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„Raumschiff Highlander 6“ – Review zur Deutschland-Premiere

„Raumschiff Highlander 6“ – Review zur Deutschland-Premiere

SciFiNews.de mag uns sehr! Auch wenn ich jedes Mal nachsehen muss, wie sie sich genau schreiben (Echt kein einziger Bindestrich?!). Daher bekamen wir exklusiven Einblick in den morgen startenden Live-Stream des Fanfilms „Highlander 6“! Ein Werk, in dem es um einen besoffenen Captain geht, der auf Römische Soldaten und andere Personen trifft. Zum Glück aber nie emotional. – Die ersten 5 Filme muss man übrigens NICHT gesehen haben. Denn das Konzept der Reihe lautet weiterhin: „Auf jede Film-Anspielung folgen zwei Gesichter in Großaufnahme“


Wer in den 90ern mit dem Gesicht nach UNTEN im Studentenwohnheim rumlag, wird vielleicht nicht mehr genau wissen, was „Highlander“ genau bedeutet. Für diese Leute haben wir einen Trailer hier:

2010 hat angerufen. Sie wollen ihren alten „Ridley Scott … hatte keine Zeit“-Gag wiederhaben. Trotzdem ein schöner Trailer. Vor allem gibt es endlich mal eine etwas andere Musik. Und das bestimmt auch rechtefrei. – Halleluja!

Interessanter fand ich aber das hier – weil es eben die konkret-künstlerischen Facetten von Robert Amper zeigt:

Sympathischer kann wohl nur Helge Schneider wirken, der an der Straßenecke 100€-Scheine verteilt. Und das meine ich nicht ironisch.

Und wer das eigentlichen Film-Event am 06.12. gegen 20 Uhr verfolgen möchte, möge einfach den obigen Kanal im Auge behalten. Oder hier rumklicken.


Vorwort:

Trotz meiner Kenntnis der Sat.1(!)-Ausstrahlungen der Highlander-Serie in den 1990ern wusste ich überhaupt nicht, was als Rezensent heute von mir erwartet wird:

1.) Kultiges Abfeiern, WEIL etwas so plump ist/war? So ein bisschen, wie man heute Euro-Techno und Dance-HipHop-Trance der 90er abfeiert? (Echt keine Ahnung, wie das Rhythmus-Geklopse heißt) Quasi die alte Nummer namens „Haha, als Helge Schneider bei ‚Sinnlos im Weltraum‘ auftrat, bin ich vor Verzückung glatt in eine alte ‚RTL Samstag Nacht‘-Folge gelatscht!“ … ?

2.) Kritische Betrachtung der hypertextuellen Querverstrebungen? Soll ich eine Abhandlung darüber bringen, dass die Abwesenheit von Schauspielunterricht (vor Mutti) ein Zerrbild der heutigen Leistungsgesellschaft ist?

3.) Das reine Abfeiern der sehr soliden Effekte? Was seit 15 Jahren das einzige ist, warum ich maaanchmal noch in aufwändige Fanfilme reinschaue. Was Kurtzman-Trek übrigens mit einschließt.

4.) Irgendein anderer, ernsthafter Faktor? Die geniale Geschichte? Die weitsichtigen Dialoge? Die cleveren Anspielungen? Studentenwohnheim, seine Arme weit? Bewegung an der frischen Waldluft ist gesund? Und gibt es z.B. einen Promi-Bonus, wenn der Beleuchter von „Highlander 2“ danach auf dem AfD-Parteitag ausgeholfen hat?

Nach Betrachtung dieser vier Möglichkeiten entscheide ich mich für eine MISCHFORM aus all diesen Betrachtungsweisen. Trashig, aber streng. Halt liebevoll, aber auf diese biblische Art.


