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„I, Riddick: Chroniken eines Robots“ (3 Reviews)

riddick-klein.jpgWillkommen, liebe Zuleser und Nur-Bilder-Gucker! Heute ist auch auf Zukunftia der bundesweite Tag der künstlichen Lebensform! – Wie, den gibt es gar nicht? Sollte es aber! Nachdem es den Tag des Baumes, des Lärmes, des Kaffees und Bieres gibt, sollte man für K.I.s auf jeden Fall ebenfalls ein eigenes Datum anbieten, an dem sie diversen Sektkorken und Jubelschreien die Freiheit schenken können. Mit Riddick, Will Smith und einem Haufen Blechheinis ist der heutige Fuhrpark an automatisierten Textrunterspulern auf jeden Fall groß genug, um die Kalenderfritzen gehörig unter Druck zu setzen…

I, Robot

Ein Mord an einem Doc, dazu ein Cop, ein Rob und ein Flop: 2004 schickte sich „I, Robot“ an, die Welt des actionhaltigen SF-Kinos für immer und ewig… kein bisschen zu verändern. Der Film bediente sich dabei als Aufhänger an den drei Robotergesetzen (von Isaac Asimov 1942 erfunden):

1.) Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird. (Okay, aber absichtliche „Untätigkeit“ ist das einzige, was einem in manche Stadtteilen davon abhält, stundenlang irgendwelche Besoffenen nach Hause zu begleiten oder Obdachlosen eine zusätzliche Decke überzuwerfen.)

2.) Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren. (Empfindungsfähige Roboter nennen Regel 2 daher auch liebevoll „Sklaverei“)

3.) Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert. (In der Praxis darf er also höchstens ein Antikorrosionsspray für sich selbst einkaufen. Wenn ihm danach einer aus Spaß befiehlt, vor den Bus zu springen, hat er halt Pech gehabt.)

Klingt reichlich intellektuell und tiefgründig, nicht wahr? Nun, das soll es vermutlich auch, um dem gelackten Rest des Films wenigstens den Anstrich von erforderlicher Hirngymnastik zu verpassen. Denn wenn man etwas genauer hinsieht, ist die Geschichte so steril und langweilig wie eine Schlittschuhbahn, die man zusätzlich noch mit Bohnerwachs bearbeitet hat: Das Design der Zukunft ist größtenteils türkis oder strahlend weiß und erinnert an eine unbezahlbare Luxustoilette für Leute, die nie „müssen“. Rundumverglasungen dominieren das Bild und überhaupt wirkt alles sehr wie ein SF-Film aus dem Jahre 2004, der sich blind auf seine Computergrafiken (FÜR Blinde?) verlassen hat. – Vielleicht erinnert der Streifen ja nicht nur daran, sondern IST sogar jener Film?!

„Sonny, sag uns bitte: Was ist das unfassbare und für Menschen kaum zu ergründende Geheimnis, das Dich lebendig macht?“ – „Gesunde Ernährung, Ballaststoffe, regelmäßige Spaziergänge und flockige Dialoge wie diese hier. Solltet ihr Schauspielzombies auch mal probieren!“ – Leben lassen und gleich danach noch einen fahren: Sonnys Schöpfer hat seine Kreation einfach mehrmals täglich mit Sperma eingerieben, was den künstlich-weißen Schmierschädel erklärt…

Will Smith läuft als megafetter Detective Spooner stets im „Yo, Motherfucker“-Lederlook herum, und das nur, weil z.B. eine Polizeiuniform oder irgendwas Krawattiges viel zu uncool für die Zuschauerzielgruppe der blechköpfigen Roboterversteher gewesen wäre. Verdächtige und anderweitig Involvierte werden von Mister Smith ständig mit witzig gemeinten Sprüchen traktiert, die nur belegen sollen, dass die Hauptfigur eh alles besser weiß und ohne einen Föhn in der Hose sogar Eiswürfel pinkeln würde, da einfach zu cool für diese Welt.

