Hurrrrra, wir alterrrrn! – Star Trek auch?
„Warum gefiel mir Star Trek früher eigentlich so viel besser?“. Das werde ich oft von euch gefragt, wenn ich gerade Stimmen höre. Hier daher die ultimative Klärung aller Fragen, die viele Internetforen laufend verstopfen und dort keine Antworten brachten. Mods und Admins: Schließt nach diesem Text die Topics und löscht die nervige Diskussion. Denn nach diesem Artikel gibt es nichts mehr zu sagen…
Das eigentliche Problem von Voyager und Enterprise ist einfach…
(*Trommelwirbel*)
…, dass die alten Fans erwartet haben, dass Star Trek immer und ewig mit ihren eigenen Anforderungen weiterwachsen würde.
Daher findet ihr nun nachfolgend die ultimative Erklärung des wachsenden Unwohlseins einer ganzen Fangeneration. Zumindest der, zu der ICH mich zähle. Ihr anderen seid mir eh’ egal. Besucht unsere Seite daher zukünftig bitte nicht mehr. Danke schön.
Und ihr Restlichen: Weint mit, wenn ich gleich 95% eurer vergangenen Gefühle und Lebensläufe alleine durch meine magischen Kräfte wiederzugeben weiß! Inklusive korrekter Verknüpfung mit dem laufenden ST-Programm der damaligen Tage!
Wem es übrigens trotz des „Zeit-Weichzeichners“ in den folgenden Zeilen gelingt, anhand der Schilderungen mein wahres Alter zu schätzen, bekommt von mir eine virtuelle Fußmassage…
Kindheit und TOS:
Als Kinder erfreuten wir uns an diesen vergleichsweise naiven Geschichtchen: Altes Rom. Nazis. Indianer. Riesenamöben. Beknackte Aliens mit Wasserfarbe an der Backe. – Welcher 7-Jährige hätte sich nicht mal gerne schwarz-weiß angepinselt wie die seltsamen Herren aus „Bele jagt Lokai“?
Wegen der immer durchscheinenden Kleinkindmentalität fühlte man sich von TOS als Kind verstanden. Toleranz und tiefere Botschaften waren höchstens auf dem Niveau einer besonders belehrenden (und damit unerträglichen) Ausgabe eines „Lustigen Taschenbuchs“: Da reiste Zeitreise-Micky ja auch ständig in die Vergangenheit, um uns Leonardo da Vinci, Troja oder die Dinosaurier näher zu bringen.
Und Tick, Trick und Track sammelten alte Konservendosen von der Straße, während uns Dagobert beibrachte, dass Aktienkurse als großformatige Ölbilder im Büro zu hängen haben. Kirk dagegen schlichtete halt zwischen zwei dümmlichen Parteien oder stritt sich mit aufmüpfigen Computern herum, bis denen Geduldsfaden und Magnetband riss.
Da hatten wir dann wenigstens gelernt, dass PC`s mal sprechen werden und man Streitigkeiten ohne Waffen beilegt. – man zieht einfach sein Hemd aus und lässt die Fäuste sprechen!
Ein bisschen naives Gutmenschentum war zur großen Disney-Zeit Ende der 60er natürlich auch bei der ersten ST-Serie erwünscht. Aber WIR, die einzig wahre Zielgruppe, hat die Serie selbstverständlich erst in den 80ern gesehen…
Inzwischen machen wir uns (zurecht) über TOS lustig und schätzen die Serie nur noch wegen ihres „Begründer-“ oder „Kultstatus“. Echte Kritik gab es nie. Zu Recht! Man sagt ja heute auch nicht, Heinz Erhardt sei ein unerträglich spießiger Langweiler gewesen und hätte sich mal ein Beispiel an Michael Mittermeier nehmen sollen…
Damals war die Serie eben… unser ein und alles! Und das ist, da muss den Trekkie-Lästerern leider mal der Ball zugespielt werden, schon ziemlich arm!
„Onkeeel? Ich habe im Kindergarten kürzlich zerknülltes Papier mit Leim bestrichen! Brauchst du das als Felsen für deine Serie?“ – Diese Reaktion ist natürlich nicht repräsentativ. Wir normalen Kinder hielten TOS natürlich für erschreckend echt! Und „Lila“ lange Zeit für eine der Grundfarben…
Jugendzeit – TNG-Zeit:
Wer als Kind TOS kannte und langsam (nun als Heranwachsender) die brandneue Serie TNG kennen lernte, spürte neben diesem haarigen Rascheln unter den Achseln direkt, wie Star Trek zusammen mit einem selber erwachsen wurde… Die erste beiden Staffeln waren zwar ein wenig unschlüssig und hatten noch den TOS`schen „Doof-Faktor“, aber wir haben mit 12 Jahren ja auch schon über Geschlechtsverkehr räsoniert. – Während wir uns nebenbei mit Legosteinen und Transformers-Figuren auf unserer Spieldecke vergnügten. Also Schizophrenie pur.
