Film- und Serienkritiken

Ernsthafte Kritiken zu Film und Serie.

Star Trek-Bücher für Feinschmecker – Ein Gastbeitrag

Unser Leser Tobias H. hat wieder zugeschl… -lesen und gleich mehrere ST-Roman-Reihen durch sein Großhirn gezogen. Leider waren wir uns aber nicht ganz einig, ob wir diesen Gastbeitrag VOR dem ersten „Star Trek Picard“-Review veröffentlichen oder DANACH. Ich persönlich denke ja, dass sich klassisches Star Trek eher zum Balsam-artigen Runterspülen eignet, statt als Anheizer vor etwas, das höchstens mittelmäßig wird. – Würdigt aber trotzdem diesen Artikel, okay? Mehr Rechercheaufwand ist wohl bisher in keinen Zukunftia-Text geflossen.


Ein Gastbeitrag von Tobias H.

Das JJ-Trek, Discovery, die unsäglichen Short-Treks…

Seien wir ehrlich: die Föderation steckt in der tiefsten (medialen) Krise seit jeher. Wirklich hochwertiges, spannendes Star Trek habe ich seit der 4. Staffel von Enterprise nicht mehr sehen können. Gibt es das denn überhaupt noch? Die Antwort lautet: ja, aber nur auf antiquierten Datenträgern. Denn jenseits der abrams’schen Krach-Bumm-Schlachten gibt es einige lesenswerte Buchreihen. Und da Picard und Kirk ebenfalls Bücher schätzten, handelt es sich hierbei um reinen Fanservice, der das gelebte Trekkietum auf eine ganz neue Ebene hievt.

Stellt Euch nur mal die mögliche Ausgrenzung vor, die Ihr erleben werden, wenn die Menschen begreifen, dass ihr Trekkies und Bücherfans zugleich seid. Nicht nur in dieser Hinsicht eröffnen sich ganz neue Welten…

Romane zu dem Star Trek-Universum gibt es schon sehr lange, aber wirklich interessant wurde es erst, als sich der Cross Cult-Verlag blicken ließ. Die Heyne-Heftchen von früher waren eher sehr vergessenswert. Es folgen nun größere Buchreihen der letzten Jahre, die man sich mal ansehen kann.


Vanguard: in einer weit entfernten Raumregion treffen die Interessen der Großmächten (Klingonen, Tholianer, Föderation) aufeinander. Hier wurden neben vielen bewohnbaren Artefakten auch Hinterlassenschaften einer alten Spezies entdeckt. Gerüchte deuten auf deren Rückkehr hin…

Selten: bei Vanguard sind sogar die Cover der Bücher gelungen.

Eine TOS-Romareihe? Ich war damals wirklich skeptisch, aber Vanguard zählt wohl zu den besten Buchreihen, die man in puncto Star Trek finden kann. Die Figuren funktionieren sehr gut, sind durchweg plastisch gezeichnet und die Story rund um instabile politische Allianzen und mächtige Artefakte ist wirklich spannend. Hier würde ich mir wirklich eine Fernsehserie wünschen. Diese Romane sind im Grunde eine Art TOS-Edition von DS9 – mit allen Stärken des verrückten cardassianischen Reifens.

Die Reihe umfasst 8 Bände:

1. Der Vorbote
2. Rufe den Donner
3. Ernte den Sturm
4. Offene Geheimnisse
5. Vor dem Fall
6. Enthüllungen
7. Das jüngste Gericht
8. Sturm auf den Himmel


Titan: am Ende von Nemesis wurde es erwähnt – Riker bekommt mit der Titan ein eigenes Schiff und macht da weiter wo die Enterprise-D aufhörte. Die Titan und ihre sehr bunte Crew (nur ein Bruchteil ist menschlich) brechen dorthin auf, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen war…

„Titan“ ist dann optisch schon wieder typisch-lieblos, aber immerhin gibt es da noch Luft nach unten.

Im Gegensatz zu Vanguard wird hier keine zusammenhängende Geschichte erzählt (nur die ersten beiden Bände bauen aufeinander auf), sondern jedes Abenteuer steht für sich. Qualitativ muss man hierbei auch einige Sprünge erleben. Titan überzeugt weniger wegen seiner Ideen als vielmehr über seinen Charme. Neben Riker tauchen auch alte Bekannte mit auf: Troi, seine Frau, ist mit an Bord, Tuvok kommt mit dazu und auch eine Figur aus einer DS9-Episode (Melora Pazlar) wird auf die Titan geholt. Das TNG-Feeling macht die Reihe dann recht angenehm, aber nicht überragend. Unbedingt empfehlen kann ich den ersten Band. Dort wird das Chaos geschildert, das nach dem Shinzon-Putsch im romulanischen Raum herrscht. Diese Geschichte ist wesentlich besser als der Film, auf dem sie aufbaut. Leider ist Band 2 schon erheblich schwächer. Band 3 erreicht hingegen ungeahnte Höhen und sei allen TNG-Fans ans Herz gelegt.

