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„Uri Geller: UFOs & Aliens“ – Begegnung der hinterletzten Art…

Esoterik scheint neuerdings wieder in zu sein, seitdem Investmentbanker uns ihren genialen Verschwindibus-Trick mit bedruckten Papierzettelchen vorgeführt haben… „Der Next Uri Geller“ war nämlich gar nicht der „nexte“, denn der Löffelgrabscher aus Israel ist immer noch dabei dabei, unsere physikalischen Gesetze gegen seinen letzten 30 Rhetorikkurse einzutauschen. So lief Gestern auf Pro 7 die Show „Uri Geller Live – Ufos & Aliens: Das unglaubliche TV-Experiment“. Und tatsächlich wurde der Zuschauer nicht veralbert! Denn GLAUBEN konnte ich diesen Schwachsinn nun wirklich nicht…

Nichts Geringeres als die Live-Kontaktaufnahme mit außerirdischen Wesen war das Ziel dieser Sendung! Tja, was NASA-Wissenschaftler seit Jahrzehnten beschäftigt, können Kollege Kabelträger und Meister Massenmanipulation natürlich aus dem linken Ärmel schütteln…

3 geschlagene (und sie fühlten sich wirklich nach Prügel an!) Stunden lang verarschte Pro 7 also seine Zuschauer mit Geschwätz über UFOs, bis alle ganz grün vor Übelkeit wurden! Uri Geller war hierbei der esoterische Gastgeber für die Sendung. – Oder die Show für ihn, das weiß man bei Uri manchmal nicht so genau…

Unglaublich, wie lange ein Mensch über nichts und wieder nichts sprechen kann, ohne sich dabei am eigenen Vakuum zu verschlucken. – Alles was wir über die Aliens bereits sicher wissen (= sie sind Außerirdische und kommen vielleicht noch nicht von der Erde), wurde hier für Doofe, Halbwissensverweigerer und die konservative Mutter von Oma Platuschke noch mal ausführlich dargelegt. Nur für den Fall, dass sich Leute, die bereits stolzes Mitglied der „Werberelavanten Zielgruppe e.V.“ sind, sich noch nie Gedanken über intelligentes Leben im All gemacht haben. – Man ist als Unterschichtler schließlich ganz baff, wenn einem das Fernsehen höchstpersönlich erklärt, dass es auch nichtmenschliche Lebensformen geben könnte, die nicht nur als Fleischproduzent für Currywurst dienen!

„Schön, dass du heute bei uns sein kannst, Uri! Wir hätten sonst die alten Kulissen und die Großleinwand von ‚Germanys next Superstar‘ in den Schredder werfen müssen!“ – „Yes, it’s sooo amazing! – Are you a Erzengel or the Moderationspraktikant, by the way?“ – Blau gewinnt: Die ganze Sendung hätte deutlich an Glaubwürdigkeit verloren, wenn statt des blauen Gewabers ein paar Bilder vom letzten Ponyhofurlaub gezeigt worden wären…

Und von dieser Sendung könnten selbst die Flipchart- und Warzenbesprecher von Neunlive noch etwas lernen, auch was die Motivation für die Anrufer angeht: Einfach ein Thema präsentieren, das so lächerlich ist, dass selbst die Zuschauer einen diebischen Spaß daran haben, für 500 Euro pro Anruf/SMS in die blau ausgeleuchtete Zirkusarena durchgestellt zu werden. – Um dann solche Dinge zu fragen, wie: Gibt es Hundefutter im Weltraum? Wird Elvis dafür sorgen, dass Schalke gewinnt? Meint ihr den Scheiß eigentlich Ernst oder ist das hier die „Switched“-Parodie von „The next Uri Geller“?

Ich gebe zu: Ich habe mir den Käse nicht komplett angeschaut, da mein Arzt bei mir ein erhöhtes Risiko für fremddoofbestimmte Hirnimplosion festgestellt hat. Dennoch reichten 30 Minuten, um sich nicht nur ein Urteil, sondern auch gleich den Baum zu fällen, an dem sich das allgemeine Fernsehniveau kürzlich erhängt hat.

So durfte ich beispielsweise einem Professor für Kosmologie zuhören, der in der Sendung demonstrativ 3 Computer gleichzeitig bediente, wovor alleine zwei für das Berechnen der wegsackenden Quoten notwendig waren (= nur 1,4 Mio. Zuschauer). Dieser beantwortete dann die investigativen Fragen des deutschsprachigen Moderatordarstellers, die da beispielsweise waren: „Warum suchen Wissenschaftler eigentlich nach außerirdischem Leben?“ – Fast möchte man die Frage anfügen: „Weil das Monster von Loch Ness erst im nächsten Jahr mit Uri Geller Kontakt aufnimmt!“

