradoxon zuzulassen? – Man ist so sehr gewohnt, dass man die Auswirkungen von Zeitreisen optisch präsentiert bekommt (= „Huhu, hier ist der Klapowski aus der Zukunft, hier, ein paar Börsendaten, Tschüss!“), dass man völlig überfordert ist, wenn zwei Typen in einer Metallkiste kollabieren und zwischendurch darüber reden, welches Auto sie in Sichtweite des Hauses parken dürfen und welches nicht.

„Ja, wer seid iiiihr denn? Warum liegt ihr hier?“ – „Auf der Stoppuhr ausgerutscht! Strahlung der Zeitmaschine hat den Rest dieser Sequenz weggeschnitten! Erklärung erfolgte bereits im Vorspann des Nachfolgerfilms! Müssen uns Tampons ins Ohr stecken, da Blut aus Gehirn läuft! Haben eine Audioaufnahme der Geschehnisse in die Regentonne vor dem Haus gesprochen! Schnell Deckel aufmachen und abhören, bevor der Biber auf dem Dachboden zu klein wird, raaaaaah!!“

(Eisdiele, Schweden, Notiz des geklonten Drillingsbruders eines temporären Zeitreisezwillings) Kurz: Die Handlung ist so intelligent, dass autistische Mathematiker mit viel Zeit hier ein klasse Betätigungsfeld finden, um sich mit der gebogenen Zeitlinie das Hirn wund zu peitschen! Wer also schon immer glaubte, Zeitreisenstorys aus dem Eff-Eff zu beherrschen, wird erschrecken, wie sehr eine minimalistische Erzählung ohne Spezialeffekte (*Blitz, Zack, Zank!* – „Heureka! Es – ist – vollbraaaacht!“) einem den Hirnstrom auf Tröpfelniveau herabpegeln kann.

(Gummizelle, China, Sparkiller-Selbstgespräch, 0:00 Uhr) Und das ist auch der Grund, warum Sparki und ich Euch untertänigst um chronologische Hilfe bitten: Spätestens ab der 50. Minute habe ich ob der minimalistischen Mini-Darstellung nicht mehr kapiert, was die Jungs da ansatzweise taten. Völlig frustriert – und doch irgendwie motiviert – saß ich vor dem Film und versuchte mir einen Reim auf etwas zu machen, das kein Versmaß zu haben schien. Die Geschichte scheint simpel zu sein (immerhin kommt eine ungezeigte Shotgun drin vor), aber alleine die pannemäßige Präsentation macht daraus ein perverses Sudoku-Puzzle mit der Zeitlinie. Ein knobeliges Kopfkino, bei dem die Protagonisten nicht hilfreich mit dem Flipchart wedeln und auch für den Dööfsten (der dann wohl ICH bin) erklären, warum ein Garagenzeitreisender erst um 4 Uhr Kacken darf, damit sich die noch nicht aufgenommene Nahrung bei dem Anblick ihrer zukünftigen Form nicht zu Tode erschreckt. Oder so.

(Tonbandaufzeichnung von Satans temporalen Zwilling, Nürnberg) Ehrlich: Ich habe keinen temporären Schimmer, was am Ende (Anfang? Mitte? Häää?) des Filmes passierte. Brach die Zeitlinie zusammen und wenn ja, kann man sie wieder kleben? Was hatte es mit der Tonaufnahme auf sich, wer saß in dem Auto (Daaad?) und warum ist eine Shotgun so wichtig unter Leuten, die im ganzen Film auf die bahnbrechende Erfindung der menschlichen Emotion warten? Und was haben die beiden Heinis eigentlich in den Wasserfontainen einer öffentlichen Brunnenanlage ge-ge-gesucht?! – Immerhin fand ich das hier:

Dass eine Person aufhört zu existieren, hatte ich tatsächlich nicht kapiert. Aber WER soll denn diese Person genau sein? Äh, Sparki? Warst Du nicht eben noch neben mir? (*auf verwaiste „Primer“-Notizzettelberge blick*)


Fazit: Immerhin: Wikipedia hat den Film kapiert und bescheinigt ihm – zusammen mit vielen anderen Fans – , einer der besten SF-Filme für den „thinking man“ zu sein. Tja, schon blöd, wenn man selber doof ist. Aber vielleeeeicht hätten ja auch Sparki und Klapo etwas begriffen, wenn die Figuren den Wecker für den eigenen Erklär- und Spielwillen gestellt hätten, statt immer nur den Digitaltimer am Rolltor. Somit bleibt ein unterkühltes Vergnügen für Intellektuelle und diejenigen, die es in einer anderen Zeitlinie mal werden wollen. Und jetzt entschuldigt mich. Ich muss mit meinem nicht-existenten Double eine Runde Mau-Mau im Kleiderschrank spielen, ha-ha. – Gnaaahaarggl!