Der ganze Film bemüht sich einfach so sehr darum, modern, witzig und gutaussehend zu wirken, dass man von ihm ebenso abgeschreckt ist wie von einer schönheitsoperierten Botoxtante, die lässig mit ihrer Guccihandtasche wedelt und dabei alte Witze aus „Beverly Hills Cop“ nacherzählt. Dazu gehört auch das abturnende Product Placement, welches mich noch nie so sehr wie hier genervt hat: Willi-Boy freut sich beispielsweise ausgiebig über seine neuen Turnschuhe (schön für ihn) und über seinen futuristischen Audi (bitte mit den vier Ringen am Kühler noch mal bis kurz vor die Kamera fahren, dankeee!).

„Komm, wir sind jetzt cool und alle müssen zugucken! Was für ein diaboliiiischer Plan, muhahaha! Oh, verdammt, ich habe gerade mein Eisbonbon verschluckt!“

Überhaupt haben die Figuren keine zweite Charakterebene und stellen ihre Emotionen mit dem Enthusiasmus einer Werbefigur für Geschirrspülmittel zur Schau: Spooners Oma ist halt alt, gemütlich und trotzdem irgendwie schräg, die einzige hübsche Tante in der dubiosen Firma wird von Spooner auch mal mitten in der Nacht aufgesucht, nachdem er sie gerade mal kennen gelernt hat („Ich wurde zwar gerade fast getötet, möchte jetzt aber erst mal meine Schuhe auf ihren Tisch legen, weil sie mein filmisches Love-Interrest sind und will auf GAR KEINEN FALL zuerst meinem Chef Bericht erstatten!“) und der verstorbene Doktor hat zu Lebzeiten lieber total bekloppte Pseudo-Hinweise verteilt, statt seinem Notar einfach zu bitten, dem guten Spooner nach dem Runterticken seiner Lebensuhr einen klärenden Brief zu übergeben…

Überhaupt wird einem alles so mundgerecht serviert, dass die Zielgruppe dieses Films wohl Vogelküken sein müssen, denen von Mama Regisseur der vorgekaute Nahrungsbrei reingewürgt wird, sobald sie das Schnäbelchen öffnen. Und wenn es das Drehbuch verlangt, sind die Charaktere auch mal doof wie nicht Gutes: „Irgendwie hat er der alte Mann das Sicherheitsglas schon kaputt bekommen und ist durchgesprungen.“ – Und als Spooner erst mal das braune Spray versteckte, mit dem er soeben noch seinen künstlichen Arm repariert hatte, dann aber halbnackt um die Ecke stapfte, damit seine Besucherin die Operationsnarben sehen (und angrabbeln) konnte, dachte man weniger an künstliche Intelligenz als an echte Blödheit.

Vorhersehbarkeit wurde hier groß geschrieben: Böse Roboter leuchten natürlich fegefeuer-rot, Spooners traumatisches Erlebnis wird alle halbe Stunde kurz eingeblendet („Buhuu! Auto ging langsam im Wasser unter! Dieses Klischee drückt mir seitdem echt auf die Seele!“) und der Computerkern der bösen Firma hängt schwachsinnigerweise Hunderte Meter hoch und OHNE Geländer(!) an der Decke(!!), damit man auch frühzeitig weiß, dass das actionreiche Finale nicht unbedingt im ortsansässigen Turnverein stattfinden wird. Als Will Smith dann noch von mindestens hundert Robotern in einem gottverlassenen Straßentunnel (das Verkehrssystem der Zukunft gefällt mir, rein teilnehmermäßig!) angegriffen wird, ihm 5 Minuten danach aber keiner glaubte, da die zermatschten Cyberzombies wohl von Scotty rausgebeamt wurden, musste ICH mir auch erst mal die Glühbirnen aus den Augenhöhlen schrauben und eine kleine Guckpause einlegen…

„Hey, Kumpels! Hier hat sich so ein Menschenwesen in unserer Aerobicgruppe verlaufen.“ – „Nicht beachten, der rennt schon seit 4 Stunden in dieser Haltung hin und her. Schlechte Programmierung, schätze ich.“ – So ein Megastar ist eben doch immer ein echter Renner: Detective Spooner ist der coolste Typ unter der Sonne. Seltsamer Zufall nur, dass es gerade Nacht ist…?