Was gab es noch? – Uri Geller hypnotisierte sein Publikum, indem er uns minutenlang einen orangefarbenen CGI-Schwebe-Köttel zeigte und dabei mit den Armen herumwedelte, als wolle er gleich zum Notausgang hinausflattern. Dabei wies er alle Zuseher an, den Aliens eine gedankliche Botschaft zu schicken, während wir auf einem Zettel herumschmieren sollten. Ich selber entschied mich für die Nachricht: „Liebe Aliens! Ich hätte gerne: Brot, Butter, Salami, Milch. Und kauft bitte beim Discounter, auf der Erde ist nämlich Finanzkrise. Danke!“

„Look at the Kuller! It will make you able to contact my Girokonto and transfer a lot of money! Believe!“ – Anrufen genügt: Nach dieser Aktion tat sich in deutschen Wohnzimmer Unglaubliches! Uhren standen still (weil sie während der dreistündigen Sendung an die Wand gepfeffert wurden) und alle Menschen steckten sich vor Langeweile verbogene Löffel in Nase und Ohren…

Am Ende durfte natürlich auch das obligatorische Anbrüllen der Kamera nicht fehlen („Schalloch! Stein! Molloch!“ – Unterschwelliger Hass gegen das Medium?) sowie die gestreckte Faust, an der aber seltsamerweise nicht der Mittelfinger ausgefahren war, wie man es anhand des Verarschungsfaktors hätte erwarten können. Beendet wurde dieser Contergan…. äh, Kontakt-Versuch mit der ernstgemeinten Frage an den Studioexperten in der Computerkulisse, ob sich denn schon was getan hätte. Immerhin klärte der auf, dass Telepathie ja auch nicht schneller als das Licht sei und man daher schon 20 Jahre auf eine Antwort warten müsste. Das wollte aber natürlich keiner hören, was aber auch nicht schlimm war, da eine derartige Aussage vom Zielpublikum bestimmt nicht verstanden wurde…

Na, ich hoffe jetzt nur, die Aliens schicken uns jetzt mit IHREM Uri Geller keine telepathische Nachricht zurück! Dann soll mich lieber der Blitz beim Scheißen treffen, als eine intergalaktische Glückwunschkarte bei Tempo 150 auf der Autobahn mein Großhirn…

Und natürlich gab es wieder jede Menge „Beweise“ für allerlei Behauptungen, die alle irgendwie mit UFOs zu tun hatten. Allerdings war es nur diese hartnäckige Beweis-Mutation, die uns schon seit Jahren die Mondlandung als historisches Ereignis verhageln will. So behauptete Uri, dass es KEIN Zufall sei, dass 24 Stunden vor der Sendung ein Exo-Planet von Wissenschaftlern geknippst wurde! Klar: Der wirklich liebe Gott hat den Astro-Paparazzis anlässlich einer Pro7-Blödensendung mal gerade helfend ins Teleskop gegriffen, damit alle endlich wieder an ihn glauben…

„Hallo? Spricht da mein Manager? Ich möchte nicht noch mal in eine so doofe und unseriöse Sendung eingeladen werden! Wie? Ja, hier sind alle völlig bekloppt! Ich bin hier tatsächlich die einzige normale Verrückte!“ – Banena: Wenn sogar die esoterischen Promis die Sendung nicht mehr ernst nehmen, könnte man schon ins Grübeln kommen. Schade nur, dass dieses hirnlastige Konzept schon in der Konzeptionsphase des Studios verwiesen wurde…

Und natürlich gab es wieder die üblichen Anrufer, die (vermutlich) den davonrasenden Mond am Nachthimmel beobachtet haben. Die subjektiv hohe Geschwindigkeit des vorbeiziehenden Himmelkörpers ist hierbei natürlich mit dem allgemeinen Nicht-Tempo dieser Show zu erklären… Auch durfte wieder mal nicht das junge Paar fehlen, bei dem beim geistlosen Rumkritzeln die Sicherungen rausgeflogen sind. Wobei ich DAS im sprichwörtlichen Sinne sogar glaube, schließlich puckert meine Halsschlagader jetzt auch noch im Dreivierteltakt, wenn ich an die vorherige Massenhypnose denke.

Dann wäre da noch Nina Hagen, die ihren Kaugummi kaut (oder das Gummi ihren Kiefer – sieht nämlich etwas fremdgelenkt aus, der ganze Vorgang) und sichtlich stolz darauf ist, dass dieses nicht im ausgeräumten Hirninnenraum verloren geht. Sogleich wird ein Video gezeigt, in dem sie einen Amerikaner interviewt, der sich als halbes Alien bezeichnet. – Vermutlich ein Übersetzungsfehler, schaute er dabei doch recht verwirrt in die überschminkten Gotzmurmeln der Esoterikqueen und meinte damit daher wohl eher seinen Gast…

Na ja. 1981 wurde er jedenfalls ständig von Außerirdischen genervt. Deswegen hat er damals kurzerhand ein Kabel in die Steckdose gesteckt, dessen Stromkreis er dann durch Festhalten der Kontakte schloss, wenn er pennen ging. Tja, wer jeden Tag so einschläft, wird irgendwann nicht mal mehr vom Krankenpfleger in der Klapse angetatscht, von nichtexistenten Allbewohnern ganz zu schweigen.