0 Ohren0 Ohren3 Ohren4-

(Für Leute, die nicht doof sind, vermutlich eine glatte „2“)

SPARKIS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
1000 Fragen aus dem Paradoxon
Fazit: Hilfe, nix verstanden! Was wollten die beiden Hauptfiguren zu Beginn überhaupt erfinden? Wieso wurde daraus dann eine Zeitmaschine? Welche Rolle spielen deren zwei Geschäftspartner? Warum genau läuft deren Plan zum Geldmachen aus dem Ruder? Weshalb hat einer kurz Ohrenbluten, wenn das Ganze nicht weiter verfolgt wird? Und was hat denn das Ende in Frankreich zu bedeuten? So viele Fragen, um nur einige zu nennen! Ich glaube, ich reise besser noch einmal zurück zum Anfang… *wusch*

Besprechung: Okay, jetzt nochmal von Vorne und besser konzentrieren. Hmm, nee, klarer wird das Ganze irgendwie immer noch nicht. Liegt vor allem daran, daß dies auch gar nicht groß erklärt wird. Und der Spark neben mir auf der Couch, der aus der originalen Zeitlinie, nervt auch sehr mit seinen vielen „Höööh?!“-Rufen. Wie soll man denn so dem Film folgen?! Ich hau‘ den jetzt einfach K.O., so! Scheint auch keine temporalen Probleme zu verursach— *wusch*

Besprechung: Aua, mein Kopf! Selbst beim ersten Anschauen sorgt dieser Streifen anscheinend bereits für arge Hirnschmerzen. Muß auch kurz bewußtlos geworden sein. Jetzt hab ich natürlich wieder eine Menge verpasst. Warum erschien auf einer Party jemand mit einer Schrotflinte? Weeeer war das denn? Welche Folgen hatte dies? Und brauchten die Zwei wirklich 50+ Wiederholungen, um diesen endlich zu überwältigen? Mit Keule neben der Tür stehen zu schwierig? Nix gegen Filme, wo man mal nachdenken muß, aber wenn ich offene Fragen will, dann kann ich auch SGU gucken. Besser nochmal zum Anfang des Films reisen. Seufz. *wusch*

Besprechung: Nerv. So langsam wird das aber voll hier. Spark 1 rallt überhaupt nix und Spark 2 nörgelt immer genau DESWEGEN rum. Die haben halt nicht die selbe Arbeitsmoral wie ICH, jahaa! Ha, jetzt hat Spark 2 dem Anderen eines auf die Omme gegeben und ist verpufft. Endlich Ruhe hier. Verstehe aber immer noch nicht, wer die beiden Forscher denn da heimlich verfolgt und anscheinend auch deren Zeitsprunghütte benutzt hat. Daß ich mich nicht einmal an sein Gesicht erinnern kann, beweist wohl die schlechteste Figurenausarbeitung, die ich jemals in einem Film (nicht) gesehen habe. Verdammt, jetzt blute ich schon aus dem Ohr vor lauter Frust. Hoffentlich hat dies keine dauerhaften Nebenwirk— *wusch*

Fazit: Hilfe! Jetzt sitze ich schon auf dem Boden, weil die Couch voll ist! Spark 1 versteht weiterhin nix, Spark 2 regt sich immer noch darüber auf und Spark 3 ist anscheinend bereits vor Verwirrung gestorben. Kein Wunder, wird diese Geschichte doch wirklich schlecht erzählt. Low-Budget hin oder her, aber nur weil man als Autor versteht was los ist, hat man als Regisseur (= selbe Person) trotzdem die Pflicht, dem Zuschauer dies auch verständlich zu erklären. Da hilft es auch nix, wenn sich die Hauptfiguren oft die selben verzweifelten Fragen stellen, wie ich. DANN lieber nochmal zurückreisen und das ERSTE Angucken verhindern! *wusch*

Note: 4+

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Artikel

von Klapowski am 11.12.10 in Filmkritik

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Kommentare (9)

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  1. FF sagt:

    Zeitreise-Mafia

  2. Ijon sagt:

    Is schon ne Weile her, aber ich bin mir ziemlich sicher, sie wollten ne Anti-Gravitations-Maschine bauen, die sich dann versehentlich als Zeitmaschine herausstellte. Und war der Shotgun-Typ nicht auch eins ihrer Doubles? Oder wie war das nochmal…?
    Aber hey, so ein Projekt mit so wenig Geld und doch so viel Liebe zum Detail zu verwirklichen verdient ja wohl mindestens ein Bonus-Gummiohr, finde ich und angeblich hat zumindest Stephen Hawking die Handlung kapiert, also kanns ja wohl soo kompliziert nicht sein, was?