Inhalt:

Commander Kult-Klops und sein wandlungsreiches Gummigesicht taumeln in ein weiteres Abenteuer. Hierbei geht es erneut um Ausflüge in den Wald (Kulissenbauer war hier: der Liebe Gott), Anspielungen auf Trunken- und/oder Verrücktheit der Hauptfigur (immer ein beliebtes Humor-Stilmittel), einige lustige Kostüme (Im Sinne von: Genau so im Kostümverleih ausgeliehen und lustigerweise NICHT modifiziert) und zahlreiche Dialoge der Marke:

„Haben Sie was gesagt?“
„Nein.“
„Ist auch gut so.“


Zur Einstimmung folgt ein lustiger Bilderreigen, den unsere Pressestelle von der Pressestelle von SciFi-News.de bekommen hat, nachdem sie die Pressestelle der Filmcrew erpresst hat:

Der Erzähler führt den Zuschauer sensibel in die Welt des damaligen Trekkie-Kultes ein. Besonders beachtenswert ist der Sketch-artige Aufbau aller Szenen, gefolgt von stets KEINER Punchline. Hier spielen die Macher ganz klar auf ältere TV-Formate an. Wie z.B. auf den „Comedy-Samstag“ oder „Hilfe, mein Drehbuchautor ist ein 78-jähriger Karnevalist!“.

„Die Kostümparty ist da hinten“ sagt unser Held hier. Was ein cleveres Spiel mit den Erwartun… mit dem normalen Sehnerv des Zuschauers bedeutet. Ja, ein äußerst gewieftes Wechselbad aus „Sehen“, „Aussprechen“, „Abwarten“ und „Das Gesehene erneut ansprechen“. Quasi die „Ringe der Macht“-Serie in Knackig.

Besonders abgeholt hat mich, dass der Wirbel um das „Rezensionsexemplar“ ähnlich schräg anmutet wie die „Handlung“ selbst. Dabei hätte ich NUR eine 4K-Version geklaut und veröffentlicht, um dadurch steinreich zu werden, pöh. (*Auf Paralleluniversum zeig, in der „Raumschiff Voyager“ den US-Präsidenten gestellt hat*)

Schade, keine Anspielungen zu aktuelleren SF-Filmen…? Macht aber nichts, denn diese „Men in Black“-Verhohnepiepelung bewerte ich nur HALB. Kultiger wäre es nämlich gewesen, wenn Robert Amper wirklich gesungen hätte?

Trotzdem hat mich dieser Film irgendwie gefreut. Er zeigt, dass man bei bestimmten Dingen auch einfach mal STEHEN bleiben kann. – Motto: Was Interessiert mich der (fehlende) Hype von heute, wenn ich einfach den Zeitgeist von damals ausatmen kann? Und zwar mit einem schönen Bäuerchen in die Bierdose rein! Wen interessieren Klimakleber, Gaskrise und Woke-Wankelmut, wenn Captain Stammelkowski so tun kann, als hätte es Cloudserver und neue popkulturelle Trash-Einflüsse nie gegeben?

Talentierte Leute über das Internet zusammencasten? Von mir aus auch per Greenscreen aus allen Ecken der Welt? Mehr Effekte auch IN den Szenen selber, in denen Personen zu sehen sind? Sound- und Sprechqualität, die nicht danach klingen, als wenn man in der Altkleidertonne nach alten „Enterprise“-Wortspielen (Entenschweiß, Polentenpreis) gesucht hätte?

Nein, hier bekommt man das authentisch-sinnfreie Gefühl von damals.

Ob das nun gut oder schlecht ist, muss jeder selbst entscheiden.

Etwas seltsam (positiv gemeint) fand ich aber eine späte Szene im Film, mit der ich in dieser Form nicht gerechnet hätte. Es geht hierbei um einen Abschied… 

Klar, das ist so trashig inszeniert wie Clown Peppo, der Leberwurst aus Bierflaschen lutscht, aber irgendwie hatte diese Szene was. Denn: Auch traurige Szenen muss man sich als Hampelruther Laiendarsteller-Verein erst mal trauen! 


Das Vierfach-Fazit

Bewertung nach dem Schema:
“Kultiges Abfeiern, WEIL es so plump ist. Und wie in den 90ern.“

Klar, man kann sich hier lachend den Bauch halten, wenn man will.

Und ja, anders waren die zahlreichen Fanfiction-Abenteuer vor 25 Jahren auch nicht aufgebaut. Und da wir in der Prä-YouTube-Zeit großen Respekt vor allen hatten, die sich mit einem Sony-Camcorder in den Wald trauten („Was wohl die anderen Spaziergänger gedacht haben, hihihi!“), könnte man dieses Gefühl natürlich auch heute im Hinterkopf reaktivieren.