Genauso ging es auch während der gesamten TNG-Laufzeit langsam, aber deutlich voran…
Zugegeben: Diese neue Welt war ein bisschen dröge. Fast wie der allererste Politikunterricht der Sekundarstufe 2.
Dazu kam: Kahlköpfige Captains / Deutschlehrer wühlten sich kopfüber durch die Zitate der Literaturgeschichte und gaben entsprechend langweilige Hausaufgaben: Goethe, Schiller, die Lehren des Dr. Soong…
Doch wer mental weiterwuchs, erkannte schnell, dass dies doch irgendwie faszinierender war, als in der Grundschule irgendwelche Blumen, Bienchen und Vögelchen auszuschneiden! Und, nebenbei bemerkt, den Papierverschnitt vorschlagsweise als Raumschiff- oder Entität-Effekt an Paramount zu schicken. – Wir dachten schließlich damals noch, TOS würde Live ausgestrahlt…
Picard wirkte plötzlich „cooler“…
Wir erkannten den Ernst des Lebens und fanden Kirk irgendwann doof. Man war ja schließlich schon fast erwachsen, mit seinen 12 Lenzen…
„Hmmm… Wem gehört denn Data nun? Eine verzwickte Angelegenheit!“ – Ein 15-Jähriger TNG-Fan bei der Erstausstrahlung. Unnötig zu erwähnen, dass dieser Typ nicht zu den Beliebtesten seiner Klasse gehörte… Dafür bringen ihm einige seiner alten Kameraden heute frische Pizzas, wann immer er im Max-Planck-Institut mal Hunger verspürt und die entsprechende Servicenummer wählt…
DS9, oder: Als wir anfingen, die Tagesschau zu sehen:
Man ist 16, 17 oder 18, trägt das Gesicht eines Kubaners (Che Guevara, kommt ja wieder in Mode derzeit) auf einem überteuerten Marken-T-Shirt und glaubt die Weisheit mit Kehrblechen gefressen zu haben. Wir sahen heimlich „Das Schweigen der Lämmer“ und begannen 2 Jahre später wie die Besenkten durch die Gegend zu rasen, um auch wirklich das allerletzte Lämmlein zum Schweigen zu bringen.
Wir interessierten uns für Mord und Totschlag (je nach Schulabschluss von theoretisch bis hin zu praktisch), sahen drittklassige Nachrichten auf dem brandneuen Sender „RTL Plus“ und brachten unsere sensible Religionslehrerin mit banalen Wissenschnipseln zu Abtreibung, Satanismus und der Deutschen Wiedervereinigung auf die Palme. Wir waren nämlich aus Prinzip DAGEGEN… Oder dafür. Je nachdem, was die alte Biederfrau nun mehr anekelte.
Auch DS9 räumte zeitgleich auf mit der Eier-Popeia-Welt von TNG: Krieg, religiöse Fanatiker, Armut und Pessimismus eroberte die ST-Welt. Und irgendwo jabbelten die DS9-Grünen sicherlich auch von Abschaltungen von Kernkraftwerken, da bin ich mir fast sicher… Philosophische Einsichten zu Schmerz und Verlust, die der gealterte Fan in seinem kurzem Leben auch irgendwann gewonnen hatte. Spätestens, nachdem unser Fahrlehrer unseren Shuttle-Führerschein aus dem Trek-Merchandising nicht auf Pkw`s ausdehnen wollte…
Wie beruhigend war es da zu wissen: Ja! Star Trek kann auch anders! Nämlich wehrhaft sein! Ruck-Zuck ist die Lippe dick! Und war nicht gerade erst ein amerikanischer Präsident in den Irakkrieg gezogen, um den Kuwait-Quadranten von einem Diktator zu befreien? Vor einem, der mittels diverser Foltertechniken die Form seiner Untertanen zu wandeln vermochte, ohne dass diese Wechselbälger waren? Wir demonstrierten also mit Papp-Plakaten auf der Kuhweide gegenüber der Turnhalle und hofften, dass Saddam sich angesichts dieser kraftvollen Bilder (irgendwo auf den 12-Seiten eines regionalen Werbeblättchens) dem Ultimatum beugen würde.
Nur wenige Jahre später schickte sich dann ein Mann mit prophetischen Wahnvorstellungen an, den Quadranten zu retten. Während die Lage der Raumstation immer hoffnungsloser wurde, wurde auch uns langsam klar, dass das neue Millennium uns gleich zu Milliarden dahinraffen würde, da uns wegen ausfallender Taschenrechner demnächst die Jumbo-Jets in die Schrebergärten knallen würden.
DS9 bediente die Weltuntergangsstimmung, mutierte zu einer wöchentlichen CNN-Berichterstattung inklusive Verlesung der neuesten Todeszahlen und quetschte die dunkle Seite von Star Trek aus… Star Trek war wieder einmal mitgewachsen.