  3. DerBeimNamenNennt sagt:

    Woraus resultiert die Verworrenheit und Unverständlichkeit des Filmes denn?

    Nur daraus, dass nichts erklärt wird, oder ist die Handlung wirklich anspruchsvoll?

    Also ist es eher eine Doctor Who-Folge (obwohl es da auch echt anspruchsvolle gibt, aber der Mainpart liegt beim Raten, wie die Handlung wohl aufgelöst wird, also bei etwas unbekannten), bzw. Krimi oder eher sowas wie Cube oder ein Experimentalfilm?

  4. ted_simple sagt:

    Hab’s mir gerade angesehen. Äh, ich konnte der Handlung folgen…? Fand den Film nicht unverständlich. Jedenfalls bis auf die letzte Viertelstunde, da war ein bisschen viel reingepackt. Hab’s mir kein zweites Mal zu Gemüte geführt, sondern Wikipedia gelesen und GLAUBE es jetzt zu verstehen (Achtung, Spoiler!):

    Die beiden Freunde reisen in die Vergangenheit und sabotieren das ursprüngliche Experiment, damit es niemals zu Zeitreisen kommt und der Vater von Abe’s Freundin infolge seines Zeitreise-Trips nicht sterben muss. Nun ist das Experiment abgebrochen, doch die beiden aus der Zukunft Angereisten existieren weiterhin als Duplikate neben ihren Originalen.

    Wo ich den Faden verloren habe: Zum einen war da Aarons Eigenmächtigkeit, sein alternatives Selbst zu überwältigen und als dieses zu posieren. Wozu? Außerdem die Versuche beider (Abe und Aaron), auf die Party mit dem Gunman Einfluss zu nehmen. Die Erklärung dürfte, etwa, so lauten: Die beiden waren unterschiedlicher Meinung, wie man mit dem Gunman zu verfahren habe. Abe wollte vor allem sicherstellen, dass seiner Freundin auf der Party nichts geschieht, wärhend Aaron die Gelegenheit nutzen wollte, den Gunman von der Polizei festnehmen zu lassen, damit er in Zukunft keinen potentiellen Schaden mehr verursachen kann. Abe war sauer, dass Aaron derart die Zeitlinie verändert, anstatt den Gunman einfach laufen zu lassen, und überdies seine Freundin gefährdet (die in der ursprünlichen Zeitlinie ohne Schaden davonkam, aber durch Aarons Eingriff hätte sich dies ja ändern können).

    Daher das Zerwürfnis der beiden und die Trennung in der letzten Szene (es war zumindest gefühlt die letzte) mit Abes deutlicher Aussage: Geh irgendwohin, mach was du willst, aber komm meiner Familie nicht wieder nahe und gefährde sie.

    Carruth wollte laut eigener Aussage genau dieses Zerwürfnis zweier Menschen thematisieren, die mit der neugewonnenen Macht, die ihnen durch die Zeitreisen zukommt, unterschiedlich umgehen. Ist ihm auch gut gelungen.

    Ganz kurzweiliger Film, empfehlenswert.

    • ted_simple sagt:

      Nachtrag: Ich wage mal zu behaupten, dass viele Menschen, die das Denken in komplexen System gewohnt sind (Programmierer, Mathematiker…) diesem Film folgen können, aber es ist vermutlich nicht jedermanns Sache. Ich finde es etwas albern, dem Autor anzukreiden, er habe einen zu komplizierten Film gemacht; denn gerade die Erzählweise macht den Film (künstlerisch) interessant. Soll auch Leute geben, denen Durchschnitts-Science Fiction zu kompliziert ist… trotzdem kein Grund, etwa die Erzählweise von Battlestar Galactica zu vereinfachen.

      Primer ist sicher nicht an ein Massenpublikum gerichtet.

      Antworten
  5. ted_simple sagt:

    Tach auch,

    ich habe gerade nochmal in den Film reingeschaut und muss doch zugeben, der Narrativ ist nicht der Beste. Vermutlich ist es gar nicht die komplexe Zeitverschachtelung, die das Verständnis so sehr erschwert, sondern das Fehlen weniger, wichtiger Erklärungen in ein paar Schlüsselszenen. Oder ist diese Detektivarbeit seitens des Zuschauers gewollt…?