Der einzige empfindungsfähige Roboter, Sonny, geht in der Story total unter und wird ständig irgendwo gefangen gehalten, damit er auf Nachfrage intellektuellen Dünnpfiff aus dem gebleichten Gesichtsauspuff drücken kann: „Ich bin… einzigartig!“ – Als dackeläugiger Computer mit Quarktaschengesicht auf jeden Fall! Das Design der Robos fand ich nämlich so ansprechend wie einen PC ohne Verkleidung und die (Gesichts)Effekte teilweise so künstlich und glatt, dass es mir fast lieber gewesen wäre, man hätte darauf verzichtet. Immerhin hätte es dem Zuschauer wenigstens etwas Abstraktionsarbeit abverlangt, wenn er einer unbewegten Metallvisage menschliche Regungen hätte zugestehen müssen. Mit „Ooooh, guck mal, wie er guuuckt!“-Plastik-CGI-Fresse war das ja dann doch etwas plakativ.

Fazit: Roboter mit Träumen, die sich bewahrheiten (nach dem Abendbrot zu schwer gegessen?) und Actionszenen mit langfristiger Vorankündigung (wer rechnete NICHT damit, dass der Abrissroboter plötzlich Amok laufen würde?) dominieren meine Erinnerungen an diesen Film. Besonders ärgerlich ist aber, dass die Roboter wohl die ganze Zeit schon so etwas wie ein Bewusstsein hatten, was aber komischerweise niemand gemerkt hat. Die hatten halt Angst im Dunkeln und stehen gerne nah beieinander. Wer soll denn daaaa auf Bewusstsein kommen?! In der Zukunft gibt es schließlich keine Star-Trek-Fans mit Grips mehr, jawohl!

Immerhin sind manche Sprüche ganz nett, der Rest aber so künstlich und fürs Massenpublikum, dass jeglicher Inhalt in einem schwarzen Loch verschwindet. – Denn das entsteht bekanntlich, wenn allzu große Massen sich irgendwo zusammenkuscheln…


„Pitch Black – Planet der Finsternis“

Die Story ist schneller erzählt, als die Frage „Wie, DAS war schon alles?“ kurz danach an den Zusammenfasser gestellt:

Ein Raumschiffabsturz im Jahre Anno Tobak ist an allem Schuld: Ein Haufen grenz- und volldebiler Kanonenfutter-Azubis kraxelt nun auf einem steinigen Planeten herum und versucht, (nicht?) dem mörderischen Viehzeug zum Opfer zu fallen, welches nur im Dunkeln munkelt. Da sie zufällig einen Sträfling namens Riddick (Vin Diesel) dabei haben, der auch ohne Licht alle Fähigkeiten seines Silberblicks nutzen kann, ist Rettung jedoch prinzipiell möglich. Aber natürlich nur für diejenigen, deren Innereien vorher NICHT dafür ausgelost wurden, um im Hof zum Trocken auf die Leine gehängt zu werden…

Da der Planet exakt so aussieht wie die Wüste, die uns schon in uralten SF-Serien als spacige Landschaft verraten und verkauft wurde, dachte man sich etwas ganz Besonderes zur „Veraußerirdisierung“ aus: Ein Farbfilter machte den visuellen Kohl hier zwar nicht fett, dafür aber wenigstens schön blau. Oder grellgelb. Oder lila. Oder grau. Oder grün. Oder dunkel. – Je nachdem, welche der drei Sonnen gerade am Himmel steht, ob eine Magnesiumfackel abgebrannt wird oder ob wir uns in der „Riddick-Cam“- oder „Alien-Cam“-Ansicht befinden. Aber die genauen Farben sind eh völlig egal, Hauptsache, der Erfinder des Regenbogens verklagt uns nicht…

Ein paar Mal wirkt die Kolorierung allerdings schon nervig, wenn nicht sogar trashig. Wenn alles blau ist, ich aber trotzdem keine Delphine sehe, wirkt sich das wohl irgendwie verwirrend aufs Großhirn aus. Und die gelegentlichen Verzerreffekte der Marke „Ein Filmbild und ein Gummiband sind ja eh irgendwie das gleiche“, welche immer dann angewendet werden, wenn hinter der nächsten Ecke ein Gruselgewusel warten könnte, möchte ich generell eigentlich nur in Drogenfilmen und Traumsequenzen sehen, ja?