Der Energieaufwand dafür ist allerdings sehr hoch – und erfordert zwei-drei Rückführungen von gewieften Psychologen, Hypnotiseuren oder (beste Lösung!) von Menschen mit funktionierender Zeitmaschine.

Wem das zu viel Aufwand ist, kann die erforderliche Energie natürlich auch anders zuführen… Alkoholmoleküle sind hier eine sehr gute Quelle!

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Bewertung nach dem Schema:
Intellektuelle Betrachtung

Hier hätten die Macher politisches Gedöns einfließen können, das selbst albernen Komödien noch eine Metaebene hinzufügt. Irgendwas zum Thema Digitalisierung, Fake-News oder Gender vielleicht? Ja, es hätte mir schon genügt, wenn Norad mit einem klobigen TNG-Scanner nicht klarkommt, dann aber wortlos ein Smartphone rauszieht – und zufrieden ist. („Wie, diese App vergleicht Biermarken miteinander? Muss ich haben!“)

Stattdessen beschwert sich der Charakter darüber, dass er „Verbrecher“ genannt wurde, spielt mit dem Crewdriver von Doctor Who rum (eine vertane Chance auf Slapstick?) und erfreut sich an seinem Kultstatus – der ihm von anderen Figuren bescheinigt wird.

Was dann erstaunlich nahe an den aktuellen Kurtzman-Werken ist, wo sich alle gegenseitig ständig die Konsole signieren wollen…? („Mister Spock, Sie kommen bestimmt mal gaaanz groß raus. Schmacht. Und das, obwohl Sie nicht gerne pimpern!“) Und das alles, OHNE dass irgendein Dialog oder eine SF-Idee genial wäre.

Daher ist „Highlander 6“ neben „Picard“ und „Discovery“ erstaunlich aktuell.

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Bewertung nach dem Schema
Abfeiern der CGI-Effekte

Hier gibt es nichts zu meckern. Wie schon damals, als „Highlander 2-3“ mindestens mit „LEXX – The Dark Zone“ mithalten konnte, ist das animierte Raumschiff auch heute halbwegs aktuell. Und wir reden hier immerhin von einer Fanproduktion, bei der kein einziger Darsteller kristallklar zu verstehen ist!

Das ist dann schon dezent beeindruckend. Man muss halt nur verdrängen – Dosenbier hilft hierbei -, dass derlei Filmchen nicht selten im Netz zu sehen sind. Schließlich haben auch die begabten „Marvel-Inder“ irgendwann mal Feierabend und Bock auf weitere CGI-Fingerübungen…?

Traurig ist aber, dass man das CGI-Modell echt nur wenige Sekunden sieht. Es sei denn, ich habe beim Facepalmieren was verpasst.

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Bewertung nach dem Schema
Klassisches Storytelling oder Parodie-Qualität:

Hier gibt es echt nur was für die ganz Harten zu holen. Ohne 1990er-Faktor kann man sich hier nur Worthülsen aus dem Marketingsprech wedeln:

„Sympathisches Wiedersehen eines Kult-Fanfilmers“ vielleicht. Oder „Charmante Clips mit altmodischem Charme“.

Wirklicher Trash-Faktor kommt eh kaum auf, weil der meist nur erblüht, wenn es die Macher ihr Werk ERNST gemeint haben. Und das ist nicht der Fall. Man erstellte einfach eine wilde Clip-Show, die lustig gemeint ist – hat dann aber trotzdem die Pointen weggelassen.

Da ist es schon schwierig, sich eine Lücke einzureden, die durch einen 6. Ableger hätte gefüllt werden müssen?

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Nein, eigentlich sollte das kein Verriss werden. Ich MAG Fanfilme sehr gerne.

Aber wenn die Betonung und die Akustik auf einem „Vier Minus“-Niveau ist, das es einem schwer macht, die eingebildete(?) Kulthaftigkeit auch zu spüren, wird es schwierig mit der Bestwertung. Was durch die viel zu langen Szenen (oft drei bis vier Mal länger als nötig) auch nicht besser wird.