    Der dramatische Konflikt (damit ihr eine Orientierung habt): Die Ursprungsversion des Partyabends haben wir logischerweise nie zu sehen bekommen. Der Film präsentiert uns nur die späten, bereits veändert Zeitlinien. Das ist wichtig zu verstehen. Hätten Aaron und Abe also die Waffe des Gunman nicht im Vorfeld entladen, wäre es wahrscheinlich zu einem Unglück gekommen. Ich mutmaße, dass Rachel Granger erschossen worden wäre. Der Tod seiner Freundin wäre für Abe dann Anlass gewesen, deren Vater Thomas Granger in die Zeitmaschinen einzuweihen, so dass dieser dann in der Zeit zurückreiste. Die beiden fragen sich in einer Szene, wer von ihnen Thomas eingeweiht haben könnte und Abe gab zu, dass er es in einer Notsituation getan haben könnte. Diese Aussage hat Carruth wahrscheinlich nicht zufällig in Abes Mund gelegt.

    Die beiden Freunde zerstreiten sich am Ende daran, wie sie mit dem Gunman umgegangen sind (siehe mein Beitrag von gestern).

    Ich denke, SO klar hat es auch Wikipedia noch nicht dargestellt. Die Komplexität der Zeitreisen-Verschachtelung ist eigtl. nicht größer als bei der Stargate-Folge „Moebius“ (in der SG-1 den Puddle Jumper mit der Zeitmaschine benutzt, um Ra vor 3000 Jahren einen Besuch abzustatten).

    EDIT: Wer mal programmiert und komplizierte verschachtelte Programme geschrieben hat, kann den Zeitreisen in Primer wahrscheinlich folgen. Ist vielleicht mein Vorteil. Mathematiker als Autor eben…

    Normalerweise leben Original und Double nur für kurze Zeit parallel, bis das Original in die Maschine steigt. Iss ja klar. Wird jedoch das Original durch sein Double daran gehindert, in die Maschine zu steigen (was gegen Ende des Films passiert), so leben offensichtlich Original und Double parallel weiter.

  6. Klapowski sagt:

    Ich muss gestehen, dass ich nicht ansatzweise so tief in die Handlung vorgedrungen bin (Freundin? Vater? Gunman? Diese Leute habe ich irgendwie verpasst…).

    Lag aber auch daran, dass die Figuren ungefähr so dramatisch wie eine Subtraktion mit Beinen daherkamen. Mehr Formel als Mensch. Passt schon.

    Und ich garantiere, dass der Film gegen mindestens 293 narrative, zwingend vorgeschriebene Erzählregeln verstößt. Wäre das eine Schultheateraufführung gewesen (handwerklich durchaus denkbar), man hätte die Eltern des jugendlichen Autoren angerufen und gefragt, ob ihr Sohn Drogen nimmt.

  7. ted_simple sagt:

    Carruth hat sich selbst als Schauspieler gecastet, weil er niemanden finden konnte, der so undramatisch und nüchtern vor die Kamera treten konnte. Ist wahr. Dieser „Mathematik-/Physik-/Informatikstudenten“-Charme macht den Film ja irgendwie originell. Auch wenn ich persönlich nicht so bin. In einem Interview hat Carruth sogar gelacht (!) und wirkte ganz anders, ich denke er hat sich im Film, zu einem gewissen Grad zumindest, verstellt. Das ganze Ding erhält einen nüchternen, fatalistischen Charakter, der mich an Moon erinnert (der Klon auf der Mondstation).

    Der Film verstößt bestimmt gegen einige Erzählregeln… was ihm aber einen Hyperrealismus verleiht, denn der Erzähler ist Doppel-Aaron, welcher sein Original anruft und in einem einzigen Telefon-Monolog die ganze Story beichtet: und welcher Ingenieur kann sich schon gut ausdrücken? ;) Ich verstehe Handwerker und Elektriker grundsätzlich nicht, und das liegt nicht an meiner Doofheit.

    PS. Wenn man den Film verstanden hat, war er etwa so gut oder schlecht wie Moon. Nüchtern erzählt, die Hauptfigur(en) sind auch hier „realistätsnah“ bis banal dargestellt, laden dabei nicht übermäßig zur Identifikation ein. Interessante moralische Fragen werden durchaus aufgeworfen. Also für mich so eine 2. Nichts Außergewöhnliches, aber nett. Stimmungsvoll und ruhig erzählt, trotzden nicht langweilig.

  8. Donald D. sagt:

    Das absolut rätselhafteste für mich ist jedoch das Einspielergebnis. Fast eine halbe Million Dollar!!! Mann, wenn ein paar Zukunftia-Leser zusammenlegen und Klapo & Sparki das Drehbuch schreiben, könnte man glatt groß absahnen. Sowas kriegen wir Trekkies auch hin. Und als Special Guest Star: ein alter demenzkranker Ex-Redakteur namens G.G.H.

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