„Oh, ich bin umzingelt! Dann bleibe ich wohl besser hier sitzen und warte darauf, dass dem Großrechner der Arbeitsspeicher ausgeht…“ – Menschen enthalten viel wertvolles Kalzium: Die Aliens sind irgendwie ein wenig knochig geraten, was allerdings nach einem umgekehrten Logiksalto fast schon wieder passt: Die sind halt ausgehungert, weil sie nur alle 20 Jahre(!) mal aus ihrem Erdloch können…

Die Charaktere sind natürlich nur blasse Eigenschaftsvehikel, welche die typischen psychologischen Grundtypen zuverlässig in unserem Kurzzeitgedächtnis abgeben. Der geizige Feigling macht sich Sorgen um seinen Schnapsvorrat, der unsympathische Wachmann wegen Riddick und Claudia Black (Farscape, Stargate) eventuell darüber, dass sie 10 Jahre später so vergammelt aussehen könnte, wie sie es inzwischen tut. Dazu kommen ein paar Klischee-Moslems („Blaue Sonne heißt: Dort Wasser zu finden. Habe nämlich gerade mit Allah telefoniert!“), die ihren Turban ein wenig zu unbedarft in Sachen stecken, die sie sehr wohl etwas angehen.

Riddick hingegen ist eine coole Sau, daran gibt es nichts zu rütteln. – Er und seine Schultermuskeln würden es sowieso nicht zulassen. Die Synchronstimme von Nicolas Cage, die dank ein wenig gegurgeltem Straßenteer noch mal ein wenig tiefer röhrt, tut ihr übriges, um uns zu seinen mentalen Sklaven, Butlern und Arschkriechern zu machen: „Ja, Mister Riddick! Sie möchten ein Brötchen? Ich werde sofort ein Weizenfeld bepflanzen!“

Und so hohl, albern, vorhersehbar, optisch durchwachsen und stupide die Geschichte auch erzählt ist: Komischerweise fühlte ich mich bis zur Hälfte noch ganz ordentlich unterhalten, denn für diesen Trashfaktor müssen heutige Multimillionen-Dollar-Blockbuster(-werden-wollen) lange an ihren charmanten Defiziten stricken…

Okay, die Aliens sehen nur deswegen passabel aus, weil man ihre Pappkarton-Textur nicht sieht, da dickes Papier generell nur im Dunkeln angreift. Und beim großen Finale (Riddick gegen gleich ZWEI der Menschennascher!) wird sogar einfach weggeblendet. Nur sein Kopp mit Kirschmarmelade dran erinnert später an daran, dass er eeeventuell in einen Kampf verwickelt wurde. Aber vielleicht ist er vor der nächsten schützenden Felsspalte auf einfach in einen Streit mit dem Türsteher geraten?

Dennoch ist der Film keine absolute Nullnummer: Teile davon fand ich fast schon wieder gelungen und Riddick reißt’s ein bisschen raus. Außerdem will ich auch gar nicht auf jemanden rumhacken, der in einer Sonderschule einen passablen Abschluss gemacht. Man geht ja auch nicht ins Blindenheim und brüllt „Ihr müsst alle einfach mal richtig hingucken!“, oder? – Was am Ende bleibt, ist das seltsame Gefühl, den Film nicht schlecht genug gefunden zu haben und selber demnächst – mittels irgendeines dünnen SF-Plots – zum uneingeschränkt begeisterungsfähigen 14-Jährigen zu mutieren.

„Müssen sie denn immer mit diesen Messern herumspielen, Riddick?“ – „Was heißt denn hier IMMER? Gestern habe ich doch 2 mal je 5 Minuten Pause eingelegt, oder etwa nicht?“ – So ein ekelhafter B… Messerwisser: Der Exsträfling hat eine ganz besondere Lebensphilosophie. Jeder darf bei ihm tun und lassen, was er will, dieser jemand muss dabei halt nur 500 Meter weit weg und tot sein…

Aber ich kann alternativ ja vielleicht auch einfach das machen, was Intellektuelle in Feuilletons immer tun, wenn sie sich aufgrund des Restes an Mainstreamgeschmack schämen, den sie sich selbst noch nicht weggesabbelt haben: Nämlich Peter-Sloterdijk-Deutsch von sich geben! Wofür wurde es sonst erfunden?

Also:

Fazit: „Pitch Black“ fungiert als repräsentative Formvorlage des postnaiven SF-Films der 80er- und 90er Jahre. Trotz seiner narrativen Defizite funktioniert er jedoch – in der Grimm’schen Tradition – mit der Reduziertheit seiner Charaktere, wobei er ständig zwischen altruistischen Grundgedanken und sozialdarwinistischen Tendenzen hin- und herpendelt. Grundthemen der menschlichen Natur werden archetypisch reduziert oder fiktional überhöht, wie zum Beispiel phobisch relevante Situationen, wie fehlende oder verstörende Umgebungsillumination oder die Urangst des Gefressenwerdens und somit des Verlustes der individuellen Körperlichkeit.

Trotz seiner inhaltlichen Beschränkungen kann der Zuschauer dank der Figur Riddick einige sozio-ethische Fragen zu den Themen Nihilismus, A·mnestia oder der Determinierung menschlicher Verhaltensweisen beantwortet sehen.

Ergo: Ein schlechter Film, aber aufgrund der Schrottigkeit seiner Einzelteile fast schon wieder überraschend gut und in manchen Personenkreisen sogar schon fast Kult, Rülps!


“Riddick – Chroniken eines Kriegers“

Den „Riddick-Only“-Streifen hatte ich vor einigen Jahren schon mal gesehen, als im DVD-Player gerade mal nichts anderes lief. 5 Minuten danach hatte ich das Erlebte wohl sofort wieder vergessen, wie es der natürliche Verdrängungsmechanismus bei traumatischen Erlebnissen ja auch empfiehlt. Die Story hatte ich damals gar nicht erst verstanden, dafür aber die Absicht der Filmcrew, mit allerlei visuellen Einfällen eine solche vorzutäuschen. Eine Absicht, wohlgemerkt, keine Story… An optischen Schmankerln hängen geblieben waren nur ein Typ, der in einem Ascheregen gestorben ist, ein bissiges Wesen in einer Felsnische und ein anderer Typ, der auf einem Raumschiffdach gesessen hat. – Was für einen amtliche Traumdeuter sicherlich bereits für volle Arbeitsauslastung gereicht hätte, für dieses Review aber natürlich viel zu wenig war…

Bei einem zweiten Ansehen kam mir das immer noch alles komplett unbekannt vor. Ich sollte vielleicht doch wieder dieses TAI GINSENG einnehmen, das mir Kollege G.G.Hoffmann vor kurzem empfohlen hat?

Wer hätte gedacht, dass Oskarpreisträgerin Judi Dench bei SOLCH einem Film mitmachen würde? – Nun, nach ihrem Auftritt bei den beknackten Bond-Filmen wohl auch der letzte Trottel.

So übel fand ich die Story dann überraschenderweise auch gar nicht. Dank der hektischen und überfrachteten Filme der letzten Jahre (Blumen kommen später, ihr Transformers) kam mir die „Hau wech“-Handlung gar nicht mehr so unübersichtlich und mainstreamig vor. Kapiert habe ich: Die religiösen Necromonger wollen das ganze Universum in eine Musterzone dessen verwandeln, was Religion mit Menschen gemeinhin so anstellt. Während sie halt alle friedlich vor sich hinzerstören und -morden, treten Riddicks kämpferische Quadratlatschen auf den Plan. In einer flotten Sequenz erfährt er, dass er der letzte Furianer ist, die einst wegen ihrer kämpferischen Qualitäten mit ihrer eigenen Nabelschnur erwürgt wurden. Tja, da möchte man dann auch lieber ein Star-Trek-liebender Brillenträger sein, was?

„Verdammt! Ich hasse es, wenn die Katze es hasst, dass ich es vergessen habe, die Katze zu füttern!“ – Der Tiger mit dem Säbelzahn: Riddick ist wieder mal in eine unmögliche Situation geraten. Aber meistens ist es die SITUATION, die sich danach wünscht, bei diesem kahlköpfigen Mann niemals nach der Uhrzeit gefragt zu haben…

Was dann folgt, ist eine bildgewaltige Klopperorgie für Liebhaber des gepflegten Einzeilers: Man kann über dieses Universum, das zu je einem Drittel aus Sci-Fi, Fantasy und geballtem Schwachsinn besteht, durchaus geteilter Meinung sein (Riddick würde mit seinen Messertricks gerne beim Teilen helfen!), doch eines ist es auf keinen Fall: Visuell langweilig oder gänzlich ohne Charme! – Menschen werden die Seelen per Faustschlag entrissen, coole Sprüche gerissen und Filme dieser Art in der Kritik gemeinhin verrissen. Trotzdem halte ich es für sehr gerissen von mir, einfach auf den gewissen Trashfaktor zu verweisen, der garantiert nicht vom Reißbrett kommt.

Wenn man sich ein wenig zusammenreißt und keinen absoluten Reißerfilm erwartet, kann man von diesem klassischen „Im Kino Flop, auf DVD Top“-Film durchaus ein paar gehörige Reiße… ähm… Reize erwarten!

Hier gibt’s halt aufs Maul wie sonst nur bei grobmotorischen Kieferothopäden, die noch mit Hammer und Meißel arbeiten. Alle paar Minuten ist Riddick woanders, mit anderen Leuten und anderen Sprüchen. „Ich bin nur auf der Durchreise!“ brummt Arnolds jüngerer Halbbruder da schon mal völlig korrekt und drückt vor der Flucht vom heißen Gefängnisplaneten noch gerade – nur für’s Protokoll – ein paar schwächliche Schufte an die Wand.

Fiesling: „Was passiert, wenn wir nicht ganz schnell weglaufen? Tötest Du uns dann mit Deiner Suppentasse?“

Riddick: „Da ist Tee drin.“

Fiesling: „Wie war das?“

Riddick: „Ich töte Dich mit meiner Teetasse.“

Und siehe, so wie der weise Prophet gesprochen hatte, geschah es auch…

„Hey, steck mich wieder rein, Du hast vergessen, mein Kaugummi mitzunehmen!“ – Was hier ein bisschen so aussieht, wie meine normalen Portraitaufnahmen vor der Erfindung der Digitalfotografie, ist in Wirklichkeit der Versuch des Antagonisten, dem Riddick seine Seele vom Körper zu schrauben. Blöd nur, dass es sich hier um ein Prothese aus ein wenig Zigarettenrauch und Frühstücksflocken handelt, denn seine wahre Seele hat Riddick bereits als Kind gegen einen Schnuller mit ausklappbaren Messern eingetauscht…

Die Effekte sind zwar gelegentlich etwas künstlich (was ja dann wieder zum Drehbuch passt), sind für das Jahr 2004 aber wirklich nett gelungen, zumal die Kulissen und Kostüme wirklich einen hochwertigen Eindruck machen und den Playmobil-Grafikfilter der neuen Star-Wars-Filme locker an die Wand spielen. An eine REALE Wand, wohlgemerkt. Besonders gut gefiel mir der heiße Gesteinsplanet mit seinen erstarrten Lavalandschaften. Was da an schwarzem Kerzenwachs draufgegangen ist, will ich gar nicht ausrechnen müssen…

Das Ende ist inhaltlich dann zwar eher mittel (Riddick schleicht sich ins Hauptquartier haut dem Oberbösen auf seinen futuristischen Fahrradhelm), aber immerhin schön inszeniert. Da bleibt kein Auge oder Wundverband trocken…

Die Riddick-Reihe wird übrigens weiterhin fortgesetzt: Vin Diesel gab 2009 die baldige Analgeburt zweier weiterer Filme bekannt. Dabei verglich er das Riddick-Franchise mit „Der Herr der Ringe“, mit wem auch sonst? – „Pitch Black“ sei dann also wie „Der kleine Hobbit“ die reine Vorgeschichte (nur halt mit vielen toten Hobbits im Dunkeln?) und der Rest dann eben die eigentliche Testosteron-Trilogie. – Ein Cockring, sie alle zu knechten?

Lustig ist immerhin, dass der Regisseur und Autor David Twohy behauptet, dass bei „Chroniken eines Kriegers“ im Gegensatz zum Vorgänger „viel zu viel Geld zur Verfügung stand, so dass der Fokus irgendwann nicht mehr auf der Story lag“. Aha. Und das im ersten Teil war dann eine, oder wie? – Na, diese (Geld)Sorgen möchte man haben…

Fazit: Doof, groß, laut, männlich: „Riddick – Chroniken eines Kriegers“ ist wie ein Videospiel, bei dem jeder Button irgendwie der Feuerknopf ist. Wenn man gerade keinen Bock auf die zementierten Gesichtszüge eines Hauptdarstellers mit schwarz getönter 1,50-Euro-Pilotenbrille hat, wird man hiervon entsetzt sein.

Lässt man sich jedoch darauf ein, muss man eingestehen, dass es schon lange kein solch zynisch-buntes SF-Universum mehr gegeben hat, das irgendwo zwischen Killerspiel, Idiotenfantasy und Schwanzmessen angesiedelt ist. – ICH mag das irgendwie…

Aber MEINER ist ja auch RIESIG!

(*Spezialeffektfirma beauftrag*)


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Artikel

von Klapowski am 16.01.10 in Film-Review

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Kommentare (5)

  1. Kaba sagt:

    Endlich mal jemand der mir zustimmt, dass Pitch Black mindestens doppelt so schlecht war wie das zweite Ding da aus der Reihe.

    Für gewöhnlich wird ja der erste Teil von den Kritikern als mittelmäßig bis annehmbar erachtet, während der zweite stark hin zu „mieeeezz“ neigende Bewertungen bekommt. Dabei hab ich mich mittelmäßig bis annehmbar amüsiert beim zweiten Riddick Teil.

    Wobei einem als SciFanatik ja dann doch immer mal wieder das Herz blutet wenn man dran denkt, dass so ein (relativer) Müll mit (relativ) massivem Budget verfilmt wird und nicht eine der Millionen SciFi stories mit… story.

    • Zodiac sagt:

      Brauchst du jemanden der dir zustimmt? lol ich fand beide Teile gut und freu mich schon auf Teil 3 ,dir würde ich jedoch empfehlen das Geld zu sparen denn du wirst sicher erneut frustriert sein wenns ned so ist wie du es gerne hättest.

  2. E.Ellert sagt:

    Claudia ist trotzdem geil. Die Stimme zumindest! :>

  3. Peanut sagt:

    Das immer alle so auf der Schleichwerbung in I.Robot rumreiten müssen. Sie war da, sie war nervig. Die halbe gottverdammte Sitzreihe musste sich neben mir darüber auslassen. Schlimmer als in Pearl Harbor. Obwohls da um die ach so tolle Liebesgeschichte ging. Was für ein Scheißfilm. 3 Stunden Folter. Und er kommt schon wieder im Fernsehen. Schon die Vorschau … da isse schon wieder … wRRRRarGLH!

    Die Macher von I.Robot haben in Punkto Robot-Design übrigens geklaut. Sie könnens leugnen so oft sie wollen! Tsutomu Nihei hatte es zuerst.

    Pitchblack gucke ich mir immer noch gerne an, aber die Chroniken als Fortsetzung zu verkaufen wertet das Ganze irgendwie ab. Der 2te Film war zwar lustig „bunt“ aber überflüssigere Szenen habe ich selten gesehen (Wozu die weiße Schwebetante? Für die Prophezeihungen? Da waren die komischen sprechenden Foltersteine in der Necromonger-Schwebefestung interessanter). Und wie soll das weitergehen? Riddick hockt auf dem „Thron“. Wird im 3ten (oder jetzt doch 2ten?) dann das Universum weiter gerodet nur unter einer anderen Religion? Zwergenaufstand von diesem … anderen Kerl da. Der mit der Ehefrau. Karl Urban.

    P.S.: Gibt es eigentlich Filme die zu beschissen sind um sie zu verreissen? (Doom?)
    Und wer in der Alien-Reihe ist eigentlich der Hauptdarsteller: (Die) Alien(s) oder Sigourney Weaver?

  4. Flutschfinger sagt:

    Ich dachte immer das Titelgebende Alien und Sigorney Weaver seien ein und dasselbe? „Oh gott, so viele Weavers hier“ „Ja, das da kenne ich sogar aus dem ersten Teil, das habe ich Sigorney getauft.“

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