„Eine anständige Demokratie muss sich auch zu wehren wissen!“ – Schwebend zwischen erwachsen werden und Kindheit, zwischen Abiturfete und Jugendknast: DS9 war ein mutiger Grenzgänger. Manchmal fast ein bißchen ZU eigenständig. Aber es kam noch mal mit einem blauen Auge davon… – Man beachte dazu auch das Veilchen des Fans rechts im Bild.
Der Fluch des Erwachsenseins:
Doch nach Kindergarten-TOS, Heranwachsenen-TNG und während des Erwachsenen-DS9`s wusste man verständlicherweise nicht weiter… Eine Weiterentwicklung, zusammen mit dem langjährigen Zuschauer, war unmöglich. Erwachsen bleibt erwachsen, da helfen keine Pillen oder kalte Umschläge.
Daher verwarf man die bisherigen Fans als inzwischen nicht mehr werberelevante Tattergreise mit Gebiss-Schwierigkeiten beim Crackermampfen und startete mit Voyager einen Ableger für die 3. Fangeneration (die 1. verfolgte DeForest Kelleys Beisetzung auf dem Fernseher im Aufenthaltsraum des Altersheims): Locker-flockig, „Nichts-ist-unmöglich“-rufend, mit Darstellern, die sich auch einfach mal auf der Brücke durchkillerten während die Raumanomalien irgendwie immer bunter wurden. Fast 30 Jahre Star Trek versandeten vor unseren Augen unter Janeways Strandkorb und wichen einer Serie, die wir als 10-Jährige wohl ähnlich toll wie TOS gefunden hätten. Doch eine erneute Weiterentwicklung zum sich gerade mausernden DS9 war nicht zu erkennen.
Vielmehr Eine gefühlte Mischung aus TOS und TNG. – Der DS9-Fan stand doof da und hatte das Gefühl, dass die 30-jährige Weiterentwicklung für`n Arsch war… Er fühlte sich als auslaufendes Modell und blickte sich wundernd zu jenem neuen Publikum um, das trotz Schlabberhosen auf Kniehöhe zur neuen Zielgruppe werden sollte. Viele zuckten die Achseln, schauten aber aus Solidarität mit ihrem Kindheitstraum noch ein Weilchen zu. Doch das Gefühl wollte nicht weichen, dass die ST-Lebensuhr plötzlich dem eigenen Ticker entgegen gesetzt lief.
ENTERPRISE mischte danach die gelegentliche DS9-Düsternis mit drögen Voy-Charakteren (Auf einen 7of9-Ersatzstoff werden wir wohl nie mehr verzichten dürfen) und mit der zwischenmenschlichen Langeweile der schlechteren TNG-Folgen. Je älter die hier zuschauenden Fans waren, desto mehr Ablehnung formierte sich…
Daher fordere ich heute: Lasst ST wieder zusammen mit den Fans alt werden! Und zwar mit UNS, der ST-E.de-Redaktion!
Ich hätte da nämlich so tolle Idee für eine Föderation in der Midlife-Crisis:
Hat das ganze Erforschen überhaupt noch einen Sinn? Ist man mit 30 („Midlife“ daher, da man mit typischem Trekkie-Übergewicht natürlich eine verringerte Lebensspanne hat) schon zu alt für die Disco auf dem Holodeck? Und warum bekommen um einen herum plötzlich alle Kinder?? Wir wollten doch alle eigentlich nie? Und warum sieht der weibliche Maschinenraumfähnrich (mit 28 noch eine Umschulung zur Sozialpädagogin) plötzlich so schwanger aus? War ICH das etwa?
„Finger weg von meinem kleinen Jonathan! Er ist der einzige, den ich noch habe!“ – Picard in der Midlife-Crisis… Der kleine Archer will einfach nicht nach seinem Großvater kommen!
Ich verlange doch nur eine Serie, die mir in meiner gegenwärtigen Lebensphase entgegenkommt. Wie früher halt! Mit Terrorangst ist bei ENT doch kein Blumentopf zu gewinnen! Was uns viel intensiver bombardiert, ist doch der Alltag! Ich will daher einen Captain, der sich bereits auf sein zweites Aut… Shuttle freut. Einen Ersten Offizier, der die halbe Laufzeit seines Bausparvertrages herum hat. Einen Typen mit Haarausfall. Plötzlich ständige Beerdigungen von Großeltern und Tanten und Onkeln, die vor ein paar Jahren noch quietschfidel an der Akademie unterrichtet haben.
DAS ist das ganze Geheimnis guten Trek`s. MEINE Lebenszeit gleich Trekhistorie! Oder wie die UPN-Werbung uns sagen möchte: „Synchronisierte Abläufe“…
Zumindest für DIE, die schon vor TNG mal Star Trek im Fernsehen gesehen haben, ohne sich dabei auf den Latz zu lüllern.

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