Auch Titan kommt mit acht Bänden daher:

1. Eine neue Ära
2. Der rote König
3. Die Hunde des Orion
4. Schwert des Damokles
5. Stürmische See
6. Synthese
7. Gefallene Götter
8. Aus der Dunkelheit


Enterprise (der romulanische Krieg): wie schon gesagt, Enterprise fand ich am Ende echt gelungen und hier erfahren wir nun, wie es hätte weitergehen sollen (ein Teil der Story soll wohl auf den Drehbüchern der nie gesendeten fünften Staffel basieren). Archer, T’Pol und Trip versuchen die junge Koalition der Welten zum Laufen zu bringen, doch da schlagen die mysteriösen Romulaner zu und bringen die junge Allianz an den Rande der Niederlage…

Beinahe hätte ich mir wegen diesem Anblick ein schönes Leseerlebnis entgehen lassen. Zum Glück kann man diesen Band direkt überspringen (und landet dann beim sympathischeren Trip).

Es ist wichtig, sich bei dieser Buchreihe vom ersten Teil nicht abschrecken zu lassen, denn dieser hat mit der eigentlichen Handlung der späteren Bücher nichts zu tun und ist selber ziemlich schwach. Wer etwas über diesen ersten Kampf des noch jungen Bündnisses lesen will, kann getrost bei Band 2 einsteigen. Hier kommt man aber dann voll auf seine Kosten. Die Story wird zu einem guten Teil auch aus romulanischer Sicht geschildert, die Politik gärt überall und Archer macht Karriere und wird zum Buhmann ohnegleichen. Viele gute Einfälle und einige echt starke Momente zeichnen diese Buchreihe aus und lassen uns ENT im Nachhinein dann doch in einem guten Licht erscheinen. Die Enterprise-Reihe lohnt sich wirklich total.

Die Enterprise-Reihe umfasst sechs Bände:

1. Das höchste Maß an Hingabe
2. Was Menschen Gutes tun (schwierig als Buch zu bekommen)
3. Kobayashi Maru
4. Unter den Schwingen des Raubvogels I
5. Unter den Schwingen des Raubvogels II
6. Die dem Sturm trotzen


Prey: die Klingonen waren mal die Stars des Universums. In seligen TNG-Zeiten kam keine Staffel ohne mindestens eine Folge aus, die diese doof-interessante Kultur NOCH präziser zeichnete. Mit Prey wagte man sich erstmals an eine Reihe, bei welcher die menschliche Perspektive eher nebensächlich ist. Nie zuvor war man bei den Klingonen so dicht dran. Die Trilogie passt gut in den Kanon und macht deutlich mehr Sinn als die Dinge, welche uns seit dem Sarkophag-Schiff so in puncto Klingonen begegnen.

„Prey“ wartet mit viel Fanservice auf und kann sogar mit einer klingonischen Rückseite punkten. Nur ein komplett zweisprachiger Roman wäre noch konsequenter gewesen.

So macht man es richtig: wer die Raubeine mag, sollte sich diese Trilogie besorgen. Besonders gut ist auch das Hörbuch: eingesprochen hat es die deutsche Stimme von Mr. Worf!

Die drei Bände sind:

1. Das Herz der Hölle
2. Der Trick des Schakals
3. Die Halle der Helden


Der besondere Tipp: auch wenn die Romane um DS9 eher mau sind: „Ein Stich zur rechten Zeit“ (nur noch schwer als Buch zu bekommen) von Andrew Robinson lohnt sich. Dort stellt der Schauspieler die frühen Jahre seiner Figur Garak dar. Das ist der womöglich beste Einzelroman, den je ein Trekkie in Händen halten durfte. Schade, dass Robinson nicht mehr Romane machte.

Wo ich von schwachen Reihen sprach: „Die Eugenischen Kriege“ halten überhaupt nicht, was der Titel verspricht und auch die Voyager-Romane wiederholen die Fehler der Vorlage und sollten gemieden werden. Es gibt auch das Super-Crossover „Destiny“ (spielt teilweise in der „Titan“-Reihe), welches zwar viel Epik und etliche Zeitebenen bietet, aber für meinen Geschmack etwas zu viel wollte.

Unter dem Strich sind die Star Trek-Romane auch weiterhin ein Wust aus Mittelmäßigkeit, aus dem immer wieder schöne Glanzlichter herausragen – so wie auch in… den Serien?!


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Artikel

von Klapowski am 23.01.20 in Gastbeitrag

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Kommentare (7)

  1. Nestroy sagt:

    Es gibt GUTE Star Trek Romane? Was man nicht alles auf Zukunftia lernt! Bildungsauftrag wieder mal voll erfüllt!

    Aber zugegeben, einige (die meisten) der hier genannten Titel und Reihen sehen wirklich interessant aus und ich werd mir das wohl näher ansehen (wenn nicht sogar lesen, trotz dass mein Bücherregal auch so schon durchbricht).

    Ich kenne literarisch ja bislang nur eher schlechte bis sehr schlechte Star Trek Romane aus eigener Erfahrung und dessen haarsträubenden König „Star Trek. Classic-Serie, Band 89: Die Rückkehr“ von William Shatner persönlich geschrieben. Wirklich zum davonlaufen, aber ich habe mich auf Amazon schon zur Genüge über dieses Buch beschwert, weshalb ich es euch an dieser Stelle weiters erspare.

    Aber vielen Dank für die guten Buchempfehlungen Tobias!

  2. Grinch1969 sagt:

    Vielen Dank hierfür.Ich bin vor Jahren, ebenso wie aus den Star Wars Bänden, aufgrund der unsäglichen Mittelmäßigkeit und Belanglosigkeit der Romane ausgestiegen. Werde nun aber zumindest Prey und STE eine Chance geben.

  3. Bolleraner sagt:

    Auf Spotify gibt’s den TNG-Roman „Tod im Winter“ als Audiobuch auf deutsch mit den originalen Synchronstimmen. Er spielt zeitlich nach Nemesis und ist strunzlangweilig. Ich kann ihn überhaupt nicht empfehlen.

    Irgendeinen Klingonenroman mit Raimund Krone als Sprecher gibt’s da auch noch. Den habe ich so schnell wieder beendet, wie ich ihn angefangen hatte. Das war nicht auszuhaltbar.

    Die Produktionen sind echt in Ordnung, aber die Geschichten leider nicht.

  4. Ein Riesenbovist sagt:

    Die Vanguard-Reihe kann ich wärmstens empfehlen. Gute Story, spannend geschrieben, Charaktere mit nachvollziehbaren Motiven und Verhaltensmustern. Es hat 1-2 kleine Schwächen, wo es stellenweise dann mal nicht sooo interessant ist, aber hey, acht Bände. Da kann man das problemlos ignorieren. Kaufen !

    Danke Tobias H für den Gastbeitrag!

  5. Dingens sagt:

    Ich stimme Tobias H. bei allem, was er schreibt, voll zu. Zusätzlich hervorheben möchte ich zwei Autoren:

    -Christopher L. Bennett. Autor von dem erwähnten Orion’s Hounds und weiteren. Er baut sehr großartige und in sich glaubwürdige Welten auf. Keine 08/15-Aliens der Woche.

    -Keith R.A. DeCandido. Scheint von allen Star Trek Autoren über die größten Star Trek Kenntnisse ever zu verfügen und verbindet diese Kenntnisse mit glaubwürdigen Charakteren, spannenden Geschichten und einem Respekt für etablierten Kanon, der einem aktuell J.J.Abrams-/Discovery-geschädigten Fan das Herz wärmt. Versucht sich sogar mMn gut daran, nervende Lücken aus den Filmen zu füllen (z.B. warum sitzt Wesley in Starfleet-Uniform auf der Hochzeit von Riker und Troi). Großartiger Autor! Jawohl!

  6. Yole sagt:

    Ich mag Destiny, die DS9-Romane und besonders empfehlen kann ich Einzelschicksale
    https://www.cross-cult.de/titel/roman-star-trek-einzelschicksale.html?titel_medium=6

    Den Picard-Roman hab ich auch bestellt. Keine Lust mich zu verweigern, auch wenn ich es blöd finde. Von Cross Cult heißt es, dass der Roman das Serienverständnis und den Genuss erweitert… und es ist garantiert nur die Vorgeschichte.

    • Serienfan sagt:

      Erweiterung von „Serienverständnis und Genuss“ … Ich fürchte, dieses Ziel wird man wohl eher mit einer Flasche Schnaps erreichen.

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