Trotzdem habe ich Respekt davor, dass man sich noch mal vor die Kamera gestellt hat. Der Grund spielt vielleicht gar keine Rolle. „Kunst“ kommt schließlich von „Dicke Klöten“.

Und am Ende reicht euch vielleicht EIN positiver Triggerpunkt, um sich das Gesamtwerk schööön gemütlich vorzuspul… anzusehen…?

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von Klapowski am 05.12.22 in Filmkritik

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Kommentare (7)

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  1. phip sagt:

    Mich wundert es sehr, dass beim Vierfach-Fazit zwar die „Alles in Allem“-Wertung verschieden ist jedoch bei „Action“, „Humor” und „Tiefsinn“ identische Wertungen vorliegen. Bei solch ausführlicher Bewertung nach unterschiedlichen Schemen ist eigentlich auch eine differenzierte Bewertung anzunehmen. Wenn es hier (aus Redaktionsschlussgründen) nicht möglich war, würde ich mir dies in zukünftigen Beiträgen mit gespaltenen Faziten wünschen.

    • Klapowski sagt:

      Ich hatte das tatsächlich kurz im Hinterkopf, die Einzelpfeile anzupassen. Aber dann dachte ich:

      „Zukunftia wird vor allem von Kulturbanausen, Kulturüberbewertern und Joghurtkulturen besucht. Wer von denen wird das schon merken?“

      Der nahende Abgabetermin gegenüber unserer Chefs und Eigner (25% Sony, 25% Amazon, 50% Rheinmetall) und die 24 Stunden, in denen JEDER Besucher eine Fehlermeldung UND ein Fragmentierungs-Virus bekommen hat, taten ihr übriges.

      Ich werde in Zukunft aber wieder dran denken, versprochen.

      Antworten
  2. Bergh60 sagt:

    tach auch !

    Es mag an mir liegen, aber ich konnte mit dieser Art Humor aka H1-H6 noch nie viel anfangen.
    Man sieht wieviel Spass sie damit hatten und das ist gut so.

    Gruß BergH

  3. Neuer Fan sagt:

    Ich bin ehemaliger PC-Action-Leser und komme mit dieser Form von Humor schon gut klar, aber teilweise hat sich das schon gezogen, das war eher Humor und Pacing der lokalen Trinkerszene am Vormittag. Es wirkte alles sehr schnarchig, aber vielleicht ist das halt so – immerhin war’s gemütlich!
    Mehr kreative Leute heranziehen hätte sich gelohnt, das Review hier alleine schon hat mehr Pointen, und was die Leute von Scifinews spontan raushauen, hätte sich auch im Film gut gemacht.
    Es fehlte ein wenig Lebendigkeit, mehr Trash.
    Trotzdem bin ich froh darüber, dass nichts vom aktuellen Zeitgeist dort drin war, darüber kann man nämlich schon lange nicht mehr lachen. 90s forever!

    • Klapowski sagt:

      Es gibt ja so Werke, bei denen es okay ist, wenn man sie nicht konzentriert konsumiert. Dafür wurde das Konzept „Second Screen“ nun mal erfunden.

      Ich fand zum beispiel, dass sich der Film sehr gut als Nebenberieselung beim Aufleveln in einem stupiden Japanischen Rollenspiel eignet. Somit bleiben am Ende nur positive Erinnerungen an Robert Amper (sehr netter Mann – ich wünschte, ich wäre auch einer), an die netten Blooper und das Gefühl an Damals, als Sat.1 noch kein seelenloser Sender war.

      An jenes Damals, als Kirk höchstpers… -stimmlich noch „Sat.1“ erwähnte und der Recklinghausener Reklame-Chor zu uns sang:

      https://www.youtube.com/watch?v=MV2idx-gggc

      Wer braucht angesichts dessen schon Drehbücher?

      Antworten
  4. Bergh60 sagt:

    tach auch !

    @NF
    Du hast meine Gefühle/Eindrücke sehr gut beschrieben.
    Danke !

    Gruß BergH

  5. TurboTorte sagt:

    Robert Amper, der Name kam mir doch sehr bekannt vor – hatte das Hörspiel „50 Jahre der Ewigkeit“ im Kopf und tatsächlich steht dort dieser Name auf der CD-Hülle.

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