„Ja, seitdem lassen sie mich in Ruhe! Die Aliens haben nämlich Angst vor Strom und Hüten. Oder haben sie etwa schon mal gehört, dass Udo Lindenberg entführt worden wäre, hä?“ – Herumgestromert: Dieser Mann ist zur Hälfte ein Alien und zur anderen ein Texaner. Also insgesamt zu 100% außerirdisch, wenn man so will…

Zwischendurch gab es noch ein paar bessere Film-Fälschungen, die aber – wie immer – sehr einseitig daherkamen: Keine Landung, kein winkendes Wesen, kein Napalmangriff über der Pro7-Sendezentrale, sondern wieder nur Rundablagen, die nach 10 Sekunden Wackelvideo im Himmel verschwinden… Aber Uri war natürlich ständig beeindruckt und brachte das mit seinem patentierten Hektik-Stimmchen auch so glaubwürdig rüber, dass ich dem Geller noch eine große Zukunft als Rheumadeckenverkäufer vorhersage.

Schön, dass wir ihn bis dahin noch haben. Ansonsten müsste ich ja wieder selber Scheiße labern und an UFOs glauben. Aber das Privatfernsehen ist nun mal eine Art Dienstleistung und befreit mich persönlich dadurch von derlei Pflichten.

In diesem Sinne: Tschüss, ihr Männchen.

Grüner wird’s nicht…


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Artikel

von Klapowski am 16.11.08 in TV-Review

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Kommentare (4)

  1. G.G.Hoffmann sagt:

    Die ganze Welt („Milliarden“ von ST-Fans, wie BILD zu berichten wußte) diskutiert über den neuen Trailer zu ST:11 und hier wird über Uri Geller berichtet? Nur weil der inzwischen aussieht wie Leonard Nimoy? Das hätte es zu meiner Zeit nicht gegeben. Da hätte es in absehbarer Zeit überhaupt keinen Bericht gegeben. Aber von einer ho-ho-hochprofessionellen Zukunftia-Seite erwarte ich natürlich ein aussagekräftiges Top-Dampfhammer-Review („Kirk sieht doof aus“, „Winona Ryder war vor 15 Jahren auch schon mal geiler“) zu diesem aussagefreiem Trailer (ab 21 Uhr auch auf Deutsch auf bild.de).

  2. Astrofan sagt:

    Also besonders „glaubwürdig“ fand ich dieses Wichtigtuer Pärchen, welches angeblich entführt wurde. Man sah ihnen schon ander Nasenspitze an, dass die beiden nicht alle (Unter)tassen im Schrank hatten bzw. auch mal ins Fernsehen wollten. Und dann noch diese Hypnoseregression, die so offensichtlich war, dass sogar ein taubstummer Blinder sie als Fake entlarvt hätte.

    Extrem glaubwürdig auch dieser Ufologe, der jeden CGI-Untertassenfilm als echt bewertet, wenn mindestens ein Baum im Bild auftaucht, der nicht zu den anderen Bäumen im Video passt. Von den verpixelten Youtube Videos maskentragender Kleinkinder, Känguru Aliens und kleinwüchsiger, schwarzarbeitender Putzfrauen, die sich vor Ermittlern des Arbeitsamtes verstecken wollen, ganz zu schweigen. etc. pp

  3. BenK sagt:

    Uri Geller hat mein Leben verändert!! Danke ProSieben!!!!

    Nur durch Zufall bin ich beim rumschalten auf dieser Sendung „hängengeblieben“. Nach 10 Minuten hatte ich vor lauter Wut den drang ordentlich zu kacken.. was ich auch sofort tat. Während ich so auf der Schüssel hockte und mir Uri Gellers Hackfr..ääh.. hackepeter Gesicht visualisierte kam mir ein Gedanke den ich am Sonntag prompt in die Tat umsetzte. Ich stand früh auf und habe meine neue Satelitenschüssel + Receiver am Flohmarkt verhökert. Ich nutzte das teure Gerät eh nur um mir Privatsender anzusehen. Uri Geller und die gesamte Bagage von ProSieben haben mir die Augen geöffnet. Weshalb soll ich mich weiter dieser langweiligen, lächerlichen Grütze aussetzen? Warum meine Zeit nicht besser verbringen? Meinen Plasmafernseher habe ich behalten und mir von dem Flohmarkt-Geld ein paar anständige DVDs zugelegt. Ich werde mir eine gute DVD Sammlung mit meinen Lieblingserien und Filmen zulegen. Keine lausigen deutschen Synchros mehr.. keine Werbung.. nie wieder Massenverdummung auf unterstem Nieveau.. und vorallen Dingen.. NIE WIEDER DIE BAGAGE VON PRO SIEBEN UND CO!!! DANKE URI!! VON MIR AUS EIN HERZLICHES STACH, SCHLEIM, SCHALLOSCH!!!

  4. Eigentlich schade, dass ich mir den Trash nicht angesehen habe.
    Offenbar habe ich da ’ne Menge Spaß versäumt.
    Kaffee-